Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-07-18 · Heft 56 (18.7.1930) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 56 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653209--21705-2679834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 370 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 50, 18. VII. 1930 zwischen Wort und ■Tat. jetzt, da die Juden aus dem Schlaf der Vertrauensseligkeit erwacht sind, können sie diesen Widerspruch zwischen Wort und Tat, den England sich in seiner Politik dem Zionismus gegenüber erlaubt hat, nur als tiefste Beleidigung empfinden. Man behandelt die Juden auf einmal wie einen Indianer-Stamm, den matt mit billigem Glasschmuck betören kann und nicht wie ein altes Kulturvolk, nicht wie ein Volk von 17 Millionen Juden, unter dem es keine Anaiphabeten gibt, und das genug Schärfe des Geistes besitzt, um die wahren Motive der neuen Entdeckungen, die England in bezug auf Palästina machte, zu erkennen. Die Schwierigkeiten in Palästina sind erst dank der unentschlossenen Politik Englamis derart gewachsen. Die Araber hätten sich mit dem Zionismus leichter abgefunden, hättest die englischen Beamten sie nicht durch Trägheit und heimlichen Unwillen zum Widerstand ermutigt. Und auch die momentane Stimmung unter den Mohammedanern Indiens kann nicht so ins Gewicht fallen, daß es sich gelohnt hätte, den Ruf einer großen Nation aufs Spiel zu setzen. England hat also keine gewichtigen Gründe, sich seiner internationalen Pflicht zu entledigen/ Wenn das Recht der Juden, in Palästina ihr Nationales Heim atifzubaucn, unerschütterlich ist, und andererseits die Araber in ihren Lebensinteressen dadurch nicht betroffen werden, so muß jede Rücksicht auf andere arabische Aspirationen ausgcschaltet werden. Arabische Reiche von ungewöhnlichem Ausmaß sind entstanden; für das Kultur- und geistige Leben der Araber ist die Möglichkeit der größten Entfaltung gegeben. Kein sophistisclier Politiker, kein noch so gewandter Advokat wird die Stärke der zionistischen Argumentation erschüttern können. Wir selbst leider sind nur nicht immer unserer moralischen Stärke voll bewußt. Nicht die Tatsache der großen Leistungen allein, sondern unsere ursprünglichen Rechte und die Rechte, die man uns feierlich verkündet hat, bilden unsere Kraft. Sie hervor/uheben, auf sie immer wieder hinzuweisen, muß unsere Aufgabe sein. Und vor allem müssen wir Protest erheben gegen die Annahme, daß wir so dumm und unpolitisch sind, um nicht das Unfaire in der Tatsache zu gegreifen, daß man einerseits auf die Unantastbarkeit des Mandates schwört und daß andererseits alles getan wird, was einer Ver- Ictzung des Mandates gleichkommt. * Auf das Unfaire des Widerspruches zwischen Wort und Tat hat nun auch die Welt ihre Aufmerksamkeit gelenkt. Es besteht die Aussicht, daß das Interesse der öffentlichen Meinung der Welt für die Bestrebungen und Ziele des Zionismus an Stärke gewinnt. Das Gebot der Stunde ist nun, die für uns nicht ungünstige Atmosphäre dieser öffentlichen Mdnung der Welt auszunützen und in möglichst großzügiger Weise eine Propaganda des Zionismus zu entfalten und dem englischen Volke die Zermürbungspolitik, die seine Regierung dem Zionismus gegenüber eingenommen hat, klar zu machen. Es dämmert auf. Die gewaltige Blöße, die die englische Regierung durch die letzte Immigrationsverordnung sich gegeben hat, hat nicht nur die jüdischen Massen in Empörung versetzt, sie hat auch die übrige Welt recht stutzig gemacht. Auch die indifferentesten erinnerten sich auf einmal, daß mit dem Begriffe der Errichtung eines Nationalen Heimes für das jüdische Volk die Vorstellung von offenen Toren verbunden sein muß. Nutzen wir diesen natürlichen und leider so spät eingetretenen Umschwung der öffentlichen Meinung aus, indem wir eine Offensive entwickeln. Nicht gegen England, sondern indem wir auf England einzuwirken versuchen, und an die Edlen Englands und das englische Volk appellieren. Dem Präsidenten der Zionistischen Organisation sei es erlaubt, den ״anzen Unmut und Zorn nur in knappen höflichen diplomatisehen Worten wie:: ,,Ohne Boden, ohne Menschen gibt es kein Nationalheim״ auszudrücken. Die Juden aber, die in weniger verantwortlicher Position sind, müssen Rückschau halten über diese 12 Jahre, die eine immerwährende und planmäßige Entfernung von den klaren Pflichten des Mandats, eine Kette von Demütigungen für das jüdische Volk waren, Demütigungen, die 1'n den letzten Maßregeln ihren Gipfel erreichten. Das jüdische Volk ist weit davon entfernt, gegen England zu hetzen. Es braucht England als Freund für Palästina wie auch für die Diaspora. Aber in dem schmerzlichen Konflikt, der zwischen uns und England jetzt ausgebrochen ist, ist das Urteil der öffentlichen Meinung der Welt von großer Wichtigkeit. In unserem Kampf für den Zionismus, einem Kampf, der in seiner ganzen Stärke vielleicht jetzt erst beginnt, müssen wir jede günstigere Atmosphäre der öffentlichen Meinung in vollem Maße ausnützen. Und verständlich ist es auch, wenn wir trotz aller bitteren Erfahrungen aus der Stärkung der Sympathie für den Zionismus einigen Trost schöpfen und — wenn auch nicht ohne starke Hemmungen — sogar für die Gültigkeit des Herzi’schen Spruches, wonach die Welt letzten Endes doch eine Richterwelt ist, einzutreten bereit sind. Weltkonferenz der Radikalen Aus einem Kommunique des Zentralbüros der Radikalen Zionisten. Die zweite Weltkonferenz der Radikalen Zionisten hat am 13. und 11. Juli in Lemberg stattgefunden. An der Konferenz beteiligten sich 140 Delegierte aus 11 Ländern (Kongrefipolert, Westgalizicn, Ostgalizien, Deutschland, Oesterreich, Tschechoslowakei, Altnimänien, Bukowina, Beßarabien, Schweiz und Palästina), j. G r ü 11 b a 11 m und R. Stricker erstatteten Referate über die politische Lage im Zionismus. Es ergab sich eine gewisse M e i n ti 11 gs d 1 f f e r e n z in bezug auf den Charakter der oppositionellen Einstellung zu der jetzigen zionistischen Leitung und hinsichtlich der Taktik der radikalen Gruppe in der gegenwärtigen Situation. Zwei Strömungen kamen zum Ausdruck: eine schärfere, geführt von den radikalen Gruppen in *Oesterreich, Rumänien und einem kleinen Teil der polnischen Delegierten sowie eine gemäßigtere, der sich die Majorität der Vertreter aus Kongreßpolen, Galizien, Deutschland, der Tschechoslowakei anschiossen. Die Generaldebatte beschäftigte sich in erster Reihe mit den Problemen der gegenwärtigen außenpolitischen und innerzionistischen Lage. Es wurde dann eine Kommission gewählt, die zur einstimmigen Annahme folgender, von der Konferenz einstimmig angenommenen Deklaration gelangte: 1״. Die zweite Weltkonferenz der Vereinigung Radikaler Zionisten tritt in einer Stunde höchsten Ernstes und schicksalsschwcrer Bedeutung für die zionistische Bewegung zusarnmen. Die gegenwärtige politische Situation stellt eine Bcdrohung der gesamten Aufbauarbeit in Palästina und der Verwirkliclning des Zionismus dar. Die Politik der britischen Regierung seit den August-Unruhen 1029 wird charakterisiert durch ein schrittweises' Zurückweichen vor dem Terror und den brutalen Gewaltmitteln der arabischen Politiker und eine dauernde Preisgabe der wichtigsten Inhalte des Mandates; sie hat ihren Höhepunkt gefunden in der Suspendierung der Chahizimmigration nach Palästina aus rein politischen Gründen, was cii|: flagrante Verletzung des Mandates darstellt. Der Charakter der Mission von Sir John Hope-Simpson, 41er auf Grund einer Untersuchung der gegenwärtigen Lage in Palästina ohne die Möglichkeit der Berücksichtigung der schöpferischen Energien des jüdischen Volkes das Schicksal unseres Aufbauwerkes bestimmen soll sowie die in der Deklaration der englischen Regierung vor der Mandatskommission (Whitepaner) dargelegten Prinzipien, basierend auf der unrichtigei! Behauptung, daß zwischen der Verpflichtung der Mandatarmaclit zur Sicherung des Aufbaus des Jüdischen Nationalen Heims und der Aufgabe der Wahrung der bürgerlichen und. religiösen Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas Widersprüche bestehen, zeigen die deutliche Tendenz, das Ausmaß der jüdischen Aufbauarbeit zu verkleinern und sich der klaren Verpflichtung zur aktiven Förderung derselben zu entziehen. Diese britische Politik bestätigt alle die Warnungen, die wir Jahre hindurch ausgesprochen haben. Jahrelang, und sogar noch nach den August-Ereignissen 1929, hat die zionistische. Politik, haben ihre leitenden Repräscntanten und die Majorität, auf die sie sich gestützt haben, diese Warnungen nicht beachtet und geglaubt, durch den Verzicht auf eine rückhaltlose Kritik der englischen Politik in Palästina und die Zurückstellung wichtigster zionistischpolitischer Forderungen sich die Möglichkeit ungestörter praktischcr Aufbauarbeit sichern zu können. Dieser Glaube hat sich als eine Illusion erwiesen, denn die jetzige Situation zeigt, daß die britische Regierung auf dem Wege der langsamen Aushöhlung des Mandats bis zu einer direkten Behinderung der Ausbreitung der jüdischen Aufbauarbeit gclangt ist. Damit ist der Zusammenbruch des politischen Systems, daß der von Dr. Weizmann und den von ihm geführten Exekutiven in all den Jahren betriebenen Politik zugründe gelegen hat, offensichtlich geworden, eine Erkenntnis, aus der auch Dr. Weizmann in seinem Verhalten gegenüber den letzten Handlungen der britischen Regierung die Kon- Sequenzen ziehen mußte. 11. In dieser schweren politischen Krise der zionistischen Bewegung drohen ihr neben all den äußeren schwerwiegende innere Gefahren seitens bestimmter innerzionistischcr und innerjüdischer Erscheinungen. Strömungen wie der Brith Schalom und ähnliche Tendenzen in anderen zionistischen Gruppen, die zu einer Preisgabe der fetzten politischen Ziel- Setzungen des Zionismus bereit sind, bedrohen die Stärke find Einheitlichkeit der inneren moralischen und politischen Front der Bewegung, diskreditieren die zionistische Politik sowie die Zionistische Organisation und gefährden die stärkste Quelle unserer Kraft: den Glauben an die letzten Ziele des Zionismus und an die Möglichkeit ihrer Verwirklichung. Gerade in dieser Zeit, da das ganze Problem des Zionismus und der Judenfrage vor der .gesamten internationalen Oeffentlichkcit aufgerollt worden ist, ist es höchste Notwendigkeit, den Charakter des Zionismus als der großen historischen Bewegung zur Lösung der Judenfrage erneut zu proklamieren und jeden Versuch der Verkleinerung seiner Ziele abzuwehren. Nur der integrale Zionismus, der sich die Aufgabe stellt, die 2000jährige Judenfrage zu lösen, kann im jüdischen Volke die ungeheuren Energien wachrufen, die Beniner zionistische vereinisung Dienstag, den 22. Jul! 1930, abends 8*/2 Uhr in den Musikerfestsälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 31 Herzi-QedenKfeier Ansprachen: Alfred Berger / Dr. Nahum Goldmann zu seiner Verwirklichung nötig sind und kann für die nichtjüdische Welt politische Bedeutung haben. Nur im Namen dieses Zionismus haben wir das Recht, an die Völker der Welt zu appellieren und ihre Mithilfe zu fordern bei der Ueberwindung der vielen natürlichen Widerstände auf dem Wege der Verwirklichung des Zionismus. Daher rufen wir die gesamte zionistische Bewegung zum Kampfe auf gegen alle solchen liquidatorischen Tendenzen, sei es innerhalb der Zionistischen Organisation, sei es innerhalb der Jewish Agency. III. Das Problem der jüdisch •arabischen Beziehungen in Palästina, das im letzten Jahre in den Vordergrund des Interesses und der Diskussion der zionistischen Oeffentlichkeit getreten ist. erfordert die grüße Aufmerksamkeit und ernsthafteste Behandlung. Alle ’ zionistischen Gruppen sind sich einig in ihrem Willen, ein friedliches Zusammenleben und eine auf gegenseitiger Achtung beruhende Kooperation mit den Arabern herbeizuführen. Aber Voraussetzung hierfür ist der gleiche Wille auf arabischer Seite und in erster Reihe ihre Bereitschaft zur Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes auf die Errichtung seines Nationalen Heims in Pa- Listina. Solange eine solche Anerkennung nicht erfolgt ist, sind politische ׳Verhandlungen mit den arabischen Führern in Palästina unmöglich. Jeder Versuch einer Aendernng der Regierungsformen in Palästina in der gegenwärtigen Situation in 41er Richtung der parlamentarischen Selbstverwaltung des Landes ist für den Zionismus inakzeptabel und steht i!1 Widerspruch ־/tun Geist und Inhalt des Mandats. Der Weg einer konstruktiven Behandlung des Problems der jüdischarabischen Beziehungen liegt in der Durchführung von Maßnahmen zur Herbeiführung einer Annäherung beider Bcvölkerungsteile in ökonomischer, .sozialer und kultureller Hinsieht. Pie Zeit für eine politische Regelung der staatsrechtliehen Formen des Zusammenlebens von Juden und Arabern in Palästina ist noch nicht gekommen: jede Vorvvegnahmc einer solche» Regelung muß m einer Preisgabe wichtigster politischer Ziele der zionistischen Bewegung führen und muß daher von uns abgelehcnt werden. IV. Die Ereignisse des letzten Jahres führen zu der zwingenden Erkenntnis von der Notwendigkeit einer Neu- Orientierung der zionistischen Politik. Das bisherige politische Svstem, das in erster und fast ausschließlicher Linie auf dem Vertrauen in die englische Politik beruhte und darüber den internationalen Charakter der Judenfrage und des Zionismus als ihrer Lösung In den Hintergrund treten ließ, hat keine Begründung mehr, sei es in der Haltung der englischen Regierung, sei es in der seelischen Einstellung des jüdischen Volkes. Dies bedeutet nicht, daß die zionistische Politik anticngiisch werden soll. Die leidenschaftliche Protestbewegung des jüdischen Volkes, die in dauernder Steirerung bis zur Durchsetzung unserer wichtigsten politischen Forderungen fortgeführt werden muß, richtet sich nicht gegen das englische Volk, sondern gegen die palästinensische Administrarion und die Politik der englischen Regierung. Gleichzeitig mit dieser Protestbewegung aber will das Jüdische Volle bis zum letzten Moment nicht die Hoffnung aufgeben, daß das englische Volk in seiner Gesamtheit der feierlichen internationalen Verpflichtungen, die es im Mandat übernommen hat, treu bleiben wird, und zwar nicht nur durch theorctische Deklarationen, die in dieser Situation wertlos sind, sondern durch, praktische Maßnahmen zur Verwirklichung des Mandats. Aber wie immer die definitive Gestaltung der englischen Politik in Palästina sein wird, die zionistische Politik muß aus den Lehren der letzten Monate die Konsequenzen einer völligen Neuorientierung ziehen: Neuorientierung im Sinne einer erneuten Darlegung der großen und letzten Ziele ״des Zionismus vor ejer gesamten Oeffentlichkeit, einer Stärkung und Intensivierung des politischen Kampfwillens des jikiisehen Volkes, einer Internationalisierung unserer Politik, auf der Erkenntnis basierend, daß die Judenfrage international sei י der Zionismus als Lösung der judenfrage international ist* das Mandat eine internationale Verpflichtung ist und England, als Mandatarmacht nur Vollstrecker dieser internationalen' Verpflichtung ist. Diese Neuorientierung bedeutet, wenn sie konsequent und mit Aussicht auf Erfolg vorgenommen werden soll, einen völligen Kurswechsel der zionistischen Politik der letzten Jahre. Ein solcher Kurswechsel muß auch darin zum Ausdruck kommen, daß Dr. Weizmann und die von ihm geführte Exekutive als die Träger der zionistischen Politik, zu denen wir nach wie vor auf Grund ihres politischen Systems in all diesen Jahren kein Vertrauen haben können, und die vor der gesamten jüdischen und internationalen Oeffentlichkeit als die verantwortlichen Repräsentanten des bisherigen Kurses dastehen, ihre Mandate niederlegen und so dem baldigst einzuberufenden ordentlichen zionistischen Kongreß die Möglichkeit geben, durch die Wahl einer neuen Leitung auch in dieser Form den Willen zur Neuorientierung unserer Politik zu dokumentieren. V. In dieser schweren Situation sieht sich die Vereinigung radikaler Zionisten, die seit ihrer Gründung den Kampf 'für die Wahrung der großen Prinzipien und der Ziele des Zionismus als ihre wichtigste Aufgabe betrachtet hat, genötigt, an die gesamte zionistische Bewegung zu appellieren und sie aufzufordern, doppelt stark zu sein in dieser Situation, stark im Festhalten an den politischen Endzielen der Bewegung, stark in der Protestbewegung gegen die jetzige Politik der englischen Regierung und dem Appell an die Völker der Welt, stark in dem entschlossenen Kampf gegen alle Widerstände auf dem Wege der Verwirklichung des Zionismus und in dem Glauben an die Möglichkeit dieser Verwirklichung.“ Ferner wugle eine Protestresolution gegen das Ein. reiseverbot für Jabotinski angenommen. In den sich anschließenden Wahlen wurden mit der Leitung des Zentralbüros der Vereinigung Radikaler Zionisten die Herren Dr. N. Goldmann und Dr. M. Soloyveitschik- Berlin betraut. — Das Zentralkomitee besteht aus folgenden Mitgliedern: Für Amerika: Dr. Stephen Wise; Beßarabien: Advokat J. Fleminger, Noa-Suliza; Bukowina: Dr. M. Krämer, Ingenieur Zwilling, Ingenieur Spindel; Deutschland: J. Dränger- Frankfurt a. M., Dr. N. Golamann-Berlin, Dr. M. Soloweit־ schik-Berlin, Ch. Schwarzbart-Beuthen (O.-S.); Galizien: Dr. Insler, Lemberg, A. Gärtner-Kossow; Jugoslawien: Law Stern- Zagreb; Oesterreich: Dr. Plaschkes, Ing. R. Stricker, Dr. f. Waldmann, L. Wechsler, Dr. Taubes, sämtlich Wien; Palästina: Dr. Z. Wilenski-Haifa; Polen: I. Griinbaiim, I. Grawicki, Dr. M. Klumel, Kirschenbaum, Ingenieur Landstock, Salbe; Schweiz: Dr. Aberson-Genf; Rumänien: Adv. Mizrachf, Dr, Stern, Dr. Singer-Bukarest, Dr. B. Markus-Jassy, J. Kleinj Galatz; Tschechoslowakei: Dr. E. Margulies-Leitmeritz, Frl Dr. Mirjam Scheuer-Teplitz-Schönau. Aas englischen Zeitschriften In der englischen Monatsschrift ״The 19th Century and After“, die kürzlich einen gehässigen antizionistischen Aufsatz des Oberhausmitgliedes Lord Sydenham of Combe gebracht hatte, veröffentlicht jetzt Israel Cohen eine ausführliche Erwiderung, die sich besonders auf zwei wichtige Punkte bezieht. Einerseits wendet sich Cohen aut das schärfste gegen die auch von Sydenham vorgebrachte lnsinuation, der Zionismus stände in Verbindung mit Moskau, — während tatsächlich der Zionismus in Rußland als konterrevolutionäre, dem englischen Imperialismus dienende Bewegung unterdrückt und verfolgt werde. Dagegen ständen — schreibt Cohen — die arabischen Führer — u. a. der Großmufti selbst sowie Dscherna! Hussein!, der Sekretär des Obersten Moslemischen Rates erwiesenermaßen in Verbindung mit den Bolschewisten, und eine ganze Reihe von Arabern hätte sich in Moskau zu Agitatoren ausbilden lassen und sei dann nach Palästina zurückgekehrt! — Zu der viel erörterten Frage der englischen Kriegsversprechen an die Araber erklärt Cohen, daß keinerlei englische Kriegsversprechungen existierten, die dem Mandat oder der Balfour-Deklaration widersprächen. Das einzige englische Versprechen an die palästinensischen Araber stände in der Balfour-Deklaration selbst, — nämlich daß die Rechte der nichtjüdischen Bcvölkerung nicht beeinträchtigt werden dürften. Dagegen sei das Unabhängigkeitsversprechen in dem berühmten Briefe Sir Henry MacMahons vom 24. 10. 1915 an den damaligen Scherit Hussein betreffs der arabischen Länder südlich des 37. Breite grades nur unter der Bedingung abgegeben worden, daß sich die Araber dieser Länder gegen die türkische Herrschaft cm■ pörten; dies habe Hussein mit seinen Leuten auch getan und dafür sei er zum König von Hedschas ernannt worden, dagegen hätten sich die Araber Palästinas niemals geget die türkische Herrschaft aufgelehnt. Ueberdies habe aber Sir Henry׳ MaeMahon später, in einem Brief an das Colonial Office von 1922, klargestellt, daß sich jener frühere Briet niemals auf Palästina habe beziehen sollen. * Die ״Foreign A f f a i r s“ bringen einen Artikel übej die ״Verwicklung in Palästina“, worin geschildert wird, wir unbegreiflich den meisten Juden die englische Palästina• Politik sein müsse: nachdem die Shaw-Kommission mit Recht festgesteilt habe, daß die furchtbaren August-Ereignisse au,' einem ״heimtückischen arabischen Ueberfall auf Juden“ beruht hätten, treffe die Regierung jetzt ihre Maßnahmen, als ob die Alleinschuld der Juden festgestellt worden sei. Jedenfalls müßten die Einwanderungsbeschränkungen und ähnliche Maß• nahmen diesen Eindruck erwecken. Andererseits sei in dei Tat die Lage der englischen Staatsmänner, wegen der bekannten Rückwirkung der palästinensischen Fragen bis nach Indien, recht schwierig, und man dürfe es nicht leicht nehmen daß gleichzeitig mit dem Scheitern der englisch-ägyptischen Verhandlungen auch die arabische Palästina-Delegation Eng- )and ohne Ergebnis verlassen habe. Das Resultat des Shaw Berichts sei, daß die Araber jetzt einen Anspruch auf eine parlamentarische Regierung mit arabischer Majorität zu haben glaubten; und selbstverständlich würde eine solche arabische Parlamentsmajorität, wenn sie auch über die jüdische Ein- Wanderung und Siedlung zu befinden hätte, das Ende des Zionismus und der Balfour-Deklaration bedeuten. Trotzdem sei die Lage nicht hoffnungslos. So sehr den Juden der Gedanke widerstreben müsse, daß die Araber, gleichsam zu in Lohn für ihre Bluttaten, jetzt Irgendwelche neuen Rechte erhielten, so sei doch zu hoffen, daß sich einerseits die Araber mit der Unabänderlichkeit zionistischer Arbeit, andererseits aber die Juden mit gewissen Beschränkungen ihrer Arbeitsmöglichkeiten abfinden würden, wenn sie sich als notwendig oder im berechtigten arabischen Interesse liegend erwiesen. Die Ereignisse hätten schon jetzt bewiesen, wie viel klarer Harry Shell die Situation beurteilt habe, als seine Kollegen in der Shaw-Kommission, a. P. f

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.