Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36, 9. V.!930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 251 Briefe an die Redaktion ״Wie alle Völker" Frankfurt a. M., den 5. Mai 1930. Sehr geehrte Redaktion! In der Frage ״Wie alle Völker?“ bitte ich höflichst, von nachfolgender Bemerkung Notiz zu nehmen. ״Die Briefe über die Frage ״Wie alle Völker?“, die an Sie gerichtet worden sind, erregen starkes Interesse, bedürfen aber meines Erachtens einer Ergänzung. Die Partei der ״Neinsager“, die zur Frage ״Wie alle Völker?“ negativ Stellung nimmt, geht doch wonl von der Uebcrlegung aus, daß wir mehr sein sollten, wie alle anderen Völker und demgemäß ein Vergleich mit anderen Völkern nicht gezogen werden dürfe. Ich betrachte einen derartigen Standpunkt auch dann, wenn er von Pazifisten ausgesprochen wird, als einen Chauvinismus in der geistigen Sphäre also in der radikalsten Form. Es muß mit aller Entschiedenheit einer derartig chauvinistischen Theorie entgegengetreten werden. (Vgl. ״Grande nation“ bei den Franzosen, ״rule Britannia“ bei den Engländern, ״am deutschen Wesen“ usw.). Wenn schon die Frage ״Wie alle Völker?“ von Zionisten mit nein beantwortet wird, so ist es nur möglich, dies in dem Sinne zu verstehen, daß wir tatsächlich leider noch nicht ״Wie alle Völker?“ sind. Wenn es also ein wünschenswertes Ziel gibt, dann wäre es dies, erst einmal zu den normalen Bedingungen anderer Völker zu gelangen. Die Forderung des Zionismus besteht in der Herstellung der Einheit von Volk, Land und Sprache und zwar nicht nur in einer symbolischen Form, sondern in der stärkst denkbaren eindrucksvollsten Wirklichkeit. Das ist die Forderung des Zionismus! Wer diese Forderung nämlich der Normalisierung unserer Lebensbedingungen ablehnt, stellt sich außerhalb der zionistischen Bewegung. Die Theorien über das ״sogenannte einzigartige Volk“ kennen wir schon lange vor Magnes (Breuer, Eduard Strauß); sie haben nicht das geringste mit dem Judentum zu tun. Zionismus bedeutet die Nationalisierung des Judentums, mit allen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Inwieweit bei diesem Nationalisierungsprozeß ein ״jüdischer Volksgeist“ eine Rolle spielt, ist innerhalb der zionistischen Bewegung Gegenstand von Auseinandersetzungen. Ich persönlich würde wünsehen, daß an die Stelle eines krankhaft gewordenen ״jüdisehen Geistes“, krankhaft geworden durch unsere bisherigen Lebensbedingungen, ein vollkommen neuartiger jüdischer Geist treten möge. Darüber trifft aber die zionistische Bewegung keine Entscheidung. Zionistische Bewegung soll nur die poiitisehe Voraussetzung für eine Renaissance schaffen. Die Volkswerdung des Judentums im Sinne des politischen Zionismus kann weder durch einen vergangenen noch durch einen antizipietien ״Volksgeist“ beeinflußt werden.“ Mit Zionsgruß Dr. Paul Arnsberg. Gruppenverband Freistaat Sachsen. Sonntag, den 11. Mai, 1930, findet in Leipzig, Oesterreichisches Vaterlandsheim, Kloster- Straße 3 (zu erreichen mit Linie 13 vom Hauptbahnhof) eine Tagung des Gruppenverbandes statt. Beginn vorm. 10,30 Uhr. Tagesordnung: 1. Eröffnung. 2. Bericht über die Ortsgruppenarbeit im Bezirk. 3. Bericht über Gemeindearbeit. 4. ״Nach den Londoner Sitzungen und dem Bericht der Shaw-Kommission“. Referent: Dr. Siegfried Kanowitz, Berlin. 5. Eine Palästinareise und ihre Lehren. Referent: Dr. Fritz L o e b e n - s t e in , Leipzig. — Anmeldungen sind an das Bureau der Zionistischen Ortsgruppe Leipzig, Keilstr. 4, zu richten. Gruppen verbandstag Baden. Sonntag, den 11. Mai, vorm, '־ft Uhr, in Mannheim, August Lamey-Loge, C 4,1 ׳fr‘• 1Tages- Ordnung: 1. Referat Dr. Werner Bfoch, Berlin: ״Nach den Londoner Sitzungen und dem Shaw-Bericht“; 2. Diskussion; 3. Aussprache über die Gruppenverbandsarbeit. Bei genügender Beteiligung findet ein gemeinsames Mittagessen in der Loge zum Preise von 2,50 M. statt Anmeldungen dazu an FrL Lilly Kahn, Mannheim, O 5, 14. Gruppenverbandstag Thüringen. Sonntag, den 11. Mai, vorm. 10 Uhr, in Erfurt, Hotel ״Reichshof“, Bahnhofstraße. Tagesordnung: 1. Referat Dr. Nachum Goldmann, Berlin: ״Nach den Londoner Sitzungen und dem Shaw-Bericht; 2. Ausspräche über Bezirksarbeit. Schlesische Revisionisten-Tagung. Die revisionistische Zentrale für Schlesien veranstaltet Sonnabend, den 10., und Sonntag, den 11. Mai, in Breslau eine Zusammenkunft der schlesisehen und oberschlesischen Revisionisten. Die Tagung wird mit einer öffentlichen Versammlung Sonnabend, 81/2 Uhr abends, im großen Lessing-Logensaal eröffnet. Redner: Herr Richard L i c h t h e i m - Berlin: ״Der Bericht der englischen Untersuchungskommission, ein Erfolg der jetzigen zionistischen Politik“. Anschließend Diskussion. Sonntag, den 11. Mai, vorm. 10 Uhr, Karlstr. 43, Beginn der Arbeitssitzungen. Tagesordnung: R.-A. Lachmann, Eröffnungsansprache; Richard Lichtheim-Berlin: Die Lage der revisionistischen Bewegung. Edith Lachmann: Bericht über die revision. Zentrale in Schlesien. Berichte der einzelnen Gruppenführer. Weitere Referate über zukünftige Arbeit der revision. Gruppen, Propaganda, ökonomische und soziale Palästinafragen, Dr. Wdowinski-Bielitz, Nußbaum-BresIau, Hirschhorn-Beuthen. Diskussion, Anträge, Eventualia. Für auswärtige Gäste wird für Quartier und Verpflegung Sorge getragen. Anmeldungen: Fr. Edith Lachmann. Kaiser-Wilhelm-Str. 82, Tel. 35 605. Ortsgruppen Düsseldorf. Am Donnerstag, dem 24. April, fand die diesjährige Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe Düsseldorf statt. Einleitend hielt Herr Oberregierungsrat Joseph Marcus, der von Breslau nach Düsseldorf versetzt wurde, ein Referat über die Aufgaben des Ortsgruppenlebens, die er klar und eindeutig fixierte. Der Rechenschaftsbericht des 2. Vorsitzenden Herrn Dr. Adolf Siedler über die letzten beiden Jahre suchte eine Erklärung für das Versagen der Ortsgruppentätigkeit, verlangte jedoch gleichzeitig eine Aenderung der bestehenden Mängel. Vor allen Dingen soll gemäß dem Vorschlag von Herrn Oberregierungsrat Marcus ein Büro geschaffen werden, durch das die Ortsgruppe einen lokalen Mittelpunkt hat Ueber die Arbeit des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth referierten die zuständigen Vertrauensleute. Im Gegensatz zur sonstigen Ortsgruppenarbeit ergab sich hier ein verhältnismäßig erfreuliches Bild. Bemerkenswert ist die Bildung zweier klei« nerer Jugendgemeinschaften, die bei richtiger Ausnutzung den Anfang einer weitergehenden Zionisierung aer jüdischen Jugend Düsseldorfs bilden können. Es wurde ein größerer Vorstand Eewähit, in welchem die verschiedenen zionistischen Kreise!üsscldorfs vertreten sind. 1. Vorsitzender wurde Herr Dr. Robert Sternau; 2. Vorsitzender wurde Herr Dr. Adolf Sindler. Mit einem besonderen Dank für Herrn R.-A• Löwe, der 25 Jahre lang fast ununterbrochen den Vorsitz der Ortsgruppe innehatte, schloß die Versammlung. Elberfeld-Barmen. Seit der im Januar d. J. erfolgten Re- Organisierung ist eine erfreuliche Belebung unserer Ortsgruppe zu verzeichnen. Die an den großen Besuch in der Generahrer- Sammlung geknüpften Erwartungen wnrdea nicht enttäuscht. Die in Abständen von 2 bis 3 Wochen stattfindenden Ortsgruppenabende waren bisher ebenfalls verhältnismäßig gut besucht. Auf diesen Abenden sprachen u. a. Herr Rabb. Dr. P11 i H p p - Elberfeld über ״Liberalismus und Zionismus“, Herr R.-A. Dr. Fisch e r-Elberfeld über ״Das Programm des Re- Visionismus“. Den Referaten folgten jeweils interessante Diskussionen. — Am 18. März sprachen in einem öffentlichen Vortrag die Herren Dr. Ernst M e ch 11 e r-Berlin und Dipl.- Ing. Paul Kaufmann - Köln über ״Araberfrage und Boden- Politik“. Am 1. Mai sprach Herr Alfred Berger in einem öffentlichen Vortrag über ״Die Wirtschaftslage der deutschen Juden“. Hanau/Main. In einer gut besuchten Versammlung wurde am 24. April in Hanau/Main ein jüdischer Jugendbund gegründct. Nach kurzen Begrüßungsreden sprach Herr Ernst Holzer, Frankfurt/M., vom ״Sinne jüdischer Jugendarbeit“. Nach lebhafter Diskussion wurde die Gründung mit vorläufig 48 ordeutlichen und zahlreichen außerordentlichen Mitgliedern vollzogen. Der vorbereitende Ausschuß hatte für die nächsten Wochen ein reichhaltiges Programm vorgelegt, das guten Anklang fand. Nürnberg. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte die Ver- Sammlung in der Landesgewerbeanstalt den nahezu zweislündigen Ausführungen des Herrn Dr. Nachum Gold mann über die Folgen der Unruhen vom August 1929 für die jüdische Palästina-Bewegung. Der — zweifellos planmäßig organisierte — Ueberfall der Araber habe seinen eigentlichen Zweck, die Beseitigung der Balfour-Deklaralion und dir Erschütterung des jüdischen Aufbauwillens, nicht erreicht. Wohl aber seien durch die Ereignisse vom vorigen Jahr noch einmal alle Probleme des jüdischen Palästinawerkes aufgerollt worden. Diese Probleme lassen sich dreifach gruppieren, und zwar nach ihrer Beziehung zu England , zu den Arabern und zu dem jüdischen Volk selbst. England gegenüber muß man feststellen, daß die Palästina-Regierung vollständig versagt hat. Das ist im wesentlichen nicht auf besondere Böswilligkeit einzelner Beamter zurückzuführen, sondern auf die Schwierigkeitcn, welche die Verwaltung Palästinas bietet. Bisher — und darin liegt die Schuld der englischen Zentralrregierung — sei niemals ein Beamter wegen dieser Haltung gemaßrcgelt worden. Jetzt wird darin zum erstenmal eine Aenderung eintreten, da mit Sicherheit damit zu rechnen ist, daß der Oberkommissar und sein Stellvertreter, wahrscheinlieh auch noch einige andere höhere Beamte der Palästina- Regierung, demnächst werden gehen müssen. In Zukunft wird jeder englische Beamte in Palästina wissen, daß er durch Unverständnis gegenüber den Interessen des jüdischen Aufbauwerkes seine eigene Karriere gefährdet. Alle maßgebenden englischen Politiker sind davon überzeugt, daß die Errichtung des Nationalheims in Palästina im englischen Interesse liert, wenngleich England bei der Verwirklichung dieser Politik mit Rücksicht auf die arabische und moharnmeanische Bevölkerung des Imperiums eine gewisse Vorsicht walten lassen muß. Die Juden selbst müssen im Verhältnis zu den Arabern eine konstruktive Verständigungs- Politik treiben. Wenn sie dem Fellachen, dem sie einen Teil seines Landes abkaufen, ermöglichen, den ihm verbleibenden Rest zu bewässern, so kann er auf diesem Rest bei intensiver Bewirtschaftung bedeutend mehr erzielen, als jetzt bei seinen mittelalterlichen Methoden auf der Gesamtfläche. Auf diese Weise kann nach vorsichtiger Berechnung Cisjordanien noch eine jüdische Einwanderung von über eine Million Seelen aufnehmen, ohne daß ein Araber seinen Boden verlassen muß. Nicht möglich aber ist es den Juden, nach Ansicht des Redners sowie auch der maßgebenden Instanzen der Jewish Agency, unmittelbar nach den Ereignissen des vorigen Jahres mit den Arabern über ein Parlament zu verhandeln. Eine Volksvertretung ist ersf dtifti möglch, wenn sieb• auch tmter den Arabern eine wirkleW nationale Bewegung entwickelt hat. Diese wird erkennen, daß es zwischen luden und Arabern keine unüberbrückbaren Gegensätze gibt. Von entscheidender Bedeutung ist nach Meinung des Redners die Haltung der Juden selbst zum Aufbauwerk. Er stellt fest, daß die politische Entschlossenheit des jüdischen Volkes durch die vorjährigen Ereignisse nicht erschüttert, sondern gestärkt worden ist. Das drückt sich vor allem darin aus, daß auf der Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency die Kolonisation von 1000 neuen landwirtschaftlichen Familien bewilligt und finanziell sichergestellt wurde. -י Die Versammlung wurde von Herrn Dr. Uebstaedter geleitet Wflrzburg. (Vortrag Nahurn Goldmann: ״Das Judentum nach dem Kriege“.) Der Redner stellte dar, wie die Lage des Judentums nach dem Kriege und durch den Krieg schlechter geworden ist als in der Vorkriegszeit. Me ungebrochene Masse des osteuropäischen Judentums, das Kraftreservoir der Weltjudenheit, wurde atomisiert und schreitet heute, ln einer rapiden BERLINER KALENDER Oer 3ta» für feeferffifefee Mrfetii unter feer 3ugenfe uetanfialiet im ®etlj«§aam ©rolmanffta&e 86 am ConnaBenfe, be« 10. SRai, 9 Uh» abenbfe, eine ®tBhiffion übet fea» Sterna: 3״n ber ffiüftt" non $. grifdjman in ber ttuf* füfjrung beS fje&rMfdjen bramatifcfjtn ©hibio. $>te Einleitung uoit a. Kfitacfjan. המועצה לעבודה עברית בין הנער. עורכת במוצאי שבת וו. בשעה « בבית־העם .36 GroimannstraSe שיחה על הנושא «ב ט רב ר" של פ ר י ש מ ן בהצבת הסטודית הדרמטית העברית הפותח א. אטטדחו אחר. השיחה שירה בהשתתפות המקהלה. Sienötag, ben 13. SWai, 20 Uhr, im gtofjtn Saal ber Sübifd&en ©etneinbe, gafanenfira§e 89/90. OeffenilUfe« ®erfammimtg. 2f)etna: ״füe f al&füna* frage unb bie internationale fostalifitfebe $ olitif״. Referenten: SU. 3arblum, IßariS, Sefretär beS foiialiftifdjen StomiteeS für baS arbeitenbe fßaläftina unb 6. ftaptanfifg, Bonbon, SRit* glieb bet »ioniftififjen ©refutioe. SJotflk: fjrtfe Dlaftali, »erlitt. 3Hi0r<1(ffi3׳cire*3Hi«r«1cfei. ®ienötag. ben 13. SERat, 8*/s Ußr abenbS Preffereferaf Dr. 28i*Itdi, im 3JH8rad)thtint, ffitonmjouplafc 10. £>apoct ©ajair. Dienstag, ben 18. SJIai, a&ertbS 8 Vs Ußi, im ®enteinbefiauS, 9tofenftra§e 2/4: Dr. Stöbert SBeltfdj: ,Die Beßren auS bem Bericht ber UnterfudiungSfommiffion“. ©äffe wittlommen. Ulittmod), feen 21. SJtai, aßenbS 8 V* Uhr, im ft. 3• 3ß.׳ SSIeiBfrenfira§e 50. :Berliner 3ioniflif$e Bereinigung. SBortragSjijlIuS ״DaS beutfdje gubentum", gmeltes »Benb Dr. 6. ftanomifc. Assimilation an die Landesmajoritäten, dem inneren Verfall entgegen. Das amerikanische Judentum fällt dem Amalgierungsprozeß des traditionsfeindlichen Amerika zum Opfer. Die Existenz einer jüdischen Realität in New York und den anderen Großstädten ist nur noch eine Frage von ein paar Jahrzehnten. Der westeuropäische moderne Jude ringt täglich um die Behauptund und Wachhaltung jüdischen Bewußtseins und jüdischer Lebensinhalte. Die Form seiner Existenz unterscheidet sich nicht von der des Nichtjuden. Das Judentum ist ihm ein immer neu zu lösendes Problem, aber keine Selbstverständlichkeit und Wirklichkeit. Das einzige Land, in dem es ein hundertprozentiges Judentum geben kann und gibt, ist Palästina. Daß dort der /ude ungeteilt ein jüdisches Dasein führt, alle seine Lebensäußerungen in Form und Inhalt jüdisch sind, kurz daß es dort einen jüdischen Werktag, eine wahrhaft jüdische Realität gibt, ist die entscheidende Bedeutung des Palästinaaufbaues und deshalb die einzige Lösung des Judenproblems. Diese in glänzender Form vorgetragenen Gedanken machten in ihrer Schlichtheit und Tiefe nachhaltigen Eindruck auf die zahlreichen Zuhörcr. Aus den Gemeinden Gelsenkirchen, ln den Körperschaften der Gcmeindevertretung befindet sich nur ein Mitglied der Jüdischen Volkspartei, die übrigen sind Liberale. Diese lehnten es ab, einen Antrag auf Herabsetzung des Wahlalters, Abschaffung von Karenzzeit und Zensus und Einführung des Frauenwahlrechts auch nur zur Verlesung zu bringen. Sie weigerten sich, in dieser schweren Zeit einen Antrag, die Steuern bis nach der Gemeindewahl zu stunden, zur Abstimmung zu stellen, nahtnen von 576 Wahlberechtigten nur 328 in die Wählerliste auf und strichen die anderen," die ihre Steuern nicht rechtzeitig hatten zahlen können. Und dann taten sie dies: Die liberalen Vorsteher gingen zum Stadtdirektor und baten, die Wahl schon im Mai, 8 Monate vor dem im Januar 1931 erfolgenden Ablauf der Amtszeit der Repräsentanten, stattfinden zu lassen, weil im Juli ein führendes Mitglied der Jüdischen Volkspartei 30 Jahre alt und wählbar werde; seine Wahl müsse dadurch verhindert werden, daß der Wahltermin vorher anberaumt werde. Unbegreiflicherweise zeigte sich der Stadtdirektor dieser Begründung zugänglich, die darauf aus ging, einem Gemeindemitglied das passive Wahlrecht zu nehmen. Er setzte die Wahl aut den 25. Mai an. Nachdem er eine Abänderung seiner Ent- Scheidung abgelehnt hatte, hob der Regierungspräsident in Münster den Termin sofort wieder auf und wies den Wahlkommissar an, nicht vor November neuen Termin anzuberaumen. Was hier versucht wurde, ist nicht liberal, nicht dernokratisch, nicht schön, aber von einer verblüffenden Offenheit. Vermischtes ״Ueberwindung der Kriege“. Die Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden veranstaltete am 30. April in Berlin in der Hochschule für Musik eine öffentliche Kundgebung unter dem Titel: Ueberwindung der Kriege. Neben musikalisehen und rezitatorischen Darbietungen wurden eine Reihe von Ansprachen und Referaten gehalten. Von evangelischer Seite sprachen D. h. c. F. A. Spiecker und Pfarrer Rudolf Wielandt (die Ursachen der Kriege), von katholischer Seite Msgr. B. Liehtenberg und Reichstagsabgeordneter Dr. Heinrich Krone (die Ueberwindung der Kriege), von jüdischer Seite Dr. Alfred Klee (die Wirkungen der Kriege), während der noch vorgesehene R.-A. Heinrich Stern am Erscheinen verhindert war. Die Ausführungen Dr. Klees fanden besonderen Beifall, ,. Frauen-Arbeltsgemeinschaft für PaMstitn. Bezirkserappe Nord und Ost: am Montag, dem 12. Mai, abends 8‘A Uhr, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4, Studienzirkel unter Leitung von Frau Dr. Freier. Thema: Der jüdische Sozialismus. Gäste willkommen. — Bezirksgruppen West und Grünewald: Donnerstag, den 15. Mai, nachm. 4(4 Uhr, im K. J. V.t Bleibtreustr. 50. Vortrag von Herrn Dr. Georg Landauer: ״Juden — Araber — Engländer“. Gäste willkommen. Rabbiner-Seminar zu Berlin. Die Eröffnung des Somme rsemesters hat am 29. April in Anwesenheit der Dozenten, aller Kuratoren, die zur Jahressitzung des Kuratoriums in Berlin anwesend waren, mehrerer Gäste und aller Hörer des Institutes stattgefunden. Nachdem Dozent Dr. Josef Wohlgemuth die Anwesenden begrüßt und in längeren Ausführungen die Ziele des Rabbinerseminars dargelegt und zumal den neu eingetretenen Hörern ans Herz gelegt hatte, hielt Dozent Dr. Samuel Grünberg seinen Eröffnungsvortrag über das Thema: ,,Biblische Eigennamen als Quelle der jüdischen Kulturgeschichte und Bibelexegese“. Hierauf wurden die Namen der 14 neu eingetretenen ordentlichen Hörer, von denen 9 aus Deutschland, die anderen aus Osteuropa stammen, mitgetcilt und die Feier geschlossen. Rundfunk. Am Sonntag, dem 11. Mal, abends 19.40 Uhr, wird Herr Hans Klee im Schlesischen Rundfunksender Breslau-Gleiwitz über ״Vorderasien und Völkerbund“ sprechen und dabe! auch die Probleme Palästinas und des Zionismus erörtern. Kanioren-Fortbildungs-Kursus. Im Juli findet auch in diesein Jahre in Berlin ein Kantoren-Fortbildungs-Kursus statt Der kantorale Unterricht liegt in den Händen der Kantoren Davidsohn, Qollanin und Alilbeck. Die Teilnehmer erhalten freien Unterricht sowie nach Maßgabe vorhandener Mittel Reise- und Aufenthaltszuschüsse. Für die Unterbringung der Teilnehmer wird Sorge getragen werden. Meldungen sind mögliehst bald an Oberkantor Magnus Davidsohn, Berlin W15, Knesebeckstr, 43, zu richten. Der Verband der Chorangestellten der Jüdischen Gemeinde e. V״ der soeben gegründet wurde, bezweckt die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Chorangestellten und hat eine Pensions-, Darlehns- und Sterbegeldkasse. Zur materiellen Stützung seiner Wohlfahrtseinrichtungen wird der Verband mit eigenen Veranstaltungen an die Oeffentlichkcit treten. Der Verband zählt zurzeit 150 Mitglieder, 1. Vorsitzender ist Herr Julius Berggrün, Charlottenburg, Droysenstr. 6; dortselbst befindet sich auch die Geschäftsstelle. Eta Berliner Rettungskomitee für die in Przeworsk durch eine Feuerkatastrophe am 25. April heimgesuchten etwa 500 i' konto Berlin 12)106 (J. Fuchs), Kleidungsstücke und Wäsche werden auf telephonischen oder schriftlichen Wunsch abgeholt. Geschäftsstelle des Komitees S. Rosenblüth, Berlin C 2, Rosenstraße 18, Tel. Norden 1571. Robert Guttmann ist 50 Jahre alt geworden. Vielen zionistisehen Kongreßbesuchern ist dieser zionistische Sonderling, der akademische Maler aus Prag, der fast zu allen Kongressen zu Fuß zu pilgern pflegte, in Erinnerung. Guttmann, der stets mit einer blauweißen Kokarde durch die Welt zog, erregte schon durch sein ungewöhnliches Aeußeres Aufsehen und benutzte jede Gelegenheit, um vom Zionismus zu reden. Besondere Verdienste hat er sich um den Nationalfonds erworben, für den er unerm&dllcii sammelte.