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Jüdische Rundschau · 1930-05-02 · Heft 34 (2.5.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 34 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 236 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 34, 2. V. 1930 II. Aehnlich verhält es sich Innerhalb des Subjekts. Eine jede schöpferische Tal wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen; sie geht in den Charakter als neuer wesentlicher Bestandteil ein, ist charakterbildend, umwandelnd. Als Umgeborener, ja als Neugeborener tritt der Mensch aus seiner schöpferischen Tat heraus. Und sie ist für ihn um so schöpferischer gewesen, je größer die Wandlung und je ganzer sie gewesen ist, so daß hier wieder unsere zwei Kriterien zum Vorschein kommen: Neuheit und Gestalt. War die Wand- Jung des Charakters gründlich, steht ein ganz neuer Mensch vor uns, ein Berufener, ein Bekehrter, ein Verwandelter — so war die Neuheitsrate dieser Tat groß. Und hat die Um- Wandlung den Menschen ganz erfaßt, in allen seinen Teilen, so ist die Mannigfaltigkeit und die Einheit, d. h. also die ״Gestaltsrate“ dieser Tat groß. III. Und nun das Geschehen. Wie geht schöpferisches Tun vor sich? Man wird fast immer folgenden Vorgang finden: Indem ein Wille auf einen Widerstand stößt, entsteht ein Spannungszustand. Auf diese Spannung, welche nach und nach unerträglich wirf, kann der Mensch verschiedenartig reagieren: negativ, indem er nachgibt und verzichtet; hysterisch, indem er einen Ausweg nach dem Gesetze des geringsten Wider- Standes sucht und positiv, indem er durch die Uebervvältigung des Widerstandes Neues in die Welt setzt. Die Tat geschieht in der Form einer Explosion. Durch sie wird Neues gcschaffen, noch nicht Dagewesenes, das Werk. Für den Vorgang selbst — nicht für das Werk — ist also charakteristisch: Der Widerstand — die Spannung — die Explosion. Dieser Zustand ist begleitet von einem Gefühle des Wertes der Tat und von einer seltsamen Art der Ergriffenheit. Man meint unter dem Drucke einer höheren Macht zu stehen. So viele und so verschiedene Darstellungen der Inspiration wir auch haben, sie alle schildern dieses Gefühl des Ueberwältigt-Seins, als ob etwas Höheres mit ungeheurer hin* reißender und mitreißender Gewalt in den seelischen Bereich eingebrochen wäre. So gingen alle großen Taten vor sich, ob sie sich auf dem Gebiete der Religion, oder der Wissenschaft, der Politik oder der Kunst abgespielt haben. So haben wir denn die Kriterien der schöpferischen Tat beisammen: Im Bereiche des Werkes, sowie der Charakter- Umbildung eine starke Neuheits- und Gestaltsrate; psychologisch ist der Vorgang gekennzeichnet durch die explosive Ueberwindung eines durch starken Widerstand erzeugten Spannungszustandes, Inspirationsgefühl und Wertbewußtsein. Es Ist kein Zufall, daß diese skizzenhafte Analyse des schöpferischen Geschehens hier in dem Zusammenhang einer Würdigung des Schaffens Theodor Herzls gestellt wird. Und es Ist weiter kein Zufall, daß diese Analyse hier im Anschluß an die Selbstaufzeichnungen Theodor Herzls steht. Denn selten kann man alle Elemente der Tat so vollständig und so deutlich beisammen sehen, wie bei Theodor Herzl. Wir kennen sein Werk, wir leben noch heti^p mitten in ihm. Und wir kennen den Menschen; denn Theodor Herzl war Schriftsteller, ein glänzender Selbstbeobachter und ein Mensch, dem es ein Bedürfnis war, sich vor sich selbst durch Selbstanalyse und durch Schreiben Rechenschaft zu geben. So steht er mit allen seinen Gedanke# fast nackt vor uns. Denn mit seit- *am« Offenheit gibt sieh dieser Mann in seinen Aufzeichnungen; er steht vor sich und vor dem Leser stets wie vor dem höchsten Richter. Betrachten wir sein Werk, den Menschen und sein Erlebnis, wie dies altes offen und deutlich vor uns ausgebreitet liegt, so stehen alle Kriterien des schöpferischen Tuns, lückenlos und deutlich vor uns, genau, wie ich sie vorhin dargelegt habe. Das Werk! Ergebnis von Herzls Tat: Das jüdische Volk wird Subjekt Das Ist etwas ganz Neues, etwas, das seit zwei Jahrtausenden nicht da war, kaum versucht worden Ist. Die Juden waren seit ihrer Vertreibung aus Palästina stets nur Objekt gewesen, das man geduldet oder nicht geduldet, hereingerufen oder wieder vertrieben hat. Wohl, sie haben sich auch manchmal gewehrt, manchmal einzeln, manchmal in Gruppen, aber nie ist das Ganze dieses Volkes aufgetreten. Erst als der große Ruf erscholl: Wir sind ein Volk, ein Volk. Das war das große Erlebnis, da wurde das Judentum zum Subjekt; da sagte es Ich zu sich und Wir zum Ganzen dieses Volkes. Es bekam einen gemeinsamen Willen, Organe, diesen Willen zu bilden, Organe, ihn auszuführen, und Organe, ihn zu verkünden. Und nach dreißigjähriger Arbeit wurde im Mandat der Schlußpunkt dieser Entwicklung erreicht. Nicht nur wir sagten ״Wir“ zu uns; die Völker erkannten es an. Die Juden wurden nicht nur für sich Subjekt, sondern wurden von den Völkern, vom Völkerbund, von der Welt als Völkerrechtliches Subjekt anerkannt. Das war das Werk, das Herzl begonnen, das ist üas Ergebnis seiner genialen Tat. Wir fühlen deutlich die beiden Kriterien des Schöpferischen: eine große Neuheitsrate und ein Gewaltiges an Gestaltung. Nie hat es so etwas gegeben, man wagte es kaum zu denken. Wohl hat es zionistische Versuche gegeben, aber nicht die politische Tat; nicht das Auftreten des ganzen Volkes; also ein bedeutendes Maß an Neuheit; und ebenso an einheitlicher Verarbeitung; die Einheit liegt beschlossen in der organisatorischen Tat Herzls, der Zusammenfassung der Teile der zerstreuten, ja zerstäubten Menschenmassen. In allen Teilen der Judenheit auf der ganzen großen Erde wirkte der Ruf gestaltend; und wir mögen über die Meinungsverschiedenheiten in unserem Lager klagen, in unserem Innern wissen wir doch, welche einheitliche Stoßkraft und Leistungsfähigkeit in der Zionistischen Organisation gelegen ist. Die beiden Kriterien des Schöpferischen: Neuheit und Einheit sind für jeden überzeugend. Vielleicht noch deutlicher, als im Werke ist das Schöpferische in der Wirkfmg der Tat Herzls auf sein eigenes Wesen zu verspüren. Wir sehen das große Phänomen der Um- Wandlung eines Feuilletonredakteurs der ״Neuen Freien Presse“ in einen Menschen der Tat! eines Wiener deutseh-assunilierten Literaten zum ersten politisch fühlenden Nationaljuden. Man kann diese Wandlung in den Tagebüchern und Schriften Herzls in allen ihren Phasen verfolgen. Wie der Gedanke der zionistischen Erlösung der Juden tatsächlich erst ein Literateneinfall war, und wie Herzl selbst nicht wußte: werden seine Träume zu einer Wirklichkeit führen oder sind es Vorstudien zu einem Roman? Und richtig ist die erste Tat ein Schauspiel: ״Das neue Ghetto“, geschaffen in der höchsten Schöpferfreude, aber doch nur ein Stück, geschrieben, um auf dem Theater gespielt zu werden. Und was dann folgt, ist wieder eine Schrift: Der ״Judenstaat“. Aber eine Schrift, welche .bereits eine klare Tat war. Mit dieser literarischen Tat trat Herzl aus der Literatur in die Wirklichkeit. Nun wird der liebenswürdige Plauderer, der Verfasse» launiger Theaterstücke zu einem Führer des Volkes; zu einem Führer in ganz überwältigendem Sinn; zu einem Führer, der mitreißt, Menschen verwandelt, Gruppen zusammenschweißt, aufgeht in seiner Tat, sieh opfert. Am Anfang spiegelt er sich noch ein wenig in seinem Tun und in seiner Wirkung, später wird er immer reiner und ist zum Schluß absolut selbstlos seiner Tat hingegeben. Diese Umgeburt eines Menschen gehört zu den größten Selbstverwandlungen der Neuzeit. So sieht heute aus, was in früheren Zeiten Berufung zum Propheten und religiöse Be* kehrung war. Der Stil ist anders, die Sache ist dieselbe. Eine neue Schöpfung eines Menschen aus sich heraus; eine Umgebürt. Etwas Neues entsteht, was früher nicht da war. Und dieses Neue ergreift diesen Menschen ganz, verwandelt seine Gewohnheiten und sein Leben, seinen Leib und seine Seele. Und macht aus allen diesen Elementen eine imponierende überw ältigende Einheit, einen Menschen von gebietender persönlicher Macht. Wenn man an der Möglichkeit dieses größten Ereignisses, an der Möglichkeit menschlicher Selbstverwandlung verzweifeln könnte, Theodor Herzl müßte einem den Glauben daran wiedergeben. Es ist nicht nötig, Einzelheiten zu zitieren. Wer das Leben und Wirken, die Schriften und Reden Herzls kennt, wird an dem Gesagten nicht zweifeln; dem werden die beiden Kriterien des Schöpferischen, Neuheit und Gestalt, fast in jeder Einzelheit entgegenleuchten. Am deutlichsten sind wir natürlich über das psychologische Bild der schöpferischen Tat durch Theodor Herzl selbst unterrichtet. Wie tief schildert er das Erlebnis des Antisemitismus — den Widerstand gegen seinen stolzen Judenwillen — und das Gefühl der Spannung vor der schöpferischen Tat. Wie er immer wieder versucht, sich den Druck von seiner Seele zu schieben, und wie es ihm nicht gelingt, weil er zu stark ist, als daß hier ״schreiben“ eine positive Abreaktion hätte sein können. Er spürt die Berufung, ״Mich schlug der Blitz zu Gottes Ritter . . und «r fühlt unsagbar deutlich das Neue. ״Es ist etwas ganz anderes, Neues, viel Größeres in mir aufgcschossen, was mir jetzt wie ein Basaltberg vorkommt, vielleicht weil ich noch so erschüttert bin und das Entstandene noch so fürchterlich glüht.“ Er gibt sich ganz der Sache hin: ״Seit einiger Zeit glaube ich nämlich, daß es für mein Leben keinen größeren Zweck gibt, als mich der Judensache anzunehmen.“ Und später: ״Sie sagen, daß Sie die Judensache nicht ausfüllt; mich füllt sie seit einiger Zeit ganz aus, ganz, ganz!“ Für die Inspiration, unter der er steht, findet er unerhört deutliche Worte, er schreibt von der ungeheuerlichsten produktiven Aufregung, ״so daß ich manchmal fürchte, verrückt zu werden.“ ״Ich war nie in einer so glücklichen hohen Stimmung. Ich denke nicht ans Sterben, sondern an ein Leben voll männlicher Taten, daß alles andere Wüste, Verworrene, das je in mir gewesen sein mag, auslöscht, aufhebt und alles mit mir versöhnt.“ Er wird ganz selbstlos: ״Ich habe keine Sekunde lang literarisch an mich gedacht, sondern immer nur an andere Menschen, wetebf schwer leiden.(‘ Und er M sich des über* ««»schlichen Wertes seiner Leistung bewüßt: ״Ich glaübe, für mich hat das Leben aufgehört und die Weltgeschichte begonnen.“ Es ist nicht schwer, die psychologischen Kriterien der schöpferischen Leistung in diesen Worten, sowie auch in vielen anderen, die zum Teile in diesem Almanach abgedruckt sind, wiederzufinden. Luke und die Mandatskommission London, 27. April. (J.T.A.) Nach einem Telegramm aus Jerusalem teilt der ״Felestin“ mit, daß H. C. Luke, der zur Zeit der Unruhen im August 1029 den damals abwesenden High Commissioner Sir John Chancellor im Amte vertreten hat, bei der nächsten, im Juni 1930 stattfindenden Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes die britische Mandatsregierung vertreten und den Mitgliedern der Mandatskommission auf ihre Fragen die nötigen Informationen erteilen wird. ״Felestin“ fügte hinzu, daß Luke nach Beendigung der Tagung der Mandatskommission nach Jerusalem zurücKk ehren und seinen Posten als Chefsekretär der Palästina- Regierung wieder antreten wird. Die Londoner J.T. A. wandte sich an die zuständige Stelle in London um Auskunft hierüber und erhielt die Auskunft, daß Luke nicht als der beglaubigte Vertreter der britischen Regierung auf der Juni-Juli* Tagung der Permanenten Mandatskommission des Volkerbundes, in der die durch die August-Unruhen in Palästina geschaffene Lage erörtert werden wird, fungieren wird, sondern daß er nur den beglaubigten britischen Vertreter zu der Tagung begleiten wird, um als die für die Regierung Palästinas während der August-Unruhen verantwortliche Person den Mitgliedern der Mandatskommission die nötigen Informationen zu erteilen und die an ihn gerichteten Fragen zu beantworten. — Von autoritativer Stelle wurde der J. T. A. ferner mitgeteilt, daß Lukes Diensturlaub verlängert worden sei, daß es aber gegenwärtig nicht möglich sei, etwas Definitives über seine Entschließungen für die Zeit, nach der er der Juni-Juli-Tagung der Permanenten Mandatskommission beigewohnt haben wird, vorauszusagen. Die Nachricht, daß Luke der Tagung der Permanenten Mandatskommission, wenn auch nur als Begleiter des beglatibigten britischen Vertreters, beiwohnen wird, hat die zionistisehen Kreise in London überrascht und enttäuscht; in offiziehen englischen Kreisen aber wird die Tatsache, daß er als derjenige, der für das Regime im August 1929 verantwortlich ist, den beglaubigten britischen Vertreter begleiten wird, als die natürlichste Sache von der Welt angesehen. Die IiiBot-BSdea Jerusalem, 27. April. (J.T.A.) Vor dem Gericht begann heute der zweite Teil der Vernehmungen über den Fall der Mat-Böden, der einen Streitpunkt zwischen arabischen Pächtern und den jüdischen Kolonisten von Chederah bildet. Der Anwalt der arabischen Pächter erklärte, seine Klienten wünschten, mit den jüdischen Kolonisten direkt zu verhandeln, um mit ihnen ein Uebereinkommen zu treffen. Mit Zustimmung des Anwalts der Regierung wurde demgemäß beschlossen, die Vernehmungen bis zum 19. Mai zu vertagen, um den streitenden Parteien Gelegenheit zu direkten Verhandlungen zu geben. Kompliziert wird der Fall nunmehr dadurch, daß der nördlich von Chederah wohnende Beduinenstamm Arab el Fukra Anspruch auf die Mat-Böden erhebt, und dieserhalb gejren Joscnuah Hankin und die Gesellschaft Agudath Netaim gerichtlich Klage erhob; es sind dies Böden, auf die auch die Mat-Pächter Anspruch erheben. Die Londoner Verhandlungen Die Warschauer jüdische Presse weiß zu berichten, daß die englische Regierung Lord Llojd, den gewesenen Oberkommlssär Aegyptens, mit der Leitung der Royal Commission, die die zukünftige Politik Englands in Palästina beraten soll, betraut hat. Ferner berichten die Warschauer Zeitungen, daß die in London weilende arabische Delegation der englischen Regierung Vorschläge überreicht hat, die von der englischen Regierung abgelehnt wurden. Die Regierung soll der palästinensisch-arabischen Delegation mitgeteilt haben, daß sie nur solche Vorschläge entgegennehmen werde, die eine Grundlage für eine Diskussion zu einer jüdisch-arabischen Verständigung in Palästina abgeben können. Zu diesen Meldungen ist zu bemerken, daß sie entweder in den Tatsachen keine Grundlage haben oder den Ereignissen vorauseilen. Bisher steht es keineswegs fest, daß eine Royal Commission eingesetzt werden wird, ebensowenig ist schon ein Vorsitzender einer solchen Kommission ernannt. Was die arabischen Vorschläge an die englische Regierung anbelangt, scheint die Mitteilung der ״Vossi selten Zeitung“ vom 29. v. Mts. zu stimmen, daß die Verhandlungen der Delegation mit der englischen Regierung nach dem 1. Mai beginnen und vor der Tagung der permanenten Mandatskommission in Genf abgeschlossen werden sollen. Die ״Vossische Zeitung“ weiß ferner zu berichten, daß die von der arabischpalästinensischen Delegation in London entfaltete Propaganda sich bereits in der Unterhausdebatte über den Palästinabericht auswirken werde. Angeblich sollen einflußreiche englische Politiker die arabischen Vorstellungen nicht ungünstig zur Kenntnis genommen haben. EigiiselK Zeitschriften über Shaw-Bericht und Palästina* Problem Die Wochenschrift ״Saturday Review“ bringt einen kurzen Aufsatz des Arabers Sir dar Ikbal Ali Shah über Aegypteil und Palästina. Der Verfasser meint, so groß die Bedeutung des ägyptischen Problems für England auch sei, — die Palästina-rrage stelle es noch in den Schatten. Die Ruhe werde dort ausschließlich durch die Anwesenheit britischer Truppen aufrechterhalten. Nachdem der Verfasser die bekannten Wider- Sprüche zwischen den englischen Kriegsversprechungen an die Araber und der Balfour-Deklaration dargelegt hat, wiederholt er die alten Behauptungen, daß die Einwanderung von Ostjuden die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes überstiegen und Elend hervorgerufen habe, und führt Klage über die jüdischen Landkäufe, die zu großen Härten gegen die arabischen Pächter geführt härten. Nach einigen ähnlichen Beschwerden erklärt der Verfasser, die Geschichte der letzten 1300 Jahre beweise, daß kein Araber etwas gegen die Juden als solche habe, aber das aggressive Wesen der ostjüdisehen Zionisten habe Widerstand hervorgerufen und den Frieden gestört. Jetzt müsse sich England darüber klar sein, daß durch den politischen Zionismus und das augenblickliche System des Landerwerbs durch die Juden ein Zustand geschaffen werde, in dem der Frieden des Landes auf englischen Bajonetten beruhe, und daß dieser Zustand sich zu verewigen drohe. Denn wenn die kriegerischen Araber ihre Einstellung nicht ändern würden, und auch die Zionisten ihren Eifer nicht verminderten, so sei gar nicht daran zu denken, daß später einmal, bei Ablauf der Mandatszeit, die britischen Trupen aus einem friedlichen Lande abrückcn Öunten! Die einzige Lösung Hege in der schärferen An- Wendung der Mandatsbesftmmungen betreffs der Einwanderung und in aer Aufgabe des jetzigen Systems des jüdischen Landerwerbs. Wena das nicht geschehe, müßten sich die Etogllnder auf eine gefährliche Entwicklung der arabischen Frage gefaßt machen. Die amerikanische Zeitschrift ״The Nation“ (zu deren Mitherausgebern der berühmte linksstehende Publizist H. L. Mencken gehört) druckt einige Stellen aus dem Shaw- Bericht ab, ohne nennenswerte Kritik zu üben. Die englische ״The Nation“ lobt den Bericht der Kommission, wenn sie auch zugibt, daß die Kommission ihre Kompetenzen überschritten habe. Die Tatsache, daß der Berieht keine Verstärkung der englischen Garnison oder der Polizeikräfte empfehle, stelle eine Art Vertrauensvotum zu der friedlichen Gesinnung der beiden Völker dar. Einen ausführlichen Artikel zu dem Shaw-Bericht bringt die Wochenschrift ״The Spectator“. Der anonyme Verfasser billigt sogar die Kompetenzüberschreitung der Kommission ausdrücklich, und tritt für eine baldige klare Definition der britischen Politik ein. Eine Aufgabe des Mandates käme gar nicht in Frage. Der ״Spectator“, der schon unmittelbar nach den August-Ereignissen die palästinensische Regierung verteidigt hat, ist jetzt natürlich sehr befriedigt, daß der Shaw-Bericht dieselbe Tendenz hat. Der ״Spectator“ begrüßt die Reorganisation der Polizei und drückt die Hoffnung aus, daß der Völkerbundrat bald ein Komitee zur Bestimmung der Rechte der verecfiiedenen Religionsgemeinschaften an der Klagemauer einsetzen werde. Zu den Kernfragen des Palästina-Problems sagt der ״Spectator“, alles hinge von der Lösung der wirtschaftlichen Frage ab. Zweifelfos hätten die Araber von aer Schaffung der Jüdischen Nationalen Heimstätte VortefTe gehabt, denn die Juden Hätten mit ihrer Begeisterung und ihrem Fleiß neuen Wohlstand geschaffen. Daran änderten auch die entgegengesetzten Ansichten der Araber, die in den Juden nur tue erbarmungslose Konkurrenz erblickten, gar nichts. Aber die zionistischen Führer hätten nicht immer ihre ursprünglichen Vorsätze eingehaften, *die Einwanderung nach den ökonomischen Bedürfnissen des Landes zu regu- Heren. Ferner dürften die Juden durchaus nicht blindUngs Land kaufen, wo sife es *kriegen könnten, da sonst die Araber bald eine Gemeinschaft von enteigneten Proletariern bilden würden. Man könne natürlich sagen, das sei dann eben die Schuld der Araber selbst; aber die Regierung dürfe nicht zulassen, daß dle Araber landlos würden, nur weil die Juden geschäftstüchtiger seien! Es komme jetzt vor allem auch darauf an, durch eine sorgfältige landwirtschaftliehe Enaufcte festzustellen, ob nicht durch Einiührung intensiverer landwirtschaftlicher Methoden Raum für beide Vöfker zu schaffen sei. Das Todesurteil gege■ Urphtli Jerusalem 27. April (J.T.A.) Das Berufungsgericht hat dem zweiten Atmen des jungen Jaffaer Juden Joseph Abraham Mizrachi Ürphali, der wegen angeblicher Ermordung von zwei Arabern während der Unruhen am 28. Aug. 1929 zum Tode verurteilt wurde, und dessen Berufung am 3. April zurückgewiesen wurde, nicht stattgegeben und das Todesurteil bestätigt. Der Anwalt UrphaHs ersuchte das Gerieht beim High Commissioner, Sir John Chancellor, um die Begnadigung Urphalis anzusuchen. u *üdischen Gottesdienst an der Klagemauer -störte, indem er aute Rufe ausstieß und die Polizei schreiend aufforderte, die von einigen Andächtigen mitgebrachten Teppiche, die wegen Mangels an Bänken als Sitzgelegenheit dienen, zu entfernen.

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