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Jüdische Rundschau · 1930-08-01 · Heft 60 (1.8.1930) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 60 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 400 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 60, 1. vra. 1930 ♦ Franz Oppenheimer Mein wissenschaftlicher Weg. Felix Meiner Verlag. Leipzig 1929. Richtungen der neueren deutschen Soziologie. Jena, Verlag Gustav Fischer. (2,40 M.) Gesammelte Reden und Aufsätze: l.Bd. Wege zur Gemeinschaft; II. Bd. Soziologische Streifzüge. Verlag Max Hueber, München. (15 M. br.) sämtlich von Franz Oppenheimer; ferner Othmar Spann, Die Krisis in der Volkswirtschaftslehre. Verlag von Duncker & Humblot, München 1930. (3 M.) Franz Oppenheimer, einer der großen soziologischen Systematiker unserer Tage und ein wahrhaft universeller Geist, hat in seinem letzten großen Werk, dem ״S t a a t“ (Verlag Gustav Fischer, Jena), der seinerzeit an dieser Stelle gewürdigt wurde, nicht nur eine theoretische und historische Erkenntnis vom Wesen des Staates dargelegt, sondern auch Ausblicke für die Zukunft, eine Utopie von gewaltigem Ausmaß, entworfen und so Impulse für eine praktische Politik erzeugt, deren Wirkung noch kommen muß. ln seinen ״Gesammelten Aufsätzen und Reden“ finden wir gewissermaßen die Nebenprodukte der wissenschaftlichen Lebensarbeit des Gelehrten, kleine Aus- *chnitte, Aeußerungen zu einzelnen Fragen des Tages oder der theoretischen Diskussion aber oft sehr aufschlußreich und immer fesselnd. An dieser Stelle haben wir nicht in den fachwissenschaftüchen Streit, den O. mit scharfer Logik und bezwingendem Temperament zu führen weiß, einzugreifen, sondern Zweck dieser Zeilen ist hinzuweisen auf das Lebenswerk eines großen Juden, der von überschäumender Lebensbejahung und dem innern Drang nach dem Guten getrieben, ausgehend von streng wissenschaftlicher, restloser Forscherarbeit, in den Tagen seiner Reife sich immer mehr von ethischem Pathos erfüllt gezeigt hat, bis m der Vision der klassenlosen, den Staat und die Lüge überwindenden Gesellschaft einer freien Menschheit. O. gibt uns jetzt gewissermaßen zwei Sdbstbiographien: Die eine ist eine persönliche, die mit großem Charme geschriebene Broschüre ״Mein wissenschaftlicher Weg“, die die entscheielenden Stadien seines Lebens und seiner Arbeit schildert (und jetzt vielfach interessant ergänzt wird durch die seit einigen Wochen in der Unterhaltungsbeilage der ״Vossischen Zeitung“ erscheinenden Erinnerungen); die andere, das aus drei im Mai 1928 in London gehaltenen Vorträgen entstandene Schriftchen ״Richtungen der neueren deutschen Soziologie“ gibt eine ganz unpersönliche, wissenschafts- und geistesgeschichtliche Ableitung der ״Frankfurter“ Soziologie. In der ersten Schrift erfahren wir Genaueres über O.’s Abstammung, seinen ״Jichus“, seine Beziehungen zum Judentum, seine Erfahrungen mit dem Antisemitismus und schließlich seinen An- Schluß an den Zionismus. O. berichtet auch über seinen Versuch der Siedlnugsgenossenschaft in Merchawia, den er trotz all der vielen Schwierigkeiten, die Land und Volk boten, nicht als mißlungen betrachtet. Dem Zionismus ist auch ein Aufsatz der ״Soziologischen Streifzüge“ gewidmet. Es handelt sich offenbar um eine längst durch die Entwicklung überholte Vorkriegs- Publikation (die Jahresahlen sind leider bei den gesammelten Aufsitzen nicht angegeben). O. gibt darin im wesentlichen eine Geschichte der Herzl’schen Bemühungen und gelangt schließlieh zur Darlegung seiner Theorie, welche Bedeutung die Siedlungsgenossenschaft für den Zionismus haben könnte. Daneben finden wir die bekannten O.'schen Anschauungen über National- Judentum, die schon vor 20 Jahren heftig umstritten und von der großen Mehrzahl der Zionisten abgelehnt wurden. Oppenheimer leugnet, daß die Westjuden eine Nationalität sind, Nationaljuden seien nur die Ostjuden. Zionist kann nach ihm auch ein nichtnationaler Jude, ja ein Nichtjude und sogar Judengegner sein, wenn er nur mitwirken will, das jüdische Volk nach Palästina zu bringen. Die Erhaltung des jüdischen Volkes anerkennt O*. als einen Wert, der die größte-Anstrengung aller Juden rechtfertigt. O. ist offenkundig nicht ein Mann, der mit den Maßen der gewöhnlichen Partei-Doktrinen gemessen werden kann. Seine zionistische Theorie weicht grundlegend von der des normalen Zionismus ab, und so sehr Oppenheimers praktische zionistische Mitarbeit geschätzt wird, mit seiner Anschauung über Nationaljudentum werden wir uns nicht befreunden. Aber das hindert nicht, die Aufrichtigkeit und den Stolz seines jüdischen Bekenntnisses zu würdigen. Außer dem ״Zionismus“ sind noch mehrere Aufsätze jüdischen Inhalts in die Sammlung aufgenommen, so eine Arbeit ״Der Antisemitismus im Lichte der Soziologie“, ferner ״Die Judenstatistik im preußischen Kriegsministerium“. Von noch größerem Interesse ist der Aufsatz ״Nationale Autonomie“, der in aller Klarheit die Loslösung der Nation vom Staate, so wie vor Jahrhunderten die Religion vom Staate gelöst wurde, fordert. Mehr als der veraltete Artikel über Zionismus gehen uns auch heute noch verschiedene andere Aufsätze des Sammelbuches an, die Gemeinschaftsfragen behandeln, vor denen jeder Politiker und Angehörige einer nationalen Bewegung steht. Wir verweisen nur auf den Aufsatz ״Der Staat und die Sünde“, man könnte noch andere herausgreifen, die O.s ökonomische Theorie beleuchten, wie ״Das Bodenmonopol“, ״Die Utopie als Tatsache“ «sw. Die beiden Bände werden jedem Leser viel Belehrung und Einsicht in wichtige Zusammenhänge bringen. Die Grund probleme der nationaiökonomisehen Wissenschaft werden aufgerührt in einem Vortrag, den Othmar Spann, der rechtsorientierte Wiener Volkswirtschaftslehrer, 1929 in Berlin hielt und im An- Schluß an den sich eine hochwichtige prinzipielle Debatte entspann, an der auch Oppenheimer sich beteiligte. Die vorliegende Broschüre bringt den Vortrag Othmar Spanns sowie die ganze folgende Diskussion. Spann stellt der individualistischen Lehre, die über Liberalismus, Marxismus und Bolschewismus in den Abgrund führe, sein romantisch-universalistisches Weltbild gegenüber; hier liege nicht nur die Schicksalsfrage der National- Ökonomie, sondern unserer ganzen Kultur. Oppenheimer, der bereits in seinen erwähnten ״Richtungen der neueren deutschen Soziologie“ Spann als ״Nationalist, Chauvinist, Rassengläubiger und stark antisemitisch eingestellt“ charakterisiert hat, erwidert auf den Vortrag, indem er, ohne die Frage nach dem letzten Sinn alles Geschehens zu bagatellisieren, den Wert exakter, kausal ableitender Forschung gegenüber dem Subjektivismus Spanns hervorhebt. Die Spann-Broschüre ist eine anregende Ergänzung zu den oben angeführten Schriften Oppenheimers. _ —o. Jadenhelze 10 Baden-Baden U.eser Tage fand in Baden-Baden eine aus allen. Bevölkerungskreisen besuchte Bürgerversammlung statt, die als Protest gegen das T reiben der Nationalsozialisten in der Bäderstadt abgehalten wurde. Der Vorsitzende, Stadtrat Becker, betonte, daß die Kurverwaltung Baden-Baden die Werbetrommel überall in der Welt rühre, als Echo aber höre man; ״Meidet Baden-Baden, denn es ist der Tummelplatz der wüstesten Judenhetze!“ ״Ich muß leider sagen“, erklärte Stadtrat Becker, ״daß diese Behauptungen nur zu wahr sind. Es ist Tatsache, daß beinahe in jeder Nacht Häuser der jüdischen Mitbürger mit Farbe besudelt werden. Man scheut sich nicht, auf offener Straße Propaganda gegen das Judentum zu machen und empfängt die jüdischen Kurgäste am Bahnhof, rempelt sie an und zwingt sie zur Umkehr. Auch anderen ausländischen Fremden ist es in ähnlicher'Weise ergangen.“ In einer Entschließung der Bürgerversammlung wird festgcstellt, daß mit Entschiedenheit gegen diese Hetze; Stellung genommen werden muß. Max Pallenberg Ober sein Jadenhun Anläßlich seines jüngsten Gastspiels in Budapest hatte der Berichterstatter des jüdischen (assimilatorischen) Blattes ״Egyenlöseg“, Paul Berend, mit Max Pallenberg eine Unter* redung. Pallenberg sagte u. a,: ״Im allgemeinen haben nur wenige Kenntnis davon, daß ich Jude bin, obgleich ich nichts dazu tue, meine Zugehörigkeit zum Judentum zu verheimlichen.* Im Gegenteil, ich fühle mich als überzeugter guter Jude. Mein Vater, der arme, jüdische Kaufmann aus Odessa, war, der Jahrhunderte währenden Not und Bedrückung seiner Familie überdrüssig, schließlich nach Wien gewandert. Ich wurde bereits in Oesterreich geboren. Mein Vater bewahrte auch hier die jüdischen Familientraditionen und ließ mir eine sehr gute jüdische Er- Ziehung zuteil werden. Ich lese auch heute noch flott H e bräisch, verstehe auch den größten Teil der hebräischen Texte und ich glaube, es würde mich nicht viel Mühe kosten, meine Kenntnisse in Bibel und Talmud aus meiner Jugend aufzufrischen. Ich bin auch heute auf jede Art bemüht, die lebendige Verbindung mit dem Judentum aufrecht zu erhalten, ich kenne die Arbeiten der jüdischen Schriftsteller, verfolge die verschiedenen Bewegungen im Judentum und bin bestrebt, unsere Institutionen zu unterstützen. Eine alte Sehnsucht ging mir in Erfüllung, als ich im vorigen Jahr mit meiner Frau, Fritzi Massary, die gleichfalls dem Judentum angehört, die Reise ins Heilige Land unternehmen konnte. Hier sah ich endlich mit eigenen Augen die biblischen Erinnerungsstätten, durfte ich den geheiligten Boden meiner Vorfahren betreten und unmittelbar empfinden, daß das Judentum jünger und tatkräftiger ist, denn je. Die herrlichsten Erinnerungen und mächtigsten Erlebnisse meines ganzen Lebens sind mit dieser meiner Palästinareise verbunden, mit den Naturschönheiten des Heiligen Landes und nicht zuletzt mit dem wundervollen Spiel des jüdischen Schauspielerensembles ״H a b i m a h“. Mit Politik befasse ich mich als Künstler grundsätzlich nicht. Kleine Nachrichten Am 29. Juli vollendete Kammergerichtsrat Leo Wolf t, der Vorsitzende des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und stellvertretende Vorsitzende der Berliner jüdischen Gemeinde sein 60. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß hat der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, im Namen des Landesverbandes ein warm gehaitenes Glückwunschschreiben an den Jubilar gerichtet. ln New York starb im Alter von 70 Jahren Rabbi Joseph Silverman, der Gründer und Präsident der Bruderschaft von Temple Emanuel. Der Verstorbene war Ehren-iVzepräsident des Palestine Foundation Fund und besuchte in dieser Eigenschaft 1923 Palästina. Wie verlautet, beendet demnächst Dr. D a n b y , anglikanischer Geistlicher und Vertreter der Londoner ״Times“ in Palästina“, die Uebersetzung der Mischna ins Englische. Er befaßt sich mit dieser Arbeit bereits seit einigen Jahren. Bekanutlich hat Dr. Danby auch das Buch von Professor Klausner über Jesus ins Englische übersetzt. Vermutlich dem Beispiel Palästinas folgend, wo vor kurzem, wie bereits gemeldet, die heimische Weizen- und Oelproduktion durch Einfuhrzölle geschützt worden ist, hat jetzt auch Syrien Einfuhrzölle auf Weizen und Olivenöl dekretiert. Palästina hat bekanntlich mit Syrien einen Gegenseitigkeitsvertrag in Zollfragen. Am 15. Juli trafen in Jaffa zu pinem vierwöchigen Besuch im Lande 13 Lehrer und 7 Kindergärtnerinnen aus Rumänien ein. Am 21. Juli traf eine Gruppe von 85 jüdischen Touristen aus Amerika in Palästina ein. (Ziko.) Blättermeldungen zufolge haben viele Juden aus Ale xanrien und Cairo wegen der dortigen Unruhen Zuflucht in T e 1 - A w i w gesucht. Der neue Plan Ittr Biro-Bidschan Moskau, 29. Juli. (J. T. A.) Auf Grund der Empfeh- Jungen einer vom Bodenkommissariat nach Biro-Bidschan entsandten Studienkommission ist für die Erschließung dieses Gebietes rin neuer Pia n erstellt worden, der eine vollständige Umwandlung der bisherigen Erschließungsmethoden bedeutet. Dem Plan zufolge sollen 22 gigantische Staatsgüter (Sowchose) in den Jahren 1931 und 1932 auf einem Bodenareal von 800 000 Hektar in Biro-Bidschan errichtet werden. Es wird eine neue Propaganda entfaltet werden, um die deklassierten Juden, besonders der kleinen Städte, zur Auswanderung nach Biro-Bidschan zu veranlassen. ווו111ו1ו1ו11וו11ו<1ווווו11111ווו1ווווו1ו«ו11וווו1}1ו1<וו1«ווו1וווו11(1ו1וו1111ו1ו1וווו1111]11וווו111ו1וווו1ו11וו1וו111ווו11וווווו1ווו11ו1וווו1ווווויו11וו11ו1 An die Freunde des arbeitenden Palästina! Die Exekutive der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina (Histadruth) hat beschlossen, den WeltkongreßfürdasarbeitendePalästinafürEnde September d. J. einzuberufen. Die schwere politische Lage, die Erschütterungen, die unser Werk in den letzten Monaten durchgemacht hat, der gewaltige Drang nach Befestigung der bereits erzielten Errungenschaften im Lande, sowie die grenzenlose Not der jüdischen Massen in der Diaspora, die eine breite Masseneinwanderung fordert, dies alles macht den Zusammenschluß aller Kräfte, die dem arbeitenden Palästina nahestehen, notwendig. Die Massen unserer Genossen und Freunde, organisiert in den Parteien und Organisationen des arbeitenden Palästinas und unorganisiert, aktiv und passiv, müssen sich um diesen Weltkongreß konzentrieren und in den Dienst der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas stellen. Die Unterzeichneten Parteien und Organisationen rufen die breiten Schichten der jüdischen Massen Deutschlands auf, sich dem Kongreß anzuschließen. Unser Ziel muß es sein, für den Kongreß aus Deutschland eine starke Vertretung zu erreichen. Die Beteiligung am Kongreß ist allen Juden, die das 17. Lebensjahr erreicht haben, sich mit den Grundsätzen des arbeitenden Palästina einverstanden erklären und dies durch den Kauf einer Kongreßkarte bekunden, ermöglicht. Um weiten Kreisen die Möglichkeit der Beteiligung am Kongreß zu geben, ist der Preis der Kongreßkarte auf 0,50 M. festgesetzt. Die Stärke der deutschen Delegation ist von der Zahl der verkauften Kongreßkarten abhängig. Da uns bis zum Kongreß nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht, fordern wir alle Freunde des arbeitenden Palästina auf, sich aktiv für den Kongreß einzusetzen und große Massen um das Werk des arbeitenden Palästina zu sammeln. Liga für das arbeitende Palästina. Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation ״Poale Zion“. ״HapoeTHazaYr“, Deutscher Landesverband der Hitachduth. Jung-Jüdischer Wanderbund. ״Hechaluz“, Deutscher Landesverband. Die revIslonisUßjche Konferenz Am 10. August beginnt in Prag die IV. Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisten. Die Eröffnungsrede hält Jabotinsky in der Produktenbörse am 10. August, 10 Uhr vorm., über ״Die Krise im Zionismus und die Aufgaben der zionistischen Bewegung“. Die weiteren Sitzungen, die bis zum 14. August dauern, werden im Bet-Am stattfinden. U. a. werden die folgenden Referate gehalten werden: M. Großmann über ״Die Rekonstruktion der zionistischen Politik“, S. E. S o s k i n über ״Die Landfrage in Palästina“, R. Lichtheim über die ״Beziehung zur Zionistischen Organisation und zur Jewish Agency“. — Die Londoner ״Jewish Times“ teilt mit, daß die Exekutive auf der Konferenz in Prag durch ihr Mitglied Prof. Brodetzky vertreten sein wird. Brodetzky wird angeblich rin Referat über die politische Lage des Zionismus halten. Ortsgruppen Beuthen. Einer Initiative von Frau Rechtsanwalt Lachmann, Breslau, folgend, unternahmen sämtliche schlesische revisionistisehe Gruppen sowie die Kattowitzer Revisionisten eine gemeinsame Treffahrt nach Scharnosine (der sog. Oberschlesischen Schweiz). Hierselbst würdigte in kurzen Worten Chawer Gold den Todestag von Herz!, worauf Frau Lachmann Mitteilung über den Stand der revisionistischen Arbeit machte. Mit Spiel und Gesang wurde dann die eindrucksvolle Treffahrt beendet. Bochum. Die diesjährige Herzlfeier fand am Sonntag, dem 27. d. M., in Verbindung mit einem Ausflug in Volmarstein an der Ruhr statt. Die beiden vollbesetzten Lieferautos brachten die Teilnehmer, unter ihnen viele Jugendliche, an Ort und Stelle. Nach der Begrüßung sang Herr Kantor a. D. S c h u 1 ein hebräisches Trauerlied, worauf Herr Dr, Berl, Dortmund, die Gedächtnisrede für Herzl hielt. Hierauf wurde eine Protestresolution vorgelesen und einstimmig angenommen und an das Britische Vizekonsulat in Essen weitergeleitet, Frankfurt a. M. Am 15. Juli (20. Tamus) hatte sich auf Ein- Iadung des KKL die Frankfurter zionistische und jüdischnationale Jugend im Frankfurter Stadtwald zu einer Herzl- Gedenkfeier eingefunden. Der späte Abend hatte eine zahlreiche Teilnehmerschaft hergeführt, die der große Raum kaum fassen konnte. Außer den Revisionisten, die eine besondere Veranstaltung hatten, waren von allen Gruppen und Vereinen reichlich Vertreter erschienen, einige Gruppen kamen in geschlossenen Trupps. Die Feier wurde ringeleitet durch eine Begrüßungsansprache des derzeitigen Vorsitzenden der KKL-Kommission, Herrn Fritz Loew, der Herzls geistigen und erzieherischen Einfluß auf die seelische Haltung der Juden betonte. Als erster offizieller Redner gab Herr A. Abrami, Jerusalem, in hebräischer Sprache von Herzls politischem Wirken und persönlichem Leben einen klugen historischen Abriß. Nach ihm entwickelte Herr Referendar Georg Guthmann in deutschem Vortrag Gedanken über Herzls Ideologie vom Zionismus. Tänze, Gesänge und musikalische Vorträge gaben der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen und bereiteten dem Abend einen würdigen Verlauf. Kattowitz. Die hiesige Ortsgruppe der Zionisten-Revisionisten veranstalteten am 26. d. M. einen Vortragsabend, an dem Herr Leopold Gold, Hindenburg O.-S., über ״Zionismus und Maqdatarmacht“ referierte. Die zahlreich Erschienenen folgten aufmerksam den interessanten Ausführungen des Herrn• Referenten. Mit Gesang der Hatikwa wurde der Abend geschlossen. Nürnberg-Fürth. Am 20. Juli hatte die Ortsgruppe Ein- Iadung zu einem Treffen nach Wendelstein ergehen lassen, der insbesondere die Jugend in großer Zahl Folge leistete. Nach einem bei Sport und Spiel verbrachten Nachmittag fand gegen Abend im Freien eine kurze, würdige Herzl-Ciedenkfeier statt, bei der Herr Dr. Rud. Llebstaedter die Gedenkrede hielt. Wie zahlreiche andere Ortsgruppen hat auch die Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth gegen das Einwanderungsverbot durch Annahme einer Protestresolution Stellung genommen, die dem britischen Generalkonsulat in München übermittelt wurde. Vermischtes Sterbefall. In Paris verstarb im Alter von 58 Jahren Frau Fanny Zlatopolsky, die Frau von Herrn Hilel Zlatopolsky und Mutter von Frau Schoschana Persitz aus Tel-Awiw. Frau Zlatopolsky hat sich um die Förderung der hebräischen Literatur sehr verdient gemacht. Wir sprechen den Angehörigen unser herzliches Beileid aus. Kadimah Berlin. Die Berliner Ortsgruppe des Kadimali hat in dem letzten Halbjahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Ein Aufschwung, der sich rein zahlenmäßig darin dokumentiert, daß dem hiesigen Bunde heute über 600 Mensehen (450 Jungen, 150 Mädchen) aller Altersstufen angehören, während er Januar 1930 nur 420 Menschen umfaßte. An der traditionellen Frühlingstreffahrt nahmen denn auch fast 500 Jungen und Mädchen teil, ln den Pfingstferien fanden neben den sonst üblichen Zugs-Camps mehrere gemeinsame große Zeltlager in Mecklenburg wie in der Mark statt, die, sämtlich stark besucht, den Zusammenhang zwischen den einzelnen Gruppen des Bundes stärkten und durch die Reichhaltigkeit ihres Programms dem Einzelnen mehr geben konnten als ein gewöhnliches Lager. Für die jüdische Entwicklung des Bundes wird die starke Rolle des Hebräischen und Palästinas auf all diesen Camps charakteristisch. Die großen Fahrten der 18 Formationen führten zum Teil ins Ausland (Norwegen, Dänemark, Belgien, Frankreich, Schweiz, Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei). Ihr Ziel ist der Bundestag in Schieden (Lippe), wo der diesjährige Bundestag des Kadimah stattfindet. Die Führerschaft in zwei Arbeitskreisen beschäftigte sich überwiegend mit pädagogischen Fragen. Ein Kreis unter Leitung von Emmi Horovitz beschäftigte sich mit moderner Psychologie (Freud, Adler, Jung, Klages), in ihrem Zusammenhang mit Jugendbewegungsarbeit, der zweite, von Jack Mendelsohn geleitet, befaßte sich mit Fragen wie ״Familie“, ״Ehe“ u. a. Die Anschrift der Führerschaftsleitung: Josef Horovitz, Berlin W 50, Marburger Str. 12; Jack Mendelsohn, Kaiserallee 180. Australische Christadelphians für das Jüdische Nationalheim. Die ״Sydney Christadelphian Ecclesia“, in der sich altbewährte Freunde der zionistischen Bewegung befinden, hielt ihre Konferenz zwischen dem 31. Mai und 8. Juni in Brisbane ab. Eine Versammlung von 700 Personen nahm folgende Resolution an: ״Die australische Christadelphian Konferenz, die 1930 in Brisbaue Zusammentritt, versichert die erweiterte Jewish Agency und das Weltjudentum ihrer Sympathie in seinem Bestreben, ein Nationalheim in Palästina zu errichten und spricht den festen Glauben aus, daß der Allmächtige Israels seine Macht erweisen und alles, was die heiligen Propheten vorausgesagt haben, erfüllen wird.“ Am Schluß wurde eine Sammlung zugunsten Palästinas veranstaltet und das Ergebnis dem Sydney Hauptbüro der zionistischen Föderation überwiesen. (Ziko.) Der Verlag ״Dwir“, Tel-Awiw, teilt mit, daß er eine Bibliothek ״Wissenschaft-Dwir“ gegründet hat, die jährlich 12 Bände lierausgeben wird. Aus dem Programm des kommenden Jahres sind u. a. folgende Bände zu nennen: Chassidismus von Dubnow (3 Bd.), Weltgeschichte von Dubnow (3 Bd.), Aegypten von Dr. J. Lurje, die Geschichte der Fratddstea-Bewegung von M. Balaban.

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