Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 44-45 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 302 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44/45, 6. VI1930 Antwort der Jewish Agency auf den Shaw-Bericht Die Exekutive der Jewish Agency für Palästina überreichte der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes zu ihrer Tagung am 3. ds, Mts. ein Memorandum über den Report der Untersuchungs-Kommission, das sich in eingehender Weise mit allen dort berührten Fragen beschäftigt. Das Memorandum umfaßt mehr als 110 Seiten und gliedert sich in folgende Abschnitte: I. Einleitung. II. Kapitel 2 des Reports (Historische und geographische Bemerkungen über Palästina). III. Art und Ursachen der Unruhen; (1) Natur der Unruhen; 12) Ursachen der Unruhen; 13) Verantwortlichkeit für die Unruhen; (4) Die Frage der Vorbereitung der Unruhen. IV. Verwaltung; (1) Militärische Maßnahmen; (2) Verbot der Bewaffnung von Juden und Entwaffnung von jüdischen Spezialpolizisten; (3) Zurückziehung der versiegelten Waffendepots in den jüdischen Kolonien; (4) verspätete Eröffnung des Feuers; (5) Die Bulletins der Palästina-Verwaltung. V. Politische Fragen;!1) Einwanderung; 2) Landfrage. ln der Einleitung wird zunächst festgestellt, daß die Untersuchungskommission sich entgegen ihren Instruktionen auch mit den Fragen der großen Politik beschäftigt hat, insbesondere in den Kapiteln VII (Immigration), VIII (Landfragen), IX (Beschwerden der Araber über konstitutionelle Fragen) und XI (Schwierigkeiten, die sich aus dem Mandat ergeben). Dies, obwohl Henderson am 6. September 1929 im Völkerbund erklärt hat, daß die Vollmachten der Kommission nur auf die unmittelbaren Ursachen und Hilfsmittel beschränkt sind und Fragen höherer Politik ausschließen, und der Primeminister am 23. Dezember 19» erklärt hat, daß die Fragen der künftigen Ausführung des Mandats ganz sicher außerhalb der Kompctenzen der Shaw-Kommission liegen, und im Bericht nicht zu behandeln sind. Selbst der Vorsitzende der Kommission hat bei Eröffnung der Verhandlungen in Palästina die gleiche Erklärung abgegeben. Trotz der unzweideutigen Ueberschreitungen der Vollmachten muß der Bericht genommen werden w i e e r i s t Die Einwendungen gegen die Kompetenz-Ueberschreitungen werden deswegen gemacht, weil der Kommission die nötigen Kenntnisse für eine Beschäftigung mit Fragen der großen Politik fehlen. In Kapitel III und IV des Memorandums wird sodann ausführlich die Analyse der Vorgänge, die der Bericht gibt, kritisiert. Der Gedankengang dieses Teiles entspricht im großen Ganzen den Darlegungen von Leonard Stein in Nr. 40 der ״Jüd. Rundschau“. Da Stein einer der Haupt-Verfasser des Memorandums ist, liegt es nahe, daß das Material dieses Memorandums auch dem erwähnten Artikel zugrunde liegt, so daß wir statt einer neuerlichen Inhaltsangabe auf den Artikel verweisen können. Wir beschränken uns also hier auf die Wiedergabe des Gedankengangs von Kapitel V: ״Politische Fragen“. Hier geht das Memorandum der für den Shaw-Bericht cliarakteristischen Vermischung von politischen und wirtschaftlichen Motiven nach. Dabei wird etwa folgendes ausgeführt: Soweit die arabische Opposition gegenüber Immigration itfrd Landerwerb Ausdruck politischer Gegnerschaft gegenüber dem Zionismus, aber nicht ihre Ursache ist, hat die Frage mit wirtschaftlichen Ueberlegungen nichts zu tun. Hier wäre nur abzuwägen, wieweit der grundsätzlichen Opposition der Araber gegenüber der Politik des Nationalheims vernünftigerweise Rechnung getragen werden darf, während die Kommission nahe die Grenze streift, an der diese Gegnerschaft als solche als ausreichender Grund erscheint, um Mandat und Balfour-Deklaration in Zweifel zu ziehen. Aber die Kommission spielt vor allem mit ökonomischen Argumenten, welche die Araber als durch Einwanderung und Bodenkauf der Juden in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht erscheinen lassen. Und hier setzt die Katastrophe der Beweisführung ein. Die Kommission rechtfertigt die Ausdehnung ihrer Forschungen auf das Wirtschaftsgebiet mit der Behauptung, daß die Araber bestimmte Ansichten hätten, daß diese Ansichten zum Ausbruch der letzten Unruhen beigetragen hätten, und daß sie in Zukunft zu neuen Ruhestörungen führen könnten. Es ergaben sich also folgende Fragen: a) Bestehen bei den Arabern wirklich die ihnen unterstellten Ansichten? b) Spielten diese Ansichten beim Ausbruch der Unruhen eine Rolle? e) Sind diese Ansichten begründet und vernünftig? Man wird vergeblich eine Stelle des Berichtes suchen, bei der diese Fragen klar auseinandergehalten wären. Vielmehr wird alles im Halbdunkel eines undeutlichen Durcheinander besprochen, und selbst die unvernünftigste Meinung erhält noch eine gewisse Bedeutung dadurch, daß die Araber sie möglicherweise hegen könnten. Es gibt einige Prima facie-Uebcrlegungen, die es höchst unwahrscheinlich machen, daß ökonomische Sorgen den Arabern das Schwert in die Hand gedrückt haben. Der Schauplatz der Hauptmmihen liegt von der jüdischen Siedlungs/onc entfernt. Der Schlachtruf der Araber war nicht; ,,Gebt uns unser Land zurück“, sondern ,,Hände weg von den Heiligen Stätten“! Die Araber konnten der Kommission nicht einen einzigen Zeugen vorführen, der aus eigener trüber Erfahrung das Los des landentsetzten Pächters geschildert hätte. In keinem Mordprozeß konnte ein einziger Araber zu seiner Entlastung anführen, daß ihn die Juden vom Lande vertrieben oder ihm Arbeit entzogen hätten. Und wenn es die Kommission wenig glaubhaft macht, daß wirtschaftliche Un/.ufriedeniieit die Araber im August vorigen Jahres zum Angriff getrieben hat, so sind ihre Prophezeiungen für die Zukunft nichts als leere Vermutungen. Aber diese Einwendungen wollen nicht mehr sein als Prima facic-Erwägungcn. Um mehr ins Einzelne zu gehen: In dem Abschnitt über ״Immigration“ entwirft die Kommission folgendes Bild: 1. 111 den Jahren 1926 bis 1928 bestand in Palästina eine ernste ökonomische Krise. 2. Die hauptsächliche, wenn nicht einzige, Ursache der Krise war eine übermäßige jüdische Einwanderung. 3. Infolge der Krise litten die Araber ernstlich unter Arbcitslosigkeit, wie auch der arabische Steuerzahler schwer an der Last der Beiträge zur Unterhaltung jüdischer Arbeitsloser zu tragen hatte. 4. Die Unruhen waren, zumindest teilweise, verursacht durch Erinnerungen der Araber an ihre bitteren Erfahrungen mit . jüdischer Immigration und durch die Furcht vor ihrer Wiederholung in der Zukunft. Alle diese Feststellungen sind falsch. Wie war es zunächst um die Krise der Jahre 1926—1928 bestellt? Sir George Symes erzählte der Permanenten Mandats-Kommission in Erläuterung des Berichtes für das Jahr 1927, die Krise tiabe einen sehr kleinen Umfang gehabt (“was on a verv small scale“). In der Tat wissen wir ja, daß damals eine schwere Krise in manchen Bezirken der jüdischen Wirtschaft herrschte. Aber es ist richtig, daß auch die palästinensische Wirtschaft gleichzeitig einen gewissen Rückschlag erlitten hatte. Nur erwähnt die Kommission nicht die Ursachen der Leiden, die vor allem den Fellachen, den die jüdische Immigration wahrlich nicht schädigte, auf dem Lande betrafen. Die Landwirtschaft litt in dieser Periode von Dürre und Rinderpest im Jahre 1926, vom Erdbeben im Jahre 1927, von Heuschrecken im Jahre 1928. Davon wird in dem Abschnitt über ״Immigration“ nichts erwähnt, eine Unterlassung, die um so unverzeihlicher ist, als an einer anderen Stelle, im einleitenden Kapitel, der ökonomische Rückschlag, der mit dem Jahre 1926 einsetzte, eben mit der Rinderpest vom Jahre 1926 und dem Erdbeben vom lab re 1927 in Verbindung gebracht wird. Hier dagegen läßt tfer Bericht den Eindruck aufkommeti, als ob nicht bloß die arabische Landbevölkerung den Rückschlag auf das Konto einer übermäßigen jüdischen Immigration setzte, sondern daß sie hierzu auch alten Grund hatte. ,Weiter: bestand in dieser Periode eine erhebliche Arbeitslosigkeit unter den Arabern? Im Jahre 1927 gab es'nach dem Bericht 1600 arbeitslose Araber und 2000 Ende September 1929. Da die jüdische Immigration in den Jahren 1927—19» minimal war, so ergibt sich, daß die Zahl der Arbeitslosen unter den Arabern gerade in einer Zeit geringer jüdischer Einwanderung wuchs. Aber die Zahlen als solche sind höchst fragwürdig und verdächtig. Man hat allen Anlaß, zu glauben, daß es sich in Wahrheit bei dem ganzen Gerede von arabischer Arbeitslosigkeit um nichts anderes als um eine normale Saisonerscheinung handelte. Schließlich hätte es sich verlohnt, daß sich die Kommission die Frage vorgclegt hätte, wie die Lage dieser angebliehen Arbeitslosen gewesen wäre, wenn überhaupt keine jüdisehe Einwanderung mit allen ihren wirtschaftsbelebenden Folgen stattgefunden hätte. — In jedem Fall fehlt es völlig an dem Nachweis einer ursächlichen Verbindung zwischen Arbeitslosigkeit und Unruhen, Wie steht es um die Belastung des arabischen Steuerzahlers? Der Bericht zählt die Maßnahmen auf, die ergriffen wurden, um der jüdischen Arbeitslosen-Krise der Jahre 1927 und 1928 Herr zu werden. Dies geschieht in einer höchst irreführenden Manier. Der Bericht spricht von Regierungsarbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit und von ״zusätzlichen“ Maßnahmen der Zionistischen Exekutive, wodurch der Eindruck entstellt, als ob die Hauptlast auf die Regierung entfiel, während die Zionisten nur ein wenig nachhalfen. 111 Wahrheit hat die Zionistische Exekutive in den Jahren 1927 und 1928 zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, hauptsächlich durch produktive Unternehmungen und teilweise für Unterstützungszwecke, nicht weniger als £ 430000 ausgegeben, während sich der Anteil der Regierung auf £ 142000 beläuft. Der Bericht der Regierung vom Jahre 1928 erklärt ausdrücklich, ״daß kein arbeitsloser Jude den Staatsmitteln direkt zur Last fiel“, d. h., die Regierung zahlte keine Unterstützungen, sondern beschäftigte Juden bei ihren öffentlichen Arbeiten. Dabei wird wiederum verschwiegen, daß selbst in den Jahren 1927 und 192S die Juden nur mit 15 ״/o an den öffentlichen Arbeiten partizipierten, d. 11. zwar stärker als in der ganzen Periode 1920 bis 1928 (9 0/0), aber immer noch schwächer als ihrem Anteil an der Landesbevölkerung entspricht (18 0/0), — ganz zu schweigen von ihrem Anteil an den Staatseinnahmen, oder dem Verhältnis jüdischer zu arabischen Arbeitern. Der Report tut so, als ob die von der Regierung unternommenen Arbeiten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter den Juden gleichsam zu diesem Zweck erfunden worden wären. In Wahrheit zeigt eine genauere Analyse, daß fast alles, was die Regierung getan hat, darin bestand, einen gewissen, und übrigens auch nur kleinen Teil ihres normalen Arbeitsprogramms früher auszuführen, als ursprünglich beabsichtigt war. Der Anteil tfer Juden, aa dm Staatseinnahmen ist wichtig wenn man sieht, wie besorgt die Kommission um die Belastung der arabischen Steuerzahler ist. Selbst wenn die Regierung mehr getan hätte, als in den Zeiten der Krise ein altes Unrecht teilweise wieder gutzumachen, so wäre zu bedenken, daß nach dein Bericht sich der Anteil der Juden an den Staatseinkünften auf X 3/811 pro Kopf beläuft, der Anteil der Araber dagegen ׳auf £ 1/9/10. Daraus folgt, daß ein großer Teil der Arbeiten, die Araber beschäftigen, aus jüdischen Mitteln finanziert ist. Wenn die Regierung andererseits in zwei Jahren zur Bescliäftigung jüdischer Arbeiter £ 142000 ausgegeben hat, jährlieh also £ 71000, so macht die Kommission keinerlei Anstalten, mathematisch zu analysieren, wie grausam hiernach die Belastung des arabischen Steuerzahlers gewesen ist. Bei ihren Feststellungen über die einseitige Auswähl der Immigration durch die Arbeiterorganisation ist die Kommission durch den Regierungszeugen irregeführt worden. Aber diese von der Kommission so ausführlich behandelte Frage ist in Wahrheit völlig irrelevant. Darum muß gefragt werden, was diese ganze Kritik bezweckt. Das bleibt im unklaren, aber man fühlt, daß implicite die Qualität der Immigranten in Zweifel gezogen werden soll. Man zitiert in diesem Zusammenhang Sir John Campbell, unterläßt es aber, zu berichten, daß er sich über unser Menschenmaterial enthusiastisch äußert, und zwar in einem Abschnitt, der in den Worten gipfelt: ״The human material of the Movement is mainly of the finest type“. Wozu dann die ganze Nörgelei an der Methode der Immigrantenauswahl? Der Bericht erkennt an einer Stelle die allgemeinen wo 11!tätigen Folgen jüdischer Immigration für die Entwicklung des Landes lind der arabischen Wirtschaften. Es hätte aber nichts geschadet, wäre vielmehr zur Herstellung des Gleichgewichts und für eine gerechte Verteilung von Licht und Schatten absolut notwendig gewesen, wenn die Kommission sich bei dieser Feststellung ein wenig länger aufgehalten und einiges von dem Material mitgeteilt hätte, das ihr unterbreitet war. Mitten in der von der Shaw-Kommission so völlig falsch beurteilten Zeit der Depression spricht der offizielle Bericht der Palästina-Regierung vom Jahre 1927 optimistisch von dem ״allgemeinen wirtschaftlichen Fortschritt des Landes, zu dem jüdisches Kapital und jüdischer Unternehmungsgeist einen so wichtigen Beitrag geliefert haben“. Es ist eine der fatalen Schwächen des Berichtes, daß diese Seite der Medaille, die trotz aller Ableugnungen auch den Arabern nicht verborgen ist, nur sehr wenig zum Vorschein kommt. Daß tatsächlich die Jewish Agency die Einwanderung der Aufnahmefähigkeit des Landes angepaßt hat, gebt daraus hervor, daß nach der respektablen Einwanderung die Zahl der arbeitslosen Juden dennoch im ganzen Land nur etwa 800 beträgt, also eine Zahl, die ernsthaft nicht ins Gewicht fällt. Es wäre ganz falsch, schematisch eine Ziffer für die Aufnahmefähigkeit festzusetzen, da die Geschichte der letzten zehn Jahre gezeigt hat, daß 101000 Juden ins Land einwandern konnten, und daß es denoch gejungen ist, für diese Menschen immer neue Arbeitsmöglichk eiten zu finden. * Bei der Behandlung des Bodenprob Iems werden drei Fragen aufgeworfen, wobei in der Beantwortung wieder die bereits gekennzeichnete Konfusion eintritt, und es immer zweifelhaft bleibt, mit welcher Frage sich die Kommission gerade beschäftigt, — nämlich: a) Ist ein Grund zu der Befürchtung vorhanden, daß die jüdische Kolonisationsarbcit zur Entsetzung der arabisehen Siedler führen wird? h) Sind tatsächlich arabische Siedler landlos gemacht worden? c) Hat die Erregung über die Entsetzung von arabischen Siedlern oder die Furcht vor ihr bei den Unruhen vom August 1929 eine Rolle gespielt? Um mit der letzten Frage zu beginnen: Es ist schon bei der Behandlung der Immigrationsfragen ausgefühtt worden, daß das Zentrum der Unruhen Stadtbezirke waren und nicht das flache Land, und daß der Kommission kein einziges von den angeblichen Opfern jüdischen Landhungers vorgeführt: wurde. Es wird nun in diesem Kapitel weiter ausgeführt, daß in den zahlreichen Beschwerdeschriften der arabischen Exekutive an die Mandatskommission des Völkerbundes seit dem Jahre 1924 niemals eine Klage dieser Art erhoben worden ist. Die einzige Ausnahme aus neuerer Zeit bildet der Fall der Kabbara-Konzession. In Wahrheit ist die Landfragc, als allgemeines Problem, von der Arabischen Exekutive zum ersten Male nach den Unruhen, im Laufe der Untersuchung vor der Shaw-Kommission, aufgerollt worden. Der Bericht (S. 115) bezieht sich in diesem Zusammenhang auch auf die Land-Transfer-Vcrordnung von 1920 zugunsten der arabischen Siedler. Indessen hat schon der Bericht der Haycraft-Commission vom Jahre 1921 festgestcllt, daß ge - rad e die Araber diese Verordnung mit Unbchager! betrachten, weil sie darin ein Mittel sehen, den Preis ihres Bodens niedrig zu halten. Sind arabische Siedler tatsächlich landlos gemacht worden? Dr. Ruppin hat hierüber ausgesagt: ״Die Zahl der Pächter, die den Boden im Emek (dem Zentrum der Nachkriegskolonisation) zu verlassen hatten, betrug 700—800, aber fast alle von ihnen blieben im gleichen Distrikt und fanden anderes Land, das sie bebauen konnten.“ Demgegenüber erklärte von arabischer Seite Herr Farach, die Zahl der betroffenen arabischen Familien habe ״ungefähr“ 1746 betragen bei einer Kopfzahl von ״ungefähr“ 8730 Personen. Eine genaue Analyse von Farachs Aussage, auf die an dieser Stelle nicht eingegangen werden kann, zeigt ihre Unhaltbarkeit. Hier soll aber festgenagelt werden, daß die Kommission die Aussagen von Dr. Ruppin und Farach einander gegenüberstellt, ohne sich offen für eine von beiden zu entscheiden. Von jüdischer Seite ist klar behauptet und unter Eid gestellt worden, daß die überwältigendc Mehrheit der in der Vergangenheit entsetzten Pächter heute noch Boden in Palästina bebaut. Wenn die Kommission dies nicht glaubte, hätte sie es sagen müssen. — Angefochten werden auch die Feststellungen der Kommission im Falle des Wadi-el-Hawareth. Wie steht es um die Zukunft? Ist es wahr, daß Palästinas Landbezirke bereits so bevölkert sind, daß sich jüdische Ansiedlung nur unter Verdrängung der Araber vollziehen kann? Die Kommission gründet ihre Zweifel auf folgende rechnerische Ueberlegung: a) Die arabische Landbevölkerung ausschließlich Beduinen beträgt rund 460000. b) Demnach gibt es 92000 auf Bodenarbeit angewiesene Familien. c) Eine arabische Familie braucht zur Bearbeitung des Bodens 100—150 Dunam. d) Der verfügbare Boden beläuft sich auf etwa 10 000000 Dunam oder 109 Dunam pro Familie. e) Demnach ist kein überschüssiges Land vorhanden. Dazu ist zu bemerken: •a) Dit Zahl y©a 4600(» stimmt nicht. Sie Ist mindestens sehr fragwürdig, und es wäre z. B. zu erkläret, wie es möglieh ist, daß sich die ländliche Bevölkerung (ausschließlich Beduinen) seit dem Jahre 1922, als sie 364000 betrug, bis zum Oktober 1929 auf 460000 vermehrt haben kann, d. h. um 96000, während sich die gesamte arabische Bevölkerung Palästinas in der gleichen Zeit nur um 88 720 vergrößert hat. b) 460000 Seelen entsprechen nicht 92 0000 Siedlerfamilien. Nicht jeder im Landbezirk wohnende Araber ist ein Landbebauer. c) Die Zahl von 100—150 Dunam ist, unter Berücksichtigung der Pflanzungszone, als Durchschnittsziffer zu hoch. Wir wissen, daß die Lösung des Bodennroblems im Uebergang zur intensiven Kultur liegt, aber die Kommission hielt sich für kompetent, selbst die Aussichten einer solchen Entwicklung einigermaßen mißgünstig zu beurteilen. Sie hat Sorgen um den Absatz der palästinensischen Produkte. Die Kommission zitiert den Bericht der ״Joint Palestine Survey Commission“, wo es ihr paßt. Sie hätte aber in ihm auch Trost für ihre Absatzbefürchtungen finden können, wie z. B. bei Sir John Rüssel, der in seinem Gutachten sagt: ״There is no fear that the market will become glutted; the country is too small to produce more than can be absorbed“. Oder sic hätte den hervorragenden amerikanischen Experten, Mr. Knowles Ryerson, zitieren können, der meint: ״High grade products always find a market“. Die Kommission hat Bedenken, ob eine künftige jüdische Kolonisation wird durchgeführt werden können, ohne Araber zu verdrängen. Deshalb bringt das Memorandum zunächst die Aeußerungen von jüdischen Zeugen gänzlich verschiedencr Einstellung, wie Dr. Ruppin, Jabotinsky und dem Vertreter der Arbeiterparteien, die übereinstimmend sich gegen jede Absicht wenden, die arabischen Siedler landlos zu machen. Eine Untersuchung über diesen Gegenstand hat die Jewish Agency nicht zu scheuen. Sic hat aber andererseits das Recht, zu verlangen, daß die in der Balfour- Deklaration festgelegte Verpflichtung der Verwaltung, geschlossene jüdische Landsiedlung zu schaffen (Art. 6) und ein System für Landwirtschaft zu schaffen, das eine intensive Ausnützung des Bodens gewährleistet (Art. 11), durchgeführt wird. ln diesem Zusammenhang behandelt das Memorandum die Frage der Beisan - Böden, die, statt intensiv ausgenützt zu werden, in einer zu verschwenderischen Art den arabischen Siedlern überlassen worden sind. Die zahlenmäßigen Unterlagen der Kommission für die Befürchtung, daß der Boden nicht mehr ausreichen wird, werden in dem Memorandum einer eingehenden Kritik unterzogen, und cs wird gezeigt, in welcher Weise das Land entwickelbar und aufnahmefähig für eine Fülle von neuen Immigranten ist, wenn eine richtige Bodenpolitik den Ansiedlern zu Hilfe kommt. Der Bericht schließt mit der Versicherung, daß die Jewish Agency jede Gesetzgebung begrüßt, die bona fidc die Interessen des ,arabischen Bauern sichert, seinen Lebensstandard hebt und ihn von seiner Schuldenlast befreit, die ihn jetzt zum Sklaven derselben Menschen macht, die sich vor der Oeffentlichkeit als seine Beschützer aufspielen. Die Jewish Agency will keineswegs die Araber von den Böden verdrängen, die sie bebauen. Unsere Kolonisation bedroht sie in keiner Weise und wir protestieren dagegen, daß diese Behauptung in die Welt gesetzt wird von Leuten, die in Wahrheit keine anderen Interessen verfolgen, als den Kampf gegen die Nationale Heimstätte für das jüdische Volk.