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Jüdische Rundschau · 1930-07-18 · Heft 56 (18.7.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 56 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 58, 18. Vn. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 37S ur zionistischen Politik Der Streit um die Rangordnung Von Moses Waldmann. Auf dem mühevollen Wege zur Verwirklichung einer Idee macht man allerhand Erfahrungen. Zunächst lernt man die Tücke des Objekts kennen. Dann türmen sich j auf dem Wege unerwartete Schwierigkeiten auf, obwohl i man der Meinung gewesen war, alle Eventualitäten bc-! rechnet zu haben. Aber im praktischen Leben geht es ■ genau so zu wie in einem wissenschaftlichen chemisch-! physikalischen Laboratorium. In diesem wird man zum j größten Mißvergnügen daran erinnert, daß die vorhandenen Naturkräfte stets wirksam sind und sich bemerkbar machen in Momenten, in denen man am allerwenigsten'rnit ihrer Manifestation gerechnet hatte. Auch die Gegebenheiten der Politik sind, mag man sie auch übersehen haben, stets wirksame Kräfte und lassen ihrer nicht spotten. Und selbst peinlichste Ueberraschung vermag sie nicht aus der Welt zu schaffen. Die jüdisch-egozentrische zionistische Idee ging von der Analyse der jüdischen Situation und von den Bedürfnissen des jüdischen Volkes aus. ״Ein Volk kann nur sich selbst helfen, kann es das nicht, dann ist ihm nicht zu helfen.“ Diesen Satz stellte Theodor HerzI an den Anfang des politischen Zionismus. Dann folgte die Ueberlegung, daß es außer dem Faktor ״Jüdisches Volk“, das auch nicht leicht für die Idee zu gewinnen war, noch einen zweiten Faktor gäbe, nämlich den Souverän des Landes, auf welches sich die Hoffnungen und Wünsche der Zionisten konzentrieren. Der politische Zionismus rechnete somit in seinen Anfängen mit zwei Faktoren: Jüdisches Volk und Sultan in Konstantinopel. Schon damals wetterleuchtete es in zionistischen Ueberlegungen, daß außer diesen zwei Faktoren noch andere vorhanden sind, mit denen man unter Umständen zu rechnen haben werde. Theodor Herzl drückte das in den Worten aus: .,Der Zionismus kann nur in einer Atmosphäre des allgemeinen Wohlwollens verwirklicht werden“ und meinte damit, daß außer jüdischem Volk und türkischer Regierung auch noch die öffentliche Meinung der Welt einen bedeutsamen, für das Gelingen der zionistischen Pläne maßgebenden Faktor darstellt. Im Kriege, als alle Völker ihre Ansprüche anmeldeten und zur Zeit, da es glückte, bei der britischen :Regierung die Balfour-Deklaration zu erlangen, rechnete die zionistische Theorie und die Leitung der zionistischen Politik mit drei Faktoren. Mit besonderem Nachdruck mit dem Faktor England, dem voraussichtlichen Eroberer Palästinas. Man setzte Hoffnungen auf das englische Bibelvolk, das berufen war, die großartige Mission der Wiedergutmachung jahrtausendealten an den Juden begangenen Unrechts auf sich zu nehmen. Mit Selbstverständlichkeit rechnete man mit der Opferwilligkeit und der Zuverlässigkeit des jüdischen Volkes, das erwartete, die Epoche des Exils sei zu Ende und nun beginne das Zeitalter der Erlösung. Schließlich bemühte man sich, das Einverständnis der öffentlichen Meinung in bezug auf die zionistischen Pläne zu erlangen. Man gab sich dem Glauben hin, daß sich die Menschheit in eine wahre Völkerfamilie verwandle, die für jedes ihrer Mitglieder zu sorgen bereit sei, auch wenn dadurch allen anderen Mitgliedern oder einigen besondere Opfer auferlegt werden. Wohl wußte man, daß es in Palästina Einwohner gibt, aber man machte sich nicht viele Gedanken über diese Tatsache. Man half sich darüber mit der Ueberlegung hinweg, daß die Araber durch die Hilfe Englands von dem vielhundertjährigen türkischen Joche befreit wurden und daß sie darum als eines der befreiten Glieder der Völkerfamilie die Verpflichtung haben, die nach Palästina einwandernden Juden, die einstigen Herren des Landes, dankbar als Brüder zu empfangen. Im Grunde genommen blieb die Basis aller zionistisehen Hoffnungen und Pläne, bei aller Würdigung der realen Mächte England und öffentliche Meinung, das jiidische Volk. Nur seiner Entschlossenheit und seinem Opferwillen konnte es, nach zionistischer Vorstellung, gelingen, das Werk des Zionismus durchzuführen. Man stellte sich, wenn auch verschwommen, die Sachlage folgenderinaßen vor: England und öffentliche Meinung sind Bundesgenossen, deren Mitwirkung die Arbeit des Zionismus zu fördern imstande ist, deren Widerstand die Hoffnungen des jüdischen Volkes zurückzuwerfen, aber niemals zu vernichten vermag. Auch die englische Herr- Schaft ist vergänglich und die öffentliche Meinung wandelbnr: das jüdische Volk ist ewig. Diese Einsicht war durchaus richtig. Politische Konstellationen und Regierungen sind Wandlungen unterworfen. Völker sind ewig, und wer eine auf lange Zeit berechnete Politik treiben will, muß sich auf Völker stützen. Getragen von dem jüdischen Volk, unter dem Schutze der englischen Regierung und im Einverständnis mit der in der Pa'.äsiinafrage wenig orientierien öffentlichen Meinung begannen die Zionisten ihr Aufbauwerk. Mit der Wirklichkeit konfrontiert, lernten sie die Tücke des Objekts erkennen: die Schwierigkeiten des Landes und die Unzulänglichkeit der eigenen Erfahrungen und des Volkes, das in seinen Wünschen und Hoffnungen größer war als in der Fähigkeit, das begonnene äußerst kostspielige Werk materiell zu tragen. Außer diesen Schwierigkeiten trat aber noch eine hinzu, von der bis dahin im zionistischen Denken nur wenig Notiz genommen wurde: nämlich die Existenz des arabischen Volkes in Ralästina. Man hätte nun meinen müssen, daß die Zionisten, deren ideologisches Gebäude auf der Erkenntnis beruht, daß unter allen vergänglichen politischen Faktoren nur das Volk ewig ist und daß nur ein Volk allein imstande ist, sich zu helfen und sich zu erlösen, ihr Wissen von der Bedeutung des Volkstums auch in der Beurteilung der Araber verwerten werden. Das jüdische Volk ist ewig, aber auch die Araber sind ein altes Volk. Stützt sich die zionistische Erkenntnis auf den Ewigkeitsbegriff des jüdischen Volkes, so muß sie auch die Bedeutung der nationalen Kräfte anderer Völker berücksichtigen. Das aber ist in dem allgemein zionistischen Bewußtsein nicht genügend geschehen. Nun befindet sich der Zionismus in einer Periode, in der bereits die weitesten Schichten seiner Anhänger sich dessen bewußt sind, daß die Verwirklichung seiner Pläne von vier Faktoren abhängt. Diese sind, in alphabetischer Reihenfolge: Araber, England, jüdisches Volk und öffentliehe Meinung. Die alphabetische Reihenfolge ist darum gewählt, weil dies die einzige Methode ist, diese Faktoren aufzuzählen, ohne daß man in den zionistischen Reihen den heftigsten Meinungsstreit erregt, welche Rang- Ordnung die richtige ist. Was gegenwärtig innerzionistisch vorgeht, ist ja eigentlich nur ein Streit um die Rangordnung der vier das zionistische Aufbauwerk in Palästina bedingenden Faktoren. Wer es wagt, einen Faktor aus taktischen Gründen besonders stark in den Vordergrund zu rücken, läuft Gefahr, »fort als unzuverlässig behandelt zu werden. Wem in diesem Augenblick als das Wichtigste Stimmung und Wünsche des jüdischen Volkes erscheinen, wird von Wirklichkeitsfanatikem als Illusionist bezeichnet. Wer in der Erkenntnis, daß der Faktor Araber Jahre hindurch nicht genügend berücksichtigt wurde, verlangt, daß dieser Faktor in den Vordergrund der aktuellen zionistischen Politik gestellt werde, setzt sich dem Vorwurf aus, er übersehe Interessen und Wünsche des jüdischen Volkes. Wer wiederum in gewissen Fragen wie z. B. in Angelegenheit der Todesurteile in Palästina oder in Fragen der Selbstverwaltung des Landes Ansichten vertritt, die mit dem allgemeinen Fortschritt parallel gehen, wird von vornherein als weitfremder Intellektueller verschrien, der die tatsächlichen Verhältnisse in Palästina nicht kennt. Wer gar die Meinung vertritt, man müsse der Mandatarmacht die Erfüllung ihrer Aufgaben in Palästina erleichtern, der ist natürlich ein Flaumacher und Defaitist. Tatsächlich ist es ja sehr schwer, das Gleichgewicht unter den widerstreitenden Interessen zu finden und die Faktoren, vö« denen der Zionismus abhängig ist, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Dieses Kunststück ist sicherlich nicht Sache eines politischen Rechenmeisters. Es kann nur von einem politischen Führer mit Finger- Spitzengefühl vollbracht werden, der die Integrität seiner zionistischen Begeisterung einzusetzen vermag. Immerhin läßt sich, auf lange Sicht, eine gewisse Rangordnung der vier Faktoren aufstelien. Man muß hierbei nur ihre potentielleWichtigkeit berücksichtigen. Tut man das, so muß man zum Schlüsse gelangen, daß die wesentlichsten Faktoren — wieder in alphabetischer Ordnung — Araber und Juden sind. England und öffentliche Meinung haben an Palästina ein nur bedingtes Interesse. Sie sind keineswegs so direkt und lebensnah an dem Aufbauwerke im Lande engagiert wie Araber und Juden. Eine vorausschauende, mit den wesentlichsten Kräften rechnende zionistische Politik muß sich über die, Bedeutung dieser vier Faktoren klar werden. Die große politischeLiniedes Zionismus sollte von der Ueberlegung ausgehen, daß die Basis des Werkes der Konsensus und die Mitarbeit des jüdischen Volkes ist, das, weil in keinem Zwangsverbande zusammengeschlossen, nur durch unablässige Aufklärungsarbeit zu weiteren freiwilligen Leistungen bewogen werden kann. Hauptb e d i n g u n g für das Gelingen des Werks ist die friedliehe Haltung des arabischen Volkes, das allerdings nur allmählich davon überzeugt werden kann, daß wir auf Grund eines Rechtes und nicht auf Grund von Duldung und Gnade nach Palästina kommen. Verwirklicht können unsere Pläne nur werden in einer Atmosphäre des allgemeinenWohlwolIens,d. h. wenn die öffentliehe Meinung der Welt unser faktisches, moralisches und nicht nur unser historisches Recht auf eine Nationale Heimstätte in Palästina anerkennt und unserem Werke ihren Segen gibt, einen Segen, den sie um so eher spenden wird, je geringeren Widerstand bei der arabischen Welt unsere Betätigung in Palästina findet. Dann wird die Mandatarmacht, auch wenn sie nicht guten Willens wäre, unser Werk unterstützen müssen. Das wird ihr auf Grund der bestehenden formalen Rechtslage, verankert in Balfour-Deklaration und Palästinamandat, um so ieichter fallen, auch auch s i e weiß, daß Völker ewig sind. In der praktischen Tagesarbeit kann sich die Notwendigkeit ergeben, gewisse Faktoren eine Zeitlang pfleglicher zu behandeln als andere in ihrem Wesen ebenso wichtige. Das heißt aber noch lange nicht, daß man die scheinbar vernachlässigten Momente aus dem Auge verloren hat. Und wenn es, was in der Parteien Gewirr nur zu leicht Vorkommen kann, von Beschwerden und Angriffen regnet, dann darf sich eine verantwortungsvolle 1 Führung dadurch nicht irritieren lassen, Man muß unter Umständen den Mut zur Unpopularität besitzen und sich sagen, daß schlief’lieh derjenige in der Mehrheit bleibt, 1 der die Tatsachen auf seiner Seite hat, England, die Welt und der Zionismus Von Sch. Q o r e I i k. Der nachfolgende AufsaU des bekannten Sehriflsiellert ist charakteristisch für die heute in den weitesten xionistischen Kreisen herrschende Erbitterung. Dcd ״Die Welt ist keine Räuberwelt — die Welt ist eine Richterwelt.“ Herzl, von dem dieser Spruch stammt, fühlte und wußte zu gut, daß, obwohl der Zionismus der bitteren Erkenntnis von der ungerechten Behandlung der Juden durch die Welt zum wesentlichen Teil seine Entstehung verdankt, es doch andererseits unmöglich sei, sich die Verwirklichung des Zionismus ohne die tätige Mithilfe und wohlwollende Atmosphäre dieser selben Welt zu denken. Die pessimistische Grundstimiming befindet sich also mit dem etwas zu kategorischen Optimismus, welcher stell in diesem Spruch kundgibt, keineswegs in Widerspruch. Jene Stimmen aus dem mchtjüdischcn Lager, die freundlich zu uns herüberklingen, was sind sie anders als das Eingeständnis dessen, daß die Menschen von einem!läßlichen Uebel befallen sind, das Judenhaß heißt, und daß es keinen anderen Ausweg gibt, dieses Uebel einigermaßen zu lindern, als den Juden in ihren Bestrebungen ׳zu einer fruchtbaren Separation und Selbständigkeit behilflich zu sein. Und als alle Staaten Europas, Nord- und Südamerikas England das Mandat über Palästina mit dem klaren Ziel ’ übergaben, dort ein jüdisches Nationalheim zu gründen, schwebte ihnen eine Art Satisfaktion vor, die den Juden für erlittene Unbill gegeben werden sollte. Es sah so aus, als ob die Völker sich selbst und England sagten: Gentlemen, hier bei diesem Werk wollen wir wirklich nur gerecht und aufrichtig sein und an keinen anderen Vorteil außer an das köstliche Bewußtsein, etwas sehr Edles getan zu haben, denken. Wie konnte es da geschehen, daß diese zwölf Jahre zum größten Teil Jahre einer allmählichen Entfernung von der Balfour-Deklaration waren? Wie kam es, daß das, worauf nach den Worten Robert Cecils die Welt besonders stolz sein darf, daß diese Idee des Jüdischen Nationalheimes — nach dem Empfinden desselben ehrenwerten englischen Lords die reine weiße Taube, die der Sintflut Krieg entstieg — derart mißhandelt und mißbraucht wurde? Die letzte Maßnahme der englischen Regierung, die vom ganzen jüdischen Volke und von der zionistischen Leitung als eine Verletzung des Mandates gekennzeichnet wird, war doch nur der krasseste Ausdruck einer Tendenz, die von einer freudigen oder zumindesten loyalen Erfüllung der übernommenen Pflichten sehr entfernt war. Fragt sich nun, welche Faktoren es gewesen sind, die es England ermöglicht und erleichtert haben, den Prozeß des Zurückweichens zu beginnen und derart zu beschleunigen. Die geradezu südländische Trägheit, mit welcher die Mandatarmacht die Schwierigkeiten wachsen sah, ohne den ernsten Versuch zu machen, sie zu meistern, kann nur zu der Annahme berechtigen, daß in diesem Falle eine übernommene Pflicht von vornherein ungern erfüllt wurde. Der Geschichts- Schreiber, der die dramatische Angelegenheit England-Zionismus einmal bearbeiten wird, kann diesem Thema nur dann in vollem Sinne gerecht wenden, wenn er neben den breiten Gebieten der Politik und der Soziologie auch das delikate Gebiet der menschlichen Psychologie zu berühren nicht unterlassen wird. Die Psychologie eines Gentleman nämlich, der in einem Zustand des Rausches eine feierliche Versprechung; gab, vor aller Welt versprach, sie zu erfüllen und der nun, als der Rausch verflog, auf einmal merkte, wie es ihm an Bereitschaft zu einer Tat, die er selbst als edelste bezeichnete, mangelte. Er merkte weiter, daß jedesmal, wenn dem Versprechen gemäß er sich anschickte, einen Schritt zur Erfüllung zu tun, ihn eine bis dahin unbekannte Müdigkeit überfiel. Diese Müdigkeit verwandelte sich in Aerger und schlechte Laune, wenn der, dem er das Versprechen gegeben hatte, auftauchte und auf Erfüllung bestand, ja drängte. Und so kam es, daß dem Gentleman, der sich auf seine Pflicht hätte besinnen sollen, in seiner schlechten Laune der Dränger wie ein unnachgiebiger, unersättlicher Shylock erschien, der auf seinem Schein besteht. Der Geschichtsschreiber wird sich mit dieser menschlichen Psychologie befassen und es vermeiden müssen, dort Staatsnotwendigkeiten zu sehen, wo Vorurteile, Voreingenommenheiten mitwirkten und den Prozeß des Abweichcns vom klaren Ziele mitbestimmten. Zu den Faktoren, die das Abweichen ermöglicht und erleichtert haben, gehört auch die langjährige Vertrauensseligkeit der Juden England gegenüber. Der gewaltige Enthusiasmus der Balfourfrage nährte diese Vertrauensseligkeit. Es ist, erstaunlich, wie der Jude die ihm innewohnende Skepsis auf einmal abschütte'.te und sich mit einem unglaublichen Pathos in die Arme der Legende von einem edlen Beschützer, ja Erlöser warf. Die Juden, die durch bittere Erfahrungen das Recht auf Mißtrauen sich erworben haben, hier haben sie vertraut. Der Glaube, daß England sein Versprechen halten würde, war den Juden so notwendig, der Glaube an einen Beschützer so unentbehrlich, daß man alles, was diesen Glauben erschüttern konnte, nicht annehmen, nicht anerkennen wollte. Wie groß muß das Maß bitterer Erfahrungen gewesen sein, wenn die Juden sich jetzt entschlossen haben, vor aller Welt ihren erschütterten Glauben kundzugeben. * Aber noch ein anderer Faktor, der England den Weg des Abweichens zu beschreiten ermöglicht und erleichtert hat, sei erwähnt. Die Tatsache, nämlich, daß die große Welt, vor welcher das feierliche Versprechen einst gegeben wurde, die roße Welt, die der Aufpasser sein sollte, inzwischen allem 'eierlichen, allen hohen Idealen und schönen Worten den Rücken gekehrt hat. Eine Ebbe ist eingetreten, man ist wenig geneigt, sich mit Dingen abzugeben, die nicht gerade im Bereich der eigenen Interessen liegen. Zeichneten sich die Juden in ihrer Beziehung zu England durch eine beispiellose Vertrauensseligkeit aus, so kann andererseits das Verhalten der entzauberten geschäftigen Welt dem Zionismus und der Judenfrage gegenüher mit der Schlußszene in Bernhard 'Shaws ״Cäsar und Kleopatra“ verglichen werden: Cäsar ist im Beriffe von Aegypten abzureisen; er hat alle militärischen und taatsgeschäfte erledigt, er hat von Kleopatra bereits Abschied genommen, da kommt einer seiner Generäle an ihn heran, flüstert ihm ins Ohr:, eine jüdische Angelegenheit sei noch zu erledigen, ein Streit der Juden mit den Aegypten! sei noch zu schlichten, worauf Cäsar eine höchst gelangweilte Miene aufsetzt und müde resigniert erwidert:. Ach! die Juden! Er war nicht feindselig gestimmt, keineswegs. Er war nur gelangweilt müde, aber dem gerechten Schlichten des Streites war diese Müdigkeit nicht weniger hinderlich als eine offene Feindseligkeit. Jawohl! Die hohe Flut schöner Ideale und erhabener Worte ist einer Ebbe gewichen. Ringsum war keiner, der die Pflicht des Aufpassers ausüben wollte. Die Juden, immer in ihrer Vertrauensseligkeit befangen, blickten auf den alten \vü Jigrn Lord, der ihnen als sicherster Garant ihrer Sache erschien und so wurde der Boden für jenes verderbliche Spiel geschaffen, das Spiel des Widerspruche*

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