Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 37 (13.5.1930)
- Date
- 1930-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hcrzl-Fcicr der Berliner Zionisten Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Au^Rndsabcmnem«*!* werden io de* WUmm!׳ der einzelnen Lander berechnet. Anreijcenpreis: 8 nmp. NirapeteiOeeefl• 0.50 G.-M. SteUenf^mche 0.25 G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinWlS, Meinekestr.10 Telephons J 1 Bismarck 7165-70, An*el€#n*daluÄ: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr RedaktioosschluB Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck Kenten; Berlin 17392, Baad V 9355. Belgrad 68032 Brüssel 394 33. Budapest 596 93» Danrig 1973, Haag 140 470, Frag 59410, Strnesbuig 164 30. Warschau 190708, Wien 156 030. Bank Konten! Darmstldtea und Na ticmal bank, Depositen Kasse Berlin. Kurfürsteadunun 52; Banca da Eat. Cemaua (Rtniakn); Angle Palesdiae Co. in Haifa, 1 •rosa lern. Tal Aviv. ט״ו אייר׳ תר״צ I xxxv. jahrg. ■■■■■■■י■■■■*■■■■■■■■■ per Zionismus erstrebt iOr das Jddlsche Volk die Schäftung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.«» ln aller Kürze Die Palästina-Regierung teilt offiziell mit, daß der High Commissioner eine Kommission, bestehend aus dem stellvertretenden Treasurer, Mr. W. I. Johnson und dem stellvertretenden Gouverneur des Süd-Distriktes, Mr. R. I. H. Crosbie, ernannt hat, um die wirtschaftliche Lage der Fellachen im besondern Hinblick auf die Steuer* poiitik der Regierung zu untersuchen und eventuell Reformvorschläge zu machen. (Ziko.) Gegenüber der von Colonel Howard Bury im Unterhaus in seiner Anfrage an die Regierung aufgestellten Behauptung, daß die Ruthenberg Palestine Electricity Corporation alle für die Kraftsfation in Haifa bestimmt gewesenen Maschinen aus Deutschland hat kommen lassen, wird der I. T, A. aus autoritativer Quelle in London versichert, daß alle Maschinen für das Kraftwerk in Haifa in England, meist in Birmingham und Stockport, bestellt worden sind. In Beantwortung einer Frage von Sir Robert Hamilton Gib.) sagte Unterstaatssekretär Dr. Shiels im Unterhaus, daß der Bericht von Sir John Simpson über die Bodenfrage in Palästina in zwei bis drei Monaten vorliegen dürfte. Es sei noch nicht entschieden, ob sein Bericht veröffentlicht werden wird, aber er glaube, dies werde geschehen. In New York verstarb am 4. Mai, im Alter von 76 Jahren, Frau Lina Straus, die Gattin des Zionisten und Philanthropen Nathan Straus. Die Verstorbene, die in Mannheim geboren wurde, nahm an allen großen philanthropisehen Werkes ihres Mannes intensiv Anteil; die von Nathan Straus geschaffenen Wohlfahrtsinstitutionen tragen auch ihren Namen, z. B. das im Vorjahr eröffnete ״Nathan und Lina Straus-Gesundheitszentrum“ in Jerusalem. Aus Anlaß des 70. Geburtstages Theodor Herzls pilgerten am Sonntag, dem 4. Mai, ungeheure Massen von Juden zum Herzl-Grabe auf dem Döblinger Friedhof zu Wien. Aus dem gleichen Anlaß fanden in mehreren großen Sälen Wiens Massenkundgebungen zur Ehrung des Andenkens Herzls statt. Alle diese Säle waren überfüllt. Hauptredner waren Leo Motzkin und Heinrich York-Steiner. Im Jahre 1929 wurden im Außenhandel Paläs t i n a s höhere Umsatzziffem erreicht a!Is im Vorjahre. Der jüter betrug nach den Aufstellungen “ 71670» Pfund gegenüber 677100) Wert der F.roortgilter. I 554000 Pfund gegenüber' 1487000־ Pfund Im Jahre‘1921. Die Oberrabbiner Kuk und Meir, die Rabbiner Aronson und Uziel veröffentlichen ein Manifest an die jüdischen Gemeinden, Synagogen und Talmud-Thora-Schulen mit der Aufforderung, sich in das Balfour-Buch des Keren Kajemeth Lejisraei eintragen zu lassen. Wert der importierten ( des ״Comme« '‘ITZT etin Pfund, irrt ,der Prof. Lesslie Abercrombie von der Universität Liverpool, der im internationalen Wettbewerb für Neuanlage der irischen Hauptstadt Dublin den ersten Preis erhalten hat, ist in Jerusalem eingetroffen, um In der Angelegenheit der bauliehen Entwicklung der Haifa-Bucht seinen fachmännischen Rat zu erteilen. In einer Vorlesung in Jerusalem regte er die Bildung eines Vereins zum Schutz der Schönheiten des Heiligen Landes, ähnlich den Vereinen in Oxford und Cambridge, an. Am 1. Mai wurde in Tiberias ein großes jüdisches Krankenhaus, das Schweizer-Hospital, eröffnet Es verdankt seine Entstehung einer Spende von 25 000 Dollar, die Mr. Peter Schweizer, der ehemalige Schatzmeister der Zionistischen Organisation Amerikas, dem Keren Hajessod für den Bau des Hospitals zur Verfügung gestellt hat. Das Gebäude befindet sich in der Nähe des jüdischen Wohnviertels Kirjath Schmuei. (Ziko.) Wegen Beteiligung an dem Mord an drei Mitgliedern einer Jerusalemer georgisch-jüdischen Familie während der August- Unruhen wurde der Araber Kamil Salim Nabulsi zu 18 J ah• ren Zwangsarbeit und zur Zahlung einer Entschädigung von 250 Pfund an die Familie der Ermordeten verurteilt. Von zehn Hebron-Arabern, die angeklagt waren, im Hause Kapiluto fünf Studierende der Hebron-Jeschiwah ermordet zu haben, wurden 9 freigesprochen, der Fall des zehnten Angeklagten wurde zwecks Einvernahme weiterer Entlastungszeugen zurückgestellt. Dieser Angeklagte ist schon einmal wegen Teilnahme an der Ermordung der Familie Kastl zum Tode verurteilt worden. Von den drei Hebron-Arabern, die wegen der Ermordung der Familie Sega!! vom Jerusalemer Distriktsgericht zum Tode verurteilt worden waren, wurde einer auf Grund ärztlicher Untersuchung — da Geburtsdokumente fehlten — als noch nicht 18 Jahre alt festgestellt, so daß ein Todesurteil gegen ihn als Jugendlichen nicht ausgesprachen werden durfte. Das Todesurteil wurde in eine fünfzehnjährige Gefängnisstrafe umgewandelt. Neun sephardische Juden aus dem Stadtviertel Ardd Yahud in Haifa, die unter der Beschuldigung verhaftet wurden, im August 1929, am Tage des Aufruhrs in Haifa, Schüsse auf Araber abgegeben zu haben, wurden aus der Haft entlassen, nachdem der Untersuchungsrichter die Untersuchung gegen sie wegen Beweismangels einstellte. ln Jerusalem wurde eine Gesellschaft zur Entwicklung von Handel und Industrie unter den Arabern gegründet. Lake kehrt nach Palästina znrflck? Jerusalem, 8. Mal. (J.T.A.) Die in Jerusalem wellende Gattin des gegenwärtig auf Urlaub In England befindliehen Chefsekretärs der Palästina-Regierung H. C. Luke, erklärte dem JTA.-Vertreter, ihr Gatte werde nach Beendigung der Juni-Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes, auf der er als Begleiter des beglaubigten Vertreters der englischen Regierung anwesend sein wird, nach Palästina zurückkehren und seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen. Palästina - Debatte in London Die Versprechungen McMahons an die Araber — Veröffentlichung der Korrespondenz gefordert - Das jüdische Recht Die bevorstehende Parlamentsdebatte über das Paiästina-Problem hatte ein kleines Vorspiel in der Unterhaussitzung am 7. d. M., als nicht nur in Form der üblichen Anfrage zu Beginn der Sitzung, sondern auch in der ungewöhnlichen Form eines besonderen Antrags am Schlüsse der Sitzung an den Staatssekretär für die Kolonien die Aufforderung gerichtet wurde, die Korrespondenz zwischen MacMahon und Hussein aus dem Jahre 1915 zu publizieren. Es hat den Anschein, daß es der geschickt operierenden arabischen Delegation in London gelungen ist, verschiedene Mitglieder des Unterhauses für sich zu gewinnen. Es wäre aber voreilig, anzunehmen, daß alle, die den Antrag auf Veröffentlichung der Korrespondenz unterstützen, antizionistisch eingestellt sind. Ein Redner betonte sogar ausdrücklich seine Sympathien fjir den Zionismus. Aber das arabische Argument, daß die Regierung nicht die volle Wahrheit sage, hat offenbar gerade in den Kreisen der Laboirr Party starken Eindruck gemacht. Darum fordert man die Klarlegung aller Fakten, um dann zu einer Politik des Ausgleichs kommen zu können, die von der großen Mehrheit aller englischen Politiker und besonders auch von den dem Zionismus freundlich gesinnten, schon seit langem als der einzige Ausweg empfunden wird. England |1at m Beftat dt» löiegtf, ehe noch die zlonlst iieiÄ' 'ABmachtUpri über die arabischen Telle der Türkei getroffen. Neben der Korrespondenz mit dem Scherlfen Hussein wurden auch Verhandlungen mit den am meisten interessierten europäischen Mächten, Rußland und Frankreich, geführt. Oft stehen die einzelnen Erklärungen und Verhandlungen miteinander in Wider- Spruch. Fest steht vor allem das eine, daß auch in dem Briefwechsel mit Hussein Palästina nicht erwähnt wird, sondern Palästina als Sondcrgebilde, wie es später britisches Mandatsgebiet wurde, ist zum erstenmal in der Balfour-Deklaration erwähnt. Wie immer man Kriegs- Versprechungen einschätzen mag, unerschüttert fest steht die Tatsache, daß die Balfour-Deklaration, die später von allen anderen Großmächten gutgeheißen und 1922 in das vom Völkerbund beschlossene Palästina-Mandat aufgenommen wurde, das Grundgesetz des neuen Palästina ist. Denn dieser Palästinastaat trat erst mit Balfour-Deklariation und Mandat in die Wirklichkeit. Die den Arabern in der MacMalion-Korrespondenz gegebenen Versprechungen wurden zum großen Teil materialisiert, wobei freilich die spätere Entwicklung der Machtverhältnisse mitspielte; so z. B. wirkt es fast wie eine Ironie, daß man sich auf diese Korrespondenz beruft, während der Adressat, König Hussein, den man anscheinend schon vergessen hat, dieser Mann, der sich schon mit dem Königsmantel des Kalifen bekleidet sah, in Cypern in der Verbannung sitzt. In Palästina aber ist inzwischen auf Grund der vom Völkerbund geschaffenen eindeutigen Rechtslage der reale Grund zum Jüdischen Nationalheim gelegt worden. Hunderttausend Juden sind ins Land gekommen, weit mehr als diese Ziffer haben ihre Zukunft mit dem Lande verknüpft, viele Millionen jüdischen Kapitals sind in den Boden Palästinas versenkt worden, dies alles gestützt auf Treu und Glauben der völkerrechtlichen Satzung. Das jüdische Volk hat in immer weiteren Kreisen sich zu dem Palästina-Mandat bekannt, zuletzt durch die Erweiterung der Jewish Agency sich fast geschlossen hinter die ihm gesetzte Aufgabe gestellt. Dies sind historische Tatsachen von unvergleichlichem Gewicht. Das jüdische Volk, dessen Lage sich in dem Jahrzehnt nach dem Krieg unbe• schreiblich kritisch gestaltet hat, braucht heute dieses Nationalheim dringender als je. Es kann nicht zulassen, daß an den Grandlagen der einmal feierlich festgelegten Palästinapolitik gerüttelt wird. Wenn jetzt die Diskussion über die Palästina-Politik in England einsetzt, dann hat die Führerschaft der Jewish Agency das Recht und die Legitimation, eindeutig zu erklären, daß das von der Welt an erkannte Recht der Juden auf unsere Nationale Heim stätte von uns als unerschütterlieh betrachtet wird. Das jüdische Volk wird alle seine Kräfte einsetzen, um dieses Recht zu realisieren. Was die arabischen Ansprüche betrifft, so standen wir Weigerung der Regierung stets auf de Standpunkt, daß das Jüdische Nationalheim aus politischen und ökonomischen Gründen ein Verhältnis des Friedens und der Freundschaft mit den Arabern Palästinas und der umliegenden Länder braucht und daß in Palästina selbst eine Form gefunden werden muß, um die Rechte beider Gemeinschaften sicherzustellen. Das Churchillsche Weißbuch von 1922, auf das sich Dr. Shiels im Unterhaus zur Verteidigung der zionistischen Position berief, sagt nicht nur einerseits, daß Palästina kein jüdischer Nationalstaat sein soll, und andererseits, daß die Versprechungen der MacMahon- Korrespondenz sich nicht auf Palästina beziehen, sondern es besagt vor allem, daß die Juden ״kraft eigenen Rechtes und nicht aus Duldung“ in Palästina sind und daß die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina, aus der der jüdische Anspruch auf Wiedererrichtung des Jüdischen Nationalheims abgeleitet wird, international anerkannt wird. Dieses Weißbuch versuchte bereits 1922 eine Ueberwindung der Schwierigkeiten, und wenn das Weißbuch nicht ein bloßes Papier — und nicht einmal ein sehr beliebtes — geblieben wäre, sondern wenn man unternommen hätte, die darin ausgesprochenen Ideen der Gleichberechtigung beider Völker zu einer konstruktiven Politik auszubauen, dann stünden wir heute vielleicht nicht vor diesen Verwicklungen, aus den«® MaiWWtip auch heute wie d.tinal* '.ein anderer wiesen ' hat I )io Zionistische DrganisMWrt - bW. ^te Jewish Agency hat die Aufgabe, der Regierung klarzumachen, daß die Juden keine Verschlechterung der Position des Weißbuches akzeptieren können, daß sie aber auf Grund der im Weißbuch enthaltenen Riehtlinien die Unterstützung der Regierung zum Aufbau des Jüdischen Nationalheims beanspruchen. Wenn die Zionistische Exekutive diesen jüdischen Standpunkt mit allem Nachdruck der Regierang darlegt, dann sollte sie wissen, daß die Zionistische Organisation und Jewish Agency geschlossen hinter ihr stehen. ★ Die Unterhausdebatte Der Antizionist Colonel Howard Bury richtete im Unterhaus, am 7. d. Mts., an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels die Frage, welche zwischen MacMahon und dem einstmaligen Scherl! Hussein gewechselten Briefe bezüglich der staatlichen Selbständigkeit der Araber veröffentlicht und welche nicht veröffentlicht wurden; ob er im Hinblick auf die bezüglich dieser Korrespondenz herrschenden verschiedenen Auffassungen veranlassen wolle, daß die gesamte Korrespondenz veröffentlicht wird. Dr. Drummond Shiels erwiderte: Ich habe bei vielen Anlässen bereits auf die Gründe hingewiesen, warum wir die Veröffentlichung dieser Briefe für unerwünscht und unnötig halten. Offiziell ist bisher keiner dieser Briefe veröffentlicht worden. Der Deputierte MacShane (Arbeiterpartei) fragte, was Dr. Shiels mit der Bemerkung meine, daß die Briefe ״offiziell“ nicht veröffentlicht worden seien; sind sie inoffiziell bereits veröffentlicht worden? Wenn ja, warum sollten die Mitglieder dieses Hauses nicht über deren Inhalt informiert werden? Dr. Shiels: Es ist mir nicht bekannt, daß die Briefe inoffiziell ganz veröffentlicht worden sind; es. mögen wohl Auszüge aus denselben zu verschiedenen Zeiten veröffentlicht worden sein. In derselben Sitzung wurde zu später Nachtstunde dieselbe Frage nochmals aufgerollt. Als bereits ein Antrag aut Vertagung der Sitzung vorlag, erhob sich der Deputierte der Arbeiterpartei F. Seymour Cocks, der Sekretär der ״Union für demokratische Kontrolle“ ist und er erklärte, er appelliere an die Regierung, sie möge gewisse Korrespondenzen veröffentlichen, welche die lebenswichtigen Interessen der arabischen Bevölkerung Palästinas berühren und von großer Bedeutung für die Beurteilung der Ansprüche der Zionisten und der Araber im Heiligen Land sind. Die Forderung von Cocks wurde unterstützt von dem Konservativen Howard Bury sowie von vier Mitgliedern der Labour Party, die in der Debatte das Wort ergriffen sowie von dem Liberalen Mander. Die Aussprache nahm folgenden Verlauf. Cocks: Es handelt sich um folgende Tatsachen. Im Anfang des Krieges 1915 war die Britische Regierung sehr bemüht, die Araber dazu zu bewegen, gegen die Türken zu revoltieren und an unserer Seite am Kriege teilzunehmen. Zu diesem Zwecke haben — ich glaube auf Anregung von Lord Kitchener verschiedene Verhandlungen zwischen den Arabern, vertreten durch dm Scherif Hussein von Mekka, und Sir Henry