Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 53 (8.7.1930)
- Date
- 1930-07-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653206--21684-2679810- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
0 Seite 358 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53, a VII. 1930 darin eine Provokation bzw. eine Taktlosigkeit erblicken und allenthalben würde das Geschrei erhoben werden, der Jude versucht den jüdischen Einfluß zu Nutz und Frommen der jüdischen Gemeinschaft und mm Schaden des deutschen Volkes zu erhöhen. Diese Behauptungen würden ohne weiteres ln breiten Schichten Glauben finden. Wir wollen damit nicht sagen, daß es also im Grunde einerlei ist, was Juden tun und lassen und wie sie den Kampf gegen den Judenhaß führen. Ziel der Juden muß es sein, die Bundesgenossenschaft der wahrhaft vorurteilsfreien Menschen unter den Völkern zu gewinnen, mit denen zusammen sie ln der Frage des Judenhasses wahrscheinlich immer in der Minderheit bleiben werden. Um jedoch das Wohlwollen dieser wertvollsten nichtjüdischen Mithelfer zu erringen, sollten sich die Juden ihr Verhalten nicht von den Schlechtesten unter den Nichtjuden, sondern von den Besten diktieren lassen. Und in dieser Hinsicht hat tatsächlich die bisher üblich gewesene Abwehrarbeit gesündigt, denn sie hat sich fast stets den Argumenten der Judenfeinde angepaßt. Unter dem gedankenlosen Beifall einer jüdischen Menge und leider auch unter der konventionellen Zustimmung der wohlwollenden Nichtjuden hat man die Tatbestände jahrzehntelang verschleiert, hat man sich in Phrasen ergangen und in Beteuerungen Überboten, die jedem Geschmack Hohn gesprochen haben. Man hat jahrzehntelang behauptet, zwischen Juden und Nichtjuden gäbe es keinen anderen Unterschied als den der Konfession; und Alk, Juden und Nichtjuden, haben aus der alltäglichen Erfahrung gewußt, daß die jüdische Gemeinschaft durch einen stärker oder abgeschwächt in Erscheinung tretenden Lebensstil charakterisiert ist. Jede jüdische Abwehrdeklaration begann mit Dankesworten für die gewährte Emanzipation, beteuerte das Vorhandensein einer bestimmten Gesinnung und berief sich auf besondere Leistungen von Juden in staatlicher und deutschvolklicher Hinsicht. Dementsprechend efitstand eine Richtung in der deutsch-jüdischen Wissenschaft, die Apologetik. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten die Stimme auch nur eines einzigen repräsentativeti Deutschen vermißt, der den Juden zugerufen hätte: ״Es ist völlig belanglos, ob ihr nur konfessionell von uns unterschieden seid, oder ob ihr auch untereinander andere Bindungen habt. Die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit soll den Juden 8ans phrase gewährt werden.“ Leider schwang in allen Erklärungen, selbst vorurteilsfreier Nichtjuden, immer irgendeine Bedingung mit. Es war immer so, als ob selbst die freundlichsten nichtjüdischen Erklärungen Irgendein Wenn verschweigen würden. Im ״Offenen Brief“ wird auf die Affäre Dreyfus hingewiesen und betont, daß die französischen Juden ganz andere Opfer und weit größere Mittel zu ihrer Verteidigung aufgebracht haben, als es die deutschen Juden in der gegenwärtigen, für sie so bedrohlichen Situation tun. Die Heran- Ziehung dieses Beispieles durch den Autor des ״Offenen Briefes“ war imvorsichtig. Wie haben sich damals die nichtjüdischen Franzosen benommen, die Clemenceau, Picard, Labori, Scheurer-Kestner, Zola usw.? Wir wollen nicht behaupten, daß jene Franzosen beser waren als es gegenwärtig die führenden deutsch« Männer sind, aber sie waren instinktsicherer. In Deutschland erleben wir es jetzt, daß selbst die Sozialdemokratische Partei weitgehende Rück• sicht auf die antisemitische Stimmung der Masse nimmt. Wenn Bürgermeister Scholz, Mitglied der Volkspartei, vor der Wahl des Juden Bern Meyers zum Stadtbankdirektor von Berlin erklärt, daß dies eine zu starke Belastung für Berlin sein würde, so beugen sich die sozialdemokratischen Führer diesem Diktum und ermöglichen durch ihr Verhalten, daß anstatt des jüdischen höchst qualifizierten Sozialdemokraten Bern Meyer der nichtjüdische Sozialdemokrat mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien gewählt wird. In Frankreich haben während der Dreyfus-Affäre die republikanischen, freiheitlichen nichtjüdisch« Franzosen den antisemitischen Instlnkten der Masse keine Konzessionen gemacht. In Deutschland ist es anders. In Deutschland sündigen in dieser Hinsicht alle republikanischen Parteien. Zum Schluß noch eines: Der ״Offene Brief“ an die deutsehen Juden ist unter der unausgesprochenen Annahme geschrieben, daß eigentlich die Juden die alleinige Schuld an dem Uebermächtigwerden des Judenhasses haben. Das ist nicht richtig. Die Juden sind mitschuldig; ein gerüttelt Maß von Schuld aber haben auch die nichtjüdischen Politiker, welche den Antisemitismus ablehnen, sich aber nicht die Mühe geben, klare Einsichten über das Judenproblem zu gewinnen und wahrhaft unerschrocken, ohne Angst, als Juden-Söldlinge bezeichnet zu werden, eine gemeinsame Front gegen den Judenhaö zu bilden. M. W. Das Erzlehnngsbudget and die Frauen Memorandum von Wizo und Hadassah. Das Wizo-Biiro in London meldet: Auf Einladung der Exekutive der Wizo fand in den letzten Tagen eine gemeinsame Sitzung von Wizo und Hadassah in London statt, an der die Galuth-Exckutive der Weltorganisation zionistischer Frauen, eine Vertreterin der Palästina-Exekutive und zwei Delegierte der amerikanischen zionistischen Frauen- Organisation ״Hadassah“ in Anwesenheit des Mitgliedes der Zionistischen Exekutive, Miß Henrietta S z o 1 d , feilnahmen. Dieser Sitzung, die um so mehr Interesse verdient, als sie die erste offizielle gemeinsame Tagung der beiden großen zionistischen Frauenorganisationen darstellt, lag ein Memorandum von Henrietta Szold vor, worin die ״nichtökonomischen Gebiete des Palästina-Aufbaus“, d. h. Gesundheitswesen, Erziehung und soziale Fürsorge mit besonderer Betonung des Erziehungswesens als das spezielle Arbeitsfeld der Frauen bezeichnet werden. Miß Szold empfiehlt den zionistischen Frauen der ganzen Welt, das Budget für das jüdische Erzieh u n"g s w c s c n Palästinas zu garantieren, um dieses zumindest auf seinem heutigen Standard erhalten zu können. Dabei dürfe jedoch den bisherigen Arbeitsgebieten von Wizo und Hadassah keinerlei Beeinträchtigung widerfahren und die normale Entwicklung der beiderseitigen Arbeitsgebiete müsse gesichert bleiben. Es gelang, in wesentlichen Punkten eine Uebereinstimmung zwischen den in London anwesenden Vertreterinnen von Wizo und Hadassah zu erzielen, auf Grund deren ein gemeinsames Memorandum an das Administrative Committee der Jewish Agency entworfen wurde, weiches nunmehr der Palästina-Exekutive der Wizo, sowie den Konferenzen bzw. Councils von Wizo und Hadassah vorgelegt werden muß. Vor endgültiger Beschlußfassung muß die Stellungnahme der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, sowie der Knesseth Israel und des Keren Hajessod eingeholt werden. Die Arbeit der Klagemaiier - Kommission Jerusalem, 2. Juli. (J. T. A.) Die Moslems haben neuerdings die im vorigen Jahr in der Nachbarschaft der Klagemauer errichtete Treppe mit einem Treppengeländer versehen. Die jüdischen Behörden haben in der Befürchtung, daß durch diese Maßnahme lediglich das ausschließliche Verfügungsrecht der Moslems über die Mauer von neuem demonstriert werden soll, dem Distriktscommissioner einen Protest überreicht. Dieser versprach, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Moslemische Gesellschaften in Ramien, Hebron, Ludd, Gaza und in Aegypten überfluten die Klagemauer mit Resolutionen, in denen dargelegt wird, die Klagemauer sei ein Teil der Aksa-Moschee und die palästinensischen Moslems ihre Hüter für die ganze moslemische Welt. Am 30. Juni vernahm die Kommission einen bucharischen Juden namens Zion Ben Isa Isacharoff, der seit 43 Jahren in Jerusalem ansässig ist. Er legte dar, daß er schon als junger Mann dem Gottesdienst an der Klagemauer beizuwohnen pflegte, und daß es in jener Zeit nie Einwendungen von seiten verantwortlicher Moslems gegeben habe. Vor einigen Jahren, erzählte er, ist es manchmal vorgekommen, daß Straßenjungen die Beter mit Steinen bewarfen, aber die betende Gemeinde habe davon keine Notiz genommen. Nie habe ein verantwortlieber Moslem dem jüdischen Gottesdienst Schwierigkeiten bereitet. Bänke wurden an der Mauer, ohne daß Einspruch erfolgt worden wäre, benutzt und während der Nacht in der Nähe der Mauer aufgestapelt. Als der Zeuge dann auf die in den letzten Jahren den jüdischen Betern zugeftigle Unbill zu sprechen kam, brach er unter Tränen zusammen. Der Platz vor der Klagemauer sei häufig mit Eselmist beschmutzt gewesen und an einem Versöhnungstag fanden die Beter die Mauersteine mit Dung beschmiert, so daß sie in ihren Feiertagsgewändern vor Beginn des Gottesdienstes die Steine säubern mußten. Isacharoff wurde dann von Auni Bey Abdul Hadi einem zweistündigen scharfen Verhör unterzogen. In Beantwortung der Fragen Auni Beys sagte Isacharoff aus, daß ihm von einer Einschränkung der Benutzung von Faltstühlen, Bänken oder eines Vorlesepults für die Gesetzesrollen aus türkischer Zeit nichts bekannt sei. Er war während des Krieges außerhalb Palästinas, und als er 1921 zurückkam, habe man Ihn gebeten, neue Bänke zu kaufen, weil die alten gestohlen worden seien. Der erste Konflikt wegen der Bänke, sagte er, ist in der Zeit entstanden, als Sir Ronald Storrs Gouverneur war. Trotz der damals entstandenen Schwierigkeiten habe die bucharische Gemeinde noch vor vier Jahren eine große Beschneidungsfeierlichkeit bei der Klagctnauer abgehalten, bei der Stühle und andere Gebrauchsgegenstände benutzt worden sind. Der frühere Vizebürgermeister von Jerusalem, Chaim Solomon, machte weitere Aussagen über den jüdischen Gottesdienst an der Mauer. Ein seit 1892 in Jerusalem ansässiger christlicher Engländer Richard Hughes sagte aus, er habe oft die Klage• mauer besucht und dort Bänke, Öellampen und Gewürzbehälter gesehen. Hingegen habe er nie Araber an der Mauer beten gesehen, oder gehört, daß Moslems, dem jüdischen Gottes• dienst an der Klagemauer Schwierigkeiten gemacht hätten. Es sei ihm nicht bekannt, daß die Regierung die Benützung von Stühlen an der Mauer verboten habe. Einmal habe er auch einen Schrank an der Mauer gesehen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen machten zwei Rabbiner, Rabbi Abraham S c h 0 r r und der sephardische Chacham Rabbi U z i e 1, ihre Aussagen vor der Kommission. Rabbi Schorr konnte zwei Re• gierungsdokumente vorlegen, die auf die Mitglieder der Kommission sichtlich Eindruck machten: Das eine ist vom ll.Aug. 1920 und zeigt, daß damals die Entscheidung der Frage, ob an der Klagemauer ein Thoraschrein' aufgestellt werden sollte, von der Regierung als dem Spruch der Rabbinen unterliegend angesehen worden ist; das andere ist vom August 1921 und aus ihm geht hervor, daß die Moslems gegen die Benutzung von Bänken keine Einwände hatten. Im Verlaufe des Verhörs durch Auni Bey wies Rabbi Schorr auf den jüdisch-moslemischen Disput wegen der Bänke im Jahre 1912 hin, der zu einer, durch den damaligen amerikanischen Botschafter in Konstantinopel Henry Morgenthau unterstützten Intervention des türkischen Oberrabbiners Chacham Nachum führte. Diese Intervention erstreckte sich auch auf die Frage der Aufstellung eines Thora• schreins. Rabbi Uziel machte ergänzende Mitteilungen zu dem Memorandum Dr. Eliashs über die Liturgie des Gottesdienstes. Er legte dar, daß der Gemeindegottesdienst an jeder Stelle Gesetzesrolie, Schofar und Lulaw (Palmenstrauß) erfordert. Die letzten provisorischen Verfügungen des High Commissioner, durch die eine Anwendung dieser Utensilien und selbst Gebetriemen und Gebetmantel untersagt werden, sind den jüdischen Ansprüchen in keiner Weise gerecht geworden. Auni Bey versuchte die Verhandlungen auf politisches Gebiet überzuleiten, indem er den Zeugen fragte, ob er Zionist sei und ob die Zionisten glauben, daß das Beten an der Klagemauer der Propaganda für die Einwanderung von Juden nach Palästina von Nutzen ist. Daraufhin fragten die Mitglieder der Kommission Barde und van Kämpfen, seit wann die jüdischen Gottesdienste an der Klagemauer üblich sind. Rabbi Uziel wies in seiner Antwort darauf hin, daß die Juden in aller Welt seit jeher sich im Gebet nach der Richtung des Tempels wenden. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen erschien als nächster jüdischer Zeuge Rafael Mejuchas, der seit 26 Jahren als Nachfolger seines Vaters die Stelle des sephardischen ״Schamasch“ an der Klagemauer versieht. Er sagte aus, daß in den letzten 40 Jahren, an die er persönliche Erinnerungen hat, individuelle und Gemeindegottesdienste an der Klagemauer mit allen zugehörigen Utensilien abgehalten worden sind, und daß dabei Schofar, Thoraschrein, Bänke, Sonnenzelt und Scheidewand zur Anwendung kamen. Er bestätigte ferner, daß die Juden seit jeher beim Gottesdienst an der Klagemauer mit lauter Stimme zu beten pflegten. Vor 18 Jahren ungefähr, erzählte er, erließen die türkischen Behörden ein Verbot gegen die Verwendung der Scheidewand, das Verbot wurde aber bald zurückgezogen. Faltstühle und Feldsessel, sagte er, sind erst zur Zeit der britischen Okkupation eingeführt worden. Er führte ferner zum Beweis dafür, daß die türkischen Behörden der Klagemauer als einer jüdischen Institution hohe Bedeutung beimaßen, die Tatsache am, daß er während des Krieges in seiner Eigenschaft ab Schamasch an der Klagemauer vom Militärdienst befreit war. Von der seit einem Jahr in der Nachbarschaft der Klagemauer eingeführten moslemischen lärmenden Zikhr-Zeremonie habe er in früheren Jahren nie etwas gehört, ebenso habe in den vorangegangenen Jahren der Mezzin von der Mauer herab nie zum Gebet aufgerufen. Hingegen gab er zu, daß für die Klagemauer bei den Moslems die Bezeichnung EI Burak üblich ist. Auf die Frage von Fakhri Hussein!, ob der Zeuge persönlich wünsche, der Platz vor der Klagemauer möge in eine Synagoge umgewandelt werden, sagte dieser, die Klagemauer sei den Juden heiliger als jede Synagoge. Der Vorsitzende der Kommission, Loefgren, wies die Frage als unzulässig zurück. Als nächster Zeuge bestätigte der Kassierer der ,,Kolelim“ und ehemaliger Sekretär des verstorbenen Oberrabbiners von Jerusalem, Rabbi Salant, daß um das Jahr 1895 die Juden auf dem Platz vor der Mauer neues Pflaster haben legen lassen. Er erinnere sich, daß Rabbi Salant, damals für die Zwecke der Reparatur zehn ״Napoleons“ gestiftet habe. Auni Bey's Bernerkung, daß diese Zeugenaussage den Charakter des Hörensagens habe, wurde vom Vorsitzenden zurückgewiesen. Der Direktor der Bezalcl-Schulc in Jerusalem, Professor Boris Schatz, gab Aufklärung zu einem im Jahre 1910 gedrehten Film von der Klagctnauer, der den Platz überfüllt von Juden und mit Bänken darauf zeigt und der Kommission tags zuvor vorgeführt worden ist. Er selbst habe diesen Film seinerzeit in New York gezeigt Professor Schatz bat die Kommisslonsmitglieder, dahin zu wirk«, daß die hygienischen und ästhetischen Verhältnisse in der Nachbarschaft der Klagemaucr verbessert werden. Von Auni Bey befragt, sagte Professor Schatz, die Klagemauer sei den Juden der wertvollste und heiligste Ort, nicht nur, weil sie glaub«, daß sie ein Rest des Tempels darstellt, sondern auch deshalb, weil sie der Ort ist, zu dem seit Jahrnundert« die Juden gekommen sind, um den Fall Jerusalems und die Zerstörung des Tempels zu beweinen. Die archäologische Echtheit der Mauer tut so wenig zur Sache, wie die historische Omaulgkeit der Lage der Grabeskirche. Die Tatsache, daß die die Benutzung von Bänken vorder Klagemauer verbietende Verfügung der örtlichen türkischen Behörden von 1912 von Konstanönopel aus sofort anullicrt worden ist, stellt sich als das wichtigste der bisher von jüdischer Seite vorgebrachten Argumente dar, weil dadurch die arabische Auffassung des Status quo widerlegt wird. Dr. Eliash, der jüdische Hauptvertreter vor der Kommission, legte eine Nummer der Zeitschrift ״Hachenith“ vom 11. Februar 1912 vor, in der die Anullierung des Verbotes durch die türkische Regierung mitgeteilt wird. Die aufhebende Verfügung erschien auch in der damals ln Konstantinopel, jetzt ln Kairo herausgegebenen jüdischen Zeitung ״L’Aurore“. Dr. Eliash hob hervor, daß das ottomanlsche Pressegesetz die Einreichung von zwei Exemplaren jeder Druckschrift zur Prüfung der Regierungsämter forderte und daß es daher unmöglich ist, gegen die Authentizität der in den genannten Zeitungen veröffentlichten Regierungsorder irgendwelche Zweifel zu hegen. Wäre die Order nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben worden, dann würde die betreffende Veröffentlichung dementiert und die Zeitung bestraft worden sein. Dr. Eliash legte ferner ein Schreiben des Polizei-Distrikts-Superintendenten von Jerusalem mit Datum vom 1. Oktober 1926 vor, durch das dem Schamasch an der Klagemauer erlaubt wird, Feldsessel aufzustellen. Nach Beendigung des Kreuzverhörs mit dem jüdischen Zeugen Mejuchas wurde der britische Archäologe Missh u s s ey vernommen. Der Zeuge kam im Jahre 1900 nach Jeru* salem. Er besuchte bald nach seiner Ankunft die Klagemauer, und fand dort alte Männer auf Stühlen und Bänken sitzend vor. Er sah auch eine Scheidewand aus Holz und Stoff. Später lebte er einige Zeit unter Fellachen, hat aber nicht gehört, daß sie die Klagemauer je erwähnt hätten, und vor 1928 nie gesehen, daß Moslems zur Klagemauer ging«. Auf eine Frage Auni Beys sagte der Zeuge, seines Wissens sei Burak nie neues Wort. Er ist der Ueberzeugung, daß die großen Mauersteine Uebcrreste des Herodianischen Tempels darstellen. Nach der Conventfon von Cleveland Cleveland, 4. Juli. (J.T.A.) Die auf der Convention der Zionistischen Organisation von Amerika in Cleveland erzielte Einigung zwischen der bisher führenden Gruppe und den Oppositionsgruppen hat große Befriedigung ausgelöst. Neben dem achtzehnköpfig« Komitee, in dem die Brandeisgruppe die Zweidrittel-Majorität besitzt, wurde noch eine Exekutive von 40 Mitgliedern eingesetzt, in der die beiden Gruppen zu gleichen Teilen vertreten sind. Einer Anregung Rabbi Silvers entsprechend, wurd« zur Deckung des alten Defizits der Zionistischen Organisation in Amerika Zeichnungen in der Höhe von 100.000 Dollar abgegeben. Es ist bcschlossen worden, daß die Convention noch vor Ende des 1 ähr es wieder zusammen treten soll Bei der Ver- Iesung der durch das Kompromiß zustande gebrachten Vorschlagsliste für das neue Verwaltungskomitee gab die Nennung der Namen von Rabbi Dr. Stephen S. Wise und Abraham Tullin zu Mlßfallenskundgebungen aus dem Plenum der Convention Anlaß, die aber durch Lipsky unterdrückt wurden. In einer Entschließung forderte die Convention die Zurücknähme des gegen Jabotinsky verfügten Einreiseverbots für Palästina. In Erklärungen an die J. T. A. gaben Louis Lipsky, Jacob de Haas, Dr. Stephen S. Wise una Morris Rothenberg übereinstimmend ihrer festen Ueberzeugung Ausdruck, daß der in der Zionistischen Organisation Amerikas herbeigeführte Friede nicht nur der weiteren Entwicklung des amerikanischen Zionismus, sondern auch der des Weitzionismus neue wertvolle Ausblicke eröffnet Von der Stadtverwaltung Tiberlas Eine jüdisch-arabische Stadt Der ״Haarez“ veröffentlicht Interessante Einzelheiten über die Verhältnisse in der Stadtverwaltung von Tiberias. Tiberias gehört zu den Städten mit gemischter Bevölkerung und hat daher in der Stadtverwaltung Vertreter der jüdisehen und arabischen Einwohner. Da 70 <>/0 der Einwohner von Tiberias Juden sind, ist auch der Bürgermeister und die Mehrheit der Stadträte in Tiberias jüdisch im Gegensatz zu den Verhältnissen etwa in der Stadtverwaltung von Jerusalem, obwohl Jerusalem auch eine jüdische Mehrheit hat. In der Stadtverwaltung von Tiberias sind überwiegend jüdische Beamte beschäftigt, ebenso in der lokalen Polizei j ü d 1 s c h e P 0 H z i s t e n. Die kommunalen Verhältnisse haben sich in der Stadt in den letzten Jahren außerordentlich verbessert, was sich besouders in der Wasserversorgung der Stadt ausdrückt. Es wurde eine moderne Wasserinstallation, bei der das Wasser mit elektrischer Kraft aus dem Tiberiassee nach oben gepumpt und in modernen Anlagen sorgfältig chemisch gereinigt wird, eingerichtet. Die Zahl der jüdischen Arbeiter bei den von der Stadtverwaltung vergebenen Arbeiten beträgt 70 °/0 der Gesamtzahl. (Ziko.) Ein neues Hauptgebäude in Ramath Rachel Auf einem Hügel südlich von Talpioth liegt Ramath Rachel, die Siedlung des Gdud Haawoda Trumpeldor bei Jerusalem, die bekanntlich in den Augustunruhen des yorigen Jahres schwer gelitten hat- Alle Wonnbaracken der Siedlung wurden verbrannt und in der Wirtschaft selbst schwerer Schaden angerichtet. Inzwischen wurde das einzige feste Wohngebäude, das bisher bestand, aus Mitteln des Hilfsfond wieder in Stand gesetzt und ein zweites Stockwerk aufgebaut. Nunmehr hat der Keren Hajessod beschlossen, einen Betrag von £ 3000 für d« Bau eines großen Hauptgebäudes beizutragen, das einen Speiseraum für 200 Personen und Wohnräume für 24 Familien enthalten soll. Die exponierte Lage der Siedlung hat — wie die Erfahrung zeigt — die Erriehtung eines testen Gebäudes aus Beton und Stein notwendig gemacht. Der allgemeine Hilfsfonds trägt £ 1200 hierzu bei. Der Beitrag des Keren Hajessod stammt aus der speziellen Hilfssammlung, die nach den Augustunruhen in Wien durchgeführt worden ist. Die Grundsteinlegung fand am 10. Juni statt Es wurden Ansprachen seitens der Vertreter des Keren Hajessod, der Jewish Agency, des Keren Kajeinefli, des Hilfsfonds, des Waad Leumi, der Histadruth Haowdim und der Siedlergruppe des Gdud Haawoda gehalten. (Ziko.)