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Jüdische Rundschau · 1930-06-27 · Heft 50 (27.6.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 50 (27.6.1930)
Date
1930-06-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr 50, 27. VI. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 339 Die jüdische Kolonisation und der Fellache Die Gesellschaft ״Mis’char Wetaasiah“ (Tel-Awiw POB. 21) hat soeben in ihrem Verlag in Broschürenform eine Arbeit von Mosche Smilansky ״Die jüdische Kolonisation und der Fellache“ veröffentlicht. Smilansky, der Vorsitzende der Vereinigten Jüdischen Grundbesitzer, ist bekanntlich einer der besten jüdischen Sachverständigen auf dem Gebiet der Pflan* zungen. Die neue große Pflanzungszone um Rechoboth ist weifgehend sein Werk. Vor der Shaw *Kommission hat Smiianskys Aussage einen großen Eindruck gemacht, und die Kommission erklärt in ihrem Bericht, daß die von Smilansky empfohlene Methode eine Lösungdes Bodenproblems erleichtern würde. Da das Thema des Schutzes der Fellachen jetzt besonders aktuell ist, geben wir nachstehend den Gedankengang der Broschüre wieder. * Die Darstellung Smiianskys enthält eine Reihe intercssanter Einzelheiten über die Wirkung der jüdischen Siedlungsarbeit auf die arabischen Fellachen. Besonders instruktiv ist ein Vergleich der Bedingungen in arabisehen Dörfern in der Nachbarschaft jüdischer Kolo* niett mit arabischen Dörfern, die außerhalb der Einfluß* Sphäre dieser Siedlungen liegen. In den entfernten arabischen Dörfern existiert gewöhnlich nur ein primit i v e r Ziehbrunnen für das ganze Dorf, aus dem das Wasser von einem zu anderer Arbeit unfähigen Men* sehen, der gewöhnlich von der Gemeinde angestellt ist, mit einem Eimer nach oben geholt wird. In wohlhaben* deren Dörfern wird ein Kamel oder ein Esel für das Heraufholen des Wassers gebraucht. Die Häuser des Dorfes sind kleine Lehmhütten ohne Fenster und Ventilation. Das Dach besteht aus einer gewölbten Decke aus Lehm und Stroh. Das Haus enthält zwei Teile: in einem befin* det sich das Vieh gemeinsam mit dem Knecht, wenn ein solcher beschäftigt wird, im andern wohnt der Fellache selbst mit seiner Familie. Man schläft auf Strohmatten, während in einem primitiven Ofen der den Raum warmende Dung schwelt. Die Herde des Fellachen besteht aus einem Esel, einer mageren Kuh und manchmal noch aus einem Paar kleiner Ochsen. Seine Geräte bestehen aus einem einzigen Holzpflüg. Im ganzen Dorfe oder in seiner Nachbarschaft gibt cs keine Bäume, mit Ausnahme vielleicht eines einzelstehenden Oliven- oder Feigenbaumes. Die einzige Vegetation, die im Dorfe zu finden ist, sind hie und da Kakteenhecken. Rings um das Dorf liegen Dunghaufen, die sich im Laufe von G - Mionen angehäuft haben. Der feilache hat für die׳ ״,'״Dünger, der ungenutzt liegt und im Winter *T׳>m j,ra rrrtgewaschen wird,keine Verwendung. Die europäi 'ein Siedler kaufen ihn als Dünger. Das Mahlen de;; Getreide;1 ,geschieht meist mit der Hand zwischen zwei Mahlsteine!“; יי a« Brot des Fellachen ist gewöhnlich ein dunkler flach1! ־Kuchen aus Durramehl. Jede im eigenen Haushall: entb^.nfehe Menge Korn wird auf den Markt gebrael!|‘ und i|r Erlös 3m .Abzahlung von Schulde« verwendet, Die Kinder des Fellachen laufen halbnackt hemm; die tneishm leiden an Augenkrankbeiten und viele sind durch A «Infektionen erblindet. Die hygienischen und sanitären Zustände in den Dörfern sind überaus primitiv und können kaum beschrieben werden. Die Frare״ des Fellachen werden oft nicht besser als das Vieh behandelt. Sie werden rasch alt und schwach. Aerztiiche Hilfe wird nur selten in Anspruch genommen, man heilt die Wunden durch die Anwendung primitivster und für moderne Auffassung unvorstellbarer Mittel. Demgegenüber bietet ein arabisches Dorf in der Nachbarschaft jüdischer Siedlungen ein grundverschiedenes Bild. In solchen Dörfern findet man z. B. regelmäßig moderne, durch einen Motor betriebene Brunnen, die Häuser sind aus Stein gebaut, mit Fenster und Dachziegel versehen. Für das Vieh gibt es getrennte Ställe; es ist in einem guten Zustand, oft wird ein guter Bulle gehalten. Im Dorfe und in der Umgebung findet man Zier- und Nutzbäume, bewässerte Gemüsegärten und Orangenpflanzungen, die dem Fellachen selbst gehören und dem Dorfe ein kultiviertes Aussehen verleihen. Auf den Feldern wird bereits Dünger benutzt. Die Fluren werden nach dem Vorbild der jüdischen Kolonien vor dem Regen gepflügt; fast jedes Dorf hat eine Getreidemiihle, so daß die Frauen nicht länger mit der Handtnühle arbeiten müssen. Die Kinder sind besser angezogen, der allgemeine Gesundheitszustand hat sich sehr verbessert, die Hilfe des Arztes der benachbarten jüdischen Siedlung wird regelmäßig in Anspruch genommen. Die äußere Erscheinung des Fellachen, besonders an Festtagen, ist sauber und anziehend, die Stellung der Frau weit gehobener als in den abgelegenen Dörfern. Von den jungen Fellachen heiraten bereits viele nur noch eine Frau, deren Verhältnis zum Mann sich langsam Verhältnissen in europäischen Dörfern annähert. Für die Rückständigkeit der Landwirtschaft in den arabischen Dörfern sieht der Verfasser folgende Ursachen: 1. Die Konzentrierung der Böden in der Hand von E f f e n d i s. Die großen Bodenkomplexe im Umfang von Millionen von Dunam werden von ihren Eigentümern, den Effendis, hauptsächlich als Spekulationsobjekt und nicht als Grundbesitz betrachtet, der durch Investierung von Kapital und Arbeit entwickelt werden kann. Diese Ländereien werden gewöhnlich an Fellachen verpachtet, denen die Erträge ihrer eigenen Ländereien nicht genügen oder an Pächter, die nicht in der Lage sind, sie richtig zu bearbeiten. Ungeheure Möglichkeiten gehen dadurch verloren, daß diese schlecht bearbeiteten Böden von Jahr zu Jahr weiter an Ergiebigkeit verlieren und schließlich durch das Ueberhandnehmen von Unkräutern und Disteln wertlos werden. Statt Bewässerungsbrunnen und Reservoiren für Regenwasser findet man viele fieberverseuchte Sümpfe, die ganze Distrikte gefährden. So wird das Wasser, das für diese Böden ein Segen werden könnte, zur Ursache von Fieber und Krankheit. 2. Die Wirtschaften der einzelnen Bauern sind zu groß. Die große Majorität der bodenbesitzenden Fdlachen hat mehr Land als sie bearbeiten können. Die auf den Anbau einer Kultur beschränkte Wirtschaft des Fellachen, ein System, das in andern Ländern im Verschwinden begriffen ist, hat in Palästina besondere Nachteile, nachdem es hier mit so primitiven Methoden durchgeführt wird. Besonders wenig am Platze ist es in einem trockenen Lande, das häufig gerade dann Dürre und Glutwind hat,; wenn die Aehren im Reifen sind, in einem Lande, in dem der Boden durch rücksichtslose Ausnützung Jahrhunderte hindurch so erschöpft ist, daß er ohne entsprechende Düngung keine guten Erträge gcben kann. 3. Die hohe Schuldenlast des Fellachen. Der Fellache wird durch eine Schuldenlast erdrückt, die die schmalen Ueberschüsse seiner Wirtschaft aufzehrt und keine Mittel für Ausgaben zur Verbesserung seiner Wirtschaft läßt. Die Effendis, die in den meisten Dörfern über einen ziemlichen Landbesitz verfügen, aber nur geringe Einnahmen aus dem Pachtzins des Fellachen haben, finden in der Bewucherung der geldbedürftigen Fellachen ein weit einträglicheres Geschäft. Der Fellache auf dem Dorfe wird als unter dem besonderen ״Schutze“ seines Dorf-Effendis stehend betrachtet, der dieses Privileg in erster Linie dazu ausnutzt, seine Geldgeschäfte mit ihm zu betreiben. Die Zinssätze für das Geld sind außerordentlieh hoch und betragen je nach den lokalen Bedingungen 50—100 Prozent pro Jahr. 4. Der Mangel an Kapital. Die Wirtschaft des Fellachen ist sehr mangelhaft ausgestaltct; seine Geräte sind den primitiven Geräten biblischer Zeiten ähnlich, seine Ochsen sind oft kaum größer als Kälber, auch sein übriges Vieh ist unentwickelt und w׳enig leistungsfähig. Er besitzt so gut wie keine Kenntnisse moderner landwirtschaftlicher Methoden, er weiß nichts von Fruchtwechsel; von Saatselektion, von der Bedeutung des Düngers, dem Sommerpflügen, der Bewässerung und Meliorationen. Große LandkompLxe sind überhaupt nicht bearbeitet, insbesondere sandige Böden, lehmige Abhänge und sumpfige Böden. Es wird daher immer klarer, daß die einzige Lösung für das Existenzproblem des Fellachen in der Intensivierung der landwirtschaftlichen Betriebe liegt. Darunter ist hier hauptsächlich Bewässerung, Tiefpflugverfahren, Anwendung von Dünger zur Anreicherung des Bodens und Entwicklung verschiedener Iandwirtschaftlicher Nebenzweige verstanden. All dies ist aber nur moglieh, wenn die erheblichen Mittel zur Verfügung gestellt werden, die dem Fellachen die Abzahlung seiner Schulden und die für die Verbesserung der Wirtschaft erforderliehen Iftvesüerungen ermöglichen. Diese Mittel können nicht auf dem Anleiheweg beschafft werden, selbst dort, wo Krediterleichterungen bestehen. Die erforderlichen Beträge sind größer als die Kredite, die eine Agrarbank gegenwärtig gewähren kann. Die einzige Lösung besteht darin, daß der Fellache künftig einen Teil seines Landes verkauft, um die verbleibende Wirtschaft mit dem Verkaufserlös zu intensivieren. Diese Transaktion wird aber ausschließlich mit Hilfe der jüdischenlmmigrationundderjüdischenKolon i s a t i 0 n durchgeführt werden können. Kein anderer Einwanderer wird bereit sein, einen Preis zu zahlen, der oft den gegenwärtigen Preis des Landes übersteigt. Wo der Fellache nur den Gegenwartswert seiner Böden erzielt, würde er nicht genug erhalten, um seine alten Schulden zu bezahlen, geschweige denn neue Investierungen vorzunehmen. Allein die hohen Preise, die der jüdische Siedler infolge seiner besonderen Verbundenheit mit Palästina für den Boden in diesem Lande zu bezahlen bereit ist, können ihn in den Stand setzen, seine primitive und verkümmernde Wirtschaft hochzubringen. Prozeß gegen den Herausgeber des ״Doar Hajom“ Der Inhaber des Druckereibetriebes ״Hasolel“, White, der Drucker des ״Doar Hajom“ wurde angeklagt wegen der Veröffentlichung von Artikeln gegen die Palästinaregierung. Nach der kürzlich erfolgten Suspendierung des ״Doar Hajom“ hat der Betrieb mit dem gleichen Personal und in der gleichen äußeren Form die Zeitung unter anderen wechselnden Namen veröffentlicht. White wurde nun zu einer Geldstrafe von £ 30 und zur zwangsweisen Schließung der liebräisehen Druckerei für drei Tage verurteilt. Er mußte ferner £ 103 deponieren als Bürgschaft, daß er während der Suspension des ״Doar Hajom“ keine andere Zeitung unter anderem Namen ohne Bewilligung der Regierung herausgeben wird. Die Verhandlung erfolgte auf Wunsch des Angeklagten unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die palästinensische hebräische Presse nimmt gegen dieses Urteil Stellung. Schiedsgericht Aber Tote Meer-Konzession? London, 24. Juni. (J. T. A.) Colonel Howard Bury richtete im Unterhaus an den Außenminister Henderson die Frage, ob er irgendeine weitere Mitteilung von der französischen Regierung im Zusammenhang mit der Tote- Meer-Konzession habe und ob vielleicht die Frage bezüglich der französischen Konzessionsansprüche dem Schiedsgericht im Haag überwiesen werden würde. Minister Henderson erwiderte, der französische Botschafter sei vor kurzem auf die Angelegenheit zu sprechen gekommen. Die britische Regierung erwäge ernstlich, die Angelegenheit einem Schiedsgericht zu unterbreiten; eine endgültige Antwort könne er aber noch nicht geben. Brief aus Palästina Die Hinrichtungen — Die Klagemauer-Kommission — Der Streit um den Kongreß — Die Mluseplage. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.G. Tel-Awiw, den 19. Juni 1930. Das unerquickliche und erregende Schauspiel, das man im Lande die ״gerichtliche Liquidierung der Augustunruhen“ nennt, ist endlich zu einem Abschluß gekommen. Nach Prozessen und Verurteilungen, die fast ein volles Jahr dauerten und die Gefängnisse füllten, sind vorgestern die drei zum Tode Verurteilten, die von der Amnestie ausgeschlossen waren, in Akko gehängt worden. Bis zum letzten Augenblick haben die arabischen nationalen und religiösen Institutionen, die Presse, die Frauen, die Schulen, die Jugendverbände für eine Begnadigung auch dieser drei gekämpft. Je näher der Tag der Exekution heranrückfe, desto stärker wurde die Bewegütig, desto umfassender die Versuche, desto zahlreicher die Telegramme an den Oberkommissär und den König. Und bis zum letzten Augenblick wartete man auf eine neue Antwort der Regierung, von Stunde zu Stunde tauchten neue Gerüchte auf. Bis schließlich das Publikum vor der vollendeten Tat- Sache stand und für «len Moment die Stille des Alltags wieder vorn Leben Besitz nahm. Matt kann wohl, ohne irre zu gehen, sagen, daß sowohl bei den Arabern wie bei der Regierung humanitäre Momente, wie eine prinzipielle Gegnerschaft gegen die Todesstrafe, keine Rolle spielten. Es war von Anfang bis zu Ende ein rein politisches Ringen. Die Linie der Regierungstaktik war ziemlich deutlich. Man ließ zuerst der Gerechtigkeit ihren Lauf, die sich mit den Morden als solche beschäftigte und folgerichtig zur Verurteilung schritt. Dann kam als politischer Akt die Begnadigung und Umwandlung der Todesstrafe in lebenslänglichen Kerker. Es schien weder London noch Jerusalem zweckmäßig, die Erregung im Lande durch Massenhinrichtungen nochmals zu entflammen, und es bot sich hier eine glänzende Gelegenheit, beruhigende Mittel zur Versöhnung der palästinensischen Araber anzuwenden. Aber die Regierung ging in dieser Richtung nicht bis ans Ziel, sie wählte — die traditionelle englische Methode — einen Mittelweg. Man gab Begnadigung, aber man statuierte zugleich ein Exempel. Und nachdem die drei von der Amnestie ausgeschlossen waren, gab die Administration das ungewohnte Schauspiel, sich von ihrem Entschluß nicht mehr abbringen zu lassen. Die Hinrichtungen fanden statt, ein Exempel war statuiert. Man muß sich die Frage vorlegen, was diese Taktik der Regierung bewirkt und ob sie die gewünschten Resultate gezeitigt hat. Die Frage wird anders beantwortet werden, je nach den Forderungen, die man an die Politik der Regierung im Lande stellt. Verspricht man sich das Heil von einer Politik der ״starken Hand“ — und die Zahl derjenigen, die diese Richtung verfechten, ist sicher nicht gering — so wird man die Amnestie als Schwäche empfinden und es als tröstlich begrüßen, daß die Regierung wenigstens in einem bestimmten Umfang nicht zum Nachgeben zu‘bewegen war. Wer sich jedoch von dieser Methode nichts verspricht als neue Komplikationen, neuen Stoff zur Erregung und zur Unzufriedenheit, neue Reibungen, der wird sich jetzt fragen müssen, ob die psychologische Wirkung der drei Exekutionen nicht stark genug war, um die durch die Amnestie bewirkte Beruhigung wieder zunichte zu machen. Es läßt sich nicht bezweifeln, daß die Begnadigung einen äußerst günstigen Eindruck im arabischen Lager gemacht hat. Eine Woche lang herrschte in der arabischen Presse ein Ton der Zufriedenheit mit der Regierung, der stark von dem früheren Stil abstach. Dann setzte die Aktion für die ״volle Begnadigung“, also die Einbeziehung der drei restlichen Verurteilten ein. Diese Aktion ist im Laufe einer Woche zu einer großen Welle angcschwollen, die alle politisch interessierten Kreise umfaßte. Interessant ist, daß es diesmal gelang, die Häupter einer ganzen Reihe christlicher Konfessionen und Sekten mit den moslemischen Führern in dem Protest gegen die Todesstrafe zu vereinigen. Daß es sich dabei nicht um eine humanitäre, sondern eine politische Aktion handelte, sieht man daraus, daß alle diese Priester und Mönche bisher noch niemals gegen die Todesstrafe im Lande auf getreten sind. Es wurde schließlich einige Tage vor dem Exekutionstermin ein Generalstreik proklamiert, der einen Tag dauern sollte. Er gelang nicht gut, vor allem deswegen, weil man der vielen Streiks des letzten Jahres müde zu werden begann. Obwohl jedoch der Streik nur Teile der Bevölkerung umfaßte, setzte er sich halb unter dem Druck der Propaganda, halb spontan drei Tage lang fort und hörte erst nach dem Tage der Hinrichtung auf, Die Bereitschaft der Polizei und der Truppen an diesem Termin hat überall ihre Wirkung getan. Es blieb ruhig, jeder Versuch, Tumulte herbeizuführen, mußte von vornherein aussichtslos erscheinen. Der Messerstich gegen einen englischen Offizier in Jaffa ist ein Einzelfall und war anscheinend auch eher ein Werk des Zufalls als der Vorbereitung. Obwohl jedoch alles ruhig blieb, sieht es danach aus, als ob im Gedächtnis der Massen nicht so sehr die Begnadigung der 20 bleiben wird, als die Hinrichtung der drei. Die Presse und die Arabische Exekutive tun jedenfalls alles, um die Erinnerung an das eine zu verlöschen, die an das andere aber frisch zu erhalten. * Die Kommission des Völkerbundes zur Ordnung , des Klagemauerkonfliktes trifft heute in Jerusalem ein. Von arabischer Seite bestand zuerst Neigung, sie zu boykottieren, jedoch hat man diese Taktik nach einiger Erwägung fallen gelassen. Von jüdischer Seite ist eine Kommission eingesetzt worden, die die jüdischen Interessen vor der Kommission vertreten soll. Dem Charakter der Fragen entsprechend, die zur Diskussion stehen, nehmen die religiösen Institutionen einen wichtigen Raum in dieser Kommission ein. Dieses Mal ist auch die Agudath Jisrael zusammen mit den nationalen Instanzen vertreten, so daß der gesamte Jischuw zu Worte kommt. ln den letzten Tagen hat ein neuer Zwischenfall an der Klagemauer große Unruhe erregt. Es wurden nachts Versuche gemacht, die hebräischen Inschriften auf den Steinen bis ziemlich hoch hinauf mit Hilfe von Chemikalien wegzuätzen. Zugleich wurde ein Teil der Mauer verunreinigt. Die Täter konnten nicht gefaßt werden und keinerlei Hinweise auf die Durchführung der Tat sind bisher gefunden worden. Die Regierung hat jetzt 1 auch für die Nacht eine Wache an der Mauer aufgestellt,

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