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Jüdische Rundschau · 1930-06-06 · Heft 44-45 (6.6.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 44-45 (6.6.1930)
Date
1930-06-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44/45. 6 VI. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 303 Der entscheidende Faktor ״Times“ über die Bedeutung des Judentums für Palästina. ״Times“ schreibt im Leitartikel vom 29. Mai: ln Befo'gung der Wünsche der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes hat die Regierung den;ungewöhnlichen Schritt getan, die vom britischen Vertreter in der nächsten Sitzung der Mandatskommission vorzulegende Erklärung schon vorher zu veröffentlichen. Es soll gleich gesagt werden, daß die Bezeichnung des am Dienstag veröffentlichten Weißbuches als eine ״Darlegung der britischen Politik“ eine Mißbencnntmg ist. Ein Paragraph dieses Dokuments nach dem anderen enthält stillschweigend oder offen das Geständnis, daß die Regierung immer noch nicht jene ״klare Darlegung ihrer Politik“ betreffend die größeren Probleme des Heiligen Landes zu geben in der Lage ist, das die Shaw-Kommission in ihrem Bericht dringend empfahl. Kein fair gesinnter Leser des Berichtes oder des Weißbuches wird an dem Wunsch, die höheren Probleme Palästinas an Hand ausführlicherer Daten, als gegenwärtig verfügbar, zu studieren, etwas auszusetzen haben. Aber dieser Leser wird das Gefühl haben, daß die Regierung die öffentliche Betonung dieser Schwierigkeiten und dieses Dilemmas zu weit treibt und daß die extremeren Elemente unter den Zionisten und den Arabern auf diese Weise in Versuchung kommen, der Mandatarmacht neue Schwierigkeiten zu bereiten, um eine die eine oder die andere Partei nicht zufriedenstellende Lösung verzögern oder verhindern zu helfen. Der Leser mag ferner bezweifeln, ob die offenbare Absicht der Regierung, die Darlegung ihrer Politik allein auf der Basis der Vorschlage der Shaw-Kommission und des von Sir John Hope Simpson vorzulegenden Berichtes auszuarbeiten, überhaupt klug ist. Sir Walter Shaw und seine Kollegen haben es in ihrem sonst so umfassenden Bericht unterlassen, des Hauptfaktors des bescheidenen Wohlstandes, dess e n sich Palästina gegenwärtig erfreut, Erwähnung zu tun. Die Natur der Mission Sir John Simpsons läßt nicht erwarten, daß er sich außer durch gclegentliche Erwähnung mit diesem Faktor befassen wird. Dieser Faktor ist das Interesse der Juden in der ganzen Welt an dem zionistischen Experiment, ein Interesse, das seinen Ausdruck findet in großen Geldausgaben für Unterrieht, landwirtschaftliche und industrielle Unternehmungen und Experimente, Urbarmachung von Boden, Bauten und Gehälter. Hierzu kommen die Beiträge für jüdische Wohlfahrtsa n s t a 11 e!1, die seit dem Kriege in wachsendem Umfang nach Palästina strömen. Noch ist keine Schätzung der jährlich in Palästina verausgabten jüdischen Gelder veröffentlicht worden. Aber man schätzt, daß diese Ausgaben seit 1920 jahrlieh oft die Ziffer von 2 Millionen Pfund überschritten haben. Die jüdische Einwanderung muß natürlicherweise gemäß der Aufnahmefähigkeit des Landes geregelt werden, aber cs besteht die Gefahr, daß das Ausland den Eindruck erhält, daß diese Regelung so streng gehandhabt werden wird, daß sie fast einem Verbot der Ein- Wanderung gieichkommen wird. Die Erregung und die Unruhe in Jerusalem, die durch die Zurücknahme der Zertifikate für 2300 jüdische Einwanderungsanwärter verursacht worden sind, dürfen durch die britischen Minister nicht unbeachtet gelassen werden. Sollte die Befürchtung Verbreitung finden, daß Palästina f a k - tisch den jüdischen Einwanderern verschlossen werden würde, so könnte dies unangenehme politische Folgen haben: noch unerfreulicher würden die finanziellen Konsequenzen sein. Würden die jüdischen Portemonnaies geschlossen bleiben, so würde Palästina fast mit Sicherheit in seinen natürlichen Zustand zurücksinken: eine der ärmsten Regionen im Nahen Osten sein. Der b r i - tische Steuerzahler würde einen Teil der Last tragen müssen, das Land mit einer bescheidenden Verwaltung zu versehen, und sogar die antizionistischen arabischen Führer würden sich mit Bedauern der Moral einer alten populären Fabel erinnern, wenn sic der unvermeidlichen Entwertung ihrer Besitztümer gegenüberstehen werden. Weitere Pressestimmen Anläßlich der Tagung der Mandatskommission schreibt im ״Journal de G e n e v c“ der bekannte Redakteur des Blattes William Martin (W. M.) einen Leitartikel unter der Ueberschrift ״Eine Ungerechtigkeit und eine U n k I u g h e i t“. Zunächst bedauert der Verfasser, daß die Mandatskommission sich mit der Paliistinafrage erst befassen kann, nachdem England bereits verschiedene faits accomplis geschaffen hat. Außerdem liegt auch jetzt noch nicht einmal das ganze Material vor, da alle Druckereien des Vereinigten Königreichs offenbar nicht imstande gewesen seien, das Protokollder Zeugenaussagen vor der Untersuchungskommission rechtzeitig fertigzustellen. Die Kommission, so fährt W. M. fort, hat die Aufgabe, wieder einmal die Prinzipien des Mandates zu definieren. Das Problem als solches ist gar nicht so schwierig, schwierig ist lediglich die Art und Weise, wie die britische Regierung und manche Mitglieder der Mandatskommission die Sache bisher aufgefaßt haben. Wenn man nämlich gleichzeitig alle Welt zufriedenstellen will, dann steht man wirklich vor der Quadratur des Zirkels. In Wahrheit ist die Sache so. daß das Palästinamandat Großbritannien übertragen wurde, um dort ein Jüdisches Nationalheim zu schaffen. Das ist die ratio legis. Ohne J ü ־ disches National heim kein Mandat. Und wenn man das Jüdische Nationalheim auf seinen wesentlichen Inhalt reduziert, dann bedeutet es doch mindestens die Möglichkeit, für die Juden, sich in Palästina anzusiedeln und dort Boden zu kaufen. Wenn die Engländer offiziell den Juden diese Rechte absprechen, dann erklären sie selbst, daß sie nicht imstande sind, die Bestimmungen des Mandates zu erfüllen. Dann haben de das Land zu verlassen, denn ihre Stellung dort entbehrt dann jeder Rechtsgrundlage. Zu unserem Bedauern, fährt W. M. fort, ist es ntin gerade dies, was die britische Regierung eben getan hat, indem sie die 2300 Zertifikate zurückhielt. Es liegt eine falsche Auffassung des Mandates zugrunde. Als man das Mandat formulierte, war man so überzeugt, daß das Jüdische Nationalheim eine große lebendige Kraft sein wird, daß man sich verpflichtet fühlte, die arabische Bevölkerung von vornherein gegen eine etwaige jüdische Unterdrückung zu schützen. Nur aus diesem Cirunde enthält das Mandat gewisse Einschränkungen, analog dem Minoriiätcnschutz in den osteuropäischen Staaten. Und nun hat man durch eine sonderbare Umkehrung diese Bestimmungen, die nur zeigen, welche Ausdehnung man dem Jüdischen National heim gehen wollte, i!1 ihr Gegenteil verkehrt. Man hat daraus eine Lehre des aufrecht zu erhaltenden Status quo gemacht; das bedeutet aber eine Negierung des Jüdischen Nationalheims. Denn man kann nicht Bewegung und Stillstand in Einklang bringen. Diese Interprefation scheint seit einiger Zeit die Auffassung der Mandatarmaeht zu sein. Sie muß so schnell als möglich und so gründlich als möglich umgestoßen werden, wenn nicht der Völkerbund den Makel eines beispiellosen Treubruches gegenüber den Juden auf sich nehmen will. Diese Interpretation ist es, die die Schwierigkeiten erst hervorgerufen hat. W. M. fordert, daß die Mandatskommission unzweideutig erklärt, daß sie allein das Mandat zu interpretieren hat und dies nicht vom Gutachten des Herrn Simpson abhängig machen kann. Was die englische Regierung tut, ist eine Ungerechtigkeit und eine Unklugheit. Wenn England die Feindschaft der Juden auf sich nehmen will, ist das seine Sache. Aber daß man im Orient nicht Prämien auf Revolutionen setzen darf, ist ein allgemeines Interesse. England legt den Brand an sein eigenes Haus. * ״M an ehester Guardia n“ schreibt über das englische Weißbuch: ״Die Erklärung, welche die Regierung_für die Mandatskommission des Völkerbundes vorbereitet hat, bringt die Sache nicht viel weiter, obwohl nach dem Zusammentritt der Kommission der britische Vertreter wohl verschiedene Punkte wird aufhellen können. Im allgemeinen gesprochen akzeptiert die Erklärung die Schlußfolgerungen der Kommission über die Ursachen der Ausschreitungen, dadurch anerkennend einerseits die offenkundige Tatsache, daß ״der Ausbruch in Jerusalem von Anfang an ein Angriff von Arabern auf Juden war, für den keine Entschuldigung festgestelit werden konnte“, und andererseits die zweifelhafiere Ansicht, ״daß der Ausbruch keine Revolte gegen die britische Behörde in Palästina war, noch als solche beabsichtigt war“. Aber das Interesse wird jetzt mit Recht sich mehr den Vorschlägen für die Zukunft zuwenden als der Verantwortlichkeit für die Vergangenheit. Die Ver- Sicherung der Regierung, daß Vorkehrungen für die Sicherheit der isoliert liegenden jüdischen Siedlungen getroffen werden, ist zeitgemäß, und zweifellos wird Mr. Dowbiggan hinreichende Sicherungen gegen eine Wiederholung der furchtbaren Massakers des letzten August vorschlagen. Ganz richtig ist es, daß die Regierung sich in den Fragen des Bodenkaufs und der Immigration nicht fest legt, welche jetzt einer nnabhängigen Prüfung unterzogen werden und man kann hoffen, daß ihr Hinweis auf provisorische Maßnahmen zur Sicherung der Posittion gewisser landwirtschaftlicher Elemente und die Suspendicrung der jüdischen Immigration nicht als ein Präjudiz in diesen entscheidenden Fragen anzusehen ist. Die Einschränkung der Immigration hat bereits heftige Proteste auf dem Kontinent zur Folge gehabt, die sich wahrscheinlich noch steigern werden angesichts der Andeutung einer Verkürzung der Funktionen der Jewish Agcncv. Aber das Weißbuch ist klarerweise ein Interim- Dokument. Es wäre falsch, es als Voraussage der dauernden Politik der Regierung zu betrachten. * Das ״Berliner Tageblatt“ veröffentlicht im Leitartike! seiner letzten Sonntagsnummer eine Betrachtung des ehemaligen Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, Botschafter 1. D. Richard von Kühlmann, die die Ueberschrift trägt: ״Zwischenbilanz. Englands Sorgenpunkte: Aegypten, Sudan, Palästina, Indien.“ Ueber ״Palästina“ schreibt Herr v. Kühlmann: ״In Palästina hat die Balfour-Deklaration die Hilfsmittel des englischen Weltreiches hinter das zionistische Kolonisations- Utiternchmen 'gestellt. Das Arabertum fühlt sich mit Recht oder Unrecht hierdurch in seinen wichtigsten Lebensinteressen bedroht und scheint fanatisch entschlossen, wenn nötig, auch mit Grausamkeit und Gewalt seine Interessen zu verteidigen. Den Versicherungen sehr glaubwürdiger lind sachverständiger hoher englischer Beamter an Ort und Stelle zufolge sind es mir englische Truppen und englische Maschinengewehre, die den Ausbruch eines grauenvollen Bürgerkrieges verhindern. Unruhen und Massakers haben schon einen Vorgeschmack gegeben, welche Greuel da zu erwarten wären. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in einflußreichen englischen Kreisen diese Sachläge schwere Besorgnisse erweckt und man froh wäre, auf leidliche Art dieser Bürde zu entgehen, welche das englische Imperium mit der Gegnerschaft des gesamten Arabertums belastet, zu einer Zeit, wo Vermeidüng jeder unnötigen Belastung für England Grundregel sein müßte. Ein Aufgeben des Experimentes in Palästina würde sicher gefühlsmäßig schwer fallen. Es sollte aber nicht wundernehmen, wenn die weitblickenden und einflußreichen Schichten, die mit ihrem Geld und ihren Sympathien den Siedlungsversuch in Palästina gefördert haben, sich gleichfalls von dieser Sachlage Rechenschaft gebend nach anderen Weltgegenden ausschauten, nach denen jüdische Kolonisation mit größerer Sicherheit geleitet werden könnte. Das hier Gesagte findet seine volle Bestätigung in den Nachrichten von dem endgültigen Abbruch der in London zwischen dem Kolonialministerium und der Delegation der Araber Palästinas gepflogenen Verhandlungen. Die Schärfe des bei dieser Gelegenheit von den Arabern über die Verhandlungen und ihr Scheitern ausgegebenen Communiques hißt auch nicht den geringsten Zweifel, daß in dieser Frage jetzt in der ganzen arabischen und islamischen Welt eine leidenschaftliche Agitation cinsetzen wird, die den Interessen des britischen Weltreiches mir außerordentlich abträglich sein kann. Die vielfach sehr delikaten Beziehungen zum Arabertum im Irak, in Arabien, seihst in Aegypten und auch weiter in Afrika können darunter nur leiden.“ * In der Zeitschrift ״Die chemische Industrie“ (Organ der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie Deutschlands) wird in den Nummern 17 und 18 vom 26. April bzw. 2. Mai d. J. in einem längeren Aufsatz über ״Die türkischen Sukzessionsstaaten als Absatzgebiete für chemische Erzeugnisse“ die politische und wirtschaftliche Ent w icklung Palästinas und seine Bedeutung als Abnehmer und Exporteur von chamischen Erzeugnissen behandelt. Der sehr umfangreiche, auf ein großes Quellen material gestützte Aufsatz behandelt das Wachstum Palästinas im Zusammenhang mit dem Werden des Jüdischen Nationalheims. Es ist bemerkenswert, daß dieser durchaus tendenziöse Aufsatz in seinen Schlußfolgerungen der Arbeit der Juden und der Bedeutung dieser Arbeit für die Entwicklung des Mandatsgebietes Palästina vollste Anerkennung zollt. Und da dies nicht in schwungvollen Worten, sondern in Zahlen und Darstellungen aller Gebiete der palästinensischen, von Juden befruchteten Wirtschaft erfolgt, wirkt dieses Urteil besonders ermunternd für die jüdische Arbeit. Der Aufsatz stellt keine Prognosen hinsichtlich der kommenden Entwicklung, läßt aber als Meinung des Autors erkennen, daß die weitere günstige Entfaltung der palästinensischen Wirtschaft von einer zweckbewußteren Förderung der jüdischen Anstrcngungen durch die Mandatarmacht abhängig ist. 1111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111H11111111111111111H111H1111111111111111111111U111111111H111111111H111111111111111111111111H1 Ans Anten der Pflugs!'ielertage erschein! die nächste Nummer derlütf.Ronüsthau“ am I3.jnni iiiiimiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiMMiniiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiimiiiniimiiiimiiiimiiiiiiiiiimiiiiiimiiiitimiiiiiiiiimiiiiii! Die Protestbewegung Aus allen Teilen der Welt kommen nach wie vor R e r i c 111 e über di e P r o t e s t h e w c g u n g g c g e n die E i 11 s t e I - 111 11 g der I m m i g r a t i o 11. Allenthalben fanden große jiidisehe Protestmeetings statt, bei denen die führenden jüdischen Persönlichkeiten zu Wort kamen. Es wurden Protestresolutionen gefaßt, die den englischen Vertretern überreicht wurden. Berichte über derartige Veranstaltungen sind uns zuletzt aus Rumänien, Dänemark und Saloniki zugekommen. Am 31. Mai berichtet die ״T i m c s“ aus J e r 11 s a I e m über die Erregung, die das letzte Weißbuch der britischen Regierung in jüdischen Kreisen hervorgerufen hat. Die Juden hatten nicht erwartet, daß die Regierung die Ergebnisse der Shaw-Kommission einfach akzeptieren wird. Sic hatten gehofft, daß die englische Regierung eine tiefere Erfassung der Probl eine zeigen wird, während sie in Wirklichkeit nach jüdischer Auffassung die jüdischen Hoffnungen zerschlagen und die jiidisehe Tätigkeit diskreditiert hat, nachdem sie von dem jüdischen Opfermut heim Aufbau des wüsten Palästina profitiert hat. Zum ersten Mai seit den letzten zehn Jahren — fährt der Bericht der ״Times“ fort -- richtet sieh eine überaus heftige Kritik aller Kreise des palästinensischen Jadentnms sowohl gegen das Verständnis als a 11 c h g egen die A 11 fr i c h t i g k e i t G r o ß b r i t a n ־ n i e n s. Man wirft England Schwäche vor, weil es vor den arabischen Exmlcnten kapituliert hat und dabei vergißt, welche schlechten Wirkungen die Beleidigung der jüdischen Freund- Schaft in der ganzen Welt haben mui’>. Die Arbeit Sir John Simpsons Sir John Hope Simpson besuchte in Begleitung des Vize- Bürgermeisters von Tel-Awiw Rokach und des Direktors der Anglo-Palcstinc Bank i f ס o f i e n verschiedene I n d 11 - s t r i c u n t e r n c h in u n g e n i 11 T e I - A w i w , so 11. a. die Silikat- und Zementwerke, die Lcdcrtaschenfabrik im Arbeiterviertel, die Druckerei des ״Hapocl-Hazair", die Strickfabrik Lodziah, die Rutcnbergschc Kraftstation und eine neu gegründete Möbelfabrik. Daraufhin frühstückte Sir John Simpson in der Arbcitcr-Koopcrativ-Miichwirtsehaft ״Tenuba“. Erzeigte großes Interesse an dem Kreditwert für Arbeiter-!fäuserba« lind äußerte Bewunderung für das große Verlagswesen in Palästina. Außer in Griechenland, sagte er, habe er nirgends ein solches Interesse für Bücher beobachtet, wie unter den palästinensischen Juden. Er erbat sich ausführliche Einzelbeiten über alle Industrien in Palästina. Im Büro des Disfriktskommissars in Jaffa traf Sir John Hope Simpson mit arabischen Notabein zusammen, die ihm ihre Forderungen auf den Gebieten der Landwirtsrhaft und der Politik unterbreiteten. Sir John erklärte, die Frage eines Parlamentes in Palästina, wie überhaupt politische Angelegenheiten, gehöre nicht in sein Arbeitsgebiet. Issa Eiis.ei, Redakteur des ״Fclestin“, hat Sir John Simpson während seiner Unterredung mit den arabischen Notabein initgetcilt. daß es gegenwärtig in Jaffa 5000 und in Jerusalem 1600 arabische Arbeitslose gibt, daß in Palästina 1 Millionen Dunau! Boden bebaut werden, von denen die Juden 900 000 Dunam kultivieren, so daß für jede arabische Bauernfami'ie durchschnittlich 109 Dunam verbleiben, was etwa die Hälfte des für eine solche Familie notwendigen Bodens ansmacht. 20 (V<> der Fellachen seien landlos. Die arabischen Notabein vertraten gegenüber Simpson die Forderung nach sofortigem Verbot des Bodenverkaufs an Nichtaraber und die Einführung einer intensiven Bodenbearbeitung, die arabische Familien in die Lage versetzen würde, mit 20 bis 25 Dunam gut bewässerten Bodens auszukommen. Dies könnte mit Hilfe einer zu schaffenden Landwirtschaftsbank geschehen, die Darlehen auf zehnjährige Frist geben sollte. Die Arabische Exekutive hat Selim Farah damit betraut, Sir John Simpson zu begleiten und ihm Informationen über die arabische Landwirtschaft zu geben. Die Vertrauenskrise zur Mantadarmacht In der ״Selbst w e h r“ schreibt Dr. EmilMargulies, einer der Führer der Radikalen Zionisten, einen Artikel ״Wir in England“, der ausführt, nicht nur die Leitung, auch die Zionistischc Opposition habe stets an Englands Loyalität geglaubt. ״Unsere Politik des Vertrauens zu England hat: Schiffbruch gelitten. Wir müssen eine andere Politik suchen. Das müssen wir vor der Welt in weithin sichtbarer Form zum Ausdruck bringen. ... Es ist die Forderung nach einem Kongre ß laut geworden. Ich halte diese Forderung für die absolut richtige Antwort. Aber nicht als ein Mit t e 1 i 11 n e r z i o - n 1 s t i s c h er Auseinandersetzung, sondern als eine Antwort der geeinigten Zionistischen Organ isation und des ganzen jüdischen Volkes. Lind um diesen einheitliehen starken Willen möglichst deutlich zu dokumentieren, ist cs notwendig, daß die Exekutive sofort telegraphisch, ohne sich auf weitere Verhandlungen m i t d c 111 Kolo* n i a 1 a mteinz 11 lassen, das große Aktions-Cornite zu einer außerordentlichen Sitzung einberufe. In dieser Sitzung des großen Aktions-Comites, die prinzipiell und praktisch am besten nach einem kontinentaleuropäisehen Lande, wo auch ein Mittelpunkt der Weltpresse ist, also zum Beispiel nach Paris, einzuberufen wäre, hätte die Exekutive Bericht zu erstatten, und zugleich mit der Begründung, daß sie die Politik des Vertrauens, zu England, für welche sie ihre Mandate vom Kongreß erhalten hat, als gescheitert und undurchführbar ansieht, ihre Mandate niederzulegen, und die Einberufung eines außerordentlichen Kongresses zu beantragen. Das große Aktions-Cornite hatte diese Demission zur Kenntnis zu nehmen, sich mit diesem Entschlüsse solidarisch zu erklären, also ebenfalls die Mandate niederzulegen, und der Exekutive, welche die laufenden Geschäfte bis zum Kongreß fortzuführen hätte, den Auftrag zu erteilen, sofort einen außerordentlichen Kongreß einzuberufen, welcher sich nur mit dieser• einen Frage zu befassen hätte. Die Einberufung eines •o rden tliehen Kongresses mit Neuwahlen kann nicht in Frage kommen, weil ein solcher Kongreß erst nach Monaten zusammentreten könnte, und der dann unvermeidliche Wahlkampf die notwendige Stärke unserer Front nicht stärken, sondern schwächen würde. Der Kongreß selbst wäre nach einem Orte Kontinental-Europas einzuberufen. Einer der Beschlüsse, welche dieser Kongreß fassen müßte, wäre die Verlegung der Zentralstellen unserer Organisation in ein Land außerhalb der Gesetze, der Verwaltung und des Milieus der Mandatarmacht, damit die Willensbildung unserer entscheidenden Organe unbeeinflußt und ohne Druck von außen vor sich gehe; nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika oder nach Paris. Wir stehen in einer Vertrauenskrise gegenüber der Mandatar macht. Was uns nicht verloren gehen darf, ist das Vertrauen zu unserer Idee, zu unserem Werk, das Vertrauen zu uns und zum jüdischen Volk.“ Auf eine Anfrage Cocks erklärte Dr. Shiels im Unterhaus, es müßte vor Veröffentlichung der MacMahon-H ussein-Korrcspondenz eine fremde Regierung befragt werden; bis eine solche Antwort vorliegt, könne er eine Erklärung zu dieser f rage nicht abgeben.

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