Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-05-20 · Heft 39 (20.5.1930) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 39 (20.5.1930)
Date
1930-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653194--21584-2679698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 270 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 20. V. 1030 an, die Vertreter des ״J, D. C.“ davon zu überzeugen, daß die Hilfe für die polnische Judenheit vergrößert werden und produktiv sein muß. Dr. Kahn empfingt Vorschläge, die wohl entscheidendes Material für ,die zu fassenden Be- Schlüsse des ״Joint“ bilden werden. Dr. Kahn wurde auch Gelegenheit geboten, festzustellen, wie das pauperisierte polnische Judentum trotz der schrecklichen ökonomischen Lage, wenn es sich um das Heiligste, nämlich um Palästina handelt, bereit ist, die größten Opfer zu bringen. In seiner Eigenschaft als Vizevorsitzender des Hauptdirektoriums des Keren Hajessod nahm Dr. Kahn Anteil an der am 12. d. M. in Warschau abgehaltenen Sitzung des Rats des Keren Hajessod in Polen, an welcher sich Zionisten und Nichtzionisten beteiligt haben. Abg. Färbstein gab einen ausführlichen Bericht über das letzte Halb- Jahr, das in Ba-eingängen einen erheblichen Ueberschuß im Verhältnis zur selben Periode im vergangenen Jahre aufweist. Dr. Kahn würdigte in seiner Ansprache vollauf diese Tatsache, wies danach darauf hin, weich große erzieherische Bedeutung für das Weltjudentum gegenwärtig der Keren Hajessod habe und gab auch nähere Aufschlüsse über die Vorbereitungen zur neuen Ansiedlung in Palästina. Die wirtschaftliche Lage könne als zufriedenstellend bezeichnet werden und läßt erhoffen, daß unsere weiteren Erfolge auf wirtschaftlichem Gebiete auch unsere politische Situation in Palästina beeinflussen werden. Die Beratungen des Rats waren hauptsächlich der Besprechung der Methoden und Propagandamöglichkeiten in der nächsten Arbeitsperiode gewidmet. Trotz dieser Schwierigkeiten wirken die Berichte aus der Provinz ermunternd. Die Begeisterung und das Interesse für den Palästinaaufbau ist ununvermindert. Dr. Alexander Goldstein besuchte in den letzten Wochen Wilna und Grodno, wo er große Erfolge erzielte. Dr. S i I b e r t aus Berlin hat seine ausgezeichneten or- Kassatorischen Erfahrungen in der deutschen Keren Hajessod- Arbeit in den Dienst des diesjährigen Drives in Polen gestellt und war insbesondere in Lodz und in Bromberg hervorragend tätig. Nunmehr hat Dr. Silbert die Leitung der Sammlung in Warschau übernommen. Auch der KKL. kann in Polen auf schöne Resultate hinweisen, in den sechs Monaten Otober 1929 bis März 1930 erzielte der KKL. ca. 65000 Dollar, um ein Drittel mehr als in denselben Monaten vorigen Jahres. Der Nationalfonds gewinnt immer mehr an Popularität und die Notwendigkeit großer Bodenkäufe in Palästina dringt ins Bewußtsein der breitesten Schichten in Polen. Abg. Grünbaum hat sich letztens an die Spitze des Direktoriums des KKL in Polen gestellt und sämtliche zionistischen Föderationen und Fraktionen verpflichteten sich zur energischen Aktion. Insbesondere in den Schulen hat der Nationalfonds ansehnliche Erfolge erzielt. Die im letzten Jahre neugeschaffene Schul- und Jugendabteilung unter Leitung von Dr. Z w i Schar aus Palästina hat sich dabei ein großes Verdienst erworben. Der Palästina-Tag In Indien WTB. meldet aus Bombay vom 17. d. M.: Die hiesigen Mohammedaner veranstalteten gestern einen ״PalSstfna-Tag“. Aus dem mohammedanischen Viertel bewegte sich durch die Stadt ein langer Zug von Demonstranten, die Fahnen und Banner mit Aufschriften wie ״Nieder |§it J, f.ייי> four-Erkiärun,g“ trugen. Abend», wurd• daner teilnahmen. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: ״Wenn die britische Regierung keine Schritte tut, um die Forderungen der Mohammedaner in Pa- 11 s t i n a zu befriedigen, dann werden die Mohammedaner zu erwägen haben, weiche Schritte zu tun sind, um einen Druck auf die britische Regierung auszuüben und sie zu zwingen, die rechtmäßigen Forderungen der Mohammedaner in Palästina zu bewilligen.“ Der 16. Mal In Palästina Jerusalem, 18. Mai. (J.T.A.) Der auf Grund des Beschlusses der allindischen moslemischen Konferenz am 16. Mai auch in Palästina veranstaltete Palästinatag zum Protest gegen Mandat und Balfour-Deklaration Ist in ganz Palästfna ruhig verlaufen. Der Aufforderung der Arabisehen Exekutive an die moslemischen und christlichen Araber, am Palästinatag die Arbeit niederzulegen, haben — ־wie Polizei- Inspektor Major Wainbright der J. T. A. mitgeteilt hat — etwa 75 «/o Arbeiter und Angestellte Folge geleistet. Die arabischen Ladenbesitzer haben der Streikparole in einem höheren Prozentausmaß Folge geleistet, da gegen die Kaufleute ein größerer Druck ausgeübt werden konnte. Den christlich-arabischen Kaufleuten in Bethlehem ging die Warnung zu, daß gegen sie der Boykott erklärt werden wird, wenn sie am Palästinatag die Läden offen halten würden. Nach den Gebeten in der Omar-Moschee wurde in Jerusalem ein großer Teil der Läden wieder geöffnet. Die Oemüse- und Obsthändler auf den Märkten hatten der Streikparole nicht Folge geleistet, sondern hielten den ganzen Tag über ihre Stände offen. Versammlungen und Kundgebungen fanden außer dem normalen Freitagsgottesdienst in der Omar-Moschee nicht statt. Am Nachmittag fand in der Jerusalemer arabischen Schule Rawdit al Maarew — dem Zentrum des arabischen Nationalismus — eine Versammlung statt, an der arabische Notabein und Führer der arabischen Jugend teilnahmen. Die Todesurteile 1■ PalSsiina London, 15. Mai. (J. T. A.) Colonel Howard Bury riehtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. prummond Sliiels die Frage, welche Antwort der französisehen Administration in Syrien und der Regierung des Irak auf ihre Vorstellungen gegen die Voll- Streckung der in Palästina über Araber verhängten Todesurteile gegeben worden sei. Dr. Shiefs erwiderte: Mir ist nichts von Vorstellungen seitens der französischen Administration in Syrien bekannt. Richtig ist nur, daß der Premierminister des Irak unformell dem High Commissioner von Palästina vor einigen Wochen in dieser Sache geschrieben hat; seine Ansichten werden angemessen in Erwägung gezogen. Die Angelegenheit ist ganz dem Ermessendes High Commissioner überlassen. Ich zweifle nicht daran, daß er in der Frage der Vollziehung der Todesurteile die Frage der Wirkung dieser Tatsachen auf die benachbarten Länder in Erwägung ziehen wird. Herbert Samuel über die Todesstrafe London , 16. Mai. (J. T. A.) Sir Herbert Samuel gab in seiner Eigenschaft als einstiger Innenminister des British Empire vor dem Unterhauskomitee zur Beratung über die Todesstrafe- Bill eine Erklärung ab, in der er auch auf Palästina zu sprechen kam, wobei er ausführte: In Palästina ereignen sich häufig Morde; ich würde davor zurückscheuen, die Abschaffung der Todesstrafe in einem Lande wie Palästina irr der jetzigen Zeit zu empfehlen. Das Risiko wäre zu groß. Todesstrafe ist gerechtfertigt, wenn sie als eine abschreckende Maßnahme nicht zu entbehren 13t. Aber nur aus diesem Grunde. Englische Kritik am Shaw-Bericht In der Mal-Nummer der ״Contemporary Review" äußert sich H. Charles Woods in einem längeren Auf* satz kritisch zu dem Shaw-Bericht. Er erkennt zwar an, daß in dem Bericht viel gutes Material sei, erhebt aber vor allem folgende Einwinde: 1. sei die bekannte Kompetenzübersehreltung zu tadeln, und 2. sei es zwar erfreulich, daß der Bericht meine, der Palästina-Regierung seien keine Vorwürfe zu machen, aber dann bleibe doch die peinliche Tatsache, daß einige hundert Mensche«, die sich auf eben diese Regierung verlassen hätten, Leben, Eigentum oder Gesundheit eingebüßt hätten, ohne daß irgend jemand dafür verantwortlich zu machen sein solle! — Woods erörtert dann zustimmend die Stellungnahme der Shaw-Kommission zu den Fragen der Ver* antwortlichkelt der Arabischen Exekutive an den August* Ereignissen und zum Klagemauerprobfem, stellt aber fest, daß in den allgemeineren Fragen der Palästina-Politik (konstitutionelle Entwicklung, Land- und Einwanderungspolitik) der Mehrheitsbericht einen den zionistischen Interessen ent* gegengesetzten Standpunkt einnähme, Er hebt demgegenüber hervor, daß allein die Zionistische Organisation (abgesehen von den Leistungen der übrigen jüdischen Institutionen) seit November 1917 f Millionen Pfund 1m Lande ausgegeben hätte, und daß, wie auch der Bericht betone, jüdischer Unternehmungsgeist und jüdische Einwanderung dem Lande große Vorteile gebracht hätten. Wenn aber dem so sei, so müsse man in der Einwanderungsfrage zu einem anderen Resultat kommen als der Bericht. Es sei nämlich geradezu unvorstellbar, daß die Zionistische Exekutive, die doch einen großen Teil der Last und Verantwortung׳ für den Unterhalt der Arbeitslosen zu tragen habe, nicht tatsächlieh alles tue, um nur die geeignetsten Einwanderer ins Land zu bringen, — während der Bericht behaupte, man habe dort mehr auf das politische Bekenntnis als auf die Eignung der Einwanderer gesehen. — Auch betreffs der Aufnahmefähigkeit des Landes sowie des Pächterschutzes nehme der Bericht einen proarabischen Standpunkt ein. Es gehe aber aus den im Bericht selbst gegebenen Zahlen hervor, daß sich der jü* dische Landbesitz nicht einmal so rasch vermehrt habe, wie die jüdische Bevölkerung! Während nämlich die Juden ein Sechstel der Bevölkerung ausmachten, besäßen sie noch nicht ein Zwölftel des bebaubaren Bodens! Tatsächlich könnten die Methoden des Landbaues sehr geändert werden, und da die jüdischen Organisationen hohe Preise zahlten, solle jeder, der Land verkaufen wolle, es ruhig tun dürfen. Die Frage nach dem Schicksal der Fellachen sei allerdings schwierig, könne aber wohl nur von der Palästina-Regierung richtig beurteilt werden. Zur Frage der konstitutionellen Entwicklung meint Woods, die Araber hätten durch Zurückweisung aller früheren Vorschlage zur Mitarbeit bewiesen, daß die Situation noch nicht reif für irgendeine Form von Seif- Government sei. — Kein britisches Kabinett könne, werde oder solle die heilige Aufgabe in Palästina im Stich lassen; die Balfour-Deklaration, die Politik des Jüdischen Nationalheims und der Schutz der Rechte der übrigen Bevölkerung ständen im Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit (Interdependenz); Araber und Juden sollten England die Aufgabe, nach beiden Seiten hin Gerechtigkeit zu üben, möglichst erleichtern. In der gleichen Nummer der ״Contemparary Review“ findet sich auch ein Aufsatz des Arabers Sir dar I kbal Ali Sh ah (der viel in englischen Zeitschriften schreibt) über ״England und die kommende Arabische Ärieft Mailt' •«di"׳aber vorwiegend auf den 'kürzlich abgeschlossenen Vertrag zwischen dem Irak, Hedschas und Nedschd, bei dem England Vermittlerdienste leistete. Der Verfasser sieht in diesem Vertrag schon den Keim einer großen arabischen Föderation, deren Einfluß von Marokko bis Indien reichen würde. Vorläufig handele es sich zwar nur um den Irak, Hedschas und Transjordanien, aber Syrien und Palästina gehörten natürlich auch zu einem solchen Bund. Die jüdische Minorität in Palästina sei viel zu klein, um diesen Plan ernsthaft zu gefährden, und die unglückselige Balfour-Deklaration habe nur Beunruhigung in die mohammedanische Welt getragen. Für England bringe eine solche Arabische Föderation nicht etwa die Gefahr einer pan-islamitischen Bewegung mit sich, vielmehr handele es sich fast ausschließlich um nationale Motive, und Engfand würde an einem solchen Bund sogar ein Bollwerk gegen die Kräfte gewinnen, die gegen seine mohammedanisehen Untertanen gerichtet seien (d. h. gegen den Bolschewismus). A. P. Die unabhängige Wochenschrift ״Everyman" schreibt ln ihrer politischen Rundschau, die stets die erste Seite des Blattes bildet, über den Bericht der Untersuchungskommission u. a.: ״Bei ihrer Bestellung wurde die Kommission angewiesen, sich auf eine Untersuchung der ״unmittelbaren Ursachen“ der Massaker zu beschränken, in denen im August vorigen Jahres 160 Juden von Arabern getötet wurden. Massaker ui solchem Maßstabe können unter einer zivilisierten Verwaltung kaum Vorkommen, ohne daß jemand schwere Schuld trägt — sei es nun die Lokalregierung, seien es die Führer der mordenden Gruppe (in diesem Fall die Araber), oder seien es beide. Die Wirkung des Berichtes ist es, alle miteinander reinzuwaschen; obzwar Mr. Snell mit seinen Vorbehalten ein gut Teil der urspriinglichen Schwärze wiederherstellt. Nachdem die Kommission solcherart ihre Aufgabe erfüllt — oder eigentlich nicht erfüllt hat — macht sie sich an eine zweite, deren Behandlung ihr ausdrücklich untersagt worden war, nämlich an das Problem der Palästinapolitik. Sie ist der Meinung, daß die wahren Gründe für die Massaker zum großen Teile agrarischer Natur seien und stellt die ganze Politik der Ansiedlung von Juden auf dem Lande als fragwürdig dar. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, daß keiner der ״enteigneten“ Araber an den Massakern teilgenommen hat, soweit bekannt geworden ist; diese waren vielmehr das Werk der ansässigen Landleute. Von Anfang bis zu Ende waren die einzigen Schlagworte, die in der Bewegung verwendet wurden, solche religiöser Art; das Ge* schrei, die Juden schändeten die heiligen Stätten des Islam, war die einzige und auch genügende Aufforderung gewesen. Gewiß muß man der Enteignung arabischer Pächter durch jüdische Landkäufe die sorgfältigste Aufmerksamkeit widmen; obzwar sie bisher nirgends in größerem Maßstabe und niemals ohne Entschädigung erfolgt ist. Aber sowohl diese wie auch verwandte Angelegenheiten müssen in einem ganz anderen Geiste studiert werden, als es der der Kommission war. Das MandatGroßbrftanniens, ein Jüdisches Nationalheim zu schaffen, darf nicht leichtfertig behandelt werden. Wir haben hier eine Rolle übernommen, die sowohl eine epochale und für die ganze Welt höchst bedeutungsvolle ist. Und weder das Urteil der Geschichte, noch das der Mitwelt (man denke bloß an den ungeheuren Einfluß, den die jüdische Meinung auf die amerikanische Oeffentlichkeit ausübt) wird uns glimpfbeschnitten. Wenn sie bloß etwas energischer entwickelt wird, bedeutet sie für Britannien weit eher einen Vorteil als eine lästige Politik.“ Konferenz der britischen Revisionisten London, 13. Mai. (J.T. A.) Am Sonntag, dem 11. Mai, fand in London die erste Jahreskonferenz der Britischen Revisionisten statt, bei der Professor Brodetsky die Kon ferenz im Namen der Exekutive begrüßte und 11. a. folgende; ausführte: Die arabische Delegation in London sei bestrebt gewesen, die britische Regierung zur Preisgabe der Politik des Jüdiictien Nationalheim» und zur Aufhebung der Sonderbestimmungen des Mandates zu bewegen. Diese« Bestreben hat keinen Erfolg gehabt, wie aus der neuerlichen Bestätigung der fundamentalen Prinzipien de» Mandate* durch die Regierung hervorgeht. Aber das Problem ist jetzt nicht, ob die britische Regierung zu der vor mehr als zehn Jahren erlassenen Deklaration steht, sondern ob die Regierung gewillt ist, ihre Deklaration inWirklichkeitumzusetzen. Die nächsten Monate werden für die Zukunft unseres Palästinawerkes unter dem Mandat entscheidend sein. Im weiteren Verlauf seiner Rede kam Brodetsky auf die Mission des Spezialkommissars Sir John Hope Simpson zu sprechen. Die Zionistische Exekutive begrüße eine jede unparteiische, ehrbare Untersuchung der palästinensischen Tatsachen in dem Gefühl der Sicherheit, daß die Ergebnisse einer solchen Unter- Buchung einen Sieg des Zionismus darstellen müssen. Zum Schluß wandte sich Brodetsky an die Revisionisten mit dem Appell, sich von separatistischen politischen Aktionen zurückzuhalten, indem er die Notwendigkeit einer nach außen hin geschlossenen Front betonte. Der Führer der englischen Revisionisten, Meir Grossmann, bezeichnete den Shaw-Bericht als ein gegen das jüdische Volk gerichtetes Dokument. Aus dem Bericht spreche die palästinensische Administration und das Kolonialamt, deren Meinung der Bericht wiedergibt. Er stellt aus dem Bericht bedauernd fest, daß die Araber ihre Sache vor der Untersuchungskommission viel besser vertreten hätten, als die Zionisten. In einer Resolution verlangt die Konferenz die Einsetzung der Royal Commission, der die Untersuchung der Fragen der höheren palästinensischen Politik nach dem bekannten Vorschlag von Balfour, Lloyd George und Smuts übertragen werden soll, ln mehreren weiteren Resolutionen wird gegen Maßnahmen der Palästina-Regierung und gegen die Zionistisclie Exekutive sowie gegen Brith Schaiom und Dr. Magnes Stellung genommen. Zionistische Jugendfagong in Budapest Wir erhalten folgende Mitteilung: Wie wir bereits kurz mitteilten, hat die Hitachdut Hanoar B’Hungaria (Jugendsektion der Zionistischen Vereinigung für Ungarn) für den 8. und 9. Juni d. J. eine Konferenz jener zionistischen Jugendverbände Zentral- und Osteuropas einberufen, welche keiner zionistischen Fraktion angeschlossen sind und bis nun eine einheitliche Führung entbehren. Bereits vor einem Jahre leitete die Hitachduth Hanoar eine Aktion mittels eines, an die Exekutive eingereichten Memorandums ein, in welchem die tatkräftige Unterstützung der Jugendarbeit, die Aufstellung eines Jugendressorts, die Herausgabe einer zentralen Jugendzeitschrift usw. gefordert wurden. Seinerseits schlossen sich dieser Aktion zahlreiche Jugendverbände an und der erste Erfolg dieser Aktion war vielleicht das Erscheinen der ״Revue der Jueendpresse“, des in Berlin erscheinenden Bulletins der Exekutive, welche durch die auszugsweise ״WkdetgtbS_d*1״.Artifal,def, verschiedenen Jugendzeitschriften die einzelnen Bünde einander näherzubringen trachtet. Der Versuch, in Zürich anläßlich des Kongresses eine Jugendtagung abzuhalten, scheiterte an verschiedenen Ursachen und so tauchte der Plan auf, daß eine Konferenz jener Jugend- Organisationen abgehalten werde, welche weder den Links- Parteien, noch den Revisionisten oder dem Misrachi angcschlossen sind. Zweifelsohne ist die Abhaltung solch einer Konferenz dringend notwendig: Einerseits macht es die Lage in der Bewegung zum Gebot der Stunde, unsere zionistische Zielsetzung einmal ernstlich durchzuberaten, andererseits aber wartet die Jugend auch auf eine feste, sichere Zielsetzung zu ihrer speziellen Jugend-Arbeit. Es wird immer stärker und stärker der Wunsch: unter die heutige leere Formel des Klal-Zionismus ein systematisches politisches, kulturelles und praktisches Programm zusammenzufassen, denn durch dessen Fehlen ist die auffallende Tendenz erklärbar, die in den Jugendorganisationen in einem Ruck nach rechts oder links sich seit einiger Zeit offenbart. Es ist daher dringend notwendig, und das ist das Haujitprogramm der Tagung: die Erziehung der zionistischen Jugend theoretisch und praktisch zu definieren und der (fälschlich Klal-Zionisten genannten) Jugend eine Ziel- Setzung und Arbeitsprogramm in die Hand zu geben, das sein Tun und Wirken ebenso erfüllt, sein Fühlen und Denken ebenso in feste Bahnen leitet, wie dies bei der Flügel-Jugend tatsächlich der Fall ist. Wenn nach sorgfältiger Vorbereitung die Tagung in dieser Richtung den ersten Schritt tut, wird sie für die gesamte Bewegung eine eminent wichtige Bedeutung erhalten. Noch eine zweite wichtige Aufgabe wird die Tagung haben: sie soll die einzelnen Bünde einander näher bringen. In dieser Hinsicht ist bis heute kaum etwas geschehen und die Landesverbände der Zionistischen Jugend hatten stets viele solcher Aufgaben allein zu erledigen gehabt, welche gemeinsam sicherlieh mit größerem Erfolg netten erledigt werden können. Die Konferenz wird daher die Aufgabe haben, die Mög- Kchkeiten der Zusammenarbeit zu besprechen und sofort jene Schritte zu unternehmen (Arbeitsprogramme, Zeitschriften- und Bücherausgabe, gemeinsame Lager usw.), welche die Arbeit erleichtern. Die Exekutive unterstützt in jeder Hinsicht die Arbeit der Hitachdut Hanoar und beauftragte Herrn Dr. Werner Bloch, Berlin, bei den Vorbereitungsarbeiten tatkräftig mitzuwirken. Malmö (Schweden). Hier weilte Herr Professor Heinrich L o e w e als Gast des ״Skandinavisk-Judisk Ungdomsförbund“ und der ״Malmö Zionistiska Förenfng“. Am 27. April hielt der werte Gast einen längeren Vortrag über: ״Die jüdische Kultur in Palästina“. Die Ausführungen waren von rhetorischem Schwung und überzeugender Kraft getragen. Sie werden den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. Auf wiederholten Wunsch der verschiedensten Kreise des hiesigen Pubiikutns hielt der Redner am Mittwoch, dem 31. April, einen zweiten Vortrag. Darin gab Herr Prof. H. Loewe eine ausgezeichnete Darstellung von dem gegenwärtigen Stand des Judentums und von der zu erstrebenden Zukunft des Zionismus. Das große und starke russische Judentum ist leider atomisiert, es fehlt uns jetzt ein Kraftreservoir. Die Assimilationsgefahr ist nach dem Kriege viel größer, als sie bisher war. Das einzige Land, welches uns im Kampfe gegen Assimilation Hilfe leisten könnte, sei Palästina. Nur in Erez-Israel könnte sich ein ganzes und lebendiges Judentum, das seinerseits dem Weltjudentum Kraft und Ansporn geben könnte, entwickeln. Die Anwesenden spendeten dem Redner, der sie durch seinen schönen Vortrag fesselte, lebhaften Beifall. Herr Prof. Loewe und seine Frau Gemahlin wurden hier herzlich begrüßt und empfangen. F.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.