Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 64 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 424 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64, 15. VIII. 1930 Arthur Nathan Der am 8. August auf so tragische Weise aus dem Leben eschiedene Arthur Nathan hat im jüdisch-kulturellen eben Berlins eine führende Stellung eingenommen. Von jeher für alles Jüdische interessiert, fand er in Berlin, wo er wenige Jahre nach dem Kriege seinen Aufenthalt genommen hatte, in der jüdischen Kulturarbeit ein Feld für seine Betätigung. Deshalb trat er bald in den Vorstand des Jüdischen Schulvereins ein, der damals die ersten Versuche unternahm, Erziehung und Unterricht der jüdischen Jugend auf moderner Grundlage neu zu gestalten. Die Idee der jüdischen Schule fand bei ihm lebhaften Widerhall, und, seinem auf Verwirklichung von Ideen gerichteten Wesen entsprechend, stellte er seine ganze Tatkraft und Arbeitsfreudigkeit in den Dienst dieser Aufgabe. Die jüdischen Volksschulen in der Fasanenstraße und in der Rykestraße haben ihm Unendliches zu verdanken; nicht nur, daß er viele Jahre hindurch unter großen persänliehen Opfern alles tat, um die finanzielle Grundlage der Schulen zu sichern, auch die pädagogische Ausgestaltung der Anstalten fand bei ihm ein Verständnis, wie es bei einem nicht fachmännisch Geschulten außerordentlich genannt werden muß. Als wichtigste Grundlage für die jüdische Erziehung im Galuth erschien ihm die hebräische Sprache, der er seine besondere Liebe zuwandte. Erst in späteren Jahren mit dem Studium des Hebräischen beginnend, widmete er sich ihm mit der ihm eigenen Intensität, die ihn zu einer bei deutschen Juden nur selten an zutreffenden Beherrschung der Sprache gelangen Heß. Alle Institute zur Förderung der hebräischen Sprache und Literatur fanden seine Anteilnahme. Vor allem interessierte ihn hier die ״Hebräische Sprachschule“ (die jetzige ״Hebräische Lehranstalt“ der Jüdischen Gemeinde), die die 0Übertragung der Methoden des modernen Sprachunterrichts auf das Hebräische zuerst in größerem Umfange in Deutschland einführte. Auf dem Gebiete hebräischkultureller Bestrebungen erwarb er sich noch im letzten Jahre ein besonderes Verdienst durch die Gründung des ״B e t h - am iwri“. Die Schaffung dieses hebräischen Zentrums in Berlin ist wesentlich auf seine Initiative zurückzuführen. Wie überall, begnügte er sich auch hier nicht damit, eine Institution ins Leben zu rufen; er arbeitete vielmehr ständig an dem Ausbau des Werkes mit. Auch in der Jüdischen Gemeinde betätigte sich Nathan mit größtem Eifer. Die Jüdische Volkspartei entsandte ihn in den ״Schul- und Tafmud-Thora-Vorstand“ der Gemeinde, und sie hätte keinen geeigneteren Vertreter finden können. Er versäumte kaum eine Sitzung dieses Ausschusses und trat dort immer bei allem Verständnis für das Bestehende mit größter Entschiedenheit für die modernen jüdischen Forderungen ein. Sein Interesse beschränkte sich nicht nur auf das Galuth. Palästina spielte in seinen Plänen eine große Rolle. Die Hoffnungen, die er mit dem Palästina-Aufbau verknüpfte, kamen besonders vor einigen Jahren in seiner Hilfsbereitschaff für die Blau-Weiß-Werkstätten zum Ausdruck. So sehr ihn seine berufliche Tätigkeit in Anspruch nahm, so versagte er sich doch nie den immer wachsenden Forderungen, die die verschiedensten Organisationen an ihn stellten. Dabei blieb seine Persönlichkeit ganz im Hintergründe. Ihm kam es stets nur auf die Sache an. Ehrungen jeder Art waren seiner Natur zuwider, wenngleich er sich des Wertes seiner Leistung durchaus bewußt war. Er genoß daher bei allen, die mit ihm in Berührung kamen, und namentlich auch bei der Jugend, die seinem Herzen besonders nahe stand, die größte Schätzung und Verehrung. Man setzte die größten Hoffnungen aut ihn, dessen reger Geist sich immer mit neuen Plänen beschäftigte. Nun ist er plötzlich aus unserer Mitte gegangen. Mit der Trauer der Familie verbindet sich der Schmerz aller Freunde jüdischer Kulturarbeit, die einen ihrer Besten beklagen. Als eine wahre Führerpersönlichkeit wird er stets in unserer Erinnerung fortleben. Kurt Hammerstein. Was Roben Brainln sab ״Koges“, das in Berlin erscheinende Korrespondenzblatt der Gesellschaft zur Förderung des jüdischen Siedlungswerkes in der U. d. S.S. R. berichtet in Nr. 2 (5) des 2. Jahrganges vom 15. August: Der berühmte hebräische Dichter und ehemalige Vize- Vorsitzende der Zionistischen Organisation in Amerika Rüben Brainin besuchte in diesem Jahre zum zweitenmal die Sowjet-Union. Das erstemal bereiste er im Jahre 1926 als Beauftragter verschiedener ausländischer jüdischer Organisationen, die tätig in den Gang der Kolonisationsarbeit eingriffen, die jüdischen Gebiete in der U. d. S. S. R. Anlaßlieh seiner Anwesenheit in Minsk im Juli d. J. äußerte er sich einem Mitarbeiter der dortigen Tageszeitung ״Oktjaber“ gegenüber wörtlich folgendermaßen: ״Es ist meine Ansicht, daß die Sowjet-Union das einzige Land ist, in dem die ״Judenfrage“ sowie das Problem der nationalen Minoritäten eine restlose Lösung gefunden haben.“ Rüben Brainin hat eine blühende Phantasie. In Tel- Awiw sah er in den Straßen lauter Jeremiasse und Esras und in der U. d. S.S. R. die ״restlos“ gelöste Judenfrage. Hatikwah im amerikanischen Reformgebetbuch. Die Zentralkonferenz der amerikanischen Rabbinen (Reformrabbiner) hat mit 64 gegen 58 Stimmen beschlossen, das Kol N i d r e in das neue Reformgebetbuch wieder aufzunehmen. Ferner ist beschlossen worden, die Hatikwah neu hereinzunehmen. Der Beschluß, Kol Nidre in die Reformliturgie wieder einzuführen, erstreckt sich jedoch auf die traditionelle Melodie und die ersten beiden Worte des Textes. Rabbi Nathan Crom vom New Yorker Temple Emanuel sagte in der Diskussion, für die Wiederaufnahme des Kol Nidre Partei nehmend: Wir sind schon über den Standpunkt des orthodoxen Gebetes hinausgekommen. Nach den ersten beiden traditionellen Worten soll das Kol-Nidre-Gebet neu ergänzt werden durch Sätze aus den Psalmen oder man sollte Bialik bitten, daß er mit den alten ersten beiden Worten einen neuen Text schreibt. Der Vorschlag, die Hatikwah in das neue Reformgebetbucli aufzunehmen, wurde von Rabbi Stephen S. W i s e gemacht, mit der Begründung, daß die Hatikwah von Juden in der ganzen Welt Streben nach neuem jüdischen Leben ausdrückt. In der von jüdischer Seite herausgegebenen arabischen Zeitung ״El Salaam“ schreibt Nasser el Taher, ein Araber aus Nablus: Jetzt ist es Zeit, die Glocken des Friedens zu läuten; es ist Pflicht beider Völker, der Juden sowohl wie der Araber, zu einer gemeinsamen Beratung ztisammenzutreten, um politische und religiöse Fragen gemäß den Lehren von Moses und von Mohammed in friedlicher Weise zu lösen. Machet ein Ende dem Blutvergießen, schließt Taher, zu welchem Leute aufreizen, die sich als Führer des Volkes ausgeben, aber nur ihr selbstsüchtiges Interesse im Auge haben. Bflcherschau S. Müller, Hauptlehrer in Heidelberg. Von füd. BrSuchen und jüd. Gottesdienst (Verlag Boltze, Karlsruhe.) Wer über jüdische Bräuche und jüdischen Gottesdienst schreiben will, der muß über zweierlei Dinge umfassend verfügen: Einmal über gediegenes historisches Wissen. Der Verfasser hat vor einiger Zeit eine jüdische Geschichte in Charakterbildern, die bereits in 5. Auflage vorliegt, geschrieben und dadurch seine historische Schulung überzeugend erwiesen. Sodann über Gemüt und verstandnisvolles Versenken in alter Tradition. Das ist schwer, das ist kaum zu lehren, das muß man als Blutsbestand־ teil überkommen haben und getreulich verwalten. Für uns Zionisten ist dieses unfaßbare Fluidum zu ahnen und zu erkennen; Bücher, die es in sich tragen, mögen sie auch von Vertretern anderer jüdischer Grundauffassungen geschrieben sein, sind für uns wertvollstes Gut. In diesem Sinne begrüßen wir das Buch, das uns in anspruchslos knapper Form von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst erzählt und wünschen, daß es, wie bisher schon, in vielen Teilen Deutsch* lands im Unterricht benutzt und eitrigst gelesen werden soll. Dr. Otto Simon. Von der im Akademie-Verlag erscheinenden Jubiläumsausgabe der gesammelten Schriften Mendelss o h n s ist soeben der erste Band der ״Schriften zum J udentum“ erschienen. Dieser Band enthält den ganzen Lavater- Streit, die Auseinandersetzung zwischen Mendelssohn und Bonnet, weiter die Ritual-Gesetze der Juden und Aktenstücke zur Reform des Judeneides. Der Band enthält über 700 Seiten und ist bearbeitet von Dr. Simon Rawidowicz, der den einzelnen Texten ausführliche wissenschaftliche Forschungen voranschickt. Zum Lavater-Mendelssohn-Streit gibt Dr. Rawidowicz eine Reihe bisher unveröffentlichter Akten aus verschiedenen Archiven und Bibliotheken. Der ganze Streit wird auf eine neue geisteswissenschaftliche Ebene gebracht, und es werden neue Zusammenhänge aufgedeckt. Dr. Rawidowicz konnte auch neues handschriftliches Material für die Auseinandersetzung Mendelssohns mit dem Philosophen Charles Bonnet beibringen, das eine ausführliche Bearbeitung als Einleitung zu den Gegenbetrachtungen über Bonnets Palingenesie gefunden hat. Auf einem ganz anderen Gebiet liegt die Bearbeitung der Ritualgesetze durch Dr. Rawidowicz. Hier hat der Bearbeiter von ihm im preußischen Staatsarchiv Vorgefundene bisher völlig unbekannte Materialien bearbeitet, so daß nunmehr eine quellenmäßig belegte zeitlich lückenlose Entwicklung der gesamten Vorgeschichte der Ritualgesetze zum ersten Mate gegeben werden konnte. Sehr wuchtig ist der den Ritualgesetzen beigegebene Quellennachweis, der die gesamten halachischen Quellen, soweit sie in Frage kommen, zusammenfaßt. Dem Bande ist ein Apparat angeschlossen, der Anmerkungen, Erläuterungen und eine Reihe von philosophisehen Exkursen für die im Bande gegebenen Texte enthält. Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung versendet soeben ihr Juni-Heft, in dem der frühere Posener Stadtrat und bekannte Lokalhistoriker der Provinz Posen, Arthur K ro n t h al - Berlin, unter dem Titel: ״Aus einem jüdischen Leben des vorigen Jahrhunderts“ eine Biographie seines Großvaters schreibt, die in ihrer Aus führlichkeit und Verknüpfung mit nahezu allen jüdischen und nichtjüdischen Prominenten der Stadt Posen zu einem fesselnden Kulturbilde dieses national heiß umstrittenen Bodens sich gestaltet. Alle früheren Posener dürften diese Studie mit lebhaftem Interesse und innerer Teilnahme lesen, — Bruno J a c o b - Kassel, gibt einen Beitrag über zwei Ritfergeschlechter in Hessen aus dem 14. Jahrhundert, die die Namen Jude resp. Judemann führen und beweisen, daß trotz der rechtlosen Stellung der ungetauften deutschen Juden im Mittelalter ihrer Aufnahme in den deutschen Adel keinerlei Hindernis bereitet wurde, sobald sie nur die Taufe genommen hatten. — Dann gibt Otto Neumann־ Berlin, der unermüdliche Erforscher der Geschichte mecklenburgischer Juden, eine Biographie von Aron Isak, der als vierzehnjähriger Junge seine Heimat Treuenbrietzen bei Berlin verläßt, um mit nichts als einem Grab- Stichel in der Hand sich sein Brot zu verdienen. Er schneidet Petschafte, graviert Zinkkannen, erringt in Mecklenburg die Gunst von Fürsten und Adel, schließlich des Königs von Schweden, und stirbt als angesehener schwedischer Hofjuwelier und Hofsiegelstecher in Stockholm. — Arturo Bab-Rivera, dem die jüdische Familienforschung schon eine Reihe von Beiträgen über Juden in Süd-Amerika und Indien dankt, gibt eine Zusammenstellung von Namen der Kreolischen Juden, d.h. derjenigen Juden, die in Süd- und Mittelamerika, Mexiko und den Antillen geboren sind. Man abonniert die Zeitschrift durch Erwerb der Mitgliedschaft der Gesellschaft für jüdische Familienforschung. Der Jahresbeitrag beträgt 10 M. Anmeldungen an den Vorsitzenden Dr. A. Czellitzer, Berlin WQ, I׳..a.ner Straße 5. Der Vertreter eines Wiener jüdischen Handelshauses, das wertvolle antike Judaica sammelt, hat in Yemen ein vollständiges Manuskript des Standard-Werkes des M a i m o n i - des (Ratnbam), ״J a d H a c h a s a k a h“ gefunden. Das Manuskript ist die Niederschrift eines Rambam-Schülers unter Kontrolle des Rambam selber und enthält zum Schlüsse eine eigenhändige Nachschrift des Maimonides, die die wortgetreue Textniederschrift des ״Jad Hachasakah“ bescheinigt. Alle maßgebenden Instanzen sind über diesen Fund verständigt worden. Für Kursunterricht und Selbststudium empfehlen wir allen, die gründlich Hebräisch erlernen wollen, die von Wissenschaftliehen und pBdagogisehen Autoritäten als außerordentliche Leistung beurteilte Einführung In das Hebräisch der Gegenwart von . DAVID JOSEF BORNSTEIN Broschiert RM. 7,90, in Oanzlelnen gab. RM. 9,—, zuzüglich RM.0,90 für Porto und Verpackung. Ausland RM. 0,70. Uaferung erfolgt gegen Vorauszahlung oder per Nachnahme. Verlag und Alleinvertrieb: JÜDISCHE RUNDSCHAU ©. M. B. H. Berlin W 15, MelnekestraSe 10. Postscheck - Konto! 17392. Wieder eine amerikanische Jüdin Edna Ferber, Das Ist Fanny. Gebr. Enoch Verlag Hamburg. Edna Ferber gehört zu den erfolgreichsten amerikanisehen Schriftstellerinnen. Ihre Bücher verkörpern den Typus der berühmten ״best-sellers“; den Pulitzcr-Preis hat man ihr mehr als einmal zugesprochen — die hohe Literatur verdämmt, der Leser freut sich, ein Verleger neidet sie dem andern. Aber dies ist das erste ihrer Bücher — nicht das vollendetste vielleicht — in welchem etwas von ihrer eignen Seele lebt; wo man überhaupt spürt, daß diese vielgefeiertc und vielgewandte Frau jenes altmodische Möbel, das man früher Seele nannte, noch irgendwo in ihrer sachlichen amerika- «sehen Wohnung aufbewahrt. Nicht umsonst heißt dies Buch in der Ursprache ״Fanny Herseif“ — und Fanny, so scheint es, ist mit Edna nahe verwandt. Fanny und Edna aber sind nichts andres als Vertreterinnen des amerikanischen jungen Mädchens von heute; der jungen amerikanischen Jüdin, die sich ihren Weg durchs Leben kämpft — beiseite wirft, was sie zu hemmen scheint, und am Ende doch wieder einsammeln muß, was sie leichtsinnig beiseite schleuderte. Kein Zufall, daß dies Mädchen eine Jüdin ist; noch weniger Zufall, daß sie sich ihrer jüdischen Eigentümlichkeit am liebsten entschlagen möchte — wenigstens während ihrer Kampfjahre und Zweifeljahre. Edna Ferber hatte schon einmal in dem Romane ״Die Mädchen“ ein Stück der Entwicklung der amerikanischen Frauengenerationen zu zeichnen versucht. Aber jene Frauen-Großmutter, Mutter und Kind, das kein Kind mehr war — blieben schattenhaft gegenüber dieser springlebendigen Fanny. Fanny ist die Tochter einer tapferen Mutter in der typischen amerikanischen Provinzstadt und kämpft sich nach dem Tode ihrer Mutter und einzigen Freundin von der Begrenztheit und Enge des kleinen Ladens in der kleinen Stadt hinauf zur leitenden Stellung im ungeheuren amerikanischen Warenhaus, das alle Farmer in weitem Umkreise beliefert und mit wahrer Leidenschaft und Sachkenntnis fast w(e ein Lebewesen geschildert wird. Natürlieh strebt auch sie wie die Mehrzahl ihrer amerikanischjüdischen Schwestern (wie Mary Autin, Leah Morton und viele andere) aus der Gebundenheit der alten Sitte zur Freiheit oder dem was sie darunter versteht: Freiheit des Berufs, Freiheit der Lebensführung, Freiheit des Herzens.... Aber am Ende des unverzagten Weges steht auch in diesem Buche ein großes Fragezeichen. Und nicht jeder Frau wird es so gut wie dieser Fanny, daß sich Jugendfreund, künstlerische Lebensarbeit und Erkenntnis des eignen Wesens eins nach dem andern zusammenfinden — wenn Edna Ferber dazu auch so gewaltsame Vorkommnisse wie Schneesturm und Verirren der Heldin heranholen muß. Es lebe das Happy End! Gewiß kein tiefes Buch; aber warmherzig, lebendig und flott gezeichnet — und sicher wieder ein best-seller, hoffentlich auch iür den deutschen Verlag, zumal die Uebersetzung ungewöhnlich flüssig und nicht so papierdünn klingt wie sonst meist bei amerikanischen Romanen. Bertha Badt-Strauss. Zionistische Arbeit iß Karlsbad Ein Leser unseres Blattes sendet uns aus Karlsbad einen längeren Bericht, dem wir nachstehende Angaben entnehmen: Donnerstag, den 7. August, fand im Hotel Glattamer ein gut besuchter Diskussionsabend statt. Die Hauptredner des Abends waren Alfred Berger aus Berlin und Dep. Jizchak Grünbaum aus Warschau. Die Ausführungen der beiden Redner, die die heutige politische Situation und die Wege, die In Zukunft eingeschlagen werden müssen, erörterten, wurden mit großer Aufmerksamkeit bis spät in die Nacht an- Oberrabbiner von Rumänien, Dr. Nintlröwer, und Dr. Klee aus Berlin. Der bekannte liberale Karlsbader Rabbiner Dr. Ziegler hat seine am Freitag abend von 1DW שבת vor einem überfüllten Tempel gehaltene Predigt ganz dem Palästinaaufbau gewidmet. Das jüdische Volk, 90 führte er aus, könne sich nur in seinem Urlande voll entfalten und sich von dcnSchlacken des Galuth befreien. Wenn auch Palästina nur einen Bruchteil des jüdischen Volkes aufnehmen wird, den Segen dieser Arbeit werden alle Juden, ja die ganze Menschheit genießen. Das jüdische Volk werde nur in seinem eigenen Lande seine ursprüngiiehe Schaffenskraft wieder erlangen. Ziegler erklärte, er bedauere es aufs tiefste, daß die letzte Konferenz des liberalen Judentums in London den Antrag, über Palästina diskutieren zu dürfen, abgelehnt hat. Als Anhänger des Liberalismus schäme er sich dessen, daß gerade die Liberalen, deren Aufgabe es ist, die sittlichen Ideale des Judentums zu verbreiten, dieses höchste Ideal, welches der Aufbau des Heiligen Landes darstellt, außer acht lassen, ja sogar verwerfen. Er schloß mit einem warmen Appell an die Zuhörer, sie mögen ihren Kindern als eine heilige Lehre und als ein hohes sittliches Gebot einprägen, den Aufbau Erez-Israels mit allen Kräften zu fördern. Diese tief empfundene, mit großer Begeisterung vorgetragene Predigt machte einen ungeheuren Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer. Sonntag, den 10. August, war ein Blumentag des Keren Kajemeth. Das Resultat ist mir in Ziffern noch nicht bekannt, aber nach Beobachtungen von Augenzeugen dürfte er gut ausgefallen sein. Wir konnten mit besonderer Freude feststellen, daß die Blumen ebenso von Nichtjuden wie von Juden gekauft worden sind. Ein Lichtmoment wenigstens in unserem schweren Kampfe um unsere Wiedergeburt, daß es auch Nichtjuden gibt, die nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten unsere Forderungen unterstützt. Karlsbad, den 11. August 1930. Moses Ingber. Die Lage der russischen Juden. Dr. Samuel Eisberg, Vizepräsident der Gesellschaft ״ORT“ in Amerika, der nach einer längeren Reise durch fast alle Gebiete Rußlands in Berlin eingetroffen ist, berichtete in einer Berliner Veranstaltung des ״ORT“ über seine Eindrücke. Er gab eine fesselnde Schilderung des Lebens der jüdischen Massen im heutigen Rußland. Ohne sich in eine Erörterung der Ideen und Methoden des Sowjetreiches einzulassen, entwarf der Gast ein Bild von dem seelischen, sozialen und wirtschaftlichen Niederbruch des russischen Judentums, der unbeschreiblichen Not in den jüdischen Städten und kam zu dem Schlüsse, daß der einzige Lichtblick Und der einzige Rettungsweg, wenigstens für einen Teil des russischen Judentums, das vom Joint Distribution Committee (Agro-Joint) und dem Verbände ״ORT“ durchgeführte Aufbauwerk sei. Dieses Werk müsse noch mehr, als es jetzt schon der Fall ist, vom Weltjudentum gefördert werden. Zur Begrüßung des Gastes ergriffen außer Leo Bramson das Wort Dr. Julius Brutzkus für ״OSE“, Dr. Bernhard Kahn für das J. D. C, Dr. Gergel für das Jüdische Wissenschaftliche Institut, Reuben Brainin, der ebenfalls von einer längeren Rußlandsreise in Berlin eingetroffen ist. In Brünn erschien die erste Nummer der vom ״Jüdischen Buch- und Kunstverlag“ herausgegebenen vierteljährlich erscheinenden ״Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei“. Das Heft enthält Beiträge von Dr. B. Wachstein-Wien, Dr. N. M. Gelber-Wien, Dr. H. Schwenger- Lundcnburgj Jaroslav Polak-Rokycana-Prag u. a. m.