Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 52 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 350 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 4. VII. 1930 kraft zu vergrößern. Nur dieser Iptjter« Weg ist für den Fall Palästinas anwendbar. Die Shaw-Kommission hat in gewissem ■Umfang׳ diesem Gedanken Rechnung getragen, indem sie sagte, daß zur Erweiterung der ländlichen Sied״ lung eine Reform und Intensivierung der heutigen FellaclienWirfschaft notwendig sei, Im übrigen aber hat gerade die Betrachtungsweise der Shaw-Kommission in der jüdischen Welt die Befürchtung hervorgerufen, daß man letzten Endes das Hauptaugenmerk doch nur auf den gegenwärtigen Zustand des Landes richten wird. Wenn Hope Simpson dies tut, dann wird, bei aller Anerkennung seiner persönlichen Bemühungen, die Arbeit für den Zionisinus wertlos sein. Der Zionismus ist eine außergewöhnliehe, einzigartige Unternehmung; er hat die Aufgabe, auf Grund alter immanenter Rechte, die in unseren Tagen zu offiziell völkerrechtlich anerkannten Ansprüchen geworden sind, eint Bevölkerung in einem Land anzusiedeln, das zwar schon bewohnt ist, aber noch Raum für neue Siedlung bieten kann, Dieser kategorischen Forderung gegenüber ist der bequeme Weg, zu sagen, die Sache sei unmöglich, wirkungslos. Die Möglichkeit muß gefunden werden, und wenn hierzu zusätzliche Leistung an Kapital und Arbeit erforderlich ist, die im privatwirtschaftlichen Sinne unprofitabel Ist, dann Ist eben durch das ideelle Interesse des jüdischen Volkes der Ausweg angezeigt, Diesen ■auch für Palästina entscheidenden Faktor der j üdlschfn potentiellen Energien richtig einzuschützen, — das ist die eigentliche Aufgabe einer konstruk״ tivep Palästinapolitik, Denn durch diesen Faktor muß das Land סי verändert werden, daß flicht nur Juden dort ihre dauernde Existenz begründen können, sondern daß gleichzeitig die jetzige arabische Bevölkerung jin Verlaufe des Prozesses der ohnedies unvermeidlichen Umwandlung der Wirtschaftsitruktwr eine sichere und verbesserte Existenz findet. An einem konstruktiven Programm dieser Art hat es bisher gefehlt Die englische Regierung hat das Mandat nicht in dem Sinne aufgefaßt, daß sie die Initiative für ein solches Programm zu ergreifen und es mit tätiger Hilfe durchzufßhren hat. Nun ist die Zeit gekommen, wo dies unaufschiebbar geworden ist. Die Jewish Agency hat, wie mitgeteilt wurde, der englischen Regierung ein ausführliches Memorandum über die Grundlagen des Jüdischen Nationalheims überreicht. Dieses Memo״ randum ist natürlich der Oeffentiichkeit nicht mit״ geteilt worden. Aber wir können wohl annehmen, daß es in der Hauptsache den Sinn hat, der eng״ lischen Regierung ein derartiges konstruktives Programm für den Aufbau des Landes und die Erweiterung seiner Fassungskraft tu unterbreiten. Die jetzt allein in! Vorderjppid stehenden Fragen der Immigration und des ־•WiiÄUieh^^.blilbWB^siUgiB ־«n|1i1ehtt)arK|;unk8|rf|i als man ׳«&r1ü# fsdnett 1־betrachtet.müssen IhTHnen größeren Zusammenhang eingestellt werden. Wenn die Jewish Agency die materielle Verantwortung für das Jüdisehe Nationaihefm übernimmt, dann ist dies zweifellos der beste Regulator der Einwanderung. Und wenn einer aufbauenden Tätigkeit keine Hindernisse in den Weg gelegt werden, dann ist das Problem des Schutzes der Fellachen, dem die Jewish Agency in ihrem Memorandum an die Mandatskommission des Völkerbundes ohnedies ausdrücklich tu gestimmt hat, sicherlich nicht unlösbar. Der Landesvorstand der Z. V. f. D. hat daher in der Resolution, die er am 29. Juni zur politischen Lage ange״ nommen hat, mit Recht verlangt, daß bei der Verteidigung unserer politischen Forderungen auch ״fundierte praktische Vorschläge unterbreitet werden, die einen Arbeitsplan für die nächsten Jahr« enthalten.“ Daß diese Vorschläge die Rücksichten, welche auf die arabische Bevölkerung genommen werden müssen, voll beachten sollen, Ist um so selbstverständlicher als der Landesvorstand gleichzeitig ausspricht, daß er es für ״eine Hauptaufgabe der zionistischen Politik hält, Wirtschaft• lieh und politisch energisch und schnell einen Ausgleich zwischen unserm Volk und dem arabischen Volk anzubahnen“, dessen Ziel die ״Sicherung der vollen und freien Entwicklung des Jüdischen Nationalheims“ ist. Diese Probleme werden wahrscheinlich ln den nächsten Tagen in London ohnedies Gegenstand eingehender Beratung sein, da Sir John Chancellor, der High Commissioner Palästinas, in London eintrifft, Das Administrative Committee der Jewish Agency hat in seiper Erklärung vom 27. März in großen Zügen die Umrisse der zionistischen Politik gegeben. Es wurde betont, daß das jüdische Volk eine Erfüllung der von Großbritannien im Mandat gegebenen Verpflichtungen fordert, und zugleich wurde die Resolution des XH. Kongresses wiederholt, wonach das jüdische Volk entschlossen ist, ״mit dem arabischen Volk in einem Verhältnis der Eintracht und der gegenseitigen Achtung zu leben und im Bunde mit ihm die gemeinsame Wohnstätte zu einem blühenden Gemeinwesen zu machen, dessen Ausbau jedem seiner Völker eine ungestörte nationale Entwicklung sichert“; in derselben Erklärung des Administrative Committee wird der Grundsatz aufgestellt, daß es ״in Palästina weder eine Beherrschung von Juden durch Araber, noch eine Beherrschung von Arabern durch Juden geben soll“. Auf Grund dieser Erklärung des Administrative Committee soll die künftige Politik der Jewish Agency geführt werden, und es wird Aufgabe der Londoner Beratungen sein, diese Grundsätze in konkrete praktische Formen umzusetzen. Der Landesvorstand der Z. V. f. D. hat in seiner letzten Sitzung auf Grund des Referates von Kurt Btumenfeld, der besonders eindrucksvoll über das Wachstum und den ungebrochenen Geist des palästinensischen Judentums berichtete, die Treue der deutschen Zionisten zur unwandelbaren zionistischen Idee und zu dem in wechselnde Tages׳x>rgen verstrickten jüdischen Aufbauwerk Palästiuis kwndgegeben. Der deutsche Zionismus hat erklärt, daß all« zionistischen Kräfte eingesetzt werden müssen, um der ganten Welt den unwandelbaren Entschluß, das Jüdische Natjonalhcim aufzubauen, zum Bewußtsein zu bringen. Wenn dieser Wille seinen rechten Ausdruck flndet und wenn in den kommenden entscheidenden Tagen leidenschaftliche Sehnsucht init überlegener Klugheit und Einsicht zusammenwirkt, dann können wir der Zukunft mit Zuversicht entgegensehen. (Aus den Blättern eines Wand«rfagebuehs.) Von Leib Jaffe. Der Dampfer gleitet über den Ozean. Aus dem Osten berührt uns der brennende Atem der unsichtbaren Ufer Afrikas. Wir nähern uns den Korallenfelsen Brasiliens. Bald kommen die Ufer Argentiniens. Ich schaue in di• Ferne, Unwillkurlieh werden längst verschollene Bilder der Kindheit wach. Aus meiner Heimatstadt schickt min die ersten Auswanderer nach Argentinien. Diesen fremden merkwürdigen Namen h#t man bei uns noch kaum gehört. Alle haben das Gefühl: Diese Menschen werden uns für immer entrissen, sie gehen verloren, man bringt sie zu den ״finsteren Bergen“ jenseits des Flusses Sambation. Man drängt sie zusammen in die Wagen des Zuges, die Männer, die Frauen, die Kinder. Eine Menge Mensehenbegleiten sie, Verwandte, Freunde, Bekannte und viele Fremde. Die Menschen in den Wagen und die Menschen, die sie begleiten, jammern in erschütternder Weise, Zum ersten Male offenbart sich vor den Augfen der Umstehenden in greifbarer Form das jüdische Qalutli, die jüdische Wanderung mit allen ihren Schrecken. Der Zug setzt5־lch in Bewegung, verz\vx*ifelter wird dis Weinen, und es deucht uns, daß die Wagen wie lebendige Wesen von Schluchten durchzittert werden. Erst nach einigen Jahren an der Grenze der Jugend wird das Bild klar. Wir erfahren von der Polemik in der hebräischen Presse: ״Hameliz״ fimpft für die Emigration nach Pa* 11 s t i n a, ״Hazefira“ ereifert sich für Argentinien. Man berauscht sich an dem Plan, eine halb# Million Juden nach Argentinien zu bringen. Es *teheo ungeheure Summen zur Verfügung. Die Emigration wird von der russischen Regierung unterstützt und ermutigt. Unermeßliche Strecken fruchtbaren Bodens und die Hilfsbereitschaft der argentinischen Regierung erwarten die Immigranten. Demgegenüber steht Palästina, ein kleines, armes, verwahrlostes Land, eine undurchdringhare Mauer, die die türkische Regierung entgegenstellt, Man samtnelt armselige Groschen, wir sind schon kleine Palästinophilen. Mit der ganzen Kraft unserer Seele sträuben wir uns gegen die argentinische Kolonisation. Wir sehen in ihr eine gefährliehe Konkurrenz für den Palästinagedanken. Chi bath Zion war damals noch eine zarte Pflanze, eine kleine Gruppe von Träumern und Phantasten im Lande selbst und einzelne Freunde in verschiedenen Ländern, ״einer'in einer Stadt und zwei in einer Familie“. ׳.׳''■ Viele Jahre sind vorübergegangen. Der große Traum der argentinischen Kolonisation ist verflogen, ־ Einige tausend Familien haben sich auf dem Böden niedergelassen und aus ihrer Mitte ist ein jüdischer Zweig auch■ in den Städten und Stadtdien Argentiniens erwachsen, in der gleichen Zeit ist auch •'der-JÜdis|he'׳JfsAüW' In!PatMna'־|ewtehs<m,-׳beWe f»#t-g!«eh Sammlungen: Wer weiß d«ti■Namen eines jüdischen Städtchens, eines jüdischen Dorfes in Argentinien? Niemand antwortete. Noch ein •Zweig der jüdischen. Zerstreuung. Da» kleine Palästina,'einzig und eigenartig rn der Welt, erfüllt das ganze Judentum mit der belebenden und rettenden Kraft; diese Kraft gibt Leben und Atem auch dein argentinischen Judentum. Theodor Herz! wollte Baron Hirsch davon überzeugen, daß man mit Geld wohl Menschen von einem Ort an den anderen versetzen könne, ein Volk aber könne man nur durch eine Idee aufbauen. Der Baron sagte ihm im Laufe des Gesprächs: ״Sie scheinen ein intelligenter Mensch zu sein,“ Ein anderer Baron, ein greiser, hochbetagter Mann, sagte uns vor einigen Jahren in Palästina: ״Als ich meine Arbeit in Palästina begonnen habe, hat man mir gesagt: Sie bauen auf Sand. Der Sand ist zum harten Stein geworden und der Stein zum Grundstein der jüdischen Wiederbelebung,“ Fünfunddreißig Jahre seit jenem längst verschollenen Kindheitserlebnis komme ich nach Argentinien als Gesandter Palästinas und des Renaissancegedankens, Ich finde einen Zweig des jüdischin Volkes, treu und ergeben dem Judentum und dem Gedanken der jüdischen Wiederbelebung, seit Jahren willig, für den Palästina-Aufbau Opfer zu bringen. Mit einer durstigen Freude verschlingt.man jedes Wort.über Palästina, die Botschaft des neuen Lebens., Eine der ersten Be- Pegnungcn: in der Provinz Santa Fe lädt man mich zu einer der im jüdischen Dorfe San Virginia ein, in der Nähe des jüdischen Städtchens Mosesvillc. Man feiert .die Cassetsche, das merkwürdige Erntefest. Fast in allen; jüdischen Kolonien dieses unermeßlichen Landes teilt man eine Anzahl von Hektar ab, die von der ganzen Kolonie gemeinsam und feierlich beackert werden. Auch die Ernte begeht man festlich und zuletzt das Dreschen. Der Erlös des gemeinsamen Ackers gehört dem Jüdischen Nationalfonds. Man ackert in den weiten Prärien und Pampas Argentiniens, damit die Felder Palästinas aufblühen, man wirft Saat aus in, den Boden Argentiniens, die im Etnek Jesreel und im Galil aufgehen wird. Ich wurde zum Fest des Dreschens eingeladen. Eine festliehe Menge versammelt sich auf einer umzäunten Wiese, alt und jung in feiertäglicher Kleidung. Es wimmelt von Kindern•. Beim Eingang zur Wiese die blau-weiße Fahne, eine Inschrift ״Bruchim habaira“. Ueberall Blumenguirlanden. Viele Gäste aus den umliegenden Kolonien. Man brät ein Schaf auf glühenden Kohlen, man trinkt Bier, Lieder steigen auf, voller Sehnsucht nach dem fernen, sonnigen Heimatland. Augen leuchten, sehnsuchtgefeuchtet, ich horche auf. Man singt ein Lied. — ״Mein Herz ist im Osten und ich bin im Westen, wie kann ich ein Glücklicher sein.‘•' — Meine Umdichtung des Liedes von Jehuda Halevi. Niemand weiß, in welcher Beziehung der Gest zu diesem Lied steht. Man ißt, man trinkt, es klingt ein junges frohes Lachen, wie Vögel zwitschern die unzähligen Kinder. Nachher ziehen alle zu der gigantischen Dreschmaschine. Man klettert auf die Maschine, mit Heugabeln wirft man die Garben nach oben, es fließen nach unten wellen von Körnern. In die weite Steppe zieht das Zionslied, ein Lied von Sehnsucht und Hoffnung. * Ich komme nach der Provinz Etitre Rios. Dort feiert täan nicht die Cassetsche. Eine Mißernte hat sie betroffen, es lohnt nicht einmal den Schnitt vom Feld zu holen. In Dominguez sagt man mir: ״Fahren Sie nicht. Sie werden die Leute beschämen, sie können Ihnen nichts für Palästina geben.“ Ein?.weiter sagt: ״Sie müssen fahren. Es ist unm(jgllch, daß ein Gast aus Palästina kommt und unsere Dörfer nicht besucht, weil sic vom Unglück heimgesucht sind. Man wird Ihnen kein Geld geben, und doch müssen Sie kommen, um die Botschaft unseres Landes zu verkünden.“. Ich bin gefahren. Die Siedhingen liegen verstreut. Vier Häuser stehen zusammen, einen Kilometer "weiter wieder vier Häuser. Die Dörfer ziehen sich «Uf viel# Kilometer hin• Du erfordert die extensive Wirtschaft. Manche ׳sagen, die Administration des Baron Hirsch־ wollte die Leute zerstreuen, um sie'felehter zur Assimilation zu bringen. •Sie ziehen in• dl® zentralen Kolonien von nah und fern- Sie kommen in Auto», reitend, auf Ihren Sullffs, kleinen zwei- •rldrigen־ Wagen., und zu Füft. In־ proiepjonen liehe״ sie. di# Gast .entgegen, mit Fahrten und Orchestern und mit Gesang der Schulkinder. Vor der Kolonie llbujaj kommt ihm eine Schar Von Reitern entgegen, jung« Leute, Burschen und Mldch«h. Mab; bringt die .ganze Familie mit, auch die Säuglinge, und die Kleinen begleiten die Rede. Mit leuchtenden und verträumten Augen hört man den Gruß ap Palästina. Man gibt mehr «!3 In den Jahren zuvor. Am andiren Morgen nach der Versammlung in Clara verschwinden die jungen Leute. Ich erfahre, sie sind in die nächste Stadt gefahren, um dort bei der Bank für den Keren Hajessed eine Anleihe für Rechnung der nächstjährigen Ernte aufzunehmen• Einer sagt# mir: .,Hätten wir jetzt unser Getreide in dl•?Ick«, geschüttet, wir hätten Sie für Palästina mit Gold überschüttet.“ Ich sitze in dem Städtchen Libaros, inmitten der kleinen Gemeinde, ln den einfachsten Worten spreche ich zu ihnen über unser Land und unser Werk. Nicht weit von mir sitzt Rubinstein, ein armer Bauer, der in der Umgebung des Sj#dt? chens wohnt. Ich habe fein Rancho י— ejpe Linmhfitte י־־י glühen. Ein glühender £iog|s£׳ geige ' Lieblingsbücher lind eilte Sammlung Balästjnalegeiie» von Davis Trietseh und das Buch Erez-Israel von Ben Zwi und Ben Gurion, beide in Jiddisch. Er träumt davon, die Verfasser des Buches zu sehen. Nach der Sitzung kommt er?um Vorsitzenden und flüstert ihm zu — und ich bin 80 nahe, daß ich höre, was er sagt ״Es sind mir zwei Säcke Flachs zum Säen übrig geblieben, ich bringe sie morgen.’ Verkaufen Sie sie und geben Sie die 25 Pesos für den Keren Hljesspd.“ Nachdem er sich entfernt hat, ,sage Ich dem Vorsitzenden: ״Wie können Sie das annehmen? Versuchen Sie, es nicht zu nehmen.“ Am nächsten Morgen hat R• die. Flachssaat gebracht. ich sehe den Juden vor mir, der 50 Hühner brachte für den Keren Hajessed. Jemand sagte zu mir: ״Die wirtschaftliche. Lage ist besser geworden, seit Sie gekommen sind. Jedenfalls haben wir vergessen, wie es uns geht,“ In entfernten Dörfern bringen die Frauen den Schmuck und singen feurig und begeistert die halbe Nacht hindurch. * Ich ®ehe auch, fast kann ich #s mit den Händen greifen, was Palästina für di« Juden Argentiniens bedeutet, was es ihnen gibt. Ein alter Kolonist sagte mir: ״Palästina gibt uns unvergleichlieh mehr, ab was wir Ihm geben können.“ ich sehe auch, wie die Assimilation um lieh greift. Eine fremde, neue, herrsehsüchtige Kultur Sprache und Schule. Die jüdische Jugend kennt viel besser den argentinischen Helden Satt Martin als Jehuda Mukkabi oder ßar Kochba. Man will wissen, wie ich das argentinische Judentum sehe. Ich sage: Es erscheint mir-wie die Bäume, die ich in Mosesviile sehe, van der Heuschrecke abgefressen. Aber es werden neue Blätter und Blüten sprossen, wenn Wurzeln u»d Stamm noch Säfte haben. Palästina gibt diesen Lebenssaft. Es bringt dem Judentum Argentiniens Lebenskraft und Lebensinhalt wie den anderen fast verdorrten und abfallenden Zweigen des. jüdischen Volkes. Das neue Palästina und der Zionismus bringen Stolz, Selbstbewußtsein und Ansehen. Vor ]5 bis 20 Jahren war es in Argentinien schwer, sich als Jude ZU erkennen zu־ geben. Man machte die Juden für eine kleine Gruppe verantwortlich, dfe den jüdischen Namtn schändete und die die jüdische Ge- .SMjtosC&frt f#!&riwfcx!tw#gatr!eb später «t^i1teßi1t־.i«6r irrt;durch :F*»1tte11־.־-$»t*-iÄ־.־itÄi««tt»־|bat sieh das argentinische Judentum in einem andere» Hebt :offenhart. Am 25. Mal, dem׳ Tag der Unabhängigkeit Argentiniens, wird auf jedem jüdbehen Haus neben der b1»u.״wd§-bla1fen argentinischen Flagge 'äueh die blau-weiße, jüdisch® Fahne gepißt. Auf jedem Sehritt und Tritt fühle Ich es: Auf unsichtbaren Wegen kommt der Tau von den Feldern Palästinas und netzt das arme,• vertrocknete Leben. ■Es weht der Hauch von den Bergen Judäas und Galiläa* und bringt neue Lebenskraft und -freude, macht das Leben reicher, leuchtender und feiertäglieber. Die Todesurteile von Lemberg In Angelegenheit der in Lemberg zum Tode verurteilten drei jungen jüdische»- Kommunisten (wir haben darüber ausführlich berichtet) hat jetzt Ernst Toller im Natfjen der Liga für Menschenrechte *ine Aktion unternommen. Das Tragische an dem Schicksal der zum Tode Verurteilten ist, daß die Verurteilung auf Grund eines alten österreichischen Gesetzes von 1852 erfolgte, das in Galizien noch in Geltung ist. In den anderen Teilen Polens werden ähnliche Delikte, selbst wenn Sie bei strenger Auslegung als Landesverrat durch' politische Betätigung qualifiziert werden, höchstens mit fünf Jahren Kerker bestraft. Man kann hoffen, daß der Kassationschef in Warschau, der den Fäll noch einmal behandeln wird, die grausame Strafe auf heben und eine neue Verhandlung anberaumen wird. * Wir erhalten in dieser Sache nachstehendes Schreiben: Beckum (West!.), 2b. Juni 1930. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau״, Berlin. Sehr geehrte Herren! Zu Ihrer in Nr, 50 der ״Jüdischen Rundschau“ in dankenswerter Deutlichkeit erfolgten Stellungnahme zu den Todesurteilen gegen die drei Lemberger jungen Juden teilen wir ihnen mit, daß wir ln dieser Angelegenheit ein׳ dringendes Schreiben an den polnischen Gesandten in Berlin gerichtet haben, und daß wir weitere Schritte gemeinsam mit der Deutschen Liga für Menschenrechte unternehmen. In vorzüglicher Hochachtung Krd* jungjüdischer Pazifisten I, A.: J. Raphael. Die verbotenen Zeitungen erscheinen wieder Jerusalem, 28. Juni. 0• T.A.) Die verboten gewesenen arabischen Zeitungen ״r e J e 51 i n“, Organ der Arabischen Exekutive, und ״AI Jamea el Ara bla“, Organ des Moslemischen Obersten Rates, sowie der hebräische ״D o a r Hajo m“ dürfen nun mit Erlaubnis des Oberkommissars wieder erscheinen. Die arabische Zeitung ״Aiuiafir״ schreibt, daß der a n t i ־ englische Warenboykott sich nicht auf Indien und Palästina beschränkt, sondern bereits auf Syrien übergegriffen und sein Zentrum in Beirut hat. Alle Araber und Moslems, schreibt die Zeitung, sind einig im Proteste gegen England, das seine den Arabern Palästinas gegebenen Versprechungen nicht hält