Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 63 (12.8.1930)
- Date
- 1930-08-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 416 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63, 12. VH!. 1930 Juden allein jn die Selmhe geschoben. Die 10 Jahre des ersten Experimentes sind abgeschlossen. Die niiehste Periode, der wir entgegengchen, ist die Periode des letzten )■' x p e r i m e 111 e s , das wir mit England machen k ö n!1 c 11. Wir können nicht sagen, wieviele Monate oder Jahre diese dauern wird. Aber innerhalb einer absehbaren Zeit mul! unser Partner sich entschließen: Entweder spielt er mit das Spiel der jüdischen Mehrheit in Palästina oder er spielt überhaupt nicht mit. Es könnten Umstände kommen, wo England in den Augen der Juden und der ganzen Welt jedes moralische Recht verlieren würde, in Palästina zu sein und ich habe so viel Achtung vor dem englischen Volk, daß ich davon überzeugt bin, dal! die Drohung: des moralischen Protestes auch in seinen Augen noch eine moralische Macht darstellt. Was geschehen sollte, wenn der Partner an uns jedes lnteresse verlieren würde, ist nicht aktuell. Auch sein letztes Experiment macht man mit dem ganzen Herzen. Vor vielen Jahren, als England fast jn Agonie lag, sind wir, die wir den Kern der revisionistischen Bewegung bilden, für England cingetreten und haben mit unserem Optimismus Recht behalten. Und als dann im Jahre 1925 die jüdische Weit diesem England in Palästina Beifall klatschte, haben wir nicht mitgetan und auch mit diesem Pessimismus hatten wir Recht, Was wird geschehen, wenn das letzte Experiment mißlingt: Gott soll uns und England vor einem solchen Unglück bewahren — und cs wird nicht kommen —- aber sollte es auch kommen, wir sind nicht so schwach und nicht so einsam in dieser Welt! Wir gehen zum letzten Experiment! Zu einer Rekonstruktion der zionistischen Politik mit dem ganzen Herzen, mit dem ganzen Glauben. Und wir wenden uns aus dieser Stadt an alle Völker: In unserem Kampfe rechnen wir trotz allem, was wir erlebt haben, auf die Unterstützung durch das menschliche Gewissen, weil wir an die Menschheit glauben. In der Nachtnittagssitzung erstattete Melr Großmann ein Referat über die Rekonstruktion der zionistisehen Politik! Einleitend unterzog er die Politik Weizmanns einer Analyse und kam zu dem Schluß, daß vor allem sie an der heutigen Gleichgültigkeit der englischen Oeffentlicbkeit zu unserer Bewegung und an der in den letzten Jahren vor sich gegangenen Wandlung der palästinensischen Administrative in eine uns feindlich gesinnte Körperschaft die Schuld trage. Man habe sich daran gewöhnt, mit dem Kolonialamte nur über Kleinigkeiten (Zertifikate, Subventionen für das Schul werk und dergleichen) zu verhandeln und ist einer Aufrollung des groß« Palästinaproblems stets aus dem Wege gegangen. Die ganzen vermeintlichen guten Beziehungen zur englischen Regierung sind in ein Nichte zusammengebrochen. Zwei Aufgaben stehen uns in nächster Zeit bevor. Durch ein System von politischer Aufklärungsarbeit in England der englischen Oeffentlicbkeit und Regierung klarzumachen, was der Zionismus für England bedeutet. Gleichzeitig aber einen Druck durch politische Aktionen in allen Ländern der Galuth und vor allem in Palästina, über deren Umfang und Inhalt sich der Redner im Plenum nicht äußern will, auf England ausüb«. Wir müssen England klarmachen, daß es durch Palästina, als einem Teil eines arabischen Staatenbundes, vor eine ganz neue Situation gestellt werden würde, die seine Grundlage im Orient zu erschüttern imstande ist. Deshalb muH man an England die Frage rieht«: Wir oder die Araber? Die Interessen der Araber stad im Widerspruch zu denen des englischen Imperiums und darum muß es uns ohne Zweifel gelingen, England gtif unsere Seite zu bringen. Die Orientierung zu England, 4Htt״gfe|elneMg eta* *ui das ׳weiße Europa bedeutete muß •solange bleiben, als wir Revisionisten uns nicht davon überzeugt haben, daß es unmöglich sei. In der Paiästinaarbeii wird in der Zeit des kommenden Leitungs- und Systemwechsels eine Pause eintreten müssen. Wir muss« eine Atempause eintreten lassen in Palästina, um neue Verbindungen anzuknüpfen, neue Kräfte zu gewinnen. Nicht immer kann man stürmisch vorgehen, eine Mauer niederreißen, manchmal muß man sich auch mit ihrer bloßen Durchlöcherung begnüg«. Das Existierende in Palästina soll fortgesetzt, die Klelnkolonlsatlon ausgehaut werden. Unser Hauptaugenmerk aber müssen wiraufdie politische Offensive richten. Wichtig ist, in den nächsten Jahren unter all« Umständen zu verhindern, daß die Mittel, die wir nach Palästina bring«, in die Hände unserer Gegner fließen. Darum müssen vorläufig alle Bodenkäufe eingestellt werden.. 50000 Dunam neuen Bodens bilden zwar einen Gewinn, aber sie sind ein um so ärgerer Verlust, wenn durch den Kaufpreis unser Gegner unverhältnismäßig stark gefördert werden sollte. Wenn es uns so gelingt, durch ein, zwei Jahre hindurch den Arabern und Engländern unsere Gelder zu entziehen, so werden sie selbst darauf kommen, daß das Land nur durch unsere Tätigkeit prosperieren kann. Unsere Stellung zu den Arabern ist eine klare. Wir betrachten sie als einen Vorposten des großen a r a b i - sehen Imperialismus, der dadurch charakterisiert erscheint, daß er selbst viel Raum leer und unbebaut läßt, aber kein Stück Boden einem anderen gönnt. W i r hingegen sind in Palästina der Vorposten des kolonisierenden Europas. Wir können es nicht zulassen, daß eine einheimische Administration über die weißen Einwanderer herrschen soll, die in das Land kommen. Zwischen uns und den Arabern gibt es keine gemeinsamen Interessen. Es geht nicht um den Ausgleich zwischen dem Jischuw in Palästina und den dortigen Arabern — der wäre leicht und morgen zu haben — es geht um den Ausgleich zwischen dem jüdischen Volk und den Arabern. Und dieser ist einfach nicht möglich, weil es an gemeinsamen Berührungspunkten mangelt. Was möglich ist, ist eine Kooperation im tagtägliehen Leben a 11 f ö k o n o m i s c 11 e m O e b i et. Wir Revisionisten haben als einzige Partei in unserem Programme auch Punkte, die das Wohl der Araber betreffen. (Agrar- Reform, Schutz der Landwirtschaft und Industrie usw.) Wir sind auch für die Verbreiterung der lokalen Selbstverwaltung, da wir darin eine Möglichkeit sehen, der Willkür gewisser Beamten Schranken zu setzen. Es ist auch nichts dagegen einzuwenden, daß in gewisse unserer Institutionen uns freundlich gesinnte Araber ein bezogen werden sollten. In der Politik jedoch gehen unsere Wege auseinander. Und was nun die eigentliche Rekonstruktion der zionistisehen Politik anbelangt, wie soll unser Weg sein? Die Frühlingszeit unserer Partei als Opposition• ist vorüber: wir haben uns bisher immer gehütet, in die zionistischen Prärogative einzugreifen. Aber die Verhältnisse haben uns in den letzten Jahren dazu gezwungen, politische Arbeiten auszuführen, die von der Zionistischen Exekutive vernachlässigt wurden. Jeder Versuch, mit ihr auf diesem Gebiete zusammenzuarbeiten, ist an der Eifersucht dieser bankrottierten Politiker gescheitert. Wir können uns nicht mehr damit zufriedengeben, vor den Kongreß zu kommen mit unseren Vorschlägen und abzuwarten, ob man sie annimmt oder ablehnt. Wir wissen, daß eine revisionistische Exekutive auch in kurzer Zeit nicht viel wird ändern können, da die zionistische Politik bereits zu sehr verfahren ist. Wir wollen die gemeinsame Front, aber wir haben keinen Glauben mehr an die alten Mittel und Kräfte und wir bauen darum eine neue Organisation mit neuem Menschenmaterial. Wenn man nicht mit uns wird gehen wollen, dann werden wir die zionistische Politik allein durchführen. Brandeis - Gruppe und Berliner Sitzung Diese Zeilen sind vor dem Eintreffen der Nach* rieht, daß Stephen W i s e an der Reise nach Berlin verhindert ist, geschrieben worden. Red. Die Nachricht, daß Mack und Wise als außerordentliche Delegierte an die Berliner Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency teilnehmen werden, legt die Frage nahe, inwiefern durch die neue Inthronisation der Brandeis-Gruppe in Amerika, die Verhältnisse in der Weltorganisation beeinflußt werden. Die amerikanischen Mitglieder des A.-C. sind vorläufig noch Repräsentant« der früheren Leitung des amerikanisehen Zionismus, da sie ja auf dem Züricher Kongreß vor einem Jahre gewählt wurden. Es ist aber nur gerecht und vor allem auch zweckmäßig, wenn die Repräsentanten der neuen amerikanischen Leitung außertourlich zu den Berliner Sitzungen Ungeladen werden. Für die Gruppierung innerhalb des Zionismus ergeben sich aus dem Umschwung in Amerika erhebliche Konsequenzen. Während bisher die Mehrheit der amerikanischen Delegierten auf dem Kongreß stets den Kern der Weizmann- Partei bildeten, hat der führende Mann der neuen Richtung, Jacob de H aas, schon in Zürich bei den Revisionisten ״hospitiert“, und Stephen Wise ist bekanntlich verärgert aus Zürich abgereist, weil sein Vorschlag eines ״politischen Komitees“ von Weizmann abgelehnt worden ist. Haas, Wise, Tuliin sind Gegner Weizmanns, und zwar teilweise wegen seiner Politik (was sich wohl ändern würde, wenn Weizmann selbst, wie es ja jetzt gelegentlich der Fall zu sein scheint, einem radikaleren Kurs zustimmte), teilweise wegen des Bruches mit Br and eis und all der Ereignisse, die jetzt genau zehn Jahre zurückliegen und die heute aufzuwärmen wenig Zweck hätte. Eine Pikanterie liegt nur darin, daß die Führer der Brandeis-Gruppe, die in ihrem Memorandum an den XII. Kongreß Jabotinskj als den Hauptverantwortlichen für den Bruch mit Weizmann bezeichn«, und als deren schärfster Gegner auch 1921 auf der Kongreßtribüne Jabotinsky aufgetreten ist, sich in der letzten Zeit dem Revisionismus genähert haben. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie sich das gestalten wird, nachdem nun die Brandeis-Leute aus der Opposition zur Macht gelangt sind. Schon die Berliner Sitzung wird das wohl zeigen. Auch wie sich das Verhältnis zwischen amerikanisch« Zionisten und amerikanisehen Nichtzionisten in der Agency jetzt gestalten wird, ist durchaus nicht so einfach vorauszusehen, da ja hier alte Gegensätze vorhanden sind. Immerhin ist die Zusamm«arbeit von Brandeis selbst mit Warburg hier einige Gewähr, und es ist wohl kein Zufall, daß Brandeis in seinem Brief an die Convention diese seine positive Einstellung zur Agency ausdrücklich betont hat. Man kann annchmen, daß der ״schweigende Führer“ in dieser Hinsicht auch für seine Anhänger maßgeb«d ist. Das Programm der Brandeis-Gruppe bei Führung des amerlkanlschen Zionismus ist bisher noch völlig im Dunkel. Seit der Convention vom 29. Juni ist noch kein Exemplar der offiziellen Zeitung ״The New Palestin e“ zu lins gelangt. Vermutlich ist das Blatt also seither nicht erschienen (wohl aus Ersparnisgründen — vielleicht sollen die Zeitungen auf eine neue Basis gestellt werden); so ist auch die Anschauung der neuen Leitung des amerikanisch« Zionismus noch nicht zu publizistischem Ausdruck gelangt. Die Berliner A. C.-Sitzung wird die erste zionistische Tagung seit zehn Jahr« sein, bei der die Brandeis-Gruppe offiziell vertreten ist. Bisher war die Brandeis-Gruppe auf k e i n e m Zionistenkongreß vertreten, nur auf der kongreßähnlichen Londoner Konferenz von 1920. Sie könnte eine nützliehe Funktion erfüllen, wenn sie dazu beiträgt, im Rahmen des heute Gegebenen eine Reform der Palästina-Arbeit im Sinne größerer ״efficiency“ durchzuführen. Die Vcrschlechterung der Wirtschaftslage in Europa und Amerika hat dazu geführt, daß die Einnahmen unserer Fonds trotz der Gründung der Agency kaum Chancen haben, sich wesentlich zu erhöhen. Und die Jewish Agency sowie die Zionistische Organisation stehen vor der ernsten Frage, was zu tun sei, um diese Mittel mit äußerster Oekonomie für produktiven Aufbau zu verwerten mit dem Ziel, möglichst viel« jüdischen Siedlern in Palästina zu einer Existenz zu verhelfen, bei der sic sich selbst erhalten können. Hinter diesem Ziel werden andere Zwecke, mögen sie auch noch so wünsch«s\vert sein, zurückstehen müssen. In dieser Weise aber — das soll doch unvergessen bleiben — wurde das Ziel bereits 1920 von Brandeis formuliert. Brandeis ging bekanntlich davon aus, daß nach der Einrichtung der Zivilverwaltung in Palästina die zionistische Aufgabe vor allem darin besteht, das jüdische Gemeinwesen in Palästina ökonomisch aufzubauen und hierzu die geeignete Verwaltungsmaschinerie zu schaffen. Die zionistisch« Fonds soll« vor allem für Sanierung und Aufforstung des Landes, für Bodenkauf und landwirtschaftliche Erziehung verwandt werden. Er war dagegen, den Siedlern Subventionen oder subventionsähnliehe Beiträge zu geben. Unsere Aufgabe sei lediglich, die Mensehen in eine Position zu bringen, wo sie selbst ihren Lebens• unterhalt erwerben können. Die Verwaltungsmaschinerie müsse mit rigorosester Sparsamkeit aufgebaut und rationalisiert werden (״efficiency“). Später hat dann die sogenannte Reorganisations-Kommission, bestehend aus Julius Simon, de Lieme und dem jetzig« Präsidenten der amerikanischen Zionist« Robert Szold, ihre Vorschläge gemacht, die von der Zionistischen Exekutive nicht angenommen wurden. Das Sparprogramm der Reorganisations-Kommission stieß begreiflicher Weise besonders in Palästina, das die Grenzen der Leistungskraft damals noch nicht kannte, auf Widerstand. Im w׳eiter« Verlauf der Dinge mußt« dann freilich noch manche Einschränkung«, die die Korn- Gemeinde״ und Verbandswahlen Für die am 30. November d. J. stattfindenden Wahlen ln die Repräsentanten-Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde und zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden sind die Wählerlisten fm Steuerbüro der JUdisehen Gemeinde Berlin, Oranienburger Straße 29, in der Zeit vom 1. August bis 15. September während der Dienststunden zur Einsicht ausgelegt. Einspruch gegen die Richtigkeit der Liste ist innerhalb der angegebenen Zelt durch Zuschritt an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde oder durch mündliche Erklärung im Büro der Gemeinde zu erheben. Spätere Ein- Sprüche sind ungültig. Alle Wähler, insbesondere diejenigen, die in diesem Jahre zum ersten Maie wählen sollen, werden aufgefordert, sich davon zu überzeugen, ob sie in die auflicgen den Listen auf genommen s ind. mlssion vorgeschlagen hatte, dennoch erfolgen. Aber mancher wird sich heute die Frage vorlegen müssen, ob nicht eine Befolgung jenes Sparprogramms trotz der zweifellos peinliehen momentanen Verstimmung, die sie in vielen zionistisch« Kreisen hervorgeruf« hätte, dazu beigetragen hätte, den Palästina-Aufbau auf eine solidere und entwicklungsfähigere Basis zu stellen. Das jetzige wirtschaftspolitische und administrativ-reformatorische Programm der Brandeis-Gnippe ist nicht bekannt. Aber die Probleme sind heute wieder besonders aktuell, je mehr wir uns wieder der praktischen normal« Arbeit nähern. Durch die Vorgänge des letzten Jahres, die wieder alle Aufmerksamkeit auf die Politik gezogen haben, haben wir beinahe vergessen, daß bis vor den Unruhen der Zionismus fast ausschließlich mit den ökonomischen und administrativ« Problemen der Palästina- Arbeit beschäftigt war und sich das Bewußtsein durchsetzte, daß wir an einem W«depunkt stehen, wo neue Wege gesucht werden müssen und auch vor einschneidenden AcnderUngen nicht zurückgeschreckt werden darf. Die bevorstehende Augustsitzung des Aktions-Comites und des Administrative Committee der Jewish Agency, die das Budget für das nächste Jahr festzusetzen hat, wird unvermeidlich und mit aller Schärfe wieder vor diesen Fragen stehen. Ob die Brandeis-Gruppe hier nicht nur negative Kritik, sondern positive, konstruktive Gedanken mitbringt, wird sich vielleicht schon bei dieser Berliner Sitzung zeigen, wo freilich nur zwei ״außerordentliche“ Teilnehmer von der Brandeis-Gruppe entsandt sind. R. W. Beim Hafenbau In Haifa Die Lohnfrage für ungelernte Arbeit. Jerusalem, 29. Juli 1930. (Ziko.) Am 24. Juli wurden Vertreter des jüdischen Arbeiterrates in Haifa von dem Chefingenieur für d« Hafenbau, Herrn Thompson, empfangen. Die Delegation berichtete von der Erbitterung, die unter der jüdischen Arbeiterschaft herrscht, da Juden beim Hafenbau nur in sehr geringer Zahl beschäftigt werden. Herr Thompson drückte seine Sympathie für die jüdische Arbeit aus, bemerkte aber, daß sich bisher keine jüdischen Arbeiter an ihn um Beschäftigung gewandt haben. Die Vertreter des Arbeiterrates erwiderten, daß die jüdischen Arbeiter organisiert seien und nicht einzeln nach Arbeit suchen. Die Vcrtreter der jüdischen Arbeiterschaft hätten sich schon unzählige Male an die Regierung und an die Leitung des Hafenbaues mit der Forderung um Beschäftigung von jüdischen Arbeitern gewandt. Herr Thompson versprach, die Forderung des Arbeiterrates zu berücksichtigen und jüdische Arbeiter einzustellen, sobald Arbeiten eingeleitet werden, die Fachleute erfordern, was im Oktober oder November der Fall sein dürfte. Auf die Erwiderung der Vertreter des Arbeiterrates, daß die Juden nicht mir in Facharbeiten, sondern auch in andern Arbeiten beschäftigt sein wollen, erklärte Herr Thompson, daß er bereit sei, jüdische Arbeit zu einem Tageslohn von 150 Mil 1n Anspruch zu nehmen, sobald weitere Arbeiter für ungelernte Arbeit« erforderlich sein werden. Die Vertreter des Arbeiterrates erklärten, daß der jüdische Arbeiter sich nicht mit einem so niedrigen Lohn begnügen könne, der ihm nicht einmal eine minimale m«schliche Existenz sichert. Sie beriefen sich auch auf das im britischen Pariament gegebene Versprechen, daß bei den Arbeiten des Hafenbaus ״fair wages“ gezahlt werden würden. Herr Thompson erklärte, daß diese ״fair wages“ auf 150 Mil pro Tag festesetzt wurden, und daß er jüdische ungelernte Arbeiter nur ür einen solchen Lohn beschäftigen könne. Auf der Sache nach Arbeit Am 24. Juli besuchten die Vertreter des Arbeiterrates von Haifa den Gouverneur des Norddistriktes und führten aus, daß a) neb« 303 arabischen Arbeitern, die in öffentlichen Arbeiten tätig sind, nur etwa 30 bis 40 jüdische Facharbeiter beschäfiigt sind; b) daß die Anlegung der Chaussee zwischen ״Hadar Hakarmei“ und dem Karmelberg beschleunigt werden sollte; c) daß jüdische Arbeiter in der Sanitätsabteilung der Stadt- Verwaltung und bei d« Hafenarbeiten in Haifa (außer den Arbeitern, die im Steinbruch in Atlith tätig sind) beschäftigt werden sollen. Der Gouverneur erwiderte hierauf folgendes: a) Das Mitglied der Stadtverwaltung, Herr David Hakohen, wird beauftragt, einen Reorganisations-Vorschlag auszuarbeiten, der ermöglicht, jüdische Arbeiter zu beschäftigen, ohne daß dadurch das Budget belastet wird, b) Die Regierung bemühe sich, bei den öffentlichen Arbeiten zunächst Arbeiter vom Lande zu beschäftigen, die sich in diesem Jahre in einer besonders schwierigen Lage befinden. Im Winter werde sich die Lage bessern und dann werden mehr Arbeiter aus der Stadt beschäftigt werden. Arbeitslosigkeit sei im Winter nicht zu befürchten, da dann folgende Arbeit« durchgeführt werden: Chaussee Hadar Hakarmel zum Karmelberg, Errichtung der Werkstätten der Eisenbahn, die große Kanalisation in Haifa. Bei diesen Arbeiten würde eine größere Anzahl von jüdischen Arbeitern, ebenso eine proportioneile Anzahl von Arbeitslosen anderer Nationalität beschäftigt werden. Das Departement für öffentliche Arbeiten werde ersucht werden, jüdische Arbeiter aus den anlieg«dea Siedlungen ״Nachlath Jakob“ und ״Achwah“ zu beschäftigen. (Ziko.) Das nene Palästina-Budget Jerusalem, 29. Juli 1930. (Ziko.) Im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Budgets der Jewish Agency für das nächste Jahr hatte der Treasurer der Agency Herr Dr. Werner Senator Besprechungen mit den Latem verschiedener Regierungsdepartem«ts, um die Forderangen auf Vergrößerung der Subvention« der Regierung auseinanderzusetzen. An der Unterredung mit dem stel!vertret«den Leiter des Gesundheitsdepartements nahm auch Herr Dr. A. Katzenelson teiL Es wurde vereinbart, daß ein besonderes Memorandum die Forderungen der Agency an das Gesundheitsdepartement wegen seines Verhältnisses zu den jüdischen Institutionen und wegen der Vergrößerung der Regierungssubvmtion für diese Institutionen darleg« soll. An der Unterredung mit dem Leiter des Regierungsdepartements für Erziehung nahm Herr Dr. Berkson teil. Es wurde hauptsächlich die Frage der Erhöhung der Subvration der Regierang für das jüdische Erziehungswerk behandelt. Rflekkehr nach Hebron Jerusalem, 11. August. (J.T.A.) Am Sonntag, dem 10. August, ist der erste Jude, Dr. Daniel Eie kan a, nach Hebron zurückgekehrt. Dr. Elkana entschloß sich zur Rückkehr auf Bitten seiner arabischen Freunde und Nachbarn, die auch die Garantie für seine Sicherheit übernommen haben. Unter denen, die die Petition an Dr. Elkana mit der Bitte um Rückkehr nach Hebron unterschrieb« haben, befindet sich auch der arabische Hausbesitzer, bei dem Dr. Elkana wohnte und der während der Massaker Dr. Elkana und seine Familie in seiner Wohnung verbarg und auf diese Weise vor dem Tode rettete.