Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-04-29 · Heft 33 (29.4.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 33 (29.4.1930)
Date
1930-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653188--21541-2679649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 33, 20. IV. 1030 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 233 Konferenz der Zionisten OstgaUziens (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 20. April 1030. Wie bekannt, besteht seit mehreren Jahren in Ostgalizien eine oppositionelle, von Dr. Ringel und Dr. Jnsler angeführte Gruppe, welche in Fragen der Landespolitik mit der Leitung in Lemberg auseinandergeht und hier die landespolitische Konzeption des Abg. Grünbaum vertritt. In reinzionistisehen Fragen zeigt diese Gruppe dieselbe Differenzierung, der man sonst bei den allgemeinen Zionisten begegnet. Diese Oppo־ sition erschien zur Konferenz in Stärke von zirka 50 Delegierten und ihr Hauptpostulat war, wie in früheren Jahren, die bcschleunigte Durchführung der Unifikation sämtlicher Zionisten Polens und Schaffung eines Territorialvcrbandes. Sehr stark vertreten war bei dieser Tagung die revisionistisehe Gruppe, welche eine energische Wahlagitation durchführte und die Zahl von 80 Delegierten erreichte. Die Opposition der Revisionisten Ostgalizicns betrifft nur das außenpolitische und palästinensische Programm der Exekutive, dagegen sind sie an der Landespolitik meistens desinteressiert, haben jedenfalls diesbezüglich keine einheitliche Stellung, betrachten übrigens die reinzionistische Arbeit als primär. Das Hauptproblem der Tagung war die Nachfolgerschaft in der Leitung der Organisation und die Richtlinien der zukünftigen Arbeit. Die bisherige Leitung verfügte kaum über die Hälfte der Mandate und zeigte auch keine Einigkeit in den Hauptfragen. So ergab sich die Notwendigkeit, eine Koa lit i o n zu schaffen. Nach langen Verhandlungen kam eine Koalition der Anhänger der bisherigen Politik und der Revisionisten zustande. Zum Präsidenten der Organisation wurde der frühere Vizepräsident und der Interimspräsident nach dem Ableben von Dr. Reich — Dr. Schmorak gewählt. Zu Vizepräsidenten Abg. Dr. Rosmarin, Dr. Sommerstein und Dr. Lustig (Revisionist), Vorsitzender des Parteirats — Dr. Schreiber. Die Opposition hat die ihr angebotene Teilnähme an der Leitung abgclehnt. Damit bekam die Zionistische Organisation Ostgaliziens nach einer kurzen Uebergangszeit eine neue Leitung, die insbesondere in der Person ihres Vorsitzenden alle Gewähr für energische, pflichtbewußte und fruchtbare Tätigkeit bietet Wenn wir aber die Koalition mit den Revisionisten in Betracht ziehen, ihre Deklarationen auf der Tagung und insbesondere die angenommenen politischen Resolutionen studieren, müssen wir Bedenken äußern, ob es gelingen werde, in rein zionistischen Fragen ein harmonisches Zusammengehen herbeizuführen. Dr. Schmorak hat zwar in seinem großangelegten Referat über die gegenwärtige Situation im Zionismus die Politik der Londoner Exekutive gutgeheißen, sich stark sowohl von den Revisionisten als auch vom ״Brith Schalom“ abgegrenzt und diese Deklaration Dr. Schmoraks entspricht auch der Meinung der überwiegenden Mehrheit der allgemeinen Zionisten Ostgaliziens — jedoch brachte schon bei der Tagung die Koalition mit den Revisionisten Kompromisse, die ihren Ausdruck in den gefaßten Resolutionen fand. Es ist nur zu hoffen, daß trotz dieser politischen Differcn zen, für deren Austragung doch keine Landesorganisation zu ständig sei, die neugewählte Leitung eine ersprießliche und intensive zionistische Arbeit führen werde. Wie immer, wurden auch jetzt viele Stimmen laut, daß die palästinensische Arbeit in Vordergrund zu treten habe. Ing. Landau, welcher soeben von seiner Palästinareisc zurückkehrte, gab in seinem Referate ein anschauliches Bild der Lage im Lande und zeigte an Hand von mehreren Beispielen Möglichkeiten realer Palästinatätigkeit. Abg. Dr. Leser hat wiederum in seinem, mit Beifall aufgenommenen Kulturreferat die Delegierten zur weitverzweigten erzieherischen und ideologischen Arbeit ermahnt, insbesondere auf dein Gebiete der Schule und hebräischer Bildung. Trotz leidenschaftlicher Debatten in den Ausschüssen zeigte die Konferenz ein imposantes Bild zionistischen Wollens. Diese Tagung bewies nochmals, daß in Ostgalizien der Zionismus d i e Volksbewegung ist und sich im steten Wachsen befindet. Trotz Meinungsverschiedenheit gab die Anwesenheit und die Begrüßungen des Abg. Grünbaum im Namen der Zionisten Kongreßpolens und Dr. Schwarzbarts im Namen der westgalizischen Zionisten den Beweis der Verbundenheit samtlicher zionistischer Teilorganisationen Polens, deren vollstän dige Unifikation wohl allzulange auf Sich warten läßt, jedoch schon in der nächsten Zukunft zur Tatsache werden muß. Lemberg 22. April- (J. T. A.) Bel Anwesenheit von 220 Delegierten aus ganz Ostgalizien wurde in Lemberg die Landeskonferenz der Zionisten Ostgaliziens eröffnet. Dr. Schmorak begrüßte Delegierte und Gäste in hebräischer Sprache, Senator Dr. Schreiber hielt dann eine dem Andenken Dr. Leon Reichs gewidmete Ansprache. Die Dele• gierten begaben sich sodann korporativ zum Grabe Leon Reichs, sie besuchten auch die Gräber von Dr. Zipper, Dr. Korkis, Abg. Frostig, und Dr. Zellermeyer. Nach der Pause begrüßte der Vertreter der westgalizischen Zionisten, Dr. Schwarzbart, die Konferenz und gab dem Wunsche Ausdruck, daß der vollkommene Zusammenschluß der Zionisten ganz Polens bald Tatsache werde. Es wurden Begrüßungen seitens der Zionistischen Exekutive in London und der Zioriistischen Organisationen der Nachbarländer verlesen, ln das Präsidium wurden >.gewählt Senator Dr. Schreiber, Dr. I n s i e r, Dr. N e i . r, Orenstein, E c k e r 1 i n g, Dr. R i t - t e r m an n (Stanislau) und Dr. Reichmann (Przemysl). Die Opposition beteiligte sich nicht an den Präsidiumswahlen. Der Generalsekretär Dr. Rothfeld erstattete den Tätigkeitsbericht, die Opposition meldet die Erstattung eines Sonderberichtes an. Professor Schtup referierte dann Über Organisation, Dr. Sehmoral; über Palästina-Fragen, Ing. Landau über die Lage im Zionismus und Senator Dr. Schreiher über die politische und ökonomische Lage der Juden in Polen. An die Referate schloß sich eine Generaldebatte, die bis spät in die Nacht dauerte. Der zweiten Sitzung der Landeskonferenz wohnte Sejmdeputierter J. Grünbaum bei Der Sprecher der Oppo• sition. Madpis beklagt es, daß die landesexekutive die Beschlüsse der Stryj-Konferenz nicht durchgeführt hat. Dr. f n s I e r betonte, es gehe nicht an, daß man in den all- Semeinen zionistischen Forderungen radikal und in Fragen er Landespolitik opportunistisch sei. Abg. Grün bäum, von der Versammlung stürmisch begrüßt, sprach über die Frage der Vereinigung der vier zionistischen Landesorganisationen Polens zu einer einheitlichen Organisation und versprach alles zu tun, um diese Vereinigung schnellstens zustandezubringen. Die Zionisten Ostgaliziens, sagte er, waren einmal durch ihren Kampfesmut beispielgebend für alle. Er zollt Anerkennung den verstorbenen Führern der ostgaJizischen Bewegu.ig Stau Dr. Zippet 004 Dr. Leon Reich. Abg. Leser referierte über Kulturfragen, Madpis über Hachscharah und Jugendprobleme. Die Landeskonferenz wählte an Stelle des verstorbenen Präsidenten Dr. Leon Reich zwei Präsidenten: Dr. Emil Schmorak als Präsidenten der Landesexekutive, und Scnator Dr. S c h r e i b c r als Präsidenten des Parteirates. Zu Vize- Präsidenten wurden gewählt Abg. Rosmarin, Sommerstein, und der Revisionist Dr. Lustig. Der neuen Exckutive gehören 12 Mchrheitler, 4 Revisionisten und 4 Oppositioncllc Grünbaumscher Richtung an. Die Opposition hat das Resultat der Wahlen noch nicht akzeptiert; cs ist nicht ausgeschlossen, daß ihre Anhänger aus dem Landesverband austreten und sich der Zionistischen Organisation Kongreßpolens anschließen. Obwohl die große Mehrheit der neuen Landesexekutive aus Anhängern der Weizmann -Mehrheit besteht, tragen die politischen Beschlüsse der Landeskonferenz einen oppositioncllen Charakter gegenüber der Zionistischen Exekutive. So wurde u. a. eine Resolution angenommen, in welcher die Londoner Exekutive aufgefordert wird, noch im Jahre 1930 einen außerordentlichen zionistischen Kong r e ß einzuberufen und, gemäß dem Plan Jabotinskys, eine politische Notstandskommission zu schaffen. Eine weitere Re- Solution fordert die Durchsetzung der Entsendung einer Royal CommissionnachPalästina. Abgelehnt wurde der revisionistische Antrag, Dr. Weizmann das Mißtrauen auszudrücken, dagegen wurde eine Resolution angenommen, in der alle Zionisten aufgefordert werden, den von den Revisionisten geschaffenen ״Tel Chaj-Fonds“ zu fördern. Weidah des deutschen Hedi&liiz Am 26. April begann in Berlin die diesjährige Landesfconferenz des deutschen Hechaluz. Die von zahlreichen Delcgierten der landwirtschaftlichen und städtischen Gruppen des Hechaluz und von Angehörigen der zionistischen Jugendbünde zahlreich besuchte Tagung bot das Bild einer lebendigen, vorwärtsstrebenden Bewegung. Die Zeiten der Wirtschaftskrise und der Sperrung der Alijah haben die Chaluzira überstanden, und sie haben es fertiggebracht, sogleich mit Beginn der 5. Alijah ihren Gedanken der zionistischen Verwirklichung in neue Kreise der jüdischen Jugend zu tragen. Jungen und Mädchen sind In die Reihen der Chaluzira eingetreten, die vor noch nicht langer Zeit außerhalb der Bewegung standen. Die enge Verknüpfung mit Palästina und besonders mit den Gruppen deutscher Chaluzim, die in den letzten Jahren dort geschlossen in das Leben der palästinensischen Arbeiterschaft eingedrungen sind, hat der Bewegung in Deutschland Kraft und neuen Aufstieg gegeben. Die Tagung begann am Sonnabend abend mit einer der :grüßung der weidah dienenden Veranstaltung. Nach einigen hebräischen Chorliedern cröffnete im Namen des Merkas Oseherowitz die Tagung. Er wies darauf hin. daß die 5. Alijah bereits 200 Chaluzim aus Deutschland nach Erez-Israel gebracht bat. 170 Menschen sind in diesem Frühjahr neu auf Haehscharah gegangen. Der Gedanke der Chaluziuth dringt auch in Kreise ein, die außerhalb der Jugendbewegung stehen. Hierauf begrüßte im Namen der Histadruth Taben kv, Ein Charod, die Konferenz. Er schilderte das enge Verhältnis von Histadruth und Chaluzbewegung. Die Histadruth kann nur dann stark sein, wenn eine starke Jugendbewegung hinter ihr steht. Der Hechaluz muß sich entsprechend den Bedürfnissen des Landes ausdehnen. Die Reaktion der Effendis in Palästina fürchtet das Erstarken der Arbeiterklasse. Unsere Hauptfront liegt aber in der Gotah- Das «Mische Schicksal ist in aller Weit gleicher■ weise gefährdet. Wenn die jüdischen Massen an die Tore Pa■ lästinas klopfen, dann wird die Aufnahmefähigkeit des Landes wachsen. — Dr. Alfred Klee sprach als Vertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde. Er betonte, daß unsere jüdische Arbeit die Enge der Isoliertheit überwinden und in die Weite des allgemeinen jüdischen Lebens einmünden müsse. Die Gemeinde weiß, daß auch die hier lebenden Juden als solche nur als Glieder des gesamten Judentums zu erhalten sind. Sie unterstützt daher die Arbeit des Hechaluz. Entscheidend dabei ist aber, daß von dem Geist einer opferfreudigen Jugend etwas in den Geist der Gemeinde eindringt. Die Weltanschauung der Chaluzim ist tief jüdisch verwurzelt. Was an sozialistischer Welt anschauung heute geprägt wird, ist letzten Endes für uns Juden nichts Neues. Ein Vorwärts in diesem Sinne bedeutet also zugleich ein Zurück zu versiegten jüdischen Quellen. Und auf der anderen Seite gibt es heute nicht mehr die Möglichkeit, daß eine Gemeinde Sicherung ihres Bestandes erstrebt, ohne daß der von Zion ausgehende Geist sie bestrahlt. Jede Zeit hat ihre Aufgaben, und jede Aufgabe ihre Menschen. Wir sollten etwas von der Solidarität der Generationen verspüren. Sie muß entwickelt werden, damit wir aus der alten Art Kraft für neues Schaffen ziehen. Die Chaluzim können dabei der Gemeinde helfen, und die Gemeinde wird ihre Arbeit nach Kräften unterstützen. — Für die zionistische Vereinigung für Deutschland snrach Dr. S. Kanowitz. Er schilderte die Beziehungen der Z. V. f. D. und des Hechaluz in den letzten Jahren. Unsere Sorge kehre jetzt wieder zur Kolonisation als dem Hauptinhalt des Zionismus zurück. Nicht nur Dokumente begründen unser Recht auf Erez-Israel, sondern Arbeit und Wille der Chaluzim. — Dr. M. Spitzer übermittelte die Grüße des deutschen Hapoel Haza'ir. Er erinnerte an die Zeit der Prager Konferenz vor zehn Jahren und wies auf die entscheidende Bedeutung auch der jetzigen Zeit für die Chaluzbewegung hin. Die Chaluzim sollten stets an Gordons Wort vom Am adam denken, wonach Zweck und Mittel im rechten Verhältnis zueinander stehen sollten. Dr. K a I e k o begrüßte die Konferenz im Namen der Poale Zion in Deutschland. Er wies auf die engen Beziehungen der Partei zum Hechaluz hin und schilderte die Verknüpfung von persönlicher, nationaler und sozialer Befreiung in der Chaluzbewegung. — Dr. S. Schereschewski übermittelte die Grüße der Zeire Misrachl. Bei allen grundsätzlichen Meinungsverschieden heiten eine uns der Gedanke der Arbeit Der Hapoel Hamisrachi glaube an den Aufbau nur durch Arbeit, aber auch nur in Verbindung mit der Thora. — Dr. Ludwig Tietz. der per sönlich am Erscheinen verhindert war, begrüßte die Konferenz schriftlich im Namen des Reichsausschusses der jüdischen Ju gendverbände. Nachdem hierauf noch Präsidium und Permanenzausschuß der Konferenz gewählt worden waren, vertagte sie sich auf Sonntag früh. Die zweite Sitzung wurde mit der Verlesung einer Reihe von Begrüßungsschreiben tind der Erledigung von Formalien eröffnet. Hierauf sprach M. Schapiro, Haifa, über die Lage in Palästina. Das umfangreiche Referat schilderte die Entwichlung des Jischuw in den letzten Jahren. Die Landwirtschaft sei unsere entscheidende Position; die Stadt kann sich nur im Zusammenhang mit ihr entwickeln. Boden ist genügend vorhanden und wartet auf uns. Aus diesem Grunde muß der KKL. gestärkt werden. Die Privatinitiative sei zwar tienwendig, gehe aber off aus dem Willen zum Verdienen heraus einen unzionistischen Weg. Unsere größte Sicherheit sei das dem Volke gehörende Vermögen. Groß sind unsere Fortschritte in den Kolonien. Der letzte Beschluß auf Neuansiedlung von 1000 Familien ist zwar erfreulich, aber nur ein kleiner Anfang. Die Lage des land wirtschaftlichen Arbeiters sei auch jetzt noch sehr schwer, und er müsse um die Mitverwaltung der Kolonien kämpfen. — Städte könnten ihre Berechtigung nur durch eine Industrie finden. Vor erst sei sie bei uns noch recht klein. Der Arbeiter in der Stadt verdiene zwar mehr״ sei aber auch oft arbeitslos. Der einzige Weg zu seiner Entwicklung sei die Schaffung von Schchunoth Owdim. Die neue Alijah sei in der Hauptsache aufs Land gegangen. Die Bedeutung des Histadruth in allen ihren Zweigen wachse und sei heute eine entscheidende. Zum Rechenschaftsbericht des Merkas, der gedruckt vorlag, äußerte sich zunächst ergänzend L i c b c n s t e i!1. Er betonte, daß Palästina die Krise überstanden habe und das deutsche Judentum verarme. Das seien zwei Ursachen zum Aufschwung unserer Bewegung. Aber das Tempo unserer Entwicklung sei zu langsam. Es sei schwer, den seelischen Weg zur deutschjüdischen Jugend zu finden. Wir müssen die Jugendbündc in unserem Sinne beeinflussen. Es sei eine Erschwerung für unsere Beziehungen zu Erez-Israel, daß wir von der deutschen biirgerliehen Gesellschaft stark beeinflußt sind. Die Berührung mit Palästinensern sei daher besonders wichtig. In der Frage der orthodoxen Chaluzim treten wir für ihre kulturelle Autonomie ein, halten aber ihre organisatorische Sonderstellung in Palästina nur für eine Zeiterscheinung. Was die Haehscharah anbelangt, so sei eine kurze Haehscharah in der jetzigen Zeit erforderlich. Die öffentlichen Mittel des deutschen Judentums und insbesondere der Gemeinden müßten für diese Arbeit mobilisiert werden. Israelowitz untersuchte die Fragen des Berufes unter erziehcrischcn Gesichtspunkten. Unser Nachwuchs sei Verhältnismäßig jung; wir müssen daher als eine Erziehungsbewegung die Totalität des Menschen erfassen. Bei der Berufswahl muß das Ziel sein, selbstsichere Menschen zu schaffen und aut die Bcdürfnisse Palästinas Rücksicht zu nehmen. In der Nachmittagssitzung sprach zunächst Oscherow 11 z zum Rechenschaftsbericht. Er schlug die Gründung städfischer Gruppen des Hechaluz vor, die der Ausdehnung der Bewegung dienen sollen. Die Alijah Kibbuzith müsse auch in Zukunft im Mittelpunkt unseres Interesses stehen. Die Aussprache über diese Referate zog sich bis in die späten Abendstunden hin und wurde von zahlreichen Teiinehmern sehr lebhaft geführt. Der Wille zum Hineintragen des Chaluzgedankens in die Jugend kam überall zum Durchbruch; praktische Wege zur Durchführung dieser Aufgabe wurden gesucht. Die Frage der Hebraisicrung, das Verhältnis in der Erziehungsarbeit zwischen den Jugendbündcn und dem Hechaluz und besonders auch die Frage der Erfassung der eigentlichen westjüdischen Jugend wurde erörtert. Weiterhin sprach man über die Fragen der fachlichen Haehscharah und das Problem der Eingliederung der im ״Brith Chaluzim Datiim“ organisierten orthodoxen Chaluzim in den Hechaluz. Die Aussprache wurde dann auf Montag früh vertagt. Zionismus ln Lettland nnd Litauen Am 17. April sprach vor den Mitgliedern der Vertreter- Versammlung der B. Z. V. Dr. Werner Bloch über seine Reiseeindrücke in Lettland und Litauen. In Lettland leben ungefahr 108000 Juden, davon in Riga etwa 40000. In etwa 45 Orten bestehen zionistische Gruppen. Einen zionistischen Lan• desverband gibt es nicht, sondern nur einzelne Parteien. Der vor zwei Jahren gemachte Versuch, eine territoriale Arbeitsgemeinschaft zu schaffen, ist nicht gelungen. Man will diese Bestrebungen jetzt wieder aufnehmen. Außerordentliche Bedentung hat die Landespolitik, die in vieler Hinsicht die Arbeit für Palästina überschattet. Die Tatsache, daß im Parlament ein Misrachist, ein Zeirc-Zionist sowie je ein Agudist und ein Ban* dist sitzen, spielt eine große Rolle im jüdischen Leben. Bei den Wahlen herrscht ein Kampf aller gegen alle, auph unter den zionistischen Parteien. Etwas gebessert haben sich die Verhältnisse dadurch, daß sich allmählich eine gewisse regionale Arbeitsteilung unter den Parteien gebildet hat. Es ist klar,,daß die Aussicht auf jüdische Minister für die Massen stärkeren Anreiz bietet als die reguläre Kleinarbeit für Palästina. Mittlerweile ist eine neue zionistische Generation herangewachsen, die und beim Haschoraer Hazair der Fall. Diese Jugend ist quantitativ und qualitativ hervorragend zu bewerten und überragt die Jugend des Westens durchaus. Dank staatlicher Hilfe stehen ihr zwei Lehrgüter zur Verfügung. — Die Einordnung der Nichtzionisten in die Agency ist gut gelungen. Es gibt in Lettland ״verhinderte Assimilanten“, d. 11. Menschen, die zur Assimilation neigen, aber nicht wissen, an wen man sich assimilieren könnte. Es existieren jüdische Schulen mit deutscher Unterrichtssprache, die dem Geiste nach immer jüdischer werden. Ein Aktivum ist die Schaffung zweier zionistischer Schülerbünde, die gut arbeiten. Die Agencykreise um Prof. Mi!« in Riga bcschäftigen sich intensiv mit Palästina. Außerordentlich fortgeschritten Ist die Hebraisierungsbewegung. Ein hebräisches Gymnasium mit 540 Schülern hat einen sehr schönen Neubau erhalten. Die allgemeine Wirtschaftslage in Lettland und Litauen ist verhältrtismäßig besser als in Deutschland. Trotzdem geht es den Juden furchtbar schlecht. Für die litauischen Juden ist die Einwanderungssperre nach Südafrika ein schwerer Schlag. Viele kleine Ortschaften haben nur von den Geldsendungen aus Amerika und Südafrika und von der Hoffnung auf eine Schiffskarte gelebt. Es wächst eine starke Intelligenz heran, die nicht absorbiert werden kann, weil das große russische Wirtschaftsgebiet fehlt. 90 "0 der jüdisehen Studenten haben in Litauen keinerlei wirtschaftliche Aussichten, und der Rest dürfte auch nur gerade noch existieren können. Trotzdem bildet das Studium für die Juden noch die beste Beschäftigung in den Jugendjahren. Die Auswanderung nach Belgien und Frankreich ist nicht unerheblich. Die Studenten selbst fordern, daß die Jerusalemer Universität ihre Tore weit für sie öffne. — Die Hebraisierung der litauischen Jugend ist beinahe ebenso weit fortgeschritten wie in Palästina. Der Haschomer Hazair mit über 2000 Leuten ist die einzige wirklieh straffe zionistische Organisation. Er kämpft mit aller Kraft gegen die Gefahren von links. Audi die akademische Jugend ist hebraisiert. In Kowno gibt es ein wunderschönes neues Gymnasium mit 620 Schülern und ferner ein hebräisches Realgymnasium mit 400 Mädchen und 500 Knaben. —- Der litauische Zionismus wird von einem gewissen Traditionalismus beherrscht. Hieraus erklären sich manche politische Schwierigkeiten der zionistischen Führung. Eine starke innere Aufkihrungsarbeit wird auf diesem Gebiete erforderlich sein. L. Im Aufträge der Zionistischen Exekutive weilte Dr. Werne! Bloch Anfang April einige Tage in Riga. Einer Einladung des Rigaschen ״Vereins zur Förderung der Jerusalemer Universität“ folgend, hielt Dr. Bloch am 1. April, zur Fünfjahrfeier der Universität, vor einem zahlreichen Publikum den Festvortrag über ״Die Aufgaben der Intellektuellen für das werdende Palästina“. Mit den verantwortlichen Instanzen aller zionistischen Parteien hielt Dr. Bloch mehrere Beratungen ab, die zum einstimmigen Beschlüsse führten, an die Gründung einer durch alle lettländisehen Schekelzahler zu wählenden zionistischer! Arbeitsgemein- Schaft zu schreiten, wobei die Wahlen zur konstituierenden Konferenz dieser Arbeitsgemeinschaft für den Herbst d. J. vorgesehen sind. Bei der das zionistische Leben Lettlands beherrsehenden Parteizerklüftung würde das Zustandekommen einer solchen Arbeitsgemeinschaft von ungeheurem Werte für die Intensivierung der zionistischen Arbeit im Lande sein. Neben dieser zentralen Aufgabe wandte Dr. Bloch die Aufmerksamkeit der Fühlungnahme mit allen an der zionistischen Arbeit in Riga interessierten Kreisen zu. So sprach er bei der Eröffnungsveranstaltung der lettländisch-n Wiza über die Auf-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.