Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 41 (27.5.1930)
- Date
- 1930-05-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653196--21601-2679717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
I Nr. 41, 27 V. 1930 Politische Palästina-Umschau (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) Der nachstehende Artikel ist vor der Suspendierung der neuen. Einwanderungs-Zertifikate geschrieben. Dennoch ist er als Schilderung der Stimmung im Lande bemerkenswert. Red. AG., Tel-Awiw, den 15. Mai 1930. . Es ist jetzt fast ein dreiviertel Jahr vergangen seit den August-Unruhen, die das Leben Palästinas aus dem normalen Geleise brachten. Unmittelbar nach den schwersten Tagen bereitete man sich im Lande auf die Nachwirkungen der Ereignisse vor. Es herrschte überall das Empfinden, daß es langer Zeit bedürfen werde, um alles wieder ins Gleis zu bringen, die schwere Spannung zu überwinden und eine klare Atmosphäre zu schaffen. Was nach den Unruhen kam — die Untersuchungskommission mit der sie begleitenden Pressekampagne, die Prozesse der an den Unruhen Beteiligten, der Boykott — all das war dazu angetan, die Spannung und das gegenseitige Mißtrauen noch zu steigern, und man durfte sich mit großem Bangen fragen, wie unter diesen Umständen überhaupt ein normaler Zustand wieder geschaffen werden solle. Wenn man jedoch jetzt zuruckblickt auf die vergangenen Monate, so läßt sich eine starke Aenderung der Stirnmung*feststellen. Während noch in der Presse, die der wichtigste Träger nicht nur von Nachrichten, sondern auch von Meinungen ist, noch lange nicht von einem ״Normalzustand“ gesprochen werden kann, ist das tagtägliche Leben fast unmerklich ins alte Gleis zurückgekehrt. Der Boykott brach in sich zusammen und die Wirt- Schaft begann ihren alten Weg zu gehen. Die Straßen zeigen regen Verkehr wie früher. Ein Gefühl der Sicherheit auch in den entfernteren Gegenden hat die Wachsamkeit und Unruhe des letzten Winters abgelöst. Persönliche Beziehungen zwischen Arabern und Juden, vor allem’ auf wirtschaftlichem Gebiet, sind wieder überall da angeknüpft worden, wo sie die August-Unruhen unterbrachen. Hier und da hört man von Verbrüderungsbündnissen, die zwischen arabischen Dörfern und jüdischen Nachbarkolonien abgeschlossen werden und die friedliche Beziehungen zwischen Siedlern und Fellachen garantieren sollen. Es ist das eine Tendenz wie nach den Ereignissen von 20 und 21, die zu ähnlichen Verträgen in den judäischen Kolonien führte, Verträgen, die auch in den Augusttagen dieses Jahres nicht verletzt wurden. Tel-Awiw beherbergt wieder täglich eine #roße Anzahl arabischer Gäste, die aus Jaffa in die Nachbarstadt kommen und hier ihre Freizeit verbringen. Ein gelassenes Neben- und Miteinander hat die ängstliche Separation des letzten Winters abgelöst. Trotz dieser Entspannung, die durch die einfache Tatsache des Zusammenlebens auf engem Raume geschaffen wurde, hat die politische Situation heute nichts von ihrer Schärfe verloren. Die langen Monate, die seit der Abreise der Kommission vergangen sind, waren eine Zeit des Wartens und der Ungewißheit. Dann kamen kurz nacheinander die Nachrichten von der Entsendung eines besonderen Emissärs, der der Zentralregierung'' praktische Vorschläge über die Palästinapolitik unterbreiten solle und über den Abschluß der Beratungen zwischen London und der arabischen Delegation. Damit steht man im Lande vor einer neuen Situation; jedoch ist dig Wartezeit dadurch keineswegs abgeschlossen, ' sondern auf Monate hinaus verlängert. Vielleicht haben die vergangenen Monate, in denen das Schicksal des Landes nicht in Jerusalem, sondern in London behandelCwurde, für Palästina Gutes bedeutet. Da die Fragen der ״Hohen Politik“ in der Diskussion stark zurücktraten, gab es weniger Stoff zu Reibungen und mehr Muße für die täglichen praktischen Aufgaben. Andererseits ist diese Zeit der Muße auf politischem Gebiet ziemlich vertan worden. Eine Weiterentwicklung der öffentlichen Meinung in den groflltn Landesfragen ist nicht zu bemerken. Im arabischen Lager herrschte eine gewisse Stille, die vielen Nachrichten über Neubildung von Gruppen und Parteien und über Meinungskämpfe flauten ab. Im jüdischen -Lager geht es ähnlich zu. ln der Presse Ist es sehr viel stiller geworden. In den Zentralinstanzen, vor allem im Waad Leumi sind zwar mehrfach wichtige politische Themen behandelt und Beschlüsse *gefaßt worden, jedoch unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Seit der Londoner Sitzung der Jewish Agency ist zudem die Aufmerksamkeit auf die Frage der Neuansiedlung konzentriert worden. Eine Beratung der ״Vereinigten Partei“, die man ihrer numerischen und politischen Bedeutung nach als repräsentativ für die Arbeiterschaft ansehen kann, hat sich in erster Linie mit der Frage der Kolonisation beschäftigt. Ein Versuch, das arabisch-jüdische Problem von neuem anzupacken, der von einigen Mitgliedern der Tagung• mit großem Ernst gemacht wurde, führte nicht weiter als früher, d. h. es kam nicht zur Ausarbeitung praktischer Vorschläge. Und ähnlich geht es bei den meisten übrigen Grpppen, Sir John Simpson, der Spezialcmfcssär des Colonial Office, wird in den nächsten Tagen erwartet. Die Aufnahme der Nachricht von seiner Ernennung sowohl durch die jüdische wie durch die arabische Presse zeugte Von einer gewissen Unsicherheit. Zuerst haben die hebräischen Publizisten, bcsonders der Leitartikler des ״Haarez“, eine scharf ablehnende Stellung zu dieser Wendung der Politik eingenommen. Sie wurde in erster Linie dadurch verursacht, daß man im Moment den Mangel an Vertrauen, der in weiten Kreisen des Jischuw gegen die palästinensische Verwaltung herrscht, auf den Emissär als ein früheres Mitglied des Kolonialdienstes übertrug. Es wurden schwere Bedenken geäußert, ob die Mentalität ״eines Kolonialbeamten“ dazu geeignet wäre, die komplizierte Palästinafrage in ihrer Besonderheit im Zusammenhang mit dem Schickgal des jüdischen Volkes zu erfassen. Etwas gemildert worden ' die Besorgnisse, nachdem bekannt wurde, daß Simpson einer der Mitarbeiter an der griechischen Kolonisation gewesen war. Später hat sich bei genauerer Betrachtung der Verhältnisse und unter dem Eindruck der Erklärung der Jewish Agency p London die Haitung der Presse geändert. Sie ist jetzt nicht so sehr ablehnend als abwartend. Auch von arabischer Seite wird über die Ernennung von Simpson keine ungeteilte Freude geäußert. Es wird die Befürchtung ausgesprochen, daß das palästinensische Problem, vor allem die Frage der Siedlung und Einwanderung mehr von administrativen und fiskalischen als von soziales Gesichtspunkten behandelt werden würde. Die arabische Kritik ist jedoch sehr viel milder als die jüdische. Obwohl es allen klar ist, daß die Delegierung von Simpson die Palästinafragen Jetzt in ein *,praktisches“ JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 285 Stadium überführt, das heißt, daß jetzt genaue Vorschläge für die Regelung der Immigration und Kolonisation und für bestimmte Verwaltungsgebicte ausgearbeitet werden sollen, ist bisher von zionistischer Seite kein detaillierter Plan hierfür bekanntgeworden. Die Exekutive scheint zwar verschiedene Vorbereitungen zu treffen, jedoch kann man sich dem Eindruck nicht entziehen, daß diese Arbeiten langsam vor sich gehen. Von besonderer Wichtigkeit ist die Einsetzung einer Kommission unter dem Vorsitz von Ruppin, die die Bodenfrage bearbeiten soll. Ein Subkomitee unter Hoofien ist mit der Klärung städtischer Kolonisationsfragen betraut worden. Das ist ein wichtiger Schritt, jedoch müssen die Untersuchungen mit großer Beschleunigung durchgeführt werden, wenn die Exekutive imstande sein soll, das zu tun, was heute nötig ist, nämlich mit einem praktischen, detaillierten und dabei elastischen Plan hervorzutreten, der die Einwanderung und Kolonisation für einen bestimmten Zeitabschnitt umfaßt. Die Nachricht von der Beendigung der Verhandlangen mit der arabischen Delegation in London hat bisher nur zu recht lückenhaften Kommentaren Anlaß gegeben. Die arabische Presse äußert sich recht vorsichtig, erklärt sich zum großen Teil mit der Delegation solidarisch und verspricht in der eingeschlagenen Richtung weiter zu arbeiten. Es ist heute schon klar, daß die Rückkehr der Delegierten mit leeren Händen die radikalere Richtung im arabischen Lager weiter stärken wird. Ohnedies hatte sich ein großer Teil der arabischen Politiker äußerst skeptisch gegen die Reise nach London verhalten. Der für morgen angesetzte ״Palästinatag“, der der nationalen Propaganda gewidmet ist, wird eine Gelegenheit bieten, die Frage im arabischen Lager öffentlich zu diskutieren. Eine Ab- Schätzung der neugeschaffenen Situation von jüdischer Seite steht nach dem Abbruch der Verhandlungen noch aus. > Der rechte Moment zur Verständigung verpaßt? Jerusalem, 22. Mai» (J. T. A.) Das Organ der Arabischen Exekutive ״Felcstin“ führt aus: Die Juden haben wegen ihres Starrsinns und ihrer blinden Loyalität gegen England Gelegenheit zu einer Verständigung mit den Arabern verpaßt. Verständigung und Zusammenarbelt als Folge eines englisch-arabischen Abkommens wären möglich gewesen, Wenn das konstruktive und das geistige Programm von Dr. J. L. M a g n e s und Professor Einstein akzeptiert worden wären. Heute aber ist die Möglichkeit einer Wiederannäherung so fern wie die Erde vom Himmel. Wir müssen jetzt unseren Kampf gegen den Zionismus nicht allein in Palästina, sondern in allen arabischen und moslemischen Ländern fortführen. Unsere stärkste Waffe ist der vollständige Boykott gegen alle jüdischen Produkte in allen arabischen und islamischen Ländern in der Welt. Es leben Juden in Syrien, Yemen, Aegypten, Irak und Hedschas, Tunis und Algerien; wir können diesen Juden einen hohen Preis für die Härten, die den Arabern Palästinas von den Juden zugefügt werden, auferlegen. Die Verordnung, für die gegenwärtige Zeit die gesamte jüdische Einwanderung nach Palästina zu suspendieren, fährt ״Felestin“ fort, ist eine folgerichtige Lösung des Einwanderungsproblems; aber die arabischen Klagen gegen die jüdische Einwanderung sind untrennbar mit den Klage gründen betreffend die jüdischen Bodenkiufe verbunden. Die Probleme der Einwanderung und de% Bodens sind eins; deshalb wird die Regierung eine Zweite Verordnung herausgeben müssen, die auch alle Bodenübertragungen an Juden unter Verbot stellt. \ Parteien und Juden Neue Ausschreitungen in Rumänien. (Von unserem Korrespondenten.) h. Bukarest, den 9. Mai 1930. In der letzten Zeit mehren sich die Zeichen, daß die nationalzaranistische Regierung Maniu ihre Popularität, die sie bisher bei den Massen besessen hatte, in immer stärkerem Maße verliert. Es ist nicht unsere Aufgabe, hier alle Mißgriffe der gegenwärtigen Regierung aufzuzählen. Was uns Juden aber ganz besonders interessiert, ist die Tatsache, daß die nationalzaranistische Regierung systematisch alles getan hat, um die jüdische Bevölkerung zu kränken, und daß sie eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen erlassen hat, die man geradezu als judenfeindlich betrachten kann. Kein Wunder, daß auch die jüdische Bevölkerung das Vertrauen zur heutigen Regierung verloren hat und bei den letzten Oemeinderatswahlen sowie bei den Ergänzungswahlen für das Parlament größtenteils gegen die Kandidaten der Regierung gestimmt hat. Würde es also nur von der Volksgunst abhängen, so wäre die zaranistische Regierung bereits reif, zu verschwinden und einer anderen Platz zu machen. Daß dies trotzdem nicht geschieht, liegt vor allem darin, daß bei der schweren ökonomischen Lage in Rumänien und bei der Stabilisierung der rumänischen Geldwirtschaft auch das internationale Kapital in hohem Maße mitzuentscheiden hat. — Denn es kommt, wenn nicht ein vollkommenes Chaos einreißen soll, sehr viel darauf an, ob das internationale Kapital, welches sich im letzten Jahre sehr stark in Rumänien engagiert hat, auch «jiner eventuellen Nachfolgerin der gegenwärtigen Rcgierung das gleiche Vertrauen entgegenbringen wird. Im letzten halben Jahre hat die liberale Partei, die von Vintila Bratianu und Du ca geführt wird, es verstanden, die bereits längst eingebüßten Sympathien in hohem Maße wiederzugewinnen. — Dies zeigt sich sehr deutlich bei den Wahlen in die verschiedensten Körperschaften, wo die Zahl der für die liberalen Kandidaten abgegebenen Stimmen kontinuierlich steigt. — Gänz besondere Anstrengungen haben die Liberalen darauf verwende das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung neuerlich zu gewinnen. Die einzelnen liberalen Führer haben es nicht unterlassen, bei den verschiedensten Gelegenheiten die Judenfrage zu berühren und dabei immer wieder ihr Wohlwollen und ihre Bereitwilligkeit zur Erfüllung der jüdischen Forderungen ganz besonders in kultureller Hinsicht zu betonen. Freilich gibt es beträchtliche Teile in der jüdischen Bevölkerung, vor allem in den angeschlossenen Provinzen, wo den Beteuerungen der liberalen Partei noch immer großes Mißtrauen entgegen gebracht wird und wo man nicht glaubt, daß die» Partei, von der lange Jahre hindurch alles Schlechte für die Joden kam, sich tatsäenlieh geändert habe. Das politische Leben Rumäniens hat neuerlich eine Sensation zu verzeichnen. Der bekannte, blutrünstige Judenhasser Cu za ist im Bezirke Roman mit großer Majorität bei einer Ergänzungswahl ins rumänische Parlament gewählt worden. Bei den Parlamentswahlen im Jahre 1927 hat die damals an der Macht befindliche liberale Partei alles unternommen, um eine Wahl von Cuzisten ins rumänische Parlament zu verhindern. Und faktisch ist von den IQ Cuzisten des vorangegangenen avercskatiischen Parlamentes kein einziger wiedergewählt worden. Auch bei den Parlamentswahlen im Jahre 1928 konnten sie kein Mandat erobern, --'Jetzt ist Cuza wieder in die rumänische Kammer eingezogen, und man wird Gelegenheit haben zu hören, wie er durch seine Reden, in denen er die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung predigt, sich bemüht, die rumänische Zivilisation in das finsterste Mittelalter zurückzuwerfen. — Freilieh wird er mit seinen Reden nicht viel Erfolg haben. Im Gegenteil wird sich die national-zaranistische Mehrheit in der Kammer aufrichtig bemühen, auch wenn es unter ihr genug verkappte Antisemiten gibt, klar und deutlich von Cuza abzurücken, und er wird mit seinen Reden nicht nur allein bleiben, sondern wird auch von den jüdischen Deputierten sehr energisch bekämpft werden. Was aber dem Wiedereintritt Cuzas ins po id;.:he Leben eine ganz besondere Bedeutung gibt, ist die Art, wjeso die Wahl Cuzas in Roman ermöglicht wurde. In diesem Bezirk standen sich nur zwei Kandidaten gegenüber, der Regierungskandidat und der Antisemitenführer Cuza. Die liberale Partei, welche gerade in Roman über eine ihrer stärksten Provinzorganisationen verfügt, hat es merkwürdigerweise unterlassen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Zahlt man die Stimmen zusammen, welche beide Kandidaten erhalten haben, so erhält man fast genau die Gesamtzahl aller im Bezirke Roman ,vorhandenen Stimmen. Daraus schließt die unabhängige rumänische Tagespresse, daß es die Mitglieder der liberalen Partei gewesen sind, welche die Wahl Cuzas ins Parlament ermöglichten, da sie sicherlich nicht für den Kandidaten der von ihnen so sehr gehaßten nationalzaranistisehen Partei gestimmt haben. Bewahrheitet sich diese Bchauptung, die immer wieder in der Presse zu lesen ist, dann stellt diese Art von Taktik die liberale Partei in ein ganz eigentümliches Licht. Zur selben Zeit, wo diese Partei sich 11m die Gunst der jüdischen Bevölkerung und der jüdischen politischen Organisationen bemüht, ermöglicht sie die Wahl des ärgsten Judenfeindes in die Kammer, nur um dadurch dem nationalzaranistischen Kandidaten eine Niederlage zu bereiten. Schon aus dieser Handlung, die kennzeichnend ist für das Verhalten der rumänischen Parteien zu den Juden, kann man schließen, wie wenig die liberale Regierung von ihren Versprechungen halten wird, wenn sic, auch mit Hilfe der jüdischen Stimmen, wieder zur Macht gelangt. Wenn wir neuerlich von antisemitischen Ausschreitungen berichten, welche unmittelbar nach der Wahl Cuzas von seinen Anhängern gegen die jüdische Bevölkerung verübt wurden, trotzdem wir hier in Rumänien bereits an die regelmäßige Wiederkehr derartiger Exzesse gewöhnt sind, so geschient dies, weil der antisemitische ueberfall im Städtchen J g. Fruinos sich durch zwei Dinge von allen bisherigen ihn* liehen Fällen heraushebt. Vor allem hat die jüdische Bevölkerung sich diesmal von den antisemitischen Huliganen nicht wehrlos schlagen und malträtieren lassen, sondern hat sich energisch zur Wehr gesetzt und es gab diesmal auch auf der Seite der Angreifer eine Reihe vqn blutigen Köpfen. Diese energische Gegenwehr wird vielleicht stärker wirken als alle bisherigen unzulänglichen Maßnahmen der vermiedenen B§־ hörden. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß die Cuzisten wirklich die Angreifer waren, und daß die jüdische Bevölkerung nur in berechtigter Notwehr gehandelt hat. Trotzdem hat die Staatsanwaltschaft von Jassy die Ungeheuerlichkeit begangen, die Verhaftung von neun Juden wegen dieser Gegenwehr altzuordnen, während von den Angreifern niemand in Haft ge* setzt wurde. Dieses empörende Verhalten zeigt am besten, wie sehr die gegenwärtige .Regierung, die sich mit solcher Vorliebe eine ״demokratisene“ nennt, es versteht, mit zweierlei Maß zu messen, wenn es sich um Juden handelt. Und dieses letzte Verhalten verantwortlicher Behörden set# wohl der bisherigen Taktik der gegenwärtigen Regierung gegenüber den Juden die Krone auf. Vielleicht werden die letzten Ereignisse, in denen sich die Stellung der beiden führenden rumänischen Parteien zur jüdischen Bevölkerung eindeutig widerspiegelt, den jüdischen verantwortlichen Politikern sowohl in Altrumänien als auch in den angcschlossenen Provinzen endgültig den Glauben nehmen, daß man jüdische Politik im Bündnis mit einer rumänischen Partei machen kann. Vielleicht werden diese Ereignisse ihnen zeigen, daß alle Pakte nichts nützen, weil sogar demokratische Regierungen an ihre Grundprinzipien vergessen, wenn es sich um die jüdische Bevölkerung handelt. Vielleicht werden die jüdischen Politiker endlich einsehen, daß eine richtige jüdische Politik nur in einer großen, geschlossenen, jüdischen Reichsorganisalion liegt, und daß damit aufgeräumt werden muß, daß die jüdischen politischen Parteien, die beinahe das gleiche Programm haben, die einzelnen rumänischen Parteien gegeneinander ausspielen und dabei vollständig vergessen, daß sie selbst von diesen rumänischen Parteien als Spielball verwendet werden. Erst wenn diese Selbstbesinnung eintreten wird, erst wenn der politische Zusantmcnschlu ß aller Juden Großrumäniens erfolgt sein wird, wird man vom Anfang einer wahr* haften jüdischen Politik sprechen können. * Bukarest, 16. Mai. (J. T. A.) Die antisemitischen Exzesse in Bukarest, in mehreren Städten Altruminlens und im Kreise Marmorosch dauern an. Vor dem Studentenheim in Bukarest wurde Rabbiner Katz, als er dort vorbeiging, von Insassen des Heims fürchterlich mißhandelt. Die Studenten rissen ihm Bart und Haarlocken aus. Die Ortschaften Sziget, Bor sc ha und Viseu, die bereits Schauplatz schwerer antisemitischer Ausschreitungen in der letzten Woche gewesen sind, stehen immerwährend unter dem Terror einer mehr als hundert Köpfe zählenden antisemitisehen Bande, die von dem angeblichen Studenten B a n i 1 a und dem Pfarrer Andrej Berindei angeführt wird. In Rumänien fanden die judenfeindlichen Ausschreitungen in verschiedenen Städten ihre Fortsetzung. Besonders schwere Exzesse kamen in K i m p o 1 u n g (Bukowina) vor. Es ist festzustellen, daß sich die Judenheit überall selbst sehr kräftig zur Wehr setzt. In einigen Orten hat die Polizei auf Grund jüdischer Proteste energische Maßnahmen gegen die exzedierendeu Cuzisten ergriffen. Besprechung mit Sh* John Simpson Jerusalem, 24. Mai. (J.T. A.) Colonel F. H. Kisch hatte am Freitag, aeni 23. Mai, eine Besprechung mit Sir John Hope Simpson, der vor wenigen Tagen in Palästina einment, wonacn oei öoaenverkauten jenem reuacnen, aer truner den betreffenden Boden bearbeitete, 50 Dunam Boden belassen werden. Simpson hatte auch eine Zusammenkunft mit dem Führer der jüdischen Arbeiterschaft Ben Zwi, der ihm die Ansichten der palästinensischen Arbeiterorganisation (Histadruth) betreffend die Fragen des Bodens und der Einwanderung auseinandersetzte. I '111