Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 40 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 278 JUED1SCHB RUNDSCHAU Nr* 40, 23. V. 1030 wollte. Und eine klare Feststellung dieser Art wird man in dem Bericht vergeblich suchen. Die Verantwortlichkeit der Regierung wird in einem Kapitel behandelt, dessen Uebarschrift ״Klagen der Zionistischen Palästina-Exekutive gegen die Palästina-Regierung“ für die Einstellung der Kommission charakteristisch ist. Als ob sie nach Palästina nur entsandt wäre, um Klagen anzuhören, und nicht vor allem, um ex officio die Schuldfrage zu klären! Es liegt zwar auf einer anderen Ebene, mag aber in diesem Zusammenhange erwähnt werden, daß der Bericht an mehr als einer Stelle die Regierung von dem Vorwurf, eine möglicherweise nützliche Handlung unterlassen zu haben, mit der Bemerkung entlastet, diese Handlung sei von keiner Seite angeregt worden. Als ob Regierungen nur auf Anregungen von dritter Seite zu funktionieren hätten! Dabei werden auch direkt falsche Feststellungen getroffen. So wird die Schwäche der Regierung gegenüber der Hetzkampagne der arabischen Presse teilweise damit entschuldigt, daß die Zionistische Exekutive die Regierung nie zu einer Aktion gegen die arabische Presse aufgefordert habe. Dies steht mit den nackten Tatsachen In Widerspruch. Sehr obenhin wird die Frage geprüft, warum Luke nicht bereits vor dem 23. August Verstärkungen angefordert oder mindestens die ihm zur Verfügung stehenden Truppen bereitgestellt hat. Zu seiner Entlastung wird wesentlich angeführt, er habe die Entwicklung der Ereignisse nicht vorausgesehen, während die Frage scharf dahin hätte gestellt werden müssen, ob er die Entwicklung hätte voraussehen sollen. In dieser Beziehung heißt es nur: ״Mr, Luke glaubte — und er hatte nach unserer Meinung einigen Grund zu glauben — daß die kritischste Periode vorüber war“, — wenigstens, wie es an anderer Stelle heißt, ״für einige Tage“. Er hatte ״einigen Grund“ zu glauben. Aber war dieser ״einige Grund“ nach Ansicht der Kommission ausreichend? Sie bejaht diese Frage, aber nur in offenbarer Verlegenheit. Dabei bleiben die Aussagen der Polizeioffiziere Major Saunders, Kommandeur Playfair, Quigley, Besta, O’Rourke, die alle ״trouble“ voraussahen, ohne Würdigung. Daß die transjordanischen Streitkräfte nicht rechtzeitig herangezogen wurden, findet die Kommission u. a. deswegen begreiflich, weil Luke mit der Möglichkeit von Unruhen in Transjordanien rechnete, ohne daß ihr einfällt, die Frage aufzuwerfen, ob dies nicht um so mehr ein Grund hätte sein müssen, um Verstärkungen herbeizuholen. Eine Frage drängt sich beim Lesen des Satzes auf, mit dem die Weigerung der Regierung, Juden zu bewaffnen, abschließend gebilligt wird, — die Frage nämlich, ob die Kommission zu dem gleich«! Ergebnis gekommen wäre, ifnd ferner, ob sie sich ebenso ausgedrückt hätte, wenn die Angegriffen« nicht Juden, sondern Engländer gewesen wären. Der Satz lautet: ״Es ist ein fundamentaler Fehler, wenn bei einem Ausbruch zwischen Angehörigen verschiedener Nationalitäten eine große, nur einem Teil der Bevölkerung entnommene Anzahl von Personen durch die Regierung bewaffnet wird“. Man erfährt an einer anderen Stelle, daß zwei Mitglieder der Kommission nicht nur die Einführung versiegelter Notwaffenlager in den Kolonien für dief Zukunft nicht billigen, sondern StfftJuiflflsMng für Ä?,V«t((a»ge11hett rechtfertig«, ohne .etwas darüber zu hören, wie diese Herren die Beweisaufnahme würdigen, nach der in mindestens drei Fällen die Rettung von Siedlungen nur dem Vorhandensein von Waffen und jüdischer Selbstverteidigung zu verdanken war. Die Entwaffnung der jüdischen ״Special Constables“ findet der Bericht peinlich, aber gerechtfertigt, wobei aus dem Verhör von Major Saunders nicht mitgeteilt wird, w i c sich dieser Vorgang vollzog, nämlich anläßlich einer öffentlichen Parade, bei der die Juden einzeln aus der Front zu treten hatten. Für die Beurteilung spielt es eine gewisse Rolle, ob der Beschluß zur Entwaffnung erst am 27. August oder schon am 24. August gefaßt wurde. Die Kommission akzeptiert ohne Angabe von Gründen die Aussage des interessierten Luke gegenüber der Bekundung des desinteressierten Major Saunders. Auch in anderer Beziehung existieren hier wichtige Differenzen ln den Aussagen der Regierungszengen, ohne daß der Bericht den Versuch machte, sie zu analysieren. Es besteht kaum ein Zweifel, daß das Gemetzel in Jerusalem hätte vermieden werden können, wenn die Polizei nicht erst um 2,30 Uhr, sondern zwei Stunden früher, beim erst« Beginn der Unruhen, Feuer eröffnet hätte. Der Bericht muß, um die Behörden zu rechtfertigen, erklär«, warum dieses Mittel, das in Jaffa und Sichern die Unruhen im Keime erstickte, in Jerusalem nicht anwendbar war. Zuerst wird festgestellt, daß in Sichern und Jaffa die Menge nur aus Uebeltätern bestand, während sie sich in Jerusalem aus friedliehen und unfriedlich« Elementen zusammensetzte. Abgesehen von der Frage, warum die friedlichen Elemente nicht zunächst hätten aufgefordert werden können, sich zurückzuziehen, stützt sich die tatsächliche Feststellung über den gemischten Charakter der Menge einseitig auf die Aussage eines Polizeisergeanten, die nicht in das Bild hineinpaßt, das Major Munro und Major Harrington entwarfen. Weiter meint der Bericht, der Ausbrach in Jaffa erfolgte an einem Tage, als bereits Verstärkungen nahten, während in Jerusalem am 23. August nur 70 britische Polizisten verfügbar waren. Gesetzt, diese schwache Truppe wäre von der wütenden Menge überwältigt worden, so wäre alles verloren gewesen. Darauf ist zu erwidern, daß man hiernach am 23. August überhaupt nicht hätte schießen dürfen, während die Frage nur darip besteht, ob nicht das Feuer zwei Stunden früher hätte eröffnet werden sollen, als es tatsächlich geschah. Schließlich nahten im Falle von Sicnem auch keine Verstärkungen, und die Anzahl der britischen Polizisten war ebenfalls unbedeutend. Im Falle von Sichern wird noch angeführt, daß dort keine Juden leben, daß die Massen daher weniger erregt und ininfolgedessen durch Gewehrfeuer leichter abzuschrecken waren als es in Jerusalem am Jaffator möglich gewesen wäre. Ein wunderbares Argument! Die Polizei darf also feuern, wenn es für die Araber keine Juden zu morden gibt, und sie muß zurückhaltend sein, wo Juden durch Araber bedroht sind. Man kann nur sagen, daß diese Taktik sich in Jerusalem nicht bewährt hat. In der Behandlung der Wirtschaftslagen nimmt die Oberflächlichkeit des Berichtse noch größere Dimensionen an. Aber bereits die vorstehenden Beispiele, die, wie gesagt, aus einem viel umfangreicheren Material herausgegriffen sind, mögen genügen, um Zweifel an der Unvoreingenomntenheit und Griindiichkeit der Kommission aufkommen zu lassen. Amery über Pal&stina - Politik Ansprache hn Pro Palästina-Komitee. Wie bereits kurz gemeldet, veranstaltete das Deutsche Komitee Pro Palästina anläßlich der Anwesenheit des ehemaligen Kolonialministers Mr. Amery, der zur Paneuropa- Tagung in Berlin weilte, am 19. dg. Mts. ein« Empfang im Kaiserhof. Namens des Präsidiums begrüßte Legationsrat Prof. Sobernheim den Gast, worauf Mr. Amery eine längere Ansprache hielt. Nach der mit Beifall aufgenommenen Rede sprach Dr. Siegfried Moses namens der Zionistischen Vercinigung für Deutschland dem Gast den Dank für seine Worte und für seine der zionistischen Sache geleisteten Dienste aus. Der Redner betonte, daß die zionistische Welt, die jetzt von schweren Besorgnissen erfüllt ist, auch In Zukunft auf die Freundschaft Mr. Amcrys rechnet. Zum Schluß sprach noch Herr Lichtheim, der eine Anzahl von Frag«, die jetzt den Zionismus beschäftigen, aufwarf, und insbesondere der schweren Enttäuschung der Zionisten wegen der Suspendierung der Einwanderungszertifikate Ausdruck gab. Wir geben nachstehend die Ansprache Mr. Amerys wieder. Mr. L. S. Amery: Ich weiß, daß seit den Unruhen in Palästina und seit dem Bericht der Shaw-Kommission eine gewisse Furcht in der ganzen jüdischen Welt zutage getreten ist, daß wir vott unserer Politik abweichen werden. D׳avon kann keine Rede sein. Wir sind nicht gewohnt, unser Wort zu brechen. Das Wort Englands ist durch die Balfour-Deklaration an die Welt und besonders an das Judentum gegeben worden, und dieses Versprach« haben wir gegenüber ganz Europa in Genf wiederholt, als wir das Mandat übernahmen. Jede britische Regierung seit dem Krieg bat die Politik in dieser Frage unverändert weitergeführt. Führer aller drei Parteien sind aktive und tiefüberzeugte Anhänger dieser Politik. Wir glauben, daß in der Idee des Jüdischen Nationalheims etwas liegt, was nicht nur für das Judentum ein sentimentales und kulturelles Interesse hat, sondern auch etwas, was für den ganzen Nahem Orient bedeutungsvoll sein kann. Wir glauben, daß durch das Jüdische Nationalheim in Palästina ein Kern und Keim moderner Entwicklung, des westlichen Geistes, sich in diesem ganzen Weltteil entfalten und erweitern wird. Ein Weltteil, der geschichtlich von unermeßiieher Bedeutung Ist, am dem die drei größten Religionen der Weit entsprang« sind, die alte Heimat großer Zivilisationen, die noch leben und wirken. Wem« man von den wunderbaren Funden in Ur hört und bedenkt, daß diese Kunstwerke achtzehnhundert Jahre begraben lagen, als der hinge Abraham in den Straßen von Ur herumging, so bekommt man einen Begriff davon, was dieser kleine Erdstrich von Mesopotamien bis Aegypten für die Zivilisation bedeutet. Von diesem Standpunkt aus ist auch mein eigenes persönliches Interesse an dieser Sache begründet. Meine erste Berührung mit der Frage kam freilich von einer anderen Seite. Als ich im Krieg die Fragen des Nahen Orients vom militärischen Standpunkt betrachten mußte, war ich interessiert daran, daß wegen des Schutzes des Suezkanals Palästina nicht unter andere Herrschaft käme. Der nächste Schritt war die Ueberlegung, daß, wenn wir Interesse an Palästina haben, das Land, auch Fortschritte machen sblf, und wir s«5t lohnte diesi^orfechrttte bewirken, wenn nicht die Juden, die tiefes historisches Interesse mit dem Land verbindet? Aber von diesem ersten Standpunkt bin ich sehr bald zu der weiteren Entwicklung gekommen, die ich oben angedeutet habe, nämlich zu der Erkenntnis der Bedeutung des Fortschritts Palästinas für den ganzen Nahen Orient. Die Hauptsache, die ich in der jetzigen Situation zu sagen habe, ist, daß Sie keine Aenderung in der Richtung der englischen Politik zu fürchten haben. Was den Bericht der Shaw-Kommission betrifft, wäre es vielleicht besser gewesen, wenn sie sich etwas enger an ihre Kompetenz gehalten hätte. Denn die direkte Ursache der Unruhen war eine sehr einfache. Wir hatten aus' ökonomischen Gründen die Polizei Im Lande zu stark vermindert, und besonders den englischen Teil der Polizei, und in einem Lande, wo Rassenfragen aus kleinen Konflikten sich schnell auszudehnen pflegen, war es etwas unvorsichtig, den englischen Kern der Polizei zu vermindern. Ich sage das ganz offen, denn eigentlich bin ich gewissermaßen der Schuldige, wie dies unter meiner Verantwortung und mit meiner Genehmigung geschehen ist, — in einer Zeit, wo jedes Pfund wichtig war für die ökonomische Entwicklung des Landes, das damals eine schwere ökonomische Krise durchmachte. Ich glaube, daß der Bericht eine etwas irreführende Pers p e k t i v e der ganzen Situation gibt, eben weil er ein Berieht ist, der nach den Unruhen gemacht wurde, und in der Atmosphäre aller der gegenseitigen Anklagen der verschiedenen Zeugen vor der Kommission. Er gibt also ein Bild eines viel zu scharfen nationalen und Ökonomischen Gegensatzes zwischen den jüdischen und arabischen Einwohnern Palästinas. Als ich vor fünf Jahren in Palästina war, war mir auffallend, nicht der Gegensatz zwischen den zwei Teilen der Bevölkerung, sondern der wunderbare Aufschwung, den das ganze Land genommen hat, und den die Araber mindestens im gleichen Maß wie die Juden genossen. Dieser Aufschwung war zurückzuführen teils auf Einströmen jiidisehen Kapitals, teils auf die verbesserte Verwaltung und Gesundheitspflege. Es ist wichtig zu wissen, daß die arabische Bevölkerung trotz der starken jüdischen Einwanderung in höherem Maße gewachsen ist als die jüdische Bevölkerung, ich habe gesehen, wie in der Ebene Jesreei, wo vor einigen Jahren fieberbringende Sümpfe waren, überall der junge Weizen grünt: und auch die Araberdörfer sind infolge der verbesserten Verhältnisse von den Bergen wieder in die Ebene gekommen. Natürlich sind Gegensätze immer da und so können, auch Unruhen entstehen, wenn verschiedene Anlasse (wie in diesem Fall die Klagemauer) sie hervorrufen. Wenn dann die Regierung nicht die Mittel hat, die Unruhen sofort zu unterdrücken, können sic bedrohlichen Umfang annehmen. Aber in normalen Zeiten leben die zwei Völker zusammen und sie müssen auch in Zukunft zusämmen leben. Es kann keine Rede davon sein, daß die Araber der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina ein gewaltsames Ende machen könnten, ebensowenig wie es möglich ist, daß die Juden die Araber austreiben oder zu einer bedeutungslosen Minorität machen könnten. Die zwei Elemente müssen Zusammenleben und einen ge- »einsamen palästinensischen Patriotismus entwickeln, der mit dem Patriotismus für das Jüdische Nationalheim durchaus nicht unvereinbar sein muß. Nationalismus In dem Sinne, daß man fanatisch daran glaubt, daß nur eine Sprache und ein Volkstum in einem bestimmten Staatsrahmen geduldet werden könne, diesen Nationalismus, der schon soviel Unheil über Europa gebracht hat, braucht man nicht in Palästina einzufübren. Leider sind die Keime des Hebels schon da. Vielleicht haben sich in den Anfängen einige Vertreter des Jüdischen Nationalheims in diesem Sinne geäußert, und auch die Araber sind schon stark •mit diesem Nationalismus infiziert, besonders seit dem Kriege. Dennoch ist diese Entwicklung noch nicht so weit gekommen, daß man Nationalitätenkämpfe in Palästina haben müßte. Wir haben doch bereits in der Weit Beispiele in entgegengesetztem Sinne, wie die Schweiz oder Kanada, wo Völker an ihrer Nationalität festhalten und dennoch einen Patriotismus für das Ganze haben. Ich hoffe, daß eine solche Zeit auch in Palästina kommen wird, und das Judentum, das an dieser Sache interessiert ist, kann in seiner Haltung gegenüber den Arabern sehr viel dazu beitrag«; auf den Juden als der zivilisierter« Nation liegt auch die größere Verantwortung. Freilich muß Ich sagen, daß im Augenblick eine Einigung der beiden Völker nicht möglich zu sein scheint. Ira Augenblick kann also die Regierung nichts anderes machen als das Mandat weiter führen und in der Verwaltung unbeirrt fortfahren. Die Forderungen der arabisch« Delegation waren ganz unannehmbar, da sie mit den Pflichten der Mandatarmacht unvereinbar sind, im Augenblick ist daher die Hauptsache, streng und gerecht zu regieren und mit der Mandatspolitik fortzufahren. Ich weiß, daß die Befürchtung im jüdischen Lager besteht, die Entsendung Sir John Simpsons bedeute ein Zurück weichen von dem Kurs dieser Politik. Dies ist nicht der Fall, in Wahrheit war es doch nur eine Frage, die wirklich durch den Shaw-Bericht in Zweifel gestellt wurde, nämlich ob es wahr ist, daß nicht genügend Land für die jüdische Einwanderung vorhanden ist und daß die bereits stattgefundene Einwanderung eine Klasse von landlosen und arbeitslosen Arabern erzeugt hat. Diese Frage soll Simpson untersuch«, und dafür hat er besondere fachmännische Befähigung. Ich glaube, daß sein Bericht ein unparteiisches und hilfreiches Dokumrat sein wird. Mittlerweile sind, wie ich heute hörte, die Einwanderungszertifikate suspendiert worden. Ueber diesen Beschluß will ich mich nicht äußern, aber ich kann nur sagen, daß nach meiner Meinung wir in der Vergangenheit vom ökonomischen Gesichtspunkt etwas zu schnell vorgegangen sind. Ich sagte dies schon 1925, als ich Tel-Awiw sah und die damalige große Einwanderung. Denn die Hauptsache ist nach meiner Meinung, daß wir sicher bauen. Das jüdische Nationalheim wird nach achtzehnhundert Jahren wieder aufgebaut, und es ist nicht sehr wichtig, ob dieser Aufbau zwanzig oder fünfzig oder sogar hundert Jahre dauern wird, dagegen ist es wichtig, daß gut und solide gebaut wird und die Fundamente so fest stehen, daß gie m sp|terer?eit $uch nicht erschüttert werden können. Dieser GMäiike, 1iäB;^f*V0!^allfftr diäiraüP anfammt, sicher zu bauen, hat mich geleitet, solange ich verantwortlich war. Ich bedaure, daß in den letzten Monaten ein empfindlicher Rückschlag der Palästinasache stattgefunden hat, aber Sic dUrfen nicht denken, daß ihr ein dauernder Schade zugefügt worden ist. Wie icli höre, ist in Palästina selbst das Leben wieder normal. Zehntausende neuer Orangenbäume 1. B. sind gepflanzt und wachsen in aller Stille weiter. Sie werden in einigen Jahren Früchte tragen, und das wird eine verstärkte ökonomische Grundlage der jüdischen Siedlung sein, die nicht angetastet werden kann. Ich habe bereits erklärt, daß im Prinzip keine Aenderung in der Haltung der englischen Regierung eintreten wird. Ob nach dem Bericht Simpsons vielleicht die Ein- Wanderung für einige Zelt etwas begrenzt wird, ob vielleicht irgendein Anfang einer Repräsentation mit offizieller Mehrheit gemacht wird, kann ich nicht sagen. Wir haben eine solche Repräsentation schon 1922 den Arabern angeboten, sie haben es abgelehnt, es scheint, daß sie es auch jetzt zurückweisen würden. Aber wir werden ruhig Weiterarbeiten, und ich glaube fest, daß wir in diesem Sinne auch die Mitwirkung, und zwar, wie ich hinzufügen möchte, die geduldige Mitwirkung des Judentums haben werden. Ich möchte noch ein paar Worte bei dieser Gelegenheit über Dr. Weizmann sagen. Viele Jahre habe ich mit Weizmann zu verhandeln gehabt. Er ist ein Mann, der in sich zwei Gaben vereinigt: Er ist ein Enthusiast, ja ein Fanatiker der Idee, und er ist, was damit selten vereinigt ist, ein Staatsmann, der auch die praktischen Schwierigkeiten der anderen versteht und sich gedulden kann. Ich habe immer gefunden, daß Weizmann auch unsere Schwierigkeiten verstanden hat, und daß er, wenn er etwas versprochen hat, sein Wort gehalten hat. Er ist ein Mann, demgegenüber ich immer größeren Respekt gewonnen habe. Es ist mir ein Bedürfnis, das auch in ihrem Kreise auszusprechen. Die SdMtaheit der Haila-Bacht Jerusalem, 19. Mai. (J. T. A.) Professor Leslie Pafrick Abercrombie, die bekannte Autorität auf dem Gebiete des Städtebaus und Professor für Städtebau an der Universität Liverpool, der während seines Aufenthalts in Palästina als Berater des Jüdischen Nationalfonds und der Palestine Economic Corporation In der Angelegenheit der architektonischen Gestaltung der Haifa-Bucht-Böden fungierte, erklärte Vertretern der Presse gegenüber, daß die Haifa-Bucht an Schönheit sogar die berühmte Bucht von Neapel übertreffe. Prof. Abercrombie sprach sich sehr lobend über die Anlage der jüdischen Siedlungen im Tale Jezreei und in Judäa aus. Es wies energisch die These zurück, daß die von den Juden betriebene Entwicklung des Landes den Reiz dieses Landes beeinträchtige. Abercrombie schloß, was er von jüdischer Arbeit in Palästina geseh« habe, habe einen solchen Eindruck auf ihn gemacht, daß er entschlossen sei, sich von jetzt ab intensiver mit der zionistischen Bewegung zu befassen. *