Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 54 (11.7.1930)
- Date
- 1930-07-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 364 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 11. VII. 1930 zeitig ist in manchen zionistischen Kreisen, die noch vor kurzem eine arabisch orientierte Politik perhorreszierten, ein ähnlicher Gedanke zur Diskussion gestellt worden. Di« ist um so he- ^reiflicher, wenn man bedenkt, daß viele Zionisten sich ohnedies schon lange sagten, daß das kleine Palästina als selbständiges Wirtschaftsgebiet kaum so entwicklungsfähig ist wie wir cs wünschen müssen. Die Zukunftsperspektive, die freilich heute noch ganz vage ist, schließt die Möglichkeit einer vollen Befriedigung der nationalen Entfaltungsbedürfnisse eines regeneriertcn Judentums in sich, verbunden mit dem Aufstieg und der Renaissance einer großen arabischen Nation innerhalb eines riesigen, heute noch unerschlossenen und unterbevölkerten Oebietes im Rahmen der ״Vereinigten Staaten des Vorderen Orients“. Ein solches Gebilde — sind es Träume? — könnte auch innerhalb der Pa5c Britannien seinen würdigen Platz finden. Heute freilich ist das englische Weltreich von schweren Sorgen erfüllt. Die ganze englische Politik ist beherrscht von der indischen Frage. Diese ist auch bestimmend für das innerpolitische Verhältnis der Parteien zueinander. Gegenüber allen Extremisten, die auf einen Sturz der Arbeiterregierung hinarbeiten, erklärt die konservative ״Times“ am 27. Juni: ״Nichts kann den Glauben erschüttern, daß die nationale Einigkeit, welche für die erfolgreiche Behandlung des indischen Problems unerläßlich ist, mit viel mehr Wahrscheinlichkeit aufrechterhalten werden kann, wenn eine Regierung der Linken in England am Ruder ist; dies ist eine Erwägung von überwältigender und bleibender Wichtigkeit.“ Alles Augenmerk ist jetzt auf die ffir den Herbst geplante Round Table Conference, die Beratung mit den indischen Führern, gerichtet. Der Simon-Bericht ist zwar nicht offizielles Regierungsprogramm, zeigt aber ungefahr die Linie der englischen Politik: England kommt den Unabhängigkeitswiinschen entgegen, eine Politik der starken Hand und tyrannischen Unterdrückung wird abgelehnt, aber das Zurückweichen geschieht zögernd und unter sorgfältiger Deckung des Rückzugs. Es ist vielleicht gerade für deutsche Leser interessant, daß der bekannte Pazifist Friedrich Wilhelm Förster in seiner aus vielen Gründen lesenswerten Zeitschrift ״Die Zeit“ sich gegen die in Deutschland übliche Verherrlichung der Ghandi-Bewegung wendet und mit Nachdruck feststellt, daß England Indien gar nicht räumen kann, da sonst ein fürchter- Iiches Chaos entstände. Förster verurteilt die Intransigente Haltung der indischen Nationalisten und glaubt, daß deren Bewegung an ihrer inneren Unvernunft zusainmenbrechen müsse. England hat während des Krieges ein etwas übereiltes Versprechen gegeben, ohne die wirklichen Verhältnisse Indiens zu berücksichtigen. Das Versprechen wird zwar auf rechterhalten, aber nur allmählich und in verschiedenen Stadien eingelöst. Dabei wird von Sir John Simon besonders nachdrücklich betont, daß die künftige Konstitution Indiens nicht eine gedankenlose Nachahmung anderswo geltender Systeme sein dürfe. Jedes Dominion habe seinen historischen Prozeß durchgemacht und müsse seine Verfassung in Uebereinstimmung mit seiner Eigenart und unter Berücksichtigung der Eigenart des Falles ausbilden. Dieser Gedanke der Einzigartigkeit jedes Einzelfalls und der Unübertragbarke’t schablonenhafter Vorstellungen von Demokratie auf anders geartete Verhältnisse ist für uns besonders wichtig, wenn wir an die Zukunft Palästinas denken. Der Schutz schwächerer Bevölkemngsgruppen gegen den Egoismus einer durch numerische Mehrheit oder rivilisato* rische Ucberlcgenheit herrschenden Schicht ist Such das Hatipt* Problem bei einer anderen jetzt aufgerollten Frage des׳ englischen Weltreiches, in Ostafrika. In Ostafrika, das mit Palästina schon früher einmal rein äußerlich durch die Gemeinsamkeit des Anleihegesetzes verbunden war und das bekannt* lieh auch in der zionistischen Geschichte zu Herzls Zeit eine sehr wichtige Rolle spielte, hat die Regierung, wie das neue englische Weißbuch (Cmd. 3573—74) es ausdrückt, eine ״zweifache Politik“ durchzuführen, nämlich einerseits die Erweiterung der Selbstverwaltungsrechte der weißen Siedler, anderer* seits den Schutz der Rechte und Interessen der eingeborenen Negerbevölkerung. Schon diese Terminologie des Weißbuches erinnert uns an die oft beschworene ״Dualität“ des Pa״ lästinamandats. Die Analogie wäre aber noch weiterzuführen. Die weißen Siedler Kenyas fordern Demokratie, d. h., in Wirklichkeit Alleinherrschaft der Weißen, ähnlich wie es in Südafrika der Fall war. Die Regierung hingegen vereinigt die beiden Kolonien Uganda und Kenya mit dem Mandatsgebiet Tanganyika zu einem einheitlichen Verwaltungsgebiet, um die Segnungen der dem Mandatssystem entsprechenden Einge* borenenfürsorge auch den anderen beiden Ländern zugute kommen zu lassen. In den Kreisen der weißen Bevölkerung Ostafrikas herrscht über das letzte Weißbuch große Entrüstung, man lehnt diese Reformen ab und fordert, daß das Wohl der Eingeborenen den weißen Siedlern anvertraut werde. Die Regierung jedoch behält sich vor, den Schutz der Eingeborenen selbst zu sichern durch die Machtstellung des High Commissioners und durch ein Uebergewicht beamteter »Mitglieder im gesetzgebenden Rat. So sehen wir hier ein Verfassungs-System, das auf dem Kontrollrecht einer außerhalb des Landes sitzenden, in gewisser Hinsicht ülierparteiliehen Macht beruht, angesichts des besonderen Problems der einzige Ausweg. England hat eine große und sehr undankbare Rolle auf sich genommen, nämlich unentwickelte Länder zum Verstandnis demokratischer Selbstregierung zu erziehen. Diese Erziiinmg kann nur allmählich und organisch vonstatten gehen, aber da es im Wesen nationaler Bewegungen liegt, daß sic ungeduldig vorwärts stürmen, sind auch die von England abhängigen Staaten mit dem ihnen jeweils gewährten Grad der Unabhängigkeit nicht zufrieden und wenden sich immer schärfer gegen England selbst, dem sie doch die Fälligkeit der Selbstverwaltung in demokratischen Formen zu danken haben. Gegenwärtig gibt es, was nicht allgemein bekannt Ist, sehr verschiedene Stufen und Formen in der Verfassung englischcr Kolonien. Ein kleines Blaubuch, betitelt ״Regeln für Sr. Majestät Koloniaidienst“ unterrichtet in seinem 1. Kapitel über die Verfassungsformcn in 40 britischen Kolonien. Dabei zeigt sich, daß acht (z. B. Gibraltar) gar keine gesetzgebende Körperschaft haben, neun (dazu gehört Palästina) haben einen ausschließlich von der Regierung ernannten Staatsrat, 16 (z.B, Kenya) haben einen gesetzgebenden Rat mit einer »Mehrheit beamteter und einer Minderheit gewählter Vertreter, drei (z. B. Cypcrn) haben einen gesetzgebenden Rat mit einer Mehrheit gewählter und einer Minderheit beamteter Mitglieder, drei (z. B. Bermuda) haben ein vollständig gewähltes Unterhaus und ein vollständig ernanntes Oberhaus, und eine Kolonie schließlich (Malta) hat ein vollständig gewähltes Parlament, dein ein Ministerium verantwortlich ist, wobei jedoch gewisse Gegen►■ stände seiner Kompetenz entzogen sind. Sobald fiin abhäa» glger Staat eine vollständig gewählte gesetzgebende Körperschaft und alle Exekutivgewalt erhält, wird er ein Dominion. Der Grad der Selbstverwaltung richtet sich nicht nur nach der ״Reife“ der Bevölkerung, sondern auch nach der Realität der zu wahrenden Interessen. Bei kollidierenden Interessen innerhalb eines Territoriums bleibt gar kein anderer Ausweg, als zwar ein gewisses Maß von Selbstverwaltung zu gewähren, aber doch gleichzeitig dafür zu sorgen, daß die legitimen Interessen derjenigen ßevülkertingsgruppe, die bei völliger Freigäbe des Landes der mächtigeren schutzlos ausgeiiefert wäre, solange sichergestellt werden, bis sich ein Gleichgewicht und eine Harmonie entwickelt hat. Darum ist es eine Verkennung des Problems, wenn bei der Diskussion der Verfassungsfrage Palästinas, die vielleicht schon in den nächsten Wochen wieder akut werden wird, einfach von ״Parlament“ m sprechen, als ob dieser Begriff eindeutig wäre und als ob nicht die Aufgabe gerade darin bestünde, in einer konkreten Verfassung der Eigenart des S p c z i a 1 f a 11 e s gerecht zu werden. Daß ein Spezialfall vorliegt, erkennen auch viele Araber an, wie aus dem von uns in Nr. 50 der ״jüdischen Rundschau“ wiedergegebenen Artikel des ״Felestin“ hervorgeht, der ausdrücklich betont, in einer Verfassung müsse man die legitimen Ideale beider Völker berücksichtigen. ־ * Daß Palästina in der heutigen Weltpolitik einen Sonderfall darstellt, wurde an dieser Stelle seit vielen Jahren immer wieder betont. Das Palästinamandat, wofern man es nicht als bloße Camouflage imperialistischer Politik, sondern nach seinem idealen Sinn betrachtet, ist geradezu der Schulfall für das Mandatssystem überhaupt, indem hier unter der Treuhänderschaft einer international beauftragten Macht ein internationales Problem gelöst werden muß. Von dem viel besprochenen Dualismus des Palästinamandates gilt aber etwas Aehn- Iiches wie von der Dualität der Politik In Ostafrika, die in dem oben erwähnten hochwichtigen Weißbuch vom Juni 1930 auseinandergesetzt wird. Die Pflicht der Regierung, so wird dort ausgeführt, ist eine zweifache, aber die Teilung bezieht sich nicht einerseits auf die weißen Immigranten, andererseits auf die Eingeborenen. Vielmehr ist die eine Pflicht die einer geordneten Verwaltung, die allen Einwohnern ohne Unterschied des Volkstums zugute kommt, die andere Pflicht ist eine zusätzliche, nämlich die Rücksichtnahme auf die speziflsehen Bedürfnisse der unentwickelten Rassen. Aehnlich könnte man sagen: auch in Palästina ist die Teilung — im Gegensatz zu der von England bisher meist gegebenen Interpretation — nicht die zwischen Juden und Arabern, sondern auch hier ist die eine Pflicht der Regierung, die geordnete Verwaltung im Interesse der ganzen Landesbevölkerung ohne Unterschied des Volkstums und der Religion, wozu als zusätzliche Verpflichtung die Förderung des Jüdischen Nationalheims tritt. Die Betonung der Sonderstellung und Unvergleichbarkeit des Palästinaproblems darf uns jedoch nicht verleiten, einer absoluten Stagnation der inneren politischen Entwicklung des Landes zu vertrauen, ohne jede Berücksichtigung der tatsächlichen, im Lande nach Ausdruck ringenden Kräfte. Es besteht sonst die Gefahr, daß die Entwicklung über eine derartig starre Betrachtungsweise hinweggeht. In der letzten Zeit sind in den beiden anderen A-Mandatsge- •bieten»a«Äerord«tlich wIe|tigp.Verla#fin1ngm%.v׳orge|angen. Die neu verkündete syrische Verfassung, die dem Lande zumindest in inneren Angelegenheiten eine sehr weitgehende Selbständigkeit gibt, scheint trotz der Gegenaktion der extremen Nationalisten praktisch durchgeführt zu werden. Noch wichtiger ist der am 1. Juli in Bagdad bekanntgegebene Vertragsentwurf zwischen Großbritannien und Irak, der zum erstenmal die tatsächliche Beendigung eines A-Mandates in greifbare Nähe rückt. Es wäre verhängnisvoll, nicht einzusehen, daß derartige Ereignisse psychologisch, faktisch und politisch auch auf Palästina von Wirkung sein müssen. Die Aufgabe weiser Staatskunst liegt nicht darin, unter Aufgebot aller Kräfte und Einsatz aller Machtmittel momentane Erfolge anzustreben, deren Früchte morgen durch die Ent- Wicklung überholt sein können, sondern ein gedeihliches und fruchtbares Wachstum auf lange Sicht anzubahnen und dadurch die Initiative in der Hand zu behalten. *: Wir sind noch weit entfernt von dem Ideal einer Weltordnung durch einen Bund freier, die Freiheit anderer respektierender Völker. Aber neben dem an manchen Stellen noch unbeschränkt herrschenden Gewaltprinzip macht sich der Gedanke der Bindung durch Entgegenkommen gegenüber organisch wachsenden neuen Kräften geltend. Diese Tendenzen richtig zu bewerten ist von entscheidender Bedeutung für die Beurteilung politischer Verhältnisse, in denen ein Ziel sich durchsetzen soll. R■ W. Die Brandstiftung in Börscha erwies sich in ihren Folgen weit schwerer als wir in der vorigen Nummer berichtet haben. Die Zahl der obdachlosen Juden ist fast 4000, die Zahl der verbrannten Häuser ungefähr 200. Außer den jüdischen Häusern verbrannten auch drei Kirchen. Die Regierung in Bukarest versucht die Feuersbrunst auf ein Unglück zurückzuführen und nicht auf die Tätigkeit der Cuzisten, deren Hauptagitator in jener Gegend Danila trotz vieler Anzeigen noch immer nicht zu strafrechtlicher Verantwortung gezogen wurde. Die lokalen Zeitungen führen viele Einzelheiten an, aus denen unzweifelhaft hervorgeht, daß die Brandstiftung von Cuzisten herrührt. — ln der Südbukowina dauern die antijüdischen Exzesse an. — Auf dringende Vorstellungen der jüdischen Vertreter entsandte die Regierung 100 Gendarmen in das bedrohte Gebiet. Berliner Zionistische Vereinigung Vortragszyklus Dr. S. Kanowitz ״Das dsuische Judenlum“ Der 5. Vortrag: ״Die Jugendbewegung des deutschen Judentums“ Mel erst Mü Asgusi smi Kleine Nadiridiien In der Monatsversammlung der An gIo- J e w i s 1: Association, in der das Budget der Evelyns de Rothschild• Schule in Jerusalem behandelt wurde, kam auch zur Sprache, daß diese Schule als einzige sich nicht am Generalstreik der Juden in Palästina wegen der Einwanderungssperre beteiligt habe. Der Vorsitzende Leonard Montefiore und die in London anwesende Schulleiterin Miß Landau gaben Erklärungen ab, daß man vermeiden wollte, die Schuljugend in einen politischen Streik zu ziehen, obwohl man mit den Absichten des Streiks durchaus sympathisiert habe. Rabbi Daiches protestierte gegen diese Erklärungen, welche jedoch von der Versammlung gutgeheißen wurden. Der Obermufti der in Polen lebenden Moslems, D r zy 11 - k i e w 1 c z , besuchte auf seiner Rückreise aus Mekka Jerusalem und hatte mit dem Obermufti von Jerusalem eine Unterredung. Drzynkiewicz erklärte, daß er über'die Spannung zwischen Juden und Moslems in Palästina traurig sei und daß er gerne dazu beitragen möchte, Frieden zwischen beiden Parteien zu stiften. Der Obermufti von Jerusalem hätte zugegeben, daß die Juden im Lande viel Nützliches vollbracht haben, er meinte jedoch, daß einst der Tag kommen werde, wo sie von den Moslc ms vertrieben werden. Drzynkiewicz erklärte schließlich, daß die Klagemauer den Moslems heilig sei, daß man jedoch den Juden die unbeschränkte Freiheit des Gottesdienstes an der Klagemaucr zuerkennen müßte. Die Palästina-Regierung hat an die ägyptische Reg i e r u n g das Ersuchen gerichtet, für palästinensische Güter den Beförderungstarif auf den Eisenbahnen um 33 0/0 herabzusetzen. Wie die JTA. aus zuverlässiger Quelle erfährt, dürfte diesem Ersuchen seitens der ägyptischen Regierung entsprochen werden. Eine Abordnung der AgudasJisroelin Jerusalem besuchte Sir John Hope-Simpson, ersuchte ihn im Namen der Agudas Jisroel, sich für die Erleichterung der Einwanderung von Angehörigen des Mittelstandes nach Palästina einzusetzen und bat auch um Rückgängigmachung der Suspendierung der Zertifikate, Senator Dr. Meyer-Ebner und Abgeordneter Dr. Theodor Fischer besuchten namens des Jüdischen Parlaments- Klubs den neuen rumänischen König und überreichten ihm eine Adresse. In dieser Adresse werden die antisemitischen Exzcse in Rumänien ausführlich geschildert. Der König hörte auch ausführliche mündliche Darlegungen der jüdischen Parlamentarier an und erklärte dann: ״Lassen Sie mir Zeit, ich werde Ordnung schaffen.“ ln der Unterredung brachten die jüdischen Vertreter auch die ökonomischen Wünsche der jüdisehen Bevölkerung zur Sprache. Die Straße Von der Kwuzah Misra nach Nahalal wurde durch die Regierung repariert und ist jetzt für Automobile fahrbar. Am 29. Juni fand in Afuleh eine Zusammenkunft der Vertreter der jüdischen Siedlungen zur Beratung über Fragen des Weinbaues statt. Es wurden Fragen der Märkte, des Transportes und der Preise behandelt. (Ziko.) Die Fläche der mit Bananenpflanzungen bebauten Böden in Palästina hat sich in den letzten drei Jahren verdreifacht und beträgt jetzt 108 000 Dunam. (Ziko.) Eine Gruppe italienisch erjuden gründete in Judäa eine Siedlung ״Chewrath Haadama“ und übergab den Boden dem Keren Kajemetli. Die Pflanzungsarbeit wurde der Kooperative der Histadruth ״Jachin“ übergeben, die schon eine Orangerie von 172 Dunam angelegt hat. (Ziko.) Die Führer der arabischen Opposition, Scheich Schulen und Tufik Haki. Bürgermeister von Akko, haben Jerusalem. §• rem der Opposition in Jaffa. (Ziko.) Am 21. Juni besuchte der High Commissioncr mit Gemahlin und Adjutant die Werke der Potash-Gesellschaft am Toten Meer. Sie wurden von den Herren Nowomeisky, Major Tuloch und van Vriesland empfangen. Am 24. Juni besuchte eine Delegation arabischer Arbeiter in Jerusalem Sir John Simpson und hatte ein zwei- Ständiges Gespräch über linmigrations- und Bodenfragen. Am gleichen Tage besuchte Sir John mit Dschemal Huseini und Selim Farach, der als landwirtschaftlicher Fachmann die arabische Seite vor der Shaw-Kommission vertrat, Bethlehem und die Umgebung von Hebron. Am 25. Juni besuchte Sir John Nablus, Dschenin und Nazareth. (Ziko.) Vorige Woche kehrte einer der jüdischen Einwohner von Hebron dorthin zurück. Als jährliche Miete für ein großes Geschäft, für das er früher 20 Pfund gezahlt hatte, bezahlt er jetzt ein Fünftel dieses Betrages. (Ziko.) Am 23. Juni sprach beim Gouverneur von Nazareth, Herrn Wadia Buschiri, eine Delegation von zwei luden und zwei Arabern vor, die ein Memorandum bezüglich der Mäuseplage überreichten. Eine Delegation der Vertreter der Siedlungen im Raskat- Block erschienen vorige Woche beim Regierungsgouverneur und ersuchten, daß eine Chaussee errichtet werde, die den erwähnten Block mit der Chaussee Rischon Lczion—Rcchoboth verbinde. An der Delegation nahmen sowohl Vertreter des moslemischen Wkaf aus Rubin sowie Vertreter der jüdischen Mädchenfarm teil. (Ziko.) Zwecks Schaffung großer industrieller Unternehmungen in 14 jüdischen Städten in der Ukraine hat die Sowjetregierung eine Summe von 3 Millionen Rubel zur Verfügung gestellt. Chajim Nachmann B i a 1 i k hat eine für zwei Monate berechnete Reise nach Europa angetreten. Seltsame Berichterstattung. Ueber die vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten am 1. d. M. in der Berliner Sfadtlialle veranstaltete Protestversammlüung gegen die nationalsozialistische Pogromhetze hat u. a. Zeitungen auch das ״Berliner Tageblatt“ berichtet. Wie wir mitteilen konnten, stand im Mittelpunkte der Kundgebung neben den Erklärungen des Regierungsvertreters, Ministerialdirektors Dr. Brecht ,die ausgezeichnete Rede des Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde Georg Kareski, der als Vertreter der gesamten Berliner Judenschaft eine würdige Erklärung abgab. Im ״Berliner Tageblatt“ aber ist wohl viel von den üblichen Beteuerungsphrasen der einzelnen Redner zu lesen, kein Wort jedoch davon, daß die Berliner Jüdische Gemeinde durch ihren Vorsitzenden zu den Pogromdrohungen der Nationalsozialisten Stellung genommen habe. Dieses seltsame Totschweigen der wichtigsten und wirksamsten Rede ist wohl nicht nur auf das Konto der Redaktion des ״Berliner Tageblatts“ zu setzen. Da werden vermutlich auch jüdische Einflüsse von außerhalb und freundschaftliche Beziehungen einer ״Konkurrenz“ in Abwehr- Angelegenheiten wirksam gewesen sein. Es ist bedauerlich, daß auch in der gegenwärtigen Gefahrenstunde kleinliche Rivalität nicht unterdrückt wird. (Nachdem diese Zeilen geschrieben waren, erschien im ״Berliner Tageblatt“ ein ergänzender Bericht über die Rede Georg Kareskis, woraus hervorgeht, daß das Totschweigen im ersten Berichte gar nicht in den Intentionen der Redaktion gelegen hatte. Durch die Ergänzung wird also der innerjüdische Aspekt der Sache nur noch verworrener.)