Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 38 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 38, 16. V. 1030 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 261 essen innerhalb dieser Entwicklung wahrzunehmen. Heute ist die Frage unlösbar, weil die beiden Völker einander mit diametral entgegengesetzten Anschauungen über die Zukunft Palästinas gegenüberstehen. Eine Lösung kann sich erst ergeben, wenn beide Völker erkennen, daß sie schicksalhaft miteinander verbunden sind, daß die einzigartige Situation Palästinas von keinem der beiden Völker allein bestimmt werden kann. Da heute eine arabische Mehrheit besteht, muß deren Herrschaft eingeschränkt werden zum Schutze der Juden und jüdischen Rechte, ebenso wie im Falle einer jüdischen Mehrheit die jüdische Herrschaft zugunsten eines Schutzes der arabischen Freiheiten einer Einschränkung unterläge (was schon jetzt im Mandat ohnedies enthalten ist). Aus dieser Sachlage ergibt sich, daß eine Lösung des Problems der Konstitution allmählich gefunden werden muß, indem die Sicherheit geschaffen und konstitutionell verankert wird, daß die Mehrheit ihre Ueberlegenheit nicht zu Ungunsten der gleichberechtigten Minderheit mißbraucht. Da unter den jüdischen Rechten und Interessen an erster Stelle die Forderungen der Einwanderung und Ansiedlung stehen, würde sich unseres Erachtens aus einer grundsätzliehen Lösung dieser beiden Fragen, wie wir sie vorstehend im Anschluß an den Shaw-Bericht angedeutet haben, auch die Möglichkeit einer Annäherung in der Frage der Selbstverwaltung ergeben. Durch den Abbruch der englisch-arabischen Verhandlungen sind jedenfalls zunächst jene beiden praktischen Fragen in den Vordergrund gerückt. Solange die Araber Aufhebung des Mandates verlangen, ist wohl ein Entgegenkommen Englands gegenüber ihren Wünschen ausgeschlossen. Den- , noch bleibt das Problem als solches bestehen. Von jüdischer Seite wird, wie auch das Administrative Committee beschlossen hat, eine fortschreitende Heranziehung von Vertretungen der Bevölkerung zu den einzelnen Verwaltungsressorts sowie eine Demokratisierung der Lokalverwaltung und der Munizipalitäten gewünscht. Ferner wäre auf den beachtlichen Vorschlag von S n e 11 zurückzugreifen, daß in den einzelnen Orten Komitees von Vertretern der beiden Völker zur Behandlung gemeinsamer Fragen gebildet werden sollen, um auf diese Weise auch eine Gewöhnung an die Zusammenarbeit und eine menschliche Annäherung zuwege zu bringen. Wir haben in großen Linien dargelegt, in welcher Weise sich nach Meinung des G. A. die Reaktion der zionistischen Welt auf den Bericht der Shaw-Kommission bewegen sollte. Wir erhoffen von diner erhöhten zionistisehen Aktivität in der nächsten Zeit erhebliche Fortschritte unseres Werkes, und wir glauben, daß insofern auch der Shaw-Bericht zur Klärung beitragen kann. Wir wissen und sind überzeugt, daß trotz allen Schwierig1keiten ein Gelingen des zionistischen Werkes verbürgt ist, wenn alle Zionisten ihre Pflicht tun und auch die übrigen palästinafreundlichen Juden, die in der letzten Zeit ihre Treue zum Werke 4er Agency bewiesen haben, mit aller Kraft die Sache unterstützen. Dem zurüekblfckentfen Historiker werden alle Schwierigkeiten klein und episodenhaft erscheinen gegenüber dem geschichtlichen Werk, das von unserer Generation für das Judentum vollbracht wird. Fritjof Nansen Mit der gesamten zivilisierten Welt trauert auch das jüdisehe Volk um den großen Menschen und Menschenfreund, der vom Tode hingerafft wurde. Nansen war geradezu eine symbolische Figur, der in unserer von nationalen und sozialen Gegensätzen zerrissenen Zeit die Idee der Humanität geradezu verkörperte. Außerhalb aller politischen Erwägungen plaidierte er für die primitive Menschenpflicht der Hilfe für Unglückliche und Notleidende. Die von ihm organisierten Aktionen sind einer der wenigen Lichtblicke in der an Enttäuschungen so reichen Geschichte der Nachkriegsjahre. Nansen war auch ein Freund des jüdischen Volkes und des Zionismus, er hatte Verständnis für die Unerträglichkeit der jüdischen Lage und für die Notwendigkeit der Lösung der Judenfrage. Bei seinem Hilfswerk für die Flüchtlinge und die Staatenlosen hatte er auch häufig mit dem jüdischen Elend zu tun. Zahlreiche Juden werden diesem Mann stets dankbar sein, der ihr doppelt tragisches Flüchtlingslos wenigstens einigermaßen zu mildern half. Da unter den Staatenlosen verhältnismäßig besonders viele Juden sind, deren Stellung durch die Institution der Nansen-Pässe grundlegend gebessert wurde, ist der Name Nansen heute in der jüdischen Gasse populär. Wo immer es Unrecht zu bekämpfen galt, blickte man auf Nansen. Die Welt ist um einen Gerechten ärmer geworden. Palästina-Regierung gegen Kommunisten Die palästinensische politische Polizei setzt ihren verschärften Kurs gegen die Kommunisten fort. Neuerdings wurde der Kommunist Michael Elimelech, der seit 1922 ohne gesetzliche Erlaubnis in Palästina ansässig ist, zu vier Monaten Gefängnis mit nacl.folgender Deportation verurteilt. Die Tatsache, daß an einem Telegraphenmast in Haifa eine rote Fahne mit Inschriften gegen die Todesstrafe befestigt war, gab Anlaß zur Verhaftung von drei Kommunisten. Vier Kommunisten, die drei Juden Max Kling, Joshua Fridman und Moses Gorin und der Araber Kemal Aoda wurden zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie versuchten, am 1. Mai eine Kundgebung zu veranstalten. Die drei Juden werden nach Verbüßung der Gefängnisstrafe als Nicht- Palästinenser des Landes verwiesen werden. In dem Jerusalemer Gefängnis traten die verhafteten Kon• munisten in den Hungerstreik. Sie fordern eine verbesserte Gefängnisordnung, Begnadigung der zum Tode Verurteilten und Freilassung aller politischen Gefangenen. Oe in den Gefängnissen von Jaffa und Akko untergebrachten Kommunisten traten aus Solidarität mit den Kommunisten in dem Jerusalemer Gefängnis in den Hungerat r eik. Palästinafragen und Internationale Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale beschäftigte sich bei ihrer Berliner Tagung auch mit der Paläs tlnafrage. Die Aussprache war von den Gegnern der zionistischen Arbeiterbewegung in der S. A. I., die sich aus ihren jüdischen assimilatorischen Mitgliedern zusammensetzen, veranlaßt worden. Es kam jedoch aus Zeitmangel nicht zu einer Aussprache über die aktuellen Probleme Palästinas auf politischem und wirtschaftlichem Oebiete. Das Ergebnis der Aussprache war nach einer wirkungsvollen Antwort Kaplanskys an die Kritiker die einstimmige Annahme von Reso- 1 u t i o n e n, die den Wünschen der palästinensischen Arbeiterschaft entsprachen. Die jüdischen Exekutivmitglieder aus den Ostländern, die an der Aussprache teilnahmen, gaben Weltanschauungsdeklarationen gegen den Zionismus ab und wiederholten dabei die altbekannten assimilatorischen und bundistisehen Gedankenginge. Andere jüdische Mitglieder der Exekutive hielten sich zurück oder nahmen einen vermittelnden Standpunkt ein. Von englischer Seite wurde in der Debatte zutreffend ausgeführt, wie unmöglich das System der bei jüdischen Fragen sich plötzlich zeigenden doppelten Zugehörigkeit einzelner jüdischer Vertreter sei. Das wesentlichste Ergebnis der Beratung war die Erklärung der S. A. I., daß sie ihre Solidarität mit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas bekräftige, ohne zum Zionismus als solchem Stellung zu nehmen. Die vereinigte Arbeiterpartei Palästinas wurde als Landespartei der S. A. I. bestätigt und festgestellt, daß die anderen Landesgruppen der Poale Zion mit ihr in Konföderation stehen. Die angenommenen Resolutionen haben folgenden Wortlaut: 1. Ohne über die Bedeutung und die Aussichten der Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen in Palästina, über die die Meinungen innerhalb der sozialistischen Arbeiterschaft geteilt sind, in diesem Momente ein Urteil abzugeben, stellt die Exekutive der S. A. I. fest, daß die jüdischen Arbeiter, die nach Palästina eingewandert sind, vor den gleichen Aufgaben des Klassenkampfes stehen wie die Arbeiter aller anderen Länder und daß sie daher auch auf die gleiche Solidarität Anrecht haben wie alle anderen Teile des internationalen Proletariats. Die Exekutive der S. A. I. hat mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß die der S. A. I. angeschlossene Partei in Palästina in ihren Kundgebungen stets das gemeinsame Klasseninteresse mit den arabischen Arbeitern in Palästina betont hat und sich jedem Oedanken der Aufrichtung einer Herrschaft der jüdischen Nation über die arabische in Palästina widersetzt. 2. Die Exekutive der S. A. I. nimmt zur Kenntnis, daß ihre Palästina-Sektion die Zionistische Organisation und die Jewish Agency, soweit diese Organe öffentliehen Rechtes geworden sind, zur Vertretung ihrer Interessen benutzt. Sie erwartet von ihrer Palästina-Sektion, daß sie in diesen Institutionen den unbeugsamen Kampf gegen die Versuche des internationalen jüdischen und nichtjüdischen Kapitalismus, sie seiner Herrschaft zu unterwerfen, führen wird. Die Zionistische Organisation und die Jewish Agency sind Institutionen im nationalen Rahmen. Eine Beteiligung der S. A. I. an ihnen kommt daher in keiner Weise in Betracht. Wenn einzelne jüdische Mitglieder von Parteien, die der S. A. L angeschlossen sind, sich im Interesse der Arbeiterklasse Palästinas an diesen recht komplizierten Institutionen beteiligen, so sind sie dafür der Partei verantwortlich, der sie angehören, die S. A. I. lehnt aber jede wie immer geartete Verantwortung für eine derartige Betätigung einzelner Sozialisten ab. , •3.'יי. Die Exekutive! tifer' ‘S.M.t vertritt ־#{fe!tiili Üfe־ Tendeftz, der Gründung von Ligen aller Art, die über den Rahmen der S. A.!. hinausgehen, und der Beteiligung an ihnen entgegenzuwirken. Die Exekutive der S. A. I. überläßt die Entscheidung über die Zweckmäßigkeit der ״Ligen für das arbeitende Palästina“ ihrer Palästina-Sektion und nimmt die Mitteilung der Konföderation Poale Zion zur Kenntnis, daß die Mitgliedschaft dieser Ligen auf Juden beschränkt bleiben wird. 4. CMe Exekutive der S. A. L, die die Häufung internationaler Kongresse über politische Spezialnrobleme für unzweckmäßig hält, nimmt zur Kenntnis, daß der geplante Weltkongreß für das arbeitende Erez-Israel keineswegs eine internationale, sondern bloß eine Veranstaltung im national-jüdisehen Rahmen sein soll und daß weder die S. A. I. als solche noch eine ihrer Sektionen, außer der palästinensischen, zu ihr eingeladen werden wird. Die Liga für das arbeitende Palästina veranstaltete am 13. Mai im überfüllten Saale der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Fasanenstraße eine Kundgebung anläßlich der Anwesenheit von S. Kaplansky (London) und M. Jarblum (Paris), die an der Exekutivsitzung der Internationale teilgenommen hatten. Dr. Mendelsohn eröffnete die Versammlung und wies auf die Bedeutung der Liga als Sammelpunkt aller für das arbeitende Erez-Israel Tätigen hin. Hierauf führte 1 a r bl u m (Sekretär des sozialistischen Komitees für das arbeitende Erez-Israel) etwa folgendes aus: Wir haben große Fortschritte in der internationalen sozialistisehen Welt erzielt, wenn auch noch nicht alles erreicht ist. In der heutigen Zeit können wir uns nicht mit einer allgemeinen Formulierung unserer nationalen Idee begnügen, sondern wir müssen ihr einen bestimmten Inhalt geben. Dieser liegt für uns in der Richtung des Sozialismus. Die Verbindung des nationalen mit dem sozialistischen Ideal ist für uns eine natürliche Notwendigkeit. Während des Krieges und nach ihm haben wir die Sympathien der Internationale gewonnen: das sozialistische Komitee für das arbeitende Erez- Israel ist eine Stütze unserer Tätigkeit. Das jüdische Element in der Internationalt ist gegen uns, so daß der Kampf noch weiter gehen muß. Wir wollen, daß unsere Ideale vom ganzen Sozialismus geteilt werden. Unsere praktische Arbeit in Palästina, sowie politische Aufklärungsarbeit werden dieses Ziel erreichen. Kaplansky, Mitglied der Zionistischen Exekutive, sagte u. a.: Die Internationale hat uns auf dem Gebiete der Ligen für das arbeitende Palästina freie Hand gelassen. Die Gefahr eines Bannes gegen sie ist behoben. Das wichtigste Ereignis der letzten Zeit ist für uns der Bericht der Untersuchungskommission. Es ist eine Verschiebung in der Angriffsfront vom politischen auf das ökonomische Gebiet eingetreten. Unsere Einwanderung und Siedlung wird als wirtschaftlicher Verdrängungsprozeß hingestellt. Die Kommission hat aber die sachlichen Unterlagen nicht genügend geprüft. Redner beschäftigt sich mit einzelnen Stellen des Berichts und erklärt dann: Neben der notwendigen Abwehr von Angriffen müssen wir aber nicht mit dem Rücken zum Orient in Palästina stehen, sondern mit dem Gesicht zu ihm. Auch im Kampf muß jede Möglichkeit der Verständigung ergriffen werden. Die Palästinafrage ist nur durch Verständigung zu lösen. Drei Bedingungen gibt es für eine Verständigung: 1. Vorbehaltlose Anerkennung des Mandats mit allen seinen Implikationen als Regierungsbasis durch die arabischen Wortführer, 2. Anerkennung der absoluten Gleich- Wertigkeit beider Völker im Lande durch beide Teile, d. h. Verzicht auf Ausbeutung eines Zahlenverhältnisses, 3. radikale Aenderung des Regimes, keine Politik der Zweideutigkeiten. — In der Internationale Ist der Versuch einer Offensive gegen uns gescheitert. Die Internationale hat ihre Solidarität mit uns bezeugt Sie hat uns das Vertrauen ausgesprochen, daß wir uns mit den Arabern im Sinne internationaler Verständigung einigen werden. Unser großer Freund Troelstra, der uns in den entscheidenden Jahren geholfen hat und jetzt gestorben ist, verdient heute unser Gedenken. Wir vertrauen auf die Wirkung der schöpferischen Kraft in unserem Werke. Die Welt gibt ihre Hilfe auf die Dauer nur einer sich verwirklichenden Idee. Dr. Mendclsohn schloß die Versammlung unter Betonung der Notwendigkeit des künftigen Wachstums der Liga in Deutschland. Nach dem 1. Mai Die Frage gemeinsamer jüdisch-arabischer Arbeiter- Organisationen. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG. Tel-Awiw, den <5. Mai 1930. Seit den schweren Tagen des Jahres 1921 ist der 1. Mal für Palästina ein Tag, der besondere Vorsicht erfordert und von vielen mit einigem Unbehagen erwartet wird. _ Die allgemeine Arbeiterorganisation hat aus dem Gefühl einer Verantwortung für die öffentliche Lage seit Jahren ihre Maifeiern auf Massenversammlungen beschränkt und von jeder Straßendemonstration Abstand genommen. Diese Haltung der jüdischen Arbeiter zusammen mit der erhöhten Wachsamkeit der Polizei hat seither die Ruhe an diesem Tage der Erregungen garantiert. Auch in diesem Jahre verlief der Tag in voller Ruhe im ganzen Lande. Die Maifeiern in den Städten und Kolonien brachten Massenmeetings, die in den großen Zentren von vielen Tausenden besucht waren. Die Arbeit ruhte in vielen Betrieben, das Straßenbild der Städte zeigte einen feiertäglichen Anstrich, und in den landwirtschaftlichen Zentren brachten geschmückte Wagen die Siedler der umliegenden Kolonien zu gemeinsamen Feiern zusammen. Einen besonderen Anstrich halte das Fest bei Jericho im Lager der Toten-Meer-Gesellschaft, wo sich zum erstenmal Hunderte von jüdischen Arbeitern zusammenfanden, um den 1. Mai zu feiern. Auch die arabischen Arbeiter im Lager schlossen sich den jüdischen an. In den Versammlungen in Haifa und Tel-Awiw trat neben den Führern der Arbeiterorganisation auch je ein arabischer Redner auf, zum erstenmal seit den Augustunruhen. In der Nummer des ״Dawar“ vom 1. Mai erschienen im Anzeigenteil zwei Aufrufe, die besondere Beachtung verdienen. Die eine war unterzeichnet von der ״Liga le irgun meschutaf“ (Liga zur gemeinsamen gewerkschaftlichen Organisation), die andere von ״Achwath Poalim“ (Brüderschaft der Arbeiter). Die Aufrufe sind das Resultat einer Gärung unter den beiden Abteilungen der linken Poale-Zion und sollen eine gemeinsame jüdisch-arabische Aktion unter den Arbeitern inaugurieren. Die Leitidee in beiden Aufrufen ist die gemeinsame jüdisch-arabische Gewerkschaftsorganisation, die Arbeiter beider Völker zusammenschließen soll. Beide Aufrufe sind von Mitgliedern der Poale-Zion gemeinsam mit einigen Parteilosen unterzeichnet. Trotz der einander sehr verwandten Ideologie der beiden Gruppen, die sich in den Gedanken und Formulierungen der Aufrufe äußert, die beide von der internationalen Solidarität der Arbeiter ausgehen, ist der Weg, der vorgeschlagen wird, etwas verschieden. Die ״Liga le Irgun Meschutaf“ legt das Hauptgewicht auf die gemeinsame gewerkschaftliche Organisation und verspricht sich davon sowohl wirtschaftlich wie sozial!wichtige Resultate. Die ״Achwath Poalim“ dagegen oto-. bagiert.ifcWerkrchaftlftÄen.ÄMifÄtteirdfe Smüf/ ttmg jüdisch-arabischer Arb eit erkfub«, tim den Kontakt zwischen den beiden Lagern zu verstärken, und fordert die Einrichtung von Abendkursen für Hebräisch und Arabisch, die dazu dienen sollen, die sprachlichen Schranken zu verkleinern. Den Aufruf dieser zweiten Gruppe haben neben Mitgliedern der Poale Zion und einigen Unparteiischen (unter anderen Hugo Bergmann) auch einige Araber unterzeichnet. Der arabische Redner auf der 1. Mai-Versammlung der Arbeiterorganisation in Tel-Awiw hat für die ״A<fhwatn Poalim“ Propaganda gemacht. Diese Aktionen sind nicht die ersten, die im Lande zur Schaffung internationaler Gewerkschaften gemacht worden sind. Die Geschichte der letzten zehn Jahre ist voll von Dis- Missionen, die von Zeit zu Zeit große Intensität erlangten, über die Frage der internationalen Organisierung der Arbeiter, vor allem in den Kolonien, in denen gemischte Arbeit herrscht. Es wurden auch von der Arbeiterorganisation verschiedene praktische Versuche gemacht, sowohl in gemeinsamen Gewerkschaften, wie auch später in nationalen Sektionen. Diese Versuche sind niemals ein wahrer Erfolg gewesen. Der Grund dafür waren wirtschaftliche Tatsachen, vor allem die Verschiedenheit der arabischen und der jüdischen Wirtschaft, die verschiedenartige Erziehung und Mentalität der beiden Arbeitertypen, nationale Komplikationen und anderes mehr. Nach den Unruhen jst die Frage des ״Irgun Meschutaf“ verschiedentlich in Arbeiterkreisen, vor allem unter den mehr links stehenden Elementen diskutiert worden. Die Arbeiter- Organisation und ihre Presse und die große ״Vereinigte Partei“ hat sich bisher zu den Aufrufen nicht geäußert. Es ist jedoch in den nächsten Tagen eine Sitzung des Parteirates einberufen, die sich vermutlich auch mit dieser Frage beschäftigen wird. Man wird den praktischen wirtschaftlichen Möglichkeiten der gemischten Gewerkschaften heute mit einiger Skepsis gegenüberstehen müssen. Die Durchführung dieses Programms braucht sehr umfassende und langwierige Vorbereitungen und es ist fraglich, ob die Revolutionierung der arabischen Wirtschaftsweise schon so weit vorgeschritten ist, daß sie eine gew'erkschaftliche Organisierung der Arbeiter gestattet. Es ist jedoch interessant, daß dieser neue Versuch mit einem Programm der Aufklärung und Kulturarbeit, wie der Einrichtung gemeinsamer Klubs und Kurse verbunden wird. Und es ist ebenso interessant, daß sich in Jerusalem und Jaffa Vertreter von Arabern gefunden haben, die bereit waren, den Aufruf zu unterzeichnen. Die jüdischen Gruppen, die diese Aktionen heute tragen, sind klein und stehen außerhalb des großen Rahmens der ״Vereinigten Arbeiterpartei“. Das wird ihre Arbeit außerordentlich erschweren. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Arbeiterorganisation als solche zu dem Programm stellt und ob sie eventuell bestimmte Teile davon zu stützen bereit sein wird. Jttdiscbe Vorbereitung Nr Simpsons Mission Jerusalem, 13. Mai. (J. T. A.) ln Zusammengang mit den aus der Ernennung des Spezialkommissars Sir Jonn Hope Simpson sich ergebenden Aufgaben ernannte die Palästina- Exekutive der Jewish Agency eine besondere Korn« m i s s i o n für die Bodenfrage, Agrarfragen und städtische Ko- Ionisation. Die Kommission steht unter dem Vorsitz von Dr. R u p p i n und wird mit der vom Waad Leumi für ähnliche und andere Aufgaben gewählten Kommission Zusammenarbeiten.