Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 64 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653217--21757-2679894- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 420 JUEDISCHE RUNDSCHAD Nr. 64, 15. VHI. 1030 Der Bericht der Mandatskommission ist bisher offiziell nicht bekannt, aber nach all den Gerüchten, die aus den Genfer Büros dringen, scheint die Mitteilung des ״Daily Telegraph“, die wir am 15. Juli in der ״J. R.“ veröffentlicht haben, den Inhalt ziemlich richtig wiederzugeben. Wenn man also ejn endgültiges Urteil auch bis nach der Publikation Vorbehalten muß, so kann man doch annehmen, daß die Mandatskommission an der Haltung der Palästinaregierung eine sehr scharfe Kritik geübt hat. Man kann wohl ohne Uebertreibung sagen, daß die Mandatskommission der Mandatarmacht die Hauptschuld an den fürchterlichen Ereignissen, cjie jetzt vor einem Jahr sich in Palästina abgespielt haben, zuschreibt. Die Regierung hatte versucht, die Verantwortung auf andere Faktoren, auf objektive Schwierigkeiten abzuwälzen. Aber eben weil Palästina besondere Schwierigkeiten bot, war es doch Aufgabe der Regierung, der das Mandat anvertraut ist, durch eine aktive Politik den Schwierigkeiten entgegenzuarbeiten. Sie durfte sich nicht durch den plötzlichen Ausbruch ,von Pogromen überraschen lassen, zumal sie den Zündstoff, den der Klagemauerstreit erzeugte, kennen mußte. Doch diese Dinge sind genug oft gesagt worden. Es kann wohl als feststehend betrachtet werden, daß die von Leonard Stein verfaßte glänzende Gegenschrift gegen den Shaw-Bericht in ihrer überzeugenden Logik auf die Mitglieder der Mandatskommission einen starken Eindruck gemacht hat. Das unglückselige Verhalten der britischen Regierung, die nach den Unruhen nicht sofort energisch eingriff, um zumindest durch einen symbolisehen Akt, wie es z. B. die sofortige Abberufung des damaligen Regierungschefs Luke gewesen wäre, ihre Mißbilligung der Vorgänge zu dokumentieren, hat natürlich ihre Verantwortung verstärkt. Da England nicht im Innern Ordnung schuf, muß es sich jetzt die Kritik von außen gefallen lassen. Aber die Mandatskommission geht über eine Mißbilligung der Haltung der Palästina- Verwaltung im August 1929 wesentlich hinaus. Sie stellt fest, daß die Regierung nichts getan hat, um die beiden Verpflichtungen des Mandates zu erfüllen, weder in bezug auf die Errichtung des Jüdischen Nationalheims, noch bezüglich der Sicherstellung der Interessen der ansässigen Bevölkerung. Die beiden Teile des Mandates, so betont die Mandatskommission, sind in der Praxis nicht unvereinbar. Es ist besonders interessant, von der Mandatskommission solche Anschauungen zu hören; denn sie war es, die 1924 als erste die Formel vom ״Dualismus“ des Mandates prägte und in ihrem damaligen Berichtsentwurf vom ״unvermeidliehen Widerspruch der Interessen“ zwischen Juden und Arabern sprach. Damals zielte die Mandatskommission darauf ab, zu beweisen, daß das Palästinamandat an einem inneren Widerspruch krankt Der Vertreter Eng- |M1ds-.4»-:¥|lJkeeb«04srat , vtoflw .,|gh.pn der High Commissioner Herbert Samuel) dieser Auffassung entgegengetreten und hat betont, daß in der Praxis die beiden Verpflichtungen des Mandates in Einklang gebracht werden können. Heute sind die Rollen vertauscht, und England hat sich zu rechtfertigen, warum es die von ihm selbst behauptete Möglichkeit, eine Interessenharmonie im Lande zu schaffen, nicht verwirklicht hat. Ueber die Bemerkungen Englands zu dem Kommissionsbericht ist noch nichts verlautet. Es wäre zu bedauern, wenn das Kolonialamt, durch die Kritik der Mandatskommission gereizt, sich neuerlich — wie schon im Shaw-Bericht und in dem der Mandatskommission überreichten Weißbuch — auf die Schwierigkeit, beide Direktiven des Mandates gleichzeitig durchzuführen, beriefe. Der Zionismus hat jedenfalls kein Interesse daran, zu verkünden (wie es jetzt die Revisionisten wieder in Prag taten), es bestehe ein unlöslicher Gegensatz der Interessen zwischen Juden und Araber. Und wenn durch die Dialektik der Auseinandersetzung in internationalen Gremien diese Auffassung sich versteifen würde, wären wir in einer Sackgasse. Daß der Gegensatz zwischen Juden und Arabern heute in aller Schärfe besteht, ist eine Tatsache. Aufgabe einer konstruktiven Politik — und zu einer solchen ist die Mandatarmacht berufen — ist es, einen Weg zu finden, der beiden Teilen gerecht wird, wenn auch natürlicherweise dabei nicht alle hochfliegenden Wünsche Erfüllung finden können. Zu den praktischen Aufgaben der Zukunft, also auch zu den Kapiteln des Shaw-Berichtes über Einwanderung und Bodenkauf, nimmt die Mandatskommission anscheinend keine Stellung, weil sie den Berieht Simpsons abwartet. Für den Zionismus aber ist die praktische Politik in der Zukunft viel wichtiger als die Kritik der Vergangenheit. Es wäre bedenklich, wenn die Mandatarmacht sich immer stärker in die Auffassung verrennt, es könne gerade auf Grund der Bestimmungen des Mandates, die den Schutz der Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung vorschreiben, nur ein sehr langsamer Fortschritt des jüdischen Aufbauwerkes gestattet werden. Die aktive Politik der Regierung muß vielmehr darauf abziclen, alle Produktivkräfte des Landes euergisch zu entwickeln und alle Chancen, die in der jüdisehen Aufbau-Bereitschaft stecken, voll auszunützen. Wir wissen nicht, wie sich die Auseinandersetzung im Völkerbundrat gestalten wird. Aber das eine scheint uns unstreitig zu sein: nach Abschluß dieser Episode muß ein Weg einer verständnisvollen Zusammenarbeit zwischen Jewish Agency und Mandatarmacht wieder gefunden werden. Es ist nicht anzunehmen, daß der Völkerbundsrat beschließen wird, das Palästinamandat einer anderen Macht zu übergeben, und es ist eine unnötige und wenig nützlic* Verschärfung, von solchen Möglichkeiten zu sprechen. Wenn aber England die Mandatarmacht bleibt, dann kann doch kein verantwortlicher zionistischer Politlker, der die Sachlage übersieht, ernstlich meinen, daß wir die Beziehungen zur Mandatarmacht einfach abbrechen und trotzdem erfolgreich in Palästina weiterarbeiten können. Darum müssen wir mit Bedauern erklaren, daß wir die Ausführungen von Professor Brod e tz k y auf der Konferenz der Revisionisten in Prag als nicht sehr glücklich empfinden. Brodetzky hatte anscheinend keinen besonders guten Tag, was man begreifen kann, wenn man bedenkt, vor welchem Forum er sprechen mußte. Was er sich von der Teilnahme an dieser Konferenz versprochen hat, wissen wir nicht genau; aber sein Versuch, den Revisionisten den Wind aus den Segeln zu nehmen und zu zeigen, daß auch ein Mitglied der Exekutive die Faust schütteln kann, ist offenbar mißglückt. Die Rede hat seitens der Revisionisten keine Sympathien gefunden, und ob sie auf die englische Regierung den gewünschten Eindruck machen wird, muß leider auch bezweifelt werden. Das Administrative Committee der Jewish Agency, das Ende August in Berlin Zusammentritt, wird die überaus verantwortungsvolle Aufgabe haben, den Kurs der Politik gegenüber der Mandatarmacht gründlieh durchzuberaten. Inzwischen wird wahrscheinlich auch der Bericht der Mandatskommission und die Gegenäußerung der englischen Regierung bekannt sein. Diese Gegenäußerung ist zwar noch nicht die für später in Aussicht gestellte grundsätzliche Regierungserklärung, aber sie wird doch schon Andeutungen über die künftigen Pläne Englands enthalten. Im Anschluß daran wird die Frage zu prüfen sein, ob die Jewish Agency eine Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht in Zukunft ablehnt und alle Konsequenzen auf sich nimmt oder aber ob sie einen Weg sieht, eine neue Politik des Aufbaus unter Berücksichtigung aller Realitäten vorzuschlagen, im Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit, Geduld und den Aufbauwillen des jüdischen Volkes. R. W. Presseschau Zu der Nachricht über die angeblich bevorstehende Ernennung von Sir Herbert Samuel zum Vizekönig von Indien schreibt die englische Ausgabe des arabischen ״F e - 1 estin“: ״Es schweben Gerüchte über eine Ernennung Sir Herbert Samuels zum Vizekönig von Indien. Man sollte nicht vergessen, daß es der verstorbene Mr. Montagu, ein Jude, gewesen ist, der für die bekannten Montagu-Chelmsford-Reformen verantwortlich ist, die einen wesentlichen Fortschritt zur Selbstverwaltung bedeutet haben. Lord Reading, ein anderer Jude, hatte keinen besonderen Erfolg ln Indien. Sir Herbert Samuel ist außerordentlich geeignet, den Posten auszufüllen und es muß den Liberalen zur Genugtuung gereichen, daß nach Sir John Simon wieder ein Liberaler berufen wird zu der Rolle, Indien in den Dominion Status überzuführen.“ Me letzte -Nummer des ״N ear East^ befaßt rieh im Leitartikei mit der Politik und der Taktik der palästinensischen Araber. Die Araber, schreibt die Zeitschrift, warten gespannt auf die Rückkehr des High Commissioner Sir John Chancellor aus London, weil sie hoffen, der High Commissioner werde einen neuen Entwurf einer Verfassung mit sich bringen, der den Arabern einen größeren Anteil an der Selbstverwaltung einräumt. ״Near East“ weist darauf hin, daß in der letzten Sitzung der Arabischen Exekutive der Vorschlag gemacht wurde, die Nichtzusammenarbeit ’mit der Regierung und den bürgerlichen Ungehorsam nach dem indischen Muster zu proklamieren, und führt aus: Die Nachahmung der Haltung Ghandis in Indien oder sogar nur die Drohung, eine solche Haltung einzunehmen, würde die Höhe der Torheit bedeuten. ״Near East“ weist auf das Fehlschlagen der Wafd-Aktion In Aegvpten als auf ein warnendes Beispiel hin. * Im ״Hapoel Hazalr“ bespricht L u f b a n die durch den ״Daily Telegraph“ bekanutgewordenen (jedoch bisher nicht offiziell veröffentlichten) Beschlüsse der Mandatskommission, die er als großen zionistischen Sieg kennzeichnet. Er fährt dann fort: , ״Was wir diesmal bei der Mandatskommission erreicht haben, ist vielleicht das Maximum an politischen Erfolgen, das wir erreichen können. Der Sinn unserer politischen Arbeit war nie und ist auch jetzt nicht, uns mit England herumzu* streiten oder uns für das Unrecht zu rächen, das uns England getan hat, sondern England auf seine Fehler aufmerksam zu machen und es dazu zu veranlassen, sie zu verbessern. Wir wünschen, niemandem für seine autibritische Propaganda eine Stütze zu sein und sind nicht daran interessiert, der gegenwärtigen Regierung zu all den Schwierigkeiten, von denen sie umgeben ist, noch eine neue außenpolitische Schwierigkeit zu machen. Wenn wir sagten, daß unser Vertrauen zu England erschüttert ist, so war dies die Folge einer Reihe von beleidigenden Aktionen, die die Zukunltshoffmmgen unseres Volkes demütigten und bedrohten. Trotz alles Bösen, das wir von der Mandatsregierung erfahren haben, sind wir von der Erkenntnis durchdrungen, daß nur mit England und bei einer Politik gegenseiti« gen Vertrauens uns die Ausführung unseres historischen Werkes erleichtert werden wird. Und unser politischer Kampt kann kein anderes Ziel haben, als dieses Vertrauen zu befestigen und die gemeinsame Aktion vorzubereiten.“ * Jerusalem, 10. August. (J.T.A.) Der ״Dawar“ befaßt sich in der englischen Wochenausgabe mit dem Fall Urphali und führt u. a. aus: Joseph Mizrachi Urphaii ist unschuldig; in beiden bisherigen Verfahren haben die Richter ihr Urteil gegen Urphali trotz offenkundiger Widersprüche der arabischen Zeugen gesprochen. ״Dawar“ schlägt vor, daß eine vertrauenswürdige Person mit der gründliehen Durchprüfung des Falles betraut werde. Die Richter des ersten Verfahrens stützen sich auf die Zeugenschaft ausschließlich arabischer Zeugen und eines arabischen Sanitätsbeamten, während die Richter des zweiten Verfahrens feststellen konnten, daß die Morde an Arabern gleichzeitig mit den arabischen Angriffen auf Tel-Awiw geschahen, als die Straße, in der Urphali wohnte, mit britischer und palästinensischer Polizei überfüllt war. Der Regierungsanwalt hat zugegeben, daß der Fall Urphali voll von Schwierigkeiten und Widersprüchen ist, und das Appellationsgericht war der Meinung, daß von den vier arabischen angeblichen Augenzeugen mindestens drei da Schießerei ntett beigewohnt haben konnten. ln der zweiten Verhandlung bezeugten zwei englische Flieger, daß sie während der arabischen Angriffe auf Tef-Awiw unter dem Polizeiinspektor Riggs Dienst taten und dabei feststellten, daß zwei von den Arabern, die angeblich Urphali getötet haben soll, von der britischen Polizei getötet wurden. Hätte Urphali geschossen, sagten die Zeugen, so hätten sie es ganz sicherlich sehen müssen. Aehnllch klang die Aussage eines arabischen Polizisten, der gesehen hat, wie die Mutter eines der angeblich von Urphali getöteten Arabers sich über die Leiche ihres Sohnes beugte, dabei auf einen Polizisten wies und ihm zurief: Sie haben meinen Sohn getötet. ״Dawar“ schließt, der Generalstaatsanwalt und die Advokaten der Regierung werden es mit ihrem Gewissen nicht vereinen können, daß Urphali auf Grund eines sokhen Urteils auch nur einen Tag im Gefängnis bleibt. * Die ״Frankfurter Zeitung“ knüpft an den auch von uns kürzlich wiedergegebenen Ausspruch von M a s a r y k über die Minderheiten einige Betrachtungen. Sie schreibt unter der Ueberschrift ״Nationale Gewissensfreiheit“ u.a.: ״Die Madrider Zeitung ,El Sol‘ hat ganz kürzlich ein Gesprach veröffentlicht, das ihr Prager Korrespondent mit dem Präsidenten Masaryk gehabt hat. Herr Masaryk hat darin u. a. gesagt: ,Eine Assimilation der Minderheiten an das Staatsvolk ist unmöglich und mit den modernen und humanen Tendenzen des Staates unvereinbar. Für den Staat genügt es, wenn alle seine Bürger loyal sind und dies bei den verschiedenen Gelegenheiten beweisen . . . Den Staat kann man nicht als nationale Einheit ansehen, sondern als ein wirtschaftliches Ganzes, worin die Bürger gemäß ihren Interessen vereinigt werden.‘ Masaryk will also jeden Bürger seines Staates nach seiner nationalen Fasson selig werden lassen, wie das der alte Fritz, den der Demokrat Masaryk wahrscheinlich nicht leiden kann, seinen Untertanen nach der religiösen gönnte. Nur daß eben Masaryk nicht der König eines absoluten Staates, sondern der Präsident einer demokratischen Republik ist, in der er nicht allzu viel zu sagen hat und in der seine nationalistischen Landsleute vielfach nach ganz anderen Lehren verfahren als nach seinem Katechismus der nationalen Toleranz. Immerhin ist die Aepßerung Masaryks als Bekenntnis eines Staatsmannes von Bedeutung. Er verwirft die Bekehrung zum Tschechentum, die ״Assimilation an das Staatsvolk״, schon weil er sie für unmöglieh und mit der Humanität für unvereinbar hält. Er geht noch weiter und verneint den Staat als ״nationale Einheit“, erklärt ihn vielmehr — nach diesem Bericht — für ein ״Wirtschaftliches Ganzes“. Da muß wohl ein Mißverständnis unterlaufen sein. Denn es ist nicht anzunehmen, daß Herr Masaryk dem Staat nur wirtschaftliche Aufgaben zuweisen will. Jedenfalls aber haben in einem solchen Staate, der nur als ein Bund gleichberechtigter nationaler Individualitäten denkbar ist, die Begriffe ,Staatsvolk‘ und ,Minderheiten‘ keinen Sinn mehr. Praktisch sieht es freilich heute noch ganz anders aus, und gerade in der Tschechoslowakei wird das überalterte Dogma von der vollen Souveränität des nationalen Staates noch streng und eifersüchtig gehütet.“ (Sperrungen von uns. — Red. ״J. R.“) * Die amerikanische Wochenschrift ״The Nation“ (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen englischen Zeitschrift) bringt in ihrer Nummer vom 30. Juli einen Aufsatz von Viktor S. Yarros über die Zukunft Palästinas, der in allen wesentliehen Punkten das Programm des Brith Schalora g«riMßt•־: Pf.. Magnes, 'der .*1*' glänzend«,.׳ Persönlichkeit ge* schildert wird, stände mit seinen Ansichten in 'der Mitte zwisehen den Juden, welche den Engländern die eigentliche Schuld an den August-Massakern und der ganzen antizionistisehen Einstellung der Araber gäben und in einer Aufgabe des schlecht verwalteten Mandates nur einen Schritt zum Besseren erblicken würden, — und jenen anderen Juden, die glaubten, für die Juden in Palästina sei englischer Schutz gegen die Araber für die nächsten 50 Jahre unentbehrlich, una alles Gerede über Autonomie und Selbstverwaltung sei voreilig oder doktrinär. Dr. Magnes scheine zwar trotz seiner persönlichen Beliebtheit wenig politische Anhänger zu besitzen, doch seine Vorschläge seien gesund, vernünftig und in hohem Maße praktisch. Palästina könne mit seinen jetzigen Grenzen etwa 3 bis 31/3 Millionen Menschen ernähren, und kein unparteiischer Beobachter, so erklärt Yarros, könne daran zweifeln, daß e i n Scheitern des zionistischen Experiments weder notwendig noch auch nur wahrscheinlieh sei. * ״Das Tagebuch“, das erst kürzlich die kuriose Weisheit von H. Schulz über die jüdische Abstammung der palästinensiseben Araber und die nichtjüdische Abstammung der Juden brachte, veröffentlicht jetzt einen Epilog des Jerusa-!emer Schriftstellers Ben-Gawriel auf die Hinrichtung der drei arabischen Mörder in Akko. Der Tod dieser armseligen veThetzten Kreaturen, die man hingerichtet habe, während die wirklich verantwortlichen intellektuellen Urheber der Massaker frei herumlaufen, sei auf das Tiefste zu beklagen, und habe nur der arabischen nationalistischen Agitation Märtyrer geschaffen; am beschämendsten aber sei, daß die Engländer diese drei Menschenleben offenbar als Objekt eines politischen Kuhhandeis angesehen hätten, und daß sogar auch bei den Begnadigungspetitionen von jüdischer und arabischer Seite der Fall fast immer nur vom politischen, statt vom rein menschlichen Standpunkt aus behandelt worden sei. Man hätte die Mörder begnadigen sollen, weil sie mit aller Leidensfähigkeit der menschlichen Kreatur ausgestattet gewesen seien, und weil der Tod der Ermordeten von Safed und Hebron nicht Vergeltung, sondern schöpferische Liebe verlange. A. P. * Nachdem wir in der vorigen Nummer festgestellt haben, daß seit der Convention of Cleveland kein Exemplar von ״New Palestine“ hier eingetroffen ist, erhielten wir nunmehr die erste unter Verantwortung der neuen Leitung herausgegebene Nummer. Sie trägt die Ziffer 1 des 19. Jahrgangs una aas Datum vom 25. Juli 1930. An der Spitze des Heftes ist ein ziemlich farblos gehaltener Aufruf an die amerikanisehen Zionisten, der sie zur Unterstützung in der neuen Leitung des amerikanischen Zionismus auffordert. Der Rest des Heftes ist ausgefüllt von dem Bericht über die Convention. Cokmel Kisch kam am 3. August von seiner Reise nach London und Paris zurück. (Ziko.) Ein ägyptischer Schriftsteller, Hussein Mahmud, fordert in einem von der Tageszeitung ״Mokattam“ veröffentlichten Schreiben die Aegypter auf, sich an der Panarabischen Bewegung nicht zu beteiligen. Die Aegypter seien keine Araber. Es ist Pflicht der Aegypter, dem jüdischen Volke zu helfen, das jahrhundertelang in den verschiedensten Ländern so schwere Leiden erdulden muß. In den Klagemauerstreit sollten die Aegypter sich nicht einmischen; die Klagemauer ist ein Rest des alten Salomonischen Tempels und gehört daher den Juden. (J-T.A.)