Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 60 (1.8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 00, I. VIII 1030 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 390 Pressesdiau Das neue Jerusalem Die ״Times“ vom 30. Juli bringt einen ausführlichen Artikel über das neue lerasalem. Das Aussehen der Stadt, so wird dargelegt, hat sich in der letzten Zeit außerordentlich verändert und verändert sich weiter von Tag zu Tag. Diese Tatsache, die jedem Besucher Palästinas aus den letzten zwei oder drei Jahren bekannt ist, wird in dein Artikel der ״Times׳* interessant ergänzt durch verschiedene Angaben über die Bautätigkeit der Regierung. Man hätte erwarten können, daß der Beginn der britischen Herrschaft und die Wiedererhebung Jerusalems zum Rang einer Hauptstadt die Entstehung einer ganzen Reihe offizieiierOebäudemit sich bringen würde. Die Regierung hat aber vorgezogen, sich in gemieteten Oebäuden einzuquartieren, die zum Teil sehr unbequem sind und insgesamt 40 000 Pfund jährlich Miete kosten, damit zunächst andere wichtige Arbeiten wie Straßenbau und Verbesserung der Landwirtschaft in Angriff genommen werden konnten. Diese Periode der Selbstverleugnung ist nun zu Ende. Die Regierung baut jetzt den Palast des High Commissioners. Sie hat ferner die Pläne eines neuen Hauptpostamtes gebilligt, das doppelt so groß sein wird wie das neue Regierungsebäude. Ferner wurden die Pläne für die neuen Gebäude es arabischen Regierungs-CoIlege genehmigt und die erforderlichen Gelder für den Bau bereitgestellt. Diese Anstalt, die jetzt in gemieteten Räumen in der Nähe des Herodestors untergebracht ist, wird überführt in einen Neubau an der Ostseite der Straße nach Bethlehem; sie bekommt auch einen eigenen Fußballplatz und Tennisplätze. Das neue, aus der Stiftung Rockefellers nach Plänen des Regierungs-Architekten Harrison errichtete Museum steht an einer herrlichen Stelle nordöstlich der alten Stadt mit Aussicht auf das ganze Tal Josaphat. Das Hauptzentrum der Stadt aber entsteht auf der Höhe westlich der alten Stadt gegenüber der Zitadelle (wo die Mamillah-Straße und der Juliansweg zur Höhe der King George Straße emporführen —• A. d. R.). Hier, so schreibt die ״Times“, gerät jeder alte Kenner der Heiligen Stadt, der diesen Platz noch als Steinwüste in Erinnerung hat, in helles Erstaunen. Auf dieser Höhe steht das neue Katholische Bibelinstitut und das gewaltige Gebäude eines neuen Hotels. Gegenüber diesem Hotel wird das neue Gebäude des Y. M. C. A. (Young Men Christian Association) gebaut, das — ein bisher für Jerusalem unerhörter Luxus — einen Hof mit Schwimmbassin enthalten wird. Hinter diesen Gebäuden liegt das neue Viertel Nikeforya, das dem orthodoxen Patriarchen gehört und für das jetzt ein Straßennetz geplant wird, das sich bis zur unvollendeten King George’s Avenue erstreckt. Auch die Stadt- Verwaltung von Jerusalem bereitet die Errichtung eines neuen Palastes für sich vor. Schließlich erwähnt der Verfasser des ״Times“-Artikels noch eine Reihe von neuen Kirchen. Auffallend ist, daß der neu entstehenden jüdischenGebäude keine Erwähnung getan wird, weder der neuen Stadtviertel wie das ständig wachsende Rechawja, das an die von der ״Times“ erwähnte King George’s Avenue anschließt, noch z. B. die Bauten der Universität. * Anläßlich des Ausscheidens der Revisionisten aus der Redaktion des ״Doar Ha io m“ schreibt der ״Dawar“ u. a.: Die Laufbahn des ״Doar Hajom“ als revisionistisches Organ ist zu Ende. Am letzten Freitag (11. Juli) ist der Name Jabotinsky vom Titelblatt des ״Doar Hajom“ verschwunden. . . . Alle die Interesse haben an der wahren Widerspiegelung der öffentlichen Meinung müssen das Dahinscheiden des revisionistischen ״Doar Hajom“ begrüßen. Das zwischen einem ahnungslosen Zeitungsbesitzer und einer lärmenden politischen Gruppe abgeschlossene Geschäft machte es den Revisionisten möglich, einen Aufschwung vorzutäuschen, der in keinem Verhältnis zur Wirklichkeit stand. Dadurch ließen sich Außenstehende leicht täuschen, so daß man immer wieder Leute traf, die den ״Doar Hajom“ für das repräsentativste Blatt der palästinensischen Judenheit erklärten. So war es möglich, daß der Jerusalemer Reuter-Korrespondent erst vor einigen Wochen den ״Doar Hajom“ als das führende jüdische Organ im Lande bezeichnete. Die wirkliche Stellung des Blattes, das soziale Rückständigkeit, politischen Bluff und literarische Geschmacklosigkeit verkörperte, war genau das Gegenteil. Wir können nur hoffen, daß die Regierung, wenn die frühere Doar Hajom-Gruppe neuerlich um die Erlaubnis der Gründung eines eigenen Organs ansucht, die Klugheit haben wird, aas Ansuchen sofort zu bewilligen. Im Interesse einer gesunden politischen Atmosphäre ist es wesentlich, daß die Revisionisten nicht mit der Klage, ihr Blatt sei verboten worden, an die Empfindlichkeit des Publikums appellieren können, sondern gezwungen sind, in aller Öffentlichkeit zu zeigen, welches Gewicht sie besitzen. * Im Maibeft des ״Menorah-Journal“, der von der Studentenvereinigung ״Menorah“ herausgegebenen amerikanisch-jüdischen Monatsschrift, veröffentlicht H. N. B r a i I s - ford, der Herausgeber des Londoner Organs der Independent Labour Party ״New Leader“, einen langen Artikel über den Shaw-Bericht, worin er mit großer Entschiedenheit gegen den Majoritätsbericht Stellung nimmt. Wenn die Regierung die Empfehlungen des Shaw-Berichtes annähme, dann wären die Unruhen vom letzten August das erfolgreichste Massaker der Geschichte. Auf Grund seiner Kenntnis des Orients, erworben in zweijährigem Aufenthalt in der Türkei, spricht der Autor seine Ueberzeugung aus, daß die Unruhen — im Gegensatz zur Ansicht des Shaw-Berichtes, — organisiert waren, ״ich kann die Motive der Unruhe- Stifter erraten, denn ich habe selbst in Mazedonien geistig normale und gebildete Menschen getroffen, die mir offen darlcgten, daß ein Massaker provoziert werden müßte, da man nur aut diese Weise die Aufmerksamkeit der Großmächte erregen könne. Massaker ist die orientalische Methode, an den Cäsar zu appellieren.“ Der Verfasser legt dann klar, daß England in Palästina die Aufgäbe habe, Bedingungen zu schaffen, in welchen die jüdi• sehen Aspirationen zum Erfolg geführt werden können. England habe beim Aufbau des Nationalheims zu helfen und dabei Sorge zu tragen, daß kein arabisches Recht verletzt wird. Die Kontrolle der Immigration sollte der Jewish Agency überlassen bleiben und bei der Lösung des Bodenproblems sollte Transjordanien herangezogen werden. * Die konservative ״N a t i o n a 1 R e v i e w“ veröffentlicht in ihrer Juli-Nummer einen 12 Seiten umfassenden Artikel von E. M. Blyth über den Shaw-Bericht. Der Verfasser, der selbst fast ein Menschenalter in Jerusalem gelebt hat, lobt den Bericht in den höchsten Tönen und bedauert nur die abweichende Stellungnahme Snells. Er wendet sich gegen die seiner Ansicht nach einseitig prozionistische Stellungnahme der englischen Oeffentlichkeit (?!), die dem britischen Wesen nicht entspräche. Blyth verurteilt zwar selbstverständlich die August- Massakers, betont aber, daß im Grunde doch alle Schwierigkeiten nur durch die Balfour-Deklaration und vor allem die extremen Forderungen der zionistischen Führer herbeigeführt seien, die jährlich 50-40 OCX) Menschen nach Palästina zu bringen beabsichtigt hätten, obwohl Palästina da keineswegs leeres Land sei, und die Araber selbst, wenn sie in besseren Anbaumethoden unterwiesen würden, das Land sehr wohl zur Blüte bringen könnten. Auch die üblichen Argumente der antizionistischen Propaganda — die angebliche Neigung der Juden zum Kommunismus, welcher den Arabern gänzlich zuwider sei, und die Gefahr einer Entstehung eines landlosen arabischen Proletariats — werden von Blyth aufgegriffen. Geldabfindungen an die Fellachen erklärt er für nutzlos, weil diese mit Geld nicht richtig umzugehen verständen, und, sobald sie das Geld vertan hätten, sich auf Straßenraub und ähnliche Beschäftigungen verlegten. Blyth tritt aber nicht etwa für eine Aufgabe des Mandats ein, sondern stellt die Araber als durchaus englandfreundlich dar; andererseits hütet er sich auch, einen direkten Widerruf der Balfour-Deklaration zu verlangen oder einen klar antizionistischen Standpunkt einzunehmen; sondern er erklärt nur, der zionistische Beitrag zur Entwicklung Palästinas müßte vorwiegend geistiger und kultureller Art sein; durch Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft sollten die Juden von Zion aus der Menschheit dienen. A. P. 4 Palästinas politische Geschichte ln der ״S e 1 b s t w e h r“ gibt Dr. Hugo Herrmann in einem Artikel ״Wer sind die Araber Palästinas“ einen Ueberblick über den Wechsel der politischen Herrschaft über Palästina im Verlauf der Geschichte. Nach einem Hinweis darauf, daß das jüdische Landvolk nach Zerstörung des Reiches Palästina nichtverlassen hat, sondern sich mit verschiedenen anderen Elementen vermischte, schreibt der Verfasser: Dieses Mischvolk ist im Grunde genommen das gleiche, dessen Nachkommen bis auf den heutigen Tag die große Masse der palästinensischen Landesbevölkerung darstellen. Diese Beharrlichkeit der ethnographisch-wirtschaftlichen Struktur steht in einem krassen Gegensatz zu den politischen Schicksalen dieses Volkes. Die Römerherrschaft währte vom Fall Jerusalems bis zur Reichsteilung (395) und wurde von der Herr- Schaft des Oströmischen oder Byzantinischen Reiches abgelöst. Diese hielt sich nur etwas über zweihundert Jahre und erfuhr gegen das Ende dieser Periode eine Unterbrechung durch die Eroberung Palästinas seitens der Perser während der Regicrungszeit des Kaisers Hcraklius. Bald aber werden beide, Byzantiner und Perser, durch einen stärkeren Dritten vertrieben, als die mohammedanischen Araber unter dem Kalifen Omar, dem zweiten Nachfolger Mohammeds, während der Jahre 634—638 Palästina eroberten. Es folgt nun die Herrschaft der syrischen Kalifen aus dem Hause der Omajjaden, die ihren Sitz in Damaskus hatten, und nach deren Untergang im Jahre 750 die Herrschaft der babylonischen Kalifen aus der Dynastie der Abbassiden, deren Residenz Bagdad war. Nach weiteren zweihundert Jahren gelangte Palästina unter die Herrschaft der ägyptischen Kalifen, der Fatimiden, die sich etwa hundert Jahre des Besitzes des Heiligen Landes erfreuen konnten. Sie wurden von christlichen Herrschern abgelöst, die durch die Kreuzzüge nach dem Orient gebracht wurden. Während des Jahrhunderts der Kreuzfahrer- Herrschaft verfiel das jüdische Leben in Palästina, sehr viele Juden verließen das Land und das geistige Leben der zurückgebliebenen schrumpfte völlig zusammen. Das christliche Königreich Jerusalem wurde durch die inzwischen neu aufgekommene Ejjubiden-Dynastie der ägyptischen Sultane zerstört (1187), aber auch sie blieben nicht lange im Besitz dieses umstrittenen Bodens, Sie mußten deii türkischen Marnelucken weichen, die von 1260 bis 1517 Palästina beherrschten und dann den türkischen Osmanen Platz machten. Genau vierhundert Jahre währte die Osmanen-Herrschaft, bis im Jahre 1917 wiederum eine christliche Armee unter General Allenby zum vorläufig letzten Male Palästina besetzte. Wir sehen also in dem Zeitraum von 70 bis 1917, also in 1847 Jahren, nicht weniger als elf Eroberer sich die Herrschaft über dieses vielleicht meistgeplagte Land des Erdkreises aneignen. Der Chataktet all dieser Regierungen war im Grunde genommen der gleiche. Römer, Byzantiner, Kreuzfahrer, Araber, Türken, Engländer wie verschieden auch diese Nationen im Hinblick auf Religion, Kultur, Sprache und Sitten waren, in einer Beziehung waren sie alle gleich — sie kamen nicht als Ansiedler, sondern als Eroberer, nicht mit dem Pfluge, sondern mit dem Schwert, und für sie alle war Palästina nicht das Land, in dem sie sich einrichteten und entwickelten, sondern eine geringe Provinz ihrer gewaltigen Reiche, bedeutungsvoll fast nur vom strategischen Standpunkt, niemals Zentrum, immer Peripherie. Und so haben sie nach Palästina immer nur ihre V e rwaltungsbeamten entsandt, ob diese nun Legaten oder Satrapen, Vesire oder Paschas (oder gar High Commissioners) hießen, haben immer nur eine kleine Schar von Beamten und Offizieren nebst einer je nach Bedarf größeren oder kleineren Truppenmacht dort stationiert und im übrigen, so gut es ging, mit manchmal milderer, meist aber rauher Hand aus der immer gleichbleibenden bäuerlichen Landesbevölkerung soviel an Beute, an Tribut, an Steuern herausgeholt wie möglich. . . Dr. Karl Hilb: Gesetzgebung, Rechtsprechung und Schrifttum in Palästina vom Jahre 1918—1928, unter Berücksichtigung der zurzeit noch in Kraft stehenden ehemals ottomanischen Gesetze. (Sonderabdruck aus der Zeitschrift für Auslands- und internationales Privatrecht, 3. Jahrgang, 1929, Nr. 4.) Hilb hat sich bemüht, in kritischer Form einen Ucberblick übeer die gesamte palästinensische Gesetzgebung zu geben, und zwar insbesondere über das bürgerliche Recht, über das Recht der religiösen Gemeinschaften Palästinas, soweit es in Geltung ist (also insbesondere der familienrechtlichen Normen), das Handelsrecht inkl. Scheck- und Wechselrecht, Eisenbahnrecht, Privatversicherungsjecht, gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht. Daneben behandelt Hilb kurz das Zivilprozeßrecht, und zwar sowohl Prozeßrecht wie Zwangsvollstreckung, die freiwillige Gerichtsbarkeit, die Organisation der Richter und Rechtsanwälte und die Kostengesetze. Besondere Kapitel widmet er dem internationalen Privatrecht, den Staatsverträgen und der Zoll- und Steuer-Gesetzgebung. Schließlich gewährt er noch einen sehr lehrreichen kleinen Einblick in die Praxis der Rechtsprechung. Von Wert ist vor allem auch eine genaue Zusammen- Stellung der Rechtsquellen, z. B. der gesamten noch in Geltung befindlichen ottomanischen Gesetzgebung. Diese ist zum ersten Male zusammengestellt und, worauf ich besonders hinweisen möchte, so geordnet, daß jedes Gesetz für uns nachprüfbar ist, da Hilb die Uebersetzung in verschiedene europäische Sprachen und die Verleger der einzelnen Uebersetzunfen genau angibt. Die Schrift ist also für alle diejenigen unentehrlich, die die Absicht haben, sich mit der in ihrer Vielfältigkeit außerordentlich interessanten palästinensischen Rechtskultur zu befassen, außerdem aber verdient sie besondere Anerkennung als der Anfang einer systematischen Rechtsforsehung in Palästina. Leider ist der Sonderdruck der Zeitschrift für Auslands- und internationales Privatrecht im Buchhandel nicht erschienen, die Abhandlung ist also in der angegebenen Nummer der Zeitschrift einzusehen. Ernst Marcus. Soeben wurde vom Hauptbüro des Keren Kajemeth in Jerusalem ein neuer Lichtbildervortrag ״Theodor H e r 7.1“ veröffentlicht. Der Bildstreifen kostet $ 2,6, der Text wird in allen europäischen Sprachen gratis geliefert. Bestellungen sind an die Landessammelstelkn des Keren Kajemeth m richten. Rumänische Regierung und Antisemitismus Bukarest, 30. Juli. (J. T. A.) Der Bukarester jüdische Vizebürgermeister, Herr Jacob Friedmann, hatte mit dem Justizminister Grigore junian eine Unterredung. Der Justizminister erklärte, daß an alle Gerichts- und Verwaltungsorgane des ganzen Reiches strenge Erlässe ergangen sind, jeden Versuch zur Störung der öffentlichen Ordnung mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterdrücken. Zahlreiche in den letzten Tagen vorgenommene Ve r haftungen von antisemitischen Agitatoren in der Provinz lass«! erkennen, daß die Regierung in der Bekämpfung der antisemitischen Bewegung im ganzen Lande aktiver wird. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein berüchtigter Antisemiienführer, der in einem Städtchen der Bukowina verhaftet wurde, als er unter den Bauern Flugzettel verteilte, die zur Einäscherung jüdischer Häuser und zur Plünderung jüdischen Eigentums aufforderten. Der verhaftete Führer der ״Eisernen Garde“, Zelea Codreanu, wurde nach seiner Eintieferung in die Staatsanwaltschaft in Bukarest auch wegen der unter seinem Namen veröffentlichten Anschläge verhört, die in den Straßen Bukarests erschienen und zu Gewalttaten gegen die Juden aufforderten. Auf Anordnung der Regierung traf in Bukarest der Inspektor der Siguranza von Jassv ein, um über die Tätigkeit der antisemitischen ״Eisernen Garde“, deren Hauptquartier Jassy ist, zu berichten. Der Sektionschef im Innenministerim, Victor Cadere, hat nach Beendigung seiner Sondermission in der Bukowina nun auch König Carol, auf dessen Initiative seilte Entsendung zurückzuführen ist, offiziell Bericht erstattet. Die J.T. A. erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß Cadere in seinem detaillierten Berieht an den König die ״Eiserne Garde“ und die anderen extremen rechtsgerichteten Organisationen als voll v e r - antwortlich für die antijüdischen Aus schreitungen bezeichnete. Diese Organisationen betreiben seiner Darstellung nach unter der Bauernschaft ane gefährliche Propaganda gegen die Juden, die aber zugleich zur Anarchie im Lande und zur Verstärkung des Kommunismus unter den Bauern führt, die sich in einer außerordentlich bedrohlichen Wirtschaftliehen Lage befinden. Cadere setzt sich für eine Bekampfun g der jud e n f ei nd li c h e n Aus sch r ei t un ge מ unter Anwendung schärfster Mittel ein, damit das Land vor Anarchie bewahrt werden soll. Er empfahl die Verhaftung selbst prominenter politischer Führer, die der antijüdischen Propaganda Vorschub leisten. Der Kabinettchef des Innenministers. Tazlaoanu, wurde, nachdem in seiner Wohnung eine polizeiliche Durchsuchung vorgenommen worden ist, seiner Stellung enthoben. Es wurde ein Verfahren gegen ihn wegen Mißbrauchs seiner Stellung eingeleitet. Er wird beschuldigt, dem im Gefängnis befindlichen Führer der ״Eisernen Garde“, Zelea Codreanu, Geldmittel verschafft m haben, um ihm eine Verbindung mit seinen Anhängern in Jassy zu ermöglichen. Tazlaoanu galt als rechte Hand des Innenministers and verleugnet« nie seine Stelhing als Führer der antisemitischen Studenten. Die Unter* suenung gegen Tazlaoanu erstreckt sich auch auf die von ihm als Amtsperson den antisemitischen Studentei-Aktionen geleistete Unterstützung. Der im Bukarester Gefängnis festgehaltene Führer der ״Eisernen Garde“, Zelea Codreanu, wird sich in den nächsten Tagen vor Gericht zu verantworten haben. Die Anklage wurde wegen Verhetzung von Teilen der Bevölkerung gegen andere und wegen Bedrohung seiner Gegner mit Tod una Terror erhoben. Die Bukarester Tageszeitung ״Adevend“ bringt eine telegraphische Meldung aus Orhei, daß dort der bekannte antisemitische Professor Macedon einen Juden namens Schulim Landau durch fünf Revolverschösse ermordet hat. Der schwerverletzte Jude wurde in hoffnungslosem Zustand ins Spital überführt. Der Mörder wurde verhaftet Ein *i!rumänischer Kongreß Jüdischer Stud e nt en, der in dieser Woche in Czernowitz hätte eröffnet werden sollen, ist von den Czernowitzer Behörden verboten worden. Die Vereinigung jüdischer Studenten beabsichtigt, bei der Regierung Protest einzsulegen. Der neae Weg der Wfzo Zwei Mitteilungen aus dem Kreise __ der zionistischen Frauenarbeit Europas und Amerikas haben in letzter Zeit mehr Aufmerksamkeit in der allgemeinen zionistischen Bewegung hervorgerufen, als dies bisher bei Nachrichten über die Arbeit der Frauenorganisation zumindest in Europa, der Fall war: Die Nachricht über die Verhandlungen von Wizo und Hadassah zwecks gemeinsamer Mitverantwortung an der Deckung des Erziehungsbudgets einerseits — die Verhandlungen zwischen Wizo und Moazath Hapoaloth über engen Anschluß der Arbeiterinnen an die Weltorganisation zionistischer Frauen andererseits. Das von Henrietta Szold nun vorgelegte Prograrnm, auf Grund dessen die Verhandlungen von wizo und Hadassah geführt wurden, legt — ohne sich mit der Seite des Oekonoraischen zu befassen -- vollen Nachdruck auf die ״nichtökonomischen Gebiete" des Palästina-Aufbaus, d. h. Gesundheitswesen, Erziehung und soziale Fürsorge, mit bcsonderer Betonung des Erziehungswesens, und die Verfasserin sagt in ihrer interessanten Begründung, daß die Mitverantwortung der Frau für die Erhaltung des Niveaus der jüdischen Erziehung in Palästina durch Beschaffung der Mittel geeignet sei, die zionistischen Frauen der ganzen Welt durch ״ewige Bande“ mit der Heimat Israels zu verknüpfen. Auf den ersten Blick scheint hier ein Gegensatz zu bestehen; denn die Arbeit mit und für die Arbeiterinnen ist ein konkretes Frauenwerk von Jetzt und Hier, während jenes andere, von Miß Szold vorgezeichnete, geistige Verantwortungsgebiet nach ihren eigenen Worten ״im Lichte der Ewigkeit“ betrachtet werden muß. liegt hier also ein Programmwechsel vor? Die Brücke zwischen dem gegenwärtigen Programm und dem ferneren abstrakteren, das Miß Szold den Frauen nahebrachte: diese Brücke liegt in dem Verständnis dafür, daß all die kleine und mühsame Tätigkeit der Frauen und Mädchen in ihren Arbeitsgebieten einen wichtigen Bestandteil des Er- Ziehungsprozesses unseres Volkes bildet. Wenn also nach dem Bekenntnis zu einer stärkeren Verantwortlichkeit für das Erziehungswesen Palästinas die organisatorische Verbindung mit der Arbeiterinnenschaft folgte, so zeigt es sich, daß k e i n Programmwechsel der Wizo vorliegt, sondern daß sie das Kleinere in das Größere einzugliedern und ihren Weg folgerichtig jortzusetzen vermag. Eine richtige Eingliederung der bisher isolierten Frauenarbeit in das Gesamtprogramm des Palästina-Aufbaus ist denn auch einer der bedeutendsten Grundzüge des Szoldschen Programmes. Auf Grund einer Diskussion, an der außer Vertreterinnen der Wizo und der Hadassah die Ueberbringerin des Programms selbst und die Arbeiterführerin, Ada Fischmann, teiinahmen, wurde die Einigung auf eine alle Teile befriedigende Formel erzielt, die das Nahe sichert und dem Femen den Weg ebnet. Man darf der Auswirkung des so formulierten Programmes mit Interesse entgegensehen. Der Sicherung des Nahen scheint die Verbindung der Wizo mit den Arbeiterinnen zu dienen, der Wegbereitung des weiteren Zieles mag die Verständigung von Wizo und Hadassah um! deren gemeinsames Memorandum an die Jewish Agency förderlich sein. Martha H<tf!a*jzJt (London).