Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 57 (22.7.1930)
- Date
- 1930-07-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1930 lannscha fl (1. Es ist icho statt- גי׳ in Ant- 11«ton und Hatiplverarger Bar so erfreu- I zwinlen rronstaf fol rh in der V'ettläutVn ,r durchs?er ti.K.- ton konnte 53 m als ochba-Exdien noch teilte, mit M. S. Synagogen Synagogen Dr. Berg- 1 Synagon 19. Juli rige Syn- 1r, Frühm Jlit us: r, Haupt- 'redigten:!nn; Syn- ׳ Koretz; ,14 Uhr, her Verd-Gottes-. parterre, Mädchen- 110a Syniaiserstr., tner Str., ל Uhr. itiiimimiu!e.V. ich? erraase, «5 1 S l £ fisguag. iu 1!Bend c a«sl)je | asser. 1 JIUIlllllll | iie j )6/97 | allem § rmes E Lift § dirift | ן* ■» | imitmii K3CEK tmm b. JO Pogrome müssen nicht staUflnden Einzelnummer OßS Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark, Aualandsabcmnetnents werden in der Währung der einzelnen Linder berechnet. Anzeigenpreis: B gesp- NonpareiUezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.tn.b.H., BerlinW15, Meinekestr.lO Telephon: Jl Bismarck 716570־. Pont check ״Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032 Brüssel 394 33, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140 4 70, Prag 594 10, Riga 4155, Strassburg 164 30, Warschau 190708, Wien!56 030. Bank •Konten: Darmstädter und Nationalhank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Banca de Est, Ceroauti (Rumänien); Anglo Palwitine Co. in Haifa, ferusalem, Tel -Aviv. Nummer 57 | Berlin, 22. VII. 1930 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ו תמוז׳ תר״צ | xxxv. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In PalSstlna. ״Baseler Programm." iNliron u« Eimguig aammi Die Schlußreden der Parteien — Versöhnliche Haltung der Juden - Intransigenz des Moslems Lukes Nachfolger Der neue Chefsekretär der Palästina ־ Regierung Das englische Kolonialamt teilt mit, daß Mark Aitchison Y o u n g, Colonial Secretary in Sierra Leone, als Nachfolger von H. C. Luke zum Chefsekretär der Palästina-Regierung ernannt worden ist. Der Name des neuen Chief Secretary ist bisher im Zusammenhang mit Palästina völlig unbekannt. Es scheint sich also um einen Mann zu handeln, der erst an Ort und Stelle seine Kenntnisse der spezifischen Probleme Palästinas erwerben wird. Ohne über die Persönlichkeit Mr. Youngs ein Urteil abgeben zu wollen, darf man doch wohl feststellen, daß sich schon in dieser Art der Ernennung leitender Beamten für Palästina ein schwerer Mängel des Systems zeigt. Nach Indien würde England wohl keinen höheren Beamten gehen lassen, der nicht ein genaues Studium der dortigen Probleme hinter sich hat.’ Nun kann man wohl Palästina an Größe nicht mit Indien vergleichen, aber die Sonderart des dort vorliegenden Problems hebt Palästina ebenso sehr ab von der allgemeinen Routine des englischen Kolonialebenstes wie etwa Indien. Es ist zu hoffen, daß der neue Mann genügend innere Unabhängigkeit und offenen Sinn hat, um in Palästina aus eigener Erfahrung die verantwortungsvolle politische Aufgabe zu erkennen. ~ ■% Die ReicbstagsaaOSsnng Die Reichstags-Auflösung läßt in diesem Jahre keine Ruhepause in der politischen Verhetzung eintreten. Sonst pflegten in den Monaten Juli und August die Radikalen aller Richtungen ihre Tätigkeit in Sommerfrischen und Kurorte zu verlegen, wo sie einen Kampf der Wimpel und Farben austrugen. Demonstrationen, Versammlungen blieben der Bevölkerung erspart. Diesmal wird es anders werden. Der Wahlkatnpf für den neuen Reichstag setzte sofort nach der Reichstagsauflösung ein und selbstverständlich erschienen sofort die Elemente auf dem Plan, die sich bei der neuen Wahl die größten Erfolge versprechen, die Nationalsozialisten. Es heißt, daß sogar ein stillschweigendes Bündnis zwischen ihnen und der Richtung Hugenberg abgeschlossen wurde, desselben Hilgenberg, in dessen ״Lokalanzeiger׳‘ und .,Nachtausgabe“ um intellectus, sonder« auch ein Opfer an Charakter bringen. Ob dem Hugenberg dieses Bündnis helfen wird, ist fraglich. Sicher aber werden die Nationalsozialisten große Erfolge erringen. Die sächsischen Landtagswahlcn, bei der sie ihre Mandatszahlen verdreifachten, lassen auch für die Reichstagswählen nichts Outes erwarten, ln diesem Wahlkampfe wird die Judenfrage das Schibbolet sein, nach dem sich die Parteien scheiden werden. Leider ist vorauszusehen, daß sich jede Partei ängstlich hüten wird, in der Judenfrage Farbe zu bekennen, d. 11. keine Partei wird der vorauszitsehenden blutlünstigcn antisemitischen Hetze der Nationalsozialisten entgegen treten. Selbst bei den proletarischen Parteien besteht die Gefahr, daß sie, wie übrigens die letzten Wahlen bewiesen haben, stillschweigend der antisemitischen Massen- Stimmung Rechnung tragen und Konzessionen machen. Als Juden blicken wir den kommenden Wahlen mit Besorgnis entgegen. Die Verhältnisse in Deutschland sind im gegen- «׳artigen Augenblick trübe, und eine alte historische Erfahrung lehrt uns, daß die Juden für alles Ungemach in der Welt als Sündenbock herhalten müssen. in aller Kürze Dr. Weizinann hat sich vorige Woche zu einem kurzen Erholungsurlaub nach Frankreich begeben. Wie aus Jerusalem telegraphiert wird,,beabsichtigt Sir John H o p e - S i m p s o n am 27. d. M. Palästina zu verlassen. ln Jerusalem hat sich aus Vertretern aller jüdischen Wohnviertel der Stadt eine Vereinigung mit der Bezeichnung ,,H atoscha w“ (Der Bürger) gebildet, mit dem Zweck, gesetzliche Schritte zu unternehmen, um die Errichtung einer gesonderten jüdischen Stadtverwaltung in Jerusalem zu erwirken. In Beantwortung einer Anfrage von Ben Tillet sagte der englische Außenminister Henderson im Unterhaus: der französischc Botschafter ist dahin informiert worden, daß die britische Regierung bereit ist, den Streit wegen der Konzession zur Ausbeutung der Tote-Meer-Salze einem S c h i e d s - ge rieht zu übertragen, unter der Voraussetzung, daß die französische Regierung bereit ist, gewissen Bedingungen zuzustimmen. Wie die JTA. erfährt, sind die berüchtigten Antisemitenführer Danila und Totu in Bukarest verhaftet worden. Sie wurden jedoch auf freien Fuß gesetzt. Bukarester Pressemeldungen zufolge wurde der Kabinettchef des Ministeriums des Innern, Tarlojanu, mit sofortiger Wirksamkeit seines Amtes enthoben, da er nach den Ausschreitungen von Suczawa die antisemitischen Studentenführer Totu und Danila in seiner Wohnung verborgen gehalten habe. Der Chefredakteur der jiddischen Tageszeitung ״Der Morgen“ in Lemberg, Dr. Abraham 1 n s 1 e r , ist auf Grund der Auszählung der vor einigen Wochen bei einer Ergänzungswalu in Ostpolen abgegebenen Stimmen auf der Reichsliste 7um Sejmdeputierten gewählt. Dr. Insler ist radikaler Zionist. Ende Juni traf in Haifa eine Handelsdelegation der Reierung von Cypern ein zwecks Förderung der Hanelsverbindungen zwischen Palästina und Cypern. Die Delegation besuchte die wichtigsten jüdischen Industriebetriebe in Haifa und Tel-Awiw. Die Verhandlungen vor der internationalen Klagemaucrkommission sind am vergangenen Donnerstag zu Ende gegangen. In den letzten Verhandlungstagen hat der Vorsitzende Herr Loefgrcn sich in dankenswerter Weise bemüht, eine gutliehe Einigung zwischen den Parteien zustande zu bringen. Fine Basis für die Einigung ist gegeben, da die autoritativen jüdischen Vertreter in unzweideutiger Weise vor der Kornmission feierlich erklärt haben, daß es den Juden fernliegt, das Eigentumsrecht des Wakf a n z u - tasten und daß sie auch nicht beabsichtigen, auf dem Vorraum vor der Mauer eine Art Synagoge einzurichten, deren Duldung nach Ansicht der Moslems ein Präjudiz schaffen würde. Durch diese Erklärungen, vor einem solchen Forum abgegeben und daher von nun an der Kontrolle der internationalen Welt unterliegend, müßten alle etwa noch bestehenden Befürchtungen der Moslems endgültig beseitigt worden sein. Denn auch die Befürchtung, daß eine Tolerierung der Juden ein Gewohnheitsrecht schaffen könnte, auf das sich die Juden später berufen könnten, um Eigentumsrechte an der Mauer zu reklamieren, wird durch diese jüdischen Erklärungen, die in dem Protokoll des Völkerbundes aufbewahrt werden, gegenstandslos. Was nunmehr von den Juden noch gefordert wird, ist nicht mehr als Toleranz: das Recht, an einem ihnen zwar nicht gehörigen aber ihnen heiligen Platz zu beten. Ein solches Recht nicht zu gewähren, verstößt gewiß gegen die Gebote einer höheren Menschlichkeit. Trotzdem scheint auf moslemischer Seite keine Neigung zu bestehen, selbst auf einen solchen Vergleich, der alle moslemischen Rechte sichert, einzugehen. Es ist klar, daß diese Weigerung keinen religiösen, sondern politischen Motiven entspringt. Der Mufti von Jerusalem ist nicht nur religiöses Oberhaupt, sondern vor allem politischer Führer und extremer Nationalist. Für ihn ist ..׳eine״.gütlich®♦׳fieilegttBg dieses־..Ä#3fliktes, auch wenn '.die Juden hacfigeben, heute unerwünscht, Weil er den Klagemauerkonflikt als wichtiges Agitationsmaterial benötigt. — Er ist offenbar der Ansicht, daß — solange'die politischen Gegen- Sätze in all ihrer Schärfe Jjestehen — auch in einer Einzelfrage kein Separatfriede geschlossen werden soll. Hier zeigen sich die verhängnisvollen Folgen der Tendenz, die Klagemauersache zu einem Politikum zu machen. Es entsteht nun die Frage, ob die ausländischen Moslems, deren Delcgationen gegenwärtig in Jerusalem weilen, sich der intransigenten Haltung des Mufti anschließen werden. Diese moslemischen Vertreter müssen sich doch nun durch den Augenschein überzeugt haben, daß die Heiligtümer des Islam, die Omarmoschee und die Aksa-Moschee, völlig unverletzt sind, daß die Juden keine Absicht haben, diese Heiligtümer anzutasten und daß sogar die jüdischen Forderungen in bezug auf die Klagemauer sehr gemäßigte sind und kein moslemisches Recht verletzen. Es wäre zu wünschen, daß diese Delegationen in ihren Heimatländern berichten, was sie gesehen und gehört haben. Und vielleicht darf man hoffen, daß diese Moslems, die nun einmal in den Prozeß hineingezogen wurden, ihren Einfluß in einer Richtung geltend machen, die einem rein religiösen Interesse entsprechen würde. Kommt eine Einigung nicht noch in letzter Stunde zustande, wozu die Juden gewiß ihre Hand bieten werden, dann muß der Sprach der internationalen Kommission abgewartet werden. Auch für diese Entscheidung wird jedenfalls die Tatsache ins Gewicht fallen, daß die Juden ihre Bereitschaft zur Respektierung des bestehenden Rechtszustandes in dieser nachdrückliehen Weise bekundet haben. * Nachstehend die vorliegenden Berichte über die letzten Tage der Verhandlung: Neuenideckte türkische Dokumente Jerusalem, 15. Juli. (]. T. A.) In der Sitzung der Klagemauer-Kommission am 14. Juli wurden von jüdischer Seite neue wichtige Dokumente vorgelegt, die bei der Durchforschung türkischer Archive in Konstantinopel von einem Beauffragten der Jewish Agency, R. A. Lebanon, entdeckt warden. Es handelt sich um Firmane (kaiserliche Verordnungen) der Sultane Abdul Medschid und Abdul Hamid aus den Jahren 1841, 1889 und 1893. ln dem Firman von 1841 werden dem ersten Oberrabbiner, dem Chacham Bascha Abraham Chajim Gajin, nach Wiedereroberung Palästinas durch den Sultan Abaul Medschid aus der Hand Mohamed Alis von Aegypten im Jahre 1840 besondere Rechte und Privilegien zu erkannt. In diesem Edikt verbietet der Sultan den türkischen Soldaten., die Juden bei der Ausübung ihrer Religion zu belistigen und verfügt, daß die Juden das Recht haben sollen, in ihren Synagogen oder an anderen Bet- oder Pilgerstätten ihren Gottesdienst frei abzuhalten und ihr Ritual auf ihre Weise zu erfüllen, wobei sie niemand hindern darf. Der Erlaß wurde bei der Bestellung der nachfolgenden Oberrabbiner, zuletzt im Jahre 1893 erneuert. Das Dokument zeigt klar die türkische Haltung gegenüber den Stätten der jüdischen Religion einschließlich der Klagemauer. Die Nachforschungen Lebanons förderten ferner verschiedene andere Dokumente zutage, die den Wortlaut der erwähnten Firmane wiederholen und jedesmal vom Obersten Staatsrat bestätigt sind. Dieser Rat stand unter dem Vorsitz des obersten Muftisdes Staates, dessen Rang.und Würde zu jener Zeit ungefähr der eines Ministerpräsidenten entsprach. i Die Kommission vernahm weiter zwei christliche Patres als Zeugen des Anwalts der arabischen Sache. Der eine, Pöre Dressair vom Orden der Assumptionisten, bezeugte, er habe die Klagemauer häufig besucht, habe aber nie Geräte gesehen. Pater Haidette vom Franziskaner-Orden, der seit 1880 in Jeru־ salem ansässig ist, machte eine ähnliche Aussage, bestätigte aber, Lampen gesehen zu haben; er sagte auch, er habe die Bezeichnung eL Burak für die Klagemauer nie gehört. Der Sitzung wohnte eine Delegation von acht transjordanisehen Not abein bei, darunter der Präsident des transjordanischen Gesetzgebenden Rates. Fünf vom arabischen Anwalt als Zeugen geführte Christliehe Geistliche sagten übereinstimmend aus, daß sie als häufige Besucher der Klagemaucr keine von den Gegenständen gesehen hfben, von denen die Juden behaupten, daß ihre Verwendung an der Mauer üblich ist. Nach ihnen wurde Scheich I s m a e 1 Abdul, der oberste Richter des Moslemisehen Gerichtshofes in Jerusalem (Sharai) über die Unverletzlichkeit des für Wohltätigkeitszwecke gestifteten Wakf- Eigentums vernommen. Die Vernehmung des Scheich Abdul leitete Mohammed Ali Pascha, ein ägyptischer Jurist. Der Zeuge versuchte zu erweisen, daß keiner Macht der Well das Recht eingeräumt ist, die Bestimmungen der moslemischen Wohltätigkdtssfiftungen abzuändern. Das gilt auch für jeden König oder Kalifen und für jede durch Nichtmoslems getroffene Entscheidung. Die Aussage des Scheichs gipfelte in einer Verherrlichung der Heiligkeit der Aksa-Moschee und der sie umgebenden Mauern. Er argumentierte, daß die Mauern der Moschee Teile der Moschee sind, und daß die für eine Mauer geltende Regel auch für die andere gilt. Die Zeugenaussage enthielt eine verschleierte Warnung an die Kommission, sich auf den im jüdischen Memorandum enthaltenen Vorschlag einzulassen, demzufolge die jetzt dem Mughrabi-Wakf gehörigen Grundstück! geräumt und die Wakf-Behörden als Ersatz ein neuäs Gehäude an einer passenden Stelle in Jerusalem erhalten sollen. Der Scheich legte Nachdruck darauf, daß Niditmoslems jflätsehen Gottesdienst aut Wakf-Eigentum nicht erlauben dürften, nicht nur weil das den Bedingungen der Schenkung widersprechen würde, sondern auch deshalb, weil der jüdische Gottesdienst den moslemischen beeinträchtigen würde. Nach Anhörung der Aussage des Scheich beschäftigte sicli die Klagemauerkommission den ganzen Tag über mit einer ins Einzelne gehenden Analyse des m o s 1 e,m i s c 11 e n Kfrchenrechtes, insofern cs Regelungen über das Wakf-Eigentum enthält. Dschemal Hussein{ als Zeuge Nachher wurde Dschemal Hussein i, der Sekretär der arabischen Delegation in London vernommen. Dschemal sagte, daß er an der Klagemaucr Gegenstände von der Art, wie die Juden sic dort benutzt zu haben” behaupten, nicht gesehen habe und daß ihm nicht bekannt sei, daß die Juden vor dem Jahre 1919 an der Klagemauer gebetet haben. Die von der Palästina-Regierung im vergangenen Jahre verfügten provisorischen Regelungen haben die Arabische Exekutive so sehr aufgebracht, daß sie den transjordanischen Arabern Mitteilung machte, die Juden wollen den Platz vor der Klagemauer i n eine Synagoge um wand ein. Dadurch wurde eine große Erregung in Transjordanien verursacht, die eine sofortige Zusammenkunft des britischen Residenten in Transjordanien, Colonel Cox, mit dem damaligen Chief Secretary H. C. Luke notwendig machte. Luke bat damals Dschemal Husseini, das Telegramm der Arabischen Exekutive abzuändern. Es wurde dann der Proteststreik in Palästina und Transjordanien gegen die provisorischen Regelungen veranstaltet. An dieser Stelle unterbrach der Vorsitzende der Kommission Loefgren den Zeugen und sagte: Die Shaw-Kommission war sorgfältig darauf bedacin, alles was mit den Rechten und Ansprüchen an der Klagemauer zusammenhängt, von ihren Verhandlungen auszuschließen. Unsere Pflicht ist es, unter Ausschluß aller politischen Fragen allein diese Rechte zu untersuchen. Es ist bedauerlich, daß die Arabische Exekutive sich der gesetzlichen Verordnung der Palästina-Regierung, in der der jüdische Gottesdienst an der Klagemauer provisorisch geregelt wurde, widersetzt hat. Die Kommission aber kann sich davon nicht beeinflussen lassen. Sie hat die Klagemauer- Frage als eine Rechtsfrage zur Beurteilung, übernommen und wird sich durch Drohungen nicht beeinflussen lassen. Der Vorsitzende Loefgren sprach dann die Hoffnung aus, daß die beteiligten Parteien zu einer gegenseitigen V e r s t ä n - digung gelangen werden und daß die Entscheidung der Kommission ohne Furcht oder Haß befolgt werden wird, mit der gegenseitigen Achtung, die den beiden großen Teilen der Bevölkerung des Landes zukommt. Die Austage des Disirikfsgouverneurs Am 16. Juli wurde der Distriktsgouvcmcur von Jerusalem Keith-Roach als erster Zeuge aus Regierungskreisen vernommen. Keith-Roach war es"bekanntlich, der am Jom Kippur 1928 die Beseitigung der Scheidewand und der Bänke anordnete. Er sagte, das Wachstum der jüdisehen Bevölkerung seit der britischen Okkupation Palästinas sei die eigentliche Ursache des Klagemauerstreites. Das türkische Regime befolgte eine Politik des laisser-faire, weil die Zahl der die Klagemaucr besuchenden Juden gering war. Er bestätigte, an der Klagemauer früher Feldsessel gesehen zu haben, deren Gebrauch die Palästina-Regierung duldete bis die neuen Regelungen des High Commissioners Sir John Chancellor in Kraft traten. Keith-Roach ist der Meinung, daß in der Art der jüdischen Gottesdienste an der Mauer im Laufe seiner Amtszeit gewisse Verandcrungen vor sich gegangen sind. Der zu! Trennung zwischen