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Jüdische Rundschau · 1930-07-29 · Heft 59 (29.7.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 59 (29.7.1930)
Date
1930-07-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 392 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 29. VII. 1930 England antwortet aal die Krittle der Mandatskommission London, 24. JulL (/. T. A.) Der Unterstaatssekretir für die Kolonien Im letzten konservativen Kabinett Balduin, O r rn s b y Gore, fragte im Unterhaus, ob der vollständige Text der Aeußerungen der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes zur Ausführung des Palästina-Mandata im vergangenen Jahre im Besitze der Regierung ist, wann und durch wen sie im vollen Wortlaut zur Veröffentlichung gelangen werden, und ob die Regierung beabsichtige, angesichts der von dem beratenden Komitee de» Völkerbundes erhobenen Kritik in naher Zeit Schritte zu unternehmen, um ihre Mandatsverpfliehtungen au erfüllen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, antwortete: Die Regierung hat den vollen Wortlaut des Berichts der Mandatskommission. Was die zweite Frage betrifft, so bin ich dahin unterrichtet, daß der Bericht der Permanenten Mandatskommission an den Völkerbundsrat zusammen mit den darauf bezüglichen Rücklwßerungen der bri* tischen Regierung vom Sekretariat des Völkerbundes veröffentlicht werden wird, sobald die Rücküußenmg übermittelt sein wirf. Was den letzten Teil der Frage betrifft, so wird die Regierung, gleich ihren in der Vergangenheit für Palästina verantwortlichen Vorgängern (Ormsby-Gore war der Vorgänger van Dr. Shiels. — Ad. R.), fortfahren, das Land im Einklang mit den Bestimmungen des Mandats zu verwalten. Jede von der Permanenten Mandatskommission vorgeschla• gene Maßnahme zur besseren Verwirklichung der Mandatsziele wird von der Regierung mit sorgfältigster Aufmerksamkeit betrachtet werden. Auf eine weitere Anfrage im Unterhaus erklärte Dr. Shiels, er hoffe noch vor Abschluß der Parlamentssession eine Erklärung über die VeröffentlichungderMacMahon-Hussein- Korrespondenz abgeben zu können, doch sei die Frage sehr schwierig und kompliziert und er könne ein bestimmtes Ver* sprechen nicht geben. * Hierzu schreibt uns unser Genfer K-y-Mitarbeiter: Zu der Antwort, die Dr. Drummond Shiels Im Unterhaus auf die Anfrage Ormsby-Oore’s bezüglich der Veröffentlichung des Berichtes der Mandatskommission erteilt hat, wäre nachstehendes zu bemerken: Gemäß einem Artikel der von» Völkerbundrate im Dezember 1920 festgelegten Verfassung derStändigen Mandatskommission hat letztere die Pflicht ihren Bericht, gleich nachdem er verfaßt worden ist (der Bericht wird von der Kommission In Abwesenheit des Vertreters der Mandatarmacht verfaßt), dem beglaubigten Vertreter der Mandatarmachf vorzulegen. Der Vertreter der Mandatarmacht kann — wenn er es wünscht — nach Durchsicht des Berichtes diesem seine eigenen schriftlichen Bemerkungen beifügen. Diese Bemerkungen sollen gleichzeitig mit dem Bericht der Mandatskommission als Anhang hierzu veröffentlicht werden. Für die Einsendung dieser eventuellen Aeußerung ist jedoch kein Termin festgesetzt. Anläßlich ihrer außerordentlichen Palästina-Tagung hat die Kommission beschlossen, daß die Veröffentlichung ihres Berichtes sofort nach dessen Drucklegung und nach Erhalt der eventuellen Bemerkungen der Mandatarmacht erfolgen soll. , Wir glauben zu wissen, daß die Drucklegung des Berichtes (und der Verhandlungsprotokolle) der Mandatskommission schon seit einer Woche fertig ist und daß die Veröffentlichung dieser Dokumente nur dadurejt einen Aufschub erleidet, daß die oberwähnten Bemerkungen der britischen Regierung dem Völkerbundsekretariat noch nicht zugeschickt worden sind, obwohl die Regierung den fraglichen Bericht bereits seit etwa drei Wochen in Ihrem Besitz hat. Aus der Ormsby- Gore erteilten Antwort Dr. Shiels folgt jedenfalls, daß d i e britische Regierung von ihrem Rechte, eine Aeußerung dem Rapport beizufügen, Gebrauch machen wird. Sollten diese Bemerkungen — wie man annehmen darf — dem Völkerbundsekretariat in den nächsten Tagen überreicht werden, so wird die Veröffentlichung aller fraglichen Dokumente in den ersten Augusttagen erfolgen können. Lord Passfields Antwort Die Vorgänge in Rumänien L ond on, 23. Juli. (J.T. A.) Am 20. Juli fand eine Sitzung des Board of Deputies der englischen Juden statt. In dem Vorliegenden Bericht des Joint Foreign Committee wird über die Lage der Juden in Rumänien berichtet ln der Aussprache wurde das Joint Foreign Committee angegriffen, indem behauptet wurde, seine Zuschriften an die rumänische Regierung seien zu milde und es seien stärkere Maßnahmen nötig. Es wurde beschlossen, der rumänischen Regierung die Beuiiruhigung des Komitees wegen der Häufung antisemitischer Exzesse, besonders in der südlichen Bukowina, mitzuteiieu und die Hoffnung auszusprechen, daß die betroffenen Juden in angemessener Weise entschädigt werden. Nathan Laski brachte dem Board of Deputies die in der Presse bereits veröffentlichte Antwort des Kolonienministers Lord Passfield auf die Vorstellungen der Deputation des Board wegen der Palästina-Politik der Regierung zur Kenntnis, ln der Aussprache über diesen Bericht wurde gefragt, ob arabische Bodeneigentümer zwangsweise enteignet worden sind. Laski erklärte dazu, daß alle von den Juden erworbencn Böden bezahlt worden sind, und zwar manchmal mit ihrem dreifachen Wert, und daß zwangsweise Enteignungen nicht vorgekommen sind. Er berichtete, daß er und andere mit ungefähr 80 bis 90 Unterhausmitgliedern Gespräche über Palästina hatten. Es fand sich darunter nur einer, der den Standpunkt der Araber vertrat. Alle anderen zeigten sich dem jiklisehen Standpunkt geneigt. An der Diskussion beteiligten sich noch Aldcrman Kershaw, H. A. Goodman, Morris Mycr und B. S. Strauß. Es wurde schließlich eine Resolution gefaßt, in der es heißt, daß der Board die Antwort des Staatssekretärs für die Kolonien, die er der Deputation des Board wegen der suspendierten Einwanderungszertifikate gab, mit Bedauern zur Kenntnis nimmt und die am 15. Juni vom Board angenommene Resolution (d. h. Protest gegen die Suspendierung) aufs neue bestätigt. Die gemeinsame Abteilung des ״Maschbir“, ״Jachin“ und ״Tenuwa“ für den Absatz von Orangen und Grapefrüchten bei ausländischen Kooperativen hat den Vertrag mit den Kooperativen in England über den Absatz, von Orangen und Grapefrüchten in der nächsten Saison (5691) erneuert. Die vereinbarten Bedingungen, besonders in bezug auf die Preise, sind für die Exporteure recht günstig. Auch mit deutschen und anderen Kooperativen wurden Abkommen zwecks Ueberaahme gewisser Quanten von Orangen getroffen. Die liberale WeHkonlereM Debatte Ober Zionismus nicht zagelassen London, 22. Juß. (J-T. A.) In der liberalen Weitkonferenz, über deren Anfang wir bereits berichtet haben, erstattete Miss L Montagu den Bericht des Sekretsriats. Die Leitung hat drei Unterkomitees, und zwar für Liturgie, soziale Arbeit und Jugendarbeit, eingesetzt Nach Anhörung des Hauptberichts referierten die Vertreter der Subkomitees, und zwar für das Subkomitee für Liturgie Rabbi S. W. Starreils, für das Subkomitee für soziale Arbeit Milford Stern, und über die Arbeit unter der Jugend Rabbi M. L. Perlzweig (ein bekannter Zionist). Nach einer längeren Diskussion wurde eine Resolution über Stellung und Rechte der Frau in der jüdischen Gesetzgebung angenommen. Die Resolution postuliert 1. die voll- .ständige Gleichberechtigung der Frau mit dem Manne in Ehe - und Scheidungsfragen, 2. die Befreiung derjenigen Ehefrauen, die ihren Ehegatten im letzten Weltkrieg verloren haben, ohne daß deren Tod erweisbar ist, von ihrer eherechtlichen Stellung als ״Agunoth“ (Frauen, die an den verschollenen Ehemann gebunden sind). 3. daß die Nichtausführung der Chaliza-Zeremonle kein Hindernis für die Wiederverheiratung von Witwen sein soll. In einer nur für offizielle Delegierte zugänglichen Konferenz unter Vorsitz von Professor Julien Morgenstern (Cincinnati) wurden Maßnahmen zur Ucberwindung der religiösen Indifferenz beraten. Referate hielten Rabbiner Dr. Josef Norden (Elberfeld) und Rabbi Martin Zielonka (El Paso, U. S. A.). Die Anordnung der Leitung der Wcltunion, daß jede Einbeziehung des Zionismus in die Diskussion der Konferenz verboten sein solle, führte bei der Sitzung vom Montag zu einer stürmischi n Debatte im Zusammenhang mit einem Antrag von Rabbi Ferdinand I s s e r m a n (St. Louis, U. S. A.), dieses Verbot aufzuheben. Der Antrag war vom Rcsolutlonskomitee unter dem Vorsitz von Rabbi S c h u I m י n behandelt worden, und das Komitee entschied einstimmig, die Ablehnung des Antrags von Rabbi Isscrman zu empfehlen, in der Begründung seines Antrags sagte Rabbi Isserman, er bekämpfe die Anordnung der Konferenzleitung, weil er cs als Liberaler für falsch im Prinzip und u n ־ liberal hält, die Delegierten darin zu beschränken, worüber sie zu diskutieren wünschen. Die Bestimmung sei nicht nur unglücklich und unbillig, sondern auch nicht bindend, nachdem Edmond Fl eg, Dr. Sch ulraa n und £h. Levy in ihren Referaten auf den Zionismus Bezug genommen haben und die Leitung dazu schwieg. Er bezeichnet« es als u n - möglich, die Probleme des Judentums zu behandeln, ohne das Problem des Nationalismus unddes Uni versa-!Ismus zu berühren. Rabbiner Dr. Max Wiener, Berlin, unterstützte den Antragsteller. Dr. S c h u 1 m a n sagte, die Zulassung einer Diskussion über den Zionismus bei der Konferenz würde die Bewegung zerschlagen. In der liberalen Bewegung gäbe es Zionisten und Nichtzionisten. Eine Diskussion über den Zionismus im Rahmen der Konferenz wäre nur zulässig, wenn sie mit dem Ziele einer Entscheidung geführt würde. Fiele eine solche Ent- Scheidung zugunsten der Vereinbarkeit von liberalem Judentum mit dem Zionismus aus, dann müßten der Redner .und viele seiner Freunde die Bewegung verlassen. Fiele die Entscheidung gegensätzlich aus, würden andere die Bewegung verlassen. Daher appelliere er an die Konferenz, den Antrag Rabbi Issermans abzulehnen. Der Antrag wurde dann mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Fall Hans Kelsen Von einem Freund unseres Blattes erhalten wir nachstehende Zeilen: In den jüdischen Zeitungen Deutschlands, darunter auch in der ״Jüdischen Rundschau", ist der Fall des Staatsrechtslehrers Hans Kelsen behandelt worden, der aus der Wiener Universität wegen seiner Jüdischen Abstammung hinausgeekelt und als Ordinarius an die Universität in Köln berufen wurde. In Köln wurde Hans Kelsen ein eigentümlicher Empfang zuteil. Nicht nur die National- Sozialisten, sondern auch das Zentrum erblickten in seiner Berufung eine unerträgliche Belastung, weil durch seinen Zuzug an die Kölner Universität die Zahl der jüdischen Professoren eine für das deutsche Empfinden übertriebene Vermehrung erfahre. Am meisten über diesem Empfang wird wohl Kelsen selbst überrascht gewesen sein. Hans Kelsen ist zweifellos ein Gelehrter von hohen Oraden. Er ist der Schöpfer der österreichischen Verfassung und würfe seinerzeit auch nach Griechenland berufen, um bei der Schaffung der dortigen Konstitution beratend nritzuwirken, ln Wien erfreute sich Kelsen in den Kreisen der Soziologen einer außerordentlichen Wertschätzung und seine Diskussionen mit Max Adler, dem sozialistischen Theoretiker, sind in der Wiener Oeiehrtenwelt unvergeßlich. Hans Kelsen ist ein für alle modernen Bewegungen sehr interessierter Mann. Nur für eine Sache hat er niemals Interesse empfunden, nämlich für •sein Judentum. Interessant ist der Lebensweg dieses Mannes, ln Galizien als Nachkomme einer Familie Kohn geboren, war er zunächst polnischer Assimilant. Nach Wien gekommen, änderte er nicht nur seinen Glauben und seinen Namen, sondern vertauschte seine polnische Nationaiität gegen die deutsche. Aber all diese Metamorphosen haben Herrn Kelsen nichts genützt. In Wien wurde er als Jude hinausgeekelt, in Köln als Jude mit Hepp- Hepp-Rufen begrüßt. Für uns Juden lind Persönlichkeiten wie Hans Kelsen, ungeachtet ihrer Bedeutung als Gelehrte, nur eine Be- Iastung, die um so schwerer wiegt, als wir beim Ertragen dieser Belastung von den Personen, die zu Ihrer Vermehrung beigetragen haben, im Stiche gelassen wurden. Der Haß gegen den Galizier Rohn-Kelsen wirkt sich dann letzten Endes gegen arme galizische Juden aus, die einen ehrsamen kleinen Handel treiben und keine Staatsverfassungen konzipiert haben. Würden Leute wie Kelsen nicht ihrem Judentum zu entfliehen versuchen, dann könnten wir uns über ihren Aufstieg und ihre Leistungen trotz des antisemitischen Geschreis mit weniger gemischten Gefühlen freuen. Sodom aufgefunden? Durch die neuesten Grabungen des römischen Bibelinstituts in Transjordanien bei Tel GassuZ, etwa 6 km nordöstlich vom Toten Meer am Wadi el Jorfeh, soll die Stätte des geschichtlichen Sodom festgestellt worden sein. Es wurden Häuser, die Reste von Oefen, Kornspeichern und Mühlen zusammen mit menschlichen Ueberresten freigelegt, daneben eine große Menge von Messern, Pfeilen, Tonscherben, Halsketten, Alabasterkugeln usw. Weitere Grabungen wurden nach dem Norden und Süden vorgenommen. Man hat ein Gebiet durchforscht, in dem die Fundamente von Steinmauern zutage traten. Es ergab sich, daß die Ruinen von Tel Oassul bis etwa 3000 v. Chr. zurückreichen und die hier gelegene Stadt, die eine große Blüte erreicht hatte, um 2300 v. Chr. zerstör; wurde. So ist man zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Stätten von Sodom und Gomorrah im Norden des Toten Meeres lagen, nicht im Tale Siddin am Südende des Toten Meeres, wie man früher angenommen hat Die Lage in den Pflanzungskolonien Verdrängung der jüdischen Arbeiter — Drohende Arbeitslosigkeit ln^ der Arbeiterzeitung ,,Dawar“ veröffentlicht ein Komitee der Koloniearbeiter ein Manifest, worin es u. a. heißt: Das Komitee der Koloniearbeiter lenkt die Aufmerksamkeit des Jlschuw und der zionistischen Bewegung in der ganzen Welt auf den Bann, mit welchem in der letzten Zeit der jüdische Arbeiter von einem beträchtlichen Teil der Kolonisten in den alten Pflanzungskolotmen, besonders Pctach Tikwah und Neß Ziona, belegt worden ist Die jüdische Arbeit in den Kolonien nimmt in erschreckenderWelseab. Unberechtigterweise entstehen große Gruppen von jüdischen Arbeitslosen in einer Zeit, wo cs absolut keinen Mangel an Arbeit in den jüdischen Kolonien gibt Gerade in dieser für den Zionismus schweren Zeit hat ein Teil der jüdischen Kolonisten es für richtig gehalten, die zionistische Verantwortung sowohl in politischer als auch in kolonisatorischer Beziehung von sich m werfen und schließt die jüdischen Arbeiter aus, deren Recht auf Arbeit ebenso groß ist wie das Recht des jüdischen Volkes in sein Land zurückzukehren. Das Komitee erklärt, daß der jüdische Arbeiter seine Anstrengungen zur Wahrung seiner Arbeitsstellen und seiner Organisation verdoppeln wird und für seine Rechte sowie die Rechte des neuen Arbeiter-Einwanderers in der Wirtschaft der Kolonie kämpfen wird. Das Komitee warnt die ganze zionistische Bewegung vor der Oefahr, die ihr droht, wenn der jüdische Arbeiter aus den jüdischen Koloniem verdrängt wird. — Soweit der Aufruf. Me Vorgänge in den Kolonien verdienen in der Tat die Aufmerksamkeit der zionistischen Oeffentlieh keit. Bekanntlich wurde die Arbeitslosigkeit vor drei Jahren zum großen Teil durch die Absorption jüdischer Arbeiter in den Pflanzungskolonien beseitigt. Besonders unmittelbar nach den Augustunruhen haben die jüdischen Kolonisten fast durchwegs jüdische statt arabischer Arbeiter beschäftigt. Aber ähnlich wie nach den Unruhen 1921', wo auch die Kolonisten von Petach Tikwah feierlich geschworen haben, nur noch Juden zu beschäftigen, änderte sich auch jetzt nach einiger Zeit die Stirnmung. Immer deutlicher haben sich Konflikte zwischen Kolonisten und Arbeitern angekündigt, sowohl in Löhnfragen als auch bezüglich des Rechtes auf gewerkschaftliche Organisation. Allmählich nun kehrt ein Teil der Kolonisten zu arabischer Arbeitzurück und jüdische Arbeiter werden entlassen. Man braucht nur die fortdauernden Debatten über die ö k o - nomischeAufnahmefähigkeitdesLandes und die verschiedenen politischen Kundgebungen der letzten Zeit in Betracht zu ziehen, um unmittelbar zu verstehen, welche Gefahr es bedeuten würde, wenn jetzt neuerlich jüdische Arbeitslosigkeit in Palästina entsteht. Hatte doch Simpson als Sach verstaudiger besonders die Frage zu prüfen, ob das Land für neue Arbeiter-Einwanderer aufnahmefähig ist und ob durch solche Einwanderung keine ökonomischen Störungen drohen. Insbesondere in dem Kampf, den die zionistische Bewegung in all ihren Teilen heute für die Rückgabe der Ein wande run gs - Zertifikate führt, könnte das Argument, daß jüdische Arheltelose im Lande stad, von weittragcnderWMajng sein. Es erhebt sich die Frage, was die zionistischen Institutionen tun können, um Abhilfe zu schaffen. Es Ist fraglich, ob mit dem Appell an das nationale Verantwortungsgefühl allein ein dauerhafter Erfolg zu erzielen ist Jedenfalls stehen wir hier wieder vor den alten Grundproblemen der jüdischen Palästina-Wirtschaft, die seit 30 Jahren noch nicht gelöst sind, wenn sie auch zeitweilig infolge politischer oder anderer Sensationen in den Hintergrund treten. Die Jewish Agency wird sich zu fragen haben, wie Beschäftigung für Massen jüdischer Einwanderer gefunden werden soll, wenn die natürlichsten Aufnahmereservoirs, die jüdischen Kolonien, ihnen verschlossen bleiben. Es ist eine kolonisatorische und organisatorische Aufgabe ersten Ranges, die In allen ihren Aspekten geprüft werden muß. Kleine Nachrichten Der Präsident des American Jewish Committee, Dr. Cyrus Adler, ist zusammen mit Felix M. Warburg an Bord der ״Bremen“ in Europa eingetroffen. Dr. Cyrus Adler begibt sich von Paris nach Genf, um sich der Klage mau erkommission bei ihrer Rückkehr aus Palästina zur Verfügung zu stellen, falls sie bereit sein sollte, ihn noch in Genf zu vernehmen. Der ״Harnt", Warschau, meldet aus Jerusalem, daß die Palästina-Reperung Jabotinsky die Einreisebewilligung nach Erez-Israel gewährt habe. Jabotinsky plane, in Jerusalem eine neue Tageszeitung ״Haschachar“ herauszugeben. Eine Bestätigung dieser Nachricht steht noch aus. Wie die J. T. A. aus parlamentarischen Kreisen erfahren haben will, soll der britische Ministerpräsident MacDonald mit Sir Herbert Samuel wegen seiner eventuellen Ernemnung zum Vizekönig von Indien als Nachfolger Lord Irvins, Fühlung genommen haben. Louis Lip.sky Ist zum Präsidenten der Judea Industria, Corporation, von der die Judea Insurance Company eine Tochtergesellschaft ist, gewählt worden. Bei einem Empfang, den General Bust von der lettischen Delegation zur gegenwärtig In London tagenden Sitzung der Interparlamentarischen Union gab, sagte der frühere High Commissloner für Palästina, General PI u m e r, zu dem anwesenden jüdischen Abgeordneten des lettischen Parlaments, Dr.Nuro k: Die Juden haben keinen Grund zur Verzweiflung• Sie müssen nur Geduld haben. Dr. Weizmann versteht sehr gut, daß dies notwendig ist Ich glaube, daß die Juden ihr Ziel erreichen werden, auch wem» der Fortschritt nur langsam vor sich gehen wird. In der Vorstadt von Tef-Awiw, Machneh Jehuda, ist die Errichtung eines neuen Gemüsemarktes mit 81 Läden in Angriff genommen worden. Bei der Feier der Grundsteinlegung )waT die Regierung vertreten. Oegen Dr. Blank, den Herausgeber der als Ersatz für die verbotene Jerusalemer Tageszeitung ״Doar Hajom“ gedruckten Zeitung ״Jeruschalajitn“, ist ein polizeiliches Verfahren eingeleitet worden. Dr. Blank wird beschuldigt, sich durch diese Veröffentlichung gegen das Pressegesetz vergangen zu haben. Auf Pressevergehen dieser Art steht eine Strafe von 50 Pfund. In dem Dorf Kolonie!» bei Moza fanden Araber eine Urne, von der angenommen wird, daß sie der israelitischen Periode angehört. Die zunächst provisorisch in Moza untergebrachte Urne wirf dem Antiqultäten-Departement in Jerusalern übergeben werfen,

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