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Jüdische Rundschau · 1930-07-08 · Heft 53 (8.7.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 53 (8.7.1930)
Date
1930-07-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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J ÜEDISCH E RUNDSCHAU Seite 359 Mit von on tags 1 ®einer e Korn 1en und jemauer rofessor §te und lest des Ort ist um den weinen, r Sache che inken örtlichen י sofort ־ bisher dadurch rd. Dr. n, legte rar 1912 örkische ersdtten heraus- 10b hermg von ierungs gen die itlichten Ire die dann die Zei chreiben t Datum an der 1en Zeu Miss ch Jeru femauer, end vor ter Jebte daß sie gesehen, ge Auni es Wort liebernvcntion Fand erppe und usgelöst.?randeis- ׳ch eine beiden Jiregung es alten .'eichnunist bede des der Ver ten Vor- He Nen id Abra num der wurden Zurück bots für y, Jacob rg über ß der in e Friede len Zio- 1 s neue ten über Tiberias und hat j ü d i 0 c1/׳> der Bürger disch im rwaltung Mehrheit •wiegend lokalen Stadt m h besontickt. Es isser mit mpt und drd, einvon der der Oe Ramath Idor bei vorigen Siedlung schwerer je feste Hilfsfond jfgebaut. 1 Betrag Jäud es d Wohn He Lage Erriaitein not- 20) hieraus der in Wien!and am Vertreter Cajemeth, daowdim (Ziko.) Nr. 53. 8. VU. 1930 Sdiule und Umsdiiditun^ Von Hugo Rosenthal. Wenn wir den Zionismus als einen großartigen Versuch ansehen, einer deklassierten und depossedkrten Nation wieder zum Genuß irdischer Rechte und irdischen Besitzes zu verhelfen, so verstehen wir seinen Willen, nicht durch Etnanzipatian von außen, sondern durch Autoemanzipation, nicht durch die wandelbare Gnade der Völker, unter denen wir leben, sondern durch Selbsthilfe diese Ziele zu erreichen. Kein Gesetzgeber und kein Gesetz vermag auf die Dauer unsern Hunger auf Freiheit, Recht und Arbeit zu stillen, es sei denn dieser Gesetzgeber: unser Wille, dies Gesetz: unser Entschluß. Es Ist immer wieder darauf verwiesen worden, daß die entscheidende Rolle in der politischen Entwicklung des Judentums in den letzten Jahrzehnten Und auf dem Wege zum zionistischen Erfolg die Leistung des jungen jüdischen Jischuw gespielt hat- Und wenn es Menschen gibt, die in den Ereignissen seit 1917 eine göttliche Fügung erblicken, so trifft das sicher zu in dem Sinne des ״hilft: dir selbst, so hilft dir Gott“. Es ist ein bedeutsamer Wendepunkt in der jüdischen Geschichte unserer Tage, daß der Gedanke der Selbsthilfe — ursprünglich vorwiegend Schlachtruf in dem Kampf um die Erwerbung des Bodens von Erez-lsrael — nun auch in immer sich steigerndem Maße im Leben und In der Arbeit der Juden in der Diaspora sich geltend macht. Wäre der Anlaß kein so ernster und trauriger, so hätten wir Zionisten Grund zu triumphieren. Der wirtschaftliche Niedergang des Judentums, von weitblickenden Zionisten seit langem vorausgesagt, war eines der bedeutsamen Argumente Tn der Agitation des Zionismus. Denn nicht nur der Krieg und die in seinem Gefolge einsetzende allgemeine wirtschaftliche Ent- Wicklung, sondern auch die politische Entwicklung der bürgerliehen Gesellschaft tragen Schuld an dieser neuen Depossedierung der jüdischen Nation. Der neue Antisemitismus, den wir als ״wirtschaftlichen“ bezeichnen, erscheint als eine der gefährlichsten Reinkamationen des jahrtausende alten Judennasses. In diesem Kampfe geht es nicht um bürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung, sondern um Brot. Der Kampf war von jeher der hartnäckigste und grausamste und wir dürfen darauf gefaßt sein, daß der wirtschaftliche Antisemitistnus sich jedes Mittels bedienen wird, dessen er habhaft werden kann, um zu siegen. Denn während im politischen Kampfe und sogar im Kampfe der Waffen die Streitenden wenigstens einen Schein von Ritterlichkeit zu bewahren suchten, kennt dieser Kampf keine Skrupel. Der Zionismus macht sich daher keiner Uebertreibung schuldig, wenn er auf diesen neuen Antisemitismus in seiner ganzen Gefährlichkeit hinweist. Und wenn irgendwo die Vogel-Strauß-Politik verhängnisvoll werden kann, so hier. Allerdings hat sich der Zionismus auch nie darauf beschränkt Alarm zu schlagen, um sich danach mit dem Bewußtsein erfüllter Pflicht schlafen zu legen. Erkenntnis einer Gefahr ist bei uns auch schon Beginn zu ihrer Abwehr. Wir wissen, daß das jüdische Volk, dank seiner Zähigkeit und seiner großen Anpassungsfähigkeit, es verstanden hat, schweren Gefahren auszuweichen oder sie siegreich zu überwinden. Und wir wissen auch, daß wir dieser neuen Gefahr durch eigene Hilfe begegnen werden. Allerdings muß diese Hilfe von einer Art sein, die ihr den Charakter einer zeitbedingten und nur von augenblicklichen Umständen diktierten Aktion nimmt und sie in den Kreis der der Erneuerung des Judentums dienenden Aufgaben unserer Zeit einrefht. Als eine solche Aufgabe betrachte ich die Vorbereiftjng zur beruflichen Umschichtung der Ju- '׳d e ii. Der Gedanke ist nicht neu, er ist, im Gegenteil, längst zu einem Gemeinplatz geworden, und man darf darüber lächeln, daß jemand auf eine Selbstverständlichkeit noch solchen Nachdruck legt. Seit hundert Jahren ״bemüht“ man sich in Deutschland um eine Berufsumschichtung der Juden. Die gehörte ja, sozusagen, zum Programm der Emanzipation. Man schrieb viel und schön über diese Frage und es fehlte nicht einmal an Männern, die mehr taten, als schöne Reden halten. Aber die berufliche Umschichtung der Juden ist — bis auf wenige Versuche ausgeblieben. Sie Ist nach wie vor ein dringendes Problem, mehr als das: sie ist heute eine brutale Notwendigkeit im Kampf um die Existenz der Juden. Und soll die Verarmung der Juden — in welchen Ländern es auch sei — an der der Antisemitismus in seiner neuesten Gestalt das brennendste Interesse hat, nicht zu einer allgemeinen jüdischen Katastrophe führen, so müssen wir ernsthaft befinnen, das oft Geforderte Wirklichkeit werden zu lassen: ie berufliche Umschichtung. Mit Reden ist da nicht viel mehr zu machen. Aufklärende und belehrende Vorträge finden immer allgemeine Zustimmung, besonders bei denen, die meinen, daß es sie persönlich nichts angehe. Und die um ihrer Not willen gern möchten, sehen keinen Weg. Man hat in letzter Zeit versucht, durch Berufsberatung auf die schulentlassene fugend Einfluß zu gewinnen. Mir scheint, daß sie nur da Erfolg hatte oder haben wird, wo diese Jugend gleichzeitig dem Enthusiasmus für den Gedanken einer jüdischen Erneuerung durch den Aufbau Erez-Israels verfällt. Denn wir müssen es offen aussprechen, daß der Jude zumeist Berufe, die mit körperlicher Arbeit Zusammenhängen, als schwerere Berufe ansieht, daß er sie als sozial niedrigere Berufe betrachtet, daß er in ihnen nicht die Aufstiegsmöglichkeiten sieht, die der kaufmännische Beruf zu haben scheint. Noch der kleinste Händler hofft auf das große Geschäft, wie der Spieler eines Achtelloses auf die Millionenprämie, und mit der gleichen Zähigkeit wie dieser an seinem Los, hält er an seinem Handel fest. Schafft er es aber nicht, so schaffts das Kind, dem er durch besseren Unterrieht die Chancen zur Erreichung dieses Ziels erleichtern will. Das ist menschlich, allzu menschlich, ist aber auch eine der Aeußerungen des großen jüdischen Minderwertigkeitsgefühls, das nach dem Gesetz: je tiefer das Minderwertigkeitsgefühl um so höher das Geltungsstreben einfach über die Realitäten eines gesunden und normalen Lebens hinweggeht und zwi* sehen dem Dalles eines sorgenvollen Lebens und dem Traum von Reichtum und Macht, wie auf einem dünnen Turmseil einherbalanciert. Mit Vorträgen und Berufsberatungen können wir solche Menschen — und zu ihnen gehören die jüdischen Massen — nicht kriegen. Es gibt nur einen Wem der zum Ziele führen kann. Das ist der weg, den man in Erez-lsrael gegangen ist und geht: die Erziehung der Jugend zur Freude an raan ueller Arbeit. Es ist bedauerlich, daß man ln der jüdischen Oeffentiichkeit so wenig über die Erziehung der palästinensischen Jugend weiß. Ein paar Daten und statistisehe Angaben über das zionistische Scbulwerk ist das meiste, was darüber bekannt ist. Von den Ideen, die dies Scltuiwerk beseelen, von dem Geist, der in der Lehrerschaft und in den Schulen lebendig ist, weiß man soviel wie nichts. Zum großen Schaden der Jugend und der Erziehung in der Golah. Man redete nicht mehr soviel und wäre weiter in der praktischen Arbeit. Man wüßte auch, wo man mit einer beruflichen Neuordnung bei uns zu beginnen hat. In der Erziehung der palästinensischen Jugend steht die handwerkliche Arbeit mit an erster Stelle. Ich zitiere aus einem Aufsatz, den ich im vergangenen Jahre in der ״Arbeit«־ schule“ (43. Jahrgang, Heft 4) darüber schrieb. ״Das dreijährige Kind, das in den Kindergarten eintritt — hier besuchen fast alle Kinder mit wenigen Ausnahmen den gan — beginnt zu ״arbeiten“. Mit dem Ernst und der Hingabe, deren ein Kind fähig ist. Sein schöpferischer .Wille wird ge• weckt. Ich bin immer wieder freudig erstaunt darüber, welche Fülle von Anregungen meine Kinder täglich aus dem Garten nach Hause bringen. Mit Bleistift, Farbe und Ton wird gezeichnet und geformt. Mit Hammer, Säge, Holz und Nagel wird gebaut, ein Oärtchen wird auf dem unfruchtbaren Sande angelegt, ein Hühnerställchen wird gebaut und das Leben der Küken beobachtet. . . . Wenn die Kinder mit sechs Jahren in die Grundschule eintreten, bringen sie schon eine Summe von Fertigkeiten und Geschicklichkeiten mit: sie zeichnen, modellieren, flechten, kleben, nähen, schneiden mit der Schere aus und können vielfach auch schon lesen und schreiben. In den ersten Schuljahren wird diese Arbeit spielend, wie im Kindergarten, fortgesetzt. Vom vierten, fünften Schuljahre an beginnt die Arbeit systematischer zu werden. Die Kinder haben festgesetzte Arbeitsstunden, vier bis sechs in der Woche. . . .״ Ich kann das weitere übergehen. Es würde mich zu sehr vom Thema ablenken. Eins wird aus dem Mitgeteilten klar: nur wenn die Arbeit bis zur Entlassung aus der Schule oder bis in die oberen Klassen der höheren Schulen hinein zu einem integrierenden Bestandteil des Lebens wird, wenn sie sich dabei — wie dies in Erez-lsrael der Fall ist —• nicht nur auf die immerhin recht zahlreichen Schulstunden beschränkt, sondern auch in die freie Zeit des Schülers cindringt, nur dann kann jene Freude an manuellem Tun erweckt werden, die erste Vorbedingung ist für eine künftige Berufsumschichtung der Juden. Denn nur das jüdische Kind wird bei seinem Handwerk oder bei seinem landwirtschaftlichen Berufe bletben, das ihn liebgewonnen hat. Damit ist das Programm einer Vorbereitung zur berufliehen Umschichtung der Juden gegeben. Wir erleben heute eine Blüte der jüdischen Volksschule. Die brutalen Auswirkungen des Antisemitismus haben letzten Endes das bewirkt, was einsichtige Leute seit langem forderten. Die Möglichkeiten einer Beeinflussung des jüdischen Kindes sind gegenüber früheren Zeiten vervielfacht. Wenn überhaupt, dann ist heute und in der jüdischen Schule die Möglichkeit gegeben, in jüdischen Kindern Freude an handwerklicher Arbeit zu erwecken. Ich sehe ln der Einführung bzw. Ausgestaltung des handwerklichen Unterrichts an den jüdischen Volks- und Mittel- bzw. höheren Schulen die entscheidende Parade gegen den Angriff des Wirtschaftsantisemitismus. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: wenn seine Durchführung in einem Geiste und in einem Ausmaße erfolgt, die eine Erfassung des Kindes verbürgen. Der Werkunterricht wird immer seine hohe pädagogische Bedeutung haben, airh da wo er ein ״Fach“ mit zwei Stunden ist; er wird insbesondere für jüdisehe Kinder immer ein wichtiges Erziehungsmittel sein. Für den oben genannten Zweck kommt ein Werkunterricht auf breitester Grundlage in Frage. Die Zeit scheint einem solchen Beginnen günstig zu sein, zumal hier in Berlin, wo es jüdische proletarische Massen gibt und die genannten Probleme besonders akut sind. Die Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde und ihr Vorstand haben wiederholt zur Frage des Wirtschaftsantisemitismus und seiner Ueberwindung Stellung genommen. Das Verständnis für die froßen Möglichkeiten der Schule als bedeutender Faktor in iesem Kampfe dürfte unschwer zu erwecken sein. Die Kosten zur Durchführung selbst eines großangelegten Planes sind nicht übermäßig groß. Man dürfte dabei mit der Möglichkeit rechnen, für eine so durchaus überparteiliche und allgemein jüdisehe Aufgabe private Geldmittel zu erhalten- Aber man sollte die Realisierung solcher Aufgaben nicht immer bis ״nach Sukkes“ verschieben. Die Steinscheu Reformen wurden durchgeführt in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Lage Preußens diese Maßnahmen am wenigsten vertrug. Es liegt mir fern, die hier vorgeschlagenen, bei aller Wichtigkeit bescheidenen Aufgaben mit der. Tat des großen Reform« in einem Atem zu nennen. Aber man möge bedenken, daß neben der Hilfe, die augenblickliche Nöte beheben soll, an der Beseitigung der diese Not verursachenden Umstände gearbeitet werden muß. Pogrome und Brandstiftungen In Kowel (Wolhynien) kam es vor einigen Tagen zu wüsten antijüdischen Ausschreitungen. Eine verhetzte Bande überfiel die jüdischen Gassen, mißhandelte viele Juden und plünderte jüdische Häuser. Durch einen Revolverschuß wurde ein junger Jude lebensgefährlich verletzt. Insgesamt wurden 40 Juden verwundet, darunter einige schwer. Eine Gemeindeabordnung verlangte vom Starosten Schutz, den dieser jedoch wegen zu schwacher Polizeikräfte nicht zu geben vermochte. Eine andere jüdische Abordnung reiste nach Luck, um vom dortigen Wojewoden Schutz für die Jüdische Gemeinde in Kowel zu fordern. Ein grauenhafter Vorfall spielte sich in dem Städtchen ßorscha in der Nähe von Marmorosch-Siget, im ehemaiigen Siebenbürgen, ab. Vor einigen Wochen schon war dieses Städtchen Schauplatz von Pogromversuchen, die jedoch von der jüdischen Bevölkerung abgewehrt wurden. Die Borschaer Juden, zumeist Schwerarbeiter, hofften nun, daß den Cuzisten die Lust vergangen sei, in Borscha die Juden anzugreifen. Tatsächlich ließen es die Cuzisten nicht mehr auf einen direkten Angriff ankommen. Sie drangen in der Nacht in das Städtchen ein und legten an mehreren Stellen Feuer an. 128, nur von Juden bewohnte Häuser wurden eingeäschert, mehr als 2000 Juden sind obdachlos und der äußersten Not preisgegeben. Hilfskomitees sind jetzt bemüht, die Not der Bevölkerung zu lindern. In der Südbukowina stehen die Städte Kimpo- I u n g und Va m a sowie mehrere andere Orte unter dem Terror der Cuzisten, die unter Führung des antisemitischen Agitators aus Borscha, Daniia, die Juden mißhandeln. Danita, ein rumänischer Advokat und ein rumänischer Lehrer, sammelten 1000 Bauern und durchziehen mit diesem Haufen die Städte, in denen die jüdischen Häuser durch Hakenkreuze gekennzeichnet sind. Dreitausend Bauern überfielen Kimpolung. Der rumänische Präfekt und der Polizeipräfekt wurden, da sie die Juden in Schutz nehmen wollten, von den Exzedenten mißhandelt. Erst dem aus Suczawa eingelangten Militär gelang es, Ruhe zu schaffen. Auffallend ist bei allen Ausschreitungen die Mitwirkung der verhetzten Bauernschaft, die sich durch die Krise auf dem Getreidemarkt in Notlage befindet und den Juden für diesen Zustand die Schuld zusenreibt. Antlzionistische Aktion. Eine Oruppe englischer Persönlichkeiten aus den Kreisen der Aristokratie sowie verschiedener meist in kirchlicher Funktion im Orient tätig gewesener Personen haben an den Primeminister den folgenden Appel! gerichtet: ״Wir lenken die Aufmerksamkeit auf die ernste Lage, die in Palästina entstanden ist durch die Unzufriedenheit der arabischen Bevölkerung mit der Durchführung der Balfour- Deklaration. Dieses Dokument versprach den Juden eine Heimstatte in Palästina, nicht Palästina als Heimstätte, und erklärte, daß die Rechte der andern Nationalitäten erhalten bleiben. Die ernste Gefahr, welche durch das überall wachsende Streben nach Selbstbestimmung verstärkt wird, Hegt darin, daß eine große politische Bewegung unter den arabischen Völkern der Welt die Stellung Großbritanniens äußerst schwierig mache. Wir flehen daher die Regierung an, sorgfältig zu erwägen, ob sie nicht sofort die Richtung einschlagen kann, keine weitere Aktion zur Durchführung der Balfour-Deklaration ohne Zu- Stimmung der Vertreter beider Nationen zu ergreifen.« Kibbuz Rodges Von Benno Offenburg, Hamburg-Jerusalem. Der größte Teil der neucingewanderten Chaluzim, besonders derjenigen, die aus einer Jugendbewegung stammen, schließt sich in Erez-lsrael zu verschiedenen Kibbuzim zusammen, um einerseits den Schwierigkeiten, die sich dem neuen Chaluz entgegensteilen, gemeinsam besser begegnen zu können und andererseits das Ideal der Chaweruth Im Leben mit Mensehen zu verwirklichen, die schon in der Gola durch eine gemeinsame Erziehung und Weltanschauung verbunden waren. Vor zirka einem halben Jahre wurde im Laufe dieser Ent- Wicklung der Kibbuz Rodges in Erez-lsrael gegründet, der, vor allen anderen Kibbuzim, das Interesse des deutschen Zionismus deshalb in besonderem Maße beanspruchen darf, weil er sich beinahe ausschließlich aus sogenannten ,;deutschen“, d. h. aus Deutschland stammenden oder dort ausgebildeten Cha* Iuzim zusammensetzt. Wie schon der Name besagt, wird der Kibbuz Rodges zum überwiegenden Teil von Chaluzim gebildet, die ihre Haehscharah auf dem jüdischen Lehrgut des Misrachi in Rodges genossen haben. Aber nicht nur die gemeinsame Herkunft der Chawerim und Chaveroth bildet das Kriterium des Kibbuz. Wohl bedingt durch das gemeinsame Milieu der Haehscharah, steilen sie, wie es in der Absicht der Gründer lag, einen besonderen Typus des jüdischen Arbeiters in Erez-Israe! dar. Dieser Typus hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Ideal von ״Torah Waawodah“ im Aufbau unserer Nationalen Heimstätte zu verwirklichen. Er versucht, die Synthese zu schaffen zwischen dem überlieferten jüdisehen Gesetz, wie es in der schriftlichen und mündlichen Torah zum Ausdruck kommt, und den sozialistischen Ideen der internationalen Arbeiterbewegung. Aber auch in bezug auf seine Form ist der Kibbuz Rodges ein bemerkenswerter Versuch. An Zahl verhältnismäßig klein (18 Chawerim und Chaweroth) besteht er aus einer gemischten Kollektiv* und Privatwirtschaft, wobei das zweite Prinzip stärker betont wird. So beziehen diejenigen Chawerim und Chaweroth, welche die Bewirtschaftung des Kibbuzeigentums besorgen, für ihre Arbeit ein bestimmtes Gehalt. Leider ist der Bestand des gemeinsamen Eigentums noch sehr klein, so daß die meisten gezwungen sind, Außenarbeit zu übernehmen. Die Kibbuzwirtschalt setzt sich zusammen aus einem Garten, einer Hühnerfarm und einer Baracke mit Küche und gemeinsamem Speisezimmer, das zugleich als Aufenthaltsuna Betraum dient. Jeder Chawer und jede Chawerah sind verpflichtet, unabhängig von der Höhe ihres Einkommens einen bestimmten Beitrag zu entrichten, der zur Instandhaltung und Ausbau des Kibbuzeigentums verwandt wird. Der Kibbuz besitzt heute noch nicht seine endgültige Form, sondern ist erst im Anfangsstadium seiner Entwicklung. Als Endziel gilt die Ansiedlung in einem gemeinsamen Moschaw Owdim. Viele Probleme mußten in der kurzen Zelt seines Bestehens gelöst werden, und noch viel mehr harren ihrer Lösung. Die größten Schwierigkeiten, die dem Kibbuz im Wege stehen, sind finanzieller Natur. Doch ist zu hoffen, daß die deutschen Zionisten, insbesondere die Misrachisten, ihre Pflicht gegenüber dem Kibbuz Rodges erfüllen werden. Feudale jüdische Wohltäler Wir haben bisher von einer Aktion, die einer Kolonisation von Juden in Peru das Wort spricht, keine Notiz genommen. Verschiedene Anfragen veranlassen uns heute zu nachstehenden Zeiten. Eine Gruppe polnischer Hocharistokraten hat aut irgendeine näher nicht bekannte Weise Landkonzessionen in Peru erworben. Die polnischen Magnaten haben einen Teil dieser Konzessionen u. a. auch an deutsche vornehme Kreise unterverpachtet. Hierbei haben die polnischen Magnaten, die die jüdische Not kennen, ihren Unterplchtem den Tip ge- ־־־־' ” ־־־־*־־' ■-•■•׳־*־ . ״ , .§ gung steifen könne. Und bekanntermaßen haben doch die Juden und die jüdischen Organisationen ״das Geld“. Auf Grund dieser Ueberlcgung fand vor einiger Zeit In Berlin eine von den Konzessionsbevolhnächtigten einberufene Ver- Sammlung statt, in der Peru den Juden als Kolonisationsgebiet präsentiert wurde. An dieser Versammlung nahmen Vertreter jüdischer Organisationen teil, darunter auch einige Herren, in denen noch immer territorialistische Vorstellungen und Wunschträume leben. Die Angaben der Referenten, eines Herrn v. Maltzahn und Dr. Manfried Kirschbergs waren jedoch viel zu wenig substantiert, als daß die ernsten jüdischen Teilnehmer irgendeine dezidierte Meinungsäußerung zu diesen Vorschlägen hätten abgeben können. Man kam überein, weitere Informationen und Vorschläge abzuwarten. Einige Tage später gelangte aus Washington eine Meldüng, der zufolge der dortige Vertreter Perus seine Zweifel ausarückte, ob der in Berlin erwogene Plan der Ansiedlung von Juden in Ost-Peru ernste Erwägung verdiene und ob die Peruanische Regierung überhaupt irgendwelche offizielle Aktionen nach dieser Richtung ergriffen habe. Der Direktor der Abteilung für Auswärtigen Handel der Vereinigten Staaten erklärte seinerseits, daß die amerikanische Regierung, aut die man sich in Berlin berufen habe, in dieser Angelegenheit gaf nichts unternehmen könne. Es sei der amerikanischen Regierung auch nicht bekannt, daß Absichten amerikanischer Kapitalisten bestünden, im Zusammenhang mit diesem Kolonisationsprojekt in Peru Eisenbahnen zu bauen. Kleine Nachrichten Sir John Chancellor empfing vor dem Antritt seiner Urlaubsreise in Jerusalem, nach Meldungen arabischer Zeitungen, die Führer der arabischen Exekutive und teilte ihnen mit, das Colonial Office in London hätte Nachrichten erhalten, daß die Araber für den Monat August, während Chancellors Abwesenheit, die Organisierung von Unruhen planen. Die Mitglieder der arabischen Exekutive versicherten Chancellor, daß diese Gerüchte völlig unbegründet seien. Unter Führung von Rabbi Meir Berlin unternahm eine Gruppe von 15 Juden, trotz Abratens seitens der Polizei, einen Pilgerzug zur Höhle Machpelah in Hebron. Es ist dies der erste Besuch von Juden in der Höhle Machpelah seit den August-Unruhen. Die Pilger besuchten auch den jüdischen Friedhof und stellten fest, daß ein über dem Grabe von neun Opfern der August-Unruhen errichteter Grabstein zertrümmert wurde. Zu Ehren von Miß Henrietta Szold und den Delegierten der Hadassah fand im Anschluß an diese wichtige Tagung ein Empfang Im Hause von Dr. Chaim und Vera Weizmann statt. Die soeben zu Ende gegangene Sitzung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes hat eine Subkommission zur Untersuchung der erforderlichen Bedingungen und Umstände bei Aufhebung eines Mandats eingesetzt. Die Untersuchung steht im Zusammenhang mit der Absicht der britischen Regierung, die vollkommene Unabhängigkeit Iraks aazuerkeanen.

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