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Jüdische Rundschau · 1930-08-12 · Heft 63 (12.8.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 63 (12.8.1930)
Date
1930-08-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Antisemitismus in Rumänien Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erschein t jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslandsahotmcmems werd«a in der der ehwwhwB Linde* b«edmei An7e»cenpr«*i8: 8 gesp. NanpareiLiereile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Nummer 63 I Berlin, 12. VIII. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen •Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15. Meinekestr.IO Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck.Konten: Berlin 173 92, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 394 33, Budapest 59693, Danrig 1973, Haag 140 470, Prag 594 10 Riga 4155, Söassburg 164 30, W erschau 190?08, Wien 156 030. Bank .Kontent Darmstidter und National bank, Depositen. Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Banca de Est, Cemaud (Rumänien); Anglo Palästina Co■ in Haifa, feraaalem, Tel-Aviv. snn *אג rr | xxxv.jahrg. Der Zionismus erstrebt fflr da»!Odlache Vom die Schaffung einer atfentllch - rechtlich gaatehartan Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.“ in aller Kürze Den letzten Nachrichten zufolge wird Stephen Wise an den Berliner Tagungen des Aktions-Comites und des Administrative Committee nicht teilnehmen. Er muß auf die Reise aus privaten Gründen verzichten. Jerusalem, 11. August. (J. T. A.) In der Nähe der jüdisehen Kolonie Nachlath-Jakob im Emek Jesreel gab ein unerkannt gebliebener Attentäter drei Schüsse auf den jüdischen Kolonisten Alexander ü I i c k s o n ab und verwundete ihn schwer. Die Nachforschungen nach dem flüchtigen Attentäter blieb bisher erfolglos. H a i f a , 7. August. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit der am 26. Mai d. J. in der Akko-Bucht bei Haifa erfolgten Ermordüng des Sergeanten William Singleton von der britischen Sektion der Palästina-Polizei wurden fünf Personen verhaftet. Miß Berenson, die sich In der Gesellschaft Singletons befand, als der Mord an ihm ausgeführt wurde, soll in einem der Verhafteten mit Sicherheit den Mörder erkannt haben. Jerusalem, 8. August. (J. T. A.) Acht Studierende des von der Palästina-Regierung erhaltenen Arab College wurden relegiert, weil sie am 17. Juni, dem Tage der Hinrichtung der zum Tode verurteilten Araber, sich entgegen der Warnung der Regierung an dem von der arabischen Exekutive proklamierten Proteststreik beteiligt haben. Jerusalem, 7. August. (J. T. A.) Colonel Sawy er, der Leiter des Landwirtschaftsdepartements der Palästina-Regierung, unterstützt in einem im Journal der Orangenzüchter ״Hadar“ veröffentlichten Schreiben den Plan von Harry Vit e 1 e s, Züchterverbände auf kooperativer Grundlage zu begründen. Jerusalem, 8. August (J. T. A.) In der letzten Sitzung des Waad Leunu brachten die Revisionisten zur Sprache, daß die Regierung die Einführung einer Einkommensteuer in Palästina erwägt, die hauptsächlich Industrielle und Berufstätige treffen würde, die schon an der indirekten Besteuerung schwer genug zu tragen haben. Die Revisionisten wiesen darauf hin, daß die Regierungen Aegyptens und des Irak es ablehnten, eine Einkommensteuer einzuführen, und forderten den Waad Leumi auf, dahin zu wirken, daß die Palästina-Regierung den Pfan der Einführung einer Einkommensteuer aufgebe. Die südafrikanischen Exporteure, Gebrüder Landau aus London, plan« die Errichtung eines Palästina-Exportftaus-es mit für die Neügründung ist, daß palästinensische Industrielle sich an cferselben beteiligen. Ab 1. August wird versuchsweise ein Luftpostdienst von Palästina nach Kairo mit dem Flugdienst der ״Imperial Airways", der Gaza jeden Freitag um 7 Uhr vormittags verlassen und Kairo am gleichen Tag erreichen soll, eingerichtet. Bisher wurden Luftpostbriefe von Palästina nach Europa angenommen, aber bis Aegypten mit Bahnpost befördert. Mit dein Dampfer ״Adria“, der am 22. Juli in Palästina eintraf, sind u. a. 30 neue Einwanderer ins Land gekommen. Im Verlauf des Monats Juni 1930 wanderten 419 Juden in Palästina ein; 105 Juden verließen in dem gleichen Monat das Land. Der ״Brith Schalom“ hat, nach einer Meldung der J. T. A., neuerdings Schritte zur Förderung des Friedens zwischen Arabern und Juden in Palästina ergriffen. In Verwirklichung der von Harry Sn eil, Mitglieds der Shaw-Kommission, gegebenen Anregung, in allen Städten und Dörfern Palästinas, in denen Araber und Juden zusammen leben, binationale Komitees zur Förderung der gegenseitigen Achtung und Freundschaff zu bilden, hat der Brith Schalom beschlossen, Seminare zum Studium Palästinas, der jüdischen Kolonisation, der arabisehen Bodenkultur, der Fragen der Gesundheit und des Unterrichts, sowie der Frage, wie jüdische und arabische Selbst- Verwaltungs-Institutionen auf der Grundlage einer!«nationalen Regierung entwickelt werden können, einzurichten. Ein Ent- Wurf praktischer Maßnahmen zur Besserung der arabischjüdischen Beziehungen wird ausgearbeitet. Moskau, 8. August (J. T. A.) Wie hier festgestellt wurde, haben die jüdischen Bauern der Rayons Eupatoria, Dzankoj und Cherson ihre Getreidelieferungsquote um 25 ״/!> überstiegen und stehen damit an der Spitze der staatlichen Brotlieteranten. Ciialozim ans Polen in Palästina Tel-Awiw, 7. August. (J.T.A.) Mit dem Dampfer ״Carnaro" sind 150 polnische Chaluzim in Palästina eingetroffen. Der Deputierte des polnischen Sejm, Hartglass, ist mit dem gleichen Dampfer eingetroffen. Der erste Jahrestag der Palästina - Unrnhen Jerusalem, 11. August. (J.T.A.) Am Montag, dem 11. August, jährt sich nach dem jüdischen Kalender zum ersten Male der Tag, an dem aufgehetzte Teile der arabischen Bevölkerung Palästinas den Angriff gegen den jüdischen Jischuw eröffneten. Das palästinensische Judentum traf Vorbereitungen, um diesen Tag als einen Tag der Trauer und des Gedenkens der Opfer zu Begehen. Die Ausführung dieses Vorhabens wird aber stark beeinträchtigt durch Verordnungen der Behörden, bei denen offenbar der Wunsch besteht, daß der Gedächtnistag eindruckslos vorübergehe. Der Distriktsgouvemeur von Jerusalem, Keith-Roach, ließ allen repräsentativen jüdischen Institutionen einschließlich der Agudas Jisrod eine Verordnung zu* gehen, der gemäß formierte Trauerzüge zu den Friedhöfen sowie öffentliche Trauer- und Gedächtniskundgebungen verboten sind. Erlaubt sind nur einzelne Besuche an den Gräbern der Opfer der vorjährigen Unruhen sowie Gedenkfeiern in den Synagogen, wobei sich jedoch die Synagogenvorsteher verpflichten müssen, für einen vollkommen ruhigen Verlauf der Feiern zu sorgen. Die revssionlslfodie WeMfonferenz Referate Jaboiinskys und Meir Grofjmanns hl, Prag, den 10. August 1930. Heute früh wurde die IV. Weltkonferenz der Revisionisten im Saale der Produktenbörse eröffnet. Eine Pressekonferenz, die für gestern angesagt war, auf der Jabotinsky über die Situation im Zionismus berichten sollte, wurde im letzten Moment abgesagt und so bleibt ein Großteil der nichtjüdischen Presse noch immer ganz im Unklaren, worum es sich eigentlich bei dieser Konferenz handelt. Vielfach stößt man in den Zeitungen und nicht nur hier auf die irrige Meinung, als ob in Prag der Zionistenkongreß stattfindet, was nur ein erhöhtes Interesse der Oeffentlichkeit zur Folge hat. Ob jedoch eine Konferenz, an der ununterbrochen die vernichtendste Kritik an der bisherigen zionistischen Leitung geübt wird, geeignet ist, jene uniformierten Kreise überhaupt für den Zionismus positiv zu interessieren und der zionistischen Idee Anhänger zu werben, wo dauernd von einem Bankerott und einem letzten Experimente die Rede ist, scheint dem unbeteiligten Zuhörer sehr fraglich. Von diesem Gesichtspunkte aus hielt auch die Eröffnungssitzung weit weniger, als man sich allgemein von ihr, auch in nichtrevisionistischen Kreisen, versprach. Der Besuch blieb hinter den Erwartungen zurück, immerhin kam eine genüg große Zahl Prager Juden, um Jabotinsky zu hören. Die Rede war beachtenswert maßvoll und zurückhaltend, insbesondere dort, wo der oppositionelle Jabotinsky, dem alles zu sagen erlaubt ist, vor dem Staatsmanne zurück wich, dessen Aspirationen über die eines Fraktionstrjumphators hinausreichen. Dem Referate gingen die üblichen Begrüßungen voraus. Mit starkem Beifall seitens der revisionistischen Delegierten wurde Ing. Stricker aus Wien begrüßt, der als Gast an der Konferenz teifnimmt. Delegierte und Gäste sitzen untereinander, so daß bis zum Berichte des Legitimationsausschusses vorläufig noch nicht die Anzahl der Delegierten feststeht. Nach einer Erklärung ־ Sosktns sollt«. 240 Detejritrte an der Kpffere« «tÜftfipstFÄf fantf im Festsaale des Beth Am statt. Weniger zurückhaltend als Jabotinsky Sprach GroSmann. Es ist anzunehmen, daß selbst auf der Konferenz viele seiner Aeußerungen auf Widerstand stoßen werden. Jedenfalls hat er gleich zu Beginn der Konferenz mit dem Austritte der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation gedroht — und anders ist auch der Schlußsatz seines Referates nicht zu verstehen —, eine Frage, die man seit der Wiener Konferenz bereits allgemein als erledigt betrachtete. Nachstehend Auszüge aus der Rede Jabotinskys und aus dem Referate Großmanns: Aus der Eröffnungsrede Jaboiinskys Vor allem muß Klarheit über unser Ziel herrschen: Das Ziel des Zionismus haben die Revisionisten formuliert als die Erreichung einer jüdischen Majorität in Palästina zu beiden Seiten des Jordans. Aber wir glaubten seit jeher, daß dies nicht nur unsere Auffassung ist, sondern daß hinter dieser Forderung das ganze jüdische Volk stehe. Der Zionismus kann ja überhaupt nichts anderes bedeuten. Das ist noch lange kein Maximalismus; im Hinblick auf die Situation des jüdischen Volkes, auf das große jüdische Elend ist es eher ein Minimalismus. Auch der Begriff des Wortes Nationalheim itn englischen Texte des Mandates; das Wort ״home“ geht in dieser Beziehung viel weiter. Sein ehrlieber Inhalt sagt nichts anderes, als daß jedes Mitglied des jüdischen Volkes, das, aus welchem Grunde auch immer, den Boden des Nationalheims betreten sollte, hier willkommen ist; also ein Heim für viele Millionen. Aber auch von rein humanitären Standpunkt aus betrachtet kommt man zu jenem von uns formulierten Ziele des Zionismus. Von den acht Millionen Juden Osteuropas sind mindestens ein Drittel in ihren jetzigen Wohnländern überflüssig und müssen binnen weniger Generationen evakuiert werden. Palästina muß also im Laute der nächsten zwei Generationen für mindestens zwei Millionen Juden Platz machen. Für diese zwei Millionen ärmster aller Juden Platz zu finden ist im Hinblick auf das große jüdische Elend also nur ein Minimalismus. Haben wir jedoch nicht einmal eine Mehrheit im Lande, dann ist es gar keine Lösung des Problems. Wer nicht die Forderung nach der Majorität einsieht, ist entweder zu naiv, oder verzichtet bereits ganz auf den Zionismus, so daß wir nicht mehr mit ihm polemisieren können. Das, was England uns im Jahre 1917 versprochen hat, war dem Sinne nach ein Judenstaat, ein Land mit jüdischer Mehrheit. Jabotinsky gab eine Schilderung der jüdischen Leistung und kam zum Schluß, daß die Juden ihre Pflicht getan haben. Hingegen haben die englischen Regierungen ihre Verpflichtungen nicht eingehalten. Er charakterisierte die antisemitische Haltung der Palästinaverwaltung an Hand vieler Beispiele und fuhr dann fort: War die jüdische Leistung im Lande hervorragend, so kann man dasselbe keineswegs von unserer politischen Arbeit erklären. Die zionistische Bewegung hat nicht den Zusammenhang zwischen einer großangejegten Kolonisation und des Verwaltungsregimes des Landes, in dem sie durchgeführt wird, erkannt. Es hat sich die naive Und dilettantische Auffassung durchgesetzt, daß alles nur auf die Leistungen der Juden ankomme, also darauf, ob die Juden mehr oder weniger Geld geben. Beschwichtigend hat man immer wieder den Engländern erzählt, die Beziehungen zwischen Juden und Arabern bessern sich and niemals auf afe Notwendigkeit der Verstärkung des Schutzapparates hingewiesen. Auch unsere besten Freunde in England mußten die Ueberzeugung gewinnen, daß die englische Regierung ihre Pflicht vollauf erfülle. Dann ist es zur Katastrophe gekommen. Das, was wir früher einmal als ein Kischinew-Regime bezeichnet haben, mußten wir aufs neue erleben, wenn es auch Hebron- oder Safed-Regime heißt. Wie die englische Regierung heute das Palästinaproblem behandelt, ist das Schulbeispiel für eine impressionistische ״Hand in den Mund“-Politik. Man schickte die Shaw- Kommission ins Land, die von der schuldigen Behörde selbst ernannt worden war und diese sollte nun unparteiisch erforschen, was die Beamten derselben Behörde verbrochen hatten. Und dann kam Simpson als Experte. Ich will seiner Expertise nicht vor• greifen, aber eines ist klar, daß ein so ungemein schwieriges Problem, wie die Feststellung der ökonomischen Fassungskraft Palästinas unmöglich von einem einzigen Menschen in einer so kurzen Zeit bewältigt werden kann. Und wenn eine Regierung aut Grund einer so kurzen Reise eines Mannes ihre Politik aufbauen und Konsequenzen ziehen sollte, so müßten wir sie des Dilettantismus zeihen. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus ist seine Arbeit für uns, unabhängig davon, ob er sich optimistisch oder pessimistisch aussprechen wird, null und nichtig. Diese impressionistischen Maßnahmen der englischen Regierung haben das Vert rauen des jüdischen Volkes zu ihr tie f erschüttert. Jetzt erst begreifen viele und viele das, was wir seit Jahren predigen. Aber es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man das Tor eines Stalles schließt, bevor oder erst nachdem die Pferde gestohlen wurden. Jetzt erst versteht man es, wie wichtig es gewesen wäre, wenn man rechtzeitig alle unsere englischen Freunde mobilisiert hätte, wie wir es gefordert haben. Heute ist dies doppelt schwer. Früher fiel die Verantwortung für alles, was in Palästina geschah, nur aut die dortige Administration. Heute trägt ein jeder Engländer einen Teil der Verantwortung. Man wird den Juden zwar wieder etwas geben, die Zertifikate zurückerstatten, ein wenig Immigration, ein wenig Einschränkung. Das ist aber gerade das Gegenteil von unserem großen Zionismus. Und wir ant- Worten: ]. Es wird aufrechterhalten, daß der Zionismus nichts anderes bedeutet, als die Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina zu beiden Seiten des Jordans. 2. Daß England . veipfttettetist,.» d*b9» tatkräftigst zu helfe*, ß, ttietjÄ■(® , Schwierigkeiten soB man nicht unnütz übertreiben. F.s ist kein Konflikt mit dem ganzen Islam oder mit der orientallsehen Welt. Und es ist symptomatisch dafür, daß der Widerhall der Ereignisse in Palästina in der übrigen arabischen Welt ein so geringer war. Es ist nicht wahr, daß die Hemmnisse in Palästina in dieser Beziehung so schwer sind. Es wird stets einen Kampf zwischen Juden und Arabern geben, aber dieser soll ein Wettbewerb sein auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete, und es werden nur dann Unruhen ausbrechen, wenn man das Land ohne Schutz beläßt. Man schlägt uns von verschiedenen Seiten neue Revisionen vor, so: Aussöhnung mit den Arabern oder Neu- Orientierung. Beide Fragen sind zu wichtig, als daß man sie übergehen kann. Die Aussöhnung mit den Arabern würden wir alle begrüßen und wir sind gerne zu ihr bereit, wenn sie auf ihre Forderung verzichten sollten, daß die jüdische Einwanderung nach ihrem Willen reguliert werde. Wir fordern jedoch alle diejenigen auf, die so sehr für die Versöhnung eintreten, ihre Tätigkeit vom jüdischen ins arabische Lager zu verlegen. Bei uns bedarf cs keiner Propaganda der Versöhnung mehr. Aber es ist bezeichnend, daß wenn diese Kreise schon zu Arabern kommen, sie von ganz anderen Dingen sprechen, den Arabern einen Verzicht auf den Zionismus überhaupt versprechen. Wir müssen je schneller je eher eine Demarkationslinie zu diesen Menscfifcn ziehen und fordern, daß alle jene, die zu einem Verzicht der jüdischen Mehrheit in Palästina bereit sind, außerhalb der zionistischen Reihen gestellt werden. Wir jedoch wollen die Araber nicht betrügen; wenn jene Herren zu ihnen gehen und ihnen einen Verzicht versprechen, dann sollen die Araber wissen, daß dies eine Lüge ist. Die Ethik des Zionismus besteht in seiner Wahrheit. Wir sagen ganz offen: Da ist das Territorium, das der liebe Gott der arabischen Masse gegeben hat, groß wie halb Europa, nur von 40 00000 arabisch sprechenden Menschen bewohnt. Von diesem ganzen Gebiet umfaßt Palästina den 170. Teil. Ja, es ist wahr: Diesen Teil beanspruchen wir Juden für uns. Und wir müßten, wenn wir dazu gezwungen sind, Palästina auch ohne Zu- Stimmung der einheimischen Bevölkerung kolonisieren. Wir sagen, daß für beide Völker zu beiden Seiten des Jordans hinreichend Raum ist. Eine künftige arabische Generation wird uns dafür dankbar sein, daß wir den Arabern die Möglichkeit zu einem kulturellen und nationalen Aufstiege geboten haben. Und ist es eine Sünde, wenn wir auf diese Weise kolonisieren müssen, dann ist die ganze Welt auf Sünde aufgebaut. Ueberall ist die Zivilisation eine Folge von Kolonisation gewesen. Es gibt in der Geschichte der Kolonisation kein einziges Kapitel, wo im Einverständnis mit den Einheimischen kolonisiart worden wäre. Selbstbestimmung ist ein Prinzip, nach dem die Welt so aufgeteilt werden soll, daß auch ein landloses Volk zu Boden kommen muß. Und ihm kann nur ein landreiches Volk Boden abgeben. Ein Mann, der von 170 000 000 Besitz 1000000 verschenkt, bleibt immer noch Multimillionär. Gottes Erde wurde dafür geschaffen, daß jedes Volk seinen Platz habe. Und wenn es notwendig ist, soll derjenige, der zu viel hat, demjenigen, der nichts besitzt, einen Teil abgeben. Es gibt heute etwas wie eine ״Los-von-England- Stimmung“ in den jüdischen Massen. Die August-Ereignisse des Vorjahres haben England zu einem Angeklagten vor dem Appellgerichte gestempelt. Man möge jedoch auch hier nicht das alte Wahrwort vergessen: ״U e b c r t rei bet nicht!“ Kühl und logisch soll man jede Lage überdenken. Man handelt nicht aus Empörung, sondern aus der Erfassung der Realität heraus. Ja, die englische Regierung hat versagt, aber wie waren unsere Advokaten? Vor dem besten Gericht der Welt kann man die beste causa verlieren, wenn die Advokaten schlecht sind. Sie haben jahrelang hindurch überhaupt nicht angeklagt und jeden Mißerfolg den

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