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Jüdische Rundschau · 1930-05-09 · Heft 36 (9.5.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 36 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 248 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 0. V. 1930 zum Jahre 1928 und anmerkungs weise sogar noch weiter fort* führt. Zu diesen letzten drei Bänden muß schon hier bemerkt werden, daß sie eine vollkommene Umarbeitung der früher in der Uebersetzung von Alexander Eliasberg und Elias Hurwitz deutsch erschienenen ״Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes'1 darstelien, also keineswegs durch jene überflüssig gemacht sind, und zweitens, daß sie in einem verhältnismäßig viel größeren Maßstab geschrieben sind als alles Vorangegangene. Unsere kurze Inhaltsübersicht ergibt für die über zweitausend Jahre der ״Orientalischen Periode" etwa siebzehnhundert Seiten, für die folgenden achthundert Jahre der ,,Europäischen Periode“ tausend Seiten, für die ״Neuzeit“ mit ihren drei Jahrhunderten gleichfalls tausend Seiten und für die knapp hundertfünfzig Jahre der ״Neuesten Geschichte“ beinahe fünfzehnhundert Seiten, also ebenso viel wie für die mehr als zweitausend Jahre des Altertums. Wir sehen also, daß der Schwerpunkt des Ganzen vollkommen eindeutig auf unserer Gegenwart liegt und daß sich der Maßstab immer mehr gleichsam verjüngt, um so stärker wir uns ihr nähern. Das mag zum Teil in den für die Neuzeit reicher fließenden Quellen begründet sein, aber doch auch in Dubnows stärkerer forschender Verbundenheit mit diesem Zeitraum sowie in seiner pubiizistischen Stellung und Haltung. Dies sei durchaus kein Scheltwort; doch wird es uns näher an die eigentlichen geistigen Voraussetzungen seines Geschichtswerkes leiten. Dubnow hat bekanntlich die ersten Jahre seiner wissenschaftlichen Tätigkeit im Kreise der russischen Assimilation zugebracht und sich erst etwas später zum Nationaljudentum gefunden. Ebenso bekannt ist, daß er hier zum Führer und Ideologen einer eigenen Richtung wurde, des ״Autonomismus“ der die nationale Wiederbelebung des jüdischen Volkes nicht von einem palästinensischen Zentrum her, sondern in seinen Wohnlindern erwartet. Damit im Zusammenhang steht die Pflege der in diesen Wohnlindern ausgebildeten jüdischen Volkssprachen, insbesondere also des Jiddischen, wenn auch ohne Kampffront gegen die alte hebräische Kultursprache, sowie der Versuch, die Gemeinde und übergemeindliche Organisationen als die natürlichen Keimzellen der jüdischen nationalen Autonomie in den Diaspora-Ländern anzusehen und auszubauen. Mit der verhältnismäßigen Geringbewertung des alten historischen Zentrums und seiner Sprache geht, drittens, ein besonders wacher Sinn für die Verflechtungen jüdischen Volksschicksales In nichtjüdisches naturgemäß Hand in Hand sowie, viertens, eine ziemlich radikale Säkularisierung und Enttheologisierung des Judentums. Dies sind die wichtigsten geistigen Voraussetzungen Dubnows; an ihnen werden wir seine Abgrenzung gegen den wichtigsten Vorgänger, Graetz, vornehmen, die Höhe- und Tiefpunkte seiner Geschichtsschreibung motivieren und das Phänomen seiner breiten Rezeption historisch-kritisch erklären können. Graetz hatte keine ganz ausgesprochene und fest umrissene ideologische Stellung innerhalb des Judentums. Er war ein glühender Nationaljude, ohne das Wort wahrhaben zu wollen, ein moderner Wissenschaftler, dessen Kritik aber de facto an der Thora haltmachte, während sie sich die übrigen Bücher der Bibel unterwarf, ein traditionell lebender lade ohne eigentliches Verständnis für de» Phänomen der der Reform seiner Tage, ein dem jüdischen Schicksal und der über ihm waltenden Vorsehung dunkel glaubensmäßig Verbundener, doch ein Feind der jüdischen Mystik, wie sie sich in Kabbala und Chassidismus offenbart hat. An und für sich das Zusammenleben der Juden mit ihrer Umweit bejahend, verstand er die Lebensbedingungen der ״Wirtsvölker" doch nicht von Innen heraus, sondern gab seine Werturteile über Persönlichkeiten und ganze Völker von ihrer Steilung zum Judentum her ab. Trotz dieser Widersprüche und Mängel bleibt seine Geschichte ein großer Wurf aus einem Guß, geboren aus glühender Liebe zu seinem Gegenstände, die nicht nur, wie bei seinem ihm in manchem ähnlichen deutschen Gegner Treitschke, die Darstellung beflügelte, sondern auch die Forschung ln die Tiefen trieb. Ihr waren freilich die Grenzen gesetzt durch Oraetzens Verhältnismäßig geringe Kenntnisse über die Umwelt der osteuropäischen Judenheit und durch seine ihm mit Leopold Zunz gemeinsame Ueberzeugung, jüdische Geschichte sei In der Hauptsache ״Literatur■ geschichte und Mlrtyrfologie". Gegenüber diesem Standard bedeutet Dubnows Werk In vielem, wenn auch nicht In allem, einen Fortschritt. Er bemüht sich um ein vom nationalen Pathos unabhängiges, historisch objektives Urteil, scheitert darin allerdings um so mehr, je stärker er sich der Gegenwart nähert. So läßt er z. B. Kurt Eisner vom Grafen Arco ״meuchlings ermorden", bezeichnet aber Leonid Kannegießer, der den Tschekavorsitzenden Uritzkl erschoß, und Dora Kaplan, die ein Attentat auf Lenin verübte, als ״Freiheitshelden״. In den gleichen Zusammenhang gehört es, wenn Schalont Schwarzbart ״der enthusiastische Sohn des Volkes Israel" genannt wird, während der rumänische Minister Bratianu ״ein Vertreter des Hamangeschlechtes" ist. Dieser rein publizistische Ton, der im letzten Bande vorherrscht, verdirbt sogar die richtige Perspektive zwischen jüdischen und allgemeinen Vorgängen und Größen, welche sonst diese ״Weltgeschichte des jüdischen Volkes" vorteilhaft auszeichnet und macht Tel-Awiw zu ״einer großen europäischen Stadt mit einer vierzigtausendköpfigen, ausschließlich jüdischen Bevölkerung". Es gibt wohl keine andere Stadt mit vierzigtausend Einwohnern, die Dubnow bereits daraufhin ״groß“ genannt hätte! Immerhin ist in dieser Beziehung ein Fortschritt über Graetz hinaus zu konstatieren, und noch mehr darin, daß gerade die bei diesem besonders vernachlässigten osteuropäischen Verhältnisse und wirtschaftlichen Zusammenhänge besonders aufmerksam behandelt werden. Dasselbe gilt von allen Vorläufern einer jüdischnationalen Gemeinde-Autonomie, wie sie Dubnow für die Gegenwart erstrebt und in der Vergangenheit liebevoll auf spürt, von der Entwicklung der ver* schiedenen Volks- und Mischsprachen, von den kritischen und freien Geistern innerhalb des Judentums, besonders seit dem Zeitalter der Renaissance — Asarja de Rossi, Leon de Modena, Jossef del Medigo usw. —, die Dubnow wohl als Vorkämpfer des eigenen Freiheitskampfes um das Licht der Aufklärung empfindet und denen allerdings auch schon die Generation Oraetzens, insbesondere Abraham Geiger, die Liebe der zeitüberbrückenden Wahlverwandtschaft entgegengetragen hatte. Diesen Vorzügen stehen allerdings sehr schwerwiegende Mängel gegenüber. Sie zeigen sich in der Darstellung der Prophetie, des frühen Christentums, teilweise der Halacha, der jüdischen Mystik und der nichtrationalistischen jüdischen RetigionsphüosopMe, Hier herrscht der {tatteste Rationalismus, der niemals von der Welt des Glaubens ernsthaft angefochten wird. So ist der Bericht des zweiten Bandes über die Entstehung des Christentums voll von symptomatischen stiiistisehen Mißgriffen, wie ״verworrene messianische Hoffnungen“, die ״exaltierte Natur Jesu" usw. Daß hier wenigstens nicht jüdisch-nationale Verengerung, sondern ein ganz allgemeines Zugesperrtsein gegenüber dem religiösen Phänomen Dubnow die Feder geführt hat, ergibt sich aus ganz ähnlichen Wendüngen, die sich etwa im sechsten Bande über die Meister der Kabbala finden; ״Uebrigens bildete sich der mystisch gestimmte Caro auch selbst ein, daß er seine Einfälle auf dem Gebiet der Gesetzeskunde den Offenbarungen eines unsichtbaren Genies zu verdanken habe . . . ", den Isaak Lurja ״brachten schließlich das Einsiedlerleben, das häufige Fasten und die Nachtwachen um das seelische Gleichgewicht" {will sagen: in mystische Extase); ״Nach dieser (des Mosche Kordovero) Auffassung gäbe es kaum einen Menschen, von ganz wenigen heiligen Eremiten abgesehen, denen nicht ein Platzchen in der Hölle sicher wäre". Zu den wundervollen Versen des Israel Nadschara: ״Die Seele, o Gott, die Du mir eingehaucht, sie verläßt mich des Abends, um des Morgens wieder zurückzukehren“, bemerkt Dubnow, wenig poetisch gestimmt: ״Er scheint (!) also dem Glauben gehuldigt zu haben, daß die Seele des Menschen während seines nächtlichen Schlafes zum Himmel emporsteige, um dort über ihr gesamtes Tagewerk Rechenschaft abzulegen". Dieser״ philiströsen Nüchternheit, die nicht die schöne Nüchternheit des seinem Stoffe adäquaten historischen Denkens ist, entspricht es dann auch, wenn im zehnten Bande Hermann Cohen, allerdings im Zusammenhangc seiner unglücklichen Kriegsschrift, als ״der jüdisehe Professor Hermann Cohen“ erscheint, als ob er damit gekennzeichnet sei. Schlimmer ist, daß Dubnow an Cohens großem Nachlaßwerk, der ״Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" nichts anderes zu bemerken hat, als daß es ״nicht dazu angetan sei, auf die Anhänger des wissenschaftlichen Evolutionismus Eindruck zu machen". Ganz im gleichen Geiste wird etwa Nathan Birnbaums Wandlung als ״blinde Subordination" etikettiert. Die letzten Beispiele haben uns wieder in die allerneueste Zeit geführt, bei denen Meinungsverschiedenheiten naturgemäß am häufigsten seht müssen. Doch lassen sich auch hier viele positive Werte anerkennen.• so die interessante Zukunftsperspektive, daß nun, nach der asiatischen und europäischen, vielleicht eine amerikanische Periode der jüdischen Geschichte anbreche, in der Jiddisch und Englisch möglicherweise ebensosehr zu Werkzeugen der jüdischen Kultur werden können, wie es einst Arabisch oder Deutsch waren. Auch die Bezeichnung des heutigen jüdischen Palästina seiner faktischen Situation nach als ״Galuth Arab" einerseits, und andererseits unter dem Gesichtspunkt des geistigen Zentrums, als ein ״kleines, in sich gefestigtes Juda“, dem ״ein großes zerstreutes Israel" gegenübersteht, geben durchaus zu denken. Diese letzte Bemerkung, die beinahe am Schluß des Ganzen steht, schließt den Bogen zu den Anfängen des jüdischen Volkes hinüber und verbindet die autonomistische Grundanschauung Dubnows mit seinem wachsenden Verständnis für die Bedeutung des Palästinawerkes. , Aber sie steht nur bei nahe ,am Schluß. Ganz am 5 etwa*.Äe^^»fc'MÄ^ta auf dfeTüdfc‘ schra ״Minner von höchster' sttffÄei't" und ihre ״Ideale des Friedens und der Gerechtigkeit". Und das ist schlimm, deshalb schlimm, weil es für Dubnows Geschichtswerk ebenso ein bloßes Lippenbekenntnis ist wie für die überwiegende Mehrzahl unserer nationalen Politiker, und deshalb zur Blasphemie wird. Der Beweis ist leicht zu erbringen: die jüdischen Kriegsfreiwilligen in den nichtjüdischen Armeen sind zwar einer ״allgemeinen Kriegspsychosen erlegen", aber das ״Zion Mule Corps“ der jüdischen Legion wird ״eine tapfere Schart' genannt. Wenn unsere unveräußerlichen Ideale wirklich die des Friedens und der Gerechtigkeit sind, dann hat ihnen eine jüdische Legion, die also auch unser Volk zu einer kriegführenden Nation machte, mehr ins Gesicht geschlagen als alle Individuellen jüdischen Kriegsfreiwilligen in fremden Heeren, die immer nur sich, nicht aber die jüdische Gesamtheit verpflichteten. Es ist bedauerlich, daß Dubnows Nüchtern* heit, durch die sich seine Stellung zu den Phänomenen der religiösen Erfahrung auszeichnet, nicht dazu ausreichte, um den hier aufgezeigten Widerspruch zu entdecken. Wir müssen uns entweder für das ״Zion Mule Corps“ oder für die Propheten entscheiden; beides zu vereinigen wird auf die Dauer schwer fallen. Die jüdische Geschichtsschreibung hat bisher ein merkwürdiges, aber wohl schicksalhafte Mißgeschick gehabt: die beiden zentralen Herzpunkte ihres Gegenstandes wurden immer von ihr verfehlt: die Halacha und die Kabbala. Darin sind Graetz und Dubnow einig, wenn auch Dubnow in der bewußten Säkularisierung des jüdischen Geschichtsverlaufes noch viel weiter geht als sein Vorgänger. So fehlt ihm denn letzten Endes doch der Schlüssel für das Religionsvolk kat exochen. Ein Historiker, der der jüdischen Geschichte und ihren handelnden Trägem die religiöse Determination mit den Mitteln der Soziologie und Psychologie zu nehmen sucht, gleicht etwa einem Zoologen, der die Tiere nicht liebt oder doch glaubt, sie seien eigentlich Menschen oder Pflanzen. Das Individuelle ihrer Art aber wird er so verfehlen, selbst derjenigen Gruppen, die als Zwischenstufen zum Pflanzen- oder Menschen reich erscheinen. Gerade um dieses Grundirrtums willen nimmt die!mutige jüdische Generation Dubnows Werk als ihr Buch mit Begeisterung entgegen: es ist das Geschichtswerk einer jüdisehen Zeit, deren Nenner säkularisierter Nationalismus heißt Aber der heimliche Anachronismus, der als eigentliches, verborgen wirkendes Grundgesetz über aller jüdischen Geschichte schwebt und unsere innere Zeitrechnung anders sein läßt als die der Völker, deren Bewegrungsströme uns verspätet treffen, dieser Anachronismus läßt ahnen, daß sich hinter diesem Zeitausdruck Dubnow «hon wieder neue, wirklichere Begriffe bilden. Die hebräische Sprache jedoch ist unbestechlich. Die ״Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ mag Dubnow geschrieben haben, nicht aber, wie der Titel der jetzt erscheinenden hebräischen Uebersetzung lautet ״Toidoth Am Olam", nicht aber die ״Geschichte des Weltvolkes“. In Tel-Awiw wurde vor einigen Tagen eine Vereinigung von Orapefrucht-Züchtern gegründet. Zurzeit beträgt die mit Grapefrucht bebaute Flache 4000 Dunam, aber man rechnet mit einer erheblichen Vergrößerung in den nächsten Jahren. Zun Protest der Indischen Moslems London, 6. Mai. (J.T.A.) Auf eine Frage von Colonel Howard Buryim Unterhaus, ob der Regierung bekannt sei, daß die in Bombay stattgefundene alllndische moslemische Konferenz Resolutionen angenommen hat, in denen gegen die Behandlung der moslemischen Glaubensbrüder in Palästina protestiert und ein Palästina-Tag für ganz Indien, Burma und Cey- Ion am 16. Mai proklamiert wird, und ob die Regierung irgendwelche Schritte ergreifen wolle, um die 70 Millionen Moslems in Indien hinsichtlich der palästinensischen Moslems zu beruhigen, ferner ob mit der Regierung Indiens über diesen Gegenstand irgendwelche Korrespondenz geführt worden ist, erwiderte der Staatssekretär für Indien Herr Wedgwood Benn: Ich habe ein Telegramm erhalten, welches die von der allindischen Moslem-Konferenz gefaßten Resolutionen enthält, und ich habe die über diese Angelegenheit mit der Reglerung Indiens geführte Korrespondenz einer Sitzung des Kabinetts unterbreitet. Howard Bury: Weiß der Staatssekretär für Indien von der ernsten Besorgnis, die In der mohammedanischen Weit bezüglich der Lage in Palästina herrscht? Wird er bei dem Staatssekretär für die Kolonien hierüber Vorstellungen erheben? Wedgwood Beim: Ich bin Über das mohammedanisehe Gefühl, auf welches Sie hinwelsen, unterrichtet. Graf Winterton, der frühere Unterstaatssekretär für Indien, fragte: Ist dem Staatssekretär für Indien bekannt, daß die Resolutionen des allindischen Moslem-Kongresses von einigen der verantwortlichsten Moslems in Indien unterstützt werden, und will er veranlassen, daß Kopien der Resolutionen an den Premierminister und den Kolonienminister gesandt werden? Der Staatssekretär für Indien, Herr Wedgwood Benn, erwiderte, er werde eine solche Veranlassung treffen. * In der ״Times“ vom 7. ds. Mts. veröffentlicht Israel Cohen der Generalsekretär der Zionistischen Exekutive in London, eine Zuschrift betreffend den Protest der indischen Moslems gegen den Zionismus. In der Zuschrift, die vom 2. Mai datiert ist, heißt es: Aus dem Wortlaut der Resolution der indischen Moslems geht hervor, daß sie auf f a 1 s c h e I n - formation begründet ist, sonst könnte nicht gesagt sein, daß Palästina ״der ganzen moslemischen Welt anvertraut“ sei, während es in Wirklichkeit dem Völkerbund anvertraut ist. Die Feststellung, daß ״die Moslems sowohl Christen als auch Juden erlaubt haben, Palästina als Pilger zu besuchen“, klingt seltsam, denn das Recht ins Land zu kommen, war stets abhängig von der Regierung, daher seit dem Kriege von der Mandatsregierung, die gemäß Art. 6 des Mandates jüdische Einwanderung erleichtern soll. Die Zulassung von Juden wird nicht durchgeführt ״mit Ausschluß und zum Schaden der ursprünglichen Bevölkerung Palästinas“, sondern die palästinensischen Araber werden unter denselben Bedingungen wie die Juden ins Land gelassen und die Araber haben durch die jüdische Siedlung große Vorteile gehabt. Das jüdisehe Volk hat die Entscheidung des Völkerbundes, eine Kommission zur Untersuchung der Klagemauerfrage zu entsenden, begrüßt, weil die Juden Frieden und Ruhe in Palästina wünsehen. Es ist daher zu bedauern, daß die moslemische Konferenz gegen diese Kommission ist. Boden in Palästina wurde von den Juden stets gesetzlich gekauft und die Pächter wurden »«BtMbttita. i«cM»ev»r •da! .־Gesetz dtes-attitaimte.׳. Der Teil der Resolution, so schließt Israel Cohen, der behauptet, die Unruhen seien durch jüdische Beleidigung der moslemischen Religion entstanden, ist durch den Wortlaut des Berichtes der Untersuchungskommission widerlegt. Die Todesurteile Der Korrespondent der ״Times" meldet aus Jerusalem, daß eine Gruppe von Juden, die sich ״Brith Schalom“ nenne, an den High Commissioner Sir John Chancellor eine Petition gerichtet habe, worin angeregt wird, die im Zusammenhang mit den Unruhen in Palästina gefällten Todesurteile in Kerkerstrafen umzuwandeln. Zur Begründung wird angeführt, daß die Mörder nur die Werkzeuge von Hetzern gewesen sind, die selbst der Strafe entgehen, und daß die Vollstreckung der Todesurteile von einer ungünstigen Wirkung auf die Beziehungen der Völker im Lande wäre. Jerusalem, 6. Mal (J. T. A) Die Palästinensisch- Arabische Exekutive hat das religiöse Fest Id al-Adha, das auf den 9. Mai fällt, als allgemeinen Trauertag für die Araber Palästinas wegen der gegen Araber im Zusammenhang mit den August-Unruhen ausgesprochenen Todesurteile proklamiert. Das Organ der Arabischen Exekutive ״Felestin“ fordert die Exekutive auf, alle arabischen und mosiemisehen Linder dazu aufzurufen, den von der allindischen Moslemkonferenz in Bombay proklamierten Palästina-Tag, den 16. Mai, auch ihrerseits zu begehen. Die Gelegenheit solle benutzt werden, um Gebete für diejenigen Araber zu sprechen, die während der August-Unruhen in Palästina den Tod gefunden haben. Dieser Trauertag solle sich ln jedem Jahre wiederholen, bis Palästina seine Unabhängigkeit erlangt hat. Pallsttna ehrt Baifour Die Balfour-Aktion des KKL hat besonders starken Widerhall in Erez-Israel gefunden. In Tel-Awiw sind bereits in der ersten Woche folgende Eintragungen aufgebracht worden: Stadtverwaltung, Gemeinde, Anglo-Palestine Company, Bank Melacha, Arbeiterbank, Bank Falwaah W’chissachon, Arbeiter der Ruuienberg-Station in Tel-Awiw, Arbeiter der Stadtverwaltung und der Hadassah, Bank Aschrai, Institutionen der Arbeiter-Organisation, Gymnasium Herzliah, sephardisches Bethaus usw. Auch aus anderen Teilen des Landes werden Eintragungen gemeldet: Halvaah W’chissachon in Tiberias und Petach Tikwah, vier Eintragungen der Verwaltung und der Arbeiter der Ruthenberg-Kraftstation am Jordan, die neuen Siedlungen im Emek usw. Verschiedene andere Institutionen in Jerusalem, Haifa usw. (Aerzte-Organisation, Phönix-Ver- Sicherungs-Gesellschaft, Druckereien, Kooperativen usw.) sowie Kolonien, Kibuzim usw. haben beacMoaaeu. sieh an dieser Aktion zu beteiligen. 14000 Pfand KollektlvgeldbaBen für Hebron Jerusalem, 4. Mai. (J.T. A.) Der arabischen Bevölkerung von Hebron ist eine Kollektivgeldbuße von 10000 Pfund und den Dörfern in der Umgebung von Hebron eine solche von 4000 Pfund als Strafe für die Massakrieren®, der Juden in Hebron im August 1929 auferlegt worden. Die Geldbußen sind im Verlauf von fünf Jahren zu leisten. Dem arabischen Dorfe Koloniah wurde eine K o 11 e k - tivgeldbuße von 1500 Pfund auferlegt, weil die Bewohner des Dorfes in den Augusttagen die angrenzende jüdische Kolonie Moza in der Nähe von Jerusalem angegriffen und ver* Dichtet haben.

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