Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 37 (13.5.1930)
- Date
- 1930-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 250 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 13. V. 1930 MacMahon, britischer High Commissioner in Aegypten, der namens der Britischen Regierung handelte, stattgefunden. Im Verlauf dieser Verhandlungen wurden viele wichtige Briefe gewechselt. Diese Korrespondenz wurde jedoch nicht ver* öffentlicht. Ich habe mich viele Jahre für diese Sache interessiert und Informationen aus allen Lagern gesammelt. Es ist heute abend keine Zeit dazu, diese Korresondenz im einzelnen zu erörtern, aber kurz möchte ich darauf hinweisen, daß im Juli MI5 der Scherif Hussein einen Brief an Sir Henry MacMahon sandte, worin er verlangte, daß die U n a b - hängigkeit der Araber in einem bestimmten Ciebiet südlich des 37. Breitegrades anerkannt wird, das bedeutet un• gefähr eine Linie vom äußersten nordöstlichen Winkel des Mittelmeeres zur persischen Grenze. Nachdem noch mehrere Briefe gewechselt waren, schrieb schließlich am 25. Oktober Sir Henry MacMahon einen Brief worin er sagte, daß er die arabische Forderung unter Vorbehalt gewisset Modifikationen akzeptiere. Er nahm je• doch aus die Gebiete von Baghdad und Basra in Mesopotamien, wo Großbritannien besondere Interessen hat, ferner ein Gebiet, das er beschrieb als ״derjenige Teil von Syrien, der westlich der Distrikte Damaskus, Horns, Homa und Aleppo liegt“, da wir in diesem Gebiet nicht frei sind, zum Nachteil Frankreichs zu handeln. MacMahon erklärte: ״Abgesehen von diesen Modifikationen ist Großbritannien bereit, die Unabhängigk eit der Araber innerhalb der von dem Scherif von Mekka vorgeschlagenen Grenzen an zuerkennen und zu unterstützen“. In einem späteren Briefe im Jamiär 1916 sagte er: ״Ich habe von meiner Regierung die Weisung erhalten, Ihnen mitzuteilen, daß alle Ihre Forderungen akzeptiert worden sind“. Als ein Ergebnis dieser Korrespondenz und der den Arabern gegebenen Versprechungen traten die Araber auf unserer Seite unter der Führerschaft von Col. Lawrence und andern in den Krieg ein und leisteten der Sache der Alliierten große Dienste. Diese Versprechungen wurden den Arabern gegeben zwei Jahre vor der berühmten Balfour-Deklaration, in welcher wir erklärten, mit Wohlwollen die Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina zu betrachten. Nun wurde eingewandt, daß diese Versprechungen, die von der Britischen Regierung nicht veröffentlicht wurden, aber im Besitze der Regierung sind, sich nicht auf Palästina beziehen. Nach meiner Meinung kann bei Prüfung der Dokumente diese Behauptung nicht aufrechterhalten werden. Das Gebiet, das von der Verpflichtung ausgeschlossen war, ist der Teil von Syrien, der westlich der Distrikte Damaskus, Horns, Homa und Aleppo liegt Wenn man die Landkarte anschaut, sieht man, daß diese vier Städte nördlich von Palästina liegen. Die südlichste von ihnen ist Damaskus, und auch diese liegt noch nördlich von Palästina. Das Gebiet westlieh dieser Distrikte ist also klarerweise das Küstengebiet der Provinz Syrien, wo Frankreich spezielle Interessen hat und das später unter die Verwaltung Frankreichs kam. Wenn die Regierung die Korrespondenz veröffentlicht, werden wir genau wissen, welches die Versprechungen waren und werden uns ein Urteil bilden können. In kurzer Zeit wird das Haus sich mit dem Bericht der Palästina-Kommission zu beschäftigen haben und sehr wichtige Fragen in bezug auf die widerstreitenden Ansprüche der Zionisten und der Araber werden geregelt werden müssen. Von mancher Seite wurde gesagt daß die von mir erwähnten Versprechungen gänzlich im Widerspruch stehen zur Balfour-Deklaration. Ich sage dies nicht Ich glaube zwar, daß gewisse Gegensätze zwischen den zwei Dokumenten vorhanden sind, aber es ist eben die Aufgabe staatsmännischer Kunst .S ft-h.fy.xfrxg״lxe:i-t,e .n. eUa-iS-eijr zxx.-l'O-s e .a . ״׳ —IX^ciin—dia—י Versprechungen so sind wie ich annehme, dann stehen sie in absolutem Gegensatz nur zu der extremen zionistischen Forderung, Palästina so jüdisch zu machen wie England eng• lisch. Wir werden diese Frage zu behandeln haben und müssen zu einer Entscheidung kommen, und da wäre es richtig, die Dokumente vor uns zu haben. Darum fordere ich die Regierung auf, die Dokumente z u veröffentlichen. Unsere Position im Orient ist, wie jedermann zugeben muß, nicht auf unsere militärische Macht gestützt, sondern beruht darauf, daß die orientalischen Völker glauben, wir herrschen nach den Prinzipien der Gerechtigkeit. Aber unter den Arabern ist ein wachsendes Gefühl, das nachdem wir ihre Hilfe während des Krieges durch gewisse Versprechungen erreicht haben, wir diese Versprechungen nicht durchführen wollen und die Korrespondenz verheimlichen. Der einzige Weg, dem entgegenzuwirken, ist die Veröffentlichung der Korrespondenz. Col. Howard Bury unterstützte den Antrag von Cocks und führte aus: Als vor einiger Zeit der Imam von Jemen mit Sir Gilbert Clayton verhandelte, und dieser ihm bestimmte Versprechungen machte, sagte der Imam: ״Wie kann ich wissen, ob Ihr die Verprechungen halten werdet?“ Darauf Sir Gilbert: ״Ihr habt das Wort der Britischen Regierung“, und der Imam ״Habt Ihr nicht den Arabern schon viele Versprechungen gemacht, und was ist geschehen?“ Dieses gebrochene Versprechen schadet unserm Prestige im ganzen Osten. Wenn wir diese Versprechungen nicht gemacht haben, dann ist es für die Regierung um so wichtiger, durch Veröffentlichung der Korrespondenz sich von dem Vorwurf des Wortbruches freizuhalten. Fenner Brockway, der Sekretär der Independent Labour Party, unterstützte den Antrag und sagte: Ich habe weder Beziehungen zu dem arabischen Komitee noch zu dem jüdisehen Komitee. Denn ich glaube, daß die Regierung und das Haus eine Beilegung der kollidierenden An- Sprüche finden müssen; aber wenn wir die Sache richtig beurteilen sollen, dann müssen wir alle Tatsachen vor uns haben. Deswegen verlange ich dringend, daß ein offizieller und vollständiger Bericht über diese Korrespondenz vorgelegt wird. Ich möchte noch eine andere Frage aufwerfen, die mit dieser Sache im Zusammenhang steht, und über die ich eben ein Telegramm aus Jerusalem erhielt. Ich habe schon mehrmals durch Anfragen die Regierung dringend darauf hingewiesen, daß ein Mittel zur Schaffung einer besseren Atmosphäre in Palästina darin besteht, die politischen Gefangenen anders als bisher zu behandeln. Ferner habe ich die Regierung gebeten, die in Palästina gefällten Todesurteile nicht zu Vollstreckern Ich erhielt ein Telegramm aus Jerusalern, wonach 39 inhaftierte Arbeiter am 5. Mai einen Hungerstreik erklärt haben. Sie fordern die Beseitigung der Todesstrafe, die Beseitigung der Prügelstrafe, der Handschellen und der Zwangsarbeit im Falle politischer Gefangener und eine besondere Ordnung für solche Gefangene. Ich bitte Dr. Shiels, diese Sache unverzügühc zu untersuchen und dafür zu sorgen, daß politische Gefangene in der bestmöglichen Weise behandelt werden. Ferner bitte Ich ihn die Anregung zu erwägen, daß für politische Vergehen keine Todesstrafe verhängt werden dürfe. Die Antwort der Regierung Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. S h i e 1 s: Ich weiß nicht genau, welche Absichten Mr- Cocks verfolgt, indem er mir in der Frage der MacMahon-Korrespondenz so zusetzt. Ich bin auch überrascht, daß Col. Howard Bury dasselbe tut, obwohl jede Kritik in dieser Frage sich doch in Wirklichkeit gegen die vorhergehende konservative Regierung richtet, deren eifriger Anhänger er war. Die jetzige Regierung hat in dieser Frage keinen neuen Kurs eingeschlagen, sondern nur die von ihren Vorgängern während der letzten zehn Jahre eingenommene Position aufrecht erhalten• Im Jahre 1921 machte Mr. Churchill, damals Staatssekretär für die Kolonien, eine volle Erklärung im Unterhaus über diese Frage. Er wies daraur hin, daß die Korrespondenz mit dem Scherif von Mekka sich lang hinzog ohne einen richtigen Abschluß, und daß sie ihr Ende fand mit dem Eintritt des Scherifen in den Krieg, bevor noch ein endgültiges oder formelles Uebereinkommen getroffen worden war. Er wies ferner darauf hin, daß die in der Korrespondenz enthaltenen Versprechungen, welcher Art auch immer sie gewesen sein mögen, dem Scherifen von Mekka gegeben wurden, nicht aber den Arabern Palästinas oder Irgendeines anderen speziellen Gebietes. Das Wesen dieser Versprechungen Ist voll erklärt worden In der Darlegung der Palästinapolitik, veröffentlicht im Weißbuch Cmd. 1700 vom Jahre 1922. Dieses Weißbuch wurde von der Koalitionsregierung ausgegeben, an deren Spitze Lloyd George stand. Oie dort gegebene Definition besagt, daß ganz!Palästina westlich des Jordans von diesen britischen Versprechungen ausgeschlossen war. Genau dieselbe Haltung wurde von der konservativen Regierung eingenommen, die im Herbst 1922 ans Ruder kam. In einer Depesche vom 4. Oktober 1923, die als Weißbuch Cmd. 1989 veröffentlicht wurde, hat der damalige Staatssekretär für die Kolonien, der Duke of Devonshire, die allgemeinen Schlußfolgerungen, die in dem Weißbuch des vorhergehenden Jahres enthalten waren, akzeptiert. Dieselbe Haltung haben auch die darauffolgenden Regierungen eingenommen, ich will hier nicht auf eine detaillierte Erklärung der Gründe eingehen, warum es stets als unratsam angesehen wurde, den Text der MacMahon- Korrespondenz zu veröffentlichen. Ich will nur sagen, daß diese Gründe von verschiedenen Außenministern, welcher Parteirichtung immer sie gewesen sein mögen, für zwingend gehalten wurden. Ich sehe keinen Grund, von dieser stets eingehaltenen Linie abzugehen und ich verstehe nicht, welcher Nutzen daraus kommen kann, einen Gegenstand so dringlich vorzubringen, über welchen so viele zuständige Beurteiler zu demselben Ergebnis gekommen sind. Ich richte an alle Parteien dieses Hauses den dringenden Appell, dieses Ergebnis als endgültig hinzunehmen. Was Palästina betrifft, so hat es gar keinen Zweck, die Angelegenheit der Korrespondenz aufzurollen. Die gegenwärtlge Regierung hat dieselbe Ansicht wie alle ihre Vor- Inger, daß diese Dokumente keine praktische Beeutung für die konstitutionellen und politischen Fragen Palästinas besitzen. Die Palästinafrage muß vielmehr auf Grund einer großzügigen Ueberlegung der Gerechtigkeit und Billigkeit entschieden werden. Die Regierung ist feizi mit der Lösung dieser Frage beschäftigt, indem sie sich an alle Beteiligten wendet in der Hoffnung, eine Re• gelang zu erzielen, welche für alle annehmbar ist. Wir begreifen vollständig die Schwierigkeiten. Wir haben in dieser Sache keinen leichtsinnigen Optimism u s, aber wir sind entschlossen, eine Lösung zu finden, wenn wir können; und wir appellieren an das Haus, auf .jm*e1e..#uten Absichten zu.vertrauen und zu glauben, daß eine. befriedigende Lösung nicht durch Aufwärmung vergangener Streitfragen, sondern nur durch Bewältigung der gegenwärtigen und künftigen Schwierigkeiten erreicht werden kann. Dr. Shiels beantwortet sodann in längeren Ausführungen die von Fenner Brockway aufgeworfene Frage der Ge fangnisreform in Palästina. Er führt aus, daß die Regierung selbst mit dem Gefängniswesen, in Palästina sehr unzufrieden ist und bereits längere Zeit in dieser Angelegenheit mit dem High Commissioner korrespondiert. Die Verwaltung Palästinas sei bestrebt, die Verhältnisse zu verbessern. Der Redner schließt: ״Ich schlage also vor, daß wir jetzt der Zukunft Palästinas uns zuwenden und nicht der Vergangenheit. Es ist unmöglich, bis mitten in die Kriegszeit zurückzugreifen und sehr umstrittene Angelegenheiten zu entscheiden, bei denen man in vielen Fällen gar nicht mehr die genaue Position feststellen kann. Ich glaube, ich habe gute Gründe dafür angeführt, warum man diese Frage der MacMahon-Korrespondenz jetzt fallen lassen soll und warum wir, das ganze Unterhaus, uns jetzt darauf konzentrieren sollen, eine befriedigende Lösung der sehr großen Schwierigkeiten, mit denen wir gegenwärtig in Palästina zu tun haben, zu erreichen.“ Nach der Erklärung Dr. Shiels ging die Debatte weiter. MacShane (Labour Party) sagte, die Rede Dr. Shiels sei sehr klar, aber nichtssagend gewesen. Dr. Shiels hat uns aufgefordert, Mund und Augen zu schließen und Vertrauensvoll zu warten, was er uns bringen wird. Seine Ausflüchte seien geradezu lächerlich gewesen. Auch die Berufung auf die Vorgänger der jetzigen Regierung sei seltsam, wenn die Labour-Regierung nur ihren Vorgängern folgt, wozu ist sie überhaupt da? Haben wir als Labour Party denn keine anderen Gesichtspunkte als jene? Die Redner, die heute gesprachen haben, haben die Zustimmung und Sympathie der meisten Labour-Mitglieder des Hauses. Diejenigen von uns, die die Frage studiert haben, wissen, daß die Araber eine gewichtige Beschwerde haben. (Zwischenruf: ״Nein“.) Wenn jemand ,,nein“ ruft, so beweist das nur, daß die Frage zweifelhaft ist und daß daher die Korrespondenz veröffentlicht werden muß. James Hudson (Arbeiterpartei) erklärte, er habe niemals Sympathien für den von Col. Howard Bury in dieser Sache eingenommenen Standpunkt gehabt, aber jetzt müsse er sagen, wir können nicht weiterkommen, wenn wir unsere Augen schließen vor wichtigen Erklärungen, die von Großbritannien in der Vergangenheit abgegeben wurden. Wenn in den Dingen, die wir während des Krieges getan haben, etwas ist, wofür wir uns zu schämen haben, dann ist es um so wichtiger, in der jetzigen ruhigen Zeit diese Dinge aufzudecken, damit wir sie nie wieder wiederholen. Wenn den Arabern irgendein ausdrückliches Versprechen gemacht worden ist — und ich habe den Verdacht, daß dies geschehen ist —, dann muß es bei jeder endgültigen Regelung der Palästinafrage in Betracht gezogen werden, und ich bin überzeugt, daß Dr. Shiels und das Colonial Office der zionistischen Bewegung, die meinem Herzen sehr nahesteht, einen schlechten Dienst erweisen, wenn sie sich dauernd weigern, so wichtige Informationen zu veröffentlichen. Mander (Liberal): Wenn Dr. Shiels gesagt hätte, daß das gegenwärtige Kabinett nach eingehender Prüfung der Situation zu dem Schlüsse gekommen ist, daß die Veröffentlichung de! Korrespondenz mit dem nationalen Interesse in absolutem Gegensatz steht, dann wäre die Lage anders; aber wenn er sich nur auf die vorhergehende Regierung beruft, so läßt uns das kalt. Mit Rücksicht auf die von allen Teilen dieses Hauses ausgesprochene Meinung hoffe ich, daß die Regierung die Angelegenheit neuerlich untersuchen wird. Rcy. Gordon-Lang (Labour) schließt sich den Forderungen der vorhergehenden Redner an. Er verstehe, sagte er, daß Dr. Shiels in einer sehr ernsten Schwierigkeit ist, sonst hätte er sich nicht in dieser ungewöhnlichen weise verteidigt. Wer ihn persönlich kennt, kann verstehen, daß er sich dabei nicht wohlgefühlt hat. Gerade aus Wertschätzung für ihn muß ich aber sagen, daß er in einer noch viel schwierigeren Lage sein wird, bis die Unterhausdebatte über den BerichtderShaw-Kommission stattfindet, wofern diese Korrespondenz uns nicht zuvor zugänglich gemacht worden ist. Angesichte der großen Verantwortung, die in Kürze uns auferlegt sein wird, hoffe ich, daß Dr. Shiels seine Position neu überlegen wird. Damit fand die Debatte ihren Abschluß. Die jüdischen Anwälte gegen die palästinensischen Gerichte Jerusalem, 7. Mai. (J.T.A.) Der Verband der /üdischen Anwälte Palästinas hielt soeben seine Jahresversa.nmlung ab und faßte die folgenden Resolutionen: Die Gerichte Palästinas tragen bei der Behandlung der aus den August-Unrahen sich ergebenden Fälle nicht genügend der Tatsache Rechnung, daß die Juden die Anegriffenen waren und in Selbstverteidigung änderten, daß die Polizei in einer Reihe von Fällen die schuldigen Angreifer nicht festzustellen vermochte, daß keiner der Haupthetzer bestraft worden ist, daß in einer erschreckend großen Zahl von Gerichtsfällen gegen Juden falsches Zeugnis abgelegt wurde. Die Konferenz erhebt darüber Beschwerde, daß die Shaw-Kommission ihren Aufgabenkreis überschritten und Empfehlungen ohne, hinreichende Untersuchung der Tatsachen gemacht hat. Es wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß eine jüdische Frau (Frau Ginsberg) das Recht erlangt hat, als Anwalt vor Palästina-Gerichten zu erscheinen, wodurch das Anwaltsrecht für Frauen erlangt wurde. Es wird aber dagegen protestiert, daß die Regierung eine Beschränkung gegen Frauen einzuführen versucht in der Weise, daß Frauen das Erscheinen vor bestimmten Palästina- Gerichten als Anwälte nicht erlaubt ist. Die Konferenz gibt der Unzufriedenheit darüber Ausdruck, daß ungeachtet der großen Zahl der jüdischen Bevölkerung des Haifaer Distrikts es seit zwei Jahren keinen jüdischen Richter am Haifaer Distriktsgericht gibt. Die Konferenz vereinigt sich mit der ganzen Palästina-Judenheit in dem Protest gegen die politische Tätigkeit des Kanzlers der Hebräischen Universität Dr. Magnes und die Propaganda von Brith Schalom. Die Probleme des Oraogenbaos Arabische Vorschläge für gemeinsame wirtschaftliche Arbeit. Die arabische Zeitung ״Al-Chajat" veröffentlicht einen Artikel über die Lage der Orangenproduzenten und der Exporteure. Die arabischen Kaufleute und Orangen- Produzenten hatten während der Orangensaison einen Schaden von 300 000 Pfund erlitten. Dieser Wirtschaftszweig, der das Rückgrat der palästinensischen Wirtschaft bilde, sei gcfährdet, wenn nicht die erforderlichen Schritte von seiten der Interessenten sowie der Regierung getan werden, um Abhilfe zu schaffen. Vor allem sei eine gern ei r•«־״^• ׳•״*Beratung von arabischen und jüdischen...f'-enkauf- -’•tlHH?Ujviiuu ״r «!*■*«ס ftescniieöen müßten: 1. Verbesserung der Transportverhältnisse. 2. Ent- Sendung von Vertretern zur Erschließung neuer Märkte. 3. Verhandiungen mit der Regierung zwecks Abschlusses eines Handelsvertrages mit der Türkei über die Oeffnung ihrer Märkte für die Jaffa-Orange nach dem Beispiel der syrischen Regierung. (Nebenbei: Palästina kauft sehr viele Artikel von der Türkei.) 4. Verhandlungen über Verringerung der Transportkosten nach den englischen Häfen. 5. Errichtung einer Fabrik zur Produktion von Saft und Marmelade aus Orangen (wenn das Privatkpital nicht dafür zu gewinnen sei, müßte die Regierung die erforderlichen Mittel bereitstetlen, eventuell durch eine Steuer von 50 Mil pro Dunam bepflanzten Bodens.) 6. Eine Untersuchung, wie weit andere Pflanzungskulturen für den Anbau in Palästin in Frage kommen. (Ziko.) Gemeinsame Handelskammer 10 Tiberias Die Stadtverwaltung von Tiberias beschloß, eine (j ü ־ dlsch-arabische) Handelskammer zu gründen, deren Autgäbe die Förderung der kommerziellen, inaustriellen und landwirtschaftlichen Interessen der Stadt Tiberias und Umgebung sein soll. Ein vorbereitendes Komitee, bestehend aus dem Bürermeister der Stadt Sakal ei Hadif und Kalil Karbul wurde eauftragt, die notwendigen Schritte zu unternehmen. Die Gründungsversammlung der neuen Handelskammer fand in der vergangenen Woche statt. Von der Stadtverwaltung Zemach lag ein Antrag vor^die Kaufleute von Zemach in die Handelskammer Tiberias aufzunehmen. Der Antrag wurde einstimmig von den jüdischen und arabischen Kaufleuten angenommen. Me Schnldhatt ia Palästina Wie die arabische Presse meldet, treffen aus alten Teilen des Landes Petitionen und Beschwerden der arabisehen Geldverleiher bei der Regierung ein, in denen eine Revision der neuen Bestimmungen über die Verhängung von Haftstrafen gegen säumige Schuldner verlangt wird. Die neue Verordnung setzt die Haftstrafe bei säumigen Schuldnern von 91 auf 21 Tage herab. Die Herabseizung der Hafttage gefährde, wie in den Petitionen begründet wird, den Handel und die Landwirtschaft, für die Darlehen der berufsmäßigen Geldverleiher unentbehrlich seien. — Nach unserer Meinung ist es an der Zeit, daß das mittelalterliche Institut der Schuldhaft im modernen Palästina überhaupt abgeschafft wird. "sämnel Pevsner’j Jerusalem, 8. Mai. (J. T. A.) Ing. Samuel P e vsner, Mitglied des Waad leumi, ein Schwiegersohn AchadHaams, erlitt am 6. Mai morgens, als er von einer Sitzung des Waad Leumi, die bis in die Morgenstunden dauerte, in die Wohnung Ruppins zurückkehrte, einen Schlaganfall, an dessen Folgen er verstarb. Pevsner war Präsident der Haifaer jüdischen Handelskam mer und der Haifaer jüdischen Vorstadt Hadar Hakarme!. Schon dem ersten Zionistenkongresse in Basel wohnte er als Delegierter bei. Seit 25 Jahren lebte er in Palästina. Er war einige Zeit Direktor des Haifaer Teohnikums. Bei Ueberführung seiner Leiche nach Haifa hielten Ben Zwl namens des Waad Leumi, Rabbi Berlin namens der Jewish Agency und Ussischkin Traueransprachen, sein Schwager Mordechai Ben Hillei Hakohen sprach das ״El mole rachmim“. Das Büro des Waad Leumi war zum Zeichen der Trauer den ganzen Tag geschlossen.