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Jüdische Rundschau · 1930-07-04 · Heft 52 (4.7.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 52 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52. 4. W. 1930 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 353 ״Der Zionismus in Palästina“ Dr. Ernst Simon Aber Brith Schalom. Vor einem trotz der Hitze beispiellos überfüllten Saale sprach am vergangenen Montag Dr, Ernst Simon (Jerusalem) ji! einer Versammlung der B.Z.V. in Berlin über das Thema ״Der Zionismus in Palästina“. Dem Vortrag war mit großer f׳Wartungen entgegengesehen worden, weil Dr. Simon, den deutschen Zionisten von früher wohlbekannt, in Palästina sich der bekanntlich heftig befehdeten Gruppe des Brith Schalom;»!geschlossen hat, deren Anschauungen vielfach ohne autetitische Grundlagen diskutiert wurden. Dr. Simon setzte unter großer Aufmerksamkeit des Publikums ln einem mehr als zweistündigen Vortrag seine zionistische Auffassung auseinander, deren Gedankengang wir im folgenden wiedergeben. Dr. Simon ging aus von der dreifachen Wurzel des heuiigen Zionismus: 1. der utopische Zionismus Herzls, für den die Formel charakteristisch war ״Das Land ohne Volk, dem Volk ohne Land“; 2. die uralte Sehnsucht der jüdischen Massen nach Erez-Israel, die durch die Jahrhunderte in verschiedenen Formen bestand, dann in der Chibbath-Zion ihren Ausdruck fand und schließlich in den modernen Zionismus mündete; 3. das messianische Streben der Juden nach Erlö* sung. Wie hat sich nun — m stellt Dr. Simon das Problem — der Zionismus zu der Tatsache zu verhalten, daß er in allen seinen drei Formen keine seinen Voraussetzungen entsprechende Realität antrifft? Der Vortragende zeigt, wie die drei Komponenten einander historisch durchdringen. Im Uganda-Konflikt siegt die Chibbath-Zion über den utopischen Zionismus; dennoch verhielt sich der Zionismus so, als ob er auf Uganda, d.!1. auf ein leeres Land, erichtet sei. ln der Politik behielt der utopische Zionismus as Uebergewicht, während die beiden anderen Strömungen nur zur gefühlsmäßigen Stärkung dienten. Deshalb ist es die Existenz des arabischen Volkes in Palästina, was den Zionismus vor seine innere und damit seine äußere Schicksalsfrage stellt. Der Vortragende charakterisiert dann die einzelnen Schichten des Jischuw und ihre Haltung zu den Arabern. Er unterscheidet dabei den alten Jischuw, die sephardischen Juden, die bürgerliche Mittelschicht, die Arbeiterschaff und schließlich einen Kreis von ״entwurzelten“ Intellektuelien, wie man Sie in Palästina nennt, nämlich Mensehen, die nicht ohne weiteres identifizierbar sind mit einer bestimmten Gruppenmeinung, sondern in einem gewissen Sinne zwischen den Klassen stehen: der Kreis des Brith Scha- 10m. Nach einer kurzen Charakteristik des arabischen Partners, mit dem sich alle diese Gruppen in ihrer Weise ausdnanderzusetzen haben, geht der Vortragende zu einer historischen Dariegung der Haltung des Zionismus gegenüber dem Araber- Problem ein. Er kennzeichnet die Situation vor dem Kriege und die Wandlung der zionistischen Ideologie, die zur Zeit der türkischen Revolution den Gedanken des Judenstaates und des Charters offiziell fallen ließ. Dann kam die Pcriode der Balfour- Deklaration, deren Bedeutung vor allem in dem psychologischen ״Stolz-Erlebnis״ lag. Man war davon so berauscht, laß man übersah, daß dasselbe Ereignis — der Weltkrieg —־ auch die Araber zu einem bewußten Faktor der Entwicklung im Lande gemacht hat. Baifour-Deklaratiorr und Mandat gaben zwar den Juden ein politisches Uebergewicht, aber die faktische Macht der Araber wuchs immer weiter. Herbert Samuel begriff, daß das Palästinaproblem darin besteht, eine Form für die wirkliche Realität Palästinas zu finden und dadurch eine evolutionäre Entwicklung anzubahnen, die auch den Juden Einwanderung und Weiterarbeit ermöglicht; er verstand, daß nach allen hiatorisehen Gesetzen es sonst zu revolutionären Entladungen kommen muß. Die Zionistische Organisation aber machte überhaupt keine P&UÜM gttgenflbef den Atfiberti and wurde nur durch England Von FaU zu Fall zu einer Stellungnahme gezwungen. Die sieben Jahre der Ruhe waren die richtige Zeit, die Politik des Weißbuches von 1922 fortzusetzen und den Frieden int Lande zu sichern. Statt dessen stürzten wir uns in die Klagemauer-Angelegenheit und duldeten, daß diese Frage zu einer entscheidenden Frage des politischen Prestiges gemacht wurde. Int letzten Jahre vor den Unruhen war unsere arabische Politik ausschließlich von dieser Sache beherrscht. Während dieser ganzen Zeit hatte der Brith Schalom das Gefühl, daß wir auf einem Vulkan sitzen, und er Versuchte immer wieder Schritte zu tun, um den zionistischen Gesinmmgsgcnossen die Gefahr deutlich zu machen und vielleicht sie zu bannen. Es gab sogar von arabischer Seite ein Jahr vor den Unruhen deutliche Versuchsballons, die jedoch von den Juden völlig unbeachtet blieben. Heute nun wird das arabische Problem von allen akut empfunden. Redner skizziert in objektiver Weise die Antworten, die darauf gegeben werden, und zwar die der Revisionisten, die der Exekutive (Weizmann), die der Arbeiterschaft und schließlich die des Brith-Schalofn. Was die Revisionisten betrifft, so zeigt er, daß ihre Anschauung einen völligen Rückfall in den utopischen Zionismus bedeutet. Die Mehrheit der Zionisten lehnt auch den Revisionismus aus der Erkenntnis seiner Undurchführbarkeit ab (nur eine kleine Minderheit würde ihn aus moralischen Gründen auch dann ablehnen, wenn er durchführbar wäre). Die Stellung der Exekutive ist dadurch charakterisiert, daß sie gleichzeitig Außenpolitik und Propaganda machen muß, so daß eine Aeußerung bezüglich der Araberfrage, die nach außen berechnet ist, meist sofort in ihrer Wirkung paralysiert wird durch die für das eigene Volk bestimmte Proklamation. Der Ausweg, den die Exekutive und mit ihr die große zionistische Mittelgruppe gehen will, dem politischen Problem durch Hinweis auf den Primat der wirtschaftlichen Aufbauarbeit auszuvveicheu, ist in Wahrheit ungangbar. Die Arbeiterschaft, die von dem sozialen Erwachen der Fellachen die Lösung erwartet, hätte von Marx lernen können, daß überall erst die nationale und dann die soziale Befreiung kommt. Die jüdische Arbeiterschaft selbst ist ein Beispiel musterhafter Eingliederung einer proletarischen Klasse in eine nationale Front; wie kann sie von den weniger entwickelten Arabern erwarten, daß sie in ihrer sozialen Befreiung das Beispiel eines nationalen Zerfalls bieten werden? So sehen geschichtliche Prozesse nicht aus. Was kann nun nach dieser unendlichen Kette von Versäumnissen geschehen? Der Redner beschränkt sich bei der Dariegung der Auffassung des Brith Schalom auf einige grundsätzliche Punkte: Wir bedürfen 1. ln unserem Bewußtsein der Anerkennung der Existenz einer arabischen Bewegung und ihres Rechtes, sich ihre Führer selbst zu bestimmen. Wir haben 2., wenn wir die Möglichkeit von Verhandlungen ins Auge fassen, uns klar zu sein, daß wir nicht das Z1 e f der Verhandlungen vorweg nehmen können; also die Anerkennung des Jüdischen Nationalheims seitens der Araber, diä das Resultat der Verband- Iungen sein soll, nicht als Voraussetzung ihres Beginns hinzustellen, und 3., wenn wir einen Frieden mit den Arabern wällen, dann darf der Zionismus nicht so atttSehefi, als ob dlt Mehrheit im Lande seine wesentlichste Forderung wäre. Der Zionismus muß zwar nach einer quantitativ g roßen jüdi• sehen Siedlung streben, aber die Zahl der Juden soll nicht durch das Verhältnis zu den Arabern, sondern aus inneren Gründen abgeleitet werden. Dieses Ziel nennen wir den bin ationalen Staat: wo es keine Mehrheit und keine Minderheit gibt, soweit die Stellung im Staate in Betracht kommt. Beide Völker ieiten ihre Souveränität aus der Grundverfassung ab, die durch den Völkerbund garantiert ist. Es wäre nun noch auf die Frage einzugehen, was dann am Zionismus noch erstrebenswert ist. Das hier dargesteilte Streben Ist nur dann sinnvoll, wenn man über* zeugt ist, daß ein gesunde«, quantitativ bedeutendes, Wirtschaft* lieh normal geschichtet«, In einem eigenen Freiheitsgefühl lebendes Judentum in Palästina für das gesamte jüdische Volk eine unvergleichliche und entscheidende Funktion hat Bedauerlicher* weise versucht man Achad Haams Lehre immer wieder So zu bagatellisieren, als ob Achad Haam in Palästina ״Geist“ fahrt» zieren wollte. In Wahrheit ist das wesentliche nicht die geistigen Produkte, sondern die Beziehung des Galuth zu diesem palästlnensischen Zentrum. Dies ist ein Zionismus, der nicht aus jüdischer Lebensangst, sondern aus jüdischer Lebcnsstirke entsteht. In einer kurzen anschließenden Debatte sprach zunächst Herr Lichtheim, der anerkannte, daß der Vortrag Dr. Simons objektiv war und auch den anderen Richtungen in voller Sachlichkeit gerecht zu werden suchte, Lichtheim legte die Anschaumig der Revisionisten dar. Der Zionismus dürfe keine Realitäten kennen, die nicht überwunden werden können. Der Brith Schalom sei die wahre Utopie, während die Revisionisten der Meinung sind, man müsse auf den Tag warten, wo der politische Oedanke, daß England «ich in Palästina auf die Juden stützen muß, sich durchsetzt. Nach einer Rede von Dr. Reifenberg und einem Schlußwort von Simon wurde die Versammlung geschlossen. Dr. Simon hielt einen ähnlichen Vortrag auch in einer Reihe anderer deutscher Ortsgruppen, darunter Leipzig und Breslau. Gegen die Pogromdrohungen Nachdem der Centrai-Verein in den letzten Tagen in Thüringen und in Berlin Frotestversammlungen gegen die Ausschreitungen der Nationalsozialisten abgehalten hatte, veranstaitetc auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten in der Berliner Stadthalle am 1. d. M. eine Protestversammlung unter dem Schlagworte ״Gegen die Pogromhetze“. Schon die Tatsache, daß im gegenwärtigen Augenblick, da die verstärkte Tätigkeit der Nationalsozialisten alle Juden in Deutschland bedroht, von verschiedenen jüdischen Organisationeji Separatversammlungen einberufen werden, beleuchtet die Dringlichkeit einer organisatorischen Umbildung des nun einmal notwendigen Abwehrkampfes. Von dem Geist und den Methoden der bisherigen Aktionen in der Abwehr der akuten Gefahr wollen wir heute nicht reden. Hervorzuheben ist, daß in der Protestversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten unser Gesinnungsgenosse Kareskl durch seine Darlegungen sowohl was die Form als auch den Inhalt und den Geist seiner Rede anbelangt, sich dermaßen von allen andern Rednern abhob, daß die Versammlung seine Ausfüiirungen besonders beifällig aufnahm und damit ihr Ein- Verständnis bekundete, daß die in erster Lihle legitimierte Organisation in diesem Kampfe die Gesamtvertretung der Juden, die Gemeinde ist. Nachstehend der Bericht: Der Vorsitzende Dr. London begrüßte unter den Anwesenden den Vertreter der preußischen Staatsregierung, Min.- Dir. Dr. Brecht, und den Vorsitzenden der Berliner jüdisehen Oemelnde, Direktor Karfeski. Der stellvertretende Vorsitzende des R. I. V., Dr. Elkeles gedachte In seiner Ansprache der Rheinlandbefreiung. - - Direktor K a r c S k i betonte, daß die jüdische Gemeinde sich heute in dieser Frage mit ihrer ganzen Autorität einsetze. Er drückte seine Genugtuung über das gegen die Berliner Syriägogenschänder erfangene Urteil aus. Wir müßten hoffen, daß auch bald die eit hinter uns liegen wird, in der ein jüdisch« Menschenleben nur 4 Monate Gefängnis wert ist. Die letzten Jahre haben über uns Juden durch den Zusammenbruch des Mittel- Standes Und di« Not der jüdischen Arbeiter und Angestellten unsägliches Elend gebracht. Zur allgemeinen Not tritt bei uns noch eine besondere jüdische hinzu. Dje Besitzenden in unseren Kreisen sollten daher Ihre Pflichten gegenüber der Gesamtheit erkennen. Die Gemeinde ist nicht nur wegen der antisemitischen Welle an sich in Aktion getreten, sondern infolge des mangelnden Widerstandes gegen diese Bewegung in anderen Parteien. Wir haben es satt, uns als Staatsbürger Zweiter Klasse behandeln zu lassen. Allerdings glauben wir, daß jüdischer Mut, Zähigkeit und Freiheitsdrang auch diese Gegner überwinden werden. Wir wollen Einigkeit und Recht und Freiheit als Unterpfand für unser eigenes Glück und stehen daher zur deutschen Republik. — Min.-Dir. Dr. Brecht geißelte die Taktik der Antisemiten, die eine Atmosphire des Hasses schaffen. Aus einer solchen Atmo- Sphäre ist der Mord an Rathenau erwachsen. Die preu* Bische Staatsregierung wird mit allen Mittein den Versuch eines Terrors bekämpfen. Georg Bernhard wies darauf hin, daß die antisemitische Hetze kaltblütig schon im Kriege begonnen habe. Sie ist das Schicksal der Juden seit Beginn des Exils, ejtzt, wo die deutsche Erfüllungspolitik ihre Früchte trägt, hat man zur Ablenkung eine neue Pogromhetze begonnen. Aus dem Rheinlande stammen zum Teil gerade die Vorfahren der heutigen Ostjuden. Die Verhetzung wird nie ein Ende nehmen, da wir eine zu kleine Minorität sind. Die Völker fühlen sich nicht vollkommen frei, wenn sie nicht eine Minderheit vergewaltigen können. Vielleicht wären wir ohne die Judenhetze heute als Juden nicht mehr vorhanden, wenn eine Härtung unserer Charaktere durch sie nicht erfolgt wäre. Der R. J. F. zeigt, daß wir uns wehren können; für ihn gilt daher der Ruf: Cliasak, Chasakl — Der Vorsitzende brachte hierauf folgende Resolution ein, die einstimmig angenommen wurde: ,,Die vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eiuberufene, von allen Bevölkerungskreisen besuchte Versammlung erhebt schärfsten Einspruch gegen die immer herausfordernder auftretende nationalsozialistische Volksverhetzung, die seit geraumer Zeit zu Ausschreitungen und Gewalttaten gegen Andersdenkende führt. Neuerdings schreckt diese gewissenlose Hetze nicht davor zurück, mit Judenpogromen zu drohen, und es besteht die Gefahr, daß unreife, verführte Elemente sifh zu solchen verbrecherischen Handlungen hinreißen lassen. Die Versammelten fordern daher von den zuständigen Stellen in Reich, Staat und Gemeinden, daß gegen die Anstifter die- *er Mordhetze und ihre Helfershelfer mit Nachdruck und Schärfe Vorgegangen wird. Der Festtag der Republik am Tage der Befreiung des Rheines sollte allen Volksgenossen eine ernste Mahnung sein, für den inneren Frieden Deutschlands zu wirken.“ Spenden für die Jüdische Nafional-Bibliothek. Die tschechoslowakische Regierung überwies durch das tschechoslowakische Konsulat in Jerusalem der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek eine Sammlung hervorragender wissenschaftlicher Werke, welche von tschechischen Gelehrten im Laufe der letzten Jahre verfaßt worden sind. Die Sammlung enthielt u. a. die Schriften von Prof. Hrozny über die Hethiter und die Werke von Professor Lexa zur Kulturgeschichte Aegyptens. — Emil Ludwig hat der Nationalbibliothek zur Erinnerung an seinen Aufenthalt in Jerusalem die große, 45bändige Goethe-Ausgabe des Propyläen- Verlages zum Geschenke gemacht. (Emil Ludwig hat im vergangenen Winter im großen Lesesaal der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek eine Vorlesung gehalten.) Parteitag der Zionisten Oesterreichs Wien, 29. Juni, (J. T. A.) Der vor einiger Zeit begonnene, aber in der Mitte abgebrochene Parteitag der Zionisten Oesterreichs wurde heute zu Ende geführt. Zum Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees wurde der bisherige Vorsitzende des ״Rings des Alte Herren-Verbandes“, Dr. Oskar Grün bäum, gewählt. Es wurde beschlossen, zu Beginn des Herbstes 1930 einen außerordentlichen Parteitag abztihalfen, der darüber die Entscheidung treffen so!!, ob die Zionistische Organisation Oesterreichs sich auch in der I.andespoiitik betätige oder nur Arbeit für Palästina leisten solle. Die neue Leitung ist nur aus allgemeinen Zionisten und Vertretern der Hitachduth zusammengesetzt; inan hofft aber, daß nach dem außerordentlichen Parteitag im Herbst auch Radikale und Revisionisten in die Leitung eintreten werden. Die Wünsche der Mehrheit gehen dahin, die landespolitische Arbeit einer neu zu schaffenden nationalen Organisation, wie sie 1. B. in Kongreßpolen besteht, zu überlassen. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der über die mandatswidrige Haltung der englischen Regierung, insbesondere über die Suspendierung der Alijah, die Entrüstung ausgesprochen und an England, den Völkerbund und das Gewissen der Weltnationen appelliert wird, daß das den Juden zugefügte Unrecht bald wieder gutgemacht wird. In einer zw eiten Resolution wurde gegen die Mission Simpsons, der ohne Wissen der Zionistischen Exekutive ernannt worden ist, protestiert und dargetan, daß Simpsons Mission, die auf dem Shaw* Bericht basiert, absolut mandatswidrig ist, da das Mandat freie jüdische Einwanderung, Begünstigung einer dichten jüdischen Ansiediung durch die Palästina-Regierung und die Mandatar* macht verschreibt. Es wurde auch einstimmig gegen die Zurück- Ziehung des Palästina-Visums für Jabotinsky protestiert. Mit 45 gegen 6 Stimmen bei ft Stimmenthaltungen wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die Tätigkeit des Brith Schalom als gegen eine Durchbrechung der nationalen Front protestiert wird. Mit großer Mehrheit wurde ein Mißtrauens* antrag der Revisionisten gegen die Zionistische Exekutive abgelehnt, mit ebenso großer Mehrheit wurde eine Resolution angenommen, in der die Einberufung des Kongresses gefordert wird. Gegen die Stimmen von Hitachduth wurde beschlossen, daß die österreichischen Zionisten den Tel-Chai-Fonds fördern sollen; gegen die Stimmen der Revisionisten wurde dann die allgemeine Pflicht zur Förderung des Palästina-Arbeiterfonds festgesetzt, Dem Hechaluz wurde die Sympathie aller Zionisten ausgedrückt und beschlossen, an alle Zionisten, zu appellieren, die Arbeit des Hechaluz und die Hachschara gemäß den Kongreßbeschlftssen zu fördern. Kleine Nachrichten Die Jüdische Gemeinde Bukarest nahm den von Dr. Lazar Mayersohn eingebrachfen Antrag an, von jetzt ab regelmäßig in das Jahresbudget einen Beitrag für den Keren Hajessod einzustellen. Es wurde einstimmig beschlossen, für das Jahr 1930 100000 Lei (2500 M.) für den Keren Hajessod zu bewilligen und in den kommenden Jahren nach Maßgabe des möglichen diesen Betrag zu erhöhen. Die Weltorganisation zionistischer Frauen ״Wizo“ war auf dem Internationalen Frauenkongreß in Wien durch drei Delegierte, Frau Anita Müller-Cohen, Blanka Federn-Lipschütz und Sophie Löwenherz, vertreten. Palästina war durch Miß Landau, Jerusalem, vertreten. Unter den Delegiertinnen waren ferner etwa 25 jüdische Frauen aus verschiedenen Ländern, die dem Kongreß aber nicht als Vertreterinnen jüdischer Frauen, sondern als Mitglieder der Länderdelegationen beiwohnten. Im Rahmen der Beratungen der Wanderungskommission erstattet Frau Anita Müller-Cohen einen überaus saclt* liehen Bericht über die Immigrationsfrage in Palästina. Das holländische Mitglied der Klagemauerkommission Herr van Kempen besuchte am 22. Juni unter Begleitung des hotländischen Konsuls Herrn van Vriesland die Hebräische Universität und die Nationalbibliothek. (Ziko.) Die Weltunion der Zionisten-Revislonisten hat Ihre Weltkonferenz um eine Woche verschoben, d. h. auf den 10. bis 14. August. Der Waad Leumi forderte in einem Schreiben den High CommLsioner auf, daß gegen fabotinsky ausgesprochene Verbot der Wiedereinreise nach Palästina zurückzuziehen. — Der Distrikskommissar von Jaffa hat sich geweigert, die Erlaubnis zur Abhaltung einer Protestversammlung gegen die Fernhaltung Jabotinskys vom Lande zu erteilen. ״Renegat" und nationale Gesinnung. Ein interessanter Beleidigungsprozeß, den der bekannte Schriftsteller Dr. Walter Bloem gegen den Redakteur der ״Pomm. Tagespost‘‘ Paul Niehaus angestrengt hat, beschäftigte die Stettiner Strafkammer. In der ״Pommerschen Tagespost“ war ein Aufsatz unter dem Titel ״Renegaten“ erschienen, der sich u. a. mit Walter Bloem, insbesondere mit seinem Reisebuch ״Weltgesicht“, befaßte und ihm vorwarf, daß er nicht mehr den nationalen Standpunkt, den er früher eingenommen habe, vertrete. Der Vertretef Dr. Bioems, Rechtsanwalt Dr. Klee- Berlin führte aus, daß eine gut vaterländische Gesinnung, wie sie Bloem immer gezeigt habe, und noch heute zeige, durchaus vereinbar sei mit der gerechten Würdigung anderer Völker, und daß gerade Bloem diese höhere Form einer nationalen Oesinnung zeige, die sich darin auszeichne, daß er das deutsche Volk in den friedlichen Wettbewerb der Nationen eingereiht sehen wolle. Der Ausdruck ״Renegat“ sei unter allen Umständen schwer beleidigend. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an. Der Beleidiger wurde zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Schekelausweis 5690 (Abgeschlossen am 30. 6. 1930.) Aachen —, Allenstein 6, Bamberg 20, Berlin 103, Beuth 70, Bielefeld 40, Bochum —, Bonn —, Braunschweltf —, Brem^_ 6, Breslau 469, Buchau 5, Bunziau 8, BUtow 6, Chemnitz 156, Cöthen Cottbus —, Dessau 118, Dortmund —, Dresden 47, Duisburg 30, Düsseldorf 43, Elberfeld 44, Emden —, Erfurt —, Essen —, Frankfurt a. M. 136, Frankfurt a. O. 9, Freiburg ־—, Fulda 3, Gelsenkirchen —, Gießen 2, Gleiwitz —, Görlitz 40, Gotha 1, Göttingen 1, Grünberg 1, Guben 5. Gunzenhausen 3, Haigerloch 2, Halberstadt —, Halle 2, Hamborn —, Hamburg 120, Hameln 27, Hanau 25, Hannover 48, Hattingen 5, Heidelberg -־, Heilbronn 13, Heilsberg 1, Herne 1, Hindenburg 44, Idar 4, Ilmenau 3, Insterburg —, Jena —, Jeßnitz 4, Jülich 20, Karlsruhe 1, Kassel 40, Kiel —, Klssingen 6, Kolberg f, Köln 36, Königsberg 100, Konstanz 17, Landsberg 1, Leipzig 135, Liegnitz 10, Lübeck 50, Lüdenscheid 8, Magdeburg 45, Mainz 2, Mannheim 10. Mellrichstadt 4, Militsch 8, München 83, München-Gladbach 19, Neuenahr 6, Nordhausen 2, Nürnberg 249, Oberhausen —, Oppeln 65, Osnabrück 48, Pforzheim —Flauen —, Rastatt 6, Ratibor —, Reichensachsen 2, Rostock 16, Saarbrücken 100, Schivelbein 1, Staßfurt 5, Stettin 53, Stolp —, Stuttgart —, Trachenberg 9, Vacha 6, Waldenburg 16, Waltershauten 6, Wiesbaden 66, Würzburg —, Zwickau

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