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Jüdische Rundschau · 1930-08-15 · Heft 64 (15.8.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 64 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Regierung hatte ihre Vorbereitungen getroffen, die alte Siadt, die engen Gassen des Bazars und die Seitenstraßen, die zur Klagemauer führen, waren besetzt von Polizei. Der traditionelle Besuch der Juden an der Mauer fand statt, der Umzug um die Stadtmauer jedoch, der sich seit einigen Jahren eingebürgert hatte, wurde aufgegeben, und verschiedene neue Beschränkungen des Oberkommissariats für die Ausübung des Gottesdienstes an der Mauer mußten eingehalten werden. Die Stimmung, nient nur in Jerusalem, sondern im ganzen Lande, war ernst und etwas nervös, ln Tel-Awiw sammelten sich viele Tausende zu einem Vortrag von Klausner über die Zer- Störung des Tempels, und die Straßen waren gedrängt voll von Menschen, die nirgends eine Unterkunft fanden, denn alle Lokale und Vergnügungsstätten waren geschlossen. Und in jener glühend heißen Nacht haben wohl viele die Ereignisse des letzten Jahres noch einmal an sich vorüberziehen lassen. Ein solcher Ueberblick über das letzte Jahr bedeutet nicht weniger als eine nochmalige Ueberlegung des gesamten palästinensischen Problems, jener Frage, von deren Lösung das Land heute ebensoweit entfernt ist wie vor zwölf Monaten. Am neunten Aw begann es. Es folgte der August, es kamen die Untersuchungen, der Kampf vor der Kommission Shaw, die Arbeit Simpsons, die Recherchen der Klagemauer-Kommission. Unmittelbar nach den Unruhen sehnte sich die Bevölkerung vor allem nach Sicherheit und der Befreiung von dem unerträglichen Druck, der über allem lastete. Dieses Gefühl der Sicherheit für Leben und Eigentum ist jetzt nach und nach erwachsen, vor allem durch die Anwesenheit des Militärs, das immer bereit ist, Gewalt gegen Gewalt zu setzen. Und auch eine gewisse Entspannung ist eiugetretcn, die übergroße, oft hysterische Lebendigkeit und Schreckhaftigkeit hat nachgelassen und das tägliche Leben geht seinen Gang wie früher. Aber nur deswegen, weil eben für den Moment die unmittelbare Gefahr nicht spürbar ist und die Konzentrierung auf einen Punkt auf die Dauer sich nicht ertragen läßt. Das Problem als solches jedoch, die palästinensische Frage, ist heute einer Lösung kaum näher. Und während es früher, noch vor einem halben Jahre, in der öffentlichen Diskussion geradezu von Vorschlägen und neuen Plänen zu seiner Lösung wimmelte, ist es heute recht still geworden. Alles läuft ziemlich apathisch den alten Gang. Unter dieser Apathie verborgen ist jedoch ein deutliches Warten auf die nächsten Schritte der Regierung. Noch vor Anbruch des Winters, so glaubt man, wird man vor einer fieuen Situation stehen. Die Vorbereitungen der Regierung sind klar genug. Der Bericht Simpsons wird die wirtschaftlichen Richtlinien, die Anmerkungen zum Bericht der Mandatskommission die politischen Absichten der Regierung in ihrer endgültigen Formulierung zeigen. Und die Entscheidung der Klagemauer-Kommission wird auf einem kleinen, aber wichtigen Teilgebiet eine neue Basis ergeben. Die Frage der Klagemauer, die öffentlich kaum mehr diskutiert wird, ist in den Kreisen der Regierung, ebenso wie bei den leitenden jüdischen und arabischen Instanzen, nach wie vor eine Ursache schweren Kopfzerbrechens. Die Vermittlungsversuche verschiedener Seiten haben nicht zu Resultaten geführt, aber die Bemühungen, einen Modus vinendi zu finden, der für beide Seiten annehmbar ist, werden noch fortgesetzt. Die Kommission selbst hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie nur höchst ungern einen Schiedsspruch fällen würde, der sich nicht auf die Zustimmung beider Seiten stützt. Die Wochen ihrer Anwesenheit im Lande haben genügt, um ihr zu zeigen, daß hier ein Problem vorliegt, das nur mit größter Vorsicht behandelt werden darf, weil es wie kein anderes geeignet ist, politischen Propagandastoff zu liefern. Es ist auffallend, daß die gesamten Verhandiungen in dieser Beziehung vor der Oeffentiichkeit verborgen bleiben. Die Motive für diese Handlungsweise sind leicht zu verstehen. Es scheint mehr Aussicht auf Erfolg zu versprechen, wenn man derartige Fragen ohne jeden Druck von außen, ohne den Druck von Presse und Versammlungen, aus der Welt zu schaffen sucht. Jedoch wäre eine Vorbereitung der Oeffentiichkeit für die zu erwartenden Entscheidungen vielleicht geeignet, Erschütterungen und damit scharfe Reaktionen zu vermeiden. Mit der Abreise Simpsons und der Kiagemauer-Kommission glaubte man im Lande das Kapitel ״Untersuchungen“ abgeschlossen. Die Meldung über den Besuch von Shiels im September zeigt, daß das Colonial Office dem Wirtschaftliehe Bericht von Simpson noch einen letzten politischen Ueberblick angliedern■ will, bevor die Regierung sich zu der lange erwarteten Erklärung über die Palästinapolitik entschließt. Und sowohl Juden wie Araber beginnen sich bereits auf diesen Besuch vorzubereiten. Je länger diese verschiedenen Untersuchungen fortschreiten, desto leichter lassen sie sich durchführen. Es gibt bald kein Gebiet des öffentlichen Lebens mehr im Lande, über das nicht im *Laufe des letzten Jahres in Hast und Eile umfangreiches Material zusammengetragen wäre. Das hat manch Gutes für sich. Palästina ist während der letzten Periode erforscht und zum Teil recht gründlich erforscht worden. Vor allem ist eine große Versäumnis der Administration, nämlich die Untersuchung der arabischen Wirtschaft, nachgeholt worden. Und es bleibt jetzt abzuwarten, wie dieses angehäufte Material von den verschiedenen Seiten verwendet werden wird. Innerhalb des jüdischen Lagers ist es in den letzten Wochen recht still geworden, nicht nur weil man ״abwartet“ — was man eigentlich schon seit langem tut — sondern auch weil sich die Sommersaison mit ihren vielen Auslandsreisen und ihrer allgemeinen Mattigkeit überall spürbar macht. Man diskutiert da und dort nach wie vor den Kongreß, spricht von der Zusammensetzung der neuen Exekutive, freilich ohne berondere Anteilnahme weiter Kreise. Auch im arabischen Lager ist die Aktivität etwas gesunken. Die Forderungen nach einer arabischen Konferenz, die nach der Rückkehr der Delegation nach London verlangt wurde, sind bisher nicht erfüllt worden. Bei dem Bericht der Delegierten vor der Arabischen Exekutive haben sich die zwei Strömungen, die bereits früher bestanden, noch klarer gezeigt. Die ״Gemäßigten“, die sich von Verhandlungen mit England viel versprechen und die auf Erfolge der Aktionen in London und Genf hinweisen können, was die Opposition zeitweilig hat schweigen lassen, sehen sich einer Gruppe mit einem klaren Programm gegenüber, die einen schärferen Kurs einzuschlagen wünscht, und der halb englandfreundlichen versöhnliehen Taktik ungläubig und verächtlich gegenübersteht. Dabei muß noch im Auge behalten werden, daß die wirklich radik a 1 e n Strömungen vor allem außernalb der Exekutive arbeiten und mehr und mehr einen Einfluß auf die Jugend erhalten. Dem Besuch von Shiels kommt in diesem Zusammenhang eine Bedculung zu. Seine Verhandlungen und Untersuchungen werden sich auf politischem Gebiet wohl vor allem auf die Konstitutions-Frage beziehen. Und entsprechend den Nachrichten und Gerüchten, die auf diesem Gebiete durchdringen, sind die Vorschläge Londons weit davon entfernt, die Aspirationen der Araber zu befriedigen. An diesem Punkte — der Frage des Parlaments -- wird die Opposition, also der radikale Flügel, einen ausgezeichneten Angriffspunkt haben, den sie frag'os mit aller" Kraft benützen wird. Die politischen Probleme sind zurzeit durch die w i r t - schaftlichen stark in den Hintergrund gedrängt. Wahrend sich in der jüdischen Wirtschaft zwar eine Verlangsamung des Tempos bemerkbar macht, jedoch bisher keine ernsthafte umfassende Depression zu verzeichnen ist, haben sich in der arabischen Wirtschaft große Schwierigkeiten angehäuft. Es genügt, an die schwere Lage der Fellachen im Zusammenhang mit dem Sturz der Getreidepreise und an die Verluste der Orangenhändler im letzten Winter, die zum Teil zu Bankerotten führten, zu erinnern. Es ist beachtenswert, daß zu gleicher Zeit an verschiedenen Stellen der Beginn einer arabischen Arbeiterbewegung zu spüren ist. Forderungen auf Erhöhung der Löhne gehen zusammen mit dem Ruf nach dem Achtstundentag und den ersten Versuchen zur Gründung von Krankenkassen und ähnlichen Institutionen. Alle diese Aktionen tragen heute lokalen Charakter, die Organisationen sind lose und umschließen relativ kleine Gruppen. Aber diese Anfänge sind ebenso wichtig wie symptomatisch. Sie werden an den meisten Stellen von Personen getragen, die keinen Anschluß an die jüdische Arbeiterorganisation suchen. Der jüdische Arbeiter und seine Erfolge gilt zwar als Vorbild, aber der Kampf wird heute bis auf wenige Ausnahmefälle getrennt von ihm geführt. Es steht außer Frage, daß diese Anfänge im Laufe der Zeit zu Landesorganisationen führen können, die sowohl wirtschaftlich als auch politisch eine Rolle spielen dürften. Noch nie hat das Land seit den letzten zehn Jahren so sehr im Zeichen des Werdens und der Veränderungen gestanden wie im gegenwärtigen Moment. Bis vor kurzem zeigten nur die Juden die Tendenz zu Neuerungen, sie bildeten das bewegende Element. Jetzt ist auch der arabische Teil des Landes in Bewegung gekommen, und zwar sowohl politisch wie ökonomisch und sozial. Und auch die Regierung, die früher entweder als gewiegter Routinier ihrem Handwerk nachging oder sich begnügte, die Dinge zu überwachen und vorsichtig hier und da zu lenken, ist aus ihrer Ruhe aufgestört und beginnt sich zu regen. Diese mannigfaltigen Tendenzen richtig zu übersehen und zu erfassen, sie in ein einheitliches System zu bringen und miteinander zu versöhnen und zu vereinigen, ist die schwere Aufgabe einer großzügigen Palästinapolitik, ln den nächsten Monaten werden alle Beteiligten, Araber, Eng-!ander und Juden beweisen müssen, ob sie imstande sind, dieser großen Aufgabe gerecht zu werden. Vom Keren Hajessod Hauptbüro Jerusalem, 29. Juli 1930. (Ziko) Herr L. Jaffe, geschäftsführender Direktor des Keren Hajessod, und Herr Leo Herrmann, Sekretär des Direktoriums, sind nach Berlin abgereist, um dort zusammen mit Herrn Dr. A. H a n t k e (der sich bereits in Berlin befindet), an den Sitzungen des Zionistischen Aktions-Comites und des Administrative Committees der Jewish Agency teilzunehmen. Gleichzeitig wird ihr Aufenthalt in Europa für die Vorbereitung und Regelung der noch nicht entschiedenen Fragen der Aktionen des Keren Hajessod in der kommenden Arbeits- Saison benützt werden. Der Keren Hajessod bereitet für den November anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr seiner Gründung überall große Aktionen vor, die gleichzeitig eine sehr energische Kampagne für das nächste Jahr einleiten sollen. Auch die Ausführung der Budgetbeschlösse, die in Berlin gefaßt werden, wird davon abhängig sein, mit weicher Energie und mit welchem Erfolg in allen Ländern die Keren Hajessod-Arbeit durchgeführt werden wird. Die jüdischen Arbeiter in den Kolon.eo Nach Schätzung der Arbeiterräte in den Kolonien sind in den Monaten März bis Mai 1930 575 neue jüdische Arbeiter hinzugekommen; 525 Arbeiter haben die Kolonien verlassen. Ein Rückgang der Zahl jüdischer Arbeiter war hauptsächlich in den Kolonien Petach Tikwah, Hedera und Rischon Lezion zu verzeichnen, eine Zunahme in den Kolonien Kiar Saba, Herz- Ha, Magdiel, Benjantina und Zichron Jakob. Die Zahl der jüdisehen Arbeiter betrug per 1. Juni 1930 in 16 Kolonien 6570 gegenüber 6529 im März des gleichen Jahres. Die Zahl der Arbeitslosen betrug im Juni 745. In den Kolonien von Judäa und Schomron waren Anfang Juni, d. h. in der toten Saison, über 2000 arabische Arbeiter beschäftigt. Colonel Harold J. Solomon gestorben. Oberstleutnant Harold Josiah Solomon ist in Velmont- Schweiz, im Alter von 44 Jahren verstorben. Colonel Solomon war eine führende Persönlichkeit in der englischen Judenheit. Den Palästina-Angelegenheiten, besonders der industriellen Ent- Wicklung des Landes, galt sein Interesse. Bald nach Ende des Krieges wurde er Direktor für Handel und Industrie bei der Palästina-Regierung unter Sir Herbert Samuel, ein Amt, das er mehrere Jahre bekleidete. Als Mitglied der Anglo-Jewish Association hat er in einer der letzten Sitzungen dieser Körperschaft energisch gegen die von der britischen Administration in Palästina geführte Politik protestiert. Er war auch Vorsitzender des Anglo-Palistine Club, der unter dem Patronat von Lord Balfour stand und dessen Präsident James de Rothschild ist. ln den ״T i m e s“ widmet Ernest L e s s e r dem Verstorbenen einen längeren Nachruf, in welchem er besonders seiner Verdienste bei der Reorganisierung der serbisehen Armee während des Krieges gedenkt. Dr. Werner Senator über die Lage in Palästina Der gegenwärtig in Berlin weilende Dr. Werner Senator, Treasurer der Jewish Agency in Palästina, erklärte der J. T. A. in einem Interview über die Lage in Palästina u. a.: Drei Momente seien zu berücksichtigen, das politische, ein finanziellwirtschaftliches und ein psychologisches. Um mit dem letzteren zu beginnen, soll zunächst festgestellt werden, daß trotz des in politischer wie in finanziellwirtschaftlicher Beziehung schweren Jahres, das der Jischuw hinter sich hat, die Stimmung im Lande unerschüttert ist; es besteht die ruhige Entschlossenheit zur Arbeit um jeden Preis. Sogar die Sperrung der Arbeiter- A 1 i j a h , die natürlich auch den Jischuw tief aufwühlte, wurde in Erez-Israel ruhiger beurteilt, als dies im Auslande geschah. Auch die verantwortlichen Faktoren lassen sieh nicht durch Stimmungen von der notwendigen Arbeit und den notwendigen Maßnahmen zurückhalten; so wurde z. B. auch mH dem englischen Bevollmächtigten Sir John Hope Simpson aufs engste zusammengearbeitet und mit ihm das gesamte Material über unser wirtschaftliches Zukunftsprogramm eingehend besprochen. Nun zur wirtschaftlichen Lage: Palästina ist bisher von der Weltwirtschaftskrise fast nicht erfaßt worden. Aber für die Dauer wird der Einfluß der allgemeinen wirtschaftlichen Weltkrise auch in Palästina spürbar sein. Der Zufluß privaten Kapitals beginnt sich zu verlangsamen, die allgemeine Krise der Landwirtschaft trifft besonders, auch die auf Getreideproduktion basierte Fellachen-Wirtschaft. Der Umfang der Arbeitslosigkeit geht vorläufig nicht über das normale Maß hinaus. Eine ganze Reihe von Arbeiten seitens verschiedener in Palästina arbeitender Organisationen wird erst in naher Zukunft in Angriff genommen werden und den Arbeitsmarkt günsitg beeinflussen. Es handelt sich um Arbeiten, die die Paiestine Jewish Colonisation Association (PICA), der Einergency Fund, die Jewish Agency (Bauten in_ ihren Kolonien) programmäßig durchzuführen haben. Auch die Regierung hat noch etliche Arbeiten auf dem Programm. Im nahenden Herbst wird die Orangenernte eine größere Zahl Arbeiter absorbieren. Trotz dieser günstigen Momente ist natürlich auf dem Arbcifsm arkt die Möglichkeit von Schwankungen gegeben. Entscheidend in wirtschaftlicher Hinsicht ist es, ob angesichts der Zurückhaltung des Privatkapitals infolge der Wirtschafiskrise es der Jewish Agency gelingen wird, ein größeres Arbeitsprogramm durehzuführen, d. h. ob an Stelle des sich verringernden Privatkapitals öffentliches Kapital zur Verfügung stehen wird. In dieser Hinsicht stehen die Dinge leider vorläufig nicht besonders gut. Es werden große Anstrengungen erforderlich sein, um die Finanzen des laufenden Jahres in Ordnung zu bringen und die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit im angemessenen Umfange weiter zu führen. Politisch (und das politische Moment wirkt ja auf das wirtschaftliche und psychologische hinüber) ist es von großer Bedeutung, daß eine weitere Beruhigung der Atmosphäre ein* tritt. In den meisten Kreisen beginnt sich der Gedanke durchzusetzen, daß man zu einem modus vivendi zwischen den drei beteiligten Faktoren (Juden, Araber und Regierung) kommen muß, der Friktionen vermeidet. Diesem Problem messen wir alle die größte Bedeutung bei; cs ist besonders bedeutungsvoll in einem Moment, wo die Jewish Agency das Fazit der Arbeit ihres ersten Jahres zieht und die Grundsteine für ihre zukünftige Arbeit legen muß. Von unmittelbarer praktischer Wichtigkeit betrachtet Dr. Senator eine sachHeW Koördinie'rting’äef Wirtschaftlichen Hina der sozial-kulturellen Arbeiten der verschiedenen in Palästina arbeitenden Organisationen, die zum Teil durch Personalunion mit der Ageiwy verbunden sind oder sonst eng mit ihr zusammenarbeit™. Die kommende Sitzung des Administrative Committee wird sehr schwere poliHsche, aber vor allen Dingen auch finanzielle und wirtschaftliche Probleme behandeln müssen. Von den Ergebnissen der Beratungen wird es abhängen, ob die palästinensische Judenheit das Oefühl behält, das sie bisher gestärkt hat, daß nämlich eine starke, unlösbare Verbindung zwischen dem palästinensischen Jischuw und der Weltjudenheit — Zionisten und Nichtzionisten — besteht. Die Gefreidezölle in Palästina Wie von uns bereits berichtet, hat die Palästina-Regierung eine Verordnung erlassen, durch die der Zoll auf die Ein* fuhr von Weizen, Mehl und Gries bis auf 50 °/0 erhöht wird, die Einfuhr für die Zukunft von Erlaubnisscheinen abhängig gemacht und entsprechende Maßnahmen auch für den Schutz der palästinensischen Oelproduktion vorgesehen werden. Zu dieser Verordnung nimmt nun die palästinensische Presse Stellung. ״Haarez“ gibt seiner grundsätzlichen Zustimmung und Befriedigung über alle Maßnahmen Ausdruck, durch die die Regierung das Feld der Politik verläßt und, statt die Juden für schuldig an der Notlage des Fellachen zu erklären, damit beginnt, durch positive Maßnahmen ihnen zu helfen. Wir wollen die wirtschaftliche und kulturelle Hebung des Fellachen und begrüßen alle wirklich dazu führenden Maßnahmen. Dagegen scheint uns, daß die jetzige Maßnahme übereilt geschehen ist, eine große Verteuerung des Brotes mit sich bringen wird und damit der städtischen Bevölkerung das Leben sehr verteuert wird. Palästina ist zwar ein agrarisches Land, seine Weizenproduktion reicht aber für die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung nicht aus und es kann deshalb auf Import nicht verzichtet werden. Die Schnelligkeit, mit der die Regierung diese Maßnahme durchgeführt hat, ohne, wie sonst üblich, zunächst einen Gesetzentwurf zwecks öffentlicher Diskussion zu publizieren, erweckt den Eindruck, als ob der Maßnahme politische Motive zugrunde liegen. Zum gleichen Problem veröffentlicht ״Paiestine Bulletin“ ein Interview mit einer offenbar Regierungskreisen nahestehenden Persönlichkeit, worin diese erklärt, eine Erhöhung des Brotpreises werde nicht die Folge der Zollerhöhtmg sein und die Regierung beabsichtige, die Entwicklung der Brotpreise zu überwachen, um eine unbegründete Steigerung zu verhindern. Die arabische Zeitung ״Felestin“ begrüßt die neuen Zolltarife und setzt sich für weitere Maßnahmen zum Schutz der heimischen Landwirtschaft ein. Ueber die Haltung der Juden anläßlich dieser Zölle schreibt das Blatt: Alle Zionisten stimmen darin überein, daß die Lage des arabischen Bauern jämmerlich ist. Die meisten von ihnen erklärten, daß der Wohlstand des Fellachen eine Unterstützung des Aufbaus des Naiionalhcims wäre. Aber sobald die Regierung einen kleinen Schritt machte, um den Fellachen in einem gewissen Ausmaß durch Zoilreformen zu schützen, erhob sich das Geschrei, das Geld werde aus dem Blute der Juden kommen müssen. Diese Art Psychologie, schlechte Wirtschaftskenntnis und inkonsequente Haltung fördert nicht den Frieden, sondern die Feindschaft. Mit Hilfe des Emergency Fund wurde der jüdische Jischuw in B eis an wieder erneuert und zählt heute 111 Seelen. « i«il!1111111 ■! :1s

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