Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 49 (24.6.1930)
- Date
- 1930-06-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1830 Nr. 40, 24, VI. 1930 « JUEDISCBE RUNDSCHAU Seite 335 der di mus angt'fl I 111־ seiiü’i;chla < •1־ mp;!;! iranäto 1!1 •1::(: 1 bilde! der;;1־ len de;; i n 1 i 1 sich zi!len sei,•;en I'.ir׳;e!1 lut s e 11 0 11 liefert ingland idierunß r ist «tun e n zur 1 Fish ierungsstehend rng auf, Qroßbrii Vor* | anzuerpflich- [ms auch esscs irdischen Volkern 111 e 11 e rit Dehrn teilt uns ioziation :h lang־- Volkerngüclien so/iation :hon bct außer- 1 De!da- ' glc. ... und der er Reso- :immung 1 111 Genf :solution :rhundes urig־ der ,r Zivil!- •bunden- und die n Lande rt sebafts Natiot, wobei len soll, (1er üeder Re- 111g der erklärt werden nennung cerbund, ragt ist; tarmacht ion Pa- Nichtanderen Bedirir Jcwish I Lande, ,rten für II wird;;tmo.11:>*' nns id; (uv in .־. ־ sdiiiLt• fiuß at u'eck יה >Ie J,j tt \ e Regietivo Er-!wisch, n '.T WtTCil': :röi'fei.! - erstaa־ ■■ >ir Jol-i lie iaiitl- und das 1 unter- Simpson hen Reniro des .־ine einlalfonds; Die Klageinauerkommissioii In Jerusalem־ Jerusalem, 29. Juni. (J.T.A.) Die aus den Herren oefgren, Barde und Van Kempen bestehende KlagemaueroBimigslon isHn Jerusalem eingetroffen. Sie wurde auf dem ־ ׳c * '”ei. Kisch im Namen der Jevvish Agency, von •obi 'Jzle! »ni Namen des Rabbinats, sowie von Dr. David ■Hirt, Ellash und Bläu, die die jüdische Sache vor der Korn- ,ssion offiziell vertreten werden, begrüßt. Araber waren bei nkuntt der Kommission auf dem Bahnhof nicht anwesend. EMc Juden werden vor der Kommission einheitlich vertreten;in. Es besteht ein Kontakt mit dem vom französischen Oberjbblner Israel Levi geleiteten Europäischen Rabbinischen Verand. Die Rabbiniscnen Räte in der ganzen Welt wurden errcht, sich vor der Kommission vertreten zu lassen. David ellin wird, wie schon mitgeteilt, die jüdische Gemeinschaft I alastinas (Knesset!! Israel), Herr Blau die Agudas Jisroel vertreten. Herr Eliash wird das jüdische Beweismaterial präseneren. Dr. Magncs, der an Stelle des erkrankten Dr. Cyrus Ldler das jüdische Beweismaterial hätte präsentieren sollen, wird vor der Kommission nicht erscheinen, da sich der VV a a d keumi kategorisch gegen ,die Betrauung von lagnes erklärt hat. Die erste Sitzung der Kommission, zu der schon arabische wind jüdische Vertreter zugelassen werden, wird am Montag, dem 23. Juni, stattfinden und vertraulich sein. Als Sekretär der Kommission fungiert Herr Sachlan vom schwcdisehen diplomatischen Dienst. Die Presse wird zu den öffentlichen%itzungen zugelassen werden, aber der Umfang der öffentlichen Verhandlung ist noch nicht festgesetzt. Aennlich wie bei der Shaw-Kommission werden je ein Vertreter der arabischen, der jüdischen, der englischen und der ausländischen Presse zugelassen werden. Der Sekretär desindischeaMoslemischenRates teilte der Arabischen Exekutive in Jerusalem telegraphisch mit, daß der Rat eine Anzahl Delegierter aus Indien zu den Sitzungen der internationalen Klagemauer-Kommission nach Jerusalem entsenden wird, die die Wünsche der 70 Mil- Honen Moslems in Indien aussprechen werden; die Klagemauer- Frage bewege die Gemüter der gesamten Islam-Welt. Die Araber versuchen auf die Kommission dadurch Eindruck zu machen, dal! sie die der Omarmoschee zugewandte Seite der Klagemauer mit Teppichen und Weiheicuclitern drapieren, um der Klagemaucr das Aussehen eines m o s I e - mischen Heiligtums zu geben. Der Großmufti von Jerusalem bat sich an die Azhar Universität in Kairo mit dem Ersuchen gewandt, in den alten Dokumenten des Islam nach Hinweisen auf die Heiligkeit der Klagemauer zu suchen. Der Inspektor der mostemisehen Schulen in Palästina, Isaac Darwisch, wurde nach Damaskus gesandt, um die dortigen Archive nach Hinweisen auf die Klagemauer zu durchforschen. Der Palästinabericht der Mandatskommission Genf, 22. Juni. (J. T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes, welche die bereits begonnene ordentliche Session unterbrochen hat, um den von der Redaktionskommission hergestellten Text des Palästinaberichts an den Völkerbundsrat zu prüfen, hat 9m Sonnabend, dem 21. Juni, diese Prüfung beendet und den von van Rees, Rappard, Orts und Merlin abgefaßten Berichtsentwurf mit sehr ge- .Ingen Aenderungen angenommen. Wie der J.T.A.- Vertreter erfährt, erfolgte diese Annahme einstimmig, woraus zu schließen ist, daß die dem Zionismus freundlich gesinnten Mitglieder dec. Kommission und diejenigen, die dem Zionismus ' Rrttlsch gegedi18eretet«i11, »Ich gegenseitig Konr.eashmenmachton. Der Bericht nimmt Stellung zu den Ereignissen des August 1929, zu den von der Mandatarmacht unterbreiteten Berieht über die Verwaltung Palästinas ii 1 Jahre 1929 und schließlich zu den zahlreichen Petitionen, die von Juden wie von Arabern eingegangen waren. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, kritisiert die Mandatskommission in ihrem Bericht die Haltung der Palästina-Administration und der Mandatarmacht während der Unruhen des Vorjahres und verlangt für die Zukunft eine energischere Durchführung des Mandates seitens der Mandatarmacht. Gemäß der geltenden Prozedur wird der Bericht jetzt noch nicht veröffentlicht werden. Er wird zunächst der britischen Regierung zugesandt, die berechtigt ist, ihre Bemerkungen demselben anzufügen. Der Bericht wird dann zusammen mit dem Protokoll der gegenwärtigen Session der Mandatskonimission gedruckt der Oeffentlichkcit übergeben werden; dies wird, wie man glaubt, Ende Juli der Fall sein. Der Vö I - kerbundsrat wird sich mit dem Palästinabericht in seiner September-Session befassen. Es wird angenommen, daß bis September auch der Bericht der Klagemauer- Kommission beendet sein wird. Die palästinensischen Finanzen im Jahre 1929 Line der letzten Nummern der Official Gazette veröffcntlicht folgenden Ausweis über die Einnahmen und Ausgaben der palästinensischen Regierung im Jahre 1929: Einnahmen in LP. (Die eingeklammerten Zahlen beziehen sielt auf das Jahr 1923): Zölle 917.019 (892.278), Hafen und Marine 8.677 (3.468), Abgaben und Steuern 761.823 (713.574), öerichisgehühren 230.823 (234.298), Post und Telegraph 207.28S (180.555), Eisenbahnen 29.195 (431.549),• Landwirtschaftliches Department - (—), Einnahmen ans Regierungseigentum 16.540 (17.092), Zinsen 104.206 (57.193), Verschiedenes 16.650 (6.001), Bodenkäufe 6.774 (4.511), Grant in Aid (Subv. d. Regierung) 24.522 (35.797). Ausgaben: Pensionen 17.796 (16.461), Oeffentlicher Schuld- und Anleihedienst 100.910 (820.178), High Commissioner 8.739 (6.858), Sekretariat 19.533 (17.897), Distriktsverwaltung 88.527 (9.352), Legaldepartment 8.958 (8.554), Landdepartment, Katast.-Anlage 38.392 (30.723), Gerichtsdepartment 80.597 (78.076), Schatzamt 16.090 (16.489), Rechnungs- und Revisionsamt 8.651 (8.953), Zölle, Akzise, Handel 66.803 (863.535), Gesundheitsdepartment 101.863 (98.581), Unterrichtsdepartment 139.789 (137.115), Department für Landwirtschaft und Forst 76.713 (72.360), Polizei und Gefängnisse 376.060 (342.795), Gendarmerie (brit Sekt.) 37.070 (360), Grenzschutzkorps 140.561 (140.058). Vermessungsdepartment 39.245 (188.126), Post und Telegraph 141.205 (139.712), Eisenbahn — (265.023), Depärtment für Altertümer 7.082 (8.654), Oeffentliche Arbeiten 40.260 (34.328), Wiederkehrende öffentliche Arbeiten 145.996 (141.250), Verschiedenes 289.805 (332.445). Außerordentliche Ausgaben: Oeffentliche Arbeiten 114.690 (167.136), Post und Telegraph 25.977 (16.526), Eisenbahn — (29.586), Grenzschutzkorps 8.616 (53.187). Im Ausweis für das Jahr 1929 ist im Gegensatz zu früher zum ersten Male das Eisenbahnbudget nicht vollständig enthalten, sondern nur der Netto-Ueberschuß mit £ 29.195 auf der Einnahmeseite eingesetzt. Die Gesamteinnahmen für das Jahr 1929 betrugen einschließlich einer Subvention von £ 24.523 £ 2,323.572, die gesamten Ausgaben £ 2,140.032. Für militarisch״ und Ni herbeitszweeke wurden im Jahre 1929 aus dem Regierunobudgct £ 562.307 ausgegeben. Im Jahre 1928 betrugen «ls׳.: Einnahmen £ 2,5847318, die Ausgaben £ 3,381,993; Ausgabe« für Miiiär, Polizei usw. 4 589J9U&. (Zika) Abraham Schlonsky Von Dr. H. Rudy. Abraham Schlonsky, der Dichter und Herausgeber der ®Wien- Schrift ״Ktuwim", weilt gegenwärtig in Berlin und veranstaltete Sonnabend im Beth Am eine Vorlesung aus seinen Werken■ Daß Kunstrichlungen häufig in Gegensätzen sieh bewegen und einander ablösen im Laufe oft nur kurzer Zeitstrecken, ist eine bekannte Erfahrungstatsache. Auch in der zcitgenössisehen hebräischen Literatur fällt cs nicht schwer von einer in Palästina im letzten Dezennium im Entstehen begriffenen neuen Dichtung zu sprechen. Einer dieser Richtung, die man ohne jeden Beigeschmack als ״Das Jüngste Palästina“ bezeichnen könnte, vielleicht ihr größter Repräsentant, ist der junge Dichter A. Schlonsky. Schlonsky ist äußerst kunstfertig, prunkvoll, raffiniert als Künstler mit seinen rieselnden Wortmosaiken und spekulativeu Einfällen. Nur selten wird er schlicht, wenn er das Ringen um das dynamische Wort aufgibt, verfällt er ins Spielcrischc. Er will ״dichten“ meistern, — denn ״Dichten ist Gerichlstaghaltcn“ sagte einst Ibsen und doch liegt etwas Von tragischem Zusammenbruch in der Luft. Er will gerecht und heilig• in einem sein. Daher auch seine Abschwenkung in Symbolismus in seiner ersten Schaffcnsperiodc. War doch Rußland seine erste Heimat, war doch die Zeit seines Werdens von großen Katastrophen, revolutionären Kataklismen und Wandlungen erfüllt, war doch der jetzt so eigenartig und selbständig dastehende Schlonsky zuerst in die Schule der russischen Symbolisten Jwarrow, Belyi und Blök gegangen. . . Das erste Wort, daß der Dichter Schlonsky in seinem Wörterbuch aufschlägt, war das schwer übersetzbare Wort ״Dewaj“ (דוי), so auch sein erstes schönes Buch betitelt. ״Am Anfang ivar der Dewaj“ — der Schmerz, ■ das Leiden, die Weben, das Krankhafte. Alles was das Leben enthalten wird, was die Sehnsucht schüren wird, Freundschaft und Verachtung, Heiterkeit und Sorge, Kraft und Mühe, Wollust und Haß, alles wird Schleier um Schleier breiten zwischen dem .,Dewaj“, dem Leiden und den irdischen Menschen. Das Schicksal der verstoßenen ״Aussätzigen“, die außerhalb des Lagers ihr Dasein fristen, die Hiobs und die ״Outsiders“, sind ihm zum Verhängnis geworden. Er muß sie suchen, ihre ungevveinten Tränen sehen, das Wirrsai durchdringen, durch alle Hüllen die Gott-Menschenähnliche Form im Auge haben, mag noch so Trübes sich dem Blicke bieten. Zog der Dichter anfangs aus, um in allen Schönen, die ihm begegnen, das Glück zu suchen, die Harmonie, lehrt ihn aber die Unbarmherzigkeit alles Unvollkommene und Unzulängliche. Senkt sich ein schlimmes Leben zu tief, zu schwer auf ihn herab, denn das Lager der AussäUzigen zeigt den Menschen gebrachen, nackend, nach dem Sündenfall dem Versagen der Welt und dem eigenen Versagen vor der ungemessenen Begierde nach Gesundung, nach Vollkommenheit. Aus dem einstigen Paradies ist eiu Tal voll Steine und Disteln geworden. Es ist gleichgültig ob Schlonsky allegorisch, episch, lyrisch oder szenisch Inneres in Worte formt, immer steht im Einzelnen die Ganzheit des Lebens. Viele gibt es, die das Leben betrachten und beobachten, aber wenige nur dringen in die Tiefe. Schlonsky« Gefühl fürs Leben ist nicht ein Erfassen äußerer Lebensformen, sondern ein Rühren an das Leben selber, an das Herz des Lebens, au den Willen des Seins, jenen unerschöpflichen Willensprozeß des Lebens, der in allem und in allen unsichtbar, ununterbrochen wirkt und pulsiert und schafft. Zu solcher Behauptung sind wir durchaus berechtigt, wenn wir sein zweites Buch ״Bagalgal“ durchblättern, das ein neues Stadium seines dichterischen Schaffens darstellt. Von dem tiefbohreiiden Problfematiker aas ״Dewaj“ wandelt er sich zum ruhigen, besonnenen Beobachter, wie das die Gedichte ״Stam“, ״Bechafsi“ *md das satyrische Poem ״Honolulu“ bezeugen, die alle von innerer Gewalt des Ausdrucks durchblutet sind, deren Macht sich auch der Skeptischste nicht entziehen kann. Vor allem ist in diesem Werke ein neuer Zug seines Schaffens zu merken der Uebergang zum neuen Milieu Palästinas. Schlicht mul! man sein und sehr lieben, damit die heiligen Adern der schwarzen Erde und die kostbaren Geheimnisse einer neuen Heimat sich einem auftun und erschließen. Schlonsky verstand es am besten und krassesten in ״Qilboa“, ״Tmiwä“, ״Btel-Awlw“ u. a. zum Ausdruck zu bringen. Aber er erschöpfte sich in keiner dieser Dichtungsarten. Er schuf sie nicht nur alle aus sich heraus, Fleisch und Geist von seinem Fleisch und Geist. Er überwand sie und verschmolz die widerstrebenden Elemente zu einer höheren Einheit. Das Leben und seine Freiheit — oder was er dafür hält — das gestaltet Schlonsky als Künstler, das verficht er als Streiter. Und zwar seine Freiheit von allen Vorurteilen, mögen sie nun metaphysisch, künstlerisch-technisch oder politisch sein. Zutiefst spiegelt sich in echter Kunst das Leben, aus starker Persönlichkeit heraus geboren. Darum will er ihr den Weg bereiten, ihr Vorkämpfer sein. Der Aufstieg der Nattonalsozialistea Die Voraussagungen der Wahlprophctcn in Sachsen haben sich erfüllt: Die Nationalsozialisten sind zur zweitstärksten Partei im sächsischen Landtag aufgerückt und haben die Zahl ihrer Mandate bei den Wahlen am 22. d. M. verdreifacht. Vorläufig ist es noch ungewiß, ob sie sich an der Regierungsbildung beteiligen, ob sie durch Duldung die Bildung einer Rechtsregierung ermöglichen oder, was unwahrscheinlich ist, die Rolle der stärksten Oppositionspartei spielen werden. Immerhin ist die Entwicklung vorauszusehen: Das nationalsozialistische Ziel, einen hakenkreu/lerischen Staatenblock in Mitteldeutschland zu errichten, liegt im Bereiche der JVtöglichkeit. Von Mitteldeutschland aus soll der Sturmangriff gegen Preußen unternommen werden. Es besteht leider die Möglichkeit, daß bei den nächsten Preußenwahlen die bisherige unter sozialdemokratischer Führung stehende Koalition zahlenmäßig so geschwächt werden wird, daß auch Preußen, das bisherige Bollwerk von Demokratie und Freiheit in Deutschland, eine rechtsstehende Regierung erhält. Dann erst werden für die Mehrheit der ,deutschen Juden politisch schlimme Tage kommen. Was nützen alle Proteste, was nützt der gute Wille der Reichsregierung und einzelner Länderregierungen, wenn die Quelle der Macht, die Wählerschaft, für die radikale Reaktion und gegen die Juden ist? s. n. Die Darbringung von ״Bikurim“. Seit einigen Jahren ist vom ״Lehrerkomitee für Keren Kajemeth-Arbeit“ der Brauch eingeführt, am Ausgang des Schewuoth die Darbringung von ״Erstlingen“ an verschiedenen landwirtschaftlichen Produkten an den Keven Kajeraeth zu veranstalten. Dieser Brauch umfaßt allmählich alle Orte im Lande. Eine besonders schöne Veranstaltung war dieses Jahr die Darbringung der ״Bikurim“ in T eI- A wi w. An der Prozedur haben sich nicht nur die verschiedenen Schulen aus Tel-Awiw beteiligt, sondern auch Gruppen aus verschiedenen Kolonien um Tel-Awiw. Werke jüdischer Autoren auf einem deutschen Musikfest Der jüdische Musiker auf internationalen Musikfesten ist nicht gerade eine seltene Erscheinung. Er fällt nicht übermäßig auf neben dem französischen oder slawischen Musiker, sofern er sich nicht direkt ״jüdisch“ gebärdet, d. 11. sofern er nicht in seinen Kompositonen, in der Wahl seiner Programme usw. bewußt jüdische Themen gestaltet; zumal niemand in der Kunst der Assimilation an Internationales, Modisches oder auch an die Eigenart anderer Nationalitäten so ein Meister ist wie der Jude unserer Zeit. Um so aufschlußreicher ist es zu beobachten, wie es dem . uden ansteht, auf einem rein-deutschen fest, etwa dem Toncünstlerfcst des Allgemeinen D e u t s e h e!1 Mu• sik Vereins in Erscheinung zu treten. Wie es sich ausmacht, wenn seine Werke inmitten deutscher Landschaft, in einer deutschen Stadt (Königsberg!) von deutschen Dirigenten aufgeführt (Sehcrcheti Ladwig), von einem betont deutschen Publikum gehört werden. Es ist natürlich kein Zufall, dal! cs gerade Hermann Scherchcn ist, der hier drei repräsentativen. jungen judischeu Komponisten (Ernst Tuch, Nikol a i L o p a 111 i - koff, Stefan Frenke 1) zur Aufführung ihrer Werke in größtem Stil und weitestgespanntem Rahmen verhalt', •- Scherchcn ist bekanntlich von Beginn seiner Laufbahn an mit radikalstem Mut für alles Neue cingctrctcti. Er hat diesen Standpunkt als Generalmusikdirektor der Stadt Königsberg, die in Musikdingen zwar hochkultiviert ist, aber doch nicht ohne Renitenz Novitäten gegemiberstelit, nicht aufgegeben. Gewiß, Scherchcn dirigiert auch mit Leidenschaft Beethoven, Bruckner, Reger. Seine Programme sind aber doch immer derart zu• sammengestcllt, daß sic das Alte nicht zu Ungunst«! des Neuen betonen und charakteristische Unterschiede — auch wo sic in ungewohnter und krasser Form auftreten — nicht nivellieren. Scherchcn - - das kann man gerade nach diesem von ihm geleiteten Text sagen . ist der grandiose und feurige Experimentator geblieben, als der er seine revolutionäre Lauf• bahn begonnen hat. * Den stärksten Eindruck der oben erwähnten drei Komponisitionen hinterließ zweifellos die erste Sinfonie von L o p a t n i k o f f, die gleich im ersten Orchesterkonzert aufgeführt wurde. Diese Sinfonie des _jungen baltischen Juden, dessen Zugehörigkeit zu den internationalen neuen Musikbcstrcbungen längst durch die Bekanntschaft mit einer Reihe immer interessanter und kraftvoller Kammermusik- und Orchester- Werke offenbar wurde, zeigt innerhalb des üblichen dreisätzigen Schemas (Allegro; Andante; Allegro molto) sehr markante Zikje. Am östlichsten wirkt der langsame Satz; er hat etwas von der russischen Steppe. Im ersten Satz finden sich Anklänge an Mahlcrsche Thematik — cs scheinen unterbewußte Reflexe zu sein, die sich aber nach ganz anderen Formprinzipiell entwickeln. Die Thematik beherrscht hier --׳ chaotisch, zerklüftet, anarchisch — und doch im höchsten Sinne gestaltet —- die Form. Energische rhythmische Impulse doniinieren, getragen von volkstümlichen Melodieanklängcn. Diese Melodien haben ebensoviel ״Jüdisches“ wie etwa die Themen Gustav Mahlers. Wie aber hier slawische Zerklüftetheit zu guterletzt zu einem kraftgcballten Lapidarstil zusammengerissen wird: das kann mau zwar als ״jüdisch“ bezeichnen; dieses Judentum hat aber einen so welthaft geweiteten Sinn, wie ihn der jüdische Komponist (— und besonders der ״bcwußt“ jüdische - -) nur selten ahnt. — Was der jüdische Komponist vielleicht noch seltener ahnt und wozu er sich noch seltener bekennt - - das ist der Atem der Gegenwart — "DÜpd 'zwar' dessen, ■was positiv ist •an dieser-־Gegenwart) ■-׳ der aus diesem Werk weht. Weniger bewußt vielleicht aber unfreiwillig um so stärker jüdisch wirkte, das Violinkonzert von Stefan Frenke I. Der bekannte Geiger ein russischer Jude aus Warschau, Jahrgang 1902, Schüler von Busch und Fleselr, Konzertmeister bei den Dresdener Philharmonikern und in Scherchens Königsberger Rundfunkorchester, viel auf Konzertreisen - - hat sich dieses Werk ״für den Konzertgebrauch“ komponiert. Ausschlaggebcnd war für ihn dabei in erste? Linie das virtuose Moment und die treffsichere Wirkung. Frenkel hat cs am letzten Orchesterabend des Festes mit bravouröser Lieberlegenheit gespielt. Es ist aber nicht nur der klangvolle Solopart, der erfolgreich war: Auch die Orchesterbegleitung ist so voll von gesundem Farbinstinkt aus dem Streicherklang herausgeschrieben, das Ganze so naiv aus dem Instrument herausmusiziert, daß man die etwas zu bedenkenlose Komposition»״ manicr eigentlich gern einmal übersehen möchte. Immerhin scheint cs doch 1. B. nicht angängig, eine Form mir durch mechanisches Wiederholen ein und desselben Motivs herzustellen. Dies Konzert trägt nun wirklich sehr viel jüdische Züge. Gleich das erste Thema klingt wie ein Nigun, zumal liier gleich die Methode der Aneinanderreihung gleicher Elemente angewandt wird. Auch die geigerische Koloratur ist unbedingt chasonischen Ursprungs; ebenso wie das Umschlagen eines tragischen Melodiezuges in einen schnellen rhythmisch bewegten Tanz und wie die vielen freien und jisymiiiethrisehen Rhythmen. (7/*-Takt des zweiten Satzes.) Es ist eine nette, in der heutigen Zeit kultiviertester Polyphonie verblüffend homophon konzipierte und durchsichtige thematische^ Arbeit. Es ist selbstverständlich, daß es ein sehr dankbares Stück ist und daß ihm in der hervorragenden Wiedergabe des Autors stürmisch applaudiert wurde. Das Operncapriccio ״Der Fächer“ des Wiener Juden Ernst T och interessiert uns auch deshalb besonders, weil Toch gegenwärtig gerade an der neuesten Bühnenmusik fur ״Ha bim ah“ arbeitet. Dann aber ist für uns auch alles andere, was mit diesem Werk zusammenhängt, höchst aktuell: vom Libretto bis zur Musik, von der Mentalität, die dahinter steckt bis zur Art ihrer Auswirkung. In dem Libretto, dessen Schauplatz diaraktcristisclierweise Ostasien ist . begegnen sich die nur noch teilweise wirksamen «nd lebendigen konventionellen Vorstellungen des alten China mit den ersten, spontanen Auswirkungen der neuen eurepäischen Welt und ihrer zivilisatorischen und weltanschaulichen Revolution. Das wird hier an dem Schicksal des Ehepaars Wang und Tsing gezeigt: Der Chinese Wang, dessen Sterben durch die profanen Geräusche eines Lautsprechers gestört wird, läßt seine junge Gattin - die er nicht mit Unrecht von Europas Frivolitäten angekränkelt wähnt - schwören, ihm nach seinem Tode Treue zu halten, bis die Erde auf seinem Grabe trocken ist. - - Der Akt der Oper, der mit dem Tode Wangs beginnt, endet mit einer tollen, von Jazzmusik beglyiteten Club-Festlichkeit, in die die chinesische Wiiwc sich hineinreißen läßt. Die Liebe zu einem Schauspieler läßt sie auf den Gedanken kommen, das Grab des Wang trocken zu« fächeln. Diese hoffnungslose Arbeit wird ihr durch den Geist des Wang schließlich abgenotnmen; sie wird durch ihn von ihrem Schwur befreit. Eine Kinoaufnahme, die zufällig am Grabe Wangs stattfindet und bei der ihr neuer Freund mit* wirkt, vereinigt die Liebenden. Dieses mit allerhand Witz verfaßte Libretto hat große Bühnenwirksamkeit, aber doch eine große Anzahl problematischcr Punkte. So amüsant, aktuell und humorvoll das konsequente Hiiteinplat/en neuester technischer Errungenschaften . gerade an den romantischen Stellen wirkt, so peinlich mittet gerade in diesen! Stück, das doch bei aller reviieliaften Ceiehtigjctit einen ernsthaften Hintergrund hat, diese VerWn-