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Jüdische Rundschau · 1930-07-15 · Heft 55 (15.7.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 55 (15.7.1930)
Date
1930-07-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 370 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 15. VII. 1930 si1iz?;;t1keit der Unruhen nicht ausgeschlossen; die Kommission ist meht davon überzeugt, daß die von der Majorität der bri* ts";d)c:1 tntersuchungskommisslon eingenommene naehsicht i g c _ I״! altung gegenüber dem Verhalten der a r a hi sehen 1־ ü ii ז e r gerechtfertigt 1' s t.“ . .Dje Mandatskommission ist ferner der Meinung, daß die briiisciic Erklärung, in der behauptet wird, daß die Palästinabewegung nicht gegen die britischen Behörden gerichtet war, kaum zu rechtfertigen ist. Zweifellos waren die Angriffe der Araber misschließlich gegen die Juden gerichtet. Aber die Erregung der an ihnen beteiligten Amber hatte in politischen Verhältnissen ihren Ursprung. Für die«״_ Erregung wurden von den Arabern diejenigen verantwörtlich gemacht, die an der Ausführung des Mandats interessiert sind, also an erster Stelle die britische Regler u n g. Alle Vorstellungen von politischen Führern, Vereinigongen und anderen Vertretern des arabischen Elements haben klar erwiesen, daß die arabische Bewegung eine Tendenz zur Auflehnung gegen die Politik der Mandatarmacht als solche enthält .,Oie britische Regierung hätte vor dem September 1929 handeln müssen. Die Mandatarmacht stimmt mit der (britischen) Untersuchungskominlssion in der Feststellung überein, daß der im Lande herrschende gefährliche Gemütszustand durch fortgesetzte Propaganda der Landespresse, an erster Stelle der arabischen Presse, gefördert worden ist. Die Administration hat nicht immer rechtzeitig von der zu ihrer Ver- Fügung stehenden Macht Gebrauch gemacht. Durch das Preßgosetz können Veröffentlichungen aufwieglerischen Charakters ausgeschaltet werden. Die Palästina-Regierung wurde durch die Ereignisse In vieler Hinsicht überrascht. Die von der Landes-Ädministration in der Berichtsperiode bewiesene Unsclilüssigkeit erklärt sich durch die Tatsache, daß die Ereignisse sic vollkommen unvorbereitet trafen.“ Die Kommission kann ihr Bedauern darüber nicht verbergen, daß die Mandatarmacht bei der Totaldurchführung des ,Mandats in manchen Hinsichten nicht erfolgreich gewesen ist. Es wird gegen die Regierung der Vorwarf erhoben, sic habe ihre V e r p f 1 i c h t u n g, d ic E r r ic h t u n g e i n e s Nationalheims für die Juden zu fördern, nicht erfüllt. Sie hat es unterlassen, die für die Entwicklung eines nationalen Zentrums für das jüdische Volk notwendigen Bedingungen, die Sicherheit für Leben und, Eigentum, zu schaffen. Ihre Schwäche in mancher Beziehung angeskhts solcher präzcdenzloser Erscheinungen, wie sie die zionistische Bewegung darstellt, hat auch andere als nur jüdische Interessen geschädigt. Irn Hinblick auf die wohl organisierte und über bedeutende finanzielle Mittel verfügende jüdische Gemeinschaft müssen die unorganisierten und solcher finanziellen Wellen entbehrenden Araber schwere Bedenken hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Zukunft tragen. Sie hätten Schutz ihrer Interessen finden müssen, in einer Agrar-Politik oder in der Durchfiihrung öffentlicher, zur Entwicklung der landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes bestimmter Arbeiten. Solche Maßnahmen würden die Araber dahin gebracht haben, die gewonnenen Vorteile richtig einzuschätzen und die Kenntnis moderner Methoden zur Erzielung größter Gewinnung aus dem Boden, unter ihnen verbreitet haben. D I e Kommission ist der Meinung, daß die Mandatarmacht die Interessen der beiden Elemente der palästinensischen Bevölkerung miteinander ln Einklang ' Sitte bringen können. Durch Studium der die Einwohner des Landes interessierenden ökonomischen Probleme hätte die Regierung die beiden Elemente in eine enge Verbindung miteinander bringen und so zu einer Fusion der Interessen beitragen können. Aul die Forderungen nach freier Selbstregleruag übergehend, stellt die Kommission fest, daß diejenigen, die diese Gedanken formulieren, bei ihr keine Unterstützung finden werden. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Notwendigkeiten, gegen feindselige Elemente elnzuschrelteil, die Palästina-Regierung nicht daran hindern werde, ein konstruktives Programm mit' größerer Energie als bisher durch- Zufuhren. Die von der britischen Regierung zur Verhinderung zukünftiger Unruhen unternommenen Schritte werden gatgeheißen. Der Bericht spricht sich dahin aus, daß die in dem Mandat niedergelegten Verpflichtungen gegenüber den beiden Teilen der palästinensischen Bevölkerung gleich bedeutsam und keineswegs miteinander unvereinbar sind. (ln dieser zweiten Wiedergabe des Inhalts des Berichtes der Mandatskommission berichtigt ״Daily Telegraph“ in manehen wesentlichen Punkten seine vor einigen Tagen verbreitete erste Wiedergabe, aus der der Eindruck hätte gewonnen werden können, daß der Bericht einseitig proarabisch ist. Anmerkung der Redaktion.) Wieder-Ausgabe der Zertifikate? Der parlamentarische Korrespondent des ״J e w! s h C h r on I c 1 c“ will erfahren haben, daß die Regierung beschlossen hat, die Suspension der Zertifikats-Einwanderung rückgängig zu machen. Die Zertifikate sollen in zwei Raten wieder ausgefolgt werden, und zwar sofort nachdem das Parlamenf in die Sommerferien gegangen Ist. Es ist allerdings zu berücksichtigen, daß inzwischen Sir John Chancellor in London eingetroffen ist und wahrscheinlich in dieser Sache befragt werden wird, ״jewish Chronkle“ berichtet weiter, daß der Prlmeminister MacDonald sich bemühen wird, die beabsichtlgäe Demission Chancellors zu verhindern und ihn zum Bleiben zu überreden. Andererseits nimmt man an, daß Chancellor die Regierung veranlassen wird, in dieser Session keine U n t e r h a u s d e b a 11 e über Palästina וזו ehr zuruiassen, sondern diese Debatte au! den Herbst zu verschieben. Der Sohn des Primeministers, Mr. Malcolm MacDonald, setzt seine eifrigen Bemühungen zur Unter- Stützung des Zionismus fort. Er fungiert, wie ״Jewbh Chronick“ sagt, in halboffizieller Weise als Vertreter seines Vaters, da der Prlmeminister gegenwärtig zu sehr mit anderen Dingen in Anspruch genommen ist. Ein Dementi hat kurze Beine Die Pogrom weile in Rumänien. Auf die Nachricht von der Niederbreimung des rumänisehen (udei,Städtchens Borseha durch Cuzisten, ließ die rumänische ״Regierung im Auslände ein Dementi verbreiten, daß der Brand durch Zufall umgebrochen ist. Diese Behauptung fand sofort eine kategorische Widerlegung. Zahlreiche Einwohner von Borseha bezeugten, daß der Brand bei völ- I i 1-<׳- r Windstille /u gleicher Zeit an verschiedenen voneinander weit auseinander liegenden, durch einen Fluß getrennten Steden ansgebrochen sei, und daß vor dem Brande die Bevölkerung Drohbriefe erhalten habe, in denen die Brandlegung angekündigt wurde. Mittlerweile bat die antis v m 1't'i sche Bewegung in der Südbukowina und א o r d s i e b e ti bürgen derartige Dimensionen angenommen, dal» sich die Bukarcster Regierung gezwungen sah, in einer besonderen Besprechung über Maßnahmen gegen den antisemitischen Terror zu beraten. Das Dementi der rumänischen Regierung wurde durch die Regierung selbst prompt widerlegt. Die Klagemaaer - Kommission Moslems aus allen Ländern vertreten Jerusalem, 9. Juli. (J.T.A.) Int Verlauf der Verhandhmgeu vor der Klagemauer-Kommission wurde der frühere diplomatische Vertreter des Irak in London, Mczah Bey Pach a c 11 i, vernommen. Er sagte, daß er in Vertretung des in Irak gebildeten Komitees zum Schutz der moslemischen Rechte in Palästina einschließlich der Rechte am Burak gekommen sei, um Zetigcnschalt abzulegen. Er habe nie gewußt, daß der Burak Klagemauer genannt werde. Der Burak sei den Moslems heilig, da er im Koran erwähnt ist und einen Teil der Aksa-Moschee bildet• Die betenden Moslems wenden sich, bevor sie sich nach Mekka richten, in die Richtung der Aksa- Moschee. Es sei daher unzulässig, daß die Juden an der Mauer eine Synagoge errichten. Die Moslems des Irak und Indiens sind sehr erregt darüber, daß sich der Zustand an der Mauer im Effekt der Errichtung einer Synagoge nähert. Die Erregung wäre gleich groß, wenn es sich um eine Kirche handelte. Aber die Frage des Burak sei flieht der einzige Grund für die Bildung des Komitees im Irak. Auf Befragen seitens des Dr. Eliash wußte der Zeuge nicht zu sagen, ob Burak und Klagemauer identisch sind, auch wußte er nicht, daß der vom Obersten Moslemischen Rat herausgegebene Führer für den Tempelplatz und seine Moscheen die Mauer nicht erwähnt. Er hat die Mauer in den Jahren 1927 und 1929 besucht. Der Zeuge sagte, er würde die Moslems, die in der Niiiic der Mauer eine Latrine errichtet haben, hängen. Er hatte nichts davon gehört, daß der Platz vor der Mauer besudelt worden ist. Der Verhandlung wohnten auch andere moslemische Nofabeln bei, _ unter ihnen Abdul Kalla Mouzakki, der frühere Waklf-Mi n i ster Aegyptens, der Vizepräsident des Obersten Moslemischen Rates in Beirut Osman Bey Houm, Abu Bekr Elasharj als Vertreter der Vereinigung javanischer Moslems und der persische Handelsattachce in Aegypten Gazer Mauski Bey. Reverend C h r i s t i e , der älteste englische Einwohner von Tiberias, hat, da er seines hohen Alters wegen die Reise nach Jerusalem nicht unternehmen konnte, um seine Aussagen persönlich zu machen, In einer schriftlichen eidlichen Erklärung eine erschöpfende Beschreibung seiner zahlreichen Besuche an der Klagemauer übersandt In ihr legt er dar, daß er sowohl individuellen wie Gemeindegottesdienst mit allen Zubehören beobachtet hat. Der Vorsitzende bemerkte, daß die Kommission vielleicht nach Haifa oder Tiberias wird gehen müssen, um das Kreuzverhör mit dem Zeugen anzustellen. Eine andere schriftliche eidliche Erklärung übersandte ein Berliner zionistische Vereinigung Dienstag, den 22. Juli 1930, abends 8*/3 Uhr in den Musikerfests’älen, Kaiser-Wilhelm-Straße 31 Herzi-GedenKieier Ansprachen: Alfred Berger / Dr. Nahum Goldmann Lehrer aus Manchester, namens Siotki. Der Schreiber der in England beschworenen Erklärung führt aus, daß er die Mauer mit seinem Vater im Jahre 1890 besucht hat, daß er sieh auf einen Stuhl setzen wollte, und daß ihn sein Vater davon mit dem Hinweis abhielt, die Sitzgelegenheiten seien für die alten Leute reserviert. David Y c 1 i i n erzählte, als Zeuge vernommen, von einer Unterredung, die er gemeinsam mit Chiefrabbi Franko, Albert Antebi und Dr. Isaak Levi noch in der Kriegszeit mit dem türkischen Oberbefehlshaber in Palästina, Dscliemal Pascha, hatte. Dschemal Pascha schlug damals vor, daß der TIatz vor der Mauer für die jüdischen Beter in geeigneter Weise erweitert wird, auch wenn dadurch ein Austausch des dort gelegenen Wakf-Eigentums gegen ein ähnliches Besitztum an anderer Steile notwendig werden sollte. Die Juden reichten im Zusammenhang mit dieser Anregung Später Karten und Pläne ein, doch kam man auf die Sache nicht weiter zurück. Yeliin sagte, er kenne die arabische und islamische Literatur in sehr weitem Umfange, ihm sei auch die Legende von der Himmelfahrt des Propheten sehr wohl bekaimt, er habe aber nichts gehört und an keiner Stelle etwas gelesen, was die Identität der Klagemauer mit dem Platze, an dem das legendäre Pferd des Propheten ei Burak angekettet gewesen war, bestätigt, oder was sonst dafür angeführt werden könnte, daß die Kiagemauer den Moslems heilig ist. Als orthodoxer Jude habe er das Harem-Gebiet nie betreten. A!1 n i Bey erklärte, er müsse den Versuch Yellins, die Unheiligkeit des Burak zu behaupten, zurückweisen. Yeliin bestritt, daß er etwas derartiges versucht habe. Er habe bloß einige wohlbekannte Autoritäten zitiert. Auni Bey sagte, es seien unwichtige Autoritäten. Yeliin legte weiter dar, daß sich die Archäologen darüber nicht einig sind, ob gewisse sichtbare Mauersteine der Klagemauer aut die Zeit des Königs Salomon zurückgehen; aber fast alle stimmen darin überein, daß die unterste Schicht saiomonisch ist. Unter den Juden selbst hat es allerdings nie einen Zweifel darüber gegeben, daß die Mauer ein Ueberrest des salomonischen Tempels ist. Ais weiterer jüdischer Zeuge wurde der Palästina-Geogragh und Publizist Dr. B r a w e r vernommen. Er erinnert sich, daß im Jahre 1913, als einmal der Platz vor der Klagemauer überfüilt war, den Betern von den Nachbarn gestattet wurde, in dem jetzt als Zawieh-Moschee eingerichteten Gebände zu beten. Er selbst sah vor einigen Jahren die Mauer mit Dung beschmiert und führte bei dem damaligen Gauverneur von Jerusalem, General Storrs, Klage darüber. Storrs ließ eine polizeiliche Untersuchung anstellen, ohne daß aber der Täter ermittelt werden konnte. Für die arabische Seite wurde dann Mohammed Altaftazan{ Sufi, der ״Wächter“ des ägyptischen Wakf, vernommen. Er sagte, ei Burak erinnere die Moslems an die nächtliche Himmelfahrt des Propheten. Alle Sufis müssen zur Aksa- und der Burak-Moschee pilgern, fm Kreuzverhör gab er zu, daß die Burak-Moschee auf dem Haram-Gebiet, also jenseits der Klagemauer, liegt. Der Zeuge wußte keinen Namen eines arabischen Schriftstellers zu nennen, der die Identität von Klagemauer und ei Burak bestätigt. Doch sagte er, daß es nur der Toleranz der Moslems zu danken ist, wenn die Juden hier beten können. Die Palästina-Regierung feilt mit, daß die Einfuhr von Maschinenteilen nach Palästina von jetzt ab zollfrei ist. Die Regierung kommt damit einer alten Forderung der jüdischen Industriellen entgegen. PalfisUna-Fragcn Im Unterhaus London, 10. Juli. <J. T. A.) Der Abgeordnete der Labour-Party, Michael Marcus, fragte den Ministerpräsidenten Mac Donald im Unterhaus, ob die Regierung beabsichtigt, die Möglichkeit zu einer Aussprache über den Palästina-Bericht der Shaw-Kommission noch vor Schluß der laufenden Parlamentssession zu geben, und ob in diesem Fall für die Debatte ein ganzer Tag zur Verfügung stehen wird. MacDonald antwortete: Der Stand der öffentlichen Augelegenheiten ist ein solcher, daß es schwer sein wird, einen Termin für eine Debatte der gewünschten Art zu finden. Sollte die Debatte dennoch gefordert werden, dann wäre es wohl am besten, sie einem der Ergänzungs- Sitzungstage vorzubehalten, die in üblicher Weise einzuschalten sein werden. — Daraufhin fragte W. J. ßrown (Arbeiterpartei), ob der Premierminister die S u s p e n d i e - rung der Entscheidung erwägen will, durch die die weitere jüdische Arbeitereinwanderung nach Palästina unterbunden wurde, falls für die Palästina-Debatte vor Schluß der Parlamentssession kein Raum mehr sein wird. M a c Donald erwiderte: Diese Frage ist vom zuständigen Departcment bereits beantwortet worden. Wir sind an Bedingungen gebunden. Solange der Bericht von Sir John Hope-Simpson nicht voriiegt, können wir in dieser Frage nichts unternehmen. Unbeantwortet blieb die Frage des ebenfalls der Labour- Party angehörenden McShane, der eine Zusicherung verlangte, dahingehend, daß die Palästina-Debatte nicht stattfinden soll, bevor die versprochene Veröffentlichung der McMahon-Korrcspondenz erfolgt ist. Auf eine Anfrage des liberalen Untcrhausmitgliedes H. Graham-White antwortete der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond S h i e f s, daß ein Bericht von Sir John Hope-Simpson betreffend die suspendierten Palästina- Einwanderungszertifikate bisher nicht ein getroffen ist. Captain Cazalet (konservativ) fragte den Unterstaatssekretär, ob er bekannt geben kann, wieviele ägyptische Arbeiter nach Palästina zugelassen wurden, seitdem die jüdischen Arbeiterzertifikatc am 14. Mai suspendiert worden sind. Dr. Sliiels erwiderte, er sei leider nicht in der Lage, die gewünschte Information zu geben, er wolle aber einen diesbezüglichen Bericht einfordern. Captain Cazalet fragte dann Dr. Shiels, ob ihm bekannt ist, daß eine gewisse Anzahl ägyptischer Arbeiter nach Palästina gekommen ist. Dr. Shiels wies auf seine frühere Mitteilung hin, daß ägyptische Arbeiter unter der geliandhabtcn Ein- Schränkung, daß sie nicht länger als drei Monate im Lande bleiben dürfen, in einer gewissen Anzahl zugelassen worden sind. Sic werden nicht zugelassen, wenn andere Arbeiter zur Verfügung stehen. Captain Cazalet fragte weiter, ob im fetzten Monat ein Zustrom arabischer Arbeiter aus Transjordanien erfolgt ist und ob es irgendeine Kontrolle über ihre Beschäftigung gibt, nachdem sie Palästina betreten haben. Dr. Shiels antwortete: Mir ist von einem solchen Zustrom nichts bekannt. Palflstina ant dem Gewerkschaft« - Kongreß Stockholm, 10. Juli. (J.T.A.) Auf dem gegenwärtig in Stockholm stattfindenden Fünften Ordentlichen lnternationalen Gewerkschaftskongreß ist die palästinensische jüdische Gewerkschaft (Histadruth Haowdim) durch Ben Gurion und Rubaschow vertreten. Gleich nach dem Referat des Sekretärs der Gewerkschaftsinternationale, Sassenbach, erhielt Rubas c h o w das Wort zu seinem Referat über die Gewerkschaftsbewegung in Palästina. Er-sprach deutsch, seine Rede wurde dann ins Englische, Französische und Schwedische übersetzt und jedesmal von starkem Beifall der Kongreßdelegierten begleitet. Rubaschow führte aus; Die Eigentümlichkeit unserer Gewerkschaftsbewegung, die heute die einzige Gewerkschaftsbewegung in Vorderasien ist, besteht darin, daß sie eine unmittelbare Folge des KolonisationsWerkes ist, das seit einigen Jahrzehnten im Lande durchgeführt wird. Sie ist Kind dieses Werkes und seine treibende Kraft zugleich. Bevor die jüdische Einwanderung eingesetzt hat, gab es im Lande weder eine organisierte Arbeiterschaft, noch irgendeine wirtschaftliche Voraussetzung für ihre Entstehung. Die landwirtschaftlichen Arbeiter, die in den neuen jüdischen Siedlungen Arbeit gefunden haben und sich ca. 7 bis 8 Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges zu einem einige hundert Arbeiter zählenden Verbände zusammengeschlossen haben, bildeten den Kern der Gewerkschaftsbewegung im Lande, die gegenwärtig einen Verband der landwirtschaftlichen Arbeiter, der Lohnarbeiter und der genossenschaftlich Angesiedelten, einen Verband der Eisenbahner und Transportarbeiter, der Industriearbeiter, des neu entstandenen Elektrizitätswerkes, den Handelsangestellten-Verband usw. umfaßt und insgesamt über eine Mitgliederschaft von ca. 30000 Arbeitern verfügt. Die Gewerkschaftsbewegung, in engster Verbindung mit der kooperativen Bewegung, mußte ihi Werk bei einem absoluten Mangel an jeglicher Arbeitergesetzgebung und jeglichem Arbeiterschutz« durchführen. Das im Lande immer noch geltende türkische Recht kennt den europäischen Arbeiterschutz nicht, und wenn es uns trotzdem gelungen ist, menschliche Arbeitsbedingungen zu schaffen und in fast allen größeren Unternehmungen den achtstündigen Arbeitstag zu verwirklichen, so ist das in erste! Linie der Geschlossenheit der Arbeiterorganisation und dem Charakter der zionistischen Kolonisation zu verdanken. Einführung des gesetzlichen Arbeiterschutzes für die gesamte arbeitende Bevölkerung des Landes ohne Unterschied der Nation und Abstammung ist das Ziel unserer Gewerkschaft, ist die Voraussetzung jeglicher ersprießlichen Entwicklung, ist Vorbedingung der Verwirklichung der dem Lande auferlegter historischen Aufgabe. Die arabischen Großgrundbesitzer und der arabische Klerus geleitet von der Angst, daß die jüdische Arbeitereinwanderung und das kolonisatorische Arbeiterwerk auch die arabischen Arbeiter zum Kampf für die Erhöhung ihres Lebensniveaus an■ spornen wird, haben gegen die jüdische Einwanderung uno Kolonisation den ״heiligen Krieg“ erklärt. Ihre Hetze war es die die blutigen Ereignisse vom August vorigen Jahres mitgezeitigt hat. Aber niemals und nirgends konnte brutale Gcwalt, Volksverdummung und Herrschsucht der Entwicklung eines Landes und der Freiheitsbewegung eines Volkes den Weg versperren. Der Tag des Sieges der Arbeiterklassen in Großbritannien war für uns, für die organisierte Arbeiterschaft Palästinas und für die jüdische Arbeiterbewegung der ganzen Welt, die mit Palästina verbunden ist, ein Tag der dreifachen Freude. In diesem Siege erblickten und erblicken wir die sichere Bürgschaff für den Sieg der Ziele und der Aufgaben unserer Gewerkschaftsbewegüng und unseres kolonisatorischen Werkes in unserem Lande, das englisches Mandatsgebiet ist. Sie werden es, Genossen und Kameraden, sicher begreifen, wie tief schmerzlieh wir es empfinden mußten, als vir in dem System der Kolonialbeamten, die das von London weit entfernte Land verwalteten, vergebens die Spuren des Geistes der Arbeiterschaft zu finden suchten. ‘

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