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Jüdische Rundschau · 1930-05-27 · Heft 41 (27.5.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 41 (27.5.1930)
Date
1930-05-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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I Seite 284 # JUEDISCHE RUNDSCHAU Die Union der Zionisten-Revisionisten teilt mit: Der revisionistische Vorschlag auf baldige Einberuf ungdes Zioniste n ko ng ress es hat in den letzten Tagen die Unter- Stützung verschiedener zionistischer Körperschaften gefunden. Der revisionistische Vorschlag lautet auf Einberufung eines normalen Kongresses mit vorajgegangcnen Neuwahlen , nicht etwa eines außerordcntliefwn Kongresses, der in Wirklichkeit eine Fortführung des letzten Kongresses seit! würde. Der Kongreß sollte nicht später als im September 1030 stattfinden; für Neuwahlen Ist reichlich Zeit vorhanden. Die Suspendierung der Einwanderung hat in der g e s a m - ten amerikanischen OeffentIic 11 keit großes Aufsehen erregt. Fast alle amerikanischen Zeitungen bringen die von der J. T, A. verbreitete Nachricht über die Suspendierung der Clialuz-Einwanderting auf der ersten Seite. Die jüdische Presse in den Vereinigten Staaten greift sehr scharf die britische Arbeiterregierung an. Das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten in Washington teilt der J. T. A. mit, daß die von dieser veröffentlichte Nachricht, die amerikanische Regierung hätte ihren Konsul in Jerusalem ersucht, über den Eindruck der Suspendierung der Einwanderung und der Mission Sir John Hope Simpsons zu bcrichten, mit den Tatsachen nie htüberei 11 stimmt. Ein Appell des Keren Hafessod Jerusalem, 23. Mai. (J. T. A.) Das Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem erließ einen von Dr. Arthur Hantke und Leib Jaf f e Unterzeichneten Appell an die Keren Hajessod-Komitees und an alle Mitarbeiter des Keren Hajcssod, in welchem es heißt: Eine schwere Stunde machen wir jetzt durch. •Das jüdische Volk, Erez-Israei und die Diaspora sind in Ihren tiefsten Tiefen erschüttert und empört Die die Einwanderung verbietende Vcr- Ordnung bedroht den Lebensnerv der jüdischen Bewegung. Das jüdische Volk überall in der Welt hat bereits seinem Proteste »ind seinen Forderungen Ausdruck gegeben. Das ist aber nicht genug. Ke Welt soll erfahren, daß wir nicht einen Augenblick daran denken, in unserem Werke des Wiederaufbaus Erez-israels innezuhalten. Unter allen Umständen und allen Schwierigkeiten zum Trotz führen wir dieses Werk fort. Mehr als je ist es jetzt unsere Pflicht, der Welt zu zeigen, was Erez-Israel unserem Volke bc- 1 deutet Nicht einen Augenblick werden wir unsere Arbeit unterbrechen. Mit erhöhter Hingabe und verdoppelter Energie gehen wir an dfe Arbeit für den Keren Hajessod heran; cs gilt die Wett davon zu überzeugen, daß das jüdische Volk nicht erlahmt, Saß keine Macht auf Erden unsere Hoffnungen und unsere Bestrebungen vernichten kann. Nichts wird unsere Arbeit am Wiederanfbmuinseres Landes und seines Schicksals aufhalten. Möge jeder luf seinem Posten stehen und seine Arbeit tun. Mögen Unsere Taten unserem Proteste Kraft verleihen. Auch diese Stunde des Schmerzes wird Vorbeigehen. Der Keren Hajessod aber, der die Einwanderung und Landansiedlung f inanzierte muß stets tatbereit äastehen. Ein Artikel des ״Manchesler Gaardian“ Der Londoner Korrespondent des ״ManchcsterOiiar* ן dxan“ schreibt! Bereits bewilligte Einwanderungszertifikate sind zurückgezogen, der Bodenverkauf an jüdische Siedler ist unterbunden worden, bis zu der Zeit, in der Sir John Hope Simpson seinen Bericht erstattet haben wird. Ke neue Krisis trifftdasPrestigevonDr. Weizmann schwer. Dr. Wefcnanh hat all« auf seine Loyalität gegenüber der englischen :"Kegteri«1# jgpe9e£ztv% iattf FRinderfert von Rednertribünen hat er sie mit großem Risiko für sich kraftvoll gegen die Revisionisten verteidigt Sein« Position wird nun rapide unhaltbar, Ich hörte sogar Andeutungen über seinen bevorstehenden Rücktritt von der Leitung der Zionistischen Organisation. Ich hoffe, daß sich dies« Gerücht als falsch erweisen wird, aber es scheint njaht ohne Grundlage zu sein. Es ist schwer, sich die Zionistisehe Organisation ohne Dr. Weizmann an ihrer Spitze ^orzustellen, denn die ganze Bewegung in ihrer heutigen Form ist seine Schöpfung. Unter jedem anderen Führer würde diese internationale Organisation England gegenüber weit weniger freundlich sein. ״Manchester Guardian״ fügt dieser Mitteilung den folgenden Kommentar hinzu! Kaum ist der Irland-Krebs in unseren Internationalen Beziehungen geheilt, so hat MacDonalds Unentschlosenheit eine noch schlimmere Krisis, in den Bezichungen zur J«d enheit, heraufbeschworen. Der Druck von zwei Seiten Englands Palästina-Politik In der Prager ״Selbstwehr“ wägt F. W. die auf Englands Politik wirkenden Einflüsse folgendermaßen ab: ״Englands Palästinapolitik steht heute unter einem doppeiten Druck, der in entgegengesetztem Sinne wirkt. Da Ist vorerst der arabische Druck: eine —- wie wir jetzt sehen — sehr klug geführte arabische Politik hat es verstanden,, die verschiedensten politischen Strömungen in ihr Bett zu leiten und zu organisieren, Die junge, aber rasch erstarkende arabisehe Nationalbewegung, die religiöse Bewegung, die ägyptische Araberpofitik, die ind^che Araberpolitik (heyte für England von höchster Bedeutung), die Ziele der katholischen Kirche. Die arabische Politik hat sich alle diese Kräfte zu Nutzen gemacht, in skrupelloser Weise in Palästina Mord und Totschlag entfacht, das Prestige Englands gefährdet, hat nun alle diese Mächte gegen Englands Mamlatspolitik eingesetzt und diesen Kräften in der arabischen Delegation ein Sprachrohr geschaffen. Auf der anderen Seite steht der jüdische D r u c k. Vor allem die Macht des feierlich gegebenen Versprechens, des vor dem Völkerbund abgeschlossenen und von allen Völkern ancrkannten Palästinamandatsvertrags, und das Prestige Englands, dann die Sympathie der Juden der ganzen Welt, insbesondere ן auch die der Engländer und der einflußreichen Juden Amerikas; ן die Gerechtigkeit des jüdischen Anspruches auf Palästina und die wclthistoräehc Bedeutung des jüdischen Palästinaaufbaues; und last notneast die Bedeutung!. Palästinas für England, von dem heute schon klar ist, daß es für England nur als Mandatsland zu halten ist, und vor allem nur als Jüdische Heimstätte; denn als arabisches Land würde es in kürzester Zeit den Weg Aegyptens gehen. In dieser Situation, vorbereitet durch die Unruhen in Palästina und durch den Shaw-Bericht, kam nun die arabische Delegation nach London und verlangte im Bewußtsein aller Kräfte, die sie hinter sich wußte, nichts geringeres als Abschaffung der Balfour-Deklaration, Verbot des Bodenkaufs für die Juden, Sperrung der Einwanderung, Einführung einer Konstitution. Und darauf sagten die Engländer deutlich: Nein. Balfour- Deklaration und Mandat bleibt. Wir verhandeln nur im Rahmen dieser Verträge. Und darauf erklärten die Araber die Verhandlungen für abgebrochen. Es hat also — wir dürfen bei aller Empörung, die uns jetzt ergriffen hat, diese Tatsache nicht gcringschätzen — im P r i nzip der jüdische Standpunkt gesiegt. Die Araber haben trotz aller ihrer Hilfskräfte, trotz einer für sie ganz unwahrscheinlich günstigen politischen Situation ihre Kardinalforderungen nicht durchzusetzen vermocht. Das heißt nun aber durchaus nicht, daß England diese arabischen Kräfte unterschätzt und daß es sich die Araber zu Feinden machen will; und so ging nun die englische Regierung daran, auf die Wunde, die sie durch Ablehnung der Kardinalforderungen geschlagen hat, den B a 1 s a m sachlicher Konzessionen zu träufeln. Und England gab den Arabern: Simpson; England gab offenbar auch Versprechungen einer Konstitution wenn auch darüber nichts genauer bekannt ist; und England gab nun jetzt die provisor ischeEinwanderungs sperre. Das letztere ist ein Erfolg, mit dem sich die^rabische Delegation schon zuhause zeigen kann, und das war wohl der Hauptzweck der Uebung. Mit jedem neuen Schritt der Entwicklung wirr! uns Englands Politik deutlicher. Wir beurteilen sie im allgemeinen viel zu kompliziert; sie ist unerhört einfach; England sucht den Weg, der zwischen dem arabischen und dem jüdischen Druck hindurehführt; und es sucht diesen Weg empirisch: es weicht dem stärkeren Druck und probiert aus, wieweit der Gegendruck nachgibt; so ergibt sich dann ein Weg, der wohl einen Zickzack-Charakter hat, aber doch schließlieh zum Endziel führen kann, Palästina zu behalten, ohne sich die Araber zu verfeinden. ist diese Erkenntnis richtig, so geht daraus hervor, daß wir in diesem Kampf alle unsere Kräfte zusammennehmen und gerade in diesem akuten Moment afle unsere politischen H ilfs mittel mobilisieren müssen: die Gerechtigkeit unserer Sache, das Gewissen der Welt, die Auto* rität des Völkerbundes, die Ehre Englands, die moralischen und materiellen Kräfte der Juden der ganzen Welt, den deutliehen Willen des jüdischen Volkes. ... Es muß klar werden, daß wir den Versuch, das Mandat wohl zu erhalten, es aber auszuhöhlen bis es sinnlos ist, ebenso beurteilen, wie den offenen Bruch einer internationalen Verpflichtung.“ Die kritische Woche Die Verhandlungen der Regierung mit der Jewish Agency Wie jetzt bekannt wird, hat die englische Regierung, noch vor dem Abbruch der Verhandlungen mit den Arabern, eine Konferenz mit Vertretern der Jewish Agency abgehaltcn, bei der die arabischen Forderungen diskutiert wurden. An dieser Besprechung, die am!2. Mai stattfand, nahmen seitens der Regierung u. a. der Primeminister MacDonald und der Kolonialminister Lord P a s s f i e I d, seitens der Jewish Ajjency Dr. Weizmann, Lord Meichett, Lord Reading, James de Rothschild und Ruthenberg teil. Die jüdische Delegation erklärte, daß sie die arabischen Forderungen für unvereinbar mit dem Mandat betrachtet. Am nächsten Tag, dem 13. Mai, wurde von der Regierung mitgeteilt, daß die Ver- Handlungen mit der arabischen Delegation beendet sind. Die Araber gaben daraufhin das bekannte Kommunique aus, worin sie ihre Abreise ankUndigen. Am 14. Mai erfolgte dann die telegraphische Suspendierung der Zertifikate. Am 16. Mai war der moslemische ״Palästina-Tag“ in Indien und Palästina, am 21. Mai die Uebergabe der antizionistischen Re- Solution an den Vizekönig. Am 22. Mai fand der jüdische Proteststreik in Palästina statt. Am 23. Mai verließ die arabische Delegation London. ז Kundgebungen in Wien Von unserem w. st.-Koirespondentcn Wien, am 23. Mai 1030. . Die :.jüdisch« Bevölkerung Oesterreichs wurde durch dif letzten Nachrichten aus Palästina besonders stark erregt, weil die ״Neue Freie Presse“ die Meldungen in sensationeller Aufmachung brachte. Eine vom Landeskomitee rasch einberufene Versammlung, die schon am 21. d. M. im 'Konzerthaus, dem größten Saal Wiens, stättfand und bei der auch der Präsident der Kultusgemeinde, Univ.-Prof. Dr. Alois Pick, anwesend war, und in welcher außer dem Obmann des Landeskomitees, Dr. Jakob Ehrlich, und Ing. Robert Stricker auch die Vertreter der Revisionisten, der Hitachdutli und ein palästinensiseher Arbeiter das Wort ergriffen, gestaltete sich zu einer massenhaft besuchten eindrucksvollen Kundgebung. J)ie einstimmig gefaßten Resolutionen sprachen die tiefste Entriistung über das Vorgehen der englischen Regierung aus, riefen den Völkerbund als Auftraggeber Englands an und verlangten die Einberufung eines Kongresses, der das einmütige Bekenntnis der gesamten Bewegung für das Aufbauwerk zum Ausdruck bringen soll. Schon für den nächsten Tag beriefen die Demokraten und Revisionisten ihrerseits durch Flugblätter eine Versammlung ein, in der sich die Redfier weniger mit der Haltung der englischen Regierung, als mit der Forderung nach dem RiicktrittWeizmanns befaßten. Die in der großen Versammlung beschlossene Resolution einer Einberufung des Kongresses wurde in Entstellung der Wahrheit als gegen Weizmann gerichtet erklärt. Alle Redner, besonders aber Ing. Robert Stricker, machten auch jetzt wieder Weizmann für alles verantwortlich, da er durch die Agency die Organisation fast völlig zugrunde gerichtet habe. Nach dem Echo, das diese Angriffe fanden, waren die allgemeinen Zionisten mindestens gleich stark vertreten, so daß es die Leitung dieser Veijammlung von ״Demokraten“ vorzog, über das Mißtrauensvotum gegen Weizmann, das nur unter stürmischem Protest verlesen werden konnte, rasch abstimmen zu lassen und ohne die stürmisch geforderte Gegenprobe durchzuführen, in Eile die Ver- Sammlung zu schließen. Selbst von eigenen Anhängern wurde diese Handlungsweise des Präsidiums verurteilt. Keinesfalls drückt die Resolution die Ueberzeugung der Majorität der Ver- Sammlung aus. Eine zionistische Deputation bei Masaryk (Von unserem Berichterstatter.) hl. Prag, den 22. Mai 1030.. Präsident Masaryk empfing heute eine Deputation des Jüdisehen Nationalfonds unter Führung des Abg. Dr. Ludwig Singer. Die Deputation überreichte Präsidenten Masaryk eine künstlerisch ausgestattete Adresse, die tausende Unterschriften tschechoslowakischer Juden enthält, die zur Schaffung des Masaryk-Wakics, der in Sarid bei Nahalai bereits gepflanzt wird, beigetragen haben. Abg. Dr. Singer betonte in seiner Ansprache die Verehrung der gesamten Judenheit für Masaryk, die in der begeisterten Aufnahme der Aktion des Jüdischen Nationalfonds ihren Ausdruck gefunden hat. Dr. Singer dankte bei dieser Gefegenheit dem Präsidenten für das große Verständnis und Wohlwollen, das er stets bisher dem jüdischen Aufbauwerke in Palästina entgegengebracht hat. Masarvk nahm mit Dank die Adresse entgegen und erkundigte sich über die momentane Lage in Palästina, die er mit der Deputation eingehend besprach. Durch Anfragen an einzelne Mitglieder gab er der Deputation Gelegenheit zu einer Aussprache über die Lage der Juden in der Tschechoslowakei, über das jüdische Schuiwerk in der Republik, insbesondere über die hebräischen Schulen in Karpathorußland, wo es hebräische Kindergärten und Volksschulen und ein hebräisches Gymnasium gibt. Bei dieser Gelegenheit wies die Deputation auf ,die kulturellen Forderungen der Juden hin, deren Erfüllung von der Staatsverwaltung erwartet Wird. Die Unterredung trug einen durchaus herzlichen Charakter und bewies aufs neue die Sympathien des Präsidenten Masaryk für $ Nr, 41, 27, V, 1930 das jüdische Aufbauwerk in Palästina und die jüdisch-nationalen Bestrebungen im Galuth. * Die Verfügung über dicEitiwanderungsbcschränku n g nach Palästina hat auch in der Tschechoslowakei einen starken Widerhall ausgdöst, der sich in zahlreichen Protesten äußert. Der GeschäftsfüJjrende Ausschuß der Zionistischen Organisation hat eine Resolution angenommen, in der er der tiefen Empörung der gesamten tschechoslowakischen Judenheit Ausdruck verleiht und einen Aufruf erlassen, in dem alle Juden, die bisher noch nicht der Zionistischen Organisation angehörten, angesichts der Wichtigkeit der Stunde aufgefordert werden, jene nun endlich durch ihren Beitritt zu stärken. Der Hechaluz und die Poafe Zion haben Protesttelegramme an die Labour-Party nach London gerichtet. Für Anfang Juni ist eine Tagung des zionistischen Landesverbandes sowie der tschechoslowakischen Sektion der Jewish Agency geplant. Die politischen Faktoren Palästinas Ein Artikel von Ben (znrion ן ln der Tel-Awiwer Wochenschrift ,JI a p o e l -11 a z a i r" dir■ felzl ah Organ der neuen vereinigten Arbeiterpartei erscheint, schreibt der bekannte palästinensische Arbeiterführer D. T! c n - 0 u r i n n in der Nummer vom Iß. Mai ,,Zwei Bemerkungen zur politischen Diskumion", die größte Aufmerksamkeit verdienen. 11 1r geben nachstehend den Artikel in gekürzter Form wieder: Bemerkung 1: Der entscheidende Faktor in der politischen Lage des Zionismus liegt nicht außerhalb von uns, sondern b e i uns selbst. Die indischen Moslems fassen eine Resolution gegen den Zionismus, in der ״Times“ steht ein uns nicht angenehmer Satz, die Untersuchungskommission entscheidet gegen uns: gleich ergreift uns Panik. Es wird eine günstige Erklärung von MacDonald veröffentlicht, irgendeine Zeitung schreibt einen pro-zionistischen Artikel: gleich feiern wir Feste. Gegen diese Hysterie müssen wir mit allen Mitteln kämpfen. Die entscheidende Kraft für den Zionismus ist nicht die ״Times“ oder irgendein englischer Politiker, sondern der Wille u n dd i e Fähigkeit des jüdischen Volkes. Das Schick JI Paiästinas werden nur jene entscheiden, für die Palästina eine Frage von Leben und Tod ist. Die Tausende von Juden, die mit ihrer ganzen Existenz mit Palästina verbunden sind, sind der entscheidende Faktor. Unsere politische Kraft besteht in einem unbedingten Zionismus, der keine Zweifei und keine Furcht kennt. Die Vergrößerung dieser Kraft durch Einwanderung und Kolonisation ist die wirksamste politische Tätigkeit. Bemerkung 2: Wir arbeiten nicht im leeren Raum, und cs gibt auch außer uns politische Kräfte und Faktoren. Sie sind nicht entscheidend, aber sie sind imstande, unsere Tätigkeit zu erleichtern und zu beschleunigen oder zu hindern und zu stören. Unsere politische Aufgabe ist es, die erstcren Kräfte zu stärken und die letzteren zu vermindern. Unter den englischen Politikern haben wir treue Freunde, jede englische Regierung bestätigt Balfour-Deklaration und Mandat, in der letzten Zeit wurde durch intensive Propaganda unsere politische Stellung in Parlament und Presse gemarkt. Was ist alsoderGrund für unsere schlec h te p olitisch c L'age? Die allgemeine Antwort ist: die Beamtensch'aft. Die Kolonialbeamten schikanieren uns, sabotieren das Mandat und die Anweisungen von London usw. Alle Schwierigkeiten und Sorgen führen wir auf Umtriebe der Bearatenschaft zurück. Diese allgemein akzeptierte These lehne ich ab. Ich glaube nicht an diesen Teufel, der an jede zionistische Wand gemalt wird. Die bei uns allgemein verbreitete Ansicht, daß die große Mehrheit der Beamten Antisemiten und Antizionisten sind und die Minderheit im besten Fall indolent und neutral und nur ganz vereinzelte Ausnahmen unsere Freunde — diese Rechnung ist falsch. Nehmen wir als Beispiel die höheren Beamten. Dem jetzjgen H. C. gingen voraus Samuel und Plumer; wird Jemand sagen, daß diese unsere Feinde sind? Als Chief Sekretäre hatten wir außer Luke früher Decdes, Clayton, Symes; nicht ganz klar war die Stellung von Syines, aber die beiden ersten waren sicherlich nicht unsere Feinde. An die Spitze von zwei wichtigen Departements — Justiz und Einwanderung — wurden zwei Juden gestellt, die einmal zionistische Bücher geschrieben haben. Ich will nicht die Beamtenschaft verteidigen, aber ich akzeptiere nicht die allgemeine Behauptung über die Bosheit der Beamtenschaft und sehe in diesem Geschrei gegen die Beamtenschaft eine hysterische Ucbcrtreibung, eine Verzerrung der Wirklichkeit und eine politisehe Kurzsichtigkeit. Wir jagen dem Schatten nach und sehen nicht, wer den Schatten wirft. Man redet über die Notwendiglfeit, die Beziehungen zu den Beamten zu verbessern, sie uns zu nähern. Man braucht diesen politischen Faktor, den man Beamtenschaft nennt, nicht gering zu schätzen -*aber d i e Erfahrung von zehn Jahren beweist uns, daß eine gute oder schlechte Beamtenschaft die Dinge nicht grundlegend ändern kann. Wir müssen endlich die Dinge sehen, wie sie sind. Hinter dem Schatten der Beamtenschaft müssen wir den wirklichen ausschlaggebenden politischen Faktor sehen. Es ist nämlich außer uns in diesem Land noch eine wirkliehe politische Hauptkraft — die Araber. Sie sind es, die den Schatten werfen, der uns im Lande begleitet. Die zionistische Politik hat bis heute diese deinentare Tatsache nicht begriffen. Und auch als schon das Gewitter losbrach, haben wir nur Schatten gesehen: den Mufti, die Arabische Exekutive usw. Aus einer moralischen Ab- Schätzung machten wir es uns leicht, Menschen zu diskreditieren: Hetzer, Pogromisten, Profitjäger. Aber wieder haben wir nur Schatten nachgejagt und die Augen verhüllt vor dem Ding, das den Schatten wirft. Was ist denn die Kraft, die Gefahr und die Stütze des Mufti? Das arabische Volk ist cs, das den Hetzern und Anklägern ihre Macht gibt. Wenn dem Bcschlu^der indischen Moslems, dem Artikel der ״Times“, den Schlußfolgerungen der Untersuchungskommission ein politischer Wert zukommt, so ist dies nur darum, weil ein wirklicher politischer Faktor da ist, nämlich die Araber in Palästina. Und vor diesem Faktor verschloß und verschließt die zionistische Politik die Augen. Bezüglich dieses Faktors haben wir kein politisches Programm. Und s 0 - lange wir keinen Weg zu einer politischen Verständigung und zu einer gemeinsamen politisehen Tätigkeit mit den Arabern haben, werden uns all unsere Versuche, politische Lösutigen anderswo zu suchen, nicht helfen.

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