Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 37 (13.5.1930)
- Date
- 1930-05-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653192--21569-2679681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 313 ,7־. V. 1930 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 257 Herzl-Gedenkfeier der Berliner Zionisten Der Berliner Zionismus feierte den 70. Geburtstag Theodor Herzls mit einer Vortragsveranstaltung, die am 8. Mai in den Musikersälen stattfand. Der mit einem Herzlbild und Fahnentüchern geschmückte Saal war überfüllt. Nach einigen Begrüßungsworten von Dr. Werner Bloch hielt Dr. Nachum Goldmann einen wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochenen Vortrag über das Thema: ״Herzl, der Lehrmeister". Wir würden — so führte Redner aus — jetzt den 70. Geburtstag Herzls feiern, und zwar in einer Zeit der Krise unserer Bewegung. Die heutige Feier ist daher besonders tragisch. Wir brauchen heute richtungweisende symbolhafte Figuren. Sinngehalt und Zielsetzung von Herzls Leben müssen wir uns vor Augen führen. Man kann Herz! einmal als eine mystische, legendäre Persönlichkeit betrachten. Der einfache Jude sieht in ihm den Helden eines jüdischen Mythos. Seit Jahrhunderten hatte das Galuthjudentum mangels eines solchen Helden dies nicht mehr vollbracht. Daneben aber gibt es den aktuellen politischen Herzl, der dem Judentum neue Wege wies. Wir müssen uns fragen, wie Herzl heute in den Grundlinien zionistische Politik führen würde. Herzl hat dem jüdischen Volke zwei Begriffe geschenkt: den Begriff des Volkes selbst und den einer jüdischen Politik. Der Volksbegriff, der heute eine Banalität ist, wurde von ihm formuliert, indem er alle Komplikationen beiseite schob, die in 2000 Jahren des Galuth ihn verdunkelt hatten. Das eben ist das Werk des Genies, daß er alle Komplikationen übersah. Ohne dies gäbe es keinen Zionismus. Die zionistische Theorie nach ihm hat erneut eine Komplizierung des Begriffes vorgenommen. Wenn hieraus Ansprüche auf Gestaltung der Politik gefolgert werden, so sind das nur Hindernisse auf unserem Wege. Die zweite Leistung Herzls ist seine Gestaltung jüdischer Politik in Theorie und Wirklichkeit. Er hat uns Politik als Gestaltung des Volkslebens gelehrt So empfand sich das jüdische Volk zum ersten Male wieder als historisches Subjekt. Herzls psychologische Voraussetzung dabei war sein Stolzerlebnis als Jude. Er revoltierte gegen die Abschwächung des Stolzes in der Galuthgeschichte. Das aber entzündete die Phantasie der Masse. Auch heute muß es maßgebend für die Handlungen des Volkes sein. Ein selbstbewußtes Volk kann in einer kritischen Stunde nicht Ratschlägen folgen, welche jenes Erlebnis verletzen. Der Führer darf nicht mit ihm in Konflikt geraten. Das zweite Motiv seines Schauens war der Mangel an Respekt vor den Realitäten. Er negierte die Realität des Galuth und konzipierte den Zionismus. Auch hierin muß er uns Lehrmeister sein. Unsere Zeit wird durch Respekt vor den Realitäten gekennzeichnet, denen man sich auch hinerlich beugt Das aber wäre das Ende des Zionismus. Wenn man heute eine grundsätzliche Realpolitik propagiert, dann ist sie der psychologische Ruin des Zionismus. Der Kampf um die letzten Ziele ist daher sehr bedeutsam. Realitäten müssen überwunden werden, wenn sie die Idee stören. Herzl gab dem jüdischen Volke das Erlebnis der Macht, d. h. daß Dinge nicht nur gesagt, sondern auch realisiert, mit Wirklichkeit erfüllt werden müssen. Wenn auch einzelne Lehrer im Galuth Idee und Leben vereinigen konnten, so doch nicht das Volk. Es hatte keinen nationalen Heros, der das Volk machtig werden lehrte. Darum entstand um Herzl die Legende. Seit Herzl gibt es eine jüdische Politik voll Verantwortung, da die Entscheidung zum Zionismus die Lebensform des Volkes ändert. Dies unterscheidet Zionisten und Nichtzionisten. Herzl hat uns das Ernstmachen gelehrt Aüertfings bedeutet di« utgfefdi eine Steigerung des Risikos. ':Hie Versdietawg'lta׳ ftfüdte düng in die Jahrtausende ist nicht mehr möglich. In der realen Welt söll die Entscheidung fallen. Ein Volk muß sich klar werden, ob es neben Geist auch Macht haben will. Zionismus Ist der Wille, glücklich zu werden. Er ist die Weigerung, sich dauernd vertrösten zu. lassen. Wir wollen mit unseren Fehlern und Vorzügen glücklich in der Macht werden. Wenn man dieses Element heute zugunsten ewiger Ideale reduzieren will, dann verläßt man Herzls Standpunkt und beseitigt den zionistischen Verantwortungswillen. In seinem Schlußwort forderte Dr. Werner Bloch zum Kauf des Schekels und zum Eintritt in die Zionistische Organisation auf. Mit dem Gesang der Hatikwah schloß die eindrucksvoll verlaufene Veranstaltung. K. L. Das hebräische Theater ״Habimah“ hat vor einigen Tagen seine Tournee durch Polen beendet. Es wurde nach vierjähriger Abwesenheit von Polen seitens der polnischen Judcnheit und aller Freunde der Theaterkunst sehr warm begrüßt; das neue Repertoire hatte einen außergewöhnlichen Erfolg. In dien Städten der Polen-Tournee bildeten sich Kreise der Freunde von ״Habimah“, die sich mit dem deutschen Kreise, dessen Zentrale und Sekretariat in Berlin ist, zu gem einsam er Arbeit zusammenschlossen. ״Habimah“ bereitet gegenwärtig in Berlin zwei neue Aufführungen vor: Shakespeares ״was ihr wollt“ und David Bergeisohns ״Der Taube“. Die Shakespeare-Uebersetzung stammt von dem hebräischen Dichter Dr. Saul Tschernichowski, die Regie hat M. Tschechow inne, die Musik ist von Dr. Ernst Toch, die Bühnenausstattung von M. Masjutin. Die Uebertragung des Bergelsohnschen Dramas vom jiddischen ins Hebräische besorgt Dr. Woislawski. Die Premieren dieser beiden Stücke werden in Berlin stattfinden. Im Herbst dieses Jahres begibt sich ״Habimah“ zurück nach Palästina und wird auf dem Wege dahin wahrscheinlich noch Oesterreich, die Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien besuchen. Während ihres Aufenmalts in Berlin bereitet ״Habimah“ gemeinsam mit dem Freundeskreis u. a. die Errichtung einer Theater-Bibliothek in Palästina und die Grundlegung für ein Theater-Museum vor. Jüdische Theatergruppe Hamburg. In der Hamburger Volksoper wurde das dramatische Gedicht ״Pinchas“ des Hamburger Oberkantors und Lehrers Hermann Lieber uraufgeführt. Die Dichtung behandelt die biblischen Szenen des Zusammenstoßes von Israel und Moab, im Vorsjtiel die Segnung wider Willen von Bileam und in den zwei Akten des Dramas selbst Pinchas, des Hohepriestersohns innere und äußere Kämpfe. Der Reinertrag war für die gesetzestreue Arbeiterschaft Palästinas bestimmt. Die Aufführung, gegeben von Schau- Spielern städtischer Hamburger Theater und Mitgliedern des Jugendbundes ״Zeirej Misracni“ fand bei Publikum und Presse freundlichste Aufnahme. Die jungen Spieler hatten viel Hingebung und Mühe aufgewandt, der schwungvollen, rhythmischen Sprache der Dichtung und ihrem gespannten seelischen Gehalt gerecht zu werden. Reicher Beifall aes gut besuchten Hauses rief die Spielerschar und den Verfasser am Schluß der Aufführung off vor die Rampe. 50 Jahre ORT. Anläßlich des bevorstehenden 50jährigen Jubiläums des Verbandes ORT lud die Zentralverwaltung des Verbandes zu einem ״Abend der Erinnerungen" ein, an dem verschiedene Personen, die der ORT-Tätigkeit in einzelnen Phasen ihrer Entwicklung nahestanden, ihre Erinnerungen austauschten. Zu Worte kamen Dr. Julius Brutzkus, Dr. K. Blank (Paris), J. Lestschinsky, Dr. D. Lvovitsch und G. Aronson, Die einleitenden Worte sprach Dr. A. Singaiowsky, der Vergangenheit und Gegenwart des ORT. gegesäbeistcllte. Vom Halenban In Haifa Große Fortschritte bei den Arbeiten. Nach einer offiziellen Mitteilung der Regierung waren im März große Fortschritte beim Hafenbau in Haifa zu verzeichnen. Der Wellenbrecher konnte 82 m in das Meer vorgetrieben werden, wobei über 12000 cbm Steine verwendet wurden. Die ״Zunge" des Wellenbrechers erstreckt sich bereits 350 m von der Küsie ins Meer und hat unterhalb des Wasserniveaus eine Tiefe von 5 m, so daß ein großer Teil der bereits fertiggestellten Mauer für den Zuschauer unsichtbar bleibt. Die Wirkung der Sperrmauer macht sich bereits dadurch bemerkbar, daß sich auf der von ihr schützten Seite eine Art Hafenbecken mit stillem wässer gebildet hat, das von Segelschiffen und Booten als Hafen benutzt wird. Inzwischen hat auch der Bau der Hafenanlagen in engere nt Sinne begonnen So ist ein Teil der Kaimauer, an der die Schiffe anlegen werden, westlich von der deutschen Mole in Bau genommen werden. Die dazwischen liegende Wasserfläche wird mit Sand aufgefüllt und später bebaut werden. Die deutsche Mole wird jedoch noch während dieses Jahres für die Benutzung durch das Publikum freigegeben werden können. Für den Wiederantban von Hebron Jerusalem, 6. Mal. (J. T. A.) Der aschkenasische Oberrabbiner Kuk, der sephardische Oberrabbiner Jacob Meir, der Leiter des Jüdischen Nationalfonds Ussischkin, der Waad Leumi, das ״Lemaan Hebron"־Komitee, die Führer des Misrachi und andere Führer des Jischuw veröffentlichen einen öffentlichen Appell, in welchem der Palästina-Nothilfsfonds (Emergency Fund) dringend ersucht wird, mindestens 50000 Pfund für den Wiederaufbau der Jüdischen Oemeinde in Hebron zu bewilligen. In und bei Hebron soll eine städtische und ackerbautreibende jüdische Bevölkerung angesiedelt werden, und diese Siedlung soll der Anfang des Jischuw in Südpalästina sein. Die gesamte Judenheit wird aufgefordert, diesen Plan zu unterstützen, die Zionistische Exekutive wird dringend gebeten, von der Regierung zu verlangen, das jüdische Eigentum, das in Hebron nach den Massacres und Vernichtungen vom August 1929 noch verblieben ist, vor der endgültigen Vernichtung zu schützen. Obsisälte-Industrie in Palästina Vor einem Jahre etwa begann der Unternehmer Schapiro in Haifa mit der Herstellung von Obstsäften, Insbeson• dere aus Orangen, und begründete damit einen neuen Industriezweig für Palästina. Die Erzeugnisse des jungen Unternehmens, das sich den Namen ״A s i s“ beilegte, fanden schnell Anklang, so daß die Produktion rasch vergrößert werden konnte. Der Sitz der Fabrik wurde dann von Haifa nach Ramath-Gan verlegt. Im ersten Jahre verarbeitete die Fabrik •9000 Kisten Orangen zu Säften und ätherischen Oelen. Auf Grund des Verlaufes dieser Saison wird im nächsten Jahre mit einer Verdreifachung der Produktion gerechnet. Die Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte, meistens Arbeiterinnen, beträgt zurzeit 40, die Erzeugung im ersten Jahre 150000 Flaschen Orangen- und Zitronensaft. (Ziko.) Briefe an die Redaktion Zur Frage der Todesurteile Berlin, den 9. Mai 1930. An die Redaktion der Belgische Landeskomerenz ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W. Der Arbeitsausschuß der ״Liga für das arbeitende Palästina in Deutschland“ hat mich als seinen Vorsitzenden beauftragt, aus Anlaß des in der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichten Artikels von Robert Weltsch zur Frage der Vollstreckung der Todesurteile in Palästina der Redaktion unseren Standpunkt in dieser Frage mit der Bitte um Veröffentlichung darzulegcn. Im Einklang mit den Forderungen der sozialistischen Parteien in allen Ländern und im besonderen getreu den Traditionen der jüdischen Arbeiterpartei in Palästina fordern wir die Abschaffung der Todesstrafe auch in Palästina. Solange die Todesstrafe in einem Lande besteht und dementsprechend Verbrecher verurteilt werden müssen, treten wir als Sozialisten wenigstens gegen die Vollstreckung der Todesurteile ein. Wir halten es für ein elementares Gebot der Menschlichkeit, soweit es in unserer Macht liegt, die Vollstreckung von Todesurteilen zu verhindern ganz ohne Rücksicht auf die Art des zu sühnenden Verbrechens. Daß diese menschliche Einstellung völlig unabhängig ist von der Neigung, die betroffenen Verbrecher milde zu beurteilen, haben zum Beispiel die Sozialdemokraten in Preußen bewiesen, die trotz der bisherigen Beibehaltung der Todesstrafe in Deutschland erreicht haben, daß in Preußen kein Todesurteil vollstreckt wird, auch nicht gegen Fememörder. Was für uns überall in der Welt gilt, gilt im besonderen für Palästina, das Land, in dem wir um den Aufbau der Jüdischen Nationalen Heimstätte in sozialistischem Geiste ringen. Dort wie überall hat der Kampf gegen die Vollstreckung von Todesurteilen nichts zu tun mit einer Abschwächung unseres Zornes und unseres Abscheus gegen die Verbrecher, die sich an Menschenleben vergangen haben; dort wie überall ist unsere Forderung selbstverständlich unabhängig von der Nationalität des gerichteten Verbrechers. Wi r ha It e n es deshalb für eine unabweisliche Pflicht nicht nur der zionistischen Sozialisten, sondern auch der offiziellen zionistischen Organe und aller am Aufbau in Palästina beteiligten J u־ den, ihre Stimme zu erheben gegen die Voll- Streckung der Todesurteile in Palästina, aus welchem Anlaß immer sie gefällt werden mußten. In dieser Forderung der Menschlichkeit müssen Juden und Araber sich begegnen. Unsere Einstellung gegen die Voll- Streckung von Todesurteilen ist unbedingt. Aber gerade wenn wir unsere Stimme hier zugunsten arabischer Verbrecher erheben, haben wir das Recht, auch von den Arabern die unbedingte Verurteilung der Verbrechen zu fordern, als eine Voraussetzung für die Sicherung des Friedens im Lande. Wir bedauern, daß die Haltung der Zionisten in der Frage der Vollstreckung der Todesurteile nicht so einheitlich ist, wie wir es um des moralischen Ansehens der Bewegung willen wünschen würden. Aber gerade deshalb schien es uns ein Gebot der Stunde, unsere Stellung öffentlich darzulegen. Liga für das arbeitende Pallatina in Deutschland. Napbtali. * Am 3. und 4. Mai fand In Antwerpen die jährliche Landes« konferenz der belgischen Zionistenföderation statt, an der sich 96 Delegierte des ganzen Landes beteiligten, die 2000 organisierte Zionisten Belgiens repräsentierten. Der Eröffnung wohnten die Vertreter der Jüdischen Gemeinde, der Wohltätigkeits- 2entrale und die Rabbiner Dr. Wiener und Amief bei. — ln der Eröffnungsansprache gedachte Herr N. Torczyner des verstorbenen Führers der belgischen Zionisten, Jean Fischer sowie der verstorbenen Lord Balfour und Dr. Leon Reich. Ueber den Bericht der Untersuchungskommission referierte der Redakteur der Hatikwah Herr M. D. Horowitz. Ueber die gesamte politische Lage hielt der Vertreter der Exekutive Professor Brodetzki ein gründliches Referat, das Gegenstand einer lebhaften Debatte war. Mit den Fragen der heimischen Organisation und Propaganda befaßte sich die Konferenz bis in die frühen Morgenstunden, faßte Resolutionen zur politisehen Lage, in der die Exekutive zu energischem Festhalten an unseren Rechten aufgefordert wurde. In das neue Landeskomitee wurden gewählt die Herren N. Torczyner, Heinrich Oretzer, M. D. Horowitz, S. Pitzcle und Herr Hildesheim- Brüssel. Kleine Nachrichten Dr. James Simon ist mit Rücksicht auf sein Alter aus dem Verwaltungsrat der Jewish Colonisation Association (JCA) ausgetreten. An seine Stelle ist als gewähltes Mitglied Herr Justizrat Dr. B i a u getreten, der seit Jahrzehnten die Frankfurter Gemeinde in diesem Gremium vertritt. Als seinen Nachfolger hat die Frankfurter Gemeinde Herrn Rechtsanwalt Dr. Eduard Baerwaid gewählt. Die deutsche Delegation im Ica-Council besteht demnach aus den Herren: Justizrat Dr. Blau-Frankfurt a. M., Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee als Vertreter der Berliner Gemeinde und Rechtsanwalt Dr. Eduard Baerwaid als Vertreter der Frankfurter Gemeinde. In Warschau hat eine wichtige Beratung zwischen den Vertretern des Joint Distribution Committee in Europa, Herren Dr. Bernhard Kahn und Dr. D. Schweitzer, und Vertretern der sozialen Fürsorge im polnischen Judentum stattgefunden. Zur Erörterung standen die katastrophale Wirtschaftslage der Juden in Polen und die Maßnahmen, die das American Joint Distribution Committe zu ergreifen hätte, um das polnische Judentum vor dem Untergang zu retten. Die Charkower Zeitung ״Stern“ teilt mit, daß der Maler Schechtmann an einem Gemälde ״Die jüdische Inqui sition“ arbeitet, welches die Rabbiner in ihrer ״wahren Gestalt“ darstellen soll. Das Bild wird dem Museum für jiddische Kultur (Mendele-Mttseum) einverleibt werden. Die türkische Regierung hat die weiteren Vorführungen des amerikanischen Tonfilmes ״Der Jazz- Ringer" mit Al Jolson, der seit zwei Wochen in einem Konstantinopeler Kinopalast gezeigt wird, verboten mit der Begründung, daß der Film ״ein Werk jüdischer religiöser Propaganda“ ist. Seit dieser Woche erscheint In der größten deutschen Tageszeitung der Tschechoslowakei, im ״Prager Tagblatt“, ein Roman unseres Mitarbeiters Ben Gawriel ״Orientabteilung 3“, der im heutigen Palästina spielt. Demnächst erscheint im Verlag von B. G. Teubner in Leipzig ein neues philosophisch-pädagogisches Buch ״Das Werturteil Im unterricht“ von unserem Mitarbeiter Dr. Ernst Simon. Vor einiger Zeit erschien von Dr. Ernst Simon eine Abhandlung ״Zu JakobOrimms Sprache, Stil und Persönlichkeit“ in Heft 3 des 7. Jahrganges von Erich Rotackers ״Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte“» Berlin-Wanasee, des!0. Mit 1936. Sehr geehrte Redaktion! Der Artikel von Dr. Robert Weltsch über die Todesstrafe hat mich ebenso wie viele andere Zionisten jeder Schattierung tief erregt. Ich muß dem Verfasser in jeder Beziehung recht geben. Ich gehe weiter und sage, daß diese von allzu vielen bagatellisierte Frage nicht nur eine politische Frage von allergrößter Bedeutung ist, sondern ein Prüfstein für die höhere Berechtigung unserer Bewegung nicht nur der öffentlichen Meinung gegenüber; ein Rrüfstein für unseren Glauben an die ethischen und weltgeschichtlichen Voraussetzungen des Zionismus, ganz gleich, was der einzelne unter letzteren versteht. Deshalb glaube ich, daß schleunigst etwas in dieser Angelegenheit unternommen werden muß. Aber während der Verfasser wohl in erster Linie an offizielle Faktoren gedacht zu haben scheint, glaube ich, daß von der zionistischen Jugend zunächst Deutschlands oder, wenn Sie wollen zunächst Berlins eine Bewegung ausgehen muß, die hoffentlich weitere Kreise ergreifen wird. Ich denke an das alte, aber wirksame Mittel des Unterschriftensammelns. Denjenigen, die sagen werden, daß durch niemanden bevollmächtigte private Personen kein Recht hätten, in derartig wichtigen Fragen Stellung zu nehmen und Aktionen zu veranlassen, wird man antworten können, daß wir keine Sekte sind und daß jedem Zionisten das Recht freier Meinungsäußerung zusteht. Ich glaube, daß eine Aktion gegen die Vollstreckung der in Palästina gefällten Todesurteile deshalb von der Jugend ausgehen muß, weil sie weniger an enge Programme gebunden und, um es kraß auszudrücken, mehr Mut aufzubringen imstande ist. Außerdem hätte eine solche Aktion den Vorteil, uns über die Strömungen und Meinungen in der zionistischen Jugend zu orientieren, und durch eine einheitliche Tat den schädlichen Partikularismus der Bünde zu brechen. Personen, besonders aus Kreisen der zionistischen Jugend, die an der Organisierung der obenerwähnten Aktion interessiert sind, bitte ich, sich an meine Adresse, Wannsee, Hohenzollern- Straße 16 98, wenden zu wollen. Mit Zionsgruß Marie Rosental, stud. phil. Gemeinde und Vkisdiatimot Berlin, den 10. Mai 1930. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W. Sehr geehrte Redaktion! In Ihrer Ausgabe vom 6. er. veröffentlichen Sie den Berieht von der Repräsentantcnversammlung vom 1. er. Dabei geben Sie in beiden Reden von Herrn Direktor Kareski auch die Polemik gegen unsere Zeitung wieder, während Sie die Tatsache, daß sämtliche Redner der Liberalen Fraktion für die Ausführungen unseres Blattes zur Wirtschaftsnot der deutschen Juden eingetreten sind, auch nicht mit einer Andeutung erwähnen, ln der Wiedergabe der Schlußrede von Herrn Direktor Kareski findet sich u. a. auch die Behauptung, niemand habe den Gedanken der ״Gemeindefabriken“ ausgesprochen. Wir dürfen Sie wohl demgegenüber darauf aufmerksam machen, industrielle Unternehmungen zu gründen. Hochachtungsvoll Schriftleitung der Jüdisch-liberalen Zeitung Jacob.