Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-07-18 · Heft 56 (18.7.1930) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 56 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653209--21703-2679832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 374 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 18. VH. 1930 Vorschlag behandelt werden, da jedoch die Kommission nicht fertig war, konnte die Sitzung nicht beginnen. Um 9l/a Uhr abends erschien Robert Szold mit einer soeben eingelangten Botschaft von B r a n d e i s, die dann verlesen und von mehreren Rednern gewürdigt wurde. Die Zuschrift, die wir in der ״jüd. Rundseh,“ vom 4. d. M. nur auszugsweise erwähnt haben, lautet in ihrem vollen Wortlaut: Chatham, Mass., 28. Juni 1930. An die in der Convention versammelten Delegierten der Zionistischen Organisation Amerikas: Ich weiß die von vielen von Ihnen ausgehende großmütige Anregung, daß ich von neuem die offizielle Verantwortung für die Führung der Zionistischen Organisation Amerikas übernehmen so!!, wohl zu schätzen. Als ich mich vor 18 Jahren zur. erstenmal ernsthaft mit den Problemen der Judenheit beschättigt und begonnen habe, die Mittel zu suchen, um das geistige Erbe Israels als eine aktive Kraft in der Welt zu erhalten, wurde ich Zionist und Anhänger Herzls. Mein Besuch in Palästina im Jahre 1919 trug mächtig zur Verstärkung dieser Anziehungskraft bei, räumte jeden leisesten Zweifel hinsichtlich der Ausführbarkeit dieses Unternehmens hinweg und überzeugte mich, daß bei Durchführung der Prinzipien der Baifour-Deklaration die Wohlfahrt sowohl der Juden als auch der Araber gefördert würde. Die Ereignisse seither haben diese meine Ueberzeugung vertieft. Mein hohes Alter macht es mir unmöglich, von neuem die offizielle Verantwortung der Führerschaft auf mich zu nehmen, wie ich es vor 1921 getan habe; aber Ich bin nach wie vor bereit, der Sache zu dienen. Natürlich muß der Dienst, den ich leisten könnte, sich beschränken auf Raterteilung von Zeit zu Zeit, wenn mein Rat in Fragen höherer Politik eingeholt wird. Solche Dienste leiste ich jetzt durch Mr. Warburg der Jewish Agency. Denselben Dienst kann ich der Zionistisehen Organisation Amerikas leisten. Meiner Meinung nach wären diese Dienste weit wirkungsvoller, wenn sie einer auf der Grundlinie des Memorandums vom 22. Mai 1930 gebildeten Administration erwiesen werden. Meine wärmsten Grüße und besten Wünsche Louis D. Brandeis. Balfonr nid die McMahon -Korrespondenz New York, 15. JulL (J.T.A.) ״New York World“ berichtet aus Genf, dem Völkerbund sei vom svrisch-palästinensischen Kongreß die photographische Kopie einer im Namen Lord Balfours an den Sherifen Hussein schriftlich gegebenen Zusicherung zugegangen, in der das den Arabern von McMahon gegebene Unabhängigkeitsversprechen bestätigt wird. Das Dokument ist vom 8. Februar 1918 datiert. Das Original befindet sich in Händen des Jerusalemer Großmufti, der es vom Sherifen Hussein erhalten hat. Die arabische Delegation in London habe den Inhalt des Schriftstückes dem Koionienminister Lord Passfield und dem Ministerpräsidenten MacDonald gezeigt. Das Schriftstück ist vom britischen Vertreter in Dschidda, Colonel Pabst, gezeichnet, der zur Uebermittiung des Schreibens an den Sherifen im Namen des britischen Außenministers beauftragt war. Das Schriftstück,stellt eilte *Antwöft an äett Sherifen dar, der 1918 auf die türkische Propaganda-Behauptung hhtgewiesen hatte, daß die Alliierten eine Aufteilung der arabischen Länder untereinander planen. (Bekanntlich ist in dem englischen Weißbuch von 1922, das von Churchill und Herbert Samuel stammt und die bekannte Interpretation der Baifour-Deklaration enthält, ausdrücklieh festgestellt, daß die McMahon-Korrespondenz sich nicht auf Palästina bezieht. — Red. ״J. R.“) Das Debacle von Blro-lldsclian Scharfe Kritik an Ozet. Moskau, 14. Juli. (J.T.A.) Die Plenarversammlung der allgemeinen Verwaltung von Ozet, die seit dem 13. Juli in Moskau tagt, hat gleich am ersten Tage zu schweren׳ Angriffen gegen die Ozet-Organe wegen ihrer Behandlung der Biro-Bidsc ha n - Frage geführt. Den stärksten Eindruck machte die Kritik des aktiven Ozet-Führers Sudarsky, der eben von einer zusammen mit einer Kommission des Bodenkommissariats zur Untersuchung der dortigen Lage unternommenen Reise aus Biro-Bidschan zurückgekehrt ist. Er führte aus, daß die jüdischen Immigranten in Biro-Bidschan auseinanderlaufen und daß keine Aussicht besteht, sie dort zu halten. Er wies darauf hi«, daß für die Immigranten noch immer weder Behausung noch Inventar erstellt worden sind. Dazu kommt der Umstand, daß in den Industriestädten des Fernen Ostens ungelernte Arbeiter mit einem Tagelohn von zehn Rubel eingestellt werden, was die jüdischen 'Immigranten bestimmt, sich lieber in den Städten des Fernen Ostens festzusetzen, als sich in Biro Bidschau anzusiedeln. Die pessimistischen Schilderungen Sudarskys wurden teilweise auch noch von zwei anderen Berichterstattern bestätigt, darunter vom Vorsitzenden der Revisionskommission des Ozet, I lerscii N a g I c r. ln der darauffolgenden Diskussion wurde Sudarsky der ״rechten Abweichung״ beschuldigt, da er durch Verbreitung unerwünschter Stimmungen in das Tempo der Biro-Bidschan-Arbeit Desorganisation bringe. Redaklloiisslrdk im ״Doar Haj'om“ Jerusalem, 14. Juli. (J.T.A.) Der Redaktionsstab der in Jerusalem erseneinenden hebräischen Tageszeitung ״lloar Hajom“ ist dieser Tage in den Streik getreten. Damit hat eine Auseinandersetzung ihren Gipfel erreicht, die Zeitung, der Gesellschaft ״Hassoie!“, und den die Redaktion!längten Regierungsverbotes ihren Anfang genommen hat und in Meinungsverschiedenheiten zwischen den Besitzern der Zeitung, der Gesellschaft ״Hassolel“ und den die Redaktion beherrschenden Revisionisten begründet ist. Die Revisionisten behaupten, daß der Verlag das zwischen Revisionisten und Herausgebern getroffene Abkomme)} zu brechen beabsichtige. Hingegen teilt der Vorsitzende der Gesellschaft ,,Hassold“, Salmon White, der J. T.A. mit, daß die Ursache des Streikes die sei, daß die revisionistische Organisation dem Redaktionsstab einen Teil seines Gehaltes nicht ausgeznhlt habe. Infolge von Meinungsverschiedenheiten über Fragen der Politilg des Programms und der Organisation hat vor 14 Tagen der geschäftsführende Herausgeber des ״Doar Hajom“, Ben Chorin, resigniert. Der an der Klagemauer stationierte arabische Polizist verhinderte am vergangenen Sabbath-Ausgang die Entzündung der Hawdalah-Kerzen. Dieses Einschreiten wurde mit Beschwerden der anwohnenden marokkanischen Moslems motiviert, die sich darüber beklagten, daß die Juden am Platz vor der Mauer Wein trinken, (0 Nach der Genfer Tagung (Von unserem Genfer Mitarbeiter.) K-y, Genf, Mitte Juli. Die jüdische wie auch die nichtjüdiscfie Oeffentlichkeit erwartet mit großer Spannung die Veröffentlichung der Verhandlungsprotokollc der Ständigen Mandatskommission über ihre im Juni abgehaltene Palästinatagung sowie ihres Berichtes an den Rat des Völkerbundes. Die Dokumente werden im letzten Drittel des laufenden Monats, also schon in den nächsten Tagen, als offizielle Publikation des Völkerbundes erscheinen. Daher wird ihre Besprechung und Beurteilung in der Presse noch zeitlich genug vor den Septembertagungen des Rates und der Versammlung des Völkerbundes erfolgen können. Es hat wenig Sinn, vorzeitig die Oeffentlichkeit durch Mutmaßungen über den Inhalt des Berichts zu irritieren. Wir wollen uns heute darauf beschränken, einige Betrachhingen und Informationen über die Umstände, in welchen die Kommission während dieser außerordentlichen Session die Palästinafrage zu prüfen hatte, vorausschicken. Zunächst wäre darauf hinzuweisen, daß es der Mandatskommission erst ungefähr zehn Monate nach den blutigen Ereignissen in Palästina möglich war, sie einer Prüfung zu unterziehen. Als im Juli des Jahres 1925 der unvergleichlich ernstere und später noch Monate lang andauernde Drusenaufstand in Syrien ausbrach, konnte die Kommission bereits im Februar des nachfolgenden Jahres eine außerordentliche Tagung abhalten und ihren endgültigen Bericht an den Rat des Völkerbundes verfassen. Diesmal wird der Rat des Völkerbundes genau ein Jahr auf den Bericht der Mandatskommission gewartet haben, wobei jedoch, wegen des Ausbleibcns endgültiger Erklärungen der Mandatantiacht in den wichtigsten das Mandat betreffenden Fragen, dieser Bericht der Mandatskommission noch naturgemäß ein lückenhafter sein muß. Es bestellt auch nicht viel Hoffnung, daß die britische Regierung schon Anfang September in der Lage sein wird, dem Rat des Völkerbundes ihre auf den Bericht Sir John Hope Simpson’s gegründete Erklärung über die zukünftige allgemeine Politik in Palästina abzugeben. Auf offiziellem Wege, d. h. durch die Vermittlung der Mandatarmacht, •erniett die Kommission nachstehendes Dokumentenmaterial, noch vor Beginn der Tagung: 1. Bericht der Shaw- Kommission 2; ׳. Jahresbericht für 1923 der Verwaltung Palästinas; 3. die am 27. Mai als ״Weißbuch“ veröffentlichte Erklärung des Vertreters der Mandatarmacht; 4. Memorandum der Jewish Agency über die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes im Jahre 1929 mit Mantelbrief des Präsidenten der Jewish Agency (verfaßt von Leonard Stein) über den Berieht der Shaw-Kommission; 6. eine Anzahl voh jüdischen und arabischen Petitionen. Auf offiziellem Wege, durch Vermittlung des Oberkommissärs für Palästina, erhielt die Kommission überdies, aber schon nach Beginn ihrer Tagung, 7. das Memorandum des Waad Leumi. Wie wir erfahren konnten, erhielten die Mitglieder der Kommission auf nichtoffiziellem Wege, ebenfalls noch vor Beginn der Tagung, eine große Anzahl von Publikationen und Broschüren, worunter nachstehende zu erwähnen wären: Die von der Jewish Agency veröffentlichte Serie der sechs ״Palestine Pa£«s*,“Herbert: SldebBriMcfifire British*'־Po1 ücy and the Palestine Mandate", die all Broschüre' (Unter dein Titel ״Prosperity and Immigration“) herausgegebene Aussage S. Hoof len’s vor der Shaw-Kommission, verschiedene jüdische Antworten auf den Shaw-Bericht, darunter eine Broschüre, verfaßt von Jacobus Kann (den Haag) lind eine Broschüre des Weltverbandes der Zionisten-Revislonisten, eine große Menge von Petitionen, Protesten und Denkschriften jüdischer, christlicher und arabischer Organisationen oder Einzelpersonen, worunter die Denkschriften der polnischen, rumänischen und tschechoslowakischen Juden und das Memorandum des Komtiees ״France-Palesiine“ besondere Hervorhebung verdienen. Die Verhandlungsprotokoüe werden gewiß eine bedeutend umfangreichere und vollständige Aufzählung der der Kommission eingesandten Petitionen usw. enthalten. Arabischerseits scheint die Kommission auf offiziellem Wege, durch Vermittlung der Mandatarmacht, kein richtiges Memorandum erhalten zu haben. Dies erklärt sich wahrscheinlieh dadurch, daß die Araber — und leider mit Recht! —- den Bericht der Shaw-Kommb :on als genügend repräsentativ für die Darlegung ihres Standpunktes betrachteten.... Ungeachtet dessen hat die Arabische Exekutive unmittelbar vor und während der Tagung eine rege ״direkte“ Aktion entfaltet. Am 26. Mai kam der Jerusalemer Großmufti von London nach Genf und trug dem Generalsekretär des Völkerbundes den ״arabischen Standpunkt“ mündlich vor. Wie wir gehört haben, hat der Generalsekretär den Großmufti darauf aufmerksam gemacht, daß die Wünsche der Bevölkerung eines Mandatsterritorium durch deren Vertreter nur auf dem Wege einer über die Mandatarmacht an den Völkerbund geleiteten Petition entgegengenommen werden können.... Nach dreitägigem Aufenthalt verließ der Großmufti Genf und an seine Stelle kam Aimi Abdul Hadi, der etwa zwei Wochen in Genf blieb, von einigen Mitgliedern der Mandatskommission und einigen Beamten des Völkerbundes empfangen wurde und mit in Genf ansässigen ausländischen Journalisten Besprechungen pflog. Er wurde hierbei, ebenso wie der Großmufti, von den zwei in Genf ansässigen Syriern, Emir Chekib Arslan und Ischan el Dschabri, sekundiert. Die zwei letztgenannten geben in Genf seit einigen Monaten eine Zeitschrift in französischer Sprache — ״La Nation arabe“ — heraus, von der bereits vier Nummern erschienen sind und in welcher selbstverständlich einer hemmungslosen antizionisiischeii Kampagne viel Platz eingeräumt wird. Auni Abdul Hadi hat dem Vorsitzenden der Mandatskommission während seines Aufenthaltes in Genf am 4., 12. und 14. Juni drei kurze in Briefform gefaßte Denk- Schriften eingesandt. Die erste dieser Denkschriften zählt die wesentlichen Punkte der Besprechungen der arabischen Delegation mit der britischen Regierung in London auf, die hauptsächlich die angeblichen Widersprüche zwischen Art. 22 der Satzung des Völkerbundes und der Mandatssatzung hervorheben und die schließlich zu beweisen suchen, daß aie britische Regierung selbst diese ״widerrechtlichen“ Bestimmungen der Mandatssatzung nicht ausgeführt hat, insbesondere was den zweiten Paragraph des Mt. 2 des Mandates anbetrifft (Errichtung der Selbstverwaltungsinstitutionen). Die Denkschrift gipfelt in der Forderung der Ausführung dieses zweiten Paragraphen des Art. 2, erklärt jedoch — welch wunderbare Logik! — daß diese auf das Mandat gestützte Forderung in keinem Fall als eine Anerkennung der Mandats- Satzung (״dieses illegalen Dokumentes“) seitens der Araber angesehen werden kann. Auch die zwei anderen Denkschriften (von denen die erste eine Antwort auf die von Dr. Shiels vor seiner Abreise aus Genf in einem Kommunique veröffent- Uchte Erklärung, die zweite eine Polemik mit dem Mantelbrief Prof. Weizmanns und mit dem Memorandum der Jewish Agency über den Shaw-Bericht enthält), sind sehr unernst gehalten und entbehren jeden konstruktiven Gedankens, so daß es sich kaum lohnt, auf ihren Inhalt näher einzugehen. Diese Denkschriften, die der Kommission nicht auf dem vorgeschricbenen.Wege über die Mandatarmacht überreicht wurden und die außerdem auf indirekte Weise eine Revision der Mandatsbestimmungen verlangen, konnten natürlich nicht Gegenstand einer offiziellen Prüfung seitens der Mandatskommission bilden. Einige Worte wären auch über die durch das Sekretariat des Völkerbundes während der vertraulichen Tagungen der Kommission herausgegebenen Pr esse -Kommuniques zu sagen. Diese Kommuniques bilden vielfach Gegenstand von Klagen und haben tatsächlich mindestens zwei große Fehler: ¥ Entweder enthalten sie überhaupt gar nichts Nennenswertes oder kommt in ihnen, man weiß nicht recht weshalb, nur die Ansicht des Vertreters der Mandatarmacht zum Ausdruck. 2. sind sie nur allzu oft Irt einer recht oberflächlichen Weise verfaßt. Viele Journalisten und jedenfalls jeder durchschnittliehe Zeitungsleser unterscheiden kaum zwischen der Ansicht des Vertreters der Mandatarmacht und der ihnen unbekannt gebliebenen Ansicht oder Frage der Mandatskommission und verfallen leicht in den Fehler, ein solches Kommunique mit der Stellungnahme der Kommission selbst zu verwechseln. So z. B. war die Erklärung, die Dr. Shiels vor seiner Abreise aus Genf abgab, eine Antwort auf zahlreiche, wohl anders lautende Meinungsäußerungen oder Fragen der Mitglieder der Kommission. Dies kam jedoch im Kommunique gar nicht zum Ausdruck und ein unvoreingenommener Leser mußte annehmen, daß die Ansichten des Vertreters der Mandatarmacht sich mit denen der Kommission ungefähr decken. Es ergeben sich daraus natürlich ziemlich schädliche Mißverstandnisse. Wenn die Kommission keine vollständigeren Konimuniques herausgeben kann, so wäre es sicherlich — in diesen Umständen — besser, ganz davon abzusehen, die Erklärungen oder Antworten der Vertreter der Mandatarmächte früher als die Verhandlungsprotokolle der Kommission selbst zu veröffentlichen. Die außerordentliche Palästinatagung der Mandatskommission hat vom 3. bis 21. Juni, also 18 Tage gedauert. Die Kommission hat sich, allem Anschein nach, einem sehr ernsten und tiefgründigen Studium der ganzen Frage gewidmet und ihre Verhandlungsprotokolle sowie ihr Bericht an den Rat, die in Buchform auf etwa 120 bis 150 Seiten in Quart erscheinen werden, werden sicherlich ein für die Palästinafrage hochbedeufsames Dokument darstellen. * London, 15. Juli. (J. T. A.) Im Unterhaus fragte der frühere Staatssekretär für die Kolonien, A m ery, den Minister- Präsidenten, ob der Palästina-Bericht der Permanenten Mandatskommission in Form eines Weißbuches der engiischen Regierung zugänglich gemacht werden könnte. Der Ministerpräsident verneinte die Frage. Es handle sich um ein vertrauliches Dokument, das dem Völkerbundrat von der Permanenten Mandatskommission, die rein beratende Funktionen hat, unterbreitet worden ist. Er sei dahin־ unterrichtet \W»Weff,‘’‘dftß'jrifle¥#öffehtlfch«ft|: des Berichtes Unangemessen wäre, solange der Bericht vom Völkerbundsrat nicht veröffentlicht worden ist. Seinen Informationen nach wird dies nicht vor Abschluß der September-Session des Völkerbundsrates geschehen. Von der MandatsabteUiing des Vfiikerbundsekretariales Unser Genfer K-y-Mitarbeiter schreibt: Wie wir erfahren, verläßt Herr F. T. B. Friis (Däne) am 1. September d. J. seinen Posten in der Mandatsabteilung, den er seit sieben Jahren inne hat, und übernimmt einen wichtigen Posten in der Entwaffnungsabteilung des V. B.-Sekretariates. Sein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. Außer soll in der Mandatsabteilung ein neuer Posten eines Mitgliedes der Kategorie ״A“ geschaffen werden, so daß diese Abteilung, dem Posten, der nach Abgang von Herrn Friis frei wird, außer dem Direktor, an Stelle der bisherigen drei, vier höhere Beamten umfassen wird. Den Direktorposten bekleidet Herr V. Catastini (Italiener) und die zwei anderen Mitglieder der Abteilung — außer Herrn Friis — sind die Herren de Haller (Sciiweizer) und d’Andrade (Portugiese). Herr Friis, der die Mandatssektion im September verlassen wird, erfreut sich, als sehr intelligenter und pflichteifriger Beamter, einer großen Achtung in den Völkerbundkreisen und sein Ausscheiden aus der Mandatsabteilung wird dort eine schwer auszufüllende Lücke hinterlassen. ln aller Kürze Der hebräische Dichter Chajim Nachmann Bialik ist in Berlin eingetroffen. Er beabsichtigt sich nach Konsultation deutscher Aerzte in ein Bad zu begeben. Nach Zeitungsmeldungen haben in London Besprechungen zwischen Lord Passfield, Oberkommissär Chancellor und Dr. Weizmann stattgefunden. M. M. U ssischkin begibt sich dieser Tage für einige Zeit nach Europa. Ussischkin beabsichtigt dann nach Amerika zu reisen, wo er für den ICeren Kajemeth tätig sein wird. Wie die JTA. erfährt, sollten die Sitzungen der vom Völkerbund eingesetzten Internationalen Kommission zur Schließung der Klagemauerfrage am Donnerstag, dem 17. Juli, zu Ende gehen. Der letzte Sitzungstag wird mit den Plädoyers der beteiligten Parteien ausgefüllt sein. Die Munizipalität von Tel-Awiw hat die erste Hälfte des Jahres 1930 mit einem Ueberschuß von 1500 Pfund abgeschlossen. Wenn noch die Reduktionen vorgenommen werden, die von der Regierung verlangt werden, so wird der Ueberschuß 2000 Pfund betragen. (Ziko.) In der Kommission für Sozialpolitik des Stockholmer Gewerkschafts-Kongresses wurde auf Antrag des palästinensischen Delegierten David ben Gurion ein Antrag anggenomtnen, demzufolge die vom Kongreß beschlossenen Resolutionen betreffs Schaffung sozial-politischer Gesetze sich auch auf Mandatsgebiete, die keinen selbständigen ן Vertreter im internationalen Arbeitsamt haben, erstrecken. Am 19. Oktober wird in Washington die achte Session des;amerikanisch-jüdischen Kongresses eröffnet 1 werden. An ihr wird als Ehrengast und Hauptredner das englische Unterhausmitglied Harry S n e 11 teilnehmen, der Verfasser des Minoritätsvotums zum Shaw-Bericht. Am 1. Tamus wurde Herr Menasche Meirovvitz aus Rischon Lezion, einer der ״Acltesten des Jischuw“, 70 Jahre alt. Meirowitz gehört zur Gruppe der ersten Bilu, die 1881 nach Palästina kamen. Gegenwärtig ist er in der Leitung der Weinkellereien von Rischon Lezion tätU.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.