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Jüdische Rundschau · 1930-08-08 · Heft 62 (8.8.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 62 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 02, 8. VIII. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 411 Da» Wort haben — die Jfugend und die Frau Von Moses Calvary. (Schluß aus Nr. 61.) ln dem in voriger Nummer als drittes erwähnten Buch ״Diwre Foaloth“, ״Worte der Arbeiterinnen“, enthüllt sich uns ein Stück von der Seele der Arbeiterin, bald das Oesamtgeschehen im Blickpunkt der einzelnen, bald das Schicksal einzelner innerhalb dieses Geschehens, oder doch Momente ihres Schicksals, bald die Problematik dieses Werdens in all seiner Schwere. Sechs Abschnitte: Erprobung, Gemeinschaft, Die Arbeiterin, Mit dem Kinde, Persönliches, Aus Briefen und Notizen. Nichts Erschöpfendes wird erstrebt, das Buch wird sogar ausdrücklich als Anfang einer Reihe bezeichnet. Aber in der scheinbaren Willkiirlictikeit spürt man einen ordnenden Willen, eine wählende und vielleicht sogar leitende Hand. Vornehm, zart, aus tiefem Gefühl heraus, — das ist die Gesamthaltung des Buches, und es macht nichts, wenn uns hie und da auch eine leichte Koketterie entgegentritt. Fast alles ist von innen heraus, aus Frauenseelen, erlebt, und es mag nicht viele Sammelbücher geben, wie dieses, das du irgendwo aufschlagen kannst, und fast immer ist ein Geschehen, ein Problem, eine Situation aus dem Persönlichsten heraus erfaßt und gestaltet: ein Frauenbuch im tiefsten Sinne. Es sei versucht, auf Grand der Aufzeichnungen einen Einblick in das innere Leben der Arbeiterin zu gewinnen. Die ״Erprobung“ beginnt schon im Ausland, fm Kreis von Anarchisten, oder von Sozialisten. Im engen Studentenzimmer herrscht frohlieber Betrieb. Da lösen sich langsam die Verbindungsfäden. ״Ich kann nicht mehr zuhören. Ich empfinde plötzlich: mein Leben war ein Irrtum. Das Volk, dem ich meine Kraft widme, ist nicht das meine; ich bin ihm fremd. Und mein Volk, — ich kenne es nicht, nicht sein Leben und nicht seine Sprache. Ich muß von vorn anfangen.“ Und so verläßt die Schreiberin ihr Vaterhaus, und kommt hierher. Hier suchen sie alle Arbeit, aber man braucht sie nicht. ״Far Fräuleins ist keine Arbeit nito.“ ״Ich will keine Arbeit für Fräuleins, ich will irgendwelche Arbeit.“ Und man muß sich durchsetzen, zeigen, was man kann. Hilfreiche Genossen bringen ein Mädchen mit zur Arbeit, der Aufseher stutzt: was für eine Neuerung! Es sind schwere Zeiten, man hungert, Kranke liegen auf dein Fußboden, ein feuchtes Tuch um den Kopf, man arbeitet zwischen Fieber und Fieber, und zuweilen gelingt die Arbeit nicht, Neuling in der Küche, läßt man die Suppe anbrennen, oder zerbricht den einzigen Lampenzylinder der Oruppc: Acrger, Spott, Tränen! Und man gelangt in die ״Gemeinschaft“. Die Vorschläge der Frauen werden von der allgemeinen Arbeiterversammlung angenommen. Aber ist es den Männern ernst damit? Handelt es sich nicht nur um eine prinzipielle, papierene Resolution? Die Frau selbst empfindet einen Unterschied: wie ,die Männer ihren Weg gehen, mit bestimmten Meinungen und Handlungen, die Frau aber schweigt in der Gemeinde, ist noch passiv, ihres Weges nicht klar bewußt. Aber es kommt der Krieg, und der Frau harren wichtige Aufgaben. Um Tiberias-Kinereth herum spielen die meisten dieser Kriegsskizzen, man organisiert Gruppen von arbeitslosen oder vertriebenen Frauen, man übernimmt die Arbeit von Männern, man muß, fast vor Augen der Feinde, Waffen verstecken und hüten, muß Gärten bewachen, man sitzt im Gefängnis, wird — im Streik, — von Polizisten überrannt und verwundet, — aufregende Szenen. Es beginnen die Tage der ״Freiwilligen“. Viele Frauen stellen sich dem Heere zur Verfügung, in andern regen sich tiefe Zweifel: verneinen wir nicht aif unsere Werte, wenn wir den Geist des Militarismus bejahen? Aber die Arbeit ruft. Was erhoffen sie von ihr? Die Ant- Worten sind mmmigfach, wie die Seelen der Schreibenden. Nichts, auch nicht die Familie, soll uns hindern, unsere Personlichkeit zu entwickeln. —• Nicht die Wirtschaft ist das Wesentliehe, sondern der Aufbau der Gemeinschaft. — Eine Pflicht glauben wir zu erfüllen, und sie schelten uns Phantasten! Es treibt sie vor allem zur Landwirtschaft. Das Leben in der Gemcinschaft der Kwuzah erfüllt sic. Schwerer hat es die Frau in dem Moschaw, in der jeder Siedler sein selbständiges Leben führt. Der Mann arbeitet draußen auf dem Felde, die Frau in der Hauswirtschaft: Haus, Geflügel, Gemüsegarten, die Kinder. Achtzehn Stunden Tagesarbeit sind die Regel. Die Arbeiterin in der Stadt wird von einem besonderen sozial-persönlichem Pro- Wem gequält, sie braucht eine Hilfskraft, für das Haus, für die Kinder: ״Ist es recht, daß ich produktive Arbeit leiste, und dafür muß meine Genossin die Dienstarbeit übernehmen, vor der mir graut?“ Und wie schwer ist überhaupt für die Arbeiterin, die sich mit einem Arbeiter in der Stadt verheiratet, der Uebergang: soeben noch gleichberechtigtes Mitglied der Gemein schaft, und nun auf einmal ״Hausfrau“, ohne, oder fast ohne Tagesheime für die Kinder, ohne das gewohnte Gemeinschaftsleben, ganz ans Haus gebunden, ohne Verbindung mit der Arbeiterinnenbewegung, an der sie eben noch teilnahm, und die sie bereicherte und belebte, nur bei Wahlen wendet man sich an sie, bei Wahlen in der Gewerkschaft ihres Mannes, und mit Recht fühlt sie sich verletzt in dem Bewußtsein ihres Eigendaseins, das zu wahren sie hierher kam. Und das schwerste Problem: Mutter und Kind. Die Mutter ist in tiefer Sorge. Wohl ist in den Kwuzoth in den Kinderlieimen für das Kind gesorgt, der Gesundheitszustand ist im allgemeinen gut, die Mutter selbst ist von der unmittelbaren Pflege entlastet, und kann, wonach sie sich sehnt, ״produktive“ Arbeit leisten, — aber es bleibt ein ungelöster Rest. Wohl erklärt eine Frau ״das Kind allein füllt uns nicht aus, wie einst unsere Mütter“, — und doch: ״wie schaffen wir dem Kind den Blick und das Lächeln der Mutter?“ Das Kind ist krank, und die Mutter muß dulden, daß andere es pflegen. Es genügt ihr nicht, in ihrer und des Kindes Freizeit das Kinderheim zu besuchen und dort mit ihm zu reden: ״und wenn wir Paläste für unsere Kinderheime bauen, ich tauschte sie nicht ein gegen die ruhige Stunde zwischen mir und meinem Kinde in unserm Zimmer nach der Arbeit. Das Zimmer der Eltern, hinzugefügt dem Kinderheim, verbürgt ihm die Stunde der vollen Ruhe, die meist auch bei privater Erziehung fehlt.“ Was geben überhaupt dem Kinde die drei verschiedenen Bezirke, in denen es autwächst: die Eltern, das Kinderheim, die Kwuzah? Die Frage wird gestellt, — so oder ähnlich, — eine einheitliche Antwort ist noch nicht gefunden. Der Probleme sind viele, aber es herrscht das tiefe Vertrauen, daß der begonnene Weg der Ge meinschaftserziehung der rechte ist. Freilich gibt es sie fast nur in der Kwuzah; im Moschaw, im Dorf, in der Stadt sind erst ungenügende Anfänge da, und es wird ausgesprochen, daß die Gesellschaft ihre Pflicht nicht erfüllt, ■wenn sie diese Sorgen der Arbeiterin selbst überläßt. Die Struktur der Familie ändert sich vor unsem Augen, und die Gesellschaft ist noch weit ent fernt, die Ziele verwirklichen zu wollen, die die Frau in diesen Zeiten der Krisis fordert: Unabhängigkeit, möglichst produktive Arbeit, und Herausarbeitung einer klaren Physiognomie der heutigen Frau und ihrer Leistung in der Gesellschaft. Sic ver . in allen Orten: Säuglings ״^ersönlimes“ geben die beiden letzten Abschnitte des Buches, in Gedichten und Skizzen, denen Briefe und Notizen folgen. Im Mittelpunkt die Gestalten zweier Frauen, die nicht mehr sind. Sehoschanna Bogen, die, fast ein Kind noch, ihrem Leben ein Ende setzte, wie aus Märchenaugen schaut es dich aus ihren Skizzen an, so fremd und so klar, tief und leuchtend. Und Pessiah Abramson, vielfach typisch für all die Widersprüche in der Seele der jüdischen Arbeiterin. In Familienleben — Eltern, Geschwister, Mann, Kinder, — tief verwachsen, und doch, wenn sic krank ist, — und sie war viel krank, — und nur im Hause arbeitete: ״wie unangenehm, zu fühlen, daß ich auf Rechnung eines andern lebe, wenn ich auch ständig arbeite.“ Sie kann nicht ohne Arbeit leben, aber tief binnen bewahrt sie ihre Träume. Es drängt sie nach Gemeinschaft, doch, wo sie ablehnt, kann sie nicht wirken: ״Oft beiße ich die Zähne zusammen, aber nach außen — schweige ich.“ ״Ich finde meinen Platz im Leben nicht, alle gehen gebahnte Straßen. Früher hat man neue Wege gesucht, und das ergriff auch mich. Alles, [laubte ich, wird neu, — und nun bekommt alles eine feste ״orm, es scheint, als wäre cs mit dem Suchen vorbei, und sic hätten schon gefunden, was sie suchten. Ja, sie haben ein Leben gefunden, das weniger wert ist, als das von Uns Alten.“ Und so greift sie, noch nicht dreißigjährig, Mutter dreier Kinder, zur Waffe als letzter Rettung. Um diese beiden Gestalten herum kleine Aufzeichnungen aller Art, einzelne Momente erfasse»1. Wenig, auffallend wenig, ist hier von erotischen Problemen ־ Rede, den Beziehungen zwischen Mann und Frau, die im Lenen der bürgerlichen Oe- Seilschaft so überbetont sind. Ist es Scheu, oder drängt das neue Leben sie wirklich zurück, und mehren sich die einzelnen, die das Gefühl haben, daß Gemeinschaft, Arbeit und ihr Kind sie wirklich erfüllen könne? Mag sein, daß auch in diesem Bezirk ein neues Lebensgefühl sich ankitndigt. Die Gedichte Rachels: tiefes Leid, Auflehnung und Verzicht, gedämpft im Rhythmus der Natur und des Liedes. — Erinnerungen an Krankbeit und Hilfe, — Tagebuch einer Mutter, Kind und Volk in einem: ״unser ist das Land, mit unserm Blut haben wir jeden Fußbreit Boden bezahlt. Aber wir sind nur eine Handvoll, vielleicht eine Handvoll von Besessenen? — — Wenn unsere einsamen Gräber das Volk nicht erlösen, so enthüllen wir unsere Schande vor allem Volk.-Und unsere Kinder, unsere lieben Kinder, was wird aus ihnen werden? Sind wir wirklich nur eine Hand voll Besessener?“ Dann Briefe, Momentbilder aus Lebensschicksalen, hervorgehoben sei der Brief eines Mädchens aus einer Kwuzah an ihre Mutter, der die verzweifelte Erbitterung dieser Generation über die Hausgebundenheit der Frau zu ergreifendem Ausdruck bringt, sowie die einfachen Verse einer Mutter, die ihrer eigenen leidenden, sich härmenden Mutter dort im üaluth denkt, und die von ihrem Wiegenkinde die Erlösung erhofft. Hier auch ein Wort, das als Motto über der Arbeit in Erez- Israel und diesem Buche stehen könnte: ״Ein Bild, das ich als Kind auf der Bühne gesehen habe, verläßt mich nicht. Da stand eine junge Frau, die nicht stinunbegabt war, und der Hypnositeur Svengali beeinflußte sie und zwang sie zum Singen. Und sie wurde zu einer großen Sängerin. Ihre Leiden während der Hypnose waren furchtbar, aber er stand hinter ihr auf der Bühne, und sie sang. Es gibt unter uns Menschen, die zum Leben der Arbeit so viel Talent haben, wie jene Frau zum Singen. Aber dennoch arbeiten sie und leisten Wunderdinge. Denken wir daran, wer es ist, der zuweilen bei uns in der Wirtschaft arbeitet, wer mit vielen Menschen in einem Zimmer haust, auch wer Tagungen veranstaltet, und ihre Tätigkeit, diese übermenschliche Last, die wir uns aufgebürdet haben, kommt uns vor, wie in einer hypnotischen Vorführung. Wie eine Wunderkraft steht hinter uns das Schicksal unseres Volkes, das Geheiß der Epoche; sie befehlen und wir — singen.“ , , Gesegnet die Hände, die dieses Buch geschrieben, und die, die es uns dargereicht haben. Julian Mack und Stephen Wise kommen znr Berliner Tagung New York, 1. August. (J. T. A.) Richter Julian Mack und Dr. Stephen S. W i s e sind als außerordentliche Vertreter der amerikanischen Zionisten zur Tagung des Zionistischen Aktions-Comitös und des Administrativ-Committee der Jewish Agency in Berlin delegiert worden. Weder Mack, der beim Züricher Kongreß nicht anwesend war, noch Wise, der in Opposition zur Agency stand, sind vom Züricher Kongreß als Mitglieder des Admlnistrativc-Committee gewählt worden. Außer Mack und Wise werden an der Tagung des A.-C. und des Administrative Committee aus Amerika noch teilnehmen: Louis Lipsky, Abraham Goldberg, Eli hu Stonc, Dr. M. Koralnik, Morris Rothenberg und Jacob Fish man. Urteil im InBat-Prozeß Die Kolonie Chedera behllt den Boden H aif a , 3. August. (J.T. A.) Der vor zwei Jahren zwischen den Kolonisten von Chedera una Beduinen entstandene Konflikt um den Besitz der sogenannten Infiat-Böden ist jetzt zur Entscheidung gebracht worden. F. G. Lowich, der Siedlungsbeamte der Palästina-Regierung, hat dieser Tage entschieden, daß die jüdischen Käufer der betreffenden Böden ln der Ueberzeugung handelten, daß die Böden dem Makler gehören und daß sie über die wahren Umstände bei der Uebertragung des Bodens im Jahre 1880, die im Laufe der jetzt vorgenommenen Untersuchung zur Sprache kamen, nicht unterrichtet waren. Der Eigentumstitel der Kolonisten von Chedera auf diese Böden wurde daher bestätigt, mit der einen Ausnahme, daß 2500 Dunam Dünen, die als j?egierungseigentum festgestellt wurden, den Beduinen weiter zur Weide überlassen werden. Die Beduinen hatten ein Areal von mehr als 10000 Dunam als ihr Eigentum reklamiert. Verhaltung nnd Verbannung von Kommunisten Jerusalem, 4. August. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit dem von der kommunistischen Internationale veröffentlichten Appell, den 1. August als Anti-Imperialistentag zu feiern, wurden in Palästina mehrere Personen verhaftet, die in dem Verdacht standen, daß sie dem kommunistischen Appell gemäß handelten. Unter den in Tel-Awiw Verhafteten befindet sich auch Riwka Ornstein, die vor einigen Tagen den wegen kommunistischer Betätigung zu sechs Monaten Gefängnis und nachmaliger Landesverweisung verurteilten Eliezer Moscovitsky geheiratet hat. Diese Heiratszeremonie vollzog sich unter außergewöhnlichen Umständen. Moszovitsky wurde in Handschellen aus dem Jaffaer Gefängnis in das Rabbinatsbüro in Tel-Awiw gebracht, wo die Chuppah (Trauungsbaldachin) in Anwesenheit von Polizeibeamten zur Vollziehung der Trauung aufgespannt wurde. — Die Gerichte beschleunigen die Aburteilung der verhafteten Kommunisten; die Urteile schließen in den meisten Fällen Landesverweisung ein. Bei den Warschauer Empfangsfeierlichkeiten für die palästiiiensisehen Motorradfahrer ereignete sich ein bedauerlicher Zwischenfall. Als der Festzug sich über die Rymarskastraße bewegte, warf ein junger Pole vom Dach einen Stein, der den Tel-Awiwer Motorradfahrer Kaha ne traf und verletzte. Es kam m einem argen Tumult, die Polizei griff ein, zwei Motorradfahrcr wurden verhaftet und zahlreiche Teilnehmer am Festzuge verletzt. Sechs junge Leute mußten sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden, und die Polizei zerstreute die Teilnebmer des Zuges. Zeiischriftensdiau Die amerikanische Monatsschrift ״Atlantic Monthly“ bringt unter dem Titel ״Palästina — eine Sackgasse?“ einen sehr umfangreichen und glänzend geschriebenen Aufsatz von W. E. H o c k i n g, in welchem der nichtjüdische Verfasser zwar seine (offenbar aufrichtige) Sympathie und Be- Wanderung für den Zionismus ausdrückt, aber unter den gegebenen Umständen vor jedem Versuch, das zionistische Ideal m vollem Umfang zu verwirklichen, auf das dringendste warnt. Das Bezeichnende des tragischen Konfliktes in Palästina liege darin, daß es sich hier nicht um einen Kampf zwischen Recht und Unrecht handele, sondern um einen Konflikt zwischen zwei gleich wertvollen und berechtigten Bewegungen, — des Zionisums und des arabischen Nationalismus. Es beständen unlösbare Gegensätze zunächst in wirtschaftlicher Hinsicht, in der Bodenfrage, die Hoeking sehr pessimistisch beurteilt. Die 30 000 in der Landwirtschaft tätigen Juden hätten schon jetzt ein Viertel der besten Böden inne, obwohl sie nur ein Dreißigstei der Bevölkerung bildeten, jede weitere Ausdehnung der : uden müsse zu einer immer stärkeren Abdrängung der Araber in die unfruchtbaren Felsgegenden führen; dabei sei aber, nach Ansicht der Joint Palestine Survey Commission, sogar der durchschnittliche Landbesitz des jüdischen Siedlers unzureichend und müsse in Zukunft reichlicher bemessen werden! Auch in politischer Hinsicht ergäben sich unlösbare Probleme, da der Sinn des Zionismus gerade im Aufbau eines Jüdischen Nationalheims läge, ein solches Heim aber, in dem sich der politische und soziale Geist des Volkes ausleben könne, ohne ein territorial zusammenhängendes und unabhängiges Gemeinwesen unmöglich sei. Die Araber würden sich aber aus dem Lande nicht verdrängen lassen, ja die Juden würden immer in der Minorität bleiben, wenn inan die Araber nicht geradezu mit Gewalt vertriebe, was wiederum mit dem ethischen Sinn des Zionismus unvereinbar sei. Unter diesen Umständen sei die Idee eines jüdischen ״Sevcnth Dominion“, in dem die Juden nationale Selbständigkeit genössen, unhaltbar. Zu verwerfen sei aber auch die Idee einer Aufteilung Palästinas in jüdische, christliche und mohammedanische Kantone, weif erstens Jerusalem zu keinem Kanton gehören dürfe, und außerdem eine solche Kantonisierung des Landes im Widerspruch mit dem Gedanken eines jüdischen Rechtes auf Palästina stehe; denn dies könne nur ein Recht auf das ganze Land sein. Dieses Recht selbst sei auch problematisch. Denn die religiöse Ueberzeugung der Juden von ihrer unlöslichen Verbundenheit mit Palästina könne zwar mit historischen Vergleichen gewiß nicht erschüttert werden, aber es sei eben eine rein subjektive, von der übrigen Welt nicht geteilte Ueberzeugung. Mit der kulturellen Ueberlegcnheit des jüdischer» 15-Milüonen-Volkes über die palästinensischen Fellachen könne man aber das jüdische Recht auch nicht begründen, da die Araber in Palästina durchaus nicht alle unwissende Fellachen, und selbst diese noch bildungsfällig und wertvoll seien. So kommt Hoeking zu folgenden Resultate«: 1. Der volle zionistische Gedanke könne nicht ohne politischen, auf militärische Macht gestützten Druck verwirklicht werden. 2. Ein solcher Druck wäre ungerecht und mit dem ethischen Sinn des Zionismus unvereinbar; dieser würde sowohl seinen Rechtsansprach wie sein gutes Gewissen dabei verlieren. 3. Jede Vermehrung des Druckes müsse in Palästina und außerhalb einen verstärkten arabischen Gegendruck auslösen. Daher sei der politische Zionismus vor die Frage gestellt, ob er die Absicht nabe, seinen Platz in Palästina durch die Macht des Schwertes zu sichern. Hoeking erklärt, die pessimistische Prognose, die er dem politischen Zionismus stellen müsse, habe ihn selbst mit 11 e - fern Schmerz erfüllt, aber man müsse mit Tatsachen rechnen. Unter den gegebenen Umständen müßten die Zionismen ihren Begriff der Nationalen Heimstätte zu vergeistigen suchen und von Jerusalem aus mit der jüdischen Weisheit der Menschheit dienen. A. P, * in der amerikanischen Monatsschrift ״Harpers Maga* z i n e“ vertritt John Günther in einem umfangreichen Aufsatz folgende pessimistische Ansicht: Der Zionismus, eine ihrem Wesen nach einzigartige Bewegung, der man seine Sympathie nicht versagen könne, habe in Palästina sehr beachtliche Leistungen vollbracht, sowohl in kultureller Hinsicht, in der Erweckung der hebräischen Sprache, dem Aufbau der Hebräisehen Universität, der Uebcrführung großer Massen von ostjüdischen Städtern in die palästinensische Landwirtschaft usw., wie auch materiell, in der Besiedelung und im Aufbau des Lan* des. Jetzt aber stellten sich dem Zionismus solche Schwierigkeiten entgegen, daß er im ganzen als wirtschaftlicher und politischer Fehlschlag anzusehen sei. Denn die Arab e r, die sich teils durch die wirkliche Einwanderung und die Landkäufe der Juden, teils durch die unklugen großsprecherischen Reden der zionistischen Führer (man werde Palästina ui einem rein jüdischen Land machen usw.) bedroht fühlten, und außerdem durch den Streit um die Klagemauer in ihrem religiösen Empfinden gereizt seien, seien jetzt erbitterte und unversöhnliche Feinde des Zionismus. England aber könne, mit seinen mehr als 100 Millionen mohammedanischer Untertanen, in Palästina keine antiarabische Politik treiben, da dies die schlimmsten Wirkungen außerhalb des Landes nach sich ziehen würde. Andererseits sei, wegen der enormen strategischen, Verkehrs- und wirtschaftspolitischen Bedeutung Palästinas für England, an eine Aufgabe des Mandates gar nicht zu denken; bei der Schwächung der englischen Position in Aegypten, und der bevorstehenden Unabhängigkeit des Irak müsse sogar das Interesse Englands am Besitze Palästinas noch wachsen. Der einzige juristische und moralische Anspruch Englands auf den Besitz Palästinas liege aber im Mandat, d. h. in dem ihm vom Völkerbund erteilten Auftrag zur Durchführung der Balfour-Deklaration, die übrigens zweifellos ganz ehrlich gemeint gewesen sei. England werde deshalb die Deklaration keinesfalls widerrufen, sondern werde weiterhin zwischen Arabem und Juden lavieren. Der jetzige Zustand in Palästina sei ganz abnorm, da die ganze Macht und Verantwortung bei dem High Commissioner liege, der seinerseits nur dem Kölonialamt in London und, ״in astronomischer Entfernung“, der Mandatskommission des Völkerbundes verantwortlich sei. Eine Aendening dieses erstaunlichen Zustandes sei aber nicht möglich, weil die Juden in sicherer Voraussicht einer arabischen antizionistischen Majorität kein auf dem Verhältniswahlrecht beruhendes Parlament wollten, während die Araber gerade nur ein solches anerkennen würden. So sei das Palästina-Problem unlösbar, und schwerste Reibungen seien auch in Zukunft unvermeidlich; zur Verhütung des Aergsten aber müsse England wenigstens eine ausreichende Garnison im Lande halten; denn daß zur Zeit der August-Massaker nur 142 englische Soldaten im Lande gewesen seien, stelle eine unverzeihliche Schuld der englischen Regierung dar. Der Zionismus aber werde in aller absehbaren Zeit nur durch englische Bajonette geschützt werden können. A. P, Unter dem Vorsitz Cuzas fand in Jassy eine Konferenz der Leitung der antisemitischen Liga statt, in der beschlossen wurde, beim König und bei der Regierung gegen die Unterdrückung der antisemitischen Bewegung za protestieren. Es wurde ferner beschlossen, in jedem Bezirk Kongresse מגב Verbreitung der antisemitischen Lehre abzahatea,

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