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Jüdische Rundschau · 1930-07-04 · Heft 52 (4.7.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 52 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0£5 Goldmark T&tiakeUs -Bericht der Palästina «Exekutive JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dinnatag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75'Goldmark. AuslandsahoMwnent* werde» n» der Wahren« der einreinfm Lind« berechnet. An7e1eenrreta * eesp Nonp*r*1!?exefle 0,50 G--M. Skelleaaasuch* 0,25 G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m-b.H», BerlinW 15, Meinekestr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Postscheck Kostio! Berlin 1*7392, Basei V 9355» Belgrad 66032 Brüssel 394 33, Budapest 59693. Dana« 1973, Haas 140 470, Pr.* 594X0, Riga 4155* Straasburg 164 30, Warschau 190708, Wien 156 030. Baak •׳Konten: DajmstSdter und Natien*!bank, Deposit«® Kasse Berlin, Kurfürstendamm $2; Bane. de Est, Geroauti (RumanJea): Angio Palestilve Co in Haifa. Jerusalem, lei Aviv Nummer 52 | Berlin, 4. VII. 1930 Redaktionsschi uS Sonntag und Mittwoch nachmittag. ח׳ תמוז- תי״צ . | xxxv. Jahrg. Per Zionismus erstrebt IQr da» jüdische Voll! die Schäftung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Die Convention in Cleveland Rückkehr der Brandeis-Gruppe ohne Brandeis Die mit so großer Spannung erwartete Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten in Cleveland, die Dienstag zu Ende ging, führte zu einer RückkehrderBrandeis- Gruppe, die 1921 (gleichfalls in Cleveland) ausgeschieden war, in die Leitung des amerikanischen Zionismus. L i p s k y trat als Präsident der amerikanischen Organisation zurück. Die Convention wählte keinen neuen Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas, sondern ein 18 gliedriges Komitee, darunter 12 Mitglieder der Brandeis-Gruppe und 6 Mitglieder der bisherigen Administration. Das Komitee zerfällt in zwei 9gliedrlge Unterkomitees, von denen das eine die V e r w a 11 u n g der Organisation zu versehen hat, während das andere für politische und Wirtschaftliehe Fragen zuständig ist. Von den Mitgliedern der bisherigen Administration sind in die neue Leitung wiedergewählt worden: Abraham Goldberg, James Heller, Will’am M. Lewis, Louis Lipsky, Morris Rothenberg, Nelson Ruthenberg; die neu gewählten 12 Mitglieder der Brandeis-Gruppe sind: Israel Brodle, Jacob de Haas, Jacob, Judge Julian W. Mack, Emanuel Newman, Abraham A. Neumann, Nathan Ratnoff, Rosenson, Rabbi S i 1 v e r, Robert S 5׳ o i d, Abraham Tullin, Dr. Stephen Wise. * Ueber den Anfang der Convention liegt nachstehender Berieht der JTA. vor: Cleveland , 1, Juli. (J. T. A.) Bel Anwesenheit von mehr als 2000 Delegierten und Gästen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten wurde am 29. Juni in Cleveland die Convention der Zionistischen Organisation Amerikas eröffnet. Die Gopyrnttaa letzte, Entwicklung 3er T^atÜÄ-PoIlIk' «Ter ßrlfjsaien Reglerung. Der Präsiden) der amerikanischen Zionistischen Organ!־־ Lipsky,'dem did Versammlung eine Ovation bereifete, Irkfirte, England habe in der Verwaltung des Palästina- Mandates vollkommen versagt; die Protestbewegung in der gesamten Welt werde nicht aufhören, bis nicht die S u s p e n - dierungsverordnung zurückgezogen ist Alle Redner, die in der Eröffnungssitzung zu Worte kamen, schlossen sich diesen Worten lipskys an und fanden den einmütigen Beifall der Delegierten und Gäste. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert H 0 o v e r, sandte der Convention eine in herzlichen Worten abgefaßte Botschaft, in der er dem Gefühl tiefster Wertschätzung für die Zionistische Organisation Amerikas und deren Verdienste um die Intensivierung des geistigen Lebens der jüdischen Rasse Ausdruck gibt. Mit tiefer Anteilnahme, schrieb Präsident Hoover, habe ich die Ereignisse in Palästina im Verlauf des letzten Jahres verfolgt, und . ich habe den Wunsch, die Convention nicht nur meiner Sympathie und meiner Uebereinstimmung mit ihr hinsichtlich dieses Problems zu versichern, sondern auch meiner Hoffnung Ausdruck zu geben, daß die Momente, die im Augenblick Ursache für Entmutigung sein könnten, bald geschwunden sein, und daß das jüdische Werk und die jüdischen Aspirationen noch größeren Erfolg als bisher erringen werden. Verlesen wurden dann Botschaften von dem Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Weidmann, und dem Leiter des Jüdisehen Nationalfonds, Ussischkin. Auf das am 22. Mai vom Oberstrichter Brandeis und seiner! Freunden Richter Julian W. Mack, Robert Szold, und Jacob de Haas veröffentlichte Memorandum, in welchem eine völlige Reorganisation in der Führung der amerikanischen zionistischen Bewegung als Vorbedingung für den Wiedereintritt der BrandeisGruppe in die Zionistische Organisation gefordert wird, ging man in der Eröffnungssitzung noch nicht ein, aber alle Redner unterstrichen die Notwendigkeif, daß eine geeinigte Front im amerikanischen Zionismus geschaffen werde. Mehrere Redner wandten sich gegen die letzte Erklärung von Dr. Stephen Wise (ohne den Namen von, Dr. Wise zu erwähnen), die eine Sympathiekundgebung für die BrandeisGruppe ist und die gegenwärtige Leitung der zionistisehen Bewegung in Amerika in Bausch und Bogen verurteilt. Die Redner gaben ihrer Verwunderung Ausdruck, daß ein Statement dieses Charakters veröffentlicht werden konnte. Ein Briet von Brandeis I» fittfin Schreibe« *n die der Änfptiiclsit Dr* Aüfrlkf friff JttlÄ'ö»tÄG. Br*Äsntif;‘|}'ljere, 018 er mit Rücksicht auf sein hohes Alter nicht Im* stände sein werde, die Führerschaft in.der Organisation von neuem auf sich zu.nehmen. Doch sei er bereit, der Zionistischen Organisation sein«Dienste zu 1 eisten. Brandeis dankt in diesem Briefe denjenigen, die an ihn die Einladung zur neuerliehen Uebernahme der r ührersteliung gerichtet haben. Das von der Brandeisgruppe ausgearbeitete Memorandum mit den Redingütigen, unter denen Brandeis die Führerschaft hätte übernehmen sollen, kam daher auf der Convention nicht zur Behandlung. An Stelle der abgesetzten Diskussion über das Brandeis-Memorandum nahm die Convention in ihrem weiteren Verlauf die Berichte von Morris Rothenberg über die Jewish Agency und Judge William M. Lewis über den United Jewish Appeal entgegen. Volkszählung in der Tschechoslowakei Sieg der zionistischen Forderungen Von unserem Berichterstatter. hl, Prag, 1. Juli 1930. Heute erschien in der Sammlung der Gesetze und Verordnungen, die vom letzten Ministerrat genehmigte Regierung«• Verordnung über die zweite Volkszählung in der Tschechoslowakei. Diese findet laut der Verordnung am 1. Dezember dieses Jahres statt. Die wichtigste Bestimmung betrifft die Vorschriften über die Erhebung der Nation a 1 i t ä t der Bevölkerung in der tschechoslowakischen Republik. Wie bereits in der ״Jüdischen Rundschau“ gemeldet wurde, enthielt der Vorschlag des statistischen Staatsrates an das Ministerkoüegiura eine Spitze gegen die jüdische Nationalität. Es sollten sich ihm zufolge diesmal nur jene zur jüdisehen Nationalität bekennen dürfen, die Jiddisch oder Hebräisch zur Muttersprache haben, eine Bestimmung, die den Juden von Böhmen, Mähren und Schlesien und auch eines Teiles der Slowakei es unmöglich gemacht hätte, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen. Den Bemühungen des zionistischen Abgeordneten Dr. Ludwig Singer ist es nun gelungen, den Minisferrat umzustimmen und allen Juden ohne Rücksicht auf ihre Muttersprache das Recht zu erkämpfen, sich zur jüdischen Nationalität bekennen zu dürfen. Die diesbezügliche Stelle der Regierungsverordnung hat den folgenden Wortlaut: ״Die Natio nalität wird in der Regel nach der Muttersprache verzeichnet Eine andere Nationalität als diejenige, auf welche die Mutterspräche hinweist, kann nur dann eingetragen werden, wenn die betreffende Person die Muttersprache weder in der Familie noch zu Hause spricht, und vollkommen die Sprache jener Nationalität beherrscht. Die Juden jedoch können sich stets zur jüdischen Nationalität bekennen.“ Zu früh hat die Presse der asrimilatorischen Juden frohlockt, die Zionisten haben wieder einmal durch ihr ehrliches aber entschiedenes Vorgehen ihren Standpunkt durchgesetzt. Es ist das erste Mal, daß die jüdische Nationalität in einem Gesetze anerkannt wird. Bisher war dies nur im Motivenbericht zur Verfassungsurkunde der Fall und vor zehn Jahren anläßlich der ersten Volkszählung in einer Instruktion an die Zäblkommissäre. Wir können hier also von einem doppelten zionistischen Erfolge sprechen. Die heutige Regierungsverordnung ■wird In den breitesten Kreisen der tschechoslowakischen Judenheit mit der größten Genugtuung aufgenommen werden. Der Wächter von Tel Joseph gefallen Jerusalem, 1. Juli. (J. T. A.) Am 28. Juni abends versuchte eine Gruppe Banditen in Tel Joseph, die große jüdische Kolonie im Tale lesreel, einzudringen. Der Wächter der Ko- Ioaie, Isaac F i n k e I, stellte sich ihr entgegen, es wurden mehrere Schüsse gewechselt. Isaac Finkei brach, von den Kugeln der Marodeure getroffen, zusammen und starb kurz darauf. Die Mörder ergriffen die Flucht Gegen Mitternacht traf Polizei in Begleitung von Pfadfindern aus Ajn Charod in Tel Joseph ein und begann die Fahndung nach den Mördern, deren Spuren bis zu den Hügeln in der Nähe von Ajn Charod verfolgt werden konnten. Die Gegend wird nach allen Riehtungen hin durchsucht, 30 berittene Angehörige der t r a n s - jordanischen Grenzmacht beteiligten sich an der Verfolgung der Marodeure, die, nach den im Körper Finkeis gefundenen Kugeln zu urteilen, mit britischen Gewehren bewaffnet sind. Man befürchtet, daß der Angriff vom 28. Juni nachts die Einleitung zu einem Terror-Feldzug ist, den Iransjordanische Beduinen, die vor kurzem ln Irbid eine, geheime Tagung abgehalten haben, in Palästina planen. Der Kürzlich erfolgte Angriff auf britische Truppen in der Nähe von Nahallal wurde, wie man mit Sicherheit annimmt, von der gleichen Räuberbande ausgeführt. Die Zionistische Exekutive hat die Abhaltung des Zionistenkongresses noch im Jahre 1930 beschlossen. Das Aktions-Comitfe wird Ende August den Ort und das Datum der Tagung festsetzen. Die Voraussetzung für einen machtvollen Kongreß, der die außerordentlich wichtigen Aufgaben der gegenwlrtigen Situation lösen soll, ist eine imponierende Wählerschaft Voraussetzung für die Berechtigung zum Kongreß zu wählen, ist die Entrichtung des Schekels. Bisher ist das Ergebnis in Deutschland, wie der vorstehende Ausweis zeigt, im höchsten Grade unbefriedigend. Alle Ortsgruppen und Vertrauensleute werden daher aufgefordert, die größten Anstrengungen zu machen, um das Resultat bis zum Abrechnungstage —• dem 31. Juli — zu korrigierep. DIB LandessdieMiKommiBsioii der Zlonistiscöen Uereinigung 101• Deutschland Der Zionismus im Kampf Die Beschlüsse der Politischen Kommission der Jewish Agency, die■ wir. in der vorigen Nummer der ״Jüd. Rundschau“ veröffentlicht haben, zeigen deutlich die kritische Bedeutung des jetzigen Moments innerhalb ,der zionistischen Entwicklung. Zum ersten Male wird in dem Beschluß einer Körperschaft der Jewish Agency offen ausgesprochen, daß das Vertrauen des jüdischen Volkes zur Mandatarmacht erschüttert ist. Seit dem Bekanntwerden des Berichtes der Sfiaw-Kommission hat sich der jüdischen Welt in steigendem Maße eine Unruhe bemächtigt, die auf dem Zweifel beruhte, ob die Mandatarmacht die Politik, des Mandates loyal durchführen wird und ob die öffentlichen Erklärungen ihrer verantwortlichen Männyr, die eine solche Erfüllung in Aussicht stellen, ernst gemeint sind. Schmerzlich empfand man die Diskrepanz zwischen Reden und Taten der englischen Regierung. Und als schließlich die Suspcndierung der bereits bewilligten Einwandererzertifikate erfolgte, erhob sich in der jüdischen Welt eine elementare Protestbewegung, die jedoch, wie die Politische Kornmission betont, nicht gegen England, sondern gegen die ״dem Geist und dem Wortlaut des Mandates widersprechenden Maßnahmen“ gerichtet waren. Die fortgesetzten Enttäuschungen durch Nichteinhaltung von Zusagen, die die Jewish Agency aus den Erklärungen britischer Staatsmänner abzuleiten berechtigt war, die von der jüdischen Welt als Bedrohung der Nationalen Heimstatte empfundenen Maßnahmen, haben die Vertrauenskrise herbeigeführt, deren sich England wohl bewußt ist, wie aus den beschwichtigenden Reden des Ministers Dr. Shiels in Genf hervorgeht. Der Zionismus steht also heute Im Kampf für seine Ziele, und es ist notwendig, die gerl4p1t!t» Ktäftfe dir!Mischen VdÄeriwd 4er':a0jBs^&fi|a.■ Bewegung aisammeneufassen, un! diesen Kampf erfölgreich durchzuführen. Die Frage der Jüdiseh-lSatjonalen Heimstätte, ist in ihrem vollen Umfang aufgerollt. Und das jüdische Volk, hat heute das Gefühl, daß es sich nur auf sich selbst verlassen kann. Die Zuspitzung der Beziehungen zu England und die Erregtheit der politischen Atmosphäre sind auch der Grund, warum die Jewish Agency der Tätigkeit des nach Palästina entsandten Experten Sir John Hope Simpson mit Vorbehalten gegenübersteht. Unter anderen Umständen und in einer andern Zeit hätten wir gegen eine Ökonomische Expertise gewiß nichts einzuwenden. Die Jewish Agency selbst hat eine Kommission unparteiischer Experten vor drei Jahren nach Palästina entsandt, an der als führendes Mitglied ein Mann teilnahm, der bei der Ansiedlung griechischer Flüchtlinge mit Simpson auf das engste zusammengearbeitet hat, Sir John Campbell. Diese Expertenkommission und insbesondere Campbell haben ihr Gutachten unbeeinflußt abgegeben, und es ist noch erinnerlich, daß diese Gutachten keineswegs von der ganzen Zionistischen Organisation mit Begeisterung aufgenommen wurden. Die Anpassung an harte ökonomische Notwendigkeiten ist immer und bei jedem Volke unpopulär. Wir erleben ähnliches auf einem etwas anderem Gebiete etwa im heutigen Deutschland. Der Staatsmann aber, dessen Blick auf das Ganze gerichtet ist, weiß, daß im wahren Interesse des Volkes eine Bewältigung der ökonomischen Schwierigkeiten innerhalb der ökonomischen Gesetzlichkeit unerläßlich ist, auch wenn manchen die Erkenntnisse der Sachverständigen nicht gefallen. Die Jewish Agency fürchtet also keineswegs ökonomische Untersuchungen, denn diese — wie auch das Material der Joint Palestine Survev Commission — bilden die Grundläge, auf der die Aufbauarbeit möglichst erfolgreich geführt werden kann. Wenn daher die Jewish Agency ihre Bedenken gegen die Mission Simpsons heute schon in so deutlicher Form äußert, so liegt darin vor allem die Besorgnis, daß politische Momente mitspielen könnten. Der Zweck, dem die Expertise Simpsons dienen soll, wurde nicht so formuliert, daß man das Vertrauen haben kann, der Hauptinhalt des Mandats, die Verpflichtung zur Errichtung des Jüdischen Nationalheims, werde dieser Untersuchung zugrunde liegen. Beim Aufbau des Jüdisehen Nationalheims sollen auch die Fellachen vor Vertreibung oder Benachteiligung geschützt werden. Wenn aber nur der Schutz der Fellachen ins Auge gefaßt wird, ohne die wirklich treibenden Kräfte des Aufbaus zu berücksichtigen, so ergibt sich daraus notwendigerweise ein ganz falsches Bild, das von der jüdischen Bewegung nicht akzeptiert werden kann. Untersuchungen über die ökonomische Fassungskraft eines Gebietes können in zweierlei Weise geführt werden; man kann den gegenwärtigen Zustand feststellen, ohne die außerhalb des Landes für dessen Entwicklung bereitstehenden Kräfte in Berechnung zu ziehen, oder man kann das Problem unter dem Gesichts- I punkt betrachten, was geschehen muß, um die Fassungs-

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