Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 55 (15.7.1930)
- Date
- 1930-07-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 55. iS, VII. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 371 Presseschau Agency-Poltiik für die Abwehr-Ar bell? Die ״C. - V. - Z e i t u n g“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 11. <1. M. an leitender Steile einen bemerkenswerten Artikel von R.-A. Karl Löwenstein (Aachen) ״Nationaijuden und Abwehrkampf“. Darin wird im An• Schluß an den Artikel der ״Jüdischen Rundschau“ vom 10. Juni ausgeführt, daß die Zionisten jetzt die Bedeutung der Abwehrarbeit gegen den Antisemitismus höher einschätzen als bisher, und dann fährt der Verfasser fort: ״Weil Ihnen eine eigene Abwehrorganisation fehlt, wäre es für die Zionisten, welche die Abwehr wollen, wohl das gegebene, die berufene Abwehrorganisation, den C.-V. zu unterstützen. Das wollen sie aber nicht aus Gegnerschaft gegen den C.-V. Deshalb fordern sie, daß die Synagogengemeinden und die Landesverbände der Synagogengemeinden die Abwehrarbeit übernehmen, sich als ’Abwehrorganisation konstituieren sollen. Richtig ist nun, daß die Auffassung des C.-V. sich in wesentlichen Punkten von der zionistischen unterscheidet. Trotzdem wäre zu prüfen, ob bei aller Gegensätzlichkeit der Meinungen nicht doch die Zionisten mit dem C.-V. im Abwehrkampf eine gewisse Strecke Zusammengehen können. (Von uns gesp. — Red. ״J. R.“) Wird diese Frage bejaht, so ist die weitere Frage zu erörtern, ob die gemeinsame Abwehrarbeit durch Eingliederung der Zionisten in den C.-V. in irgendeiner Form möglich wäre oder ob die Organisierung des Äbvvehrkampfes durch die Synagogengemeinden und ihre Verbände möglich und vorzuziehen wäre.“ Im weiteren Verlauf des Artikels verteidigt Dr. Löwenstein den C.-V. gegen die Annahme, er wolle den Unterschied von Juden und Nichtjuden aufs Religiöse beschränken und verweist auf das Wort von Eugen Fuchs: ״Es wäre unaufrichtig zu leugnen, daß Ich als Jude eine besondere Eigenart habe, daß die jüdische Abstammung, das jüdische Vaterhaus mir eine nicht bloß religiöse, sondern auch eine besondere geistige und wohl auch körperliche Prägung mitgegeben haben.“ Der Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten, erklärt Dr. L., liegt vielmehr in den politischen Konsequenzen, die die einzelnen Gruppen aus dieser Unterschicdlichkeit des jüdischen Menschen ziehen. Der C.-V. halte daran fest, daß die Juden trotzdem zum deutschen Volkstum gehören. Nachdem er noch gegen die Hineinziehung der Synagogengemeinden in die Abwehrarbeit polemisiert hat, schließt der Artikel: ״Darum wäre sehr woh! die Frage zu erörtern, ob es den Zionisten möglich wäre, sich in den Abwehrkampt des C.-V. einzugliedern, ähnlich wie es doch möglich war, daß in der Jewish Agency Nichtzionisten für das zionistische Ziel, die nationaljüdische Heimstätte in Palästina, mitarbeiten, ohne daß die Zionisten in ihrem nationalen Palästinaziel oder in ihrer nationalen innerjüdischen Kampfstellung irgend etwas von ihrer Gesinnung oder ihrer Weltanschauung geopfert hätten.“ Dieselbe Nummer der ״C.-V.-Zeitung“ veröffentlicht einen auffallend aufgemachten, etwas aufgeregt geschriebenen Artikel ״Soll das so weit er gehen?“, worin sich der C.-V. gegen ״unglaubliche nationaljüdische Herausforderungen“ verwahrt, die einen ״Dolchstoß in die Abwehrfront“ bedeuten. Diese großen Worte beziehen sich auf Artikel der Prager ״Selbstwehr“ und der ״Jüdischen Zeitung für Thüringen“, wo die G-V.-Arbeit in Thüringen kritisiert worden war. Uns scheint diese Empfindlichkeit entschieden übertrieben. Wir behalten uns aber vor, auf diese Aeußerung sowie auf den Artikel von Dr. Löwenstein, die beide sich direkt an nationaljfldischen Kreise wenden, noch zurückzukommen. * ״ Ira Juliheft der״S0z!alistischenM0natshefte“, das u. a. in der Rubrik ״Frauenbewegung“ eine gute Inforniation über die jüdische Frauenarbeit in Palästina gibt, bespricht Hermann K r a n o 1 d in seiner Rundschau ״Außenkolonisation“ die letzten Ereignisse in Palästina. Er gibt eine Kritik des Shaw-Berichtes, die in folgenden Worten gipfelt: ״Für den Kenner der palästinensischen Verhältnisse kann gar keine Rede davon sein, daß Palästina nicht noch für große Massen von Einwanderern aufnahmefähig wäre, ohne daß deshalb ein landloses arabisches Proletariat geschaffen werden müßte.“ — Zur Mission Simpsons, die ein Rückzug Englands sei, führt Kranold aus: ״Sachlich nötig ist eine solche Untersuchung kaum mehr. Die Arbeiten sowohl von jüdischer Seite (namentlich die ausgezeichneten Arbeiten Eiazari-Volcanis) wie auch der Landwirtschaftsverwaltung in Palästina selbst, zum Beispiel des Obersten Savver, enthalten über die Frage bereits alles erforderliche Material. Sie ergeben, daß schon jetzt der erzieherische Einfluß der jüdischen Landwirtschaft auf die Araber ausstrahlt, und daß, wenn er bisher noch nicht voll wirksam geworden ist, dies eben daran liegt, daß die Verwaltung des Landes durch die britischen Behörden die Forschungsergebnisse und praktischen Erfahrungen der jüdisehen Kolonisation bisher noch viel zu wenig in den Dienst der landwirtschaftlichen Erziehung der arabischen Bauern gestellt hat.“ Schließlich kommt Kranold zu folgenden kritischen Bemerkungen über die zionistische Kolonisation: 1״. Die jüdische Kolonisationsbewegung hat seit dem Erlaß der Balfour-Erklärung viel zu sehr ihre Sache auf den guten Willen der Engländer gestellt, ohne zu beachten, daß bei den ausschlaggebenden Faktoren in England dieser gute Wille lediglich Erwägungen der Reichspolitik entsprang und deshalb an solchen Erwägungen auch eine Grenze finden muß. 2. Die jüdische Kolonisationsbewegung hat in der Zeit, in der ihr von englischer Seite noch nicht’so enge Schranken gezogen wurden wie heute, und in der England noch nicht so sehr unter dem Anreiz stand, den Arabern Liebesdienste zu erweisen, quantitativ mit der Förderung der Kolonisation allzusehr zurückgehalten und dafür aualitativ die Ausstattung der Kolonisten weit mehr als nützlich in den Vordergrund gerückt. Sie hat dabei denselben Fehler gemacht, wie die deutsche Ostsiedlung seit Kriegsende, die auch eine kleine Anzahl von Bauernstellen mit höchster Kapitalintensität ausgestattet, dabei aber das Ziel, viele Bauernstellen zu schaffen, völlig aus dem Auge verloren hat. Infolgedessen sind die Juden heute zahlenmäßig viel schwächer in Palästina als sie hätten sein müssen; sie werden noch lernen müssen, daß die Zukunft ihrer Kolonisation weniger vom britischen Wohlwollen als vielmehr davon abhängen wird, wie stark qantitativ die Position des jüdischen Elements im Land ist. 3. Nicht nur manche zionistische Agitatoren, sondern auch die Leiter der Bewegung haben von vornherein nicht genug getan, um das ländliche arabische Proletariat Palästinas auf die jüdische Seite zu bringen. Das war freilich eine sehr schwierige Aufgabe. Aber es wäre die einzige Möglichkeit gewesen, um zu vermeiden, daß die Klasseninteressen der Fellachen gegen die jüdische Einwanderung ausgespielt werden konnten, wie es bei den Unruhen von 1029 und jetzt wieder bei der Erörterung der ,Schuldfrage‘ tatsächlich in besorgniserregendem Maß und, wie der Bericht zeigt, nicht ohne Erfolg geschehen ist. Der Shaw-Bericht sollte Anlaß geben, aus solchen Erfahrungen die Lehre zu ziehen und den Kurs der jüdischen Koionisationsarbeit zu ändern. Schließlich sind die Neuengland- Staaten, Canada, Südafrika und Australien, nicht nach dem Prinzip kolonisiert worden, daß der Kolonist erst In Europa Das iUdisdic Berufsproblem Zu dem Artikel von Hugo Rosenthal in Nr. 53 der ״Jud. Rundschau“ sind uns u. a. folgende Aeußerungen zugegangen, die gerade dadurch, daß sie einen entgegengesetzten Standpunkt vertreten, die Schwierigkeit des Problems beleuchten. Damit müssen wir die Diskussion über dieses Thema vorläufig abschließen. Red. Notwendigkeit der Berufsberatung Von S. Adler-Rudel Flugo Rosenthal hat mit Recht darauf hingewiesen, daß im Rahmen ries Schulwesens sehr weitgehende Möglichkeiten einer Beeinflussung der beruflichen Umschichtung der jüdisehen Jugend vorhanden sind. Die frage der beruflichen Um- Schichtung steht in der letzten Zeit im Mittelpunkt der öffentlichen Auseinandersetzung. Es darf dabei aber nicht übersehen werden, daß wir nicht mehr über Berufsumschichtung reden, sondern daß diese sich bereits in einem außerordentlichem Umfange durchzusetzen beginnt. Für das Versagen der Berufsumschichtungsbestrebungen in Deutschland bis zum Kriege ist der wirtschaftliche Zustand der deutsehen Juden entscheidend gewesen. Solange in anderen Berufen genügend und günstige Erwerbsmöglichkeiten gegeben waren, bestand für den jüdischen Vater keine Veranlassung, seinen Sohn einem Beruf zuzuführen, der gesellschaftlich minder bewertet war und geringere Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten bot. So mußte es kommen, daß nur jene Kinder Objekte der Bcrufsumschichtungsbestrebungen waren, die entweder elternlos waren oder bei der allzu großen Armut ihrer Eltern in ihrer beruflichen Ausbildung von irgendwelchen philantropischen Einrichtungen, Gemeinden oder privaten Vereinen abhängig waren. Auch bei ihnen war der Zwang Handwerker zu werden, oft eine sehr bitter empfundene Notwendigkeit, der sie sich, dem Druck ihrer Wohltäter folgend, fügen mußten. Die Umschichtungsbestrebungen unserer Zeit haben deshalb mehr Aussicht auf Erfolg, weil sie nicht künstlich ohne Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten propagiert werden, sondern weil die breite und immer ärmer werdende Masse der Juden mit ihrem für wirtschaftliche Dinge außerordentlich geschärften Instinkt erkannt hat, daß in der Gegenwart die Aussichten im Handwerk wes entlieh günstiger sind als in den kaufmännischen Berufen. Die Berufsberatungsstellen, die den Uebergang zu manuellen Berufen betreiben, finden deshalb bei den Eltern ein sehr williges Ohr. Aber auch in den Kreisen der Jugend, namentlich in der organisierten Jugendbewegung ist die Erkenntnis der Notwendigkeit einer beruflichen Umschichtung außerordentlich stark. Gewiß war hier die Idee der Chaluziuth und die Bereitwilligkeit des Chaluz zur Umschichtung bahnbrechend. Heute aber steht bereits der größte Teil der organisierten jüdischen Jugend Deutschlands auf dem Boden der beruflichen Umschichtung. Der Erfolg der Berufsumschichtung ist zum großen Teil von dem Vorhandensein einer hochwertigen Berufsberatung und materiellen Möglichkeiten für die berufliche Ausbildung abhängig, in den kleinen Gemeinden ist es damit außerordentlieh schlecht bestellt, da sie nicht in der Lage sind, für die wenigen Kinder, die bei ihnen in Frage kommen, eine hoch- * wertig« Berufsberatung einzurichten. Versuche, mehrere Gemeinden zu gemeinschaftlicher Arbeit für Arbeitsnachweis und Berufsberatung zusammenzuschließen, haben bis jetzt keinen wesentlichen Erfolg gehabt. Aber auch in den Großstädten sind die Verhältnisse sehr schwierig. Berlin hat wohl eine gut eingerichtete Berufsberatung, doch hat diese auch im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit den jüdischen Schulen außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden. Es ist interessant festzustellen, daß die Berufsberatung bei der von der Schule abgehenden Jugend ein sehr williges Ohr findet, und daß Schülerversammlungen, die sich mit den Fragen der Berufswähl beschäftigten, einen sehr guten Besuch autzuweisen haben. Hingegen haben die Versuche, die Lehrerschaft der jüdischen Schulen für die Fragen der Berufszukunft ihrer Schüler zu interessieren, bis jetzt keinen nennenswerten Erfolg gezeitigt. Dies soll an einem Berliner Beispiel klargemacht werden: Die Berufsberatung ist seit dem 1. 1. 29 eine Gemeindecinrichtung; die jüdischen Schulen werden ebenfalls von der Gemeinde erhalten. Nach langen Bemühungen war es der Berufsberatung gelungen, einen Lehrerausschuß zu schaffen, der sich für die Fragen der Berufswahl interessieren sollte. Im Rahmen dieses Ausschusses wurde der Wunsch laut, den Lehrern gewisse Einblicke in die verschiedenen Berufe zu ermöglichen, da sic nur dann diese Fragen im Rahmen des Unterrichts befriedigend behandeln können. Die Berufsberatung hat daraufhin gemeinsam mit dem Leiirerausschuß einen berufskundliehen Kursus für jüdische Lehrer in Berlin veranstaltet, der trotz eifrigster Propaganda in den Kreisen der Lehrerschaft fast gar keine Beachtung fand. Abgesehen von wenigen rühmlichen Ausnahmen haben die Lehrer diesem Kursus kein Interesse entgegengebracht. Dies soll min nicht heißen, daß auf eine Mitarbeit der Schule verzichtet werden soll, denn auch ich bin der Meinung, daß es von entscheidender Bedeutung für die berufliche Zukunft unserer Jugend ist, daß die Schule sie zur Arbeitsfreude und zu Werkinteresse erzieht. Doch dies setzt einen grundsätzlichen Umbau unserer Schulen voraus, da es offenbar mit dem vorhandenen Lehrmaterial nicht möglich sein wird, diese Wünsche zu befriedigen. Hier in der Umgestaltung der jüdischen Schule zu einer Arbeitsschule, in der Verjüngung der Lehrerschaft, liegen grolle Möglichkeiten, doch auch große Schwierigkeiten, die nicht übersehen werden dürfen. Hier wird sich mit der Einschaltung von ein bis zwei Stunden in den Stundenplan, mit der Heran- Ziehung privater Geldmittel nur wenig erreichen lassen. Im Rähmen der Gemeindearbeit muß diesen!fingen, die heute schon fast Gemeingut aller Richtungen im Judentum sind, besondere Aufmerksamkeit zugewandt werden, denn nur über die Gemeinde läßt sich eine Umgestaltung der Schuten und damit eine Gesundung der Berufsstruktur der Juden herbeiführen. Nicht Umschichtung, sondern Qualifizierung Von E m a n 11 e I Weiner. Die katastrophale Wirtschaftslage in Deutschland und der gleichzeitig sich verschärfende wirtschaftliche Antisemitismus haben stärker denn je die Frage aufgeworfen, wie die berufspolitische Neuorientierung der Juden hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung speziell in Deutschland zu erfolgen habe. Voraussetzung für Inangriffnahme dieses Problems ist die Einsicht, daß es sich um die berufliche Zielsetzung* im Galuth und nicht Vorarbeit für eine Emigration oder Alijah handelt; denn diese Aufgaben verlangen menschlich und fachlich eine grundsätzlich andere Lösung. Die Notwendigkeit, eine neue Generation — die Berufs- Politik Ist ein Problem der Jugend — in wirtschaftlich günstigere Positionen zu leiten, hat bisher Auffassungen gezeitigt, die das Problem falsch, vor allem bezüglich der Berufs- Umschichtung, betrachteten. Jede Diskussion über die Erwerbsarbeit der Juden im Galuth hat als gegeben zu nehmen, daß die Berufsstruktur der Juden stets nicht lediglich aus einem ökonomischen Gesetz, vielmehr aus ihrer Stellung als besonders geartete Minderheit resultieren wird. Unter diesem Aspekt gesehen, ist der Ruf nach manueile r Arbeit unter den Juden im Augenblick verantwortungslos, denn diese Politik führt vom Regen in die Traufe. Es ist als sicher anzusehen, daß der wirtschaftliche Antisemitismus, der heute Arbeitgeberschaft und die biirgerliehen Kreise charakterisiert, sofort auch die organisierte Arbeiterschaft ergreifen wird, d. b. er wird in der Gewerkschaftspolitik die gleiche Rolle spielen, wofür schon jetzt bestimmte Zeichen sprechen. Es muß immer wiederholt werden, daß die Ergreifung manueller Berufe ohne besondere Wahl speziell in Deutschland wirtschaftlicher Selbstmord bedeutet. In einer Zeit, in der die Arbeiterschaft den höchsten Prozentsatz der Arbeitslosen- Ziffer bildet, die Löhne ein Minimum erreichen, das den Staat zum Eingriff zwingt, der Unterschied zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern infolge Rationalisierung und Aus schaltung qualifizierter Handarbeit um Markbeträge differiert, in einer solchen Zeit bedeutet diese Berufspolitik mehr als Pro- Ietarisicrung — und saecular gesehen, Entjudung. Der Weg der Selbsthilfe ist nicht Berufsumschichtung, sondern Berufsqualifizierung. Es ist eine Tatsaclie, daß der Jude Positionen inne hat, die mehr händlerischorganisatorische Fähigkeiten bedingen. Diese Fähigkeiten gaben Möglichkeiten in der freieren Wirtschaft der Vorkriegszeit, genügen jedoch keineswegs in unserer durch Vertrustung und Kartellierung gebundenen Wirtschaft. Das Interesse hat sich vor allem der Industrie zuzuwenden. Unter dieser Zielsetzung haben praktische Vorschläge auf die Forderung zu lauten, für eine möglichst solide Ausbildung der Berufsanwärter zu sorgen. Es ist heute mit einer längeren Fachausbildung als früher zu rechnen, da die Wirtschaft wachsende Ansprüche stellt. Die Ausbildung hat sehr vorteilhaft eine theoretische Fundierung zu erfahren. In diesem Sinne sind die Ausführungen von Hugo Rosentlial in der ״Jüd. Rundschau“ Nr. 53 illusorisch, da sie keinen Weg weisen; oder glaubt R., daß deutsche Verhältnisse mit palästinensischen Maßstäben gemessen werden können? — Die nfichstliegende Forderung ist die planmäßige zentralisierte Unterstützung der theoretischen und praktischen Fachausbiidung durch die jüdischen Körperschaften unter dem Gesichtspunkt größter Nachfrage. « a) Handwerklich: z. B. Monteur, Schweißer. Elektroinstallateur, Setzer, Bauschlosser, Feinmechaniker; b) Kaufmännisch; z. B. Technischer Kaufmann; c) Technisch: z. B. Vertriebsingenieur. Dieser ganze Fragenkreis wäre einer exakten systematisehen Bearbeitung durch das neugegründete statistische Büro der Berliner Jüdischen Gemeinde würdig. llllllllllll(lllllllllllll(llflll!lllll(llllllfm1lillllllllllHlliHIIH)llllllll)[NIHII»)ll[llll)HI[[MIII|[|l[l)lllllllllllll)llll!lllll)lllll)lll)l)IIIIH)[|lilllllllllllllllllll||llllll[il|lllllll)lillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllMllllllllllllllllllllllllllllllllllilllltl1n1llllllllillWIIIIII1lllllllll ,ausgebildet‘ und für die Niederlassung im neuen Land mit den letzten technischen Errungenschaften, mit vorzüglichen Krankenhäusern, Schulen, Universitäten, Technischen Hochschulen, Lebensbequemlichkeiten und Wanderbühnen ausgestattet werden muß, sondern nach dem Prinzip, daß nur der Freiheit und das Leben sich erringen kann, der täglich sie erobern, täglich sie in unveränderlicher Bemühung einer widerspenstigeri Natur und Menschenumwelt abringen muß. Es würde nichts schaden, wenn die jüdische Kolonisation sich darauf besinnen und danach ihr weiteres Vorgehen einrichten wollte.“ * Die ״Deutsche Allgemeine Zeitung“ bringt in ihrer Beiläge ״Weltverkehr“ (Nr. 25) einen interessanten Aufsatz über die britische Verkehrspolitik in Vorderasien, in dem aiisführlieh dargestellt wird, daß Haifa nach den englischen Plänen dazu bestimmt ist, als Ausgangs- bzw. Umsteigeplatz für Automobil-, Eisenbahn-, Flugzeug- und Luftschiffverkehr die allergrößte Bedeutung zu erhalten, und die Rolle Beiruts als Haupthafen fürVorderasien zu übernehmen. Die Palästina-Regierung veröffentlicht folgende Daten Über den Import von chemischem Dünger ins Land im letzten Jahre. Im Jahre 1929 wurden 7091) Tonnen chemischen Düngers in Höhe von £ 39396 g’geni'iber £ 12464 im Jahre 1922 nach Palästina importiert. Nach Cypern, das 320 000 Einwohner zählt, wurde im Jahre 10» chemisch»־ Dünger Im Werte von £, §3103 importiert. Das Wiener Sfudentenredil Der Berliner ״M o 111 a g M o r g e n“ berichtet, daß der Sfaatsrechtichrer der Wiener Universität, Prof. Kelsen, eine Leuchte der österreichischen Wissenschaft, einen Ruf nach Köln angenommen habe. Kelsen sah sich zu diesem Schritt durch den ausgesprochen antisemitischen Kurs an der Wiener Universität veranlaßt. Der ״Montag Morgen“ schreibt in dem Kommentar zu diesem Vorfall, daß das neue Studentenrecht in Wien die Juden offiziell als ״inferiore Subjekfe“ bezeichnst. Diese Behauptung ist f a 1 s c 11. Das neue Studentenrecht in Wien anerkennt den Begriff der jüdischen Nation und gibt jeder nationalen Studentengemeinschaft das Recht, nur diejenigen Studenten in ihre Gruppe aufzunehmen, die sie als national zugehörig betrachtet. Darin mag eine Ungerechtigkeit gegen Juden liegen, die sich zum Deutschtum bekennen und in die deutsche Grunpe keinen Einlaß finden, aber eine Deklaration, daß die Juden ״inferior“ sind, kann man in dieser Regelung nicht erblicken. Ans den Gemeinden In Berlin hat sich eine Arbeitsgemeinschaft aller von Ostjuden begründeten und unterhaltenen Synagogen gebildet. Zweck der Arbeitsgemeinschaft ist die Erhaltung ostjüdischer religiöser Tradition und die Vertretung der religiös-konservativen Wünsche gegenüber der Jüdischen Gemeinde. An der Spitze der Arbeitsgemeinschaft stehen die Herren N, Acker- Sutii! Bach, Alfier u. a. tn.