Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 38 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38, 16 V. 1030 JÜEDISCBE RUNDSCHAU Seite 203 Jüdisches Frauenblati Eine neue Nummer der Wizo - Zeitschrift Nach längerer Pause, die unter anderem auch durch den Wechsel Fm Londoner Sekretariat der Wizo bedingt war, wieder ein reichhaltiges Heft ihrer ״Pioniere und Helf er“ unter der bewährten Redaktion der neuen Leiterin des Wizo-Zentralbüros — Dr. Martha Hof mann. Zunächst eine achtunggebietende Rundschau über die Tätigkeit der mehr als 30 Wizogruppen in dem seit der Zürcher Konferenz verflossenen Halbjahr: der jungen ägyptischen, die die Veranlassung dazu war, daß die Wizozeitschrift nun außer in englischer, deutscher und jiddischer, auch in französischer Sprache erscheint; der benachbarten kleinen, auf vorgeschobenem Posten in Aden; den durch Frau Ida Benzion und Frl. Fanny Weil in Spanisch- und Französisch- Nordafrika begründeten; der exotischen von Charbin (China), die trotz des Kriegszustandes durch persönliche Haus- Propaganda in einem halben Jahr auf über 200 Mitglieder an wuchs; den vorbildlich aktiven von Argentinien und Chile, von denen die letztere, ohne noch eine Budget- Verpflichtung eingegangen zu haben, kürzlich 200 Pfund überwies; der kanadischen, die unter dem Eindruck der Palästinaereignisse mit besonderer Energie an der Arbeit ist und außer ihrem regulären Budgetbeitrag für die Lehrfarm von Nahalal $ 2000 für das seit den Unruhen überfüllte Säuglingsheim von Jerusalem einsandte; den durch den Besuch des Wizo-Vorstandsmitglieds Mrs. Irwell neubelebten Gruppen von Australien und Neuseeland; der isolierten von Oudtshorn in Südafrika, die den ersten Kern der Wizoarbeit in diesem Lande darstellt und schließlich all der europäischen Gruppen mit den Bestrebungen zur Gründung einer WizofÖderation in Litauen, die durch die Vortragsreise von Frau Jenny Blumenfeld einen Ruck nach vorwärts bekamen, mit den sehr erfolgreichen Veranstaltuhgen der rührigen tschechoslowakischen Gruppe (Jüdische Kunstschau in Prag) und der rumänischen mit ihrem so glänzend gelungenen Chanukkahbazar und dem Zusammenschluß der im Vorjahr von Frau Dr. Klompus begründeten Gruppen in Transsylvanien, mit der Neugründung der ungarischen Wizogruppe und der Frauengruppe unter den Marranen in Portugal, mit dem arbeitstechnisch so wichtigen Zusammenschluß der bisher getrennt arbeitenden Frauenorganisationen in Deutschland, Polen und der Schweiz zu einheitlichen Landesverbänden, mit den erfolgreichen Mitgliederdrives in Großbritannien, Oesterreich, Frankreich und Holland und der für den Besuch von Frau Nanny Margulies aus Palästina rüstenden von Italien und für den von Dr. Martha Hofmamt sich vorbereitenden von Belgien u. a. m. — eine stolze Reihe hingebungsvoller, unverdrossener, zielbewußter Frauenleistungen. Aus dem übrigen Inhalt ist der redaktionelle Leitartikel hervorzuheben, der den Frauen ihre Vemflichtung zum Verständnis des politischen Zionismus ״in dieser erschütternden Stunde unseres nationalen Horoskops“ vor Augen hält und insbesondere der überaus wertvolle Halbjahrsbericht der Palästina-Exekutive der Wizo, die als Vollsfasekerin de8׳ÄWilei».d*r Wizokonferenz von den Schwierigkejten erzählt, sich im Rahmen der einengenden Konferenzbudgets zu halten, weil der Andrang zu den Institutionen und Lehrgängen der Wizo, die Zahl der Gesuche um Hilfe bei der Anlegung von Haus- und Schulgärten, das Bedürfnis nach Anweisung in rationeller Hauswirtschaftskunde so groß und ständig im Wachsen ist. Rastlose Tätigkeit charakterisiert die Arbeit der palästinensischen Wizo seit dem Tage, da die Beendigung der Unruhen die Wiederaufnahme der Tätigkeit gestattete. Infolge der Unruhen war die Nachfrage nach eigener Gemüseproduktion bei der jüdischen Bevölkerung gewaltig angestiegen. Ueber hundert Gesuche um Einrichtung von Nutzgärten liefen im September noch bei der Wizo ein. Hatten sich doch die Bewohner des evakuierten Viertels Schchünath Haschenim in Tel-Awiw •auch während der Unruhen nicht davon abhalten lassen, ihre Gärtchen aufzusuchen und zu bewässern. Nun gingen die Schulen auf die Anregung der Wizo ein, die Schulkinder zur Gartenpflege zu erziehen. Ueber 25 Lehranstalten und Kindergärten in Tel- Awiw legten Schulgärten an, die Lehrer organiserten sich zur Durchführung des gartenkundlichen Unterrichts und unter ihrer Anleitung und der von Absolventinnen des Hostels haben die Kinder nun gegen 100 Nutzgärtchen vor ihren Häusern angelegt und ihre Eltern für dies Unternehmen interessiert. Eine eigene Pflanzungsschule wurde von der Gartenkommission der Wizo auf einem von privater Seite zur Verfügung gestellten Grundstück in Tel-Awiw errichtet, um die Besitzer der Gärtchen mit den nötigen Setzlingen, mit Fruchterde und Dünger, teilweise auch unentgeltlich, zu versorgen. Das Beispiel von Tel-Awiw hat mm auch auf Haifa und Jerusalem anfeuernd gewirkt und in Entsprechung der eingelangten Gesuche untersucht jetzt die Wizokommission gemeinsam mit Fachleuten die Lage in diesen beiden Städten — wo die Bewässerungsfrage eine viel schwierigere ist —, um einen Anlageplan auszuarbeiten, zu dem freilich dann noch die Mittel herbeizuschaffen sind. — Eine andere Untersuchung, die auf die Bitte des Kolonisationsdepartements der Zionistisehen Exekutive derzeit von der palästinensischen Wizo unter der wissenschaftlichen Kontrolle der Universität und in Verbindung mit dem Nathan-Strauß-Zentrum durchgeführt wird, erstreckt sich auf die Küchenführung in den Sied- 1 u n g e 1. Auf Grund dieser Untersuchung wird ein System für die Verbesserung der Küchenführung ausgearbeitet, eine Reform, die sich im Interesse der Gesundheit und der Ökonomischen Entwicklung־ der Siedlungen als sehr notwendig erwiesen hat und die ganz in das Programm der Wizo fällt, die sich rühmen kann, durch ihre Aufklärung und Unter- Weisung das Verständnis für die Bedeutung eines richtig geführten Haushalts und den Wunsch, diesen zu erlernen, in den palästinensischen Frauen geweckt zu haben. Eine Menge lebendiger Einzelheiten aus dem Betrieb der Wizo-Institutionen ergänzt den Bericht der Exekutive und unterstreicht, was Margit Mechner, die langjährige Sekretärin der Wizo, in ihrem Gruß aus Palästina an ihre früheren Arbeitspartnerinnen von der Entwicklung der Wizo schreibt: ״Unsere Weltorganisation, erst ein Begriff, ein Bauplan, eine Fassade, wurde in zäher Arbeit zu einem Gerüst, einem Gebäude, einer Fülle von Inhalten und hat sich in dem Wachstum ihrer palästinensischen Institutionen Kraftquellen geschaffen, die sich noch um vieles stärker erweisen als alle Wunschträume von früher.“ Dr. Nadja Stein. Die Einweihung des neuen Hauses des Säuglingsheims Talpioth bei Jerusalem hat am 17. April in Anwesenheit einer großen Anzahl geladener Gäste stattgefunden. Zum 18. Geburtstag der Hadassa Purim 1912. — Zwei Neugründungen. — Mrs. Felix Warburg lernt Hebräisch. — Die Junior Hadassah fordert einen Befähigungsnachweis. Purim 1912 war es, daß ein KdÄitee von 15 Frauen unter der Führung von Henriette Szold sich in New York zu einer Arbeitsgemeinschaft für Palästina konstituierte. Nach dem Beispiel von Esther wollten sie der Rettung ihres Volkes dienen, dessen palästinensischer Zweig nach eingelangten Nachrichten elend dahinstarb. Daher der symbolische Name Hadassah, bekanntlich die hebräische Form für Esther und auch die Bezeichnung für Myrte, dem Sinnbild unwandelbarer Treue. Der zionistische Frauenverband Amerikas tritt somit in diesem Frühling in sein 18. Dienstjabr ein. Ein Festheft feiert dies Ereignis. Mrs. Edward Jacobs, eine der Mitbegründerinnen und ebenso verantwortungsvollsten wie gewinnendsten Mitarbeiterinnen der Hadassah, eröffnet es mit einem Glückwünsch. Die Lebensfülle der Hadassah preisend, erinnert sie daran, daß die Zahl 18 im Hebräischen durch den Zahlenwert der Buchstaben ״chaj“ gebildet wird, welche Lautfügung gleichzeitig das Wort ״Leben“ bedeutet — also eine besonders gute Prognose gerade für dieses Hadassahjahr. Und der Anfang scheint sie bereits zu bewahrheiten. Zwei Neugründungen in Palästina stehen am Eingang dieses Jahres: die eine ist die Gesundheitsfürsorgestelle in Safed, die erste in dieser Stadt; die die Hadassah mit Unter- Stützung des Hilfsfonds dort eingerichtet hat, um die großen Gesundneitsschäden wettzumachen, die insbesondere die Kinder in den wirren Herbstmonaten erlitten haben; die andere ist das Peter J. Schweitzer-Spital in Tiberias, das 5. Hadassahspital Palästinas, das am 15. Mai seiner Bestimmung übergeben wird, so benannt nach seinem Initiator und ersten Spender, dem ehemaligen Schatzmeister der zionistischen Orgamsation Amerikas. Im Beisein seiner Witwe, die selbst ein äußerst tätiges Hadassahmitglied ist und sich für das Werden des Spitals mit großer Energie eingesetzt hat, wird das stattliehe, modern gebaute und ausgestattete Gebäude an diesem Tage eingeweiht werden. Auf einem windbestrichenen Bergabhang stehend, inmitten einer schattenspendenden Gartenanlage, wird das luftige, medizinisch vorbildlich eingerichtete Haus mit seinen 33 Betten und seinem Gesundheitsdienst unaussprechliche Wohltat für den bedeuten, der in der dichtbevölkerten Stadt oder den 20 Siedlungen seiner Umgebung, in der Gluthitze dieses 200 rn unter dem Meeresspiegel liegenden Tales auf ärztlichen Beistand angewiesen ist. Es ist der erste Vorbote des neuen Palästina in der ruinenbeherrschten Stadt am Kinerethsee. In der Festschrift klingen noch die stolzen Erfolge des großen 150000״ Give or Get Luncheon“ nach, das bekanntlieh unter der Patronanz von Frau Felix Warburg in New York stattfand und nicht weniger als 700 Gäste vereinigte. Es wird nun auch für Chicago vorbereitet, wo schon die einleitenden Tees von fast 2000 Frauen besucht waren. Die tätige Anteilnähme von Frau Felix Warburg an der Hadassaharbeit manifestiert sich in der Gewinnung einer großen Zahl neuer und wertvoller Interessentinnen, unter denen z. B. die Frau einer so führenden jüdischen Persönlichkeit Amerikas wie Dr. Cyrus Adler zu nennen ist, die mit ihrem Gatten zusammen an den Beratungen teilnahm, welche zur :Bildung der Jewfeh Agency führten. Unter *Iw •öraiietrffliF fcen Anschluß.die in 4er; Festschrift veröffentlicht sind, gibt sie an, daß die bemerken»־ wert gut organisierte Arbeit der Hadassah sie schon seit langem angezogen hätte und daß die Erfahrung, die sie auf ihrer Palästinareise gemacht hatte, daß die sonst so vielfach auseinandergehenden Meinungen in Erez-Israel, über die Güte des Hadassahwerkes einig gewesen seien, sie besonders beindruckt hatte. Unterhaltlich ist es in Zusammenhang mit Frau Warburgs jetzigem Arbeitsfeuer für Palästina aus einem Interviewbericht mit ihr zu vernehmen, wie herzlich gleichgültig ihr das Land war, als sie vor sechs Jahren ihre erste Orientreise unternahm. Sie und ihr Gatte waren so fasziniert von Aegypten, daß sie ihre ursprüngliche Absicht, auch Palästina zu besuchen, aufgeben wollten, um länger in Aegypten bleiben zu können. Nur der Wunsch, ihre Freunde Herrn und Frau Magnes zu sehen, entschied dann doch noch zugunsten Palästinas. ״Allerdings nach 24 Stunden waren wir davon infiziert“. Frau Felix Warbürg ist eine um so wertvollere Aqufsition fiir die Hadassaharbeit, als sie jahrelange Erfahrung in ernster sozialer Arbeit mitbringt. Die Young Women Hebrew Association war seit langer Zeit ihr Schützling und wer das Klub- und Wohnhaus der Y. W. H. A. in New׳ York gesehen hat und den Geist kennt, in dem es geleitet ist, der vermag zu würdigen, was für ein prächtiges Stück jüdischer Kulturarbeit hier geleistet worden ist. Jüdische Tradition und lebendiges Interesse für jüdisches Wissen erfüllt das Haus von Frau Warburg, der Tochter eines Elternpaares wie es der durch seine jüdisch soziale Tätigkeit berühmte Jacob H. Schiff und seine Gattin w׳aren. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, daß Frau Felix Warburg sich jetzt neben ihren zahllosen gesellschaftlichen Verpflichtungen die Zeit zu finden weiß, um hebräischen Unterricht zu nehmen. ״Ich wollte, das Hebräische wäre etwas leichter“, meint sie, aber sie läßt nicht ab, denn sie weiß, nach ihren eigenen Worten, ״daß die hebräische Sprache das Band zwischen dem jüdischen Volk von heute und den großen schöpferischen Epochen seiner Vergangenheit darstellt; daß es unsere lebendige Verbindung mit Palästina bedeutet und daß es das gestaltete Symbol und das vollkommene Gefäß des jüdischen Genius ist, der sich schlicht und doch geheimnisvoll durch die Prägungen und Formen des Hebräischen offenbart“. Das Gefühl für die Notwendigkeit kulturell geistiger Verbindung mit dem Judentum, wenn man sich mit ihm wirklich eins fühlen will und für seinen Fortbestand und seine Entwicklung mit Ueberzeugung und Begeisterung soll eintreten können, hat nun auch von der ״Junior Hadassah“ Besitz ergriffen. Die Erkenntnis, daß ihr rasches äußeres Wachstum und ihre erfolgreiche praktische Arbeit für Palästina hinter der jüdischen Bildung ihrer Mitglieder weit zurücksteht, hat die Leitung, auf Anregung ihrer früheren Vorsitzenden Mrs. Frieda Silbert Uliian zu einer originellen Idee gebracht, um ihren Ehrgeiz der Juniors auch auf diesem Gebiet zu wecken. Innerhalb der uniors ist eine Kulturkameradschaft, The Culfural Felo w s h i p begründet worden. In diese Gemeinschaft wird jedes Junior-Mitglied aufgenommen, das eine gewisse Stufe jüdisehen und zionistischen Wissens nachweisen kann. Unter der Leitung eines Beirats, der aus anerkannten jüdischen Autoritäten besteht, werden alle Lernbegierigen je nach dem Grade ihrer Vorbildung dahin beraten, welche Bücner und Quellen sie durcharbeiten oder welche Kurse sie an bestehenden jüdischen Lehranstalten absolvieren sollen. Sie können auch in einem Schriftliehen Kursus unter ständiger fachmännischer Aufsicht die erforderlichen Kenntnisse erwerben. Die Krönung ihrer Bemühungen ist dann die Auszeichnung, die die Aufnahme in die Elitegruppe darstellt, die es sich gewiß noch angelegen sein lassen wird, diese Zugehörigkeit besonders anzienena zu gestalten. ־ Eine neue Phase fiat mit dieser Snrichtung in der Geschichte der J. H. begonnen, wie es Lillian Weiß, eine ihrer Führerinnen freudig verzeichnet: ״Dadurch, daß der jüdisehe Geist sich mit den Gedanken und der Lebensweisheit seiner Propheten und Lehrer erfüllt hat, konnte er eine Kulturtradition entwickeln, die eine ewige Spur in der Entwicklung der Menschheit hinterließ. Diese Kulturtradition hat die geistige Einheit geschaffen, die das Judentum zu einem lebendigem Faktum macht. Der einzelne aber muß das große Erbe sich einverleiben, das ihm zurückgelassen worden ist, wenn er seinen wahren Platz in diesem großen Weltenplan erkennen will“. Das Verständnis für diese Dinge arbeitete in den Gründerinnen und Leiterinnen der Junior Hadassah und hat sie nun auch einen Weg finden lassen, um es auch in der Masse seiner 10000 Mitglieder zu wecken. Das ist wahrhaftig eine Festnachricht zum 18. Geburtstag der Hadassah, die niemand mehr beglücken wird als ihre Schöpferin. Denn ihre Saat ist es, die hier aufgeht. Dr. Nadja S t ei n. Frau Paula OUendort 70 Jahre Am Sonntag, dem 18. Mai, wird Frau Paula Ollendorff- Breslau 70 Jahre. Seit langen Jahren steht sie im deutschpolitischen Leben, in der sozialen Fürsorge der Stadt Breslau, im Mittelpunkt jüdisch-politischer, vor allem aber jüdischsozialer Tätigkeit in der Gemeinde Breslau, im Landesverband Preußischer Gemeinden, im jüdischen Frauenbund und weit darüber hinaus, überall wo jüdische Frauen zu sozialer Arbeit sich zusammenfinden. Ueberall weiß man ihre große Arbeitskraft, ihre starke Initiative, ihren klugen Rat zu schätzen und ordnet sich gern ihrer Leitung und Führung unter. In der Breslauer Gemeinde ist Frau Paula Ollendorff seit 1926 die offizielle Leiterin des Wohlfahrtsamts, dessen Ausbau zu einer wirklich modernen Organisation ihr trotz großer und starker Widerstände besonders in der ersten Zeit ihrer Amtsführung gelungen ist. Eine Reihe von Institutionen dieses Amts, insbesondere das kürzlich eröffnete jüdische Jugendheim, verdanken ihre Entstehung vor allem ihrer Initiative und ihrer beharrlichen Arbeit. Frau Ollendorff hat ihr Herz jung erhalten und darum ist sie allem Jungen und Jugendlichen besonders zugetan, gilt ein großer Teil ihrer Arbeit der Jugend, für deren Wünsche sie stets das größte Verständnis hat. Nur in einer Beziehung steht sie nicht zur Moderne im Gegensatz, in jüdisch-politischer. Hier ist ihr Verbundensein mit den deutschliberalen Ideen einer vergangenen Zeit zu stark. In den jüdischen Schulfragen, in der Palästina-Frage, in der Frage des jüdischen Nationalismus steht sie auf andere!« Boden als wir. Wir bedauern es, daß sie nicht auch darin zu dem Modernen, zu dem Jugendlichen sich durchringen konnte. Das soll uns aber nicht hindern, auch unsererseits ihr großzügiges soziales Tun gern und freudig anzuerkennen und zu wünschen, daß ihr noch eine lange Reihe von Jahren in gleicher Frische, Arbeitsfreudigkeit und persönlichem Wohlergehen beschieden seien, zum Wohle der Breslauer Gemeinde lind des Judentums, für das sie, auch darin jünger als viele ändere an Jahren jüngere, Landesgrenzen nicht kennt. Breslau. Dr. H. Schachtel. Die Immigrationspolitik der Regierung gegenüber äm Mideben zeigte in der letzten Zeit eine besondere Zurückhaltung, die die Zionistische Exekutive und die Moazath Hapoaloth; veranlaßten, in gesonderten Memoraaden zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Es wurde darin ausführlich die Lage der Chaluzoth im Lande erörtert, die Möglichkeiten für die Aufnähme neuer Einwanderinnen und die Vorkehrungen für ihre Unterbringung in Arbeitsstellen dargelegt. In einer mündlichen Aussprache am 25. März zwischen dem stellvertretenden Chief Secretary, Herrn Mills, und einer aus Frl. Hedwig G e 11 n e r, Ada Fischmann und Golda Meyersohn bestehenden Abordnung wurde diese Frage nochmals eingehend diskutiert. Herr Mills gab das Versprechen, die dargelegten Gründe der Regierung zur Berücksichtigung zu empfehlen. Mädchenfarm Ness Ziona. Die für dieses Frühjahr vorgesehene Anpflanzung von 50 Dunam Orangen und 5 Dunam Bananen ist durchgeführt worden. Während der Pflanzungszeit arbeiteten 23 Mädchen in der Plantage. Die laufenden Arbeiten werden von 10—12 Arbeiterinnen ausgeführt werden, deren Zahl nach Bedarf bei Erweiterung der Arbeit vergrößert werden wird. Die von Regierung und Keren Kajemeth gemeinsam durchgeführten Bewässerungsarbeiten sina beendet, das Brunnenhaus inzwischen fertiggestellt worden, so daß die Bewässerung funktionieren kann. Auch der von Architekt Richard Kaufmann entworfene Bebauungsplan liegt fertig vor. Es besteht die Hoffnung, daß der Bau der Anschlußstraße zur Chaussee bald in Angriff genommen werden wird. Mädchenfarm Afule. Ein neuer Hühnerstall und der Kuhstall für 10—14 Stück Vieh sind fertiggestellt worden. Nach Schluß der Regenperiode hat die Arbeit im Felde und in der Baumschule verstärkt eingesetzt. Die Blumenkohlernte war ln diesem Jahr sehr erfreulich; der Bruttoertrag für das Stück von 5 Dunam Bodenfläche war £P 40,—. Im nächsten Jahre soll versucht werden, eine noch frühere Ernte zu erzielen. Hostel In Tel-Awiw. Der notwendige Umbau eines Teiles des Hauses ist beendet und dabei ist eine neue, modernen Anforderungen genügende Küche geschaffen worden. Außerdem ist für die vergrößerte Hühnerzucht ein neuer Hühnerstall gebaut worden. Die in der Nachlath Benjaminstraße gelegene Küche hat 2238 Chaluzim der neuen Alijah versorgt und im Monat März 16939 Mahlzeiten ausgeteilt. Wie alljährlich wurde in den Räumen des Waad Hatarbuth ein großer Seder für 800 Personen abgehalten, für den die Küche das Essen herrichtete. Der Gartenbauunterricht für Schulkinder in Tel-Awiw wird erteilt im Heim der Kinder, in den Schulgärten und in der zentralen Baumschule. Unsere Gartenbau-Instruktorinnen besuchten gemeinsam mit den Lehrern über 100 Schülerheime und haben, wo die erforderlichen Bedingungen gegeben waren, Gärtchen angelegt, deren Zahl jetzt 67 beträgt. 1417 Kinder, d. h. 30 0/0 aller Volksschüler Tel-Awiws erhielten in 10 Schulen Unterricht im Gartenbau. Das Garten-Komitee ist damit beschäftigt, in weiteren drei Schulen Gartenbau-Klassen einzurichten. In 17 Kindergärten wurden Gärtchen angelegt, in denen 848 Kinder arbeiten, ln drei weiteren Kindergärten ist mit der Anlage von Gärten begonnen werden. Die für alle diese Lehrarten erforderlichen Setzlinge für Gemüse, Blumen, Stauden, äume werden von den Schülern selbst unter Anleitung unserer Gärtnerinnen in der zentralen Baumschule gezogen. Eine Tageskrippe für Jerusalem ist anfangs April von der Histadruth Naschim im Lina- und Nathan St rau ß-G esundh eits- Zentrum eröffnet worden. Es ist die erste Tageskrippe in der Stadt, die einem sehr dringenden Bedürfnis entgegenkommt.