Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653191--21561-2679672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 250 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 36, 0. V. 1930 was in zionimiche BodenpomiK? Jabotiuski vor der Untersuchuagskommiiaion: Es gibt keinen Zionisten, welcher wirklich davon träumt, die gegenwärtig bestehende ländliche Bevölkerung Palästinas zu verdrängen . . . Angenominen, daß praktisch aller verfügbarer Boden in Palästina von Fellachen besetzt ist, die ihn wirklich bearbeiten, würde ich — ungeachtet ob ich sie zu verdrängen wünsche oder nicht — sagen, es ist unmöglich. Sie werden bleiben, daher bleibt nichts für mich. Ich würde dann einen andem Weg suchen. Vielleicht ist es trotz allem möglich, eine Nation einfach durch Bildung einer städtischen Bevölkerung zu schaffen und dabei auf eine Zeit zu warten, wo die Intensivierung der Landwirtschaft den Arabern gestalten wird, auf einem kleineren Bodenstück zu leben, so daß wir den Best kaufen können. Wenn ich zu der Schlußfolgerung komme, daß dies nicht geschehen kann, würde ich zu den Juden gehen und sagen: Begehet Selbstmord oder werdet Bolschewiken oder sonst etwas, denn ihr habt keine Hoffnung. (Zitiert von Snell, Report der Shaw-Kommission, S. 176) Aas dem Memorandum der Allgemeinen Arbeiterorganisation an die Shaw - Kommission s Die Jüdische Arbeiterbewegung bctrachtet das arabische Volk als einen integrierenden Bestandteil dieses Landes. Es ist nicht daran zu denken, daß die jüdischen Siedler diese Bevölkerung entsetzen oder sich selbst auf Kosten der Araber ansiedeln wollen. Dies wäre nicht nur vom politischen und ökonomischen Standpunkt unmöglich, sondern es wäre auch gegen die moralischen Vorstellungen, die der zionistischen Bewegung zugrunde liegen. Die jüdischen Einwanderer, die in dieses Land kommen, um von ihrer eigenen Arbeit zu leben, betrachten die arabischen arbeitenden Menschen als ihre Mitbürger und Arbeitsgenossen, deren Bedürfnisse ihre Bedürfnisse und deren Zukunft ihre Zukunft ist. Die Verwirklichung des Zionismus bietet sich also dar als die Schaffung einer neuen Wirtschaft, die die arabische Wirtschaft nicht ersetzen, sondem ergänzen will. (Ebendort, S. 176) Ussischkln in einer Pressekonferenz des Keren Kajemetk in Jerusalem am 27. April 1930 Wir haben beigetragen zur Erzeugung der größten Lüge, weil wir unser Werk wie ein Vogel Strauß geführt und unsere Bestrebungen nicht in ihrer vollen Wahrheit enthüllt haben . . . Wir hätten stets offen proklamieren sollen, daß wir unser Land in unsern Besitz zurückfordern. Wenn das Land frei ist von Bewohnern — gut! Und wenn Bewohner da sind, dann muß man sie eben an irgendeinen andern Ort überführen, aber w i r haben das Land zu bekommen. Wir haben ein Ideal, das größer und erhabener ist als die Sorge um einige hundert Fellachen . . . Die Araber haben genug Länder, Palästina ist nur ein halbes Prozent des Bodens, der in ihrem Besitz ist. Demgegenüber steht das jüdische Volk, das keinen Boden für seine nationale Existenz hat. Ist es nicht gerecht, daß uns dieses Land übergeben wird? Muß man wirklich unser Ideal verstecken, und vermeiden, mit lauter Stimme über unsere Bestrebungen zu sprechen? . .. (״Doar Hajom" vom 28. 4. 1929) Wir haben vorstehend einige Zitate nebeneinander gegestellt, die sich auf das Verhältnis des Zionismus zu den gegenwärtigen arabischen Bodenbesitzera in Palästina beziehen. Wir nehmen an, daß die ausführliche Wiedergabe von Ussischkins Rede im ״Doar Hajom“ richtig ist; die andern Zeitungen begnügen sich mit kürzeren Berichten und geben die von uns zitierten Stellen nicht wieder. Aber durch den ״Doar Hajom“ kennt heute die ganze politische Ocffentlichkeit, Regierung, Engländer und Araber eingeschlossen, die Kundgebung des Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, des Bodenkaufsinstituts der Zionistischen Organisation. Wir haben nicht die Absicht, mit Herrn Ussischkin zu polemisieren. Er ist ein aufrichtiger, charakterfester Mann, vor dem wir Rescpkt haben. Er hat seine Meinungen, und er sagt stets klar und ehrlich, was er denkt Aber mit Rücksicht auf die Haltung unserer zionistischen Oeffcntlichkeit und Presse gegenüber der nichtjüdischen Oeffcntlichkeit und der von außen kommenden Kritik in den letzten 10 Monaten scheint es uns doch von schwerwiegendster Bedeutung, darauf hinzuweisen, welches Bild sich aus diesen Kundgebungen für jeden unparfeilschen Beobachter mit Zwangsnotwendigkeit ergeben muß. Und wenn wir überhaupt politisch weiterkommen wollen, so müssen wir doch endlich erkennen, wo wir stehen. Und wir müssen die Frage aufwerfen: Haben wir ein Recht, mit Entrüstung über ״antisemitische“ Verleumdungen zu klagen, wenn uns von irgendeiner Seite vorgehalten wird, es sei die — nur manchmal aus taktischen Gründen verschleierte — Absicht des Zionismus, die Fellachen von ihrem Boden zu verdrängen? Haben wir ein Recht, uns darüber zu entrüsten, daß die Araber und andere Menschen nicht anerkennen wollen, daß wir den Fellachen nur Gutes bringen? Zugegeben daß die Annähme, der Zionismus wolle die Fellachen verdrängen, objektiv falsch ist; aber es geht hier darum, ob wir unseren Kritikern, ob wir auch den sich vor Verdrängung fürchtenden Arabern die bona fides zugestehen müssen oder nicht. In den letzten 10 Monaten ist die zionistische Politik eine Angelegenheit von blutigem Ernst geworden, in buchstäblichem Sinne des Wortes. In solchen Momenten kann ein Vogel- Strauß-Spielen nicht helfen. Sogar wenn die ganze zionistische Presse wie auf eine ausgegebene Parole — und der ״Doar Hajom“ hebt bezeichnenderweise in einem Leitartikel derselben Nummer vom 28. April unter heftigen Ausfällen hervor, daß die ״J. R.“ die einzige Ausnahme bildet — den Bericht der Untersuchungskommission als ״antisemitisches Machwerk“ bezeichnet, werden wir um die s achliche Erörterung der Probleme, die der Bericht aufwirft, nicht herumkommen. Reden wie die von Ussischkin sind dabei geradezu hilf- Zionistischer Sieg bei den Prager Kullnswählen (Von unserem Berichterstatter.) Niederlage der tschechischen Assimilanten und der Orthodoxen. Zionistischer Gewinn zwei Mandate. hl, Prag, 5. Mai 1930. Gestern wurden die Wahlen in die Prager jüdische Gemeinde wiederholt, die bekanntlich wegen allzu großer Wahl- Schwindeleien im Herbste annulliert worden waren. Ueber das merkwürdige Wahlrecht der Prager jüdischen Gemeinde, das eine Wahl durch Uebertragung zuläßt, wurde bereits letzthin berichtet. Es ging vor allem diesmal darum, die zwei gröbsten Unregelmäßigkeiten der Herbstwahlen sicherzustellen und auszuschalten: Die von der Untersuchungskommission festgestellte Zahl von über tausend Wähler, die zu Unrecht sich an den Wahlen beteiligt hatten und das unzuverlässige Wählerverzeichnis. Was das letztere betrifft, wurde in der Zeit zwischen den beiden Wahlen eine Revision an Hand der staatlichen Wählerverzeichnisse vorgenommen, auf Grund derer 1892 Personen, die entweder bereits gestorben oder in eine andere Stadt verzogen waren — bei manchen handelte es sich sogar um Nichtjuden — aus dem bisherigen Wähler- Verzeichnis gestrichen werden mußten. Gegen die Annullierung der Herbstwahlen hatten sich die tschechischen Assim i i a n t e n hartnäckigst gesträubt und auf sie fiel auch der Verdacht, am stärksten an den Wahlmachinationen beteiligt gewesen zu sein. Was an dieser Vermutung Wahres sein kann, ist schon aus den bloßen Wahfresaltaten za ersehen: Bei den reich, denn sie zeigen klar, daß eine wirkliche grundsätzliche Neuorientierung der zionistischen Politik stattfinden muß. Die offene Desavouierung des Standpunktes von Ussischkin kann einen deutlich sichtbaren Wendepunkt dieser Politik bilden. Niemand kann nach solchen Reden den Arabern verdenken, daß sie den zionistischen Erklärungen, man wolle sie nicht verdrängen, nicht trauen, denn Ussischkin sagt doch in einer offiziellen Veranstaltung eines der wichtigsten zionistischen Institute, diese unsere Erklärungen seien Heuchelei, und wir dürften uns nicht scheuen, unsere ״wahren“ Ziele offen zu enthüllen. Vielleicht vermag diese Rede Ussischkins manchen Zionisten die Augen zu öffnen, die die Version nachplappern, cs sei nur eine Erfindung des ״Brith Schaiom“, daß nicht alle Zionisten eine Verständigung mit den Arabern wünschen. Wir können in Zukunft mit Worten und mit Erklärungen nicht mehr weiterkommen, wir brauchen Taten, die unsern guten Willen zeigen. Wir brauchen eine neue Politik, .dl« die IJllf e «j.#r Regier um .g fite den Äuflbau.des.Jüdisehen Nationalheitns in Anspruch nimmt, Indem sie gleichzeitig die Pflicht der Regierung, über die Interessen der ansässigen Bevölkerung zu wachen, anerkennt Mit andern Worten: Wir brauchen ein Programm der jüdisch-arabischen Kooperation In allen Fragen des gemeinsamen Heimatlandes, insbesondere auf den entscheidenden Gebieten der Wirtschaft, da ohne gemeinsame Entwicklung beider Völker auch kein Raum für neue jüdische Kolonisation geschaffen werden kann. Nicht nur Ussischkin selbst, sondern der größte Teil der palästinensischen Presse hat seinerzeit darüber geklagt, daß man Ussischkin nicht Gelegenheit gab, vor derKomtnission auszusagen. Man kann sich vorstellen, wie der Bericht der Kommission ausgefallen wäre, wenn Ussischkin, der stets mit aller Offenheit spricht, seine Anschauungen dort entwickelt hätte. Die von uns zitierte Rede Ussischkins wurde nach dem Bericht des ״Doar Hajom“ mit einmütigem Beifall aufgenommen, keiner der anwesenden Journalisten hatte eine Frage zu stellen, so daß die Versammlung sofort beendet wurde. Der ״Doar Hajom“, dessen Chefredakteur Jabotinsky vor der Untersuchungskommission die oben abgedruckte Erklärung abgegeben hat, scheint jedenfalls, nach der Aufmachung zu schließen, gegen Ussischkins Rede wenig einzuwenden zu haben. Wenn nicht in zwölfter Stunde die Mehrheit der Zionistischen Bewegung sich aufrafft, der Wahrheit ins Auge zu sehen, wenn nicht eine gründliche, bewußte und eindeutige Neuorientierung der zionistischen Politik ohne Aufschub eingeleitet wird, dann können wir der Zukunft nur mit schwerer Besorgnis entgegensehen. R. W. Herbstwahlen erzielten die Tschechojuden 3246 Stimmen und 8 Mandate, diesmal 2162 Stimmen und bloß 6 Mandate. Dabei muß man in Betracht ziehen, mit welchen Terrormitteln diesmal von ihrer Seite aus gearbeitet wurde, ihr Hauptartgriff richtet sich gegen die Zionisten, die sie in der tschechischen Oeffcntlichkeit zu denunzieren versuchten, wobei sie sich selbst der antisemitischen tschechischen Presse bedienten. Der einzige Erfolg dieser Aktion besteht darin, daß die Prager tschechische Oeffcntlichkeit, die doch ansonsten keinerlei Interesse an den Vorgängen in der jüdischen Gemeinde zeigt, durch diese systematische Hetzarbeit aufgebracht wurde und antisemitisch zu reagieren droht! In den Machtverhlltnissen im Jüdischen Rathaus hat sich nach diesen Wahlen eine Umgruppierung vollzogen. Die Mandatsverteilung war bisher folgendermaßen: Demokraten 8, Tschechojuden 6 — bei den ungültigen Wahlen im Herbste 8 — Orthodoxe agudistischer Färbung 5, Zionisten 5. Nach den gestrigen Wahlen: Demokraten (dcutsehe Nichtzionisten) 7, Tschechojuden 6, Zionisten und Poale Zionisten, die getrennt kandidierten, aber einen gemeinsamen Klub bilden werden, 7 — Zuwachs zwei Mandate — Orthodoxe 3 — Verlust 1046 Stimmen und zwei Mandate — und eine neue Fortschrittspartei 1. Der zionistische Block hat einen Gewinn von 459 Stimmen zu verzeichnen und hat damit Anspruch auf einen Sitz im Präsidium der Jüdischen Gemeinde, den bisher die Orthodoxen innehatten. Presscstimmen In der zionistischen Zeitschrift ״The New Judaea“, London, veröffentlicht der bekannte Pazifist Norman Angell einen Artikel über Anti-Imperialismus und Zionismus, worin er darlegt, warum er als Sozialist und Anti-Imperialist und obwohl er selbst weder Jude ist noch jüdische Beziehungen irgendwelcher Art hat, für den Zionismus eintritt. Die palästinensischen Araber, so führt der Verfasser aus, berufen sich auf das Prinzip des Selbstbestlmmungsrechtes der Völker, das eine Erbschaft des Krieges ist. In unserer modernen Welt aber ist absolute Unabhängigkeit ebenso unmöglich für Völker und Gruppen geworden wie für Individuen. Absolute Unabhängigkeit verleugnet jede Verpflichtung gegen den Rest der Welt und nimmt in Anspruch, nach Belieben für sich zu handeln, unabhängig davon, wie dies andere Erdenbewohner schädigt Es gibt aber Probleme, bei denen ein Majoritätsrecht nicht von der Bevölkerung eines einzelnen Gebietes ausgeübt werden kann, sondern von der ganzen Welt. Wenn die Ansprüche einzelner Gruppen im Widerspruch stehen mit wichtigen Interessen der ganzen Welt, dann müssen sie zu rüdestehen. Die Judenfrage aber ist ein Weltproblem, das in hohem Maße aus der feindseligen Haltung der Nichtjuden gegenüber den Juden entstanden ist Das Problem ist besonders schwierig durch die Heimatlosigkeit des jüdischen Volkes, und darum sahen die nichtjüdischen Völker am Ende des großen Krieges die Möglichkeit, an seiner Beseitigung mitzuwirken durch Schaffung eines Jüdischen Heimes, in diesem Sinn schien die Lösung der Judenfrage ein größeres Interesse gegenüber den Einwendungen eines kleinen Teils der Araber. Den ewigen Wanderern eine Zufluchtsstätte und ein geistiges Heim zu gewähren, war eine an sich geringfügige Leistung der nichtjüdischen Welt an die Juden. Die Juden hatten kein Recht, materielle Opfer der Araber zu fordern und erhoben auch keine solche Forderung. Die ökonomische Lage der arabischen Bevölkerung wurde durch die Ankunft der Juden gewaltig verbessert. Die Juden fordern auch nicht Unabhängigkeit für das Jüdische Heim, sondern nur eine unparteiische Regierung, unter deren Herrschaft ihre Gemeinschaft und ihre kulturellen Traditionen frei entwickelt werden können, Seite an Seite mit den anderen Elementen der Bevölkerung. * ln einer Zuschrift an ״Sunday Times“ teilt Hall Calne seine Erfahrungen über die Absichten, die Balfour mit seiner Deklaration über das Jüdische Nationalheim verbunden hat, folgendermaßen mit: Bei einem Besuchein Palästina zur Zeit des Oberkonrmissariats von Herbert Samuel habe Schreiber feststellen können, daß die Haltung der palästinensisehen Bevölkerung gegenüber dem Mandat hauptsächlich beeinträchtigt wird durch die Unsicherheit darüber, was mit der Balfour-De klaration gemeint sei Die Araber waren der Meinung, die Deklaration habe die Juden ermutigt zu glauben, daß sie plötzlich die Herren in Palästina sein sollen und die Araber eine Art unterworfenes Volk. Der Schreiber habe daher damals In zwei Artikeln in ״Sunday Times“ dargelegt, nach seiner Meinung sei der Sinn der Deklaration der, daß nach dem Wunsch und Willen der britisehen Regierung die Juden nicht weiterhin ein Volk ohne Land bleiben sollen, umhergetrieben von Ort zu Ort, ohne wirkliche Sicherheit in vielen Ländern, sondern daß in Zukunft ein Land existieren soll, in welchem sie eine anerkannte Zufluchtsstätte haben, eine duernde Heimat, aus der kein anderes Volk sie vertreiben kann, solange das Britische Reich die Kontrolle inne hat Nach der Veröffentlichung dieser Artikel habe Balfour an Calne einen Brief geschrieben, worin er bestätigt **aß dies •und *elits-ander« der Sinn der Deklaration gewesen sei. Zugleich habe Balfour seine Freude ausgedrückt über Caine’s Feststellung des erfolgreichen Fortschratens der jüdischen Kolonisation. Caine bcdauert, daß durch den Fanatismus eines Teils der ungebildeten Araber, die wahrscheinlich durch geheimnisvolle Einflüsse auswärtiger Nationen, die weder die Juden noch England lieben, angetrieben werden, Balfours Hoffnung auf dauernden Frieden und Fortschritt im Lande teilweise enttäuscht worden ist, wodurch sicherlich seine letzten Lebenstage getrübt wurden. Nachklinge za der Hai-Feier Jerusalem, 4. Mal. (J.T.A.) Der 1. Mai ist in den Städten wie auf dem Lande ohne irgendwelchen Zwischenfall verlaufen. In Tel-Awiw wurde der am Abend des 1. Mai von äußerst linksgerichteten Arbeitern veranstaltete Fackelzug von der Polizei aufgelöst, wobei die Ruhe in keiner Weise gestört wurde. Tausende jüdischer Arbeiter in den Städten und in den Kolonien feierten. In mehreren Orten wurden Festversammlungen abgehalten, auf einigen derselben traten auch Araber als Redner auf. In den Eisenbahn- Werkstätten Haifas feierten 150 Arbeiter, davon 75 <Y0 jüdische, der Rest arabische. Die im Januar 1930 gebildete arabische Arbeiterorganisation, die im Gegensatz zur jüdischen Arbeiterorganisation steht, feierte den 1. Mai nicht. Etwa 80 arabische Bauern aus der Nachbarschaft der jüdischen Kolonie Kfar Saba besuchten den jüdischen Kolonisten in Kfar Saba Drujan und baten ihn, sie als Arbeitsuchende bei der ״Jüdischen Vereinigung“ einzutragen. Dabei erzählten sie, daß Araber und Juden aus der Stadt am 1. Mai Flugblätter verteilten, in denen die arabischen Bauern und Arbeiter aufgefordert werden, sich mit den Jüdischen Arbeitern gegen arabische wie gegen jiidische Effendis zusammen zu schließen; sie würden einen Arbeiterlohn von vier bis fünf Schilling pro Tag und freie ärztliche Hilfe erhalten. Drujan erklärte den arabisdien Bauern, sie hätten die Proklamationen mißverstanden, sie könnten Mitglieder der ״Jüdischen Vereinigung^‘ nicht werden. Daraufhin kehrten die Araber 111 ihre Heimatorte zurück. Der der Husseini-Fatnilie angehörende Ibrahim Yunas wurde zusammen mit dem Juden Ben Simon bei der Verteilung kommunistischer Proklamationen unter arabischen Bauern gefaßt; beide wurden verhaftet. Gegen Erhöhung der Miieten in Tel-Awiw Die Versuche der Hausbesitzer in Tel-Awiw, eine E r ־ höhu'ng der Mieten anläßlich des bevorstehenden Ablaufes des Mietsjahres durchzuführen, sind auf den einmütigen Widerstand der Mieter gestoßen. In ölfentliehen Mieterversammlungen in Tel-Awiw wurde das Vorgehen der Hausbesitzer mit scharfen Worten verurteilt und Resolutionen gefaßt, in denen eine organisierte Abwehr der Mieter und Schutz der Behörden vor den Steigerungen, die ähnliche Gefahren wie die Spekulation des Jahres 1925 heraufbeschwören könnten, gefordert. Insbesonaere herrscht Entrüstung darüber, daß die Hausbesitzer die Uebersiedlung zahlreicher Juden aus dem arabischen Jaffa nach Tel-Awiw dazu benützen, privaten Nutzen aus der natio-?!»!*ך Uge zu zlehai, llltlllllllllllllllllUlinillHinlHllHIHIWHIWHHIWIlllHIHItlllSMHHimilHIHIilinHniniUllIHlHIHIllllWniniinHllllllllHIIIinilllllllllllHIIHtllllllllillllllHilllHllllllllllllllllMHIItillllBIIIIIIIIIMIllllimiNllllltMnillllliniMIMIIIHIIIIItlllinMlNIIIIIIBtiHIMIIIillHIlHIIII