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Jüdische Rundschau · 1930-07-22 · Heft 57 (22.7.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 57 (22.7.1930)
Date
1930-07-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 382 JU EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. 57, 22. VII. 1930 Männern und Frauen dienende Wandschirm wurde beim Gottesdienst an der Klagenlauer zum ersten Male am jüdisehen Neujahrstage 1928 aufgestellt. Keith-Roach wurde auf diese Neuerung zuerst am Versöhnungstage aufmerksam und ordnete die Beseitigung des Wandschirms an. Die Regierung hat die Benutzung von Stühlen an der Mauer nicht gestattet, weil dadurch das Wegerecht beeinträchtigt worden wäre und bei den Juden die Vorstellung hatte erzeugt werden können, daß sie an der Mauer Eigentumsrechte haben, in Beantwortung einer Frage des jüdischen Anwalts Dr. Eliash sagte Keith-Roach, daß die von den Moslems neu eröffnete Tür an der Mauer-Passage vielleicht eine Neuerung darstelle. Es sei ihm aber bekannt, daß zwei Beamte den gleichen Durchgang schon bei früheren Gelegenheiten benutzt hatten. Einer Frage des arabischen Anwalts Aunt Bey Abdul Hadi entsprechend, verlas Keitl Roach ein Schreiben des Oberrabbiners Kuk an den damaligen Gouverneur von Jerusalem, Sir Ronald Storrs. Das Schreiben enthält die Bitte des Oberrabbiners, die Auf- Stellung voft Bänken an den hohen jüdischen Festtagen vor der Mauer zu gestatten. Er verlas ferner ein Schreiben des früheren Chief Secretary H. C. Luke an den Bürgermeister von Jerusalem Nashashibi, in dem die jüdische Beschwerde, daß die Moslems die Mauer besudelt haben, weitergegeben wird. Die Atugleldisversadie Die Kommission drängte die Vertreter der beiden Parteien, die Verhandlungen durch die beiderseitigen Plaidoyers Donnerstag, den 17. Juli, zum Abschluß zu bringen, damit die Kornmission Palästina am Sonnabend verlassen könne. Zugleich bemühte sich Loefgren weiter, eine friedliche Einigung zustandezubringen, oder doch wenigstens eine Einigung mit den Moslems in der Richtung zu erzielen, daß sie die Entscheidung der Kommission anerkennen. Die JTA. erfährt, daß Loefgren in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag viele Stunden Tang mit dem Großmufti von Jerusalem und seinen Freunden konferierte. Während der Sitzung am Donnerstag verließ Loefgren die Sitzung, deren Vorsitz dann Barde inne hatte, um mit dem stellvertretenden High Commissioner zu beraten. Doch sollen die Aussichten auf eine Einigung mit den Moslems gering sein, da der Mufti trotz aller privat und öffentlich an ihn ergangenen Appelle der Kommissionsmitglieder sich vom Anfang der Kommissionssitzungen an unzugänglich zeigte. Von jüdischer Seite werden die Bemühungen der Kommissionsmitglieder nach Erzielung einer Einigung unterstützt und sowohl David Yeשn als auch Dr. Blau, die vor dem Plaidoyer Dr. Eliashs Ansprachen vor der Kommunion hielten, traten in warmen Worten für Einigung und fffferanz ein. David Yellin* Ansprache In seiner efnstündigen Ansprache vor der Kommission wies David Y e 111 n auf den Intoleranten Fanatismus der moslemisehen Agitatoren hin und pries die Im Gegensatz dazu stehende Toleranz ihrer Vorfahren. Er berief sich aut das Schriftwort: ״Es sei kein Streit zwischen uns Vettern“ und führte aus, daß dieses besonders in religiösen Fragen Geltung habe, in denen politische Erwägungen keine Rolle spielen sollten. Zu den Moslems hingewandt sagte er: es ist wahr, daß die islamische Welt entflammt ist, aber ihr seid es, die sie entflammt haben. Er wies dann darauf hin, daß die an den Verhandlungen beteiligte sogenannte persische Delegation zugegeben hat, Persien noch nicht einmal besuchsweise gesehen zu haben und daß die Delegierten von Java zugestanden haben, vom Burak erst jetzt durch die Zeitungen erfahren zu haben. Yellin legte noch einmal Nachdruck darauf, daß keine einzige moslemische Autorität die Identität des Burak mit der Klagemauer stützt, und daß die moslemischen Theologen niemals gegen das Beten der Juden an der Klagemauer Einweisungen erhoben haben. Selbst der Mufti hat ursprünglich nur im Namen der mughrebinischen Anwohner protestiert und nicht wie fetzt im Namen von 300 Milhonen Mohammedanern. Die Moslems haben keinen Zeugen dafür führen können, daß Mohammedaner je an der Mauer gcbetet hätten und sie haben nie etwas dafür getan, die Mauer vor Verunreinigung zu bewahren. Ehe uralten jüdischen Rechte an der Mauer sind nicht auf bestimmte moslemische Herrscher beschränkt, entsprechen vielmehr dem Brauch, der seit Jahrhunderten gilt. YeWn beschloß seine Rede mit der folgenden feierlichen Erklärung: ״Wir etklären vor der ganzen zivilisierten und vor der ganzen islamischen Welt, daß wir nicht beabsichtigen, das Gebiet des Haram esh Slierif oder irgendeine seiner Moscheen anzutasten. Und daß wir aucn nicht danach streben, den Platz vor der Klagemauer in eine Synagoge umzuwandeln oder gegen die Rechte des Wakf zu verstoßen.“ Dr. Blau von der Agudath Jisrael schloß sich der Erklärung Dr. YeHins an. Er sagte, es handle sich um eine rein religiöse Fr a ge, in der alle Juden einig sind. Die Juden fordern keine Eigentumsrechte, sie verlangen lediglieh, das Recht auf ungestörten Gottesdienst zu behalten. Das Plaidoyer Dr. Eliash Der jüdische Vertreter Dr. Eliash verstärkte noch David Yellins Appell an die Moslems, die jüdische Position an der Klagemauer von einem menschlichen Gesichtspunkt aus zu betrachten und befürwortet in leidenschaftlichen Worten eine religiöse Toleranz. Die Juden sind fern davon, die Frage mit Politik zu vermengen. Wir sind in der Sache ganz aufrichtig und wünschen, daß die Mitglieder der Kommission unsere Aufrichtigkeit empfinden mögen. Die Mauer ist von den Juden das ewige Symbol ihrer eigenen Erhaltung und der erhofften Zukunft. Was kann bei dieser Einstellung den Arabern Anlaß zu Beschwerden geben? Wenn es wirklich die Furcht um ihre Heiligtümer ist, welche die Araber zur Opposition bestimmt, dann ist dieses Gespenst jetzt gebannt. Die Heiligkeit der Mauer allein schon hält uns davon zurück, Eigentumsansprüche zu erheben. Wir fordern nur das Recht, daß die Mauer unverletzlich und keinen Veränderungen unterworfen sein soll. Dr. Eliash wies dann den letzthin von moslemischer Seite gemachten Versuch zurück, die Zulassung jüdischer Beter an der Mauer als Sünde gegen das moslemische Religionsgesetz zu bezeichnen und sagte: Ich warne und bitte unsere Gegenseite, nicht mit dem religiösen Fanatismus zu spielen. Wenn palästinensische Moslems in Transjordanien und anderen moslemischen Ländern das Gerücht ausstreuen, daß die Juden den Bau e iner Synagoge am Burak beabsichtigen, während die Juden doch bloß in einiger Entfernung vom Burak stehen, dann bedienen sie sich der gefährlichstenWaf'te. Wenn unsere Gegenseite auf diese Weise Haß schüren will, dann ist sie dazu imstande, das weiß ich. Aber sie sollte es nicht tun. denn sie würde sich damit einer Unwahrheit bedienen. Dr. Eliasn schloß seine Rede mit dem Appell an die Kommission, eine Lösung zustande zu bringen, die sowohl die 300 Millionen Moslems wie auch die Juden befriedigt. Die Schlußreden der arabischen Vertreter Von moslemischer Seite verlas Ahmcd-Zaki Pascha zunächst eine Erklärung in arabischer Sprache, in der die Kommissionsmitglieder im Namen des ״allmächtigen Rechts“ und ״derer, die die Gerechtigkeit lieben“, begrüßt werden und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß ihre Entscheidung unpart e i i s c h sein wird und der Stadt Frieden bringen möge, deren Name den ■Frieden bedeutet. Der Redner, der beansprucht, f>'״• Hunderte von Millionen Moslems, vom Pazifischen bis zum Atlantischen Ozean und von Polen bis zum Kap der guten Hoffnung zu sprechen, sagte, daß alle Moslems entschlossen sind, ihre Rechte an den moslemisehen Heiligtümern zu verteidigen. Er brachte dann die folgende in einer Besprechung der moslemischen Vertreter gebilligten Einspruchserklärung vor: Die überwiegende Mehrheit der palästinensischen Bewohnerschaft erklärt offiziell, daß sie das Mandat unter keinen Umständen-anerkennt und sich daher auch durch keine gesetzliche Ent- Scheidung gebunden fühlt, die aus dem Mandat abgeleitet wird, nocherkenntsiedasJüdischeNationaiheiman. Die palästinensische Nation allein hat das Recht, über die das eigene Land betreffenden Bestimmungen zu entscheiden. Ein Streit um das Eigentumsrecht an gottesdienstlichen Stätten kann nur den kompetenten Stellen zur Entscheidung übergeben werden. Niemand anderer aber ist zur Behandlung solcher Fragen kompetent, als die palästinensische Nation selbst * Die Klagemauerkommission veriießjerusalem Sonnabend Abend. Vertreter der Regierung sowie Vertreter der Juden und der Araber hatten sich zur Abreise der Kommission eingefunden. Loefgren hat in seiner Schlußrede beim Ab- Schluß der Verhandlungen die Anregung gegeben, daß der Kommission bis zum 1. September Vorschläge gemacht werden, die geeignet sind, eine arabisch-jüdische Verständi gang in der Klageipauerfrage• herbeizutühren. Aus dem Unterhaus Der parlamentarische Korrespondent des ״Jewish Chronicle“ berichtet, daß die Bemühungen, die Unterhausdebatte über Palästina noch vor den Parlamentsferien zu haben, von seiten der pro-zionistischen Unterhausmitglieder fortgesetzt werden. Die Entscheidung darüber liegt in der Hand der konservativen Partei, die das Recht hat, von der Regierung einen ״Ergänzungstag“ für eine besonders wichtige Parlamentsdebatte zu fordern. In diesem Monat Strien noch vier solche Tag«, zur Verfügung, davon zwei in dieser Woche. Bisher wurde jedoch nichts Bestimmtes festgesetzt. Die Regierung versuche jedenfalls Zeit zu gewinnen. Es ist von einer gewissen Pikanterie, daß unter den pro-zionistischen Abgeordneten der Arbeiterpartei sich nicht nur, wie unlängst schon berichtet wurde, der Sohn des gegenwärtigen Pnmeministers Malcolm MacÖonald befindet, sondern aucn Mr. Oliver Baldwin, der Sohn des Führers der konservativen Partei und Exprimeminister. Der Korrespondent des ״Jewish Chronicle“ will aus Freundeskreisen des Hauses Baldwin erfahren haben, daß Oliver Baldwin während des Krieges mit stark antisemitischen Vorurteilen nach Palästina ging. Dort begegnete er Mrs. Norman Be nt wich, die Gattin des Justizsekretärs der Palästina- Regierung, die ihn zu einer tiefen pro-jüdischen und prozionistischen *Besinnung bekehrte. Auf dem linken Flügel der Arbeiterpartei bemüht sich der Führer der ״Rebellengruppe“, Mr. Maxton, seine Gruppe zu einer antizionistischen Haltung in der Palästinafrage zu veranlassen. Dies hängt zusammen mit der allgemeinen antiimperialistischen Einstellung dieser Gruppe. Maxton war bekanntlich Präsident der Liga zur Bekämpfung des Imperialismus. Interessant ist jedoch, daß ein Angehöriger der Maxton- Gruppe, Mr. W. J. Brown, eine ausgesprochen pro-zionistische Haltung einnimmt, und insbesondere die Suspension der Einwanderung seitens der Regierung scharf verurteilt. Auch der bekannte Pazifist Norman Angell, der Herausgeber der Zeitschrift ״Fbrelgft Affairs”, ist ungeachtet seiner anti-imperialistischen Einstellung ein warmer Förderer des Zionismus. Südafrikanische zionistische Führer in London London, 16. Juli. (J. T. A.) Die Zionistische Exekutive gab zu Ehren einer Anzahl in London anwesender führender südafrikanischer Zionisten einen Lunch. Der Präsident der Zionistischen Exekutive, NahUffl Sokolow, sagte in seiner Ansprache an die Gäste: Der Sieg des Zionismus ist nicht von der Gunst dieser oder jener Regierung abhängig, obgleich wir die Gunst der Regierung würdigen und ihre Ungunst schwer tragen. Die Kraft des Zionismus liegt im Ziojaismus selbst. Weil der Zionismus gerecht ist, weil wir an die Gerechtigkeit unserer Sache glauben*, sind wir siegesgewiß, weil der Zionismus nicht Unbill für irgendein Volk bedeuten kann, well er jedem Volk Vorteile bringt, weil wir tief in unserem Herzen den Glauben an unsere Sache haben, kann der Zionismus nie sterben. Für die südafrikanischen Gäste sprach Morris Kentridge, der Mitglied des südafrikanischen Parlaments ist und der aortigen Labour-Party-Fraktion angehört. Er sagte: Wir in Südatrika tragen finanziell zur zionistischen Sache großzügig bei, weil wir es als unsere Pflicht ansehen, eine Kompensation dafür zu geben, daß wir, geographisch so weit entrückt, politisch nichts tun können. Aber in Südafrika verstärkt sich das Gefühl, daß die Zeit gekommen ist, neben diesen finanziellen Leistungen auch in irgendeiner Form an der Verantwortung für die politische Arbeit teiizunehmen, und ich glaube, daß die Londoner Exekutive das begrüßen wird. Wir in Südafrika bedauern die jüngsten Ereignisse außerordentlich. Ich als Angehöriger der Labour-Party und mit mir viele Tausende bedauern es besonders, daß die Arbeiter-Regierung die Politik des Jüdischen Nationalheims nicht besser ausführt. Vor der Balfour-Deklaration noch ging von der Labour-Konferenz der Vorschlag des Jüdisehen Nationalheims aus, und die von der Regierung in letzter Zeit eingeschlagene Politik erfüllte uns um so mehr mit Bedauern, als wir 110cl%wissen, daß die Führerder Arbeiterbewegung aktive Befürworter der Politik des Jüdischen Nationalheims waren. Leider neigt die Regierung in ihrem Bestreben, Ungerechtigkeiten vorzubeugen, dazu, selbst ungerecht zu sein, und eher der Gewalt nachzugeben als der Loyalität. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, und sind mehr denn je entschlossen, in unseren Be- Strebungen fortzufahren. Nachdem wir 20 Jahrhunderte ge wartet haben, lassen wir uns nicht durch die gegenwärtigen Sch wierigkeiten abschrecken. Wir haben mit aem britischen Volk eine Eigenschaft gemeinsam. Wir sind ein hartnäckiges Volk, und je größer die Schwierigkeiten sind, desto beharrlicher werden wir. Ich denke, es wird nicht lange dauern, daß man in Großbritannien erkennen .wird, wie senr die Errichtung des Jüdischen Nationalheims dem britischen Volk, selbst, seiner Ehre und seinen wirtschaftlichen Interessen zum Vorteil gereicht. In einem Hause der Jerusalem-Altstadt wurden, in einem Wasserbehälter verborgen, zwei Bomben entdeckt. Der arabische Hausbesitzer wurde verhaftet. Der Wiederaufbau der während der Unruhen des vergangeneu Jahres zerstörten jüdischen Kolonie Art uff wurde jetzt mit einem Aufwand von 20 000 Pfund aus den Mitteln des Palestine Emergcncy Found in Angriff genommen. An Stelle des zuaückgetretenen Lord Peel wurde Lord Allenby zum Präsidenten der Central Asian Society gewählt. Pogrome müssen nicht siattfinden Die antisemitischen Unruhen in Rumänien haben mit einem Schlage aufgehört. Die Maßnahmen der Regierung haben also prompt gewirkt. Diese Tatsache bestätigt die alte Erfahrung, daß in Polizei- und Militärstaaten Pogrome nur dann Vorkommen können, wenn sie von den Behörden geduldet werden. Schon beim Ausbruch der ersten Unruhen nach der Wahl C u z a s in die rumänische Kammer intervenierte eine jüdische Abordnung bei der Bukarester Reglerung und bat um rechtzeitige Vorkehrungen zum Schutze der von den Cuzisten bedrohten jüdischen Bevölkerung. Der Unterstaatssekretär im Innenministerium Attghelescu, der Abstammung nach ein Bulgare aus der Dobrudscha, gebrauchte Ausflüchte und erklärte zwischen den Worten, daß sich die Juden selbst schützen sollen. Er bezog sich hierbei auf einen Vorfall in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Jassy, in welchem die Juden mit Hilfe eines ad hoc geschafftnem Selbstschutzes in kurzer Zeit die antisemitischen Exzedenten zum Städtchen hinausgeprügelt hatten. Die jüdische Abordmmg verstand den Wink Anghelescus, beharrte jedoch auf ihrem Verlangen, daß die Regierung mit ihren Machtmitteln Ordnung schaffe. DiesemErsuchen wurde jedoch nicht Folge geleistet, im Gegensätze zu dem Vorgehen der Regierung Manlu, gleich nach Uebernahme der Macht. Damals bemühte sich Maniu, im Auslande eine Anleihe zum Zwecke der Stabilisfcrung der rumänischen Valuta zu bekommen und tat alles, damit im Auslande der Eindruck erweckt werde, die Regierung Maniu wolle endgültig dem Skandal der antisemitischen Ausschreitungen in Rumänien steuern. Als die Stabilisierungsanldhe perfekt geworden war und sich herausstellte, daß weitere Anleihen im Auslande für Rumänien nicht zu haben seien, hörte der Eifer der rumänischen Regierung in der Bekämpfung der antisemitischen Ausschreitungen auf. Erst mit dem Regierungsantritt Carol II., der sich persönlich im Auslande überzeugen konnte, wie schädlich die antisemitischen Unruhen in Rumänien die Kreditwürdigkeit des Landes beeinflussen, begann ein neuer Kurs. Offenbar trägt sich die rumänische Regierung mit der Absicht, neue Anleihen im Auslande anzufordern. Immerhin soll mit Genugtuung festgestellt werden, daß■ es diesmal der Regierung mit der Bekämpfung der Judenfeinde in Rumänien ernst ist. Der Erfolg ihrer Aktion beweist, daß die bisherigen Ausschreitungezrnur darum möglich waren, weil die Regierung vorher nicht genug energisch war. ln diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, daß die Judenheiten in den einzelnen Ländern sich niemals durch Drohungen ihrer Landesregierungen abschrecken lassen sollen, an die öffentliche Meinung der Welt zu appellieren, wenn die betreffenden Landesregierungen selbst nicht alle Mittel erschöpften, um die Juden zu schützen. In den letzten Monaten kam es in Rumänien mehrmals vor, daß die Regierung die Juden entschieden davor warnte, Nach riehten über antijüdische Exzesseins Ausland gelangen zu lassen. Der rumänische Gesandte in den Vereinigten Staaten verstieg sich sogar gegenüber Vertretern der amerikanischen Judenheit zu Drohungen, daß das rumänische Volk an den Juden blutige Rache nehmen werde, wenn die ״Verleumdungen über antisemitische Exzesse״ in Rumänien nicht aufhören werden. Die amerikanisehen Juden ließen, sich aber nicht ins Bockshorn jagen, sie gaben dem rumänischen Gesandten eine» würdige Antwort. Die gleiche Haltung beobachtete auch das Foreign Committee der englischen Juden. Und es scheint, daß diese Haitung ihre Wirkung nicht verfehlt hat. Damit hat man nicht nur den Juden in Rumänien, sondern auch der rumänischen Regierung selbst einen Dienst erwiesen, indem man sie gezwungen hat, an stelle der Toleranz gegenüber dem antisemitischen Mob Festigkeit treten zu lassen.ן Sport-Verbindungen zwischen Jaden und Arabern Auf Einladung des Sportklubs ״Renaissance“, Beirut, stattete ihm die palästinensische Gruppe ״Makkabi Tel- Awiw״, Besitzerin des palästinensischen Pokals, am 13. Juni einen Gastbesuch ab. Die Makkabi-Gruppc wurde von der arabisch-syrischen Gruppe sehr freundschaftlich aufgenommen. Am 14. und 15. Juni fanden Wettspiele statt. Die arabische Presse in Syrien lobte das schöne Spiel des palästinensischen Makkabi. Anläßlich des Abschiedsfestes drückten die arabischen und jüdischen Vertreter die Hoffnung aus, daß ein enger freundschaftlicher Kontakt zwischen den beiden Gruppen bestehen bleiben und friedliche Beziehungen zwischen beiden Völkern auf anderen Gebieten fördern werde. Am 27. Juni stattete die arabische Sportsgruppe aus Beirut einen Gegenbesuch in T ei-Awiw ab. Die Gäste besiehtigten Tei-Awiw und seine Umgegend, sowie verschiedene jüdische Institutionen. Am 28. und 29. Juni fanden Wettspiele statt, das erste unter den Auspizien des französischen Konsuls und des stellvertretenden Bürgermeisters von Tel- Awiw. Zahlreiche Regierungsbeamte und Militärs waren anwesend. — Die arabische Presse Palästinas greift die syrischen Sportler heftig an, daß sie der jüdischen Einladung nach Tel- Awiw gefolgt sind. Dies bedeute eine Brüskierung ihrer palästinensischen Konnationalen und eine Irreführung des Auslandes, das meinen werde, es bestehe freundschaftlicher Verkehr zwischen Juden und Arabern. Ans Theodor Herzl’s Stadentenzeil In seinpm 1m ״Neuen Wiener Journal“ veröffentlichten ״Tagebuch“ erzählt Hermann Bahr: ״. . . An der Universität trat ich einer Burschenschaft bei, deren Stolz Theodor H e r z 1 war. Zwei Semester später beschloß eine Burschenschaft — die der SilesenJIwenn ich mich recht besinne —, fortan Juden nicht mehr aufzunehmen. Das Beispiel war ansteckend, auch meine Kameraden eilten nachzufolgen und Theodor HerzI wurde verständigt, daß er entlassen war. Den Antrag, antisemitisch zu werden, stellte ein Jude, der sich bald darauf erschoß, einen Brief an unsere Burschenschaft zurücklassend, worin es hieß, zu leben lohne sich als Deutscher, in den sich aber kein Jude, mag er sich auch noch so redlich bemühen, jemals verwandeln kann. Theodor Herzl gestand mir viele Jahre später, daß jenes Erlebnis in unserer Burschenschaft den ersten Stein zu seinem Zionismus legte, ln mir hielt der Antisemit de rigueur nicht lange vor, unter meinen besten Freunden ist eine Reihe von Juden. Einer von ihnen sagte mir allerdings einst gelegentlich: ,,Du bildest dir nur ein, kein Antisemit zu sein, aber wenn morgen einer deiner jüdischen Freunde sich gemein gegen dich benimmt, wirst du sagen, man soll sich eben doch mit Juden nicht einlasscn! Die Gemeinheit eines einzelnen Ariers aber wirst du niemals der Gemeinschaft sämtlicher Arier ankreiden!‘ Ich muß gestehen, daß es mir schwer fiel, zu widersprechen; ich verstummte.“

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