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Jüdische Rundschau · 1930-08-08 · Heft 62 (8.8.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 62 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 408 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 8. VIU. 1930 schaftlichen Effekt lossteuern. Der Palästinaregierung ist der schwere Vorwurf zu machen, daß sie sich bisher um die Probleme der Wirtschaft und Produktionssteigerung überhaupt nicht gekümmert hat. Sie hatte es zu leicht. Die jüdische Einwanderung und die jüdischen Transaktionen haben ihre Kassen gefüllt, so daß sie Ueberschiisse erzielte, ohne auf die Erhöhung der Steuereinkiinfte aus der Produktion unmittelbar angewiesen zu sein. Wir glauben, daß auch Simpson wie jeder unvoreingenommene Untersucher der Landesverhältnisse zu dem Ergebnis gekommen sein muß, daß die Regierung nichts oder viel zu wenig getan hat. Im Rahmen der allgemeinen Entwicklung des Landes und seiner natürlichen Hilfsquellen ist aber auch der Aufbau des Jüdischen Nationalheims zu betrachten. Die Juden haben vor allem Interesse an der Vergrößerung der Aufnahmefähigkeit des Landes, und sie würden bei Maßnahmen der Regierung, die auch diesem Zweck dienen, mit aller Kraft zu helfen bereit sein. Es ist zu hoffen, daß Simpsons Gutachten sich vor allem in dieser Richtung bewegt und daß die Regierung dann den Weg einer sofortigen aktiven Inangriffnahme konstruktiver Politik beschreite. * Ob freilich das Administrative Committee der Jewish Agency und das Zionistische Aktions- Comite bei seiner Tagung, von der uns nur noch zwei Wochen trennen, bereits etwas Näheres über die englischen Absichten wissen wird, ist sehr fraglich. Diese Instanzen werden sich mit der gegenwärtigen Lage zu befassen haben, deren hervorstechendstes Ereignis die Suspension der Chaluz-Immigration ist. Trotz der starken jüdischen Protestbewegung hat die engliche Regierung diese ihre Maßnahme bisher nicht rückgängig gemacht. Sie scheint entschlossen zu sein, bis zum Bericht Simpsons zu warten. Die Jewish Agency hat ihre Entrüstung über diese Verfügung mit aller Schärfe zum Ausdruck gebracht and das Administrative Committee w ird diesen Protest sicherlich wiederholen. Wichtiger aber ist die Frage, wie sich die Beziehungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung in Zukunft gestalten sollen. Dies zu beurteilen dürfte schwer fallen, solange die angekündigte Erklärung über die englische Politik noch aussteht Dr. Weizmann ist bereits vor einiger Zeit zur Erholung auf den Kontinent gefahren und wird wohl erst nach den Sitzungen nach London zurückkehren. Er hat eine schwere Zeit hinter sich. Nach Jahren geduldiger Zusammenarbeit ist in den letzten Monaten ein heftiger Konflikt zwischen ihm als dem Repräsentanten der Jewish Agency und dem englischen Kolonialamt entstanden. Wenn diese Auseinandersetzung zum Teil eine beinahe persönliche Zuspitzung erfuhr, dann ist dies ,ein Zeichen dafür, welche Erregung durch die Entwickhing der Dinge entstanden ist Diese Erregung war in den Tatsachen begründet, aber es liegt auch im Wesen derartiger Verhandlungen, daß leicht Mißverstandn i s s e entstehen können und daß Umstände, die der einen Verhandlungsseite nicht bekannt sind und auch nicht enthüllt werden können, zu Verschärfungen beitragen, die vielleicht zu vermeiden gewesen wären. Man könnte sich z. B. vorstelien, daß die scharf bemängelte Tatsache, daß eine Unterredung zwischen Weizmann und Simpson vor dessen Abreise nicht zustande kam, nicht unmittelbare Schuld des Kolonialministers war, obwohl er die Schuld auf sich nehmen mußte. Jedenfalls werden die Vorgänge dieses aufgeregten Frühjahrs zurückgedrängt werden müssen gegenüber der Frage nach der Zukunft. Das Administrative Committee der Jewish Agency wird sich darüber Rechenschaft abiegen müssen, mit welchen politisehen Faktoren wir beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims Zusammenarbeiten müssen und was zu tun ist, um ein möglichst großes Maß von Sicherungen eines organisehen und unaufhaltsamen Fortschritts der Dinge in Palästina zu schaffen. * Auch wer nicht Anhänger des revisionistischen Programms ist, wird der revisionistischen Weltkonferenz, die am kommenden Sonntag in Prag eröffnet wird, mit besonderem Interesse eiitgegenschen. Es ist die erste Konferenz seit den Unruhen in Palästina und man kann gespannt sein, was die Revisionisten zu der nun geschaffenen Lage zu sagen haben. Als loyaler Gegner muß man anerkennen, daß sich die D i a g nose der Revisionisten sowohl auf politischem als auch auf Wirtschaftliebem Gebiet in hohem Maße bestätigt hat. Der Revisionismus hat stets die Einstellung der palästinensischen Kolonialbeamten scharf kritisiert, er hat auf die Gefahr hingewiesen, die dem Zionismus von der erstarkenden arabischen Nationalbewegung drohen, und er hat auch frühzeitig die Existenz des Bodenproblems und die Notwendigkeit intensiver Wirtschaft erkannt. Nicht in diesen Erkenntnissen, in denen auch viele aridere Zionisten mit ihm übereinstimmen, beruht freilich sein Wesen, sondern in der A n t w o r t, die er auf diese Probleme gegeben hat. Ist es in unserer Zeit ideologischer Verschwommenheit ein Verdienst, Probleme klar zu formulieren, so ist nach unserer Meinung das Programm des Revisionismus und das Verhalten einzelner seiner führenden Persönlichkeiten und Gruppen weniger positiv zu bewerten. Seine wichtigsten Forderungen, nämlich die jüdische Legion (von Jabotinsky als das Baseler Programm des Revisionismus bezeichnet) und das ״Kolonisationsregime“, sind nach unserer Meinung nicht nur unrealisierbar, sondern schon die bloße Aufstellung dieser Forderungen bedeutet eine schwere Schädigung des Zionismus. Wir haben in diesen Blättern versucht, bei verschiedenen Gelegenheiten sowohl eine ideologische als auch eine politische ernsthafte Diskussion mit dem Revisionismus zu führen. Dies Ist nicht immer leicht, weil er als eine Oppositionsgruppe, die nach der Macht strebt und daher mit allen Mitteln die breiteren Massen für sich zu gewinnen versucht, den Kampf häufig in Formen führt, die von ernsthafter Diskussion weit entfernt sind. Es wurde den Revisionisten auch häufig der Vorwurf gemacht, daß sie auf eigene Faust eine separate Außenpolitik führen. Es ist schwer zu verhindern, daß seitens weniger informierter Faktoren diese Aktionen auf Konto des Gesamtzionismus gesetzt werden. Die Revisionisten haben als Oppositionspartei wohl das gute Recht, der Exekutive Verlegenheiten zu bereiten, wenn aber z. B. in einem allen englischen Parlamentsmitgliedern überreichten revisionistischen Memorandum Bruchstücke aus einer internen vertraulichen Mitteilung der Zionistischen Exekutive zitiert werden, so ist dies nicht nur eine Indiskretion, sondern eine schwere Gefährdung der politischen Position des Gesamtzionismus. Wir nehmen an, daß es auch im revisionistischen Lager Persönlichkeiten gibt, die mit Einzelheiten der revisionistischen Taktik nicht einverstanden sind und daß diese Dinge, wozu auch die Haltung der revisionistischen Presse (Doar Hajom!) gehört, auf der Konferenz zur Sprache kommen werden. Auch Ideologisch scheint der Revisionismus keineswegs einheitlich zu sein, nicht nur in seiner Stellung zu sazialen Fragen, sondern auch in der poiitisehen Grundhaltung. Der Revisionismus hat sich heute im zionistischen Leben eine beachtete Stellung erobert und sein geistiger Einfluß reicht weit über seine eigenen Reihen hinaus. Schon darum werden seine Freunde und seine Gegner mit Aufmerksamkeit verfolgen, was er in Prag zu sagen haben wird. Tiseha b’aw in Jernsalem Jerusalem, 4. August. (J. T. A.) Am Vorabend des Tiscna b’Aw nach Sonnenuntergang strömten aus verseniedenen Teilen Jerusalems jüdische Einwohner in großen Scharen zur Klagemauer, um in traditioneller Weise die ״Kinoth“ (Klagegebete) herzusagen. Gemäß der Verordnung des Distriktskommissars Keith-Roach waren Kerzen und Lampen jeder Art aus dem Gebiete der Klagemauer entfernt worden, so daß tiefe Dunkelheit herrschte. Bloß auf dem Pulte des Vorlesers der Klagegebete brannte ein Oellämpchen. Da auch das Mitbringen von Matten zum Sitzen verboten war, saß die Menge auf den bloßen Steinen. Auch viele Jugendliche waren anwesend. Es herrschte vollkommene Ordnung. Die in dem Gebiet der Mauer postierten britischen Polizisten hatten keine Gelegenheit einzuschreiten. Das jüdische Vierte] In der Altstadt Jerusalems war ebenfalls in Dunkel gehüllt, da alle Läden geschlossen waren. Nach polizeilichen Schätzungen weilten am Vorabend des Tischa b’Aw etwa 10000 Juden an der Klagemauer. Infolge dieser außerordentlichen Menschenansammlung konnten bis Mitternacht nicht alle Klagemauer-Besucher den Platz verlassen. Arabern war an diesem Abend verboten, den zur Klagentauer führenden Hauptweg zu benutzen. In T e 1 - A w i w brannten am Tischa b’Aw-Abend die Straßenlampen nicht. Alle Vergnügungsstätten waren geschlossen. In der überfüllten Gemeindehalle (Beth Haam) hielt Professor J. Klausner einen Vortrag über die zweite Zerstörung des Tempels. Der Antisemitismus in Rumänien Bukarest, 3. August. (J. T. A.) Die gesamte jüdische Bevölkerung des Städtchens Trusheny (Bezirk Kischinew) ist nach Kischinew geflüchtet, als 25 antisemitische Studenten in das Städtchen kamen und unter den Bauern eine Pogromagitation entfalteten. Auf die Forderung der führenden jüdischcn Persönlichkeiten trifft jetzt die Distriktspolizei von Kischinew Vorkehrungen, um den jüdischen Flüchtlingen eine gesicherte Rückkehr in ihre Häuser zu ermöglichen. Das Hilfskomitee für die Abbrändler von Borscha erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Es ist herzzerreißend zu sehen, wie zweieinhalb Tausend jüdische Menschen, darunter Kinder und schwangere Frauen, ohne Obdach, ohne Kleidung, barfuß, hungernd und in Furcht vordem Morgen verharren. Ihr Elend ist grenzenlos und muß behoben werden, bevor der Winter hereinbricht. Das Weitjudentum sollte uns helfen, bevor es zu spät ist. Es werden Geldspenden an die Adresse der Joint-Bank in Cluj (Klausenburg) erbeten. Die Union rumänischer Juden ließ durch das Mitglied ihrer Exekutive, Dr. Schaffer, dem Generalsekretär im Innenministerium Victor Cadere ein offizielles Memorandum über die Geschehnisse in Bereschti überreichen. Cadere, der bekanntlich erst kürzlich aus der Bukowina zurückgekehrt ist, wo er im Sonderauftrag die Untersuchung w egen der antisemitischen Ausschreitungen leitete, sagte eine Untersuchung und die Bestrafung jener Beamten in Bereschti zu, deren ungenügendem Einschreiten die zweitägige Dauer der judenfeindlichen Unruhen in dieser Stadt zuzuschreiben ist. In der Redaktion der rumänischen Zeitung ״Adeverul“, die energisch gegen die antisemitischen Unruhen und das Treiben der ״Eisernen Garde“ Stellung genommen hat, erschienen drei führende Mitglieder der ,,Eisernen Garde“ und verlangten vom Chefredakteur die Veröffentlichung eines Aufsatzes, in dem ihre Organisation von den gegen sie erhobenen Beschuldigungen reingewaschen wird. Sic bedrohten den Redakteur für den Fall der Nichtveröffentlichung mit dem Tode. Das Exekutivkomitee der Zentralorganisation rumänischer Studenten hat in einem Beschluß die sofortige Freilassung Codreanus verlangt und gedroht, andernfalls die studentischen Provinzorganisationen dabin zu instruieren, daß sie deT Regierung offen obstruieren. Damit kann nichts anderes gemeint sein als die Aufforderung zu Demonstrationen und Ausschreitungen. Der Kongreß rumänischer Studenten, der am 8. August in Kuprian bei Kischinew hätte eröffnet werden sollen, ist jetzt auf Verlangen des jüdischen Deputiertenklubs verboten worden. Durch dieses Verbot wird auch der nach Abschluß der Konferenz geplante Marsch von 5000 Studenten durch Beßarabien verhindert. Mehrere Vertreter ausländischer jüdischer Organisationen, und zwar Morris Waldmann vom American Jewish Committee, Zwi Aberson vom jüdischen Minoritätenbüro beim Völkerbund, der Vizepräsident der Föderation beßarabischer Juden in Argentinien, Moses Helman, Philip Bernstein vom Amerikanischen jüdischen Kongreß, und der Sonderkorrespondent der J. T. A., Smolar, werden sich dieser Tage zusammen mit einigen jüdischen Deputierten Rumiiniens in die von den judenfeindlichen Ausschreitungen betroffenen Gebiete begeben, um die Lage an Ort und Stelle zu untersuchen. Wirisdiaftsaussidiien Die Orangenpflanzungen Im Winter — Ein Werk deutscher Zionisten Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AO. Tel-Awiw, den 31. Juli 1930. Fast täglich erscheinen in der Presse Nachrichten über die Arbeitslage in den Kolonien, die nach wie vor zu Besorgnissen Anlaß gibt. Die ״Tote Saison“ ist noch nicht vorüber, es gibt also eine Zahl von Arbeitern, die erst zu Beginn der neuen Arbeitsperiode wieder Unterkunft finden. Es häufen sich in letzter Zeit die Appelle an die Pflanzer, die billige Arbeit, die in den letzten Monaten überhand genommen hat, von neuem zurückzudrängen. Verschiedene lokale und allgemeine Aus- Schüsse der Arbeiter beschäftigen sich dringend mit diesem Problem, die liberale Presse schließt sich dem Appell an die Kolonisten an. Alles hat bisher nur geringe Erfolge gezeitigt Oekonomische Motive zeigen sich — wie schon oft früher — stärker als die nationalen und in den Pflanzungskobnien kämpfen sich die Arbeiter einzeln und in Gruppen bis zu der Zeit durch, wo der Arbeitsmarkt sich wieder verbreitert. Unterdessen klären sich die Arbeitsaussichten für den kommenden Winter. In der Stadt sind keine großen Aenderungen oder Erweiterungen zu erwarten. Zwar wird an verschiedenen Stellen gebaut, sowohl für private als auch für öffentliche Zwecke, aber die Entwicklung hat kein solches Tempo, daß neue größere Arbeitsmöglichkeiten sich eröffnen. Als wichtigstes Arbeitsfeld werden auch in diesem Jahre die neuen Pflanzungen angesehen. Gleich nach den Unruhen wurde die Frage diskutiert, ob die politischen Wirren sich in starkem Maße auf die begonnene wirtschaftliche Expansion auswirken würden. Je nach der Stimmung schwankten die Prophezeiungen. Jetzt kann man jedoch bereits die Lage ziemlich genau übersehen. Es werden alles in allem für das nächste Jahr gegen 5—6000 Dunam Neupflanzungen geplant. Im vorigen Jahre wurden 11—12000 Dunam neu bepflanzt. Der Rückgang wird also ungefähr die Hälfte betragen. Der Rückgang entsteht nur zu einem ganz kleinen Teil dadurch, daß Unternehmer die Neupflanzungen ein st eilen. In den meisten Fällen wird das Werk fortgesetzt, doch die Pläne beschnitten. Das gilt vor allem für die großen Gesellschaften. In Tel-Mond, der Pflanzung von Melchett, von der eine Zeitlang das Gerücht ging, daß sie im nächsten Winter die Arbeit stoppen wolle, wird weiter gepflanzt werden, aber in geringerem Ausmaße. Es werden dort bereits bestellte Anteile verkauft (durch eine der kooperativen Banken), und zwar in kleinen Parzellen, und die Gesellschaft bereitet sich vor, jedesmal so viel neu zu pflanzen wie bereits verkauft ist, also sich der Nachfrage anzupassen. Auch die anderen großen Gesellschaften haben bis zu einem ge* wissen Grade reduziert und auch mancher Privatmann hält die Zeit für eine Expansion nicht für günstig. Die starke Aufwärtsbewegung der zwei letzten Jahre wird also in diesem Winter gedämpft werden, wenn sie auch anhalten wird. Bei der Beurteilung dieser Situation darf man nicht vergessen, daß die Bedeutung der neuen Pflanzungen ich nicht nur auf die Kolonien beschränkt, sondern das gesamte Wirtschaftsleben durch Nachfrage nach Arbeitsgeräten, Maschinen, Baumaterialien usw. beeinflußt Die Abschätzung von 5 —6000 Dunam Neupflanzungen liefert also einen recht gut berechenbaren Faktor für die Beurteilung der Wirtschaft im nächsten Halbjahr. Unter den vielen neuen Orangerien, die sich an der Küste entlangziehen, ist in den letzten zwei Jahren das Unternehmen einer deutschen Zionistengruppe dazugekommen. Auf dem Wege zwischen Tel-Awiw und Petach- Tikwah, nahe an der Chaussee, liegen zw׳eihundert Dunam Pflanzungen, die einer Gruppe Leipziger Zionisten gehören. Das Unternehmen, das unter der Leitung eines in Tel-Awiw ansässigen Leipziger Zionisten, Freudenheim, steht, wurde vor zwei Jahren begonnen. Im ersten Jahre wurden hundert Dunam bepflanzt, im zweiten weitere hundert. Doch sind auch die Pflanzungen der zweiten Periode bereits so weit vorge- »schritten, wie die der ersten, da man sich heim zweiten Versuch veredelter Setzlinge bediente und dadurch Zeit sparen konnte. Die Plantage, die in einem neuen auf blüh enden Block liegt, zeigt in ihrer modernen Einrichtung, wie Jahr um Jahr die neuen Orangerien von den alten Unternehmungen 1ernen. Bearbeitung im Großbetrieb, elektrische Brunnen, kalifornische Bewässerung, sorgfältigste Auswahl der Setzlinge, all das gestaltet die neuen großen Plantagen zu erfreulichen Erscheinungen. Wichtig ist, daß diese Leipziger Unternehmung ebenso wie die größere Schwestergesellschaft deutscher Orangenpflanzer bei Chederah (״Jaffa Plantations“ unter Leitung von Dr. Brünn) es sich zur Regel gemacht hat, nur organisierte Arbeiter zu beschäftigen. Bisher scheint das Gedeihen der Anlage gerade diese Arbeitsmethode, die von einem guten Teil der ״alten Pflanzer“ noch immer als teuer verschrien wird, als sehr zweckdienlich zu erweisen, und die Orangerie stellt diesem zweiten Versuch der Kapital- Investierung deutscher Zionisten in der Orangenzone ein gutes Zeugnis aus. Palestiue Pianistion Corporation Ltd. Infolge der Gerüchte, die letztens in der Presse 1'n bezug aut die Palestine Plantation Corporation Ltd. (Vorsitzender: Lord Melchett) veröffentlicht wurden, teilt die Leitung mit, daß, obzwar sie es für notwendig hielt, vorläufig ihren ersten Plan einzuschränken, dennoch keine Aenderungen in dem eigentlichen Ziel der Gesellschaft eingetreten sind. Infolge der Einschränkung des Aktionsumfanges der Gesellschaft hat Herr Dr. J. Kasteliansky, Vorsitzender der Gesellschaft und ihr Generalmanager, seine Demission ei 11 gereicht. Herr Jechiel Weizmann, einer der Mitglieder des Direktoriums der Gesellschaft, wurde zum Generalmanager ab 1. August ernannt. Nach dem Bericht der Barclays Bank für Juni 1930 wurden schon Orangen aus der neuen Ernte auf dem Baum zum Preise von 5 und 5y* Schilling pro Kiste verkauft. Im Juni 1929 betrugen die Preise der Kiste 6 und 7 Schilling, wegen der Verluste aber, die die Kaufleute im letzten Jahr erlitten, wird jetzt ein niedrigerer Preis geboten. Die ״Pica“ ist an die Errichtung von Viehställen und Hühnersteigen — insgesamt 70 Gebäude — in den Kolonien Jawneel und Beth Ga n lierangetreten. Bei der Bauarbeit werden 40 Arbeiter im Laufe von fünf Monaten beschäftigt werden.

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