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Jüdische Rundschau · 1930-07-01 · Heft 51 (1.7.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 51 (1.7.1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 346 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr, 51, 1. VII. 1930 fniliercn Jahren, aus denen zu ersehen Ist, daß Stühle und Wandschirme gewöhnlich, ohne daß sich jemand da cinzumischen pflegte, an der Mauer benutzt wurden. Nach der jiidischen Tradition, erklärte er weiter, ist die göttliche Gegenwart nie von der Mauer gewichen; die Steine dieser Mauer sind durch die Küsse vieler üenerutiorien jüdischer Andächtiger geglättet worden. Die Juden, schloß Dr. Eliash, wollen das materielle moslemische Eigentumsrecht an der Mauer nicht in Frage stellen, aber sie fordern Achtung der Rechte jüdischer Andüchtiger an der Mauer und sie appellieren an die Kommission, das seit uralter Zelt in Geltung stehende Recht der Juden, an der Klagemauer mit Würde und Anstand zu beten, zu würdigen und zu bekräftigen. Der Vorsitzende der Kommission, Loefgren, gab der Genugtuung der Kommission Ausdruck, ein so i n t e r e s s a n ~ tes Memorandum über die Klagemauer-Frage von der jüdischen Vertretcrschaft erhalten zu haben, und erklärte, die Kommission werde die für den Nachmittag angesagte Sitzung nicht abhalten, uni sich dein Studium des Memorandums widmen zu können. Loefgren stellte noch fest, daß die Juden materielle Eigentumsrechte an der Klagemaucr nicht beanspruchen, und erklärte, absolute materielle Eigentumsgesetzc seien für Heilige Stätten, über welche die wildesten Schlachten ausgefochten wurden, überhaupt nicht anwendbar. Der Vorsitzende forderte die moslemische Vertreterschaft auf, das moslemische Eigentumsrecht auf die die Mauer umgebenden Gebäude und die Mauer selbst nachz u w eise 11. Er forcierte die jüdische Vertreterschaft auf, darzulegeii, ob die an der Mauer vollzogene Andacht eine in div i d u e 11 e oder ein Gemeinderit u a I ist, welcher Unterschied zwischen dem Gottesdienst an der Mauer und demjenigen an den Synagogen bestellt, ob die beim Gottesdienst benutzten Zubehöre für den Gottesdienst unbedingt notwendig seien oder nur der persönlichen Annehmlichkeit der Andächtigen dienen sollen; schließlich sei darzulegen, welche Instanz die Gottesdienste an der Maucr arrangiert. Dr. Eliash behielt sich vor, auf alle gestellten Fragen des näheren einzugehen, und erklärte schon heute, daß die Juden, obwohl sie die materiellen Eigentumsrechte der Moslems an der Mauer nicht in Frage zu stellen beabsichtigen, dennoch der Meinung sind, daß ein solches materielles Eigentumsrecht den Eigentümer nicht berechtigt, an der Mauer bauliche V e rä 11 d e r 11 n g e n vorzunehmen oder Neubauten zu errichten. Dr. Eliash überreichte eine Liste des Rabbinisehcn Komitees zur Wahrung der Rechte der religiösen Juden auf die Heiligen Stätlen, dessen Präsident der Grand Rabbin von Frankreich Israel Lev! ist, und erklärte an der Hand von Photographien jene hebräischen Inschriften auf den Monolithen der Klagemauer, die vor Ankunft der Kommission in Jerusalem ־zu nächtlicher Stunde von Arabern weggewischt wurden. Er bestritt entschieden die Behauptung der Moslems, daß die andächtigen Juden an der Klagemauer in der Vergangenheit nicht laut zu beten pflegten, sondern an der Mauer nur schweigend verharrfen; er zeigte Photographien aus der Vergangenheit vor, auf denen dichtgedrängte Mengen von Juden vor der Mauer ־zu sehen sind, und erklärte, daß die Andacht einer so großen Menge niemals schweigend vor sich gehen könne. An Hand weiterer Photographien wies er nach, daß immer Wandschirme und Sitzgelegenheiten vor d *r Mauer angebracht gewesen waren. Dr. Eliash verlas zum Schluß Berichte des Kofel (alte orthordt>xe־ jüdische Gemeinde von Jerusalem), sowie alte ־Urkunden und Quittungen, aus denen zu ersehen war, daß die Juden den Arabern Geldsummen auszalilten für die Entfernung des Kehrichts in der Umgebung der Mauer, für Reparaturen an der Mauer selbst, sowie für die Reparierung der Bänke vor der Mauer, ferner für die Versorgung der Betenden mit Wasser zum Spülen der Hände vor dem Gebet usw. Die indische Nof in Polen Namens des Jüdischen Nationalrates in Polen überreichten die Sejmabgeordneten G r ü n b a u m und H a r t g 1 a s sowie die jüdischen Senatoren Davidsohn und Körner dem polnisehen Ministerpräsidenten S I a w e k ein umfangreiches Memorandum über die Notlage der polnischen Judenheit. In diesem Memorandum wird ausgeführt, daß die Wirtschaftskatastrophe der polnischen Juden weit größer ist als die allgemeine Wirtschaftsnot. Die spezifischen Ursachen der jüdischen Wirtschaftsnot liegen zunächst in der anormalen Schichtung der jüdischen Bevölkerung. Hierzu kommt als ausschlaggebender Faktor die staatliche Wirtschaftspolitik, die in ihren Auswirkungen und im Laufe der Jahre auch in ihren Absichten aritijüdisch w a r. Zehntausende von jüdischen Arbeitern und Angestellten sind aus Industrien, in denen sie beschäftigt waren, entfernt worden, nachdem diese Industrien staatlich monopolisiert wurden. Ein Beispiel für viele ist das Tabak in o nopo 1. Die staatliche Verwaltung hat den Juden die Schank- und Tabak- Trafik-Kon/essipnen weggenommen. Der Staat unterstützt den ״echt polnischen Handel“, was nichts anderes bedeutet als die Förderung antijüdischer Handelsbetriebe. Die Kartellpolitik ist antijüdisch. Während das nichtjüdische Genossenschaftswesen sieh weitgehender staatlicher Förderung erfreut, wird den jüdisehen Genossenschaften jede staatliche Unterstützung verweigert. Die Hauptsteuerlast im Lande lastet auf der städtischen Bevölkerung, und in den Städten werden in erster Linie die J u d t n zu er h ö h t e!1 u n g e r e c 111 e n S t e 11 e r n herang e z o g e 11. ln Staatsämtern und Staatsfabriken finden die Juden keine Anstellung. Die neueingefiihrten technischen Vorschrifteil in einzelnen Produktionszweigen (Bäckereien, Stamlartisiertmg usw.) wirken siel! in der Praxis gegen die jüdische Handwerker und Kleinindustriellen aus, die keine staats- und öffentliehen Kredite zur Umstellung ihrer Betriebe erhalten. In den Jahren 1015 1020 hat das ausländische Judentum, besonders das amerikanische, den polnischen Juden außerordentliche Unter- Stützung angedeihen lassen; allein der Joint hat ungefähr 210 Millionen poln. Zloty au^gegeben. Hierzu kamen die Verwaiidten-Unterstützungen. Die ökonomische Krise in.Amerika und in Westeuropa aber läßt befürchten, daß die hohen Unter- Stützungen aufhören werden. Dadurch wird die Not der polliiscbcn judenheit eine noch grauenhaftere Steigerung erfahren. Trotz der hohen steuerlichen Belastung der polnischen Judenheit tut die Regierung für die Judenheit gar nichts. Man k a n n a n 11 c h m e 11 , daß die polnische Judenheit 30 ״ ״ d er G c s <11111 s t 0 11 c r n des polnischen Etats a u f b r i n g t. Für die religiösen Zwecke der drei Millionen polnischer Juden gibt der polnische Staat jährlich 120000 Zloty aus. D a s j ü d i s c!1 e S c h 111 w e s e n wird von der polni• sehen Regierung nicht unterstützt und die Staatsbchörden verbieten sogar den Gemeindeverwaltungen, den jüdisehen Schulen Subventionen zu geben. Das Memorandum fordert die Regierung auf, mit einem klaren Programm zur Linderung der jüdischen Wirtschaftsnot herv o r z 111 r e t e n. Die Regierung müsse 1m Interesse des Staates dafür sorgen, daß die Ursachen der spezifischen jüdischen Not in Polen, soweit sie durch eine antijüdische Politik entstanden sind, beseitigt werden. Brief aus Rumänien (Von unserem Bukarester Korrespondenten.) — 11. Bukarest, 22. Juni 1030. Wie in der ganzen Welt, hat auch in der Judenschaft von Rumänien die Suspendierung der Einwanderung nach Palästina eine tiefgehende Protestbewegung hervorgerufen. Den Anfang der Protestaktion bildete die repräsentative jüdische Reichskonferenz, welche sofort nach Bekanntwerden der Suspendierung vom jüdischen Oberrat und von der Jewish Agency nach Bukarest einberufen wurde, und die am 25. Mai a. c. stattfand. Bei dieser repräsentativen Reichskonfcrenz waren Delegationen aller zentralen zionistisehen und jüdischen Institutionen aus dem ganzen Reiche erschienen. Die Protestresolution, welche von dieser Konferenz beschlossen und am nächsten Tage ckm englischen Gesandten überreicht wurde, war die erste Maßnahme dieser Konferenz, welche auch eine Reihe von weiteren Beschlüssen hinsichtlich der Durchführung der ganzen Protestaktion faßte. Auf Grund dieser Beschlüsse wurden Protestversammlungen im ganzen Reiche;!!!gehalten, in denen man gegen die Verfügungen der Mandatarrnacht protestierte. Eine besondere Delegation, die sich aus Mitgliedern des zionistischen Oberrates und des jüdisch-parlamentarischen Klubs zusammensetzte, überreichte ferner dem rumänischen Außenminister ein ausführliches Memorandum mit der Bitte, dieses an den rumänischen Bevollmächtigten in Genf weitcrzuleiten und ihn zu ersuchen, bei der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes, auch im Namen von Rumänien die strikte Durchführung des Mandates durch England zu verlangen. Der rumänische Außenminister versprach, dem Ersuchen der Delegation Folge zu leisten und sich in dieser Hinsicht auch mit den Vertretern der kleinen Entente in Verbindung zu setzen. Das rumänische Judentum hat aber auch in einer anderen Hinsicht die Initiative in der Protestaktion ergriffen. Nach einer längeren Beratung zwischen dem zionistisehen Oberrat und dem jüdischen parlamentarischen Klub hat der jüdische Deputierte Landau in der rumänischen Kammer eine ausführliche Interpellation an den rumänischen Außenminister gerichtet, welche Schritte Rumänien ־zu unternehmen gedenke, um als Mitglied des Völkerbundes darauf zu achten, daß das Paläsfinamandat von der Mandatarmacht ausgeführt werde. In der Antwort, die der Außenminister Mironescu vor der Kammer gab, erklärte er, Rumänien erkenne seine Pflicht in dieser Hinsicht an, Rumänien glaube, daß England den guten Willen habe, das Mandat durchzuführen, sollten sieh aber doch irgendwelche größere Schwierigkeiten ergeben, so werde er nicht ermangeln, die Frage auch vor das rumänische Parlament zu bringen. * Am 25. Mai hat die Jahrcskonferenz der rumänischen ״Wizo“, welche den Titel ״Kulturverband jüdischer Frauen“ führt, in ■ Bukarest stattgefunden. Die feierliche Eröffnung dieser Konferenz, welche von der verdienstvollen energischer! Präsidentin des rumänischen Wizo-Vcrbandcs, von Frau Selma Margueritte M a r g u 1 i e s präsidiert wurde, war ein zionistisehes Ereignis. Dies vor allem aus dem Grunde, weil bei dieser Konferenz auch der 10jährige Bestand des ״Kulturverbandes der jüdischen FVaucn“ gefeiert wurde, und weil alle großen zionistischen und jüdischen Organisationen und Institutionen sich beeilt hatten, aus diesem Anlasse ihre ganz besondere Anerkennung für das Kulturwerk der Wizo in den letzten zehn Jahren zu zollen. Der Kulturvcrband der jüdischen Frauen gehört unstreitig m den tätigsten und am besten organisierten Frauenverbänden der Welt. Er verfügt über eine stark verzweigte Organisation in. der Provinz, in der mehr als 60 K) zionistische Frauen sich mit allen Zweigen jüdischer und zionistischer Arbeit beschäftigen. I!1 einer Reihe von Städten haben die Sektionen der rumänischen ,,Wizo“ sogar die Führung in der gesamten Arbeit intie und es ist zu bewundern, wie unermüdlich diese Sektionen sind und mit wieviel Interesse sie die Weisungen ihrer Bukarester Zentrale ausführen. Es gibt fast kein Gebiet jüdischer Arbeit, das nicht von den einzelnen Sektionen in ihre Tätigkeit cinbezogen würde, einerlei ob es sich 11m die Arbeit für die versäiiedenen zionistischen Fonds, an deren Gelingen die Sektionen des zionistischen Frauenverbandes einen überaus großen Anteil haben, oder ob es sich um die Gründung von Bibliotheken, um die Erhaltung und Gründung von heb r ä i sch e 11 Kindergärten handelt, von denen dank der Tätigkeit des Frauenverbandes mehr als 16 in den verschiedenen Städten bestehen, oder um die Unters־ t ii t z u 11 g 1111 d F ö r d e r 1111 g der A 1 i a h - und H achs c 11 a r a 11 - A r b e i t für den Hcchaluz, ein Arbeitsgebiet, welches beim rumänischen Frauenverband immer das vollste Verständnis gefunden hat. Abgesehen von dieser Arbeit in Rumänien, hat der ״Killturverband der jüdischen Frauen“ sich seit seiner Zugehörigkeit zur Wizo hervorragend an deren Arbeit in Palästina beteiligt. Wir verweisen bloß auf die aktive Mithilfe bei der Schaffung der Mädchenschule in Nahalal sowie bei der Gründüng des ״Hostel“ in Tel-Awiw sowie der verschiedenen Kinderkrippen. Die Krönung der Arbeit besteht jedoch darin, daß der ״Kulturverband jüdischer Frauen“ es übernommen hat, das große Wizo-Projekt zur Errichtung einer zweiten Mädeben farm in Ness Ziona ganz aus eigenen Mitteln durchzuführen. Diesem großen Projekt, für welches der ,,Kulturvcrband jüdischer Frauen“ aus eigenen Mitteln den Betrag von mehr als £ 25 0;)0 beistellen muß, gilt die Hauptarbeit des Verbandes und es ist zu bewundern, mit welcher Unermüdlichkeit und Großzügigkeit immer neue Geldquellen für diesen Zweck durch den Verband erschlossen werden. * Am 8. Juni hat in Czernowitz der alirumänische Makkabi- Kongreß stattgefunden. Man hatte diese Stadt gewählt, weil sich gerade in Czernowitz der bestentwickelte und stärkste Makkabi-Vcrbaod in ganz Rumänien befindet. Zum Kongreß, der vom Vertreter der Weltexekutive des Makkabi-Verbandes, Dr. Lelewer, begrüßt wurde, waren Ab- Ordnungen aus dem ganzen Reiche eingetroffen. Der Verlauf der Debatten dieses Kongresses, die starke Beteiligung des jüdischen Publikums au den Verhandlungen sowie der massenhafte Zustrom zum Sportfest bewiesen, wie tief der Makkabi- Gedanke in die jüdische Bevölkerung gedrungen ist, und welches Interesse gerade für diesen Zweig zionistischer Regenerationsarbeit bestellt. Es .soll besonders hervorgehoben werden, daß in den Debatten sehr viele führende Mitglieder des Makkabi eine noch stärkere und tiefer gellendere Zionisicrung der einzelnen Makkabi-Sektionen verlangten, wie wohl cs hereits ziemlich viele Maklcabi-Gruppen, besonders in Beßarabien, aber auch in der Bukowina gibt, die im gewissen Sinne auch schon ein Reservoir für die Hechaluz-Bewegung in Rumänien bilden. Etwa 10000 Personen schritten in Warschau hinter dem Sarge des verstorbenen populären zionistischen Führers Abraham P od I i s z w c s k y. Am offenen Grabe sprachen Oberrabbiner Prof. Schorr, Abg. j. Grünbaum, Dr. Levite, Dr. J. Göttlich, Davidsohn u, a. m. Jüdische Ehrung Iflr Edward Best London, 27. Juni. (J. T, A.) Im Hause des Herrn Cyril Roß fand der feierliche Akt der Ucberreichung der Urkunde für die Eintragung des bei der Verteidigung der angegriffenen Juden am 23. August 1929 in Jerusalem gefallenen Beamten des palästinensischen Einwamferungsamtes Edward Best in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds an den Vater von Best statt. Den Vorsitz während der Gedenkfeier für Best führte Herr O. E. d'Avigdor Goldsmid. Dr. Wcizmann hielt eine Ansprache, in der er ausführte: Tief bewegt überreiche ich eine Urkunde, die die große und tapfere Tat eines Mannes verewigt, der Palästina im Leben una durch seinen Tod gedient hat. ich kannte Edward Best seit vielen Jahren; erst im Frühling 1929 erzählte er mir von seinen Plänen und Hoffnungen, es war für mich ein furchtbares Erlebnis, als ich hörte, daß eine arabische Kugel diesem verheißungsvollen Leben ein Ende gesetzt hat. Die Unruhen sind noch immer eine Angelegenheit der Kontroverse, und hier ist nicht der Platz, einen Streit auszufechten; aber wie immer auch das Urteil der Geschichte über die Unruhen in Palästina im August 1929 ausfallen möge, über die Rolle, die verschiedene Faktoren bei diesen Unruhen gespielt haben, über die Tat Edward Best’s wird cs nur c i n urteil geben: er ließ tapfer sein Leben bei der Verteidigung der Angegriffenen. Wir Juden werden stets seiner und jener andcren jungen Engländer gedenken, die in jenen kritischen Tagen uns zu Hilfe kamen, aber wir werden Best’s noch in einer besonderen Art gedenken, weil er Palästina auch im Leben gedient hat. In der jüdischen Geschichte wird sein Name immer lebendig bleiben. Aufklärung eines Mißverständnisses Stiels’ Erklärung in Gen! In seiner letzten Rede In Genf hat bekanntlich Dr. Shiels gemäß den in die Presse gedrungenen Berichten gesagt, die Juden der Welt müßten darüber aufgeklärt werden, daß die Mandatarrnacht ״die Errichtung eines Jüdischen Heimes in Palästina, nicht aber eines Jüdischen Staates übernommen hat“. Dieser Satz wurde von einem großen Teil der englöschen Presse als eine wichtige Kundgebung empfunden und bot Anlaß zu zahlreichen Polemiken und Angriffe in der jüdischen Presse. Das ״Britische Palästina-Komitee“ hat in einer Erklärung, die wir in Nr. 48 der ״Jüdischen Rundschau“ abgedruckt haben, gegen Dr. Shiels Steilung genommen und die englisch-jüdische Presse hat gleichfalls nachdrücklich darauf hingewiesen, daß das Wort ״N a t i o n a I h e i m“, welches im Mandat enthalten Ist, etwas anderes und mehr bedeutet als bloß ein ״Helm“ für einzelne heimatlose Juden. Nunmehr wird diese Angelegenheit, wie zu erwarten war, dadurch aufgeklärt, daß Dr. Shiels selbst in einem Brief an den Abg. Marcus mitteilt, er habe in Genf keineswegs von einem ״Jüdischen Heim“ gesprochen, sondern von einem ״Jüdischen Nationalheim“, wie protokollarisch festzustellen sei. Dr. Shiels hat also dasselbe gesagt, was schon bei früheren Gelegenheiten oftmals gesagt wurde, nämlich daß England es übernommen habe, ein Jüdisches N a t i 0 n a I h e i in errichten zu helfen, nicht aber einen Jüdischen Staat. Damit werden die Vorwürfe, daß der Minister geflissentlich das Wort ״national“ weggelassen habe und damit den Charakter der jüdischen Siedlung Palästinas verkleinern wollte, gegenstandslos. Da die Sitzungen der Mandatskommission vertraulich sind, und ihr Inhalt nur durch die offiziellen Kommuniquees bekannt wird, fällt die Schuld für den bedauerlichen Fehler auf die betreffenden Organe der Mandatskommission, die das Kommuniquee verfaßt haben. Es scheint, daß man sich in diesen Beamtenkreisen über die Bedeutung des Begriffes ״Nationalheim“ noch keineswegs im klaren ist, so daß man sich für berechtigt hält, bei Wiedergabe einer so wichtiger! Rede das Wort ״Nationalheim“ bagatellisierend einfach mit ״Heim“ zu verwechseln. Dr. Shiels fügt in seinem Briefe noch hinzu, die Erklärung, die er jetzt für ‘das Fehlen des Wortes ״National“ gibt, sei so naheliegend, daß es für ihn eine große Enttäuschung war, in angesehenen Zeitschriften (gemeint sind, englischjüdische Zeitschriften •— A.d. R.) Leitartikel zu finden, die der veröffentlichten Formel eine viel weniger naheliegende, und üblere Bedeutung unterlegen. ״Diese sich oft in sehr leidenschaftlichen Worten kuiidgebende Haltung von Verdacht, und Mißtrauen seitens der jüdischen Presse und einer Anzahl ihrer Wortführer, ist einer der am wenigsten hilfreichen Faktoren, mit dem verantwortliche Mitglieder der Regierung zu tun haben,“ schließt der Brief. Aussichten des Orangenbaues In ״Hadar“, einer den Interessen der Citrus-Industrie gewidmeten Zeitung in Palästina, veröffentlicht Herr Harry Viteles, der sich dieses Thema speziell zu eigen gemacht hat, einen ausführlichen und aufschlußreichen Artikel über den Stand der Orangenindustrie in Palästina im April 1930, wobei er zu den Schlüssen kommt, daß diejenigen Pflanzer, die ihre Pflanzungen mit zu hohem Zinsfuß geliehenem Kapital und mit unausreichender Berechnung der damit verbundenen Kosten angelegt haben, so wie es an der gebotenen Vorsicht bei der Auswahl des Bodens, der Setzlinge usw., haben fehlen lassen, mit unausbleiblichen Schwierigkeiten ־zu kämpfen haben werden. Dagegen betrachtet er die Aussichten derjenigen Pflanzer als gut, die ihre Schätzungen auf einen Netto-Oewinn von £ 12 pro Dunam basieren. Aber selbst dieser Erlös kann nur erzielt werden, wenn man pro Dunam mit 125 Kisten exportreifer Früchte rechnen kann und mit einem Gewinn von $ 4 pro Kiste von Baum. Herr Viteles ist ferner der Ansicht, daß die Palästina-Orange ihren Markt noch bedcutend vergrößern kann, da sie leicht die Konkurrenz mit den amerikanischen, italienischen und seihst spanischen Früchten aufnehmen kann, falls großzügige Reklame gemacht wird, die Transportmöglichkeitcn verbessert und Auswahl und Verpackung der Früchte mit größerer Sorgfalt gehandhabt werden, da sonst die Konsumenten nicht geneigt sein werden, höhere Preise für Palästina-Orangen zu bezahlen. (Ziko.) Das Attentat anl Polizeiinspektor Scott Jerusalem, 19. Juni. (J. T. A) Ein entlassener arabischer Polizist wurde unter dem Verdacht, den Anschlag auf den englischen Polizeiinspektor Scott, während des Demonstrationsversuchs in Jaffa, am 17. Juni, verübt zu haben, verhaftet. Man glaubt, daß sich der Attentäter der Demonstration nur bedient hat, tim einen Akt privater Rache auszuführen. Der Zustand Scotts ist nicht ernst. Die Moslemisch-Christliche Vereinigung in Jaffa rückt in einem Schreiben entrüstet von dem Verbrechen ab. (Scott wurde bei der Demonstration in Jaffa, nicht, wie irrtümlich gemeldet, in Haifa, verletzt.) Reuben B r a i n i 11 ist wieder zum Studruin der jüdischen Kolonisation in der Sowjetunion in Moskau eingetroffen.

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