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Jüdische Rundschau · 1930-08-15 · Heft 64 (15.8.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 64 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 422 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64, 15. VIII. 1930 Die Revisionisten - Konferenz (Von unserem Berichterstatter) hl, Prag, 12. August 1930. In der Vormittagssitzung am Montagvormittag erstattete Lichtheim das Referat über die Beziehungen der revisionistisehen Union zur Zionistischen Organisation und der Jewish Agency. Eingangs weist er darauf hin, daß die revisionistische Bewegung, die bei ihrer Entstehung auf einem einzigen Menschen aufgebaut war, eigentlich einen Teil des allgemeinen Zionismus darstelle. Um zur Geltung zu kommen, war es nötig, eine eigene Organisation aufzubauen. Das Ausmaß und die Dauer der Sonderexistenz der revisionistischen Bewegung wird jedoch nicht von diesen organisatorischen Notwendigkeiten bestimmt. Innere Gründe zwingen sie auch in Zukunft einen eigenen Weg auf organisatorischem, politischem und vielleicht auch wirtschaftlichem Gebiete zu beschreit e n. Einer dieser Gründe ist die allgemeine Degeneration der zionistischen Bewegung, die in den letzten zehn Jahren durch die Tätigkeit Weizmanns und seiner Freunde eingetreten ist. Das beste Beispiel dafür biete Deutschland, das einst Hand in Hand mit dem russischen Zionismus den maßgebendaten Einfluß auf die Entwicklung der zionistischen Bewegung ausübte. Aber auch in den umliegenden Ländern ist es nicht viel besser. Daß dies möglich war, ist in einem erheblichen Teil die Schuld der Londoner Exekutive, die sich gerade ideologisch auf die zionistisch-degenerierten Kreise in Berlin stützte und hinter einem falschen Achad-Hantnismus versteckte. So entstand in London die Stimmung zu Verzieht und Verkleinerung, ein schiefer Kulturzionismus, der zur besten Ausrede für die englischen Beamten wurde, nichts für uns zu tun. Lichtheim verlies in weiterem Verlauf seiner Rede etliche Stellen aus dem bekannten Grabowski-Artikel (den die ״Jüd. Rundsch.“ im Zusammenhang mit Lichtheims Broschüre in der Nummer vom 14. Februar 1930 besprochen hat — A. d. Red.), der als Sonderdruck allen Konferenzteilnehmern vorlag. Im weiteren Verlaufe des Referates kommt Lichtheim zu dem Schlüsse, daß die revisionistische Union sich, um im Rahmen des Kongreß-Zionismus richtig zur Geltung zu kommen, als Sonderverband deklarieren müsse. Die Revisionisten sollen zwar — nach Lichthelm — in der allgemeinen Kongreß-Organisation verbleiben, aber für sich das größte Maß von Freiheit ln Anspruch nehmen, das mit diesem Verbleiben noch vereinbar ist. Auch für die beiden Fonds werden wir arbeiten, stellen aber die Bedingung, daß von Ihrer Seite aus nichts direkt und Indirekt unternommen werden darf, was gegen uns gerichtet ist. Wir betrachten die zionistischen Fonds grundsätzlich nur als Hilfsfonds der Ko- Ionisation und keinesfalls als ihre Träger. Es darf auf sie keine Rücksicht genommen werden, die eine andere zionistische Arbeit zu schmälern imstande ist. Wir haben auf der Wiener Tagung die PrSrogative der Zionistischen Exekutive auf dem Gebiete der politischen Arbeit anerkannt. Inzwischen sind jedoch Ereignisse eingetreten, die auch hier eine Revision erfordern. Einerseits der tatsächliche Zusammenbruch dieser zionistischen Politik und andererseits der Umstand, daß die Leitung der Politik von der Zion. Organisaiioit auf die Jewish Agency, einer Körperschaft, der wir nicht angehSren, übertragen wurde, und für deren politische Aktionen wir darum auch nicht mehr verantwortlich sein können. Formell stad wir also frei und könnten tun, was wir wollen, aber wir werden uns doch eine gewisse Beschränkung auferlegen und haben es auch btsherdgetan. Wir behalten uns die Freiheit, politische Aktionen zu unternehmen, vor, wie wir sie in der gegebenen Lage für notwendig und nützlieh halten. In unserem Verhältnis zur Jewish Agency hat sich nichts geändert. Ich selbst, der noch in Zürich zu der Minderheit innerhalb unserer Fraktion gehörte, die sich für den Eintritt in die Jewish Agency aussprach, bin durch das vollständige Versagen der erweitertet» Agency zu einem gegenteiligen Standpunkte gekommen» Wir haben nichts gegen die neuen Männer der erweiterten Agency, sondern sind nach wie vor gegen die unmögliche Konstruktion der neuen Körperschaft. Wenn wir die Leitung der Zionistischen Organisation übernehmen werden, werden wir es als eine wichtige Aufgabe betrachten, die richtige Form der Zusammenarbeit mit den Agency-Leuten zu finden. Nach dem Referate Lichtheims, das in seinem Aufbaue und der Kraft der Argumentation als das stärkste der Konferenz bezeichnet werden kann, wurde die Generaldebatte eröffnet. In ihrem Mittelpunkte stehen eigentlich nur zwei Fragen: die von Oroßmann vorgeschlagene Atempause in der KolonisationsarbeTt in Palästina und die Stellung zu dem auf der Wiener Revisionisten-Konferenz gefaßten Beschlüsse, die Prärogativen der ZionistIsehen Exekutive im Hinblick auf die Führung der Politik anzuerkennen. Was das letztere betrifft, so hat sich bisher kein einziger Redner zu Worte gemeldet, der für die Aufrechterhaltung dieses Beschlusses eingetreten wäre, ja, einer sucht den anderen an Radikalismus in der Forderung nach Durchbrechung jenes Prinzipes zu übertreffen. Die Selbst* Sicherheit, bereits d I e Zionistische Organisation zu sein, außerhalb derer es gar kein zionistisches Leben mehr gibt, tritt in diesem Punkt bis Las Unglaubliche gesteigert, bei allen Rednern hervor, ln der Stellungnahme zu dem Vorschläge der Atempause scheiden sich jedoch bereits die Geister. Schechtmann und Klinoff haben die Forderung Großmanns nicht nur unterstrichen, sondern viel schärfer betont. Sie fordern für eine bisher noch nicht angegebenen Zeitspanne, die Einstellung jeglicher Kolonisationstätigkeit in Palästina. Auf die Einwürfe, was aber In dieser Zeit der Jischuw beginnen solle, antwortete Schechtmann, daß eben einmal für ein Jahr jüdische Kinder nicht in die Schulen gehen sollen und jüdische Kranke keine Spitäler haben werden. Die Regierung wird durch diesen Umstand selbst ge- , zwungen werden, die Maßnahmen zu ergreifen, die wir seit Jahren vergeblich fordern und wenn falls auch dam» nicht, wird der wirtschaftliche Ruin des Landes sie dazu zwingen. Klinoff betonte, daß die Forderung nach der Atempause als d i e Parole der Konferenz in die zionistische Welt nerausgetragen werden soll und ohne Rücksicht auf die Opfer, die sie erfordert, durchgeführt werden müsse. Wir haben bereits genug Opfer gebracht und diese werden wenigstens sinnvoller sein, als die von Safed und Hebron. Man dürfe sich nicht durch Vergleiche mit der mißglückten passiven Resistenz während der Ruhrbesetzung irremachen lassen. Klinoffs Rede wurde an Schärfe nur von der eines beßarabischen Heißspornes übertroffen, der Jabotinsky und Großmann, besonders aber letzteren, scharf angriff und ihnen zum Vorwurf machte, daß sie nicht in den Tagen nach den Unruhen, als die Zionistische Exekutive außerhalb Londons weilte, durch einen ״revolutionären Staatsstreich“ 77 Great Russelstreet (das Hauptbüro der Londoner Exekutive) besetzt und somit die Leitung der ganzen Bewegung an sich gerissen hätten. Alle Vorschläge, die der Konferenz unterbreitet wurden, seien wertlos. Es gäbe nur einen Weg: abzuwarten, bk wieder so eine günstige Situation eintrltt und dann ohne zu zögern und ohne zu Tragen, die Leitung zu übernehmen. Bezeichnenderweise fand auch dieser Redner starken Beifall. Im weiteren Verlaufe der Generaldebatte unterbreitete Dr. L 1c h tn e r namens der tschechoslowakischen Revisionisten den Antrag, am 17. Kongreß unter allen Umständen in die Leitung einzutreten, eventuell auch in eine Koalition, und die Verhandlungen darüber schon jetzt zu beginnen. Dr. Lichtner fand wenig Zustimmung zu seinen Ausführungen im Plenum. Die Stimmung geht vielmehr dahin, so zu arbeiten, daß in kürzester Zeit die revisionistische Organisation d 1 e zionistische Organisation darstellen soll und ipso die revisionistische Leitung die zionistische. Gegen die Parole der ״Atempause“ wandte sich in eindringlichen Worten Bonn fe Id aus Palästina, der sie für schädlich und unmöglich hält. Man dürfe nicht mehr mit so mechanischen Auffassungen operieren, wo heute der Jischuw bereits ein organisches Gebilde darstelle, über dessen Leben keinerlei Beschlüsse entscheiden können. Die Parole sei nicht nur schädlich, sondern werde auch keineswegs von den zionistischen Massen verstanden und gebilligt werden. Und sollte sie die revisionistische Bewegung wirklich auf ihr Schild heben, so werde das ihren Zusammenbruch bedeuten. Brodetzkys Begrüßungsrede Im Verlaufe des Nachmittags traf Prof. Brodetzky ein und ergriff zu einer Begrüßung seitens der Londoner Exekutive und zu einer kurzen Darlegung zur momentanen Situation das Wort. Die Leitung der Konferenz hatte sich zwar bemüht, durch vorherige Ermahnung der Delegierten Konflikt- Szenen während dieser Rede zu vermeiden, doch ist ihr dies leider nicht ganz gelungen. Brodetzky bemühte sich trotz aller Störun^sversuche, seiner Zuhörerschaft klarzulcgen, welche Motive die Zionistische Exekutive dazu bewogen haben, mit Simpson zusammenzuarbeiten. Die Exekutive habe nichts dagegen einzuwenden, wenn die palästinensische Regierung sich mm endlich auch ihrer Aufgaben besinne und etwas zur Linderung der Not unter den verarmten arabischen Fellachen beitragen wolle. Aber die Exekutive habe gegenüber der englischen Regierung immer wieder betont, daß der Hauptsinn des Mandates in der Errichtung der Jüdischen Heimstätte liege und Englands Existenz ln Palästina nur aus der Baffour-Deklaration abzuleiten sei. Auf die innerzionistischen Probleme übergehend, erklärte Brodetzky, warum die Exekutive seinerzeit den revisionistischen Vorschlag auf Einsetzung einer p ari tä tischenp olitisc hen Kornm i s s i o n nicht akzeptieren konnte. Dieser Vorschlag hätte nichts anderes bedeutet, als die Absetzung der Exekutive (Zwischenruf Jabotinskys: Ja, die vollständige Beseitigung dieser Exekutive!). Also wozu dann — fährt Brodetsky fort — ein solches Manöver und warum die Forderung nach einer so harmlosen Kommission, hinter der sich — wie Jabotinsky jetzt selbst zugibt — etwas ganz anderes verborgen hat?! Brodetzky verteidigte dann ganz energisch die Forderung nach Einhaltung der Prärogativen der Zionistischen Exekutive und warnt die Konferenz in eindringlichsten Worten, einen so gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen, wie ihn manche Redner vorgeschlagen haben. Einige Zuhörer, die nach der Rede Brodetzkys Beifall klatschten, wurden seitens der Konferenzteilnehmer zur Ruhe ermahnt. Zu Beginn der Abendsitzung antwortete Lichtheim auf dl* Rede Brodetzkys. Er wies darauf bim* daß;die Politik der Gesamtexekutive Bankrott erlitten habe, und daß die Revisionisten darum kein Vertrauen zu ihr haben könnten. Im Interesse der zionistischen Bewegung sehen sich die Revisionisten gezwungen, eigene politisch e Wege zu beschreiten. Die Zionistische Exekutive sei heute nicht mehr in der Position, die Revisionisten davon abhalten zu können. Im Laufe des Dienstags fanden keine Sitzungen statt. Es tagen die Kommissionen. Dem Berichte des Legitimationsausschusses zufolge nehmen an den Beratuiigen 203 Delegierte teil. Davon 85 aus Polen, 25 Rumänien, 20 Tschechoslowakei, 15 Lettland, 12 Deutschland usw. Vielfach wurde vermerkt, daß bei der Eröffnungssitzung die Konferenz weder mündlich noch schriftlich seitens der englischen Gesandtschaft begrüßt worden war. Auf die Anfrage unseres Korrespondenten bei der Leitung des Kongresses wurde ihm mitgeteilt, daß an die englische Gesandtschaft überhaupt keine Einladung ergangen war. Eine tschechische Abendzeitung will von gut informierter Seite erfahren haben, daß Stricker, der an der Konferenz als Gast teilnimmt, mit der revisionistischen Leitung wegen seines E i ntrittes in die revisionistische Union in Verbindüng stehe. * hl, 13. August 1930. Im Verlaufe der Debatte sprach unter anderem Dr. Arnsberg (Frankfurt), der sien zu dem von Jabotinsky geprägten und vielfach auf der Konferenz kritisierten Ausdrucke der neuen ״revisionistischen Rasse“ bekannte. Er fordert die Schaffung eines neuen zionistischen Menschentypus, wie ihn der Faschismus in anderen Ländern erzogen hat. Er tritt für eiserne Disziplin auf, für militärische Ordn u n g in der Partei und Erschwerung der Aufnahme neuer Mitglieder. Nur aus neuen Menschen kann die neue zionistische Rasse entstehen. Die anderen Zionisten sind verkalkt und können hier nicht mehr verwendet werden. Dr. Hotfmann (Lettland), einer der angesehensten Führer des Brith- Trumpeldor, hielt eine scharfe Oppositionsrede gegen die revisionistische Leitung. Er warf ihr vor, mit keinem positiven Vorschläge zur Konferenz gekommen zu sein. Man habe zwar viel von dem bevorstehenden Systemwechsel gesprochen, aber das neue System, das nun die zionistischen Massen von den Revisionisten erwarten, noch nicht herausgearbeitet. Die Arbeiterpolitik der Revisionisten Dienstag vormittag hielt Weinstein (Palästina) das Referat über die soziale Einstellung und die A r b e i t e r p o 1 i - tik der Revisionisten. Er wies darauf hin, daß für die Revisionisten im heutigen Stande des Aufbauwerkes kein soziales Problem existiere. Dieses werde nach der Erreichung einer jüdischen Majorität von selbst gelöst werden. Er fordert die Schaffung einer revisionistischen Arbeiterorganisation in Palästina, um die Macht der Histadruth Haowdim zu brechen. Jabotinsky gab später die Erklärung ab, daß er mit diesem Referate übereinstimmt. Es folgen Referate über die Beziehung des Brith Trumpeldor zur revisionistischen Organisation, über Hachscharah und T e 1 - C h a j Fond. Es wurde vorgeschlagen, die Arbeit für diesen Fonds, dessen Aufgabe es ist, die ״Wehr- Sport- Erziehung“ zu finanzieren, auszubauen, und ihn dem Keren Haiessod und Keren Kajemeth gleich/ustellen. Zwei Monate im Jahre sollen in jedem Land ausschließlich dieser Sammeltätigkeit (Haus- und Block-Sammlungen, Vera!!staltungen, Eintragungen in das ״Eiserne Buch“ des Keren Tel-Chaj) gewidmet werden. Danzcs (Amerika) wandte sich gegen den Vorschlag der Gründung einer neuen nationalen Arbeiter- Organisation in Palästina. Auch Dr. Hoff mann warnt in eindringlichen Worten vor dem von Weinstein vorgeschlagenen Schritt. Die neue Arbeiterorganisation׳ würde, solange die Stellung der revisionistischen Union auf sozialem Gebiete nicht geklärt ist, eine ähnliche Rolle spielen, wie die gelben Gewerk schäften in Europa. Beide Reden wurden von der Konferenz mit eisigem Schweigen aufgenommen. Abends fand eine vertrauliche, nur für Delegierte zugängliehe Sitzung statt. Es sollte hier unter andern tue Frage eines eventuellen Austrittes aus der Zionistischen Organisation erörtert werden. Wie Ihr Korrespondent durch Umfrage feststellte, spricht sich die überwiegende Mehrheit gegen den Austritt aus. Die Konferenz, deren Schluß für Donnerstag vorgesehen war, wird, da noch über zwanzig Debatteredner zu Worte kommen sollen, erst im Laufe des Freitag beendet werden. Die im Anschlüsse an die Konferenz geplante Pegisch ah des Brith Trumpeldor findet nicht statt. Soskin über die Bodenfrage Prag, 12. August. (J. T. A.) In der Nachmittagssitzung vom 11. August (Vorsitz Jakob Kahan) erstattete Dr. S. Sosk in, Genf, sein Referat über die Landfrage in Palästina. Der soziale Bedarf an Boden wurde bisher durch den K. K. L. gedeckt, der nur ein Palliativmittel ist und seit 1897 nur 250 000 Dunam Boden erworben hat. Getreidebau ist in Palästina nicht lohnend und man könne auch nicht Molkereiprodukte nach Europa schicken, wie es sich Dr. Ruppin vorstelle (?). Nur Kinder oder Auguren können behaupten, daß man für 2 bis 2!/1 Millionen Pfund jährlich innerhalb 15 bis 20 Jahren 50 000 Familien ansiedeln könne und daß ein solcher Betrag für ländliehe Siedlung allein überhaupt aufbringbar sei. Die Grundlage der Palästinawirtschaft müsse intensive Landwirtschaft, Industrie und Touristik bilden. Wenn wir nur hundert Menschen auf den Quadratkilometer ansiedeta, so haben wir in Palästina Möglichkeit für sechs Millionen Juden, der nördlich von Libanon gelegene Teil (?) kann sogar 126 Menschen pro Quadratkilometer fassen. Dies bedeutet eine Vermehrung der Bevölkerung um fünf Millionen. In seinem Referat empfiehlt Dr. Soskin weiter die Schaffung eines ״Bureau of Reclamation“ sowie die Schaffung einer Landreserve aus einem Teil des nicht bebauten Landes. Die Voraussetzungen sind: 1. Territoriale Einheitlichkeit aller das Land beesiedelnden Elemente unter Ausschaltung der sogenannten nationalen arabischen Frage, die eine rein soziale ist. 2. Behandlung Palästinas als eines Falles 8ui generis. 3. Sinngemäße Anwendung des Mandates auch auf die vorhandenen Böden. Von den 27 Millionen Dunam sind etwa 10 Millionen kultiviert, weitere 2*/* kulturfähig aber nicht kultiviert, 7(4 Weiden usw. Die Frage des ״geeigneten Land- Systems“ in Palästina bestehe in der Ueberführung der Latifundien in die Landreserve und Einführung einer Bodensteuer, die alles nicht vom Besitzer bebaute Land treffe. Die Rückgäbe des Landes an die verfügungsberechtigte Körperschaft müsse gegen eine angemessene Entschädigung geschehen. Die Folge der Steuerbelastung nicht selbstbearbeiteter Böden wäre ein starkes Sinken der Preise auf dem Markt. Zur Uebernahme der Böden müsse eine Landbank geschaffen werden, die durch Ausgabe 5 ״/oiger Hypothekenbriefe mit einem kleinen Kapital gegründet werden kann. Mit diesen Hypothekenbriefen werden die Effendis bezahlt. Die Landreserve wird also durch das Erschließungsbüro und die Landbank gespeist. Ein ״Land Settlement Board“ verfügt über das Land und seine Vertei- Iung. Es sei eine Leitung aus Männern nötig, die den Weitblick hätte, die Siedlungsfrage so anzufassen, wie sie angefaßt werden müsse* wenn das Jüdische.Volk, zu seinetp Ziei getangen solle. Vom Weltverbanä der jüdischen Jagend Genf, 10. August. (J.T. A.) Nach viertägiger Dauer ist der dritte Kongreß des Weltverbandes der jüdischen Jugend beendet worden. Es wurden Beschlüsse über organisatorischen Aufbau und Stärkung des Weltverbandes gefaßt. Ferner wurden Beschlüsse über Erziehungsarbeit, Zusammenarbeit mit dem Welt-Makkabi und den Zopnim-Organisationen, Arbeit für den Keren Kajemeth u. a. m. angenommen. Der Kongreß protestierte gegen die Ueberfälle auf den jüdischen Jischuw in Palästina und die Verletzung des Mandates. Es wurde auch eine Resolution gegen jede Kalenderreform angenommen, die auf dem Blänko-Tag basiert und eine Gefahr für den jüdischen Sabbath bedeutet. Der Kongreß wählte ein zwanziggliedriges Zentralkomitee, von welchem die Hälfte der Mitglieder in Paris lebt. Zum Präsidenten des Weltverbandes wurde Aimfi P a 11 i e r e, zum Präsidenten des Zentralkomitees Schramek (Straßburg) gewählt. Dem Zentralkomitee gehören u. a. an: Alfonso Pacif ici (Florenz), David Prato (Alexandrien), Frau Schwöb, Frau Netter. Die Schlußsitzung des Kongresses war ausgefüllt von einer Debatte über die B e d e u t u n g P a I ä s t f n a s für das jüdische Bewußtsein im allgemeinen und das der jüdischen Jugend im besonderen. Mehrere Redner schilderten den hohen moral!- sehen Wert des jüdischen Aufbauwerks in Palästina für die Bildung einer Weltanschauung der jüdischen Jugend. Das Wort ergriff als Gast der Rabbiner von Baltimore, Dr. C o b I e n z , der über die Rolle Palästinas in der jüdischen Geschichte sprach und die jüdische Jugend beschwor, die jüdische Seele aus dem Galuth befreien zu helfen. Es sprach auch der Rabbiner der sephardischen Gemeinde in New York, Dr. Pereira Mendes, über jüdische Ethik und Tradition. In seiner Schlußrede erklärte Aimd Falliere, daß die Verhandlungen mit Vertretern der verschiedenen Jugendorganisationen den Erfolg gehabt haben, daß der Grundstein gelegt wurde zu einer ״Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugendorganisationen“, deren Zweck es ist, einen ständigen Kontakt zwischen den einzelnen Jugendverbänden zu unterhalten und deren Tätigkeiten zu koordinieren. Vorläufiger Sitz dieser Arbeitsgemeinschaft ist Genf. Dieser Beschluß muß von den einzelnen Organisationen sanktioniert werden. Prinzipiell haben den Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft erklärt die Vertreter des Welt-Makkabi, des Weltverbandes der jüdischen Jugend, der Vereinigung der agudistisehen Jugendorganisationen, des jüdischen Jugendverbandes in der Schweiz, der zionistischen Studentenföderation in England u. a. m. * Genf, 10. August. (J.T. A.) Aimö Paifiere, Schratnek und Halt haben 1m Namen des Kongresses des Weltverbandes der jüdischen Jugend den stellvertretenden Generalsekretär des Völkerbundes, A ven 01, besucht und ihm die vom Kongreß gefaßte Resolution bezüglich Palästinas überreicht. Pafiiere, Schramek und Toledo besuchten auch die ständige rumänische Delegation beim Völkerbund und überreichten ihr eine Protestresolution gegen die antisemitische* Hetze und die antijüdischen Exzesse in Rumänien. Der rumänische Bevollmächtigte, Antoniade, gab die Versicherung ab, daß die Regierung mit allen Mitteln die Ordnung aufrechterhalten wird.

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