Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 48 (20.6.1930)
- Date
- 1930-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 326 JUEDfSCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 20. VI. 1030 echt oder falsch ist, darüber kann es Meinungsverschiedenheiten geben; der Judenhaß der Nationalsozialisten ist sicherlich hundertprozentig echt. Und dieser Gefahr von nationalsozialistischer Seite muß von den Juden die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Jeder Angegriffene hat die natürliche Legitimation, sich zu verteidigen, jeder Ueberfallene hat das Recht der Notwehr und er bedarf erst nicht langer Erklärungen dafür, daß er sich zur Wehr setzt Ist seine Sache gerecht und gut, so wird er bei anderen Rechtdenkenden Verständnis und Unterstützung finden. Die Tatsache, daß man Staatsbürger ist oder auf ordnungsmäßigem Wege die Erlaubnis erhalten hat, in einem Staate zu leben, genügt vollkom* men, um den Anspruch auf Schutz durch die Gesetze zu erheben und, im Zeitalter der Demokratie, Gleichberechtigung zu verlangen. Es wirkt immer peinlich, wenn ein Kaufmann dauernd versichert, er verkaufe eine Ware nur zu dem Zwecke, um dem Käufer zu nützen. Ebenso peinlich wirkt es immer, wenn Juden ihre Abwehr gegen den Antisemitismus damit begründen, daß es sie in der Seele schmerzt, wenn sich die Antisemiten durch das unedle Gefühl des Judenhasses in den Augen der fortschrittlichen Welt herabsetzen. Die Sorge, ob die Nationalsozialisten durch Betätigung des Judenhasses Schaden an ihrer Seele und ihrem Rechtsge fühl erleiden, ist für Juden tatsächlich eine Sorge letzten Ranges, und sie sollten darum von diesen letztrangigen Dingen nicht überlaut reden, wenn sie etwas anderes meinen. Und wir meinen ausdrücklich, daß der Nationalsozialismus für uns eine unmittelbare direkte Bedrohung in jeder Beziehung ist. Die Reaktion auf diese Gefährdung ist das Primäre, das uns veranlaßt, in entschiedenster Weise uns zur Wehr zu setzen. Wir wissen, daß wir bei diesem Kampfe um unser Recht auf die Unterstützung gerecht denkender Parteien angewiesen sind. Wir glauben aber, daß für Parteien, die gewillt sind, uns in unserem Kampfe zu helfen, die Begründung vollständig genügt, daß wir in unserer menschlichen und jüdischen Existenz bedroht sind. Die langen Vorreden, daß wir eigentlich nicht um unsertwillen, sondern um der Allgemeinheit willen unseren Kampf führen, die Beteuerungen, daß wir wohlgesittete, mit besten Ansichten und Absichten ausgestattete, uns durch nichts von den anderen unterscheidende Volksgenossen auch der Nationalsozialisten sind, wirken nicht überzeugend. Gesetzt den Fall, wir wären keine hellhäutigen Juden, sondern schwarze Botokuden. Wäre es alsdann nicht natürlich, daß wir mit aller Vehemenz unsere Menschenrechte verteidigen? Müßten wir, um darzutun, daß wir Gleichberechtigung verlangen, uns vorher weiß pudern? Für die Haltung unserer Gegner ist es wahrlich irrelevant, als was wir uns ausgeben. nahmsgesetz stellen. Wenn wir unsere Beweisführung darauf konzentrieren, darzutun, daß wir nicht zu unterscheiden sind, so geben wir unseren Gegnern damit implicite recht. Denn für den Fall, daß wir nur im geringsten anders sind als sie, dann konzedieren wir ihnen das Recht, mit uns nach ihrem Willen zu verfahren. Wir müssen auf dem Standpunkte stehen, daß wir Anspruch auf Gleichberechtigung haben, einerlei ob wir anders sind oder genau so sind wie die übrigen Bewohner der Länder, in denen wir leben. Ob wir tatsächlich faktische Gleichberechtigung genießen, hängt ja leider nicht von der Rechtslage allein ab. Das ist ein Ergebnis zahlreicher Faktoren, der politischen Verhältnisse, der wirtschaftlichen Struktur, der internationalen Stellung des betreffenden Landes usw. Die Rechtsläge aber dürfen wir unter keinen Umständen selbst verschieben. Gleichberechtigung von einer Gesinnung abhängig zu machen, ist das Dümmste, was wir tun können. Denn hinsichtlich Gesinnungen gibt es keine objektiven Maßstäbe. Eine Gesinnung, die dem Reichstagspräsidenten Loebe genehm ist, ist schon Herrn Dr. Bredt verdächtig, von Hitler ganz zu schweigen. Der Antisemitismus der Nationalsozialisten richtet sich gegen alle Juden ohne Unterschied der Gesinnung und der Herkunftsländer, einerlei ob diese Juden In- oder Ausländer sind, Orthodoxe oder Liberale, Kapitatalisten oder Sozialisten, Zionisten oder Assimilanten. In der neuen Antisemitenbibel der Nationalsozialisten, in der ״Rassenkunde des jüdischen Volkes“ von Qiint h e r, der von Frick zum Ordinarius an der Universität Jena gegen den Willen des dortigen Senats ernannt wurde, wird von einer Inferiorität aller Jüdischblütigen schlechthin gesprochen. Die nationalsozialistischen Banden, die im Berliner Wannseebad Juden belästigen, fragen nicht danach, ob der Belästigte aus dein Rheinland oder aus Tarnopol stammt, ob er aus der Judengemeinde ausgetreten ist oder sich einen Konservativen nennt. In zahlreichen Publikationen der Nationalsozialisten wird ausdrücklich festgestellt, daß der nationalsozialistische Antisemitismus sich vom bürgerliehen Antisemitismus grundsätzlich dadurch unterscheidet, daß es für ihn irrelevant ist, ob der einzelne Jude anständig und wertvoller ist als irgendein Nichtjude. Das Hepp-Hepp des Mittelalters wird von den National- Sozialisten als ein Gefühlsausbruch gedeutet, der heiligen Artquellen entspringt. Da der Angriff des Nationalsozialismus gegen das Judentum als solches gerichtet ist, so folgt daraus mit zwingender Notwendigkeit, daß die Abwehr dieser Erscheinungsform des Judenhasses vom Judentum ohne Unterschied der Parteieinstellung erfolgen muß. Die jüdische Gesamtheit wird angegriffen, die jüdische Gesamtheit muß sich zur Wehr setzen. Es ist bei aller Würdigung der Arbeit und der Verdienste einzelner Persönlichkeiten und Organisationen in* Abwehrkampf gegen den Judenhaß der Nationalsodalisten nicht zu verstehen, warum bisher die gesamtjüdlsehen Organisationen Deutschlands in der Aktion gegen den Nationalsozialismus noch nicht auf den Plan getreten sind. Wir haben vorige Woche eine Stimme aus Thüringen zitiert, die bedauernd festst eilte, daß eine einzelne thüringische Gemeinde sich beschwerdeführend an den Reichsinnenminister gewendet hat, and daß es an einer legitimen Gesamtorganisation der thüringischen Juden fehlt Wir glauben, daß der Protest von jüdischer Seite noch nachdrücklicher wirken würde, wenn hinter ihm eine Gesamtorganisation der deutschen Judenheit stünde. Nun gibt es vorläufig keinen Reichsverband der deutschen Juden. Es existieren aber große Landesverbände und eine Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände. Es ist nachgerade die höchste Zeit, daß diese Organisationen den Kampf gegen den Radau- Antisemitismus der Nationalsozialisten aufnehmen. Wo* rauf warten diese zentralen jüdischen Organisationen eigentlich? Etwa darauf, bis die Hotelierverbände in Thüringen und Bayern wegen des Ausbleibens jüdischer Erholungsbedürftiger durch Eingaben an die Reichsregierung diese zu noch energischeren Maßnahmen gegen die Belästigungen von Juden veranlassen? In der praktischen Arbeit zur Bekämpfung der wüstesten Ausschreitungen gegen die Juden ist es zunächst gleichgültig, wie man sich zum Problem des Antisemitismus in seiner Totalität stellt Der Gegensatz zwischen unterscheidbarer jüdischer Minderheit und der nichtjüdischen Umwelt ist nicht auf Deutschland allein beschränkt. Er ist manifest oder latent in der ganzen Welt und bildet einen wesentlichen Bestandteil des jüdisehen Weltproblems. Auf diese unerquickliche Situation der Weltjudenhcit versucht der Zionismus eine Antwort zu geben, deren Verwirklichung viel Mühe und lange Zeitläufte beansprucht Man mag die zionistische Lösung als zureichend oder als ungenügend ansehen, sicher ist, daß keine andere bessere vorhanden ist. In der praktischen Arbeit aber, zum Zwecke der Milderung der schlimmsten Begleiterscheinungen des Judenhasses, können diese letzten Ziele ausgeschaltet werden. Ob man aber an eine endgültige Liquidierung des Judenhasses in der Diaspora glaubt oder sie für unwahrscheinlich und unmöglich hält, ist für die Organisierung und Durchführang des momentan notwendigen Abwehrkampfes zunächst ohne Belang. Sicher ist, daß eine rationelle Abwehr größere Aussicht auf Erfolg hat, wenn sie von der jüdischen Gesamtheit ohne Beschönigung und Verschleierung geführt wird. Wir leben im Zeitalter der neuen Sachlichkeit. Die Welt hat sich daran gewöhnt, die Dinge bei ihrem richtigen Namen zu nennen und zu erkennen, was ist. Die Angriffe der Nationalsozialisten richten die Juden ■׳als. Juden. ״Es. geht besten, wenn sie die Abwehr als Juden für die Juden organisieren. Die polnische Judenheit an MacDonald Warschau, 16. Juni. (J.T. A.) Das Zionistische Zentralkomitee In Polen hat an MacDonald telegraphiert: Ueber 50 000 Juden marschierten durch die Straßen Warschaus und gaben ihrer Enttäuschung und Empörung über die neuen Tendenzen der Palästina-Politik der britischen Regierung Ausdruck, die im letzten ״Weißbuch“ niedergelegt sind, sowie gegen die Zurückziehung der Zertifikate für Chaluzim. Aehnliehe Kundgebungen fanden in anderen Städten Polens statt. Vor 13 Jahren hat das polnische Judentum in großen Kundgebungen seiner Freude und Dankbarkeit für die Verkündung der Baliour-Deklaration Ausdruck gegeben. Es hat dem polnischen Judentum sehr weh getan, heute gegen die englische Regierung — weil diese die Seele der Baifour-Dekiaration und des Mandates vernichtet — protestier e n zu müssen. Amerikanische Hadassah lär Annahme der Bedinpngen von Brandeis New York, 17. Juni. (J. T. A.) Das Nationalkomitee der .zionistischen Frauenorganisation Hadassah in Amerika unterstützt in einer Resolution die von Brandeis in einem Memorandum gestellten Bedingungen betreffend eine völlige Reorganisation der Zionistischen Organisation Amerikas als Voraussetzung für den Wiedereintritt der Brandeisgruppe in die zionistische Bewegung. In der Resolution der Hadassah wird erklärt, daß die' wirklich« Mobilisierung der zionistischen Kräfte nur unter einer Führerschaft erreicht werden kann, die das Vertrauen und die Achtung aller Zionisten innerhalb und außerhalb der Organisation genießt; der im Brandeis-Memoranduin niedergelegte Plan gibt die Möglichkeit zur Gewinnung einer solchen Führerschaft, sofern die amerikanischen Zionisten dies wollen. (Siehe auch nebenstehende Spalte.) Eine neue hebrSisehe Monatsschrili Dieser Tage erschien das erste Heft der neuen Monatsschritt ״Achduth Haawoda h“. Die jüdische Arbeiterpartei Palästinas, die aus der Vereinigung der Parteien Achduth Avodah und Hapoel-Hazasr hervorgegangen ist, gibt nunmehr zwei Zeitschriften heraus: Die Wochenschrift ״Hapoel Hazair“ und die Monatsschrift ״Achduth Awodah“, so daß die alten Parteinamen in den Namen der Zeitschriften weiterleben. Die erste Nummer der Monatsschrift enthält: den ersten Teil eines Auf- Satzes von Chaim Arlosoroff über den Bericht der Untersuchungskommission; den Beginn eines soziologischen Artikels von A. Z i j o n i (Wilkansky) ״Die hängenden Gärten“, einen Artikel von Dr. Granowsky ״Die Entwicklung des Iandwirtschaftlichen Eigentums in Palästina“; einen Artikel von Dr. Ruppin ״Die Juden in der Landwirtschaft der Welt“; Aufsätze über Indien, die Armenier, sowie historische, literarische und belletristische Beiträge. Der zweite Teil des Heftes enthält Uebcrsichten über die jüdische Arbeiterbewegung, den Orient, sowie Fragen der allgemeinen Arbeiter- Bewegung und Buchbesprechungen. Wir werden auf diese wichtige,!.ich schon rein äußerlich überaus stattlich und eindrucksvoll repräsentierende Neuerscheinung noch zurückkommen. Vor der Geveland Convention Das Ultimatum der BrandeEs-Gruppe. Die zionistische OeffentHchkeit Amerikas beschäftigt sich mit Rücksicht auf die herannahende Convention, die in Cleveland am 29. Juni stattfindet, insbesondere mit den Bedingungen, die von der Brandeis-Gruppe für ihren Wiedereintrltt in die Organisation formuliert worden sind. Der Versuch, die vor 10 Jahren abgespaltene Gruppe wieder zur aktlven Mitarbeit zu gewinnen, war vor allem durch zwei Motive veranlaßt. Einerseits machte sich in der Führung der Organisationsgeschäfte in Amerika eine wachsende Unzufriedenheit geltend, die auch mit finanziellen Schwierigkeiten zusammenhing, andererseits ließ die gegenwärtige politische Lage begreiflicherweise den Wunsch entstehen, eine vereinigte zionistische Front in dem zionistisch wichtigsten Lande der Diaspora herzustellen. Wieder einmal ist das amerikanischc Judentum berufen, in dem Kampf für die Verwirklichung des zionistischen Ideals eine führende Rolle zu spielen, sowohl durch seinen politischen Einfluß als auch durch seine wirtschaftliche Kraft. Zum Unterschied von der Kriegszeit hat die Palästinasache kaum mehr mit Gegnerschaft im jüdischen Lager zu rechnen. Einflußreiche Kreise, die früher antizionistisch ־waren, sind heute im Rahmen der Jewish Agency selbst für die Durchführung des zur Tatsache gewordenen Mandates bemüht. Die Zionistische Organisation Amerikas aber ist heute gegenüber ihrer Position während der Kriegszeit merklich geschwächt. Es ist erfreulich und begrüßenswert, daß ein ernster Versuch gemacht wird, diese Schwäche zu überwinden. Die jüdischen Zeitungen Amerikas unterstreichen die Bedeutung, die eine Rückkehr von Brandeis zur zionistischen Führerschaft in der heutigen Situation hätte. Man zweifelt aber daran, ob Brandeis wirklich selbst wieder aktiv ins zionistische Leben eintreten will, oder ob nur die kleineren Götter der Brandeis- Gruppe in Erscheinung treten werden. Es komme natürlich vor allem auf das persönliche Prestige von Brandeis an. Um Brandeis zu gewinnen, müsse man, so schreibt ״Der Tog“, auch zu Kompromissen und sogar zu Opfern bereit sein. Die ״Brandeis-Qruppe ohne Brandeis“ aber sei unannehmbar. Das Ultimatum selbst wird in der jüdischen Presse scharf kritisiert. Es bedeute, so wird gesagt, den Versuch, eine Diktatur im amerikanischen Zionismus für eine Clique zu fordern, ohne daß bisher irgendeine Gegenleistung zugesichert worden sei. Die Bedingungen, die wir bereits kurz wiedergegeben haben, sind vollinhaltlich in dem amerikanischen zionistischen Organ ״New Palestine“ vom 30. Mai abgedruckt. Sie bilden zum Teil ein ziemlich kompliziertes Dokument, das nur dem ganz verständlich sein mag, der in die Interna des amerikanisehen Zionismus eingeweiht ist. Von größerem Interesse sind folgende Bedingungen: Die Brandeis-Gruppe ist der Ansicht, daß das sogenannte Seeland-Memorandum vom 14. Juli 1920 (worin Brandeis seine auch auf der Londoner Jahreskonferenz vertretenen Anschauungen über die Praxis der Zionistischen Organisation darlegte — A. d. R.) durch die letzten 10 Jahre in seiner Richtigkeit bestätigt worden ist, vor allem in der These, daß die gesamten zionistischen Anstrengungen auf die ökonomische Entwicklung Palästinas für jüdische Siedlung zu vergrößern. Die Zionistische Or* ganisation Amerikas müsse sich also vor allem dieser Arbeit widmen, was auch die beste Propaganda sein wird. Die zweite Bedingung bezieht sich auf verschiedene organisatörische Forderungen, die erfüllt werden müßten, wenn die neue Leitung am 1. Januar 1931 die Führung übernehmen soll. Die dritte Bedingung bestellt darin, daß die bevorstehende Cleveland-Convention eine provisorische Leitung für sechs Monate, bis 31. Dezember 1930, wählt, deren Mitglieder weder der gegenwärtigen Leitung noch der Brandeis-Gruppe angehören dürfen, die also ausschließlich aus neutralen Per• sonen zu bestehen hat. Viertens: Dieses Komitee kann seine Amtsdauer eventuell auf zwei Jahre verlängern, muß aber in diesem Falle den Entwurf einer neuen Verfassung der Zionistischen Organisation Amerikas vorlegen. Die fünfte Bedingung besagt, daß bis zum 31. Dezember 1930 alle Schulden der Zionistischen Organisation Amerikas bezahlt sein müssen, ferner müsse ein genügend großer Betrag zur Deckung der rationellen Verwaltungsspesen für das kommende Jahr gesichert sein. Im Falle der Annahme der ersten vier Bedingungen ist die Brandeis-Gruppe bereit, bei der Sicherung dieser in Punkt fünf ausgesprochenen finanziellen Erfordernisse mitzuarbeiten. Am seltsamsten vielleicht ist die sechste Bedingung, die dem ganzen Dokument deutlich den Charakter eines ״Diktats“ gibt, ln diesem Punkt sechs wird nämlich erklärt, daß die Mitglieder der Brandeis-Gruppe sich nicht um Annahme der Bedingungen bemühen, noch irgendeine Propaganda dafür treiben werden. Die Initiative müsse vielmehr von anderer Seite ausgehen und die Convention müsse ganz unbeeinflußt darüber entscheiden, ob sie die gegenwärtigen Arbeits- und Verwaltungsmethoden fortsetzen will oder nicht. ״The New Palestine“ hat zur Vorbereitung der Convention eine Rubrik der freien Aussprache eröffnet, in welcher ein- Zeine Zionisten ihre Meinung äußern. Interessant ist die AeUßerung von Samuel Blumenfeld, dem Präsidenten der Stildentenvereinigung ״Awukah“, der schreibt: Die letzten politischen Ereignisse haben uns eine wichtige Lehre gebracht, nämlich daß wir uns nicht in den Glauben einhüllen sollen, daß der Zionismus in unserer Generation verwirklicht werden kann. Dies war ausgesprochen oder unausgesprochen die Hatlung des amerikanischen Zionismus und darum hat er sich wie toll ausschließlich auf die Geldsammlung gestürzt. In Wahrheit aber ist das Problem des Zionismus eine Sache für Generationen und unsere wichtigste Aufgabe ist daher, die künftige Generation zu gewinnen und zu erziehen. — Andere Zuschriften betonen die Notwendigkeit einer Stärkung des Führerbestandes des amerikanischen Zionismus und den Primat der wirtschaftlichen Palästinaarbeit vor allen anderen organisatorischen Tätigkeiten. Der Ausgang der Cleveland-Convention wird jedenfalls nicht nur für den amerikanischen Zionismus, sondern für die Gesamtbewegung von weittragender Bedeutung sein. Im Mai d. J. betrugen die Eingänge für den Ke re 111 Kajemeth 24 651 Pfund, In den ersten neun Monaten des laufenden Finanzjahres betrugen die Eingänge 168 273 Pfund gegen 145132 Pfund in der gleichen Periode des Vorjahres, was eine lSprozentige Steigerung bedeutet