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Jüdische Rundschau · 1930-05-30 · Heft 42-43 (30.5.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 42-43 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 42/43, 30. V. 1930 Seite 290 JUEDISCHE RUNDSCHAU Zur politischen Lage Wir stehen, so fühlt jeder, an einem kritischen Wendepunkt unserer Politik. Die Suspendierung der 2000 Zerti* fikate, so wichtig sie auch sein mag und wie schmerzlich sie uns auch trifft, kann doch nur als Einzelheit eines ganzen Systems richtig gewertet werden. Größer als die unmittelbare Bedeutung dieses Aktes ist seine symptont a t i s c h e Bedeutung. Was hat, so fragen wir, England zu einer solchen Handlung bewogen, die, wie der englischen Regierung unzweideutig erklärt worden war, als ein Schlag gegen die jüdische Palästinasache empfunden werden mußte? Die englische Politik versteht doch mit Imponderabilien zu rechnen, und sie weiß wohl, daß die Sympathie und Antipathie des Judentums der ganzen Welt keine quantite negligeablc ist. Das jüdische Volk hat vor zwölf Jahren und noch vor zehn Jahren England zugejubelt, die jüdischen Massen, durch Schicksal und Leiden innerlich etwas hemmungslos geworden, haben in übertriebener Welse England gehuldigt Sie haben sich an dem Gedanken, endlich nach allen Feinden auch einen mächtigen Beschützer gefunden zu haben, berauscht, und in einer solchen Atmosphäre der exaltierten Begeisterung ist es schwierig, das rechte Augenmaß zu behalten und mit nüchternem Blick zu prüfen, was nun wirklich von England versprochen und gegeben worden ist. Wer versucht hätte, ernüchternd zu wirken, wäre als Defaitist und Volksfeind zum Schweigen gebracht worden. Ein Mann, der große Warner, den wir inzwischen verloren haben, Achad Haam, hat schon 1920 den Sachverhalt durchschaut; einsam stand er da mit seiner Erkenntnis, daß das Volk nicht das wirklich Geschehene ins Bewußtsein aufnimmt, sondern an ein ״Wunder“ glaubt, weil cs daran glauben will Man kann diese Reaktion der todwunden Seele eines verzweifelten Volkes verstehen: So groß war die Sehnsucht, die Posaune des Messias blasen zu können, daß man sich einreden wollte, die Zeit sei gekommen. Alle diese Vorstellungen von Erlösung sind gekettet an Englands Namen. Und nun steht Englands Verhalten seit zehn Jahren in Kontrast zu diesen Idealvorstellungen. Im Seelenleben des jüdischen Volkes vollzieht sich der Prozeß der Rückkehr zur Wirklichkeit als eine Kette ununterbrochener Enttäuschungen. Und so kommt es, daß die maßlose Verherrlichung Englands immer mehr und mehr umschlug In Mißtrauen und Feindseligkeit. Kein Haß ist so groß wie der Haß aus enttäuschter Liebe. Ein gequältes Volk wie die Juden kann manches verzeihen, nicht verzeihen aber kann es das Gefühl, genarrt zu sein. Dies müssen auch die heutigen Staatsmänner Englands wissen. Es ist nicht anzunehmen, daß sie mutwillig diese Kraft gegen sich heraufbeschwören. Welches nun können die Gründe sein, die Eng1 ״nd zu seiner Haltung bestimmen? Die Erklärung, es handle |j(;h um antisemitische Affekte, ist allzu primitiv. Denn Vott den Mlnhern, die fn;der heutigen Regiertihg BngläridS sitzen, wird niemand behaupten wollen, sie seien Antisemiten. Und die Theorie, es bestünde ein tiefer Gegensatz zwischen dem Willen der Regierung und den Maßnahmen der Beamten des Kolonialamtes, so daß diese Beamten auch gegen den Willen der Regierung eine antijüdische Haltung einnehmen, scheint uns zu* konstruiert und durch die Tatsachen widerlegt. Denn in einer so wichtigen Sache und einer so kritischen Lage tragen die regierenden Männer selbst die Verantwortung. Für die zionistische Politik und für das Verständnis der zionistisehen Situation ist es also eine elementare Notwendigkeit, zu untersuchen, welches die wahren Motive der englischen Politik sind. Dazu müssen wir uns klar machen, daß Palästlna kein einseitig jüdisches, sondern ein zweifaches Problem ist Wir sind nicht die einzige Kraft, die mit Palästina verbunden ist Uns gegenüber steht das Arabertum Palästinas, das gleichfalls in einem Prozeß des nationalen Erwachens begriffen ist. Der Zionismus (schon der Vorkriegszionismus) sah Palästina stets nur in Verbindung mit der jeweiligen Regierung: Vor dem Krieg die Türkei, nach dem Krieg England, ln der zionistischen politischen Literatur erscheint das Problem stets nur als das Verhältnis der Zionistischen Organisation zu der jeweils regierenden Macht. Wir wollen nicht untersuchen, ob die palästinensischen Araber vor dem Krieg noch im Stadium des ״Fellachentums“ (im Sinne Spenglers) waren; durch die Ereignisse des Krieges und der Revolutionen hat sieh jedenfalls dieser Zustand grundlegend geändert. In solchen bewegten Zeiten treibt die innere Entwicklung rapide vorwärts, und Prozesse, die sonst vielleicht Jahrzehnte erfordern, vollenden sich in wenigen Jahren. Der ganze Orient, ganz Asien ist heute in Umgestaltung. Der gewaltige Anstoß erfolgte durch ein negatives und ein positives Element. Das eine war der Zusammenbruch des europäischen Prestiges. Erst vorige Woche hat einer der großen geistigen Repräsentanten des Ostens, Rabindrauath Tagore, anläßlich seines Besuches in London diese Situation erklärt. ״Wer hier in England lebt, weit weg vom Orient, — so sagte der Dichter — hat jetzt zu erkennen, daß Europa sein früheres moralisches Prestige in Asien vollständig verloren hat. Europa wird jetzt nicht mehr als der Träger hoher Ideen geschätzt, sondern als Vor- Kämpfer für die Vorherrschaft der westlichen Rasse betrachtet. Asien fühlt sich heute berechtigt, moralisch auf Europa herabzublicken“. Die positive Seite ist die Uebernähme der modernen europäischen Ideen des Nationalismus und der Demokratie, vor allem der Parole des ״Selbstbestimmungsrechtes der Völker“, in deren Zeichen das Kriegsende stand. Auch die palästinensischen Araber wurden von diesen Mächten ergriffen. Wenn auch ihr Nationalismus sich vielfach in andern Formen abspielt als der (besonders von russischen Vorbildern beeinflußte) jüdisehe, so können wir doch die Tatsache als solche nicht ignorieren. .Und die aus dem Antagonismus gegen Europa entstehende asiatische Solidarität verleiht dieser nationalen Bewegung eine besondere Verstärkung. Es ist nicht gut, die Kraft des Gegners, mit dem man zu tun hat, zu unterschätzen. Darum warnten wir im Oktober v. J. davor, daß in zionistischen Kreisen und besonders in Palästina häufig in wegwerfendem Ton über die Araber gesprochen, überheblich auf unsere höhere europäische Kulturstufe hingewiesen und selbst in ernsten Zeitungen die arabische Nationalbewegung stets in Gänsefüßchen gesetzt wurde. Diese Bemerkungen, die uns von palästinensischen Bruderblättern verübelt wurden, sollten die Notwendigkeit unterstreichen, die arabische Kräfte in Rechnung zu setzen, denn für jeden Sehenden war es klar, daß diese Kräfte wirken werden, ob wir sie verachten oder nicht. Die arabische Delegation hat in London extreme Forderungen vorgebracht, deren Einzelheiten freilich bisher nicht bekannt sind. Was in den Verhandlungen zwischen MacDonald und der Delegation gesprochen wurde, können wir nicht wissen. Aber es ergibt sich folgendes seitsamc Bild: Am 12. Mai wurden von der Palästina-Regierung offiziell die 3000 Zertifikate bewilligt. Am selben Tag fand in London eine Besprechung zwischen den entscheidenden Männern der englischen Regierung auf der einen Seite und jüdischen Repräsentanten auf der anderen Seite statt Diese kleine jüdische Delegation repräsentierte wohl einen sehr großen Teil dessen, was das Judentum heute an Macht und Einfluß aufzubringen vermag. Diese jüdische Vertretung sagte nachdrücklich der Regierung, daß die Juden sich auf keine Beschränkungen der Einwanderung und des Bodenkaufs einlassen können. Am 13. Mai wurde der arabischen Delegation mitgeteilt, daß ihre Forderungen; weil dem Mandat widersprechend, abgelehnt werden; es scheint, daß die Regierung die Verhandlungen nicht abbrechen wollte, sondern neue arabische Vorschläge erwartete. Die Araber jedoch erklärten, daß nach Ablehnung ihrer Vorschläge ihre Mission beendet!st. Am 14. Mai telegraphierte das Kolonialamt an die Palästinaregierung, daß die Zertifikate für neue Einwanderer zurückzuziehen sind. Einen Tag darauf, am 15. Mai, erklärte MacDonald im Unterhaus und Henderson im Völkerbundsrat, daß die Verhandlungen mit {Jen Arabern nicht ״abgebrochen“ wurden, sondern nur ״beendet“ sind, weil die Araber die Informationen, die sie der Regierung zu übermitteln hatten, vorgebracht haben. Die Regierung überlege jetzt die verschiedenen Probleme, mit der Absicht, einen Weg zu suchen, um im Rahmen des Mandates die legitimen Forderungen der Araber zu befriedigen und die u6ch,be^t6t}gndej1,BÄfürc|ttt|gen Aus dieser Tätsachenreihe ist £u ersehen, daß die Darlegungen der Araber auf die Regierung einen gewissen Eindruck gemacht haben müssen. Daß unter den Beein» druckten auch MacDonald ist, der vor einigen Jahren ein begeistertes Buch über die zionistische Aufbauarbeit geschrieben hat, sollte uns davor bewahren, an Voreingenommenheit zu glauben. Haben wir doch gerade aus den letzten zehn Monaten eine große Reihe von Beispielen dafür, daß Freunde des Zionismus, die nach Palästina kamen, dort auch den arabischen Standpunkt zu würdigen lernten, ohne darum ihre Sympathie für den Zionismus zu verlieren. Es ist eben in Palästina eine geschichtlich entstandene Situation, die ein objektives Problem darbietet, das nicht willkürlich wegdisputiert werden kann. Es stehen zwei Ansprüche einander gegenüber, von denen jeder in seiner Art legitim ist, so daß ein Ausweg gefunden werden muß, der beiden Rechnung trägt. In diesem Blatte wurde seit zehn Jahren die Forderung vertreten, daß die Lösung dieses unausweichlichen Problems von unserer Seite angebahnt wird, daß die Initiative von jüdischer Seite ausgeht, und daß der zionistische Gedanke der Selbsthilfe und Sclbstbefreiung, der selbstverantwortlichen jüdischen Politik, sich auch darin auswirkt, daß wir Juden eine aktive, von eigenen Ideen inspirierte Politik in bezug auf das künftige Zusammenleben der beiden Völker Palästinas entfalten und die Araber ebenso wie die Weltmeinung dafür zu gewinnen suchen. Durch ein solches Programm sollte vor allem dem Anschein, als wollten wir uns Herrschaftsrechte über die Araber anmaßen, zerstreut werden. Denn Eines war seit 1921 in unmißverständlicher Weise jedem klar, der die Ereignisse und ihren politischen Niederschlag verfolgte: die für den Zionismus ungiinstigstc Position entsteht dann, wenn der Eindruck erweckt w ird, als wollten wjr in Palästina etwas, dem gegenüber die ansässige Bevölkerung gerechtfertigte Bef ürch tuitgen hat. Dann nämlich befrachtet es die Regierung als ihre Hauptaufgabe, diese ״Befürchtungen zu zerstreuen“, und in diesem Streben greift sie dann zu so drastischen Maßnahmen, die weit übers Ziel hinausschießen, wie schließlich die jetzige Einwanderangssperre. Aus der Proklamation der Palästina-Regierung vom 20. Mai geht klar hervor, daß diese Einwanderungssperre verfügt wurde, damit man■ den Arabern an einem sichtbaren Beispiel zeigen kann, daß ihre Befürchtungen unberechtigt sind. Leider ist damit implicite anerkannt, daß eine derartige Einwanderung, die doch wirtschaftlich fundiert ist, zu arabischer Furcht Anlaß gäbe. Das ist ein sehr gefährliches Präjudiz, das die zionistische Arbeit in ihren Kern trifft. Um nachzuweisen, daß ״dir Existenz der arabischen Gemeinschaft in Palästina nicht gefährdet ist“, hätte es eines solchen Mittels nicht bedurft. Mit der Begründung, die luden wollten die Araber in Palästina einer jüdischen Herrschaft, einem Judenstaat unterwerfen, werden die arabischen Massen in Palästina seit Jahren aufgewiegelt und gegen die Juden gehetzt. Es ist daher zu begrüßen, daß die Regierung in ihrer Proklamation so nachdrücklich gegen die Ausstreuung solcher Darstellungen sich wendet und die Fortsetzung solcher Hetze mit schwerer Strafe bedroht. Aber gerade indem sie von solcher Propaganda abrückte, hätte sie dartun müssen, daß eine wirtschaftlich fundierte jüdische Einwanderung, wie sie jetzt erfolgen sollte, dem Lande und der Bevölkerung keinen Schaden bringen kann. Eines ist jedenfalls klar: Der Ausgangspunkt der Behandlung aller Palästinafragen ist für England die Beruhigung der A r a her. Und das ist kein Resultat einer ״schwachen“ jüdischeu Politik, sondern einer starken, die mit den allerstärksten Trümpfen arbeitete, die wir auszuspielen haben. Im diesem Punkte hat sich seit 1921 an Englands Politik nichts geändert. England betrachtet die Beruhigung der in Palästlna wohnenden Araber als eine derVorbedingungen, ohne die Palästina nicht regiert und das Jüdische Nationalheim nicht auf gebaut werden kann. Ob die einzelnen Schritte, die England zu diesem Zwecke macht, richtig und zweckmäßig sind, ist eine andere Frage. Wir sagten schon, daß der letzte Schritt sehr angreifbar ist. Aber hier geht es um Erkenntnis der Motive. Es besteht kein Zweifel, daß besonders stark auf die Regierung in London die Stellungnahme der indischen Moslems gewirkt hat. Die indischen Moslems sind ein Faktor, der uns nicht zum erstenmal im Zionismus begegnet. Bereits vor der Balfour-Dcklaration war der energischestc Gegner der pro-zionistischen Politik im englisehen Kabinett der damalige Minister für Indien, Edvin Montague, der die Regierung warnte, sich nicht in einer das islamische Interesse berührenden Angelegenheit in einer Weise festzulegen, die als anti-islamisch aufgefaßt weiden könnte. Die Tatsache, daß Montague Jude war, hat es der zionistischen öffentlichen Meinung erleichtert, seine Argumente abzuschütteln; man sagte einfach, daß er als liberaler Jude und Anti-Zionist sich hinter solchen Motiven verschanze, um seine innerjüdische Suppe zu kochen. Aber derselbe Montague hat später gegen die antitürkische Politik Lloyd Georges ebenso heftig protestiert und ist bekanntlich mit ziemlichem Applomb aus dem Kabinett ausgetreten, und kurz darauf hat nach der Vertreibung der Griechen aus Kleinasien die große Mehrhat der Engländer Montague’s Ansicht angenommen. Die Griechen wurden trotz der feierlichen ihnen gegebenen Zusicherungen preisgegeben, Lloyd George wurde gestürzt. Die Rücksicht auf die indischen Moslems ist — so wußten wir also — von ausschlaggebender Bedeutung. Für den der das weiß, kam alles darauf an, zu vermeiden, daß ein Stoff zur Mobilisierung dieser Kräfte gegen den Zionismus geboten wird. Aus diesem Grunde mußte yojr allem verhindert w׳erden, daß unser Palästinastreben im Lichte eines religiösen Konfliktes erscheint. Wenn da* her von manchen Zionisten immer wieder davor gewarnt wurde, die Klagcmauer-Affäre aufzubauschen und zu einem Generalpunkt der jüdisch-arabischen Auseinander- Setzung werden zu lassen, so geschah dies nicht aus Geringschätzung der mit dieser Mauer verbundenen religiosen Gefühle und nicht aus Volksfrcmdheit, sondern in der Erkenntnis der größeren Zusammenhänge, die eine Rangordnung der Interessen notwendig machen. Als dann im August das Unglück geschehen w׳ar, versuchten manche Stimmen, die Aufmerksamkeit der zionistischen Politik auf diesen Sachverhalt zu lenken. B u b e r hat am 31. Oktober in einer Berliner Versammlung auf die Not- Wendigkeit hingewiesen, die Klagcmauer-Fragc durch direkte Verhandlungen mit außerpalästinensischen (lies: indischen) Moslems aus der Welt zu schaffen. Die Anrcgung hat wenig Resonanz gefunden. Heute stehen wir vor der nicht mehr gutzumachenden Tatsache, daß der Palästina-Protest der indischen Moslems einer der Hauptfaktoren ist, der .die englische Regieran r bestimmt. Es hat keinen Sinn, auch heute, in dieser Stunde der berechtigten Empörung, den Kopf in den Sand zu stecken und nicht die Zusammenhänge zu beachten, die im Verlauf des letzten Jahrzehnts zu einer fortgesetzten Verschlechterung unserer politischen Lage geführt haben. Der Schlüssel zum Verständnis ist die arabische Frage. Nur dieser Schlüssel öffnet auch die englische Tür. Die Existenz des Arabertums Palästinas, das im Lande verw urzelt ist und dort bleiben wird, ist von der zionistischen Ideologie noch nicht bejaht und verarbeitet worden. Und ebenso haben die palästinensischen Araber, wie ihre letzten extremen Forderungen beweisen, sich noch nicht mit der Existenz des Jüdischen Nationallieims, das eine unabänderliche Tatsache ist, abgefunden. Hier liegt das wahre Problem. Die Aufgabe staatsmämüschcr Größe bcsteht darin, ein konstruktives Programm zu finden, um die Interessen beider Völker in Harmonie zu bringen. Wenn dies gelingt, dann wird das entscheidende Hindernis für den Ausbau und die ruhige, friedliche Entfaltung des Jüdischen Nationalheims beseitigt sein. Solange es nicht gelungen ist, werden wir stets auf dieses Hindernis stoßen, Mandatarmacht und Völkerbund werden Palästina stets im Lichte der arabischen Frage sehen. Im gegenwärtigen Moment sind freilich, wie jeder versteht, die Chancen für eine Lösung dieses Problems nicht günstig, viel ungünstiger jedenfalls, als vor einem halben Jahr. Dennoch wird, über kurz oder lang, eine Lösung gefunden werden müssen, weil es einfach keinen andern Ausweg gibt und auf jeden Krieg schließlich ein Friede folgt. Das Zusammenleben der beiden Völker in diesem Lande ist eine geschichtliche Notwendigkeit geworden, und sie wird, durch alle Wechselfälle hindurch, sich durchsetzen. Robert Weltsch.

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