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Jüdische Rundschau · 1930-07-29 · Heft 59 (29.7.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 59 (29.7.1930)
Date
1930-07-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 59, 29. VIT. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 393 Die grüne Front Wir erleben jetzt in Mittel- und Osteuropa eine immer stärker an die Oberfläche drängende Bewegung •der Landwirtschalt. Dieser für das Leben der mittel- und osteuropäischen Staaten außerordentliche wichtige Berufsstand schließt sicii zusammen und versucht auch international zu einer Interessengemeinscliaft zu gelangen. Die Tendenzen dieser neuen Bewegung richten sich einerseits gegen den Industrialismus, andererseits gegen den Sozialismus, in beiden Fällen jedoch gegen die Stadt, in der die genannten Wirtschaftssysteme ihre Vertreter und Führer haben. Wir erleben also jetzt einen immer stärker in Wirksamkeit tretenden Oegensatz von Dorf zur Stadt. Bei dieser Rivalität und den aus ihr fließenden Interesscnkämpfen ist es natürlich, daß die Gegner sich zunächst in ihren schwächsten Punkten berennen. Nun ist in den genannten Ländern das jüdische Element in den Städten der Punkt des geringsten Widerstandes, weil die Juden auch innerhalb der Städte isoliert sind und leicht von der übrigen Bevölkerung unterschieden werden können. So äußert sich denn in Polen, Rumänien, Ungarn, Jugoslavien, Litauen und auch im agrarischen Osten Deutschlands die Bcwegung der Landwirtschaft zunächst in einem heftigen Antisemitismus. Was wir in den letzten Monaten und Wochen besonders kraß in Rumänien und Polen erlebt haben, sind die ersten Gefechte zwischen Dorf und Stadt und als erste Opfer dieses in der Entwicklung stehenden Krieges fallen die jüdischen Existenzen. Besonders kraß tritt das in Rumänien in Erscheinung. Die antisemitische Welle setzt sich trotz der mit solcher Energie angekündigten Maßnahmen der rumänischen Regierung fort. Wenn man auch den über Budapest kommenden Nachrichten über die neuesten Ausschreitungen gegen die Juden in Rumänien eine gewisse Skepsis entgegensetzen muß, weil Budapest als Nachrichtenquelle über rumänische Verhältnisse nicht gerade lauter ist, so sind jedoch die direkten Mitteilungen, die in den letzten Tagen aus Rumänien ge■ kommen sind, betrüblich genug. Me Regierung in Bukarest sicht sich gezwungen, diese antisemitische Bewegung vor der Öffentlichkeit zu erklären, und sie betont, daß es sich um den Kampf des Dorfes gegen den hohen Zinsfuß der Banken für der Landwirtschaft gewährte Darlehen handelt, Diese Angaben lassen wahrscheinlich mit Absicht im unklaren darüber, daß sich unter den Gläubigern der rumänischen Landwirtschaft überhaupt keine Juden befinden. Die Anleihen an die Bauern sind im Wege von landwirtschaftlichen Bankinstituten durch den Staat gewährt worden, und er ist es letzten Endes, dem die Bauern verschuldet sind. Als Sündenbock müssen jetzt wie überall die Juden herhalten. Erfreulich an dieser Misere ist nur, daß sich die Juden in Rumänien organisieren und zur Wehr setzen. An anderer Stelle berichten wir über Konferenzen jüdischer Organisationen in Ru• mänien. Sicherlich ist diese Maßnahme im gegebenen Augenblick das einzige Mittel, das den Juden zunächst zur Verfügung steht. Man muß mit Befriedigung feststellen, daß die Juden in Rumänien zur Selbsthilfe greifen. Andererseits aber muß man bezweifeln, ob es den Juden in Rumänien oder in anderen Ländern gelingen wird, diese ungeheure Bewegung des ,Kampfes zwifcheit Dorf und Stadt mit ihren Folgen «inzudämmen. Das Tragische an der jüdischen Situation ist, daß die Juden Städtebewohner und Mittelständler sind. Man muß aber verhindern, daß die Umwälzungen, die sich ankündigen, von anderen Elementen mißbraucht und auf die Juden abgelenkt werden. Brief aus Rumänien Die Haltung der Regierung. — Eine jüdische Reichskonferenz. — Fortdauer der Unruhen. Von unserem Korrespondenten. —h. Bukarest, Ende Juli 1930. Das Verhältnis der gegenwärtigen Regierung zu den andsemitischen Ausschreitungen wird in der Hauptsache durch drei Faktoren bestimmt. Vor allem ist hier die antisemitische Einstellung einiger Mitglieder der national-zaranistischen Regierung zu nennen. Ganz besonders ist es der Innenminister Vaida Voevod, sowie der Unterrichtsminister Costachescu, die seit der Uebemahme der Regierungsgeschäfte durch die National-Zaranisten immer wieder Beweise für ihre feindselige Einstellung zur jüdischen Bevöikerung sowie für ihre engen Beziehungen zur antisemitisehen Bewegung gegeben haben. Der zweite Faktor, welcher die Haltung der Regierung gegenüber der antisemitischen Bewegung bestimmt, ist die Tatsache, daß die antisemitische Bewegung zum größten Teile von Professoren, Lehrern, Priestern und Studenten getragen wird und den Anschein erwecken will, als wenn es sich um eine kulturelle Bewegung handelt. Unter dem Vorwand, die seelische Vereinigung der einzelnen Provinzen Großrumäniens anzustreben, die rumänische Kultur zu verbreitern und zu vertiefen sowie die kommunistische Gefahr zu bannen, wird die Beseitigung und Unschädlichmachung alles Fremden gefordert. Selbstverständlich werden unter den Fremden in erster Linie die Juden verstanden und gegen sie richtet sich auch in erster Linie der Kampf der antisemitischen Organisationen in den verschiedensten Formen, und erst in zweiter Linie ist diese Bewegung auch gegen die Kulturäußerungen aller anderen Minoritäten Rumäniens gerichtet. Und vor dem Schlagwort ״Rumänische Kultur“ beugt die Regierung ihr Haupt, sie wagt cs nicht, gegen die ״Blüte der Nation“ aufzutreten, und so wird unter diesem Mantel Tod und Vernichtung gegen die Juden gepredigt. Die Herrschaft dieses Schlagwortes von der Verbreitung der rumänischen Kultur ist eine 80 allgemeine, daß die Regierung zusehends immer mehr an Boden verliert. Die antisemitische Bewegung hat sich beinahe schon zu einer Nebenregierung ausgewachsen, und dies ist der dritte Faktor, der die Einstellung der Regierung zu den antisemitischen Ausschreitungen bestimmt. ״Die sie rief, die Geister, wird sie nun nicht los!“ So kommt es, daß bekannte antisemitische Agitatoren mit Bewilligung der Regierung kulturelle Propagandareisen durch die verschiedenen Teile Rumäniens unternehmen dürfen, in denen die Bevölkerung selbstverständlich zum Mord und Todschlag gegen die Juden aufgefordert wird, so kommt es, daß diese Agitatoren wie von Macht zu Macht mit Ministern, Staatssekretären und Präfekten unterhandeln, so kommt es, daß die Regierung nicht wagt, die Urheber aller Ausschreitungen hinter Schloß und Riege! 7.11 setzen, trotzdem sie nicht nur den Kampf gegen die Juden predigen, sondern auch einen anarchischen Kampf gegen aie Staatsgewalt führen. $ Die Exekutive hat den Schlußtermin für die Sdtekelsamnüung endgültig auf den 31. August verschoben. Unseren Gesinnungsgenossen ist damit noch ein weiterer Monat für die Schekel• arbeit freigegeben worden. Wir erwarten, daß in den kommenden Wodien die Sdiekelpropaganda mit aller Energie fortgeführt bzw. aufgenommen wird. Der bevorstehende Kongreß erfordert größte Anstrengung der Schekelaktfon, zumal das bisherige Ergebnis völlig unzulfinglieh ist. Die Landessdiekelkommission der Z.V.f. D. ..Illlill.. Mittwoch, den 23. Juli, hat die vom Jüdisch-Paiiamentarischen Klub einberufene außerordentliche jüdisehe Reichskonferenz stattgefunden. Es war der erste Versuch, die gesamte jüdische Bevölkerung Großrumäniens im Zeichen der Not zu einer gemeinsamen Abwehraktion zu vereinigen. Nach einem offiziellen Berichte des Sekretariates der Konferenz waren insgesamt 176 Delegierte aus 64 Städten des ganzen Reiches erschienen. Interessant ist, daß diesmal auch die orthodoxen Kreise aus Beßarabien und Transsylvanien sich an der Konferenz beteiligten, was einen sichtbaren Ausdruck darin fand, daß der orthodoxe Rabbiner aus Chisinau, Zirelsohn, ein führendes Mitglied der Agudah, zum ersten Vorsitzenden des Kongresses gewählt wurde. Trotzdem hat der Kongreß nichtalle jüdischenOrganisationen in sich vereinigen können. Die Gegensätze zwischen der Uniurtea Evreilor Romani und dem Jüdisch- Parlamentarischen Klub, die in den letzten Wochen sich ganz besonders zugespitzt hatten, haben die Uniunea Evreilor Romani trotz der an sie ergangenen Einladung veranlaßt, die Teilnahme an der Reichstagung abzulehnen und diesem Beispiele ist dann auch der Verband der jüdischen Gemeinden Altrumäniens sowie die jüdische Gemeinde von Bukarest gefolgt, trotzdem eine Reihe von jüdischen Gemeinden aus dem Regat durch Delegierte vertreten waren. Es ist tief zu bedauern, daß die große Not, in der sich die jüdische Bevölkerung Rumäniens befindet, es nicht vermocht hat, die alten Gegensätze zu beseitigen, und daß bei dieser Reichskonferenz ein Teil der jüdischen Bevölkerung Altrumäniens durch ihre Repräsentanten nicht vertreten war. Die Beratungen wurden durch einleitende Referate der Mitglieder des Jüdisch-Parlamentarischen Klubs eingeleitet. Vor allem ist da% Referat des Senators Dr. Meyer Ebner zu erwähnen, dann aber auch die ergänzenden Referate der jüdisehen Parlamentarier Dr. Theodor Fischer, Dr. Josef F i - scher, Landau, und des Obmanns der jüdischen Nationalpartd Rumäniens, Dr. Stern. Aus der Diskussion, bei der dann Delegierte aus allen Teilen des Reiches das Wort ergriffen, konnte man erst ein klares Bild über die faktische Lage im Lande erhalten. Die Reichskonferenz stellte in erster Linie, um den verschieden«! Vertuschungsmanövem der Regierung entgegenzuarbeiten, das Ausmaß der Ausschreitungen fest, dies vor allem aus dem Grunde, damit die jüdische Öffentlichkeit des In- und Auslandes über den wahren Umfang der Exzesse und über das Schuldausmaß der Regierung entsprechend informiert wird. Es wurden ferner in einer Reihe von Resolutionen die zu ergreifenden Maßnahmen beschlossen und das wesentlichste ist, es wurde eine Reichsrepräsentanz geschaffen, die sich nach einem bestimmten Schlüssel aus Delegierten der vier Provinzen zusammensetzt ׳und welche die Aufgabe hat, in Zukunft in allen allgemeinen jüdischen Fragen als oberste jüdische Vertretung aufzutreten. Es bleibt nur zu hoffen, daß diese Repräsentanz auch wirklich eine ersprießliche Tätigkeit wird entfalten können, und daß vor allem die Uniunea Evreilor Romani sich doch noch dazu entschließen wird, innerhalb dieser Repräsentanz gemeinsam mit anderen Organisationen für die allgemeinen jüdischen Interessen zu kämpfen. Die Meldungen, daß die antisemitischen Ausschreitungen aufgehört haben, treffen nicht zu. Wohl gab es in den letzten Tagen keine derartige Vorfälle wie in Borsa, Suceava oder Varna. Aber Mißhandlungen und Bedrohungen von Juden kommen noch immer vor. Hingegen ist der Terror, unter dem die jüdische Bevölkerung lebt, womöglich noch stärker geworden, und vor allem setzen die antisemitischen Organisationen, unter ihnen in erster Linie die berüchtigte ״eiserne Garde“ des Zelea Codreanu ihre offene Propaganda zu Mord und Totschlag weiter ungestört fort. Es hatte ursprünglich den Anschein, daß die Regierung und vor allem der Innenminister Vaida Voevod, aufgeschreckt durch das Attentat auf den Staatssekretär des innenministeriums, Angelescu. sich zu wirklich scharfen Maßregeln entschließen würde. Aber schon die nächsten Tage zeigten, daß das Innenministerium sich auch weiterhin in derselben zweideutigen Rolle gefällt, immer wieder Versicherun gen auf Bestrafung der Schuldigen abgibt und dabei den anarchischen Elementen vollkommen freie Hand läßt. So kann es Vorkommen, daß die eiserne Garde die Mauern der Hauptstadt immer wieder mit Aufrufen überschwemmt, in denen zu Mord, Totschlag und zur Vernichtung der demokratischen Presse aufgefordert wird, so konnte es vorkommen, daß diese Plakate sogar auf öffentlichen Gebäuden unter den Augen der Polizeiorgane und der Staatsanwaltschaff affischiert werden, daß die Polizeiorgane sogar tätig an der Affischierung mithelfen, wie dies in Bukarest geschehen ist, und daß Gruppen der eisernen Garde in Automobilen am Mlichten Tage durch die Straßen der Hauptstadt fahren und Manifeste verteilen, in denen das Attentat aut Angeles«! gutgeheißen und der Attentäter zu einem nationalen Heros proklamiert wird. Eine ähnliche Propaganda wird von der eisernen Garde auch in anderen großen und kleinen Städten Rumäniens betrieben und es gibt keine Staatsgewalt, welche es wagt, diese Mordpropagandisten und ihre Drahtzieher zur Verantwortung zu ziehen. Wohin die weitere Duldung dieser unerhörten Propaganda führen wird, ist nicht abzusehen, so daß die gegenwärtige Lage der Juden in Rumänien den tiefen Pessimismus, der allenthalben herrscht, berechtigt erscheinen läßt. Am 13. Juli besuchte das Mitglied der Klagemauer-Kommlssion, Herr Barde, mit dem Sekretär der Kommission, Herrn Sachlin, einen der vom Guggenheimer-Fonds gegrün deten und unter der Leitung der Hadassah stehenden Spielplatze auf dem Zionsberg. Es spielen dort jüdische, arabische und armenische Kinder. Frau Rachel Schwarz, Leiterin der Spielplätze, empfing die Gäste und erteilte die erbetenen Informationen. Neuer Band ״Hatekalah“ Der Verlag Stybel, der vor kurzem ganz und gar von Berlin nach Tel-Awiw übersiedelt ist, gibt soeben den Doppelband 26/27 der ״H a t e k u f a h“ heraus. Es ist das erstemal, daß die ״Hatekufah“, diese von allen Freunder» der hebräischen Sprache stets mit Spannung erwartete Zeitschritt, der die moderne hebräische Literatur schon soviel verdankt, aus Erez-Israel zu uns kommt. Da interessiert vor allem auch das Aeußere, Technische: Tozereth Haarez; und cs sei gleich vorausgeschickt, daß das Buch sich vorzüglich präsentiert, gut und sauber gedruckt in der Kooperativ- Druckerei ״Llapoel-Hazair“ und der Druckerei des ״liaarez“, sich vollwertig neben den anderen, int Galuth hergestellten Vorgängern sehen lassen kann. Das Buch ist 726 Seiten stark. Es enthält drei ‘große Originalarbeiten d,er neuesten hebräischen Dichtung: Das Drama ״Bar Kocfiba“ von Saul T sehe mich ovsic i, das ״Märchen der Drei und Vier“ von B i a I i k und ״Der verrückte Josscl“ von S 0 k o 1 o w (Erinnerungen an Jossel Minz). Weitere erzählende Dichtungen steuern bei: Elieser Steinmann, Blank und Prege rsohn; Gedichte veröffentlichen Lissizki, Lamd an, Sc 11 oha m, Regelson, Krivoruczka, Efrat und Silberschlag. Der Uebersetzungsteil ist infolge des großen Umfanges der Originaldichtungen diesmal kleiner als in früheren Bänden, enthält aber so wichtige Stücke wie eine Dante-Uebersetzung (Farinata) von Jabotinski, ferner aus O vids Metamorphosen von J. Friedman n, und schließlich Gedichte von E. A. Poe, übersetzt von S. Ginzburg. Die Abteilung ״Essay s“, auch über aktuelle Themen, wurde erweitert. Die Aufsätze sind zum großen Teil politischaktuellen Charakters. Von Mitarbeitern dieses Teiles seien genannt: Klausner, Ginzburg, Arlosorow, Schwadron, Assaf, Bergmann, Rawidowicz, Jellin, in kürzeren Notizen noch Dickstein, Lubrani, Spiwak, Hans Kohn, Frankel u. a. Von den literaturkritischen Arbeiten sei ein Aufsatz über Rainer Maria Rilke von J. Silberscblag erwähnt. Schon diese Aut- Zahlung zeigt, daß so mancher der in diesem dicken Sammelband enthaltenen Beiträge noch einer speziellen Besprechung bedarf. Die Redaktion besorgten Dr. Tschernichovskl, B. Katz und Dr. S. Rawidowicz. Bflcherschao Jakob Burckhardt, Kulturgeschichtliche VortrSg«. Mit Nachwort von Rudolf Marx. 20 Abbildungen. Alfred Kröner Verlag, Leipzig. 3,75 M. Dieses in der Reihe der vorzüglichen Kröners Taschenausgaben, die wir wiederholt rühmen konnten, erschienene Buch wird für jeden, der die veredelnde Kraft humaulstischen Geistes zu fühlen vermag, eine erfreuliche Gabe sein. Von jüdischem Interesse ln engerem Sinne Ist der Vortrag über Rerabrandt, in welchem die alttestamentlichen Darstellungen scharf kritisiert werden wegen ihres Mangels an ״Ehrfurcht, Gottesnähe und einfacher Anmut, welche wir in dieser Welt voraussetzen.“ C. Harry Brooks, Praktisches Lehrbuch der Graphologie. Nach der Methode Robert Saudek. Verlag E. A. Seemann Leeipzig 1930. Der böhmische lüde Robert Saudek, auch als deutscher Roimnschriftsteller bekannt, ist eine der ersten Autoritäten auf dem Gebiet der Graphologie. Dieses Lehrbuch gibt nicht nur einen Einblick in diese Wissenschaft, sondern eine Anleitung auch für den Laien, selbst aus der Handschrift die Charaktereigenschaften des Schreibers zu erkennen. Das Buch, mit Ta« bellen und Schriftproben reich ausgestattet, erschließt fifeue Welten; es wird wohl weite Verbreitung finden und vielen sehr nützlich sein. Hamburger Brief Von unserem Berichterstatter. Die Neuwahlen zum RepräsentantenkoHegium der Hamburger Gemeinde, über die auch in der ״Rundschau“ eingebender berichtet worden ist, hatten der Tätigkeit auch der Hamburger Zionistischen Vereinigung in den ersten Monaten dieses Jahres mit Notwendigkeit ihren Stempel aufgedrückt. Nachdem Ergebnis und Lehren der Wahlen, unmittelbar nach dem Wahlsonntag, in einer lebhaften Aussprache der Ortsgruppe diskutiert worden waren, wandte sich ihre Arbeit zu den zentralen zio■? nistisch-politischen Fragen des Tages zurück. In einer ungemein stark besuchten Versammlung sprach Dr, Nahum Gold mann am 20. Mai vor Gesinnungsfreunden und Nichtzionisten über den Bericht der Shaw-Kommission und seine grundsätzliche Bedeutung. In formvollendeten und geistreichen Ausführungen suchte Dr. Goldmann den bekannten Standpunkt seiner Gruppe den Hörern durch eine Dreigliederung des Gesamtproblems — in unsere Stellung zu England, zur arabischen Welt, und unsere innerzionistische Auseinandersetzung — nahezubringen. Besonders eindringlich war die psychologische Analyse, mit der er die unfreundliche Haltung der eng-!!sehen Beamtenschaft Erez-lsraels zu motivieren suchte. Zweifellos hinterlies der Vortrag eine starke lebendige Wirkung, so gewiß es andererseits zu begrüßen gewesen wäre, wenn der Referent zur Charakterisierung der Lage des Jischuw noch stärker als er es vielleicht tat, entwicklungsgeschichtliche und ökonomische Gesichtspunkte herangezogen hätte. Auf einer solchen ״historischen“ — freilich ideengeschichtliehen viel stärker als wirtschaftsgeschichtlichen — Grundlage entwickelte Dr. Robert W e i t s c h seinen politischen Standpunkt in einem Vortrag über die Gestaltung der jüdisch-arabisehen Beziehungen in Erez-Israel, zu dem die Ortsgruppe zum 27. Mai geladen hatte. Dr. Weltsch analysierte die sich aus der fortschreitenden Entwicklung des arabischen Nationalismus, mit dem auch England rechnen müsse, ergebende politische Situation. Palästina sei ein Land, auf das ein gleich stringenter Anspruch zweier ”Völker bestehe, und die Auigabe einer konstruktiven Politik bestehe darin, diese beiden Ansprüche miteinander in Einklang zu bringen. Den interessanten Ausführungen, denen die Hörerschaft auch dort, wo Widerspruch gelegentlich laut wurde, aufmerksamste Beachtung widmete, folgte eine Aus- Sprache, die den Vertretern der verschiedensten zionistischen Auffassungen — so dem Misrachi, der Poale Zion usw. — Oelegenheit zur Darstellung ihrer teils vom Referenten völlig abweichenden Standpunkte gab. Am Beginn des Abends war eine Protestresolution gegen aie Einwanderungssperre angenommen worden. Eine Herzl -Gedenkfeier veranstaltete die Orts* gruppe am 16. Juli, eine gehaltvolle Veranstaltung, der ein würdiger Rahmen gesichert worden war. Nach einleitenden Bemerkungen des Vorsitzenden, Dr. Hepptier, sang Oberkantor L. Kornitzer das Reethovensche ״Büßlied“. Gedenkworte, die Dr. Luntz sprach, machten die Persönlichkeit Herzls, gesehen mit dem Auge eines Zionisten seiner, der ersteig ״heroischen“ Zeit, . zionistischen Forderungen des Einheitsgedankens in der Bewegung und des Opfersinns Ihrer Anhänger verdeutlicht. Die Ver- Sammlung nahm schließlich eine Resolution an, in der erneut an die Mandatarmaeht mit dem Ziele der Wiederherstellung freier Einwanderung nach Palästina appdiktt ■nwete.

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