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Jüdische Rundschau · 1930-06-13 · Heft 46 (13.6.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 46 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr 46. 13 VI. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 313 Die großen Fortschritte des Palästina-Autbaus Au* einem Interview mit Kurt Blumenfeld Der Vorsitzende der Z. V. f. D., Kurt B lu m e 11 f e 1 d, der auf einer längeren Studienreise durch Palästina bcgriffen ist, gewährte unserem palästinensischen Korrespondenten ein Interview. Es ist das einzige Mal, daß Biumenfeld in der Zeit seines Aufenthalts im Lande über seine Eindrücke sich geäußert hat, wie er sich überhaupt diesesmal soweit wie möglich von allen öffentlichen Empfangen und Begrüßungen zurückhielt. Blumenfeld lehnte es ab, eine Darstellung seiner Auffassung der Situation im Lande zu geben, mit der Begründung, sich erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland ausführlicher äußern zu wollen. Blumenfeld hat die Zeit, die ihm zur Verfügung stand, zu einem genauen Studium der Verhältnisse benutzt. Er besuchte die alten und neuen Siedlungen, widmete der Orangenzone mit ihren großen Neuerungen besondere Aufmerksamkeit und benutzte seine weiten Erfahrungen und reichen Verbindungen im Lande, 11m mit den verschiedensten Kreisen in Fühlung zu treten, einen genauen Einblick in die Zustände der verschiedenen Städte und Kolonien zu erhalten und auf diese Weise ein klares Bild der Lage im Lande zu gewinnen. Seine allgemeinen Eindrücke faßt Biumenfeld folgendermaßen zusammen: ״Seit dem letzten Palästinabesuch vor drei Jahren habe ich ungewöhnliche Fortschritte festgestellt. Ich war erstaunt über den großen wirtschaftlichen Aufschwung auf allen Gebieten und die feste und starke Stimmung des Jischuw. Die Wirtschaftliehe Lage und die Stimmung im Lande machten den Besuch zu einem meiner stärksten zionistischen Erlebnisse. Trotz aller politischen Komplikationen findet man nirgends irgendwelche Zeichen von Verzweiflung und Hysterie. Ich muß von neuem feststellen, daß, obwohl ich mir alle Mühe gegeben habe, die Entwicklung im Lande vom Galuth aus zu beobachten, von außen her ein richtiges Bild nur schwer herzustellen ist. Bei jeder Beobachtung vom Auslande her fehlen wichtige Unterlagen, die nur durch persönliche Fühlungnahme erfaßt werden können. Bei persönlicher Betrachtung und ausführlichem Studium, das mir zum ersten Male auf dieser Reise ermöglicht wurde, zeigt Sich das palästinensische Leben reicher, eigenartiger, natürlicher als in noch so getreuen und ausführliehen schriftlichen Schilderungen. Vor allem zeigt sich das palästinensische Leben bei umnittelbarer Beobachtung ohne die Verzerrungen, die nur zu oft durch die fast jeder Darstellung anhaftende Tendenz erzeugt werden.“ Frau Jenny Blumenfeld, die ihren Gatten auf der Reise begleitete, hat die Gelegenheit benutzt, um sich näher mit den verschiedenen Zweigen der Frauenarbeit im Lande zu befassen. Die engere Fühlungnahme mit der praktischen Arbeit im Lande wird Frau Blumenfeld in ihrer zionistischen Arbeit unter den deutschen Frauen wichtige Dienste leisten. Arbeiterfragen in Palästina Der Direktor des Internationalen Arbeit sa m t e s beim Völkerbund erstattete der in Genf stattfindenden 14. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz einen Bericht über Palästina, der nach einem Hinweis auf die Ereignisse des letzten Jahres u. a. ausfiihrt: ״Der letztjährige Bericht enthielt bereits einen Hinweis aut die Möglichkeit der Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten. Die allgemeine Föderation jüdischer Arbeit hatte 1928 vorgeschlagen, daß der Prozentsatz der bei öffentlichen Arbeiten beschäftigten jüdischen Arbeiter festgesetzt werde unter Berücksichtigung der Zahl der jüdischen Lohnempfänger und des Beitrags der jüdischen Bevölkerung zu den Landessteiiern. Eine allgemeine Lösung des Problems ist noch nicht gefunden worden. Der Chefsekretär der Administration hat im Juni erklärt, daß arabische und jüdische Arbeiter zu gleicher Zahl bei Errichtung des Schienenweges zum Haifahafen beschäftigt sein würden; der Außenminister Großbritanniens hat dem Generalsekretär des Völkerbundes im Juni mitgeteilt, daß die britische Regierung sich mit der Frage befasse. Die Frage einer sozialen Gesetzgebung in Palästina beschäftigt weiterhin die öffentliche Meinung unter der Arbeiterschaft. Die Organisation jüdischer Arbeiter hat der Regierung fertige Projekte zur Prüfung unterbreitet. Der Vertreter der Arbeitsorganisation bei der Mandatskommission hat dem Oberkommissar im Verlauf der Julisitzung vorgeschlagen, die Möglichkeit ins Auge zu fassen, daß die Regierung unter Benutzung der Hilfe der Arbeiterorganisationen den palästinensischen Arbeitern einige der sozialen Wohlfahrtseinrichtungen sichert, die die Arbeiter anderer Länder durch die Gesetzgebung genießen.“ Die Tote Meer-Konzession Die Jerusalemer ״Official Gazette“ vom 1. Juni veroff entlieht den Text der offiziellen Verleih 11 ngsurku 11 de der Konzession für die Gewinnung von Salz lind Mineralien aus dem Toten Meere. Die Konzessionsurkunde ist vom 1. Januar 1930 datiert und lautet aut' den Namen der ״Palestinc Potash Ltd.“ Das Nominalkapital der Gesell- Schaft beträgt 400 000 Pfund, sie hat vom dritten Jahr vom Beginn der Konzessionsdauer an fortlaufend erhöhte Minimalmengen von Mineralien zu fördern. Das Förderungsminimum beträgt im dritten Jahre 1000 t und steigt bis zum zehnten Jahre auf 10000 t pro Jahr; von da an müssen jedes Jahr mindestens 50 000 t gefördert werden, unter der Voraussetzung, daß bis zum zehnten Jahre seit Beginn der Konzession die betonierte Straße zwischen Jerusalem und dem Toten Meere vollständig ausgebaut sein wird. Die Konzession enthält ferner Bestimmungen über die Regierungsabgaben, die Beteiligung der Regierung an dem Reingewinn und Uebernahmc von Aktien des Unternehmens durch die Regierung usw. Eine besondere Be- Stimmung betreffend der Arbeitskräfte besagt, daß die von der Gesellschaft beschäftigten Arbeiter aus Palästina und Transjordanien sein müssen. Die Gesellschaft hat kein Recht, Arbeiter anderer Herkunft ohne die vorherige Erlaubnis der Regierung zu beschäftigen. Der Kongreß der Völkerbundligen Eine Palästina-Resolution Dem 14. Jahreskongreß des Weltverbandes der Völkerbundligen, der am 5. Juni in Genf eröffnet wurde, wohnen als Palästina-Delegiertc bei: Dizengoff, Motzkin, Dr. Harari und Dr. N. Feinberg. Der Kongreß wird sich mit Minderheitsfrage״, auch jüdischen, sowie mit der Lage in Palästina befassen. ü c n 1, 5. Juni. (J. T. A.J Die b r i t i s c 11 e L i g a für den Völkerbund hat den! in Geilt zusammentretenden Kongreß der Völkerbundligen die folgende Resolution betreffend Palästina zur Annahme unterbreitet: In der Erwägung, daß cs in den Intentionen des Völkerbundes und des Mandates gelegen ist, daß die Wohlfahrt und die Entwicklung der einheimischen Gemeinschaften Palästinas als ein heiliges Pfand der Zivilisation erhalten bleiben und daß dem Mandatar die Pflicht auferlegt ist, die Ent- Wicklung sich selbst verwaltender Institutionen zu sichern; daß ferner das Mandat die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina anerkennt und dein britischen Mandatar die Verantwortung für die Errichtung eines Na t i o 11 a i h ei m s für das jüdische Volk in Palästina auferlegt, wobei klar zu verstehen ist, daß nichts unternommen werden sollte, was die zivilen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte; in fernerer Erwägung, daß in der ganzen Welt ein tiefes Interesse für ein Land empfunden wird, das allen Anhängern des Judentums, des Christentums und des Islam heilig ist, bedauert d er Plenarkongreß der Völkerbund ligen tief die in den Beziehungen zwischen dem arabischen und dem jüdischen Volke in Palästina entstandene Krisis, erinnert an das Versprechen des Mandatars, daß die Administration Pafästinas unter der gleichzeitigen Bürgschaft der Nichfbeeinträchtigung der Rechte und der Position anderer Gemeinschaften eine jüdische Einwanderung unter geeigneten Bedingungen erleichtern und eine dichte Ansiedlung durch Juden auf dem Lande, einschließlich Staatsböden und für öffentliche Zwecke nicht benötigter Brachländer, fördern wird, und begrüßt deshalb die Entsendung eines Experten nach Palästina, der über die Möglichkeiten der Landansiedlung, Einwanderung und Entwicklung berichten soll. Der Kongreß glaubt, daß die Wohlfahrt der arabischen Nation mit der Errichtung des Jüdischen Nationalheims vereinbar ist, wenn die beiden Rassen mit einer fairen Teilnähme an den aus der Entwicklung der Hilfsquellen des Landes sich ergebenden Segnungen und einer großmütigen Achtung der Aspirationen des anderen Teils einverstanden sind. Der Kongreß fordert die Führer der Araber und Juden auf, ihre Völker nach der Richtung zu beeinflussen, daß sie jene Geduld und Gerechtigkeit üben, ohne welche die Hoffnungen beider Völker fehlschlagen müssen. — Der Kongreß begrüßt die Ernennung eines unparteiischen Komitees durch den Völkerbund, das über das Problem der Klagemauer berichten wird. In der Kommissionsberatung unterstützte Graf Bernstör f f im Namen der deutschen Liga die englische Resolution, für deren Annahme sich Mmc Dugdale, die Nichte von Lord Balfour, warm einsetzte. Die im Einvernehmen mit der Palästina- Liga modifizierte Resolution betont die Möglichkeit der vollen Durchführung des Palästinamandats. Prof. Gianini (Italien) betont die Judenfreundlichkeit Italiens und meint, man werde ihn nicht verdächtigen, dem Jüdischen Nationalheim schlecht gesinnt zu sein, wenn er vorschlägt, aus der Resolution alle jene Stellen zu eliminieren, die auf die Vergangenheit Bezug haben. — Der schweizerische Vertreter William Martin, Redakteur des ״Journal de Genibve“, erklärt, die Resolution sei zu allgemein,׳ um zu befriedigen. Es müsse unterstrichen werden, daß den Juden erlaubt sei, in das Land einzuwandern und Boden zu erwerben. Es sei auch nicht nötig, zweimal in der Resolution die Rechte der Nichtjuden zu betonen, weil dies als gegen die Juden gerichtet aufgefaßt werden könnte. — Lypacewicz (Polen) erklärt, die drei Millionen Juden in Polen seien loyal und patriotisch, Polen sei daran interessiert, daß die Juden in Palästina in Ruhe und Sicherheit ihre Heimstätte aufbauen können. Im Sinne der britischen Resolution sprachen Lantzcnberg (Frankreich), Prof. Elorrieta (Spanien) und, zum zweiten Male, Graf Bernstorff. Dizengoff erklärte, die Palästinenser haben der modifizierten Resolution zugestimmt, weil sie eine positive Stellung zum Jüdischen Nationalheim einnimmt. L>ie Palästinenser werden der Plenarversammlung während der Abstimmung eine Deklaration unterbreiten. Schließlich wurde dem britischen Vorschlag zu gestimmt. Die Plenarversammlung des Kongresses befaßte sich in ihrer Sitzung am 9. Juni mit der Frage Palästinas und nahm einstimmig, bei Stimmenthaltung des Italieners Gianini, die von der politischen Kommission gebilligte Resolution der britischen Delegation an. Der Palästina-Delegierte Harari verlas dann eine Deklaration der palästinensischen Liga, die u. a. besagt: Der britische Antrag, für den zu stimmen wir beschlossen haben, bringt die Ansichten und die Wünsche unserer Liga betreffend das palästinensische Problem nicht vollständig zum Ausdruck. Die durch die Mandatarmacht geschaffenen Tat- Sachen stellen nicht nur der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims ein unmittelbares Hindernis entgegen, sondern sie stellen eine Gefahr dar, daß die eigentlichen Grundlagen des Palästinamandates unterminiert werden. Jede Beschränkung der jüdischen Einwanderung und des jüdischen Bodenkaufs muß den Ruin der Politik des Jüdischen Nationalheims mit sich bringen. Es kann kein Nationalheiin geben ohne Menschen und ohne Boden. Darum sind Millionen Juden in der ganzen Welt von Schmerz und Entrüstung über die jüngst erfolgten und die in Aussicht stehenden Beschränkungen, die wirtschaftlich nicht gerechtfertigt werden und nur politische Motive haben können, ergriffen worden. Der moralischen Unterstützung seitens der internationalen Union der Völkerbundgesellschaften sicher und durchdruugen von dem glühenden Wunsch nach Frieden, dokumentieren wir von dem glühenden Wunsch nach Frieden, dokumentieren wir unseren aufrichtigen Wunsch nach Versöhnung und geben die Versicherung, daß das jüdische Volk niemals den Wunsch gehabt hat, ein Unterdrückervolk zu werden. Wir wollen in Frieden unsere zivilisatorische und schöpferische Arbeit fortführen und ein Ideal verwirklichen, zum Wohle des ganzen Palästina. In diesem Sinne würdigen wir den Geist, den guten Willen, und die Sympathie, die dem von der britischen Delegation unterbreiteten Verbesserungsantrag zugrundeliegen und stimmen für diesen Antrag. William Martin erklärte, die schweizerische Delegation stimme für die Resolution, obwohl sie eine energischere und klarere Stellung begrüßt hätte. John Epstein verlas ein Telegramm des syrisch-palästinensischen Komitees in Genf, in welchem erklärt wird, die Resolution trage den Stempel der jüdischen Propaganda. Epstein bezeichnetc das Telegramm als eine durchaus parteiliche Deklaration. Der Oberkommissar für Palästina, Sir John Chancellor, tritt Ende Juni seinen Urlaub an. Für die Vertretung Chancellors kommt in erster Reihe der (neu geadelte) Schatzmeister der Palästina-Regierung, Sir Stewart Davis, in Betracht Die Histadruth an MacDonald Am 25. Mai sandte die Jüdische Arbeiterorganisation und Arbeiterpartei Palästinas ein Telegramm an den englischen IV mierministcr, worin es u. a. heißt: ״Die jüdischen Arbeiter in Palästina wenden sich an Sie persönlich in einer Stunde, da die Beziehungen ihrer Bewegung zur Mandatsregierung auf eine schwere Probe gestellt werden. Die ganze jüdische Bevölkerung des Landes ist bestürzt durch den Beschluß, die ArbeitcreinWanderung zu unterbrechen und durch die darauf folgende offizielle Mitteilung. •. Sie, der Sie unsere Arbeit im Emek Jesreei gesehen haben, sind jetzt verantwortlich für eine Erklärung, die offiziell die Verleumdung des jüdischen Arbeiters durch seine Feinde bestätigt, daß unsere Einwanderung und unser Aulbauwerk eine Gefahr für das Land und seine Bewohner bedeuten. Mögen Kenner der Geschichte der Kolonisation kommen und ein zweites Beispiel für eine Besiedlung ausfindig machen, die sich in solchem Maße freihält von Ausnützung der Landesbevölkcrung, die sich so sehr darum bemüht, den Einwohnern keinen Schaden zuzufügen, und die dabei, in der gleichen Zeit und dem gleichen Umfange, so hohe menschliche, soziale und wirtschaftliche Werte aufweist, wie unser Werk. Nicht nur schädigen wir die andern nicht, unsere Tätigkeit ist, auf Grund sowohl der ihr innewohnenden ökonomischen Logik, wie nach unserem bewußten Streben, darauf gerichtet, allen Einwohnern Segen zu bringen, das kulturelle Niveau zu erhöhen, die Interessen der arabischen arbeitenden Massen zu wahren. Wir können uns nicht damit abfinden, daß die britische Arbeiterregierung gegenüber dem Werke der Befreiung des jüdischen Volkes eine Taktik befolgt, die an die Beschränkungen der jiidischen Rechte durch reaktionäre Regierungen in den Ländern der Judenverfolgungen erinnert, indem sie sich rühmt, das Land vor der ״jüdischen Gefahr“ zu retten. Die Unterbrechung oder Beschränkung der Einwanderung aus nichtwirtschaftlichen Gründen, begleitet von einer offiziellen Erklärung, daß jrffe Einwanderung und Siedlung der Juden das Land gefährden, bedeutet: erstens eine Verletzung des jüdischen Grundrechts, nach Palästina zurückzukehren und sich hier anzusiedeln, und Untergrabung der Existenzbasis eines jeden von uns hier, die ihm Kraft seiner Rechte zusteht; zweitens eine Prämie auf Gewalttätigkeit gegen Juden, im Gegensatz zu Ihrer eigenen Erklärung in Genf; drittens eine Verstärkung der Herrschaft der Unruhestifter des August über die Volksmassen; viertens eine Hemmung in der Normalisierung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern; fünftens eine Hinausschiebung des Zeitpunktes, in dem die jüdische Bevölkerung eine Position der Sicherheit erreicht; sechstens eine Präjudizierung der Untersuchungen Simpsons. Am 3. April hörte die ganze Welt eine Deklaration, in der Sie Ihre Treue zu den Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volke und gegenüber den nichtjüdischen Bewohnern Palästinas bekannten. Die Schritte, die das Kolonialamt seitdem tat, bedeuten eine Leugnung der Rechte des jüdischen Volkes auf seine Heimat und eine Hemmung des sozialen Fortschrittes im Lande durch Unterwerfung unter die Vertreter der Reaktion, des Grundbesitzertums una der Korruption, die das in Armut und Unwissenheit versunkene Land beherrschen. Zum offiziellen Informator des akkreditierten Vertreters Britanniens vor der Mandatskommission in Genf ernannte die Regierung den Beamten, den die ganze jüdische Bevölkerung für die Unruhen verantwortlich macht. Die ganze Entwicklung beweist, daß sich die Regierung nicht die Auffassung Snells zur Richtschnur nimmt, sondern die jener Männer, die die Leiden unseres Volkes und die internationalen Verpflichtungen Britanniens ignorierten, dem jüdischen Arbeiter und seiner Organisation unverhüllte Feindschaft zeigten, der Organisation, die die einzige wirkliche Bürgschaft für arabischjüdische Solidarität kt. Wenn das Mandat kein Instrument für koloniale Eroberung ist, sondern ein Pfand zugunsten des am meisten verfolgten Volkes der Erde, das die Menschheit Britannien anvertraut hat, und das von der Labour Party anerkannt wurde, so missen wir fragen: hat das Mandat noch irgendwelche Existenzberechtigung, wenn man es so verkehrt auslegt, daß es mit der Einschränkung der jüdischen Einwanderung und Siedlung verträglich ist? Werden energische Schritte etan werden, um uns una der Welt zu beweisen, daß das Manat kein Instrument ist, um die Sympathie der jüdischen Welt während der einen Bedrängnis zu erwerben, es aber in einer anderen Bedrängnis preiszugeben? Wir, die wir gelernt haben, die sittliche Kraft Ihrer Persönlichkeit hoch zu schätzen, appellieren an ihr Gewissen und Ihr Pflichtgefühl gegenüber Ihrem und unserem Volke und erwarten, daß Sie die Verpfllchtungen des Mandates unentwegt erfüllen, oder, wenn die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volke als zwecklos angesehen wird, sich von ihnen lossagen.“ Die Auszeichnungen zur Königs •Geburtstagsfeier Aus Anlaß des Geburtstages des Königs Georg wurden auch mehrere Personen ausgezeichnet, die sich um die Unterdrückung der Unruhen in Palästina verdient gemacht haben. Harry Snel 1, das Mitglied der Labour Party in der Shaw- Kommission, wurde durch Ernennung zum Commander ot the British Empire für ״politische öffentliche Verdienste“ ausgezeichnet, während kein anderes der Kommissionsmitglieder irgendeine Auszeichnung erhielt. — Der einzige hohe Palästina-Bcamtc, der in den Ritterstand erhoben wurde, ist der Schatzmeister der Palästina-Regierung, Stewart Davis, der voraussichtlich den High Commissioner bei seiner Abwesen־ heit von Palästina vertreten wird. Oberrabbiner Kuk hat dem High Commissioner Sir John Chancellor geschrieben, daß es ihm unmöglich sei, der K ö n i g s g e b 11 r t s t a g s ־ f e i e r im Regicrungshau s c zu J c r u s <1 len! beizu wohn cn, da der Kummer über die Entwicklung in Palästina ihn physisch sehr geschwächt habe. Austausch von deportierten Zionisten in Rußland gegen verhaftete Kommunisten in Palästina? Moskau, 4. Juni. (J. T. A.) Das Sowjet-Rote- Kreuz hat die Initiative ergriffen, um deportierte Zionisten in Sowjetrußlaud gegen in Palästina verhaftete Kommu■ nisten au szutauschcn. Nach Einholcn des Einverständnisscs der Sowjetregierung wurde seitens des Roten Kreuzes die Verbindung mit der Palästina-Regierung angeknüpft. Für jeden Kommunisten, den man aus palästinensischen Gcfängnissen befreit, wird ein deportierter Zionist die Erlaubnis zur Auswanderung nach Palästina erhalten. Wie Frau Pcschkowa, die Frau von Maxim Gorki, die an der Spitze des Roten Kreuzes in Rußland steht, erklärt, werden auf Grund eines mit der Paiästina-Regierung zu treffenden Abkommens deportierte Zionisten innerhalb dreier l äge Auslandspässe erhalten; das Rote Kreuz wird ihnen die R e i s e s p e s e n bis zum Odessa er Hafen v o r s c h i c ß c 11. Die Hinrichtnngen Jerusalem , 10. Juni. (J.T.A.) Die ägyptische Zeitung ״Mokhattam“ meldet aus Flaifa, daß die wegen doppelter Morde verurteilten drei Araber, deren Begnadigung nicht ausgesprochen wurde, am 17. Juni hingerichtet werden würden.

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