Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 33 (29.4.1930)
- Date
- 1930-04-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 232 JUEDISCRE RUNDSCHAU Nr. 33, 29. IV. 1930 Prcssettimineii Dr. Fritz Simon berichtet im ״Berliner Tageblatt“ vom 25. April aus Jerusalem darüber, wie das Hebräische, das jahrhundertelang als tote Sprache galt, in Palästina zu neuem Leben erwacht. Die führenden hebräischen Verlagsanstalten sind zum größten Teil von Warschau und Odessa, mit Berlin als Zwischenstation, nach Palästina übergesiedelt, wo sie ein reiches literarisches Leben entfalten. Neben der Förderung des rasch aufstrebenden bodenständigen Schrifttums nehmen sie sich vor allem der Uebersetzung älterer und zeitgenössischer Werke ins Hebräische an. Die Standardwerke der Weltliteratur sind schon heute dem hebräischen Lesepublikum zugänglich. Das Hauptkontingent der Uebersetzungen ins Hebräische stellt aber zweifellos die deutsche Literatur; bedeutete doch Deutschland, als der westliche, kulturell und zivilisatorisch fortgeschrittene Nachbar für die russischen und polnischen Juden, die in der Hauptsache nach Palästina übergesiedelt sind, das ״Mekka der Zivilisation“. Außerdem bildete natürlich die jiddische Sprache eine Brücke zum Verständnis des Deutschen; auch in Palästina, wo Jiddisch durch Hebräisch verdrängt wird, ist Deutsch noch heute zwar nicht die meist gesprochene, wohl aber die meist verstandene Fremdsprache. Am stärksten ist die moderne deutsche Literatur vertreten. Der Jerusalemer Korrespondent der ״Frankfurter Zeitung“ berichtet, daß nach den Unruhen Im vergangenen Sommer die arabische Presse Palästinas einen starken Auf- Schwung genommen hat. Bis August 1929 besaß Palästina neben drei hebräischen Tageszeitungen keine einzige arabische. Nun hat Palästina vier arabische Tageszeitungen. Andere Blätter, die bisher nur ein- bis zweimal wöchentlich erschienen, kommen jetzt dreimal wöchentlich heraus. Die wichtigste arabische Tageszeitung ist ״Fel es t i n“ in Jaffa. Es folgen in Jerusalem ״El Jamea al Arabia“ (offizielles Organ des Obersten Moslemischen Rates) und ״Meraat el Shark“. Ende März begann in Jerusalem eine neue arabische Tageszeitung zu erscheinen: ״El Hajat“, die vorwiegend wirtschaftlichen Frafen gewidmet sein soll, in Haifa erscheinen fünf arabische eitungen. von denen ״El Karmel“ die wichtigste ist; in Jaffa erscheinen drei arabische Zeitungen, von denen ״S a r a t el Mustakim“ die größte ist. Die Auflagen zahl der Ze'1tungen ist nicht groß. Neben den arabischen Zeitungen, berichtet der Korrespondent, gibt es in Palästina drei hebräische Tageszeitungen, von denen der ״Haarez“ zweimal täglich erscheint, und eine englische Tageszeitung, ״Palestine Bulletin“, die von der Jüdischen Telegraphen-Agentur herausgegeben wird. Der ״Doar Havo m“ fordert die Vollstreckung der Todesurteile gegen arabische Mörder mit der folgenden Begründung: Die Arabische Exekutive fordert die Aufhebung der Todesurteile nicht im Interesse der Verurteilten, sondern im Interesse des eigenen Prestiges. Die Morde waren ein Ergebnis der Hetze der Arabischen Exekutive, die Mörder glaubten Ihrer Versicherung, daß sie straflos ausgehen werden. Wenn man nun heute diese Menschen hängt, so wird das ganze Prestige der arabischen Führer zusammenbrechen. Wir Palästina-Juden, fährt ״Doar Hayom" fort, sehen in der Vollstreckung der gerechten urteile eine Garantie für die Sicherheit in der Zulamft. Die Voll- Streckung der Urteile wird den Arabern beweisen, daß man nicht unser Brut ungestraft vergießdh darf. Der ״Haarez״, Tel-Awiw, ist der Meinung, daß die jüdisehe Öffentlichkeit und die hebräische Presse zur Frage der Vollstreckung oder Nichtvollstreckung der Todesurteile keine Stellung nehmen, sondern die Verantwortung ganz der Regierung überlassen sollen. Prinzipiell, schreibt die Zeitung, sind wir Oegner der Todesstrafe; aber wenn schon Tödesstrafe besteht, sollten diejenige«, die in den Augusttagen gemordet haben, nicht besser davonkommen als andere Mörder. Vor allem soll man sich den Drohungen der Agitatoren und dem politischen Druck nicht ausliefern. Aber wie gesagt, das ist nicht unsere Sache, sondern Sache der Regierung. Es gibt Gesetze und es besteht ein Interesse der öffentlichen Sicherheit; die Regierung möge all dies erwägen und Entscheidungen treffen. Die zionistisch-radikale ״Jüdische Volksstimme“ in Brünn schreibt K. B. in Nr. 17 vom 24. April im Artikel ״Der zionistische Monismus“ (Epilog zu einer Tournöe) u. a.: Dr. Wolfgang von Wei s 1 hat im Zuge einer Tournöe durch Mitteleuropa auch eine Reihe von Städten in der Tschechoslowakei besucht, in denen er Vorträge über die politische Lage in Palästina und im Zionismus hielt und sich mit den Perspektiven der zionistischen Zukunft und der Kritik der zionistischen Vergangenheit befaßte. In verschiedenen Städten ist es zu. scharfen Auseinandersetzungen gekommen, und daß sie nicht zu Tätlichkeiten ausarteten, ist in einzelnen Fällen nur dem Eingreifen der Staatspolizei zu verdanken gewesen. Nach den uns vorliegenden Berichten lagen die Ursachen zu diesen für zionistische Veranstaltungen ungewöhnlichen Vorfällen fast immer in sehr scharfen Ausfällen Dr. v, Weisls gegen die Exekutive, in der Hauptsache aber gegen die Arbeitervertreter der Exekutive und gegen die Arbeiterschaft selbst. Diese Ausfälle gingen auch über die Grenze dessen, was nur noch Schärfe ist: Dr. v. Weist bediente sich im Uebereifer seines rednerischen Temperamentes einer mehr als populären Sprache, sobald er dazu kam. nachzuweisen, daß der zionistische Monismus, der von seiner Partei vertreten werde, von den linksgerichteten Gruppen in Palästina nicht beachtet werde. Da in den letzten Tagen (übrigens nicht zum erstenmal) auch wieder beunruhigende Nachrichten über die Haltung des palästinensischen Brith Trumpeidor nach Europa gekommen sind, der unter Umgehung der Gewerkschaft 25 seiner Mitglieder in Kfar Saba bei Petach Tikwah in Arbeit eingestellt hat und dadurch den berechtigten Widerstand der Histradruth auslöste, dürfte es von Nutzen sein, das Problem des nationalen Monismus und seiner Stellung zum Sozialen und Religiösen aufzurollen. ,Das kann ganz sachlich und ohne jede Gefahr von Mißverständnissen parteipolitischer Natur wohl in einem Blatte geschehen, das wie das vorliegende sich gegen den Vorwurf der Feindseligkeit gegen den Revisionismus geschützt weiß und sich dennoch nicht restlos einverstanden erklären kann mit allen Nebenerscheinungen, die der zionistische Radikalismus produziert, der nach dem Eintritt der Radikalen in die Jewish Agency praktisch — politisch wohl nur noch von der revisionistischen Partei vertreten wird. Jerusalem, 25. April. (J. T. A.) Professor Kirsopp von der Harward-Universität in Chikago hielt in der Hebräisehen Universität einen Vortrag über ״Frühe christliche Kontroversen und ihre Analogien“. Prof. Kirsopp feilte mit, die Harward-Universität plane gemeinsam mit der Hebräischen Universität in Jerusalem die Ausgrabung der Stadt Omri im Samaria-Distrikt. An dieser Arbeit werden sich auch der Palästina-Ausgrabungsfonds und die Britische Schule für Archäologie beteiligen. Rom, 23. April. (J. T. A.) Dem Nationalrat der Korporattonen in Italien, der für drei Jahre gewählt und von Mussolini eröffnet wurde, gehören sechs Juden an. nämlich die Professoren Arias und Del Vecchio, Gino Olivetti, Ingenieur Luzzatti und die Advokaten Levi Deveali und Angelo Das Programm des Brith *Sdialom Die J. T.A, verbleitet nachstehendes Programm de» Brith Schalom: Die Politik der Gesellschaft Brith Schalom basiert auf dem zionistischen Programm, wie es durch die Balfour-Dekiaration und in dem Mandat zur Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina anerkannt ist. Die Politik des Brith Schalom basiert ferner auf der vom Zionistenkongreß im Jahre 1921 angenommenen Resolution, in der ״feierlich der Wunsch des jüdischen Volkes kundgetan wird, mit dem arabischen Volke in Beziehungen der Brüderschaft und gegenseifigen Achtung zu leben und zusammen mit dem arabischen Volke das beiden Völkern gemeinsame Heimatland zu einem blühenden Gemeinwesen zu entwickeln zur Sicherung des Wachstums beider Völker“. Die Gesellschaft ist der Meinung, daß Palästina weder ein jüdischer Staat noch ein arabischer Staat, sondern ein binationaler Staat sein sollte, in dem Juden und Araber — ohne daß ein Unterschied zwischen Mehrheit und Minderheit gemacht wird — die gleichen zivilen, politischen und sozialen Rechte genießen sollen. Die beiden Völker sollten jedes unabhängig in der Verwaltung ihrer internen Angelegenheiten, aber vereinigt in ihren gemeinsamen Interessen sein. Die Gesellschaft ist der Meinung, daß eine der für die Realisierung des Zieles des Zionismus wesentlichen Bedingungen die Schaffung eines Uebereinkommens zwischen Juden und Arabern über die zukünftigen politischen Beziehungen in dem zu erbauenden Palästina ist, sowie über die Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern in der Zeit, während der die Schaffung des gemeinsamen Landes noch im fortschreitenden Werden ist. fl Die Gesellschaft ist der Meinung, daß die Schaffung eines palästinensischen bi-nationalen Staates nur vollzogen werden kann bei einer entsprechenden Entwicklung beider Völker: einerseits durch jüdische Einwanderung, andererseits durch eine Besserung der wirtschaftlichen und der kulturellen Lage der Araber. Eine Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern tut in allen Angelegenheiten not, die das gemeinsame Heimatland angehen; an die Stelle eines nationalen Antagonismus sollte eine palästinensische Politik treten. Die Gesellschaft tritt für die allmähliche Entwicklung von Selbstverwaltungsinstitutionen in Palästina ein, die dazu anetan sind, die Bürger dieses Landes in der Verantwortlicheit der Selbstregierung zu erziehen und auf diese Weise zu ermöglichen, daß die gemeinsamen Interessen von Juden und Arabern in der Landesverwaltung vertreten sind. Die Gesellschaff befürwortet die Aufnahme von Palästinensern in die den Regierungs-Departements angegliederten beratenden Ausschösse, wie Eisenbahn-Ausschuß, Hafen-Ausschuß, Wegebau- Ausschuß und Ständige Kommission für Handel und Industrie. Die Gesellschaft befürwortet ferner die Entwicklung des Systems der Munizipalregierung in gemischten jüdisch-arabisehen Gebieten und tritt für eine baldige Revision der Munizipalgesetze und der Methoden der Munizipalverwaltung ein. Die Gesellschaft ist der Meinung, daß die Interessen sowohl der Juden als auch der arabischen Steuerzahler in dem jetzigen Gesetzgebungssystem nicht angemessen geschützt sind. Die Gesetzgebung Palästinas sollte auf eine repräsentative Basis gestellt werden, vorausgesetzt, daß kein Schritt getan wird, um die Durchführung des Mandates in allen seinen Bestimmungen zu verhindern. Die Gesellschaft begrüßt es, daß die Jewish Agefty die dringende Notwendigkeit freundschaftlicher Beziehungen zwisehen Juden und Arabern anerkannt hat. Die Gesellschaft empfiehlt eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Ausbiklung von Juden und Arabern*.«He״Schaffung von fandwirtschaftlichen Krediterleichterungen für Juden und Araber, die Ausdehnung der kooperativen Kreditgenossenschaftsbewegung auf das arabische Gebiet, Steuererleichterung auf lanawinschaftlichem Gebiet für Juden und Araber, Annahme eines gemeinsamen Programms für landwirtschaftliche Forschung seitens der Regierung und der Juden und Veröffentlichung der Ergebnisse dieser Untersuchung in hebräischer und in arabischer Sprache. Die Gesellschaft ist der Meinung, daß die Ansiedlung von Juden auf bei Arabern gekauftem Baden unter folgenden Formen sich vollziehen soll: Diejenigen früheren Pächter und unrechtmäßigen Ansiedler, die dies wünschen, sollen Boden- Kleinbesitz erhalten, wobei die Kosten zum Teil durch die gemäß der Pächter-Schutzverordnung erhaltene Entschädigung gedeckt werden sollen. Landeigentümer, die einen Teil ihres Bodens an Juden verkaufen, sollen darin unterstützt werden, den Rest ihres Bodens durch geeignete Investierung des aus dem Verkauf erhaltenen Geldes intensiv zu kultivieren. Die Gesellschaft befürwortet die Wiedereinrichtung eines Regierungs-Departements für Handel und Industrie, die Gründüng einer vereinigten Föderation jüdischer und arabischer Fabrikanten und die Wiedererrichtung vereinigter jüdischer und arabischer Handelskammern in Jaffa und in Haifa. Die Gesellschaft regt an, daß die Kampagne für Verwendung palästinensischer Produkte so geführt werden solle, daß jüdisehe wie arabische Kreise aufgefordert werden, jüdische wie arabische Produkte zu kaufen. Die Gesellschaft billigt die Politik der Allgemeinen Jüdisehen Arbeiter-Föderation, die in der Bildung gemeinschaftlicher jüdischer und arabischer Gewerkschaften ihren Ausdruck findet, und ist der Meinung, daß die Gesamtzahl der durch die Regierung beschäftigten Arbeiter und Angestellten jeder Gemeinschaft annähernd 1m Verhältnis zur Größe der Gemeinschaft stehen soll. Die Gesellschaft mißbilligt den Ausschluß jüdischer Arbeiter aus arabischen und arabischer Arbeiter aus jüdischen Unternehmungen. Sie empfiehlt die Festsetzung eines Minimallohnes, um jüdische wie arabische organisierte Arbeiter vor der Konkurrenz Nichtorganisierter zu schützen. Die Gesellschaft empfiehlt eine Zollpolitik, die die Bedürfnisse einer in der Entwicklung befindlichen Industrie, die Wirkung hoher Zölle auf importierte Fertigwaren auf die Lebenshaltung und die Wirkung niedriger Zölle auf importierte landwirtschaftliche Rohmaterialien auf die heimische Land- Wirtschaft in Rücksicht zieht. ©ie Gesellschaft schlägt vor, daß ein vorbeugender Gesundheitsdienst In jüdischen wie in arabischen Gebieten durch die Regierung eingerichtet wird, und daß der Hospitalsdienst allmählich auf die lokalen Behörden übertragen wird. Die Gesellschaft empfiehlt die Erhaltung des jüdischen Unterrichtswesens durch jüdische Körperschaften unter Regierungskontrolle und die allmähliche Einrichtung eines gieichen Systems für das arabische Unterrichtswesen. Den lokalen Unterrichtskomitees soll größere finanzielle und administrative Verantwortung gegeben werden. Eine beratende Kommission von Juden und Arabern soll dem Unterrichtsdepartement der Regierung angegliedert werden. Die Gesellschaft empfiehlt ein vermehrtes Studium des Arabischen in den hebräischen Schulen und Begünstigung der Erwerbung der Kenntnis des Hebräischen durch Araber. Die Gesellschaft schlägt die Gründung eines Instituts zur Vorbereifung von jüdischen und arabischen Kandidaten für An- Stellungen bei der Regierung vor, in weichem für alle Studeuten das Englische, Arabische und Hebräische ah Unterrichtssprachen gelten soll. Ein Schrdberldn I Theater am Noflendorfplatz. I Arnold Zweigs Roman ״Der Streit um den Sergeanten■ Grischa“ verhält sich zu seiner dramatisierten Form wie ein! Waldbrand zu einem Trommelfeuer. Im Roman: da fällt einI Funke, dann qualmt ein Grashalm. Dann greift das Feuer■ einen Busch an, züngelt sich vom Busch zu einem Baumstamm■ über. Dann ergießt sich das Feuer von Wipfel zu Wipfel■ Dann lodern die Flammen über den ganzen Wald gen Himmel I auf. Als Theaterstück hingegen: aufblitzende Flammen. Schlägl auf Schlag. Von Wirbelwinden getragen. Oleich am Beginn I dieses Endspieles der Menschheit. I Es könnte auch anders sein. Und Arnold Zweig hätte esl sich wahrhaftig bequemer und leichter machen können. Undl hätte auch sicherlich mehr Beifall bei den Massen gefunden. I Er brauchte nur den billigen Mut zu haben, schwarzweiß zu| zeichnen. Hie — alles Gute und Gottgefällige. Da — alles I Böse und Verdammenswerte. Wird es doch in unser« Zeit! meistens nach diesem Rezept gemacht. Aber diesen billigen I Mut hatte nun Zweig nicht. Jedoch, indem er es intuitiv und] psychologisch ergründet (und es uns fühlen und «leben läßt), daß auch das verdammenswerteste Schwarz noch Substanzen des Weiß enthält — holt er sich seinen ״Pour Ie mörite“. Und uns nahe stellt er sich, indem er — obwohl er weiß, ״Jeder schießt Jeden“ (dieses von Professoren und Oenwälen verbriefte Naturgesetz) — sich dennoch zum Aufschrei hinreißen läßt: ״wenn Krieg — dann!“ Zuerst ist es stumm, sein bebrilltes Schraberiein und von eigenem Ichgefühl innerhalb dieser Maschinerie zernagt. Dann bohrt sich in ihm das i ״Warum“ des Grischa ein. Seine gefühlsmäßige Verständnislosigkeit einen scheinbar unentrinnbarem Uebel gegenüb«. Unaf dann, wenn ihn sein Schweigen und seine Machtlosigkeit in diesem Dickicht menschlicher Wirrnisse zu erwürgen scheint — wird er zum Verkünder des einzigen und ge• rechten Urteils. (Wie oft in der Geschichte der Menschen haben sich solch unscheinbare Schreiberlein aus ihren schattigen, kleinen Rollen — macht ihres Oefühles und ihres Wortes — zu Verkündern und Richtern emporgerungen!) Aus seinem schicksalsschweren, urtiefen Rechtsgefühl h«aus. Was bindet diese einzelnen, scheinbar losen Bilder? Was gibt ihnen den Rhythmus und den Hauch einer lebendigen Ganzheit? Woher strömt dieses Gefühl des ״aus einem Felsen gehauenen Seins“? Es ist die schrankenlose Liebe Zweigs zum Menschen und sein unerschütterlicher Glaube an die Menschheit. Mit ganzem Herzen und weher Seele geht er an Dinge und Gestalten heran. Deshalb wird bei ihm alles zum lebendigen Leben. So gar nicht papieren, so gar nicht gehirnmäßig. Und da auch das Visionäre in seinem Werke so schlicht aufklingt — wirkt alles unmittelbar und echt. Ein Bild, wie der ״Nahkampf“ der zwei Generäle, Ist Vision und Monument zugleich. Denn hier stellen sich zwei Welten gegenüber: die materialistische und die geistige. Und beide haben Recht. Beide haben es nicht anders gelernt. Beide können nicht anders. Beide habens mit ihrem Blute geerbt. Nur ist die eine das staubige Pflaster einer Gegenwart, während die andere, als gewundener, nach oben strebender Pfad, als Stufe für die Zukunft dienen kann. Und keine Brücke wird jemals zwischen diesen zwei Welten geschlagen werden können. Niemals? Doch. Dieses schmächtige, bebrillte Schreiberlein wird die Brücke schlagen. Sein Leid vielleicht wird die Brücke sein. Schon pendelt es unbeholfen und aufgerissenen Auges zwischen diesen zwei Giganten hin und her. Wie das lebendige, unausrottbare Gewissen. Solches sehen und schaffen, kann nur ein Jude. Und echtes, mutiges Judentum quillt aus jeder Faser des schöpferischen Geistes von Arnold Zweig. Grischa rüstet sich auf den Weg. Auf seinen .letzten...Weg». Er - verteilt ■׳ *»««--*Mabe־ bi».-•auf die letzte Zigarettenschachtel. Er ist ergeben und verzeiht Allen. Und findet Worte, erschütternd in ihrer Schlichtheit. Ungeduldig harrt schon seiner der Henker. Denn Schnaps gibt es, sobald alles gut geklappt hat. Grischa schaut umher. Sucht einen Hafen. Das Schreiberlein verhüllt die Augen. Fürchtet es den Anblick? Nein, es schämt sich ob seiner Machtlosigkeit. Schämt sich, auch noch das kleinste Rädlein in diesem fremden, unverständlichen Mechanismus sein zu müssen. So verhüllte Jeremias sein Antlitz, als er auf den sinnlos z«- störten Mauern Jerusalems saß. Und rief nicht Abel seinem ihn mordenden Bruder (wie Grischa) ״Kamerad!“ zu? Hierin liegt das Messianische des Juden Arnold Zweig. Denn nicht im _ Verkünden allein, nicht im Neuaufbauen allein liegt die Größe unserer Propheten und Messiasse. Sie liegt vielmehr in dem, was sie nicht sehen, nicht dulden, nicht begreifen können. In der Erkenntnis ihrer Machtlosigkeit und in ihrem dennoch aufflackernden Glauben. Schlicht, sehend und fühlend erschloß uns Zweig diese Welt. Er suchte nicht nach großen Worten und hehren Gebilden. Nur seine Welt ist es, in die er uns einführt. Die Welt, in welch« auch die entscheidendsten Kämpfe still, schlicht und nahe ausgefochten werden. Und in Worten und Bildern, die sich uns ohne Kommentare auftun. Daher schenken wir ihm unser Ohr. Und unser Herz. Weil er Unser ist, und in unserer Sprache zu uns spricht. Weil er uns glauben lehrt, daß nicht die ״Schiefenzahne“ recht behalten* Daß nicht dem Degen, sondern dem Schreiberlein die Zukunft gehört. Dem Geiste. Und dem Recht. Wie eine ״via dolorosa“ kreisen vor unseren mitgerissenen Herzen die szenischen Bilder des Alexis Granowsky. Wer hätte es geglaubt, daß er auf Kunststücke verzichten und dennoch Meister bleiben kann? Dieses Mal hat er sich (wirklich zum ersten Male?) einem Dichter fügen müssen. Lebendig und diszipliniert kam jede Gestalt aus den Händen der Schauspieler. Auch das Ensemblcspiel vvar ein Erlebnis. Noch nie war Thiming so groß und im Gestalten eingewurzeit. Als wären ihm — wie Sirason dazumal — all seine sieben Locken binnen einer Nacht gewachsen. Wunderbar die Servaes. Das durch Mensch zum Tier und dann wieder zum Menschen gewordene Weib. Und das Schreiberlein. Es bat recht. Trotz allem. Eleasar Lubrany. Wie das Tschechoslowakische Korrespond-.T büro aus Moskau meldet, hat die Moskauer Filmgesellschaft ״Mesrabpom" eine Filmexpedition in die bisher unbetretenen Teile .der arabischen Halbinsel Yemen unternommen, wo cs ihr unter anderem gelang, das Judenvierte! de.- Stadt Sanaa zu filmen, in welchem sich uralte Sitten der Juden unverändert bewahrt haben. Die Expedition, die oft bei einer Temperatur von 70 Grad Celsius arbeitete, soll wissenschaftlich wertvolles Material über das kulturelle und wirtschaftliche Leben der vemenitischen Juden gesammelt haben. Johannis bürg, 23. April. (J. T. A.) Die letzte Sitzung des südafrikanischen JewJsh Board of Deputies befaßte sich mR der Frage des Schacht Schutzes. Der Board wählte eine Abordnung, die im Namen der Juden Südafrikas mit dem parlamentarischen Komitee für Ausarbeitung eines humanen Schlachthausgesetzes in Verbindung treten und es über die jüdische Schichtung informieren soll. Es wurde auch ein Memo randum über das Schächten ausgearbeitet.