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Jüdische Rundschau · 1930-05-02 · Heft 34 (2.5.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 34 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 238 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr, 34, 2. V. 1030 Zionismus ist viel ernsterer Natur. ״Bilu“ bedeutet immer noch: Bcth Jakob lechu wenelcho (Kommt Brüder, wir wenden uns von einer Welt ab, die es nicht lassen kann, zu!lassen). Die Edlen dieser Welt mögen diesen dramatischen Vorgang würdigen, verstehen und uns helfen, und vor allem die einmal feierlich versprochene Hilfe gewissenhaft, entschlossen auch durchführen. Die Verzweiflung, die bei Nichterfiillun״ des Zionismus die jüdische Seele, die Seele jüdischer Massen ergreifen wird, hätte nur diesen Hauptgrund: Daß der Traum, endlich, endlich selbständig zu werden, wieder zerflossen ist. Mit dieser Feststellung ist aber auch die Antwort gegeben, auf das, was der Zionismus eigentlich ist. Der Zionismus ist etwas gesund Menschliches, Elementares, er ist gleichzeitig Ausdruck größter Müdigkeit, aber auch größter Entschlossenheit. Der Zionismus ist Sehnsucht nach ruhigem Volksdasein, Flucht aus den Zonen des Hasses, er ist entstanden aus der tiefen Sehnsucht eines Volkes, allein zu sein. Und wenn die Tatsache der Rückkehr der feierlichste, ergreifendste Moment ist, so ist die weitere Tatsache, daß die Juden nicht allein sein werden und daß dieser Wunsch unerfüllt bleiben wird, die tragischste hn Zionismus. Aus unseren eigenen Reihen hört man oft Vorwürfe fallen, wir hätten zu spät erkannt, daß wir nicht allein sind. Diese Vorwürfe sind formell, politisch berechtigt, aber sie sind bar jeden Verständnisses für die Psyche eines Volkes, das sich nach Alleinsein sehnt. Nicht aus irgendwelchem Hochmut haben die Juden eine gewisse Zeit die Araber nicht bemerkt und die Araberfrage vernachlässigt. Man kann das nicht vergleichen mit dem bewußten Uebersehen eines Engländers. Zum erstenmal seit Jahrhunderten waren Juden als Volk mit sich selbst beschäftigt, und sie mußten die Illusion, daß keiner um sie ist, daß sie ganz allein sind, haben. Sie waren müde und gleichzeitig berauschte Heimkehrer, die noch dazu sofort an die ungewöhnlich schwere, aber mit Jubel aufgenommene Arbeit gingen. Wenn die Vernachlässigung dieser Frage uns Nachteile brachte, vom psychologischen Standpunkt war das Nichtbemerken des Nachbars vielleicht eine Notwendigkeit, denn sonst hätte der Mut zu den Leistungen gefehlt, die die jüdische Position im Lande befestigt haben. * Nun wir sind nicht allein, und die Stätte des Hasses verlassend, begegnen wir neuem Haß. Diese Erkenntnis ist schmerzlich, aber der Unterschied ist groß, denn hier wird dem Haß getrotzt, bis auf der anderen Seite klar werden wird, daß auch sie nicht allein sein wird. ״Lo asus mipo“, ״Wir rühren uns nicht von hier“, singen die Chaluzitn in Palästina, und starker Glaube, starker Wille zum Ausharren klingt aus diesen Worten. Es ist ein Lied von Menschen, die kämpfen in dem Bewußtsein, daß bald Verstärkung kommen wird. Wenn wir nicht allein sind, müssen wir wenigstens viele sein. Die Vorstellung von einer großen jüdischen Bevölkerung in Palästina muß uns erhalten bleiben, ln Palästina kann nur ein Teil des jüdischen Volkes leben, aber es muß ein beträchtlicher Teil sein. Von ihm muß eine Stärke und Macht ausgehen, die belebend, ermunternd auf das Diaspora-Judentum wirken und seine politische und gesellschaftliehe» Position stärken wird. Die Diskussion darüber, ob Palästina Millionen von Juden aufnehmen kann, soll zwar dem Leser hier erspart bleiben, aber soviel sei gesagt, daß es Mensehen gibt, die nicht in dem Verdacht stehen, Dichter und Phantasten zu sein, die diese Möglichkeit bejahen. Etwas Phantasie muß man freilich besitzen und nicht nur die fünfzigtausend Bauernfamilien und eine gleiche Zahl Städter vor Augen haben. Man muß ein Palästina sehen, das Handel mit dem ganzen Orient führt, man muß Haifa als ein Odessa vor dem Kriege sich vorstellen können. Tel-Awiw wird sich stark ausdehnen, wer weiß, vielleicht wird in dieser Stadt die vierte Universität Palästinas untergebracht werden. Die Zahl der Studenten in Erez-Israel wird nicht geringer sein als die der Studenten in der Schweiz. Daß Palästina in Zukunft große Scharen von Touristen locken wird, geben auch Skeptiker zu, genau wie sie sich der Ansicht nicht verschließen, daß an den heißen Quellen von Tiberias ein großer moderner Kurort und Riesenhotels entstehen werden. Die Völker Europas, die immer auf der Suche nach neuen Märkten für ihre Produktion sind, werden schon dafür sorgen, daß die Romantik aus dem Wahabitenland allmählich verschwindet und daß die Fellachen von Jemen Hosen tragen werden. Arabien wird sich der Zivilisation anschließen, die Handelsbilanz wird wachsen, und es ist anzunehmen, daß auch Juden an dieser Bilanz teilhaben werden. Freilich wird man vorher noch mit den Arabern Frieden schließen. Er wird kommen, der Friede, und nicht zuletzt deswegen, weil die Araber ihrerseits die Entschlossenheit begreifen werden, die aus dem Chaluzlied klingt: ״Lo asus mipo“, ״Wir rühren uns nicht von hier“. napiinep zionnnscfte uareininung Vortragszyklus Dr. S. Kanowitz 08״ muht Jummr im K. J. V. Bleibtreustraße 50 1. Mittwodh, den 7. Mai: ״Ideologien und Programme“ 2. Mittwoch, den 21. Mai: ״Das deutsche Judentum im Spiegel der Statistik“ 3. Mittwoch, den 4• Juni: ״Der Antisemitismus und seine Wirkung auf die Juden" 4. Mittwoch, den 18• Juni: ״Die Jugendbewegung des deutschen Judentums‘• Die Entschädigungen Jerusalem, 28. ApriL (J. T. A.) Es werden weitere Tatsachen über das Vorgehen der Palästina-Behörden bei der Auszahlung von Entschädigung an Opfer der Augustunruhen bekannt, die Unzufriedenheit der jüdischen Bevölkerung hervorrufen. Dem Jüdischen Nationalfonds, der 23 250 Pfund als Schadenersatz für die bei der völligen Zerstörung der jüdischen Arbeiterkolonie Hulda erlittenen Verluste beanspruchte, wurden 1 153 Pfund ausbezahlt. Professor Joseph Klausner von der Hebräischen Universität, dessen bedeutende Bibliothek in Talpioth, enthaltend zahlreiche wertvolle Bücher und unersetzliche Manuskripte, zerstört wurde, wurden 197 Pfund statt der beanspruchten 1321 Pfund ausbezahlt. Dem ebenfalls in Talpioth wohnhaften hebräischen Schriftsteiler S. Agn on, der als Schadenersatz für die Zerstörung seiner Bibliothek 1 876 Pfund forderte, wurden 183 Pfund ausbezahlt. Agnon teilte seinerzeit dem I. T. A.-Vertreter mit, daß bei der Vernichtung seiner Bibliothek etwa 3000 wertvolle Dokumente zur Geschichte Palästinas in den letzten drei Jahrhunderten verloren gegangen sind. Dr. Jaffe, der 230 Pfund Schadenersatz beanspruchte, erhielt drei Pfund ausbezahlt. Der Balionr-Band des Goldenen Buches Jerusalem, 27. April. (J.T.A.) Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds teilt mit, daß der Beschluß des Aktions- Comites der Zionistischen Organisation, einen Balfour-Band des Goldenen Buches des Keren Kajemeth Lejisrael für 5000 Eintragungen der jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt anzulegen, von der gesamten Judenheit mit Begeisterung aufgenommen wurde. Das Hauptbüro des Keren Kajemeth arbeitet intensiv an der Vorbereitung dieser Aktion, die bis Ende Juli d. J. abgeschlossen sein muß. damit das A.-C. in seiner August-Sitzung Beschlüsse über die Verwendung der Fonds zum Andenken Balfours fassen kann. —- Der vierte, dem 25. Jahrestag der Gründung des Keren Kajemeth gewidmete Band des Goldenen Buches ist fertig und enthält 2000 Eintragungen. Jerusalem, 28. April. (J. T. A3 Das Hauptbüro des Keren Kajemeth Lejisrael ist in sein eigenes Heim, einem schönen, modern ausgestatteten Gebäude gegenüber der King George Avenue, einer der Hauptverkehrsstraßen Jerusalems eingezogen. Die feierliche Einweihung des Gebäudes wird in kurzem stattfinden. Jerusalem, 27. April. (J. T. A.) Der Oberkommissär hat, wie offiziell mitgeteilt wird, eine Kommission eingesetzt, deren Aufgabe es ist, die Wirtschaftslage der Agrikulturtreibenden in Palästina zu untersuchen und Empfehlungen hinsichtlieh notwendiger Maßnahmen zu geben. Der Kommission gehören an: der stellvertretende Schatzmeister der Palästina-Regierung Johnson, der Gehilfe des Distriktskommissars für den Süden Crosbie und je ein Bodenbeamter des Distrikts, in welehern die Kommission gerade ihre Untersuchungen anstellt. Sekretäre der Kommission sind die Beamten des Schatzamtes Gress und Levi. verlieh. ״A propos Juden, Meister Daudet“, warf er im ironisehen Aphorismenstil seiner Feuilletons hin, ״ich hatte da eben eine pikante kleine Vision. Bekanntlich sind wir ja ,saus patric' — wie Ihr uns und unsere Verteidiger genannt habt. Nun, meine Vision hat mir gezeigt, wie wir Heimatlosen hier ausziehen, um dort unten, jenseits des Mittelmeers, jenseits der Pyramiden, wieder unsere Heimat zu finden auf dem Weg, auf welchem — die Gelehrten sind sich nicht einig, ob nach einer andern Dreyfus-Affäre — unsere Väter ins Land der Freiheit gezogen sind. . . Und bei den Worten ״dort unten“ besch’rieb seine Hand einen weiten, runden Bogen nach Osten hin, wo der erste Ste־n im blaßgelben Zwielicht dieses Abends sichtbar wurde. Daudet kräuselte in unwillkürlichem Spott des Südfranzosen die Lippen. Oft schon hatte er die ״prinzlichen Gebärden“ dieses majestätischen Causeurs beobachtet, der aussah wie ein König aus dem Morgenlande in sehr elegantem Zivil, ln unwidersteh• licher Imapimtion stellte er sich ihn an der Spitze der ausziehenden Hebräer vor, mit weißem Turban und wehendem Mantel, worunter der Frack sichtbar wurde. ״Tartarin in der Wüste“ durchfuhr es ihn, und kaum konnte er das Zucken seiner Mundwinkel beherrschen, aber plötzlich veränderte sich der Anhlick des Mannes neben ihm, dessen Augen sich tragisch wesfeien, während er in wachsender Hingabe an die vor ihm aufsteigende Vision davon sprach, wie dort das ethisch-schönferische Genie seines Volkes sich frei entfalten werde, das hier verkomme, in allen Winkeln der Zivilisation verkrochen, ohne politische Verantwortung und Eigenwürde. Er selbst schien zu ersticken daran, als er vom Ersticken seiner Volksseele sprach. Daudet konnte sich der Wirkung nicht entziehen, die von der gespannten Geistigkeit, die schmerzhafte Ringe in die Augen des andern kerbte und von dem zuckenden Vibrieren dieser seitsam rein geschnittenen Züge auf ihn überging. Ein Zug unstillbarer Sehnsuchtsqual und eine Falte tödlichen Leidens wurde beiderseits des schmerzlichen Mundes sichtbar, dessen große Anmut ihn kurz vorher so betroffen gemacht. Die ganze Gestalt dieses Mannes schien gehoben, schien ins Grundlose zu wachsen, wie er ragend dastand, den Mantel über die Schulter, dunkel sich abhebend von dem immer bleicher werdenden Horizont des verlöschenden Tages, ln dem großen Affekt seiner Worte, dessen Echtheit mehr und mehr überzeugte, in einem von verzehrender Leidenschaft geadelten Pathos griff die blasse Hand des Redenden in seinen schwarzen Bart --י und plötzlich, eine bezwingende Vision, erschien er dem so skeptischen Südfranzosen als ein verjüngter, verschönter und vermenschlichter Moses des Michelangelo, statuar und doch atemheiß, zeitlos und gegenwärtig, jugendlich schön und vom Tode gezeichnet — in die Zukunft weisend und verzehrt von der Größe des Uebergangs in eine neue Zeit — Moses, der die Kinder Israels aus gekrümmter Gefangenschaft und Verwesung des Zerstreutseins erlösend heimführt in die ewige biblische Größe des Landes ihrer Freiheit. Mit tiefer Gewalt ergriff diese Vision das Dichterherz des Franzosen. Voll Entzücken umriß sein Auge die großartige Silhouette seines Begleiters, von der alles Ephemere der Modekleidung und der witzigen Rede ins Zeitlose hinabgeglitten schien. Der gleiche Ausdruck adeliger Ergriffenheit und Größe, wie ihn der Redende in den Augen trug, legte sich auf das Spötterantlitz des Proven^alen und verklärte es zu der vls!ionären Schönheit des Dichtertums. Ueberwältigt von der Größe der Vision legte der kleine schmächtige Mann — den Blick immer an den Horizont gebannt — seine Hand über die buschifen Brauen und seine Lippen bewegten sich fast lautlos, jeder bn aufgesogen durch die innere Glut seherischer Leidenschaff. ״Wie schön das ist — wie unendlich schön —“, hauchte er fast unhörbar in den letzten Glanz dieses Abends. Ein jüdisches Jesus-Buch. Im Jüdischen Verlag GmbH., Berlin W 50, erscheint die deutsche Uebersetzung des Buches ״Jesus von Nazareth. Sein Leben, seine Zeit und seine Lehre“, von Dr. Joseph Klausner, o. Professor für Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Dieses Buch ist die erste groß angelegte wissenschaftliche Darstellung des Lebens und der Lehre Jesu, vom jüdischen Standpunkt gesehen. Das Werk verarbeitet zum erstenmal das gesamte ungeheure Quellenmaterial, insbesondere das jüdische, in umlassender Weise. Trotz seines sfrengwi'ssenscftaftlichen Charakters ist es in einer auch für den Laien verständlichen Sprache geschrieben. In hebräischer Sprache erschienen von dem Buche bereits vier Auflagen, in englischer Ueber- Setzung, die von dem Kanonikus der St. George-Cathedrale, Jerusalem, H. Danby, stammt, bereits sieben Auflagen. Preis des 600 Seiten starken Werkes in Leinen 16 M., in Halb- Jeder 21 M. . Neve Elnwandervngs ־ Bestimmungen für bemittelte Immlgranlev Die ״Offidal Gazette“ vom 16. April veröffentlicht Ergänzungsbestimmungen über die Einwanderung von bemittelten Personen nach Palästina, die eine neue Definition dieser Ein- Wandererkategorie (Kat A.) enthalten. Nach den neuen Be- Stimmungen fallen künftig hierunter: Kategorie A: 1. Personen, die über ein Kapital von nicht weniger als 1000 Pfund verfügen. Wenn sie beabsichtigen, sich in der Landswirtschaft zu betätigen, so kann dieser Betrag den Wert des Bodens, der Geräte und des Inventars einschließen. Das gleiche gilt, wenn solchen Personen durch eine Stelle, die von der Regierung als Siedlungsinstitution anerkannt wurde, Boden, Geräte und Inventar oder ein Vorschuß für bestimmte Zeit zur Verfügung gestellt werden. Wenn der betreffende Immigrant sich in der Industrie betätigen will, so kann das nachzuweisende Kapital den Wert des Grund- Stückes für ein industrielles Unternehmen und den Wert der Maschinen einschließen. Das gleiche gilt, wenn solche Werte und Vorschüsse für eine bestimmte Zeit von einer Gesellschaft zur Verfügung gestellt wurden, die von der Regierung als Institution zur Unterstützung industrieller Unternehmungen anerkannt wurde. 2. Angehörige freier Berufe, die frei und ohne zeitliche Beschränkung über ein Kapital von nicht weniger als 500 Pfund verfügen können, vorausgesetzt, daß der leitende Immigrationsbeamte davon überzeugt ist, daß in Palästina Bedarf für weitere Vertreter dieses Faches vorhanden ist 3. Personen, die In bestimmten Gewerbezweigen oder einem Handwerk ausgebildet sind und frei und ohne zeitliche Beschränkung über ein Kapital von nicht weniger als 250 Pfund verfügen, vorausgesetzt, daß die ökonomische Aufnahmefähigkeit des Landes die Aufnahme solcher Einwanderer innerhalb ihres Berufes gestattet. 4. Personen, die ein gesichertes Einkommen von nicht weniger als 4 Pfund monatlich außer Ihrem Arbeitseinkommen beziehen. * Die hier aufgeführten Neuerungen sind nach längeren, schwierigen Verhandlungen zwischen der Exekutive und der Regierung in Jerusalem und London erzielt worden. Die Erhöhung des für die Einwanderung bemittelter Personen erforderlichen Betrages von 500 auf 1000 Pfund in den neuen Bestimmungen stellt nur formell eine Erschwerung dar, da die Entscheidung über die Zulassung von bemittelten Iraraigranten bis jetzt in jedem Falle dem subjektiven Ermessen des obersten Immigrationsbeamten in Jerusalem überlassen blieb; die rigorose Handhabung der Bestimmungen hat bekanntlich die Zanl solcher Immigranten in praxi außerordentlich reduziert. Demgegenüber ist jetzt von besonderer Bedeutung, daß die Einwanderungserlaubnis für bemittelte Immigranten, mit 1000 Pfund Kapital, künftig nicht mehr in jedem einzelnen Falle von der palästinensischen Regierung in Palästina gegeben werden muß, sondern durch die Konsulate in Warschau, Berlin, New York, Galatz und dem Paßamt in London selbständig gegeben werden kann, wenn die oben aufgeführten Bedingungen erfüllt sind. Eine wesentliche Erleichterung ist auch die Bestimmung, daß solche Einwanderer künftig nicht mehr den Nachweis Über den Besitz eines Vermögens von 1000 Pfand in bar liefern müssen, sondern daß sowohl Sachwerte als auch Verpfltehtungserklärungea von Siedlungsinstitutionen in Palästina, vorschußweise einen Teil der Mittel zur Verfügung zu stellen, auf die erforderliche Summe von 1000 Pfund angerechnet werden können. (Ziko.) Kleine Nachrichten Jerusalem, 27. April. (J.T.A.) Die Exekutive ti Histadruth hat an alle Mitglieder die Weisung ergehen las: n, an keinerlei 1. Mai-Demonstration, die von den von der Histadruth nicht kontrollierten Körperschaften abgehalten werden, teilzunehmen. In der gegenwärtigen Situation, erklärte die Histadruth-Exekutive, können Demonstrationen in Gebieten mit gemischter Bevölkerung zu provokatorischen Zwecken ausgebeutet werden, und zu katastrophalen Ergebnissen führen. Jerusalem, 28. April. (J. T. A.) Die Behörden in Haifa haben eine Kundgebung anschlagen lassen, wonach Versammlungen und öffentliche Kundgebungen in der Stadt am 1. Mal verboten sind. Mehrere Kommunisten wurden nach einer in ihren Wohnungen vorgenommenen Haussuchung verhaftet. Jerusalem, 27. April. (J.T.A.) Im Hinblick auf das nahende moslemische Fest Nebl Saleh, aus dessen Anlaß alljährlich tausende Moslems aus allen Teilen Südpalästinas sich m Ramleh versammeln, hat die Palästina-Regierung außerordentliche Maßnahmen zur Sicherung der Ordnung ergriffen; sie hat u. a. das Tragen von Schwertern in der Prozession und Ansprachen an die Pilger verboten. Der Jude Saleh Misrachi aus Beisan wurde auf Grund einer Klage des Obersten Moslemischen Rates, daß er den moslemischen Glauben verhöhnt hat, vom Gericht zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Misrachi, der behauptet, vollkommen unschuldig zu sein, hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. London, 27. April. (J.T. A.) Das Gesundheitsdepartement der Palästina-Regierung hat der palästinensisch-jüdischen Medizin-Organisation Hadassah die Einladung des britischen Roten Kreuzes übermittelt, Vertreter zu der vom 19. bis 24. Mai in London tagenden Reichskonferenz des britischen Roten Kreuzes zu entsenden. Es ist dies das erste Mal, daß eine solche Einladung an die Hadassah ergeht. Dr. R. Katzeneison wird die Hadassah auf der britischen Rote-Kreuz-Konferenz vertreten. Jerusalem, 27. April. (J.T.A.) Wie der ״Dawar“ mitteilt, sind in den jüdischen Kolonien Palästinas mehr als 3000 arabische Arbeiter beschäftigt, davon 1801 in Pctach Tikwah, 465 in Chederah und 448 in Nes Zionah. Als eine große Gruppe jüdischer Touristen in der Peßachwoche die Kolonie Rosch-Pinah passierte, wurde sie von der Polizei aufgehalten und jeder einzelne der Teilnehmer sorgfältig auf den Besitzvonwaffen untersucht. Die Waffensuche verlief ohne jedes Ergebnis. Die Orangensaison 1929/30 ist nahezu beendet. Die Verschiffungen seit dem Anfang der Saison betrugen insgesamt 2700000 Kisten gegenüber i 600000 lösten in der Saison des Vorjahres und je zirka 2000000 Kisten in den beiden vorausgegangenen Jahren. Zinn neuen Generaldirektor der palästinensischen Eisenbahnen wurde Mr. C R. W e b b ernannt Mr. Webb war zuletzt Generaldirektor der Eisenbahnen in Sierra Leone. In Benjamin a fand am 22. April die Einweihung der neuen Arbeiterwohnhäuser, die durch die Pica für die in Beniamina wohnhaften Arbeiter errichtet wurde, statt, (Ziko.)

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