Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1930)
- Date
- 1930-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 314 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 46, 13. VI. 1930 Aktuelle Probleme Nach der Amnestie. — Simpson bei der Arbeit. — ״Irgun Meschutaf“. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG, Tel-Awiw, den 5. Juni 1930. Die Erklärung der Amnestie für die nach den August- Unruhen Verurteilten, die die Todesstrafe in lebenslänglichen Kerker verwandelt, hat eine lange Diskussion im Lande abgeschlossen. Die jüdischen Kommentare zu dieser Aktion des High Commissioners sind relativ spärlich. ״Haarez“, der jm allgemeinen und vom humanitären Standpunkt aus gelegentlieh gegen die Todesstrafe als Institution sich ausgesprochen hat, hält jetzt wie auch früher die prinzipielle Frage gegenüber dem aktuellen politischen Problem, das im Lande vorliegt, für zweitrangig und erklärt sich nicht imstande, diese Maßnahme zu begrüßen, da sie ein neuer Beweis für die Ein- Stellung der Palästinaadministration und ihrer Zugeständnisse gegenüber den Arabern sei. Das Arbeiterblatt ״Dawar“, das seit Jahren für die völlige Abschaffung der Todesstrafe gekämpft hat, verlangt von der Regierung, einen Schritt weiter zu gehen und überhaupt im Lande auf die Todesstrafe zu verzichten. Diese weitere Aktion der Regierung wird nicht nur aus prinzipiellen Gründen gefordert, wie es der ״Dawar“ schon vielmals getan hat, sondern auch aus der politischen Erwägung heraus, daß sonst der Eindruck entstehen könnte, es würden Morde an Juden nur mit Gefängnis, andere aber mit dem Tode bestraft. Die arabische Presse läßt ihre Befriedigung durchblickcn. Es wird aber über diesen Schritt hinaus die Begnadigung jener drei Verurteilten gefordert, die In der Erklärung des High Commissioners von der Amnestie ausgenommen wurden. Die Arabische Exekutive hat bereits versucht, die nachträgliche Begnadigung dieser drei zu erwirken. Bisher scheint jedoch eine Ablehnung des Oberkommissariats in diesem Punkte vorzuliegen. In einem Teil der arabischen Presse ist das Vcrlangen aufgetaucht, die Amnestie zu verbreitern und die lebenslängliche Kerkerstrafe auf eine Anzahl von Jahren zu reduzieren. * Die arabische Delegation kehrt heute ins Land zurück. Die Arabische Exekutive hat Vorbereitungen getroffen, um den Delegierten einen entsprechenden Empfang zu gewährleisten. Trotz der nicht unbedeutenden Gegnerschaft gegen die Leitung im allgemeinen und die Delegation im besonderen, haben sich in der Zeit der Abwesenheit der Unterhändler die Verhältnisse im Lande so stark geändert, daß die Opposition beute viel schwereres Spiel haben wird als früher. Es verlautet, daß für die nächste Zeit die Einberufung einer arabischen Konferenz geplant ist, vor der Bericht über die Arbeit in London erstattet werden soll. Der Verlauf der Konferenz dürfte ein Bild über die zurzeit herrschenden Stimmungen im arabischen Lager, die Stellung der Arabischen Exekutive und der Opposition liefern. * Die Arbeit Simpsons, des Spezialkommissärs der Regierung zur Untersuchung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Bezug auf Einwanderung und Kolonisation, scheint mit raschen Schritten vorwärtszugehen. Simpson hat bereits einen großen Teil des Landes bereist, an kleineren und größeren Orten Aufenthalt genommen, um einen genaueren Einblick In die Verhältnisse zu gewinnen und überall Material in großem Umfange gesammelt. Besprechungen mit arabischen Vertretern der verschiedenen Kreise und Klassen wechseln ab mit Zusammenkünften mit jüdischen Persönlichkeiten. Es scheint In *<ter *EMe der Sjnjpsonschen Arbeit'zu* liegen, sich nur wenig auf offizielle Berichte zu stützen und statt dessen eine unmittelbare Berührung mit den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung herzu stellen. Bisher verlautet noch nichts über den Termin, der für die Beendigung der Untersuchung angesetzt werden kann. Auch über die Feststellung der so brennenden Einwanderungsfrage, die nach den Londoner und Genfer Nachrichten vor allen andern und so rasch wie möglich geklärt werden soll, Ist bisher nichts sicheres zu sagen. * Innerhalb der Diskussion über eine ״Verständigungs- Politik“ mit den Arabern, die im Lande während der letzten sechs Monate geführt wurde, haben Pläne Wirtschaftlicher Verbindungen und Interessengemeinschäften zwischen den beiden Lagern eine ungewöhnlich große Rolle gespielt. Der größte Teil des Jischuw steht einer politischen Verständigung sehr skeptisch gegenüber. _ Man glaubt nicht an die Möglichkeit, in nächster Zeit mit den gegenwärtigen Führern der Araber zu einem Uebereinkommen zu gelangen. Dagegen war man auf wirtschaftlichem Gebiet weit optimistischer. Die Pläne, die in dieser Hinsicht entwickelt wurden, waren sehr verschiedener Art. Es gab Tendenzen, die darauf hingingen, die Sache sozusagen von der ״kapitalistischen“ Seite zu packen, die dazu führte, daß man an Beteiligung arabischen Kapitals an jüdischen Unternehmungen und ähnliche Kombinationen dachte. Andere wieder gingen an die Lösung des Problems von der entgegengesetzten Seite heran und legten die Solidarität der jüdischen und arabischen Arbeiterinteressen den wirtschaftlichen Gemeinschaftsaktionen zugrunde. Diese Art der Argumentation stützte sich nicht nur auf wirtschaftliche Momente und Erkenntnisse, sondern auch auf politische. Der Ausgangspunkt der Theorie war, daß die zionistische Kolonisation, die ihrem ganzen Wesen nach einen fortschrittlichen Charakter trägt, zu einem Bündnis mit jenen arabischen Massen gedrängt würde, die dazu bestimmt sind, in näherer oder fernerer Zukunft die ökonomische Entwicklung vorwärts zu treiben, daß dieser selbe Zionismus jedoch durch eine unübersteigliche Wand von den heule führenden Kreisen der Araber, die sich ans den feudalistischen Gruppen der Effendis rekrutieren, getrennt sei. Die Diskussion, die niemals völlig ausgeschöpft wurde, häufig einen scharf polemischen Charakter trug und gelegentlich Probleme zu beleuchten begann, die eine umfangreiche Untersuchung erfordern, wurde eher abgebrochen als beendet. Mannigfaltige politische Ereignisse trugen dazu bei, ihren Schwung zu brecfien. Und es braucht kaum der Erwühntmg, daß von keiner Seite bisher der Versuch gemacht wurde, vielleicht nicht einmal gemacht werden konnte, irgendeinen der verschiedenen Pläne Und Anregungen in die Praxis umzusetzen. Dieses Kapitel der politischen und wirtschaftlichen Palästinaarbeit harrt noch seiner Lösung. Es ist daher von uin so größerem Interesse, daß auf der letzten Beratung der allgemeinen A r b ei t e ro r g a n is a t i o 11 einer dieser Pläne von neuem mit großer Verve in die Debatte gezogen wurde. Die Frage der Internat!ס• n a 1 e 11 Gewerk Schaftsorganisation (״Irgun Meschutaf“) wurde bei verschiedenen Gelegenheiten auf dieser ״Moazah“ diskutiert. Man kann fast behaupten, daß sie zu einem der zentralen Probleme der Beratungen wurde und alle anderen. Fragen weit überragte. Die Beschlüsse der Beratung sind bisher nicht vcrÖfrenf'icRf worden. Das Problem ist zu umfangreich und bisher zu wenig durchgearbeitet, auch nimmt die politische Situation soviel Aufmerksamkeit in An- 'Spruch, daß es längerer Zeit zum Beginn ihrer Lösung und zur Beschlußfassung brauchen wird, immerhin ist die Diskussion als solche von hohem Interesse. Die Debatten auf der Zusammenkunft haben eine Vorge schichte. Nach den Unruhen hat unter den mehr linksstehenden Elementen der Arbeiter, also unter dem Ha sc hoin er Ha za Ir und den beiden Richtungen der Poale Zion eine Gärung eingesetzt, die zu einer starken Betonung der gemeinsamen Gewerkschaften und zur Bildung besonderer Gesellschaften, wie der ״Liga für Internationale Gewerkschafts- Organisation“ und der ״Bruderschalt der Arbeiter“ führte. Für alle diese Parteien und Gruppen bedeutet die gemeinsame Gewerkschaft keine neue Losung. Sie haben sie immer ver* fochten. Aber es ist in den letzten Monaten ein neuer Antrieb in die Bewegung hineingekommen und es wurden auch, zum Teil mit Erfolg, Verbindungen mit arabischen Arbeitern angeknüpft. Die Gründung der beiden Gesellschaften schließlieh hat ein neues Faktum geschaffen, mit dem man sich auseinandersetzen muß. Nimmt man noch dazu, daß in führenden Kreisen der Arbeiterschaft die Fragen wirtschaftlicher Kooperation mit Interesse behandelt werden, so wird man verstehen, daß diese Probleme auf der Beratung einen so großen Raum cinnahme״. Im Gegensatz zu anderen Plänen, wird fast von allen die Bedeutung der Kooperation zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern auf politischem Gebiete anerkannt. Es wurde mehr als einmal darauf hingedcutet, daß eine derartige Zusammenarbeit politisch wichtige Folgen haben kann und daß sie in eine Richtung führen muß, die neue Möglichkeiten eröffnet. All das gilt jedoch nur für die politische Seite der Frage. Wirtschaftlich gesehen, fürchtet man eine Häufung von Schwierigkeiten. In den alten Diskussionen über den ״Irgun Meschutaf“, die zum Teil bereits Jahre zuriiekliegen, hat man oft genug diese Schwierigkeiten aufgezählt. Der große Unterschied in der Lebenshaltung, die verschiedene Wirtschaft*- Psychologie und verschiedene Wirtschaftslage, der langsame Ucbergang des Fellachen in einen Lohnarbeiter, schließlich noch kulturelle und sprachliche Unterschiede, die auch in der Wirtschaft und in wirtschaftlichen Aktionen ihren Ausdruck finden müssen, all das schien sich einer Kooperation auf gewerkschaftlichem Gebiete in den Weg zu stellen. Auch auf dieser Zusammenkunft, auf der die linken Elemente mit großem Schwung ihre Forderung zur sofortigen Angriffnähme gemeinsamer Gewerkschaftsarbeit machten, wurden sie ihnen von allen Seiten entgegengehalten. Geht man jedoch allen diesen Schwierigkeiten, die die Theorie voraußnimmt, schärfer auf den Grund, so trifft man auf ein zentrales praktisches Problem, das von ausschlaggebender Bedeutung sein kann: die Frage der Arbeitsbeschaffung. Aus einer gemeinsamen Gewerkschaft und der Organisierung der ara- «sehen Arbeiter innerhalb der Arbeiterorganisation ergäbe sich die zwingende Notwendigkeit, die Arbeitsämter Juden und Arabern gleichmäßig zugänglich zu machen. Das -heißt, daß die Arbeiterschaft de facto auch die Verpflichtung übernimmt, den arabischen Tagelöhner mit Arbeit zu versorgen, wenn es nottut. Es leuchtet ein, daß sich hier komnlizierte Fragen eröffnen, die eine gründliche Behandlung verlangen. Die allgemeine Arbeiterorganisation steht nach den Beschlüssen ihrer Konferenzen auf der Basis einer Gewerkschaft mit nationalen Sektionen, wobei dann die Rechte und Pflichten der Mitglieder in den einzelnen nationalen Abteilungen besonders zu definieren wären. Praktisch hat es ja eine Kooperation nur in der Regierungswirtschaft, also bei den Eisenbahnarbeitern gegeben und da auch nur in geringem Ausmaße, Alle theoretischen Erkenntnisse auf diesem Gebiet müssen an Hand praktischer Erfahrungen geprüft und berich* tigt werden. Es bleibt abzuwarten, welche praktischen Wege die Arbeiterschaft in dieser Frage jetzt Einschlägen wird. Es darf angenommen werden, daß die Arbeiterorganisation einzelne Aktionen, wie die Schaffung gemischter Klubs und ähnliches, die bereits von links aus versucht wurden, auch einleiten wird.׳ Die gewerkschaftliche Kooperation dagegen wird vermutlich noch sehr langer Vorbereitungen bedürfen. Die linken Elemente der Arbeiter wirken in diesem Vorbereitungsprozeß, der langsam und schwierig vor sich geht, als antreibende Kräfte, die das Problem immer von neuem mit Schärfe präsentieren. Das arabische Memorandum an den VOlfcerbond Wie der JTA.-Vertreter erfährt, hat der Großmufti von Jerusalem, als der Vorsitzende des Obersten Moslemischen Rats, nach seinem Gespräch mit dem Generalsekretär des Völkerbunds diesem ein Memorandum zur Weiterleitung an den Völkerbundsrat durch den Vertreter des Syrisch-Palästinensischen Komitees, El Djabri, überreichen lassen, in welchem dasGesp räch fixiert wird. I n dem vom 30. Mai datierten Memorandum erklärt der Mufti, daß die Situation ln Palästina abnormal sei, sowie ״dem gesunden Menschenverstand und der Gerechtigkeit“ zuwider ist. Die in Palästina geschaffene Lage stehe in Widerspruch mit den von den kriegführenden Mächten verkündeten Prinzipien, mit den von Großbritannien und seinen Ailiierten den Arabern gegebenen Versprechungen, sowie mit Artikel 22 des Völkerbundspaktes. Der Text des Palästinainandates, erklärt der Mufti, ist nicht das Werk des Völkerbundes, sondern er enthält eine Verpflichtung, die die englische Regierung gegenüber dem Völkerbund eingegangen ist und die aus diesem Grunde als eine internationale Verpflichtung angesehen wird. Das Palästinamandat ist ohne jede juristische Grundlage und basiert lediglich auf dem Willen eines ״allmächtigen Mitgliedes des Völkerbundes“. Die Depossedierung eines Volkes zwecks Einwanderung von Juden und Erwerbs von Boden für Juden sei geeignet, in einem Lande, in dem der Stern des Friedens aufgegangen Ist, einen Herd der Unruhe zu schaffen. Palästina ist ebenso arabisch, wie England englisch ist. Die Judaisierung dieses Landes, das ein Heiligtum des Islam und eine heilige Stätte des Christentums ist, ist ebenso schwierig, wie es z. B. ״die Germanisierung Großbritanniens“ sein würde. Die jüdische Einwanderung ist beseelt von einem religiösen Geiste, der sich in nichts von dem! Geist der Kreuzzüge im Mittelalter, die der Menschheit unsagbare Leiden gebracht haben, unterscheidet. Dieser Geist hat zum Ziele, den Platz des einstigen Tempels Salomos, der heute das dritte Heiligtum des Islam ist, wieder in Besitz zu nehmen. Die Klagemauer, das höchste Ziel der zionistische» Invasion(!), ist unbestreitbares Eigentum des Moslems. Wir protestieren gegen jeden Versuch, den seit der Türkenzeit bestehenden Status quo abzuändern. Bei aller Achtung vor der Ehrlichkeit der Mitglieder der Klagemauerkommission halten wir cs für unsere Pflicht, zu erklären, daß dieser Kommission keinerlei Urteil in dieser Angelegenheit zustellt, da die ganze Sache nicht der Kompetenz und der Autoritat des Völkerbundes unterliegt. Nichtsdestoweniger, heißt es zum Schluß des Memorandums, wünschen wir, mit allen nichtarabischen Elementen in Palästina ln voller Harmonie zu leben, unter den Auspizien einer repräsentativen demokratischen Regierung, an der alle Palästinenser, arabische und jüdische, im Verhältnis zu ihrer Zahl teilnehmen sollen. Im April d. J. wanderten 521 Juden, 63 Christen und 8 Moslems in Palästina ein; 11 Juden, 50 Christen und 57 Moslems wanderten im gleichen Monat aus. Die Verlassongsfrage in Palästina Eine Falschmeldung des ״New York World“. New Y o r k, 9. Juni. (J. T. A.) ״New York Wori d“ bringt eine Meldung ihres Genfer Korrespondenten, wonach die englische Regierung beabsichtigt, den Palästina-Arabern die Schaffung eines Legislative Council (Gesetzgebender Rat), als ersten Schritt zur sehließlichen Einsetzung einer das Volk vertretenden Regierung (Representative Government) anzubieten. Die offizielle Bekanntgabe soll aber erst nach Vorläge des Berichtes der Klagemauer-Kommission und nach Durchprüfung des Berichtes von Sir John Hope S i m p - s o 11 erfolgen. Der Legislative Council soll sich aus Vertretern der Paliistinabcvölkerung zusammensetzeu, und zwar in der Weise, daß auf je 25 000 Seelen ein Vertreter kommt. Demnach würde der Council 6 Juden und 34 Moslems und Christen zählen. Bis auf weiteres soll die exekutive und die richterliche Gewalt in den Händen der Regierung der Mandatarmacht liegen, der auch ein Veto gegen Entschlüsse des Legislative Council zustehen soll, um eine Gesetzgebung zu verhindern, die Unterschiede zwischen einzelnen Gemeinschaften macht. Die Palästinaregierung soll auch die Befugnis haben, notwendige Gesetze durchzuführen, deren Annahme das Parlament verweigert hat. ״New York World“ erfährt aus maßgebender moslemischer Quelle, daß die mehr konservativ gesinnten arabischen Kreise Palästinas geneigt sind, ein solches englisches Angebot anztinehmen, wobei sie voraussetzen, daß dies nicht den Verzicht auf die Idee eines souveränen palästinensischen Staates bedeuten würde. ־,New York World“ will ferner erfahren haben, daß die Mehrheit der Mitglieder der Mandatskommission die sofortige Errichtung eines Parlaments mit gesetzgebender Kraft in Palästina billigen, in der Voraussetzung, daß Großbritannien die administrative Gewalt behalten wird, um das Land gemäß den Bestimmungen des Mandates zu regieren. Genf, 10. Juni. (J. T. A.) D,. c: •.-.*> ״■!:!.,.rte in einem Interview mit Pressevertretern, daß ihm von einem Plan der Errich* tung eines Legislative Council, wie ihn der Genfer Korrespondent der ״New York World“ mitgeteilt hat, nichts bekannt sei. Er jab jedoch zu, daß die englische Regierung eine bestimmte Form einer Legislative Asscmbly (Gesetzgebende Ver- Sammlung) in Erwägung zieht, die zu den den Juden auf der Grundlage des Mandates gegebenen Versprechungen nicht in Widerspruch stehen wird. Die arabische Delegation znrttekgekehrt Jerusalem, 9. Juni. (J.T.A.) Die Rückkehr der arabisehen Delegation aus London, der mit einer gewissen Besorgnis entgegengesehen wurde, verliefruhig. Etwa zwei- bis dreitausend Araber waren aus den Jerusalem benachbarten Dörfern gemäß einer Einladung der Exekutive nach Jerusalem gekommen, um die Delegation zu begrüßen. Seitens der Polizei waren entsprechende Vorkehrungen getroffen worden. Dschanal Hussein!, der Sekretär der Delegation, war ebenfalls nach Jerusalem zuriickgekelirt, während Auni Bey in Genf blieb una der erusalemer Bürgermeister Nashashibi sich zur Kur nach Karlsad begeben hat. Die Zertifikate vor dem Unterhaus London , 5. Juni. (J. T. A.) Auf eine Frage von Graham White im Unterhaus erwiderte Herr Lunn, früher Staatssckretär für die Kolonien im Namen der Regierung,'der High Commissioner für Palästina 8!i ersucht worden, mit Sir John Hope Simpson über die Möglichkeit zu sprechen, die Frage'der Suspendierung der jüdischen Einwanderern gewährten 2300 Zertifikatc z 1tm Gegenstand seiner ersten Untersuchung zu machen und darüber zu berichten. Es sei falsch zu behaupten, daß Zertifikate anulliert worden sind; sie seien nur suspendiert worden. Auf Fragen von McShane und Commander Kenworthy, ob die Regierung weiß, daß die Suspendierung der Einwanderung eine verderbliche Wirkung auf die Gemüter der Araber hat, die diese Maßnahme so aulfassen, daß Morde durch Araber vcrziehen sind, wurde keine Antwort erteilt. Auf eine Frage von Major Nathan erwiderte Lunn, die Re• ierung sei noch nicht in der Lage, das Datum der Ve rö f - entlichung des Zeugenaussage ninaterials der Shaw-Kommission bekanntzugeben; vermutlich wird die Veröffentlichung nicht später als in der zweiten Hälfte des Juni erfolgen. Die Palästina-Regierung teilt mit, daß als gesetzliche Feiertage bezüglich der Einlösung von Wechseln (neben den Christlienen und mohammedanischen Feiertagen) von jüdischen Feiertagen der erste und letzte Tag von Pcßach, ein lag Schawuoth, zwei Tage Rosch Haschanah, ein lag Jom Hakippurim und der erste und letzte Tag von Sukkoth festgesetzt werden. Fünf Jahre ״Dawar“. Dieser Tage feierte die hebräische Tageszeitung der jüdischen Arbeiterorganisation ״Dawar“ in Tel-Awiw das Jubiläum ihres fünfjährigen Bestandes. Aus diesem Anlaß hat die Zeitung eine 48 Seiten starke Festnummer herausgegeben, die zahlreiche Beiträge aus allen Lagern der jüdischen Arbeiterschaft umfaßt und ein lebendiges Bild von dem Wirken und der Aufbauarbeit der palästinensischen Arbeiter gibt. ״Dawar“ hat sicli in den fünf Jahren seines Be- Stehens eine einflußreiche und geachtete Stellung im ganzen Jischuw erworben. Schon die Gründung der Zeitung war eine mutige Tat, die seinerzeit skeptisch aufgenommen wurde, da inan an der Möglichkeit einer Tageszeitung der Arbeiterschaft zweifelte. Durch ihren großen Opfermut und ihre Hingabe an die Idee, durch ihre straffe Organisation und nicht zuletzt durch die publizistische Tüchtigkeit des Blattes hat die Arbeiterschaft alle diese Zweifel Lügen gestraft. ״Dawar“ kämpft seit fünf Jahren für die Ziele der jüdischen Arbeiterbewegung, er vertritt die Interessen des Zionismus gegenüber der nichtjüdischen und jüdischen Welt in würdiger Form, seine Beiträge und Berichte geben ein bewegtes Bild dessen, was in den Kreisen der jiraischen Arbeiter und Pioniere gedacht, getan und gelitten wird; die Zeitung gibt der Arbeiterschaft das Selbstbewußtsein und den Rückhalt, die sie auch in schweren Zeiten ausharren und den Idealen treu bleiben läßt. Seit einiger Zeit gibt der ״Dawar“ auch eine Wochenausgabe in englischer Sprache heraus, die nicht nur fiir die englisch sprechende Diaspora, sondern auch zur Information der nichtjüdischen Welt Palästinas wichtig ist, und kürzlich hat er seine Publikationstätigkeit erweitert durch eine deutsche Wochenausgabe, von der bereits zehn Nummern vorliegen. Die deutsche Ausgäbe, leider auf den Umfang von vier Seiten wöchentlich beschränkt, ermöglicht auch deutschen Lesern, einen engeren Kontakt mit der Welt der palästinensischen Arbeiterschaft herzustellen. In dieser Wochenausgabe erscheinen gewöhnlich verschiedene Artikel der hebräischen Ausgabe sowie Berichte über kolonisatorische Arbeiten. Wir beglückwünschen den ״Dawar“ zu seinem fünfjährigen Jubiläum in der Ueberzeugung, daß er auch in Zukunft sich als Stütze der zionistischen Verwirklichung bewähren wird.